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Pragg gewinnt Nachwuchsturnier

Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Besonders prestigeträchtig sind immer die Begegnungen der vier jungen Jahrgangsbesten in Turnieren gegeneinander: Gukesh (2006), Praggnanandhaa (2005), Nodirbek Abdusattorov (2004) und Alireza Firouzja.(2003). Es ist eine gute Wette anzunehmen, dass diese vier zumindest im nächsten Jahrzehnt die Weltmeisterschaftskrone wechselseitig untereinander ausspielen.

Ergebnisse Youngster im Sinquefield Cup 2025 als Rundenturnier

GukeshPraggnanandhaaAbdusattorovFirouzjaPunkte
Gukesh (Indien)X010.51.5 (3)
Praggnanandhaa (Indien)1X0.512.5 (3)
Abdusattorov (Usbekistan)00.5X11.5 (3)
Firouzja (Frankreich)0.500X0.5 (3)

Drei der hier aufgeführten vier Spieler waren bereits beim letzten Kandidatenturnier in Toronto dabei. Gukesh setzt als Weltmeister 2026 natürlich diesmal aus und Praggnanandhaa dürfte die Qualifikation im Fide Circuit 2025 sicher haben. Bei den verbliebenen Gelegenheiten Grand Swiss in Usbekistan (03.09. – 16.09.) und World Cup in Goa in Indien (31.10. – 27.11.) versuchen von der jungen Garde zusätzlich der deutsche Hoffnungsträger Vincent Keymer (2004) und als dritter Inder Arjun Erigaisi (2003) einen Platz im Kandidatenturnier zu erringen. Für die Usbeken ist noch Javohir Sindarov (2005) ein aussichtsreicher Bewerber, den man aus der jüngeren Generation auf dem Zettel haben sollte. Wer Spektakel und Kontroversen will, der wird sich vielleicht den US-Amerikaner Hans Niemann (2003) vorne wünschen.

Highlights

Die Partien der Youngster waren hart umkämpft. Die Partie der zwei Inder hatten wir schon genauer angesehen. Und die Partie von Firouzja gegen beide Inder waren ebenfalls Highlights des Sinquefield Cup 2025. Alireza Firouzja war der Titelverteidiger der Grand Chess Tour 2024 und wurde diesmal von Pragg und Nodirbek aus dem Rennen genommen. Wobei die Niederlage aus der achten Runde gegen den Usbeken letztlich unter dramatischen Umständen zustande kam.

Pragg-Sieg gegen Firouzja

Gegen seine Hauptkonkurrenten im Youngster-Vergleich, Gukesh und Firouzja, gewann Pragg seine beiden Partien und in beiden Fällen in überzeugendem Stil. Die Partie der zwei Inder hatten wir uns gesondert angesehen. Pragg war die perfekte Partie gelungen. In der Partie gegen den Franzosen ging es zwar nicht ganz so glatt, aber wer mit Schwarz gegen einen Top-Großmeister gewinnt, ohne während der Partie gefährdet gestanden zu haben, der muss Vieles richtig gemacht haben. Bevor wir einige wichtige Momente herausgreifen: die Partie zum schnellen Nachspielen.

In der Partie ging es um Einiges: Für den Inder bedeutete sein Sieg in der siebten Runde, dass er den zum Führenden Fabiano Caruana aufschließen konnte. Da Pragg gleichzeitig seinen Konkurrenten stiegen die Chancen einen der vier Finalplätze im brasilianischen San Paulo der Grand Chess Tour zu ergattern. Die Niederlage brachte den Franzosen in Zugzwang, da sein Landsmann Maxime Vachier-Lagrave, Fabiano Caruana und Levon Aronian ebenfalls die besseren Aussichten auf den Finalplatz zu haben schienen.


Wie sollte Weiß hier fortsetzen? Es ist eine Entscheidung zwischen drei Zügen: Nehmen mit dem Springer oder der Dame auf c6 oder soll Weiß seinen d-Bauern vorschieben, den Springer e5 decken und die lange Diagonale schließen?


Alireza ist vor die Frage gestellt, wie er auf e5 zurückschlagen sollte. Fifty-Fifty.


Der Franzose hat sich eine schlechte Gewohnheit zugelegt. Er ist in jeder Partie vor der ersten Zeitkontrolle unter Zeitdruck. Mit 59 Sekunden zu sieben Minuten musste er hier eine Entscheidung treffen. Soll er den offensichtlichen Damenzug nach d6 spielen, oder nicht? Fifty-Fifty.




Gukesh – Alireza: Kampf auf Augenhöhe

Auch die Partien zwischen Gukesh und Alireza sind meist hart umkämpft. Beim Kandidatenturnier in Toronto hatte der Franzose dem Inder in der siebten Runde die einzige Niederlage zugefügt. Gukesh motivierte diese Niederlage zu einem grandiosen Schlussspurt und späterer Revanche in Runde 13, die letztlich zum Turniersieg führte.


Der Weltmeister ist hier am Zuge und eigentlich kommt hier nur ein Zug mit dem Springer nach d5 in Betracht. Aber welcher Springer soll es sein? Fifty – Fifty.


Soll Alireza hier die Damen auf e6 aktiv tauschen oder seinem Gegner die Entscheidung überlassen? Fifty-Fifty.



Gukesh mit Sieg gegen Abdusattorov

Seit der Entscheidungspartie in Chennai 2022 ist das Duell von Gukesh und Nodirbek mit enormen Emotionen aufgeladen. In der Abfolge im Turnier folgte diese Partie nach der Niederlage von Gukesh gegen Pragg in der Startrunde. Die beiden Youngster kreuzten diesmal die Klingen in einen offenen Ruy Lopez und folgten lange Zeit bekannten Pfaden. Entschieden wurde die Partie später in der Rechenphase in der Gukesh im Angriff besser den Überblick behielt.


Bis hierhin war die Partie für Gukesh wie auf Schienen verlaufen. Wie sollte er hier mit den weißen Steinen fortsetzen?


Gukesh muss seine Kontrollzug (40.) ausführen. Wie sollte er hier mit Weiß am besten fortsetzen?



Abdusattorov – Pragg: Eine ereignislose Partie. Diesmal.



Nodirbek schlägt Alireza

Für beide Spieler lief es bis zur achten Runde schlecht in St. Louis. Für Nodirbek (1.5 aus 7) sogar katastrophal. Alireza (3 aus 7) musste nach seiner Niederlage gegen Pragg die letzten zwei Partien gewinnen, um eine Chance auf die Qualifikation zum GCT-Finale zu behalten. Das waren die Vorzeichen der Partie. Wir sehen überraschenderweise zunächst eine Situation in der der Usbeke einer möglichen Stellungswiederholung ausweicht. Später greift vor allem Alireza mehrfach daneben und nutzt seine überraschenden Chancen nicht konsequent genug. Es spricht für beide Spieler, dass sie sich eine großen Fight lieferten.


Eine Rechen- und Einschätzungsfrage: Was ist in dieser Stellung von Alirezas Springerzug nach d7 zu halten.


Eine interessante Entscheidung im Endspiel steht an: Es gibt zwei spannende Züge. Die Frage ist nur, welcher ist der Bessere. In der Partie wählte Nodirbek im vierunddreißigsten Zug ein spannendes Konzept und entschied sich für den Springerzug nach c2, um nach gegnerischem schlagen auf a4 den schwarzen Turm nach dem Springerzug nach c3 ins Abseits zu drängen. Die Alternative war es auf a6 zu nehmen. Was ist vorzuziehen?


Ein weiterer spannender Moment. Hier wählte Alireza eine drastische Maßnahme und schlug nach einer von verbliebenen dreieinhalb Minuten auf c4 den gegnerischen Läufer, um den f-Bauern zu eliminieren und auf den eigenen g-Bauern zu setzen. Was ist davon zu halten? Und wie geht es nach dem alternativen Vormarsch des g-Bauern weiter und wie ist die Stellung danach einzuschätzen? Fifty-Fifty.


Wo die Youngster stehen


Nur Pragg gewann in St. Louis erneut Elopunkte (+ 6.0) hinzu. Die anderen drei Youngster verloren einige Punkte (Gukesh – 8.6) oder erlebten einen größeren Rückschlag (Firouzja – 12.1, Abdusattorov -22.9). Das sind allerdings nur Momentaufnahmen. Wir vergessen oft wie jung die Spieler sind und dass Schwankungen als Folge von Ergebniskrisen in jungem Alter keinen Weltuntergang bedeuten. In 2024 war Gukesh der dominante Youngster des Jahres mit Sieg im Kandidatenturnier, Fabel-Ergebnis bei der Schacholympiade und WM-Sieg. Alireza gewann die Grand Chess Tour und Abdusattorov litt darunter sich nicht für das Kandidatenturnier qualifiziert zu haben, konnte sich 2024 um über 40 Elopunkte verbessern. Pragg stagnierte in dem Jahr. In diesem Jahr sind die Vorzeichen bisher anders gestellt. Pragg liegt bei praktisch jedem Turnier vorne und konnte sich jetzt als Zweitplatzierter im Sinquefield Cup für das GCT-Finale in Brasilien qualifizieren und hat den Qualifikationsplatz via Fide Circuit 2025 bereits sicher. Beim Grand-Swiss-Turnier in einer Woche in Samarkand könnten wieder andere Youngster scheinen.

Fotos: Lennart Ootes (St. Louis Chess Club)


Hinweis zu automatischen Übersetzungen

Der Originaltext und die Analysen der Partien wurden in deutscher Sprache erstellt. Ich habe mich entschieden eine automatische Übersetzung anzubieten, die durch Betätigen des Sprachbuttons gewählt werden kann. Manchmal sind die Übersetzungen wenig akkurat, aber das lässt sich nicht ändern. So wir beispielsweise der deutsche Begriff „Zug“ von Google mit „train“ statt „move“ übersetzt. Leider haben wir keinen Einfluss darauf. Ein anderes witziges Beispiel ist, wenn der Name des Exweltmeisters Ding Liren mit „thing“ übersetzt wird. Jeder Nutzer einer anderen Sprache sollte das mit Humor ertragen.


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