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Grand Prix: Anna Muzychuk führt

Titelfoto: Mark Livshitz (FIDE Chess)

In Nikosia, der Hauptstadt Zyperns, findet das vierte von sechs Frauen-Grand-Prix-Turnieren statt. Bislang sieht es so aus als würden sich Goryachkina und eine Chinesin qualifizieren. Auf Zypern übernahm Anna Muzychuk zur Halbzeit die Führung, nachdem die Chinesin Zhu Jiner den besten Start hatte. Die Ukrainerin könnte das Qualifikationstableau noch einmal mächtig durcheinander bringen.

Von den bisher gespielten 25 Partien wurden zehn Partien entschieden. Das ist eine ordentliche Quote. Immer deutlicher wird auch im Frauenschach, dass Alter im Leistungsbereich eine zunehmend wichtigere Rolle spielt. Die älteste Teilnehmerin Elisabeth Pähtz (40) konnte schon zu Beginn des Turniers erneut nach zwei enttäuschenden Auftritten im Grand-Prix nicht mithalten und spricht selbst von Problemen mit ihrem Energielevel. Immerhin gelang ihr in der fünften Runde ein schöner Sieg gegen die Inderin Harika Dronavalli (34), die seit der Geburt ihres Kindes bislang nicht wieder zu alter Stärke finden konnte. Anna Muzychuk ist 35 Jahre alt und ihre Schwester Marija, bereits Weltmeisterin vor zehn Jahren, ist drei Jahre jünger. Die jüngste Spielerin im Feld ist die Inderin Divya Deshmukh mit 19 Jahren. Zhu Jiner ist mit 22 Jahren bereits Großmeister und studiert Ökonomie in Shanghai. Sie war eigentlich im Grand-Prix gar nicht vorgesehen, sprang aber für ihre Landsfrau Lei Tingje ein. Man könnte darüber spekulieren, dass diese als Sekundantin einer der zwei Chinesinnen im Weltmeisterschaftskampf im April hilft. Um die Altersliste noch zu vervollständigen: Die Georgierin Nana Dzagnidze ist 38 und die Russin Aleksandra Goryachkina ist mit 26 Jahren schon eine erfahrene Spielerin, die bereits einen WM-Kampf hinter sich hat. Die Griechin Stavroula Tsolakidou wird zum Ende des Turniers 25 Jahre alt und Olga Badelka, die inzwischen für Österreich antritt, ist ebenfalls erst 22 Jahre alt.

Ein Blitzstart gelang der Chinesin Zhu Jiner mit zwei Siegen in den Startrunden. Zunächst gewann sie mit den weißen Steinen gegen Olga Badelka und dann mit Schwarz gegen die deutsche Großmeisterin Elisabeth Pähtz. Gegen die Deutsche profitierte sie von einem Energieeinbruch nach fünf Stunden Spielzeit, anders ist das Geschehen auf dem Brett nicht zu erklären.


Die Leiden der Elisabeth Paehtz

Die deutsche Großmeisterin spricht selbst immer häufiger vom eigenen Karriereende. Tatsächlich hat sie seit der Schacholympiade in Budapest keine überzeugenden Turniere mehr gespielt. Immerhin will Elisabeth noch Blitz und Schnellschach spielen. In Deutschland bricht unter Funktionären bereits Panik aus. Auf der anderen Seite hatte Paehtz bereits mehrfach ihren Rücktritt erklärt und meist mit Kritik am Deutschen Schachbund verbunden, um dann doch wieder anzutreten.


Diese Stellung von Elisabeth mit Weiß gegen Zhu Jiner aus der zweiten Runde hat es in die aktuellen Lasker-Aufgaben geschafft. Schwarz hat hier keine aktiven Optionen mehr. Der schwarze König muss den Bauern auf f6 verteidigen und das potentielle Eindringen des Gegners auf f5 verteidigen. Der Läufer auf d1 kann nach e2 ziehen und Schwarz reagiert mit Königszügen zwischen e4 und f4. Die Partie sollte Remis enden. Das gespielte 49.g5 war jedoch ein grober Fehler an dieser Stelle. Schwarz tauschte den eigenen f-Bauern und zog mit dem h-Bauern vorbei nach h5 und Weiß wird in Zugzwang kommen.

Die deutsche Großmeisterin Elisabeth Paehtz hatte bereits in der ersten Runde gegen die Griechin Stavroula Tsolakidou eine ordentliche Niederlage kassiert. In einem Interview vor dem Turnier hatte Elisabeth die aktuelle Krise eingeräumt und ihre altersbedingten Energieverlust verantwortlich gemacht. Vielleicht liegt es auch an anderen vielfältigen Aktivitäten wie einem Hausbau, der den Fokus verändert.



Anna. Zuletzt drei Siege in Folge

Anna Muzychuk begann das Turnier mit ihrem standardisierten Remis gegen ihre Schwester. Danach folgte ein weiteres Remis gegen Aleksandra Goryachkina und dann gewann die Ukrainerin ihre nächsten drei Partien. Gegen Nana Dzagnidze hatte Anna etwas Glück. Danach folgten noch ein Sieg gegen Divya, die eigentlich aus der Eröffnung heraus sehr gut stand, und gegen die Griechin Stavroula Tsolakidou.


In dieser Stellung gewinnt Weiß eigentlich ohne Nachzudenken nach dem Tausch der Damen im Bauernendspiel. Das lernt man bereits als Anfänger unter dem Stichwort entfernter Freibauer. Anna war sich kurz vor der Zeitkontrolle nicht so sicher und nahm stattdessen im 39. Zug auf c5. Danach ist die Stellung im Damenendspiel eigentlich haltbar. Das war aber noch nicht die ganze Geschichte der Partie. Es ging weiter und die Georgierin bekam die Verteidigung dann doch nicht hin.





Momente

Die jüngere Schwester von Anna Muzychuk, Marija, spielte bislang mit fünf Remis-Partien eher unauffällig. In der fünften Runde hatte sie eine gute Chance gegen Olga Badelka, konnte diese aber nicht nutzen.





Nach sechs Zügen spielte hier Harika in der fünften Runden den neuen und schlechten Zug d7-d5, der ein Bauernopfer darstellt und keine Kompensation bot. Das machte ihre Chancen im Turnier nach dem Sieg in der Runde zuvor wieder zunichte. Die Inderin mag übermotiviert an die Partie herangegangen sein gegen eine angeschlagene Gegnerin (0.5 aus 4). So konnte die deutsche Elisabeth Pähtz immerhin seit langer Zeitt wieder eine Turnierpartie gewinnen.


Hinter den Kulissen

Der Weltschachbund bietet in der Regel gutes Informationsmaterial von seinen Turnieren an. Diesmal ist Michael Rachal (54), ein spanischer Internationaler Meister für die Pressetext verantwortlich. Rahal betreibt auch einen sehr informativen Youtube-Kanal auf dem er regelmäßig aktuelle Partien vorstellt und kommentiert. Das Fotomaterial stammt diesmal von Mark Livshitz, einem der bekannteren Fotografen auf der Schachtour. Diesmal kam auch der Vizepräsident der FIDE und fünfmalige Weltmeister Vishy Anand vorbei und kommentierte zusammen mit der ukrainischen Kommentatorin Anastassija (42) Karlowytsch die fünfte Runde.


Tabelle erstellt mit Chessbase.

Anna Muzychuk hätte bei einem alleinigen Sieg in Nikosia noch eine gute Chance auf einen der zwei Qualifikationsplätze. Sollte die Russin Goryachkina zum Schluss des Turnier nicht noch einbrechen, dann dürfte sie sich direkt für das Turnier der Kandidatinnen qualifizieren. Den zweiten Qualifikationsplatz sollte eigentlich eine Chinesin holen, welche der beiden könnte sich ebenfalls erst im letzten Turnier in Österreich zeigen, dann spielen Anna, Zhu und Tan im gleichen Turnier mit.


Peter Heine Nielsen sprach während des Turniers ein nicht unproblematisches Thema an. Die Muzychuk-Schwestern spielen regelgerecht immer in der ersten Runde gegeneinander, um Manipulation bei den Ergebnissen auszuschließen. Die Partien gehen immer Remis aus und wirken wie abgesprochene Resultate. Sie haben aus seiner Sicht den Vorteil, dass sie die Folgepartien ausgeruhter angehen können. Die beiden in der letzten Runde gegeneinander spielen zu lassen, wäre allerdings noch absurder. Um das Thema zu entschärfen sollten die Spielerinnen aber nicht in jedem Grand-Prix gemeinsam antreten wie in diesem Zyklus.


Event-Homepage.

Fotos: Mark Livshitz (FIDE CHESS).


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