Foto: Lennart Ootes (Tata Steel Chess)
Im Duell der Kandidaten gewannen der Usbeke Javokhir Sindarov gegen Matthias Blübaum mit einem taktischen Ausrufezeichen. Nodirbek Abdusattorov punktete gegen Thai Dai Van Nguyen und ser US-Amerikaner Hans Niemann zeigt sich bisher in guter Form. Im Challengers-Turnier gab es erneut sechs entschiedene Partien. Dort führt der Aseri Aydin Suleymanli mit 3.5 Punkten.
Von Thorsten Cmiel
Herausragend war der Sieg von Hans Niemann gegen den Inder Aravindh Chitambaram aus Chennai. Die Partie könnte als Musterpartie beim Ausnutzen gegnerischer Ungenauigkeiten herangezogen werden. Die anderen entschiedenen Partien steuerten diesmal die zwei Usbeken bei. Nodirbek Abdussattorov hatte lediglich eine kurze Schwächephase gezeigt, aber ansonsten eine starke Leistung gezeigt. Matthias Blübaum reihte sich in die teilweise absurd erscheinenden Niederlagen im Masters 2026 ein. Tragisch war wieder mal der Verlauf in der Partie von Arjun Erigaisi, der Anish Giri bereits am Haken hatte, aber dann im Endspiel einen kurzen Moment unaufmerksam war. Die Begegnung von Pragg und Gukesh hielt diesmal nicht was man sich von der Chennai-Stadtmeisterschaft versprechen konnte und endete im Dauerschach. Vincent Keymer konsolidierte mit seiner Schwarzpartie.
Deutscher Kandidat mit taktischer Schwäche
Nur einen Tag lang konnte Matthias Blübaum seine Position vorne im Feld genießen. In der vierten Runde gelang es ihm zunächst eine hoffnungsvolle Stellung aufzubauen. Dann traf der Deutsche, mit ordentlichem Zeitvorteil ausgestattet, mit etwas zeitlichem Abstand zwei schlechte Entscheidungen und verlor ausgerechnet gegen einen anderen Kandidaten, Javokhir Sindarov. Taktische Schwächen sind leider bei den deutschen Großmeistern keine Seltenheit und so kam es als Folge zur ersten und unnötigen Niederlage von Matthias Blübaum.
Hier kann Matthias Blübaum auf a4 einen Bauern schnappen. Aber ist ihm das zu empfehlen? Falls es nicht der Bauer sein soll, was dann?
Es sieht nach baldigem Dauerschach auf h3 und g3 aus. Mit seinem Turmzug nach e6 hat der Usbeke Sindarov die gegnerische Dame auf d6 attackiert. Wie sollte Matthias Blühbaum reagieren und vor allem wie nicht?
Sollte der Usbeke hier das Dauerschach auf den Feldern g3 und h3 geben, oder gibt es einen letzten Versuch doch noch etwas mehr zu erreichen?
Partieanalyse und Lösungen (Hier Klicken)
Hans im Spielrausch
Großes Kino: Hans Niemann spielte mit Schwarz und vertauschten Farben einen Maroczy-Aufbau gegen den „Drachen“ des Gegners. Es ist immer wieder erstaunlich wie wenig positiv sich der Anzugsvorteil hier für Weiß auswirkt. Hans übernahm früh die Kontrolle und erlaubte seinem Gegner an keiner Stelle Hoffnung auf einen halben Punkt zu entwickeln.

In dieser bekannten, aber heutzutage eher selten gespielten Eröffnung hatte der Inder zuletzt seinen a-Bauern gezogen. Was ist seine Idee und worauf sollte Hans Niemann hier achten?
Nodirbek Abdussattorov in guter Frühform
Die entstandene Bauernstruktur in der folgenden Partie kann aus ganz unterschiedlichen Eröffnungen entstehen. Die Partie hat insofern eine ganz grundsätzliche Bedeutung. Allerdings zeigt sich, dass Thai Dai Van Nguyen lange Zeit gut mithalten kann.

Prestigeduell endet mit Punkteteilung
Weltmeister Gukesh und Praggnanandhaa sind keine Freunde, sondern in erster Linie Rivalen, die sich in ihren Partien gegeneinander wenig schenken. Die Begegnungen der beiden Jungs aus Chennai sind oft aufregend. Diesmal war der Verlauf vergleichsweise ausgeglichen und die Partie endete mit Dauerschach im Damenendspiel.

Der niederländische Glückspilz
Anish Giri verbraucht bereits zu Beginn des Jahres sein Kontingent an Glück für 2026. Das ist angesichts seiner bisherigen zwei Niederlagen als These vielleicht etwas steil, aber Anish wurde vom Inder Arjun Erigaisi überspielt und hatte in jeder seiner vier Partien mindestens einmal auf Verlust gestanden. Wie gegen Javokhir Sindarov half sein Gegner erneut unfreiwillig kräftig mit, damit Anish nicht erneut verliert.

Die schwarzen Figuren sind erkennbar besser postiert. Wie sollte Anish Giri hier warum seine Verteidigung organisieren?

Weitere Remis-Partien
Vincent Keymer konsolidierte nach seinen zwei Niederlagen und spielte gegen den türkischen Junior im Turnier eine vergleichsweise ereignislose Partie. In der Begegnung von Vladimir Fedoseev und Jorden Van Foreest kam es lediglich im Turmendspiel zu einem Aussetzer, der aber nicht bestraft wurde. Erneut zeigen Teilnehmer Schwächen im Endspiel.
Die Partie war bis hierher ausgeglichen verlaufen. Hier ist der Niederländer Jorden Van Foreest als Schwarzspieler am Zuge. Wie sollte er fortsetzen? Das Endspiel hatte noch zwei weitere bemerkenswerte Momente zu bieten.
Lösung und Turmendspiel (Hier Klicken)
Paarungen der Kandidaten
| Anish Giri | Praggnanandhaa | Sindarov | Bluebaum | |
| Anish Giri | X | Runde 5 | Remis | Runde 10 |
| Praggnanandhaa | Runde 5 | X | Runde 12 | Runde 7 |
| Sindarov | Remis | Runde 12 | X | Niederlage |
| Bluebaum | Runde 10 | Runde 7 | Sieg | X |
Ergebnisse Masters

Ergebnisse Challengers

Nach drei Niederlagen in Folge gewann der niederländische Großmeister Erwin L’Ami endlich eine Partie. Sein Gegner war ausgerechnet Vasyl Ivanchuk, der am Tag zuvor noch für etwas Aufregung sorgte.

Sollte Weiß hier einen Zug nach dem Kontrollzug auf b7 den Bauern schlagen? Wie sollte Schwarz darauf reagieren und wie ist danach die Stellung einzuschätzen?

Ergebnisse bei Chess-Results.
Alle Fotos: Lennart Ootes (Tata Steel Chess).