Foto: Dariusz Gorzinski.
In der dritten Runde standen die Begegnungen von Landsleuten im Mittelpunkt des Masters. Zweimal gewann der vermeintlich schwächere Spieler. Matthias Blübaum zeigte warum er als Underdog ein gefährlicher Gegner auch im Candidates sein dürfte. Im Challenger-Turnier gab es einen blutigen Montag. Sechs Partien wurden entschieden.
Von Thorsten Cmiel
Im deutschen Duell betraten beide Spieler in der Abtauschvariante des Damengambits zunächst sehr solide Pfade. Es sah früh nach Damentausch und einem Positionskampf im damenlosen Mittelspiel aus. Vincent Keymer verfolgte jedoch ehrgeizigere Pläne und hatte zuletzt seinen h-Bauern ein Feld nach vorne geschoben.
Matthias Blübaum fand einen Weg, um das Geschehen auf dem Brett ein wenig zu seinen Gunsten zu wenden. Matthias ist zweimaliger Europameister und muss sich dennoch auf der großen Bühne erst noch beweisen. Gegen Vincent zeigte er seine ganze Klasse. Ein Zug genügt allerdings nicht, um die Initiative zu gewinnen.
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Im Interview mit Theo Waits von Lichess gab es die Bestätigung, dass Matthias Blübaum mit Rasmus Svane als Sekundant angereist ist. Die beiden kennen sich schon aus Zeiten der Prinzen-Gruppe, einem ehemaligen Förderprogramm des deutschen Schachbundes.
So erfreulich der Start von Matthias Blübaum bisher gelang, so wird es vermutlich nicht weitergehen. In dem sehr langen Turnier dürfte der deutsche Kandidat noch einige kritische Momente erleben und genau dafür spielt er in Wijk mit. An schwierigen Momenten wachsen Schachspieler. Eine andere Ausgangssituation hat Vincent Keymer, der als Favorit ins Turnier gestartet ist und jetzt nach zwei Niederlagen in Folge seine erste Minikrise bewältigen muss. Vincents Trainer Peter Leko wird Vincent sicherlich einige hilfreiche Ratschläge geben können. Vermutlich muss der deutsche einfach gedanklich ein neues Turnier beginnen.
Giri verliert erneut
Die zwei Kandidaten Anish Giri und Praggnandhaa sind beide mit einem halben Punkt aus drei Partien fehlgestartet. Insbesondere der Niederländer wirkte in seinen bisherigen Partien unaufmerksam. Der Niederländer scheint seinen bisher eher schwachen Auftritt leicht zu nehmen, zumal die Partie der dritten Runde phasenweise von Giri hervorragend gespielt wurde. Vielleicht hilft ihm das Wissen darum, dass der US-Großmeister Fabiano Caruana vor dem Gewinn des Kandidatenturniers in 2018 ein schlechtes Turnier in Wijk spielte (5.0 Punkte aus 13). Damals gewannen Giri und Magnus Carlsen mit neun Punkten.
Die Partie gegen Jorden Van Foreest war engagiert gespielt vom Kandidaten Giri. Nachdem er eine gute Chance ausgelassen hatte, missglückte ihm allerdings eine positionelle Entscheidung im 30. Zug. Der entscheidende Fehler unterlief Giri im 37. Zug, also kurz vor der Zeitkontrolle. Anish hatte etwas mehr als 7 Minuten übrig und zog zu schnell. Diesmal konnte er sich nicht mehr erholen und verlor das von seinem Gegner stark gespielte Endspiel deutlich.

Der Springer auf e6 gibt Weiß Hoffnung auf mehr als nur einen halben Punkt. Wie sollte sich Anish Giri hier mit Schwarz verteidigen? Mit etwas mehr als sieben Minuten für vier Züge blieb dem Kandidaten genügend Zeit die Stellung zu verstehen. Was ziehen? Giri zog schnell und lag daneben.


Unkommentierte Remis-Partien
Wijk aan Zee ist traditionsgemäß mit 13 Runden eines der anstrengendsten Turniere auf der Tour. Da hilft es sich gelegentlich eine Auszeit zu gönnen und nicht zu viel zu versuchen. Die meisten der fünf Remispartien der dritten Runde waren umkämpft, aber es gelang keinem Spieler ein ausreichendes Ungleichgewicht zu schaffen.



Ergebnisse Masters 2026

Ergebnisse Challengers 2026

Moment des Tages
Der legendäre Vasyl Ivanchuk ist bekannt für manche dramatische Momente. Da in beiden Turnieren in den ersten 40 Zügen ohne Inkrement gespielt wird, ist die Situation aus seiner Partie normalerweise undenkbar. Nach 39 Zügen zeigte die Uhr eine Sekunde an. Die Stellung sah so aus:
Velimir Ivic steht mit Weiß hier vor seinem 40. Zug. Mancher Kommentator schlug vor als Überraschungsidee auf g6 mit der Dame zu schlagen. Ivic zog stattdessen seinen e-Bauern vor und der Ukrainer reagierte mit seinem Turm, den er nach e8 zog. Die Uhr sprang nicht um und Vasyl gewann später. Objektiv war der e-Bauernzug zudem keine gute Idee.
Ivanchuk had ONE SECOND to make the last move before getting any extra 30 minutes, and he made it! 😆 the whole venue burst out in applause pic.twitter.com/FOUvHN53fS
— Chess.com (@chesscom) January 19, 2026
Wie es weiterging (Hier Klicken)
Paarungen der Kandidaten
| Anish Giri | Praggnanandhaa | Sindarov | Bluebaum | |
| Anish Giri | X | Runde 5 | 0.5 – 0.5 | Runde 10 |
| Praggnanandhaa | Runde 5 | X | Runde 12 | Runde 7 |
| Sindarov | 0.5 – 0.5 | Runde 12 | X | Runde 4 |
| Bluebaum | Runde 10 | Runde 7 | Runde 4 | X |
Fotos: Dariusz Gorzinski, Lennart Ootes (Tata Steel Chess), Jurriaan Hoefsmit (Tata Steel Chess).

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