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Ist Zhu Jiner die Angstgegnerin von Divya?

Titelfoto: Michal Walusza (FIDE Chess).

Die letzten beiden Begegnungen gewann die Chinesin in Prag und jetzt beim Turnier der Kandidatinnen. Aber Divya konnte Zhu Jiner immerhin beim World-Cup mit Weiß schlagen und sich später für Zypern qualifizieren. Dennoch bleibt der Eindruck, dass die Inderin mit dem Spielstil der Chinesin oft nicht zurechtkommt. Eine Spurensuche.

Von Thorsten Cmiel

Es gibt im Turnierschach Gegner gegen die man mehr Schwierigkeiten hat als diesen von der Spielstärke her im Ergebnis zusteht. In der April-Ratingliste 2026 liegt Divya bei 2510 und Zhu Jiner bei 2554) Umgangssprachlich nennt man das eine Kundenbeziehung. Ein Kunde liefert regelmäßig Punkte ab. Jetzt wäre es zu früh Divya eine solche Beziehung anzudichten, aber die bisherigen Begegnungen zwischen den beiden Spielerinnen sprechen eine eindeutige Sprache, zumindest in Partien mit klassischer Bedenkzeit steht es nach der ersten Begegnung im Kandidatenturnier fünf zu eins für die Chinesin. Nimmt man alle Begegnungen inklusive Blitz, Schnellschach und einer Online-Begegnung, dann kommt Divya auf dreieinhalb Punkte aus insgesamt 12 Partien. Die beiden dürften auch in Zukunft noch häufiger gegeneinander antreten und es ist wichtig für Divya in künftigen Turnieren einen Weg zu finden, wie sie mit der Chinesin klarkommt. Die nächste Partie steht auf Zypern in einigen Tagen an.

Women’s World Cup Batumi 2025

Schauen wir uns die letzten vier Begegnungen der beiden Spielerinnen genauer an. Zuvor hatte Divya bei zwei Grand-Prix-Turnieren im Frühjahr 2025 zwei Niederlagen kassiert. Die ersten beiden hier betrachteten Begegnungen spielten Divya und Zhu Jiner in Batumi beim World-Cup gegeneinander. Die Chinesin war über den FIDE-Grand-Prix bereits für das Turnier der Kandidatinnen qualifiziert und Divya musste unbedingt den Wettkampf gewinnen, um sich zu qualifizieren. Es begann mit einem positionellen Sieg mit den weißen Steinen. In der zweiten Partie folgten die beiden Kontrahentinnen lange Zeit bekannten Mustern und Zhu Jiner zeigte sich gut vorbereitet. Dann griff die Inderin im 18. Zug zu einem zu passiven Zug und verlor recht deutlich.



Die anschließenden Stichkampf-Partien von Divya können in einem älteren Bericht nachgespielt werden. Die Inderin gewann die erste Schnellschach-Partie aus einem leicht besser stehenden Turmendspiel heraus und in der zweiten Partie versuchte Zhu Jiner eine materielle Unwucht ins Spiel zu bringen, lag aber die Partie hinten und bekam letztlich ein Unentschieden geschenkt. Der Rest im Turnier ist Schachgeschichte. Die Inderin gewann später den Frauen-World-Cup und qualifizierte sich für das Turnier der Kandidatinnen auf Zypern.

Prag Challengers 2026

Als Vorbereitung auf das Kandidatenturnier spielten Divya und Zhu Jiner in der Challenger-Gruppe in Prag mit. Am Ende kam die Inderin auf einen hervorragenden dritten Platz, während die Chinesin einige Schwierigkeiten hatte mitzuhalten. Aber die Begegnung der beiden Kontrahentinnen endete mit einem Sieg von Zhu Jiner.


Die Inderin begann ambitioniert mit dem Benko-Gambit und ihre Gegnerin hatte vermutlich am Brett eine spontane Idee einen zentralen Bauern zu opfern. Der Bluff funktionierte, die Inderin lehnte nach zehn Minuten Nachdenken ab und kam deutlich unter die Räder.

Kandidatinnen-Turnier Zypern 2026

Die erste Partie auf Zypern verlief zunächst nicht gut für die Inderin und es sah früh nach einem vollen Punkt für Zhu Jiner aus. Dann bekam Divya mehrfach die Chance eine Qualität für einen Bauern zu opfern und ihre Stellung weitgehend zu befreien. Sie tat es überraschenderweise nicht – ihr Spielstil ist normalerweise selten ängstlich zu nennen – und ihr Spiel gegen die Chinesin wirkte fast gehemmt, fast unterwürfig.


Fotocredits: Batumi, Anna Shtourman (FIDE Chess), Michal Walusza and Yoav Nis(FIDE Chess).

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