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Es ist Vaishali!

Titelfoto: Michal Walusza (FIDE Chess)

Die 24-jährige Inderin Vaishali aus Chennai war die unwahrscheinlichste Siegerin im Turnier der Kandidatinnen. Am Ende setzte sie sich trotz zahlreicher Rückschläge während des Turniers durch und erreicht jetzt als zweite indische Spielerin überhaupt einen Kampf um die Krone der Weltmeisterin im Schach.

Von Thorsten Cmiel

Das Frauenturnier war deutlich spannender als das Turnier in der offenen Klasse. Das lag nicht nur an den recht zahlreichen Fehlern der Spielerinnen im Turnier, sondern auch am Fehlen einer dominierenden Akteurin und wechselnden Führungen. In der zwölften Runde hatte die Inderin noch ihre große Chance in ihrer Partie gegen Zhu Jiner verpasst. Aber die Chinesin verlor erneut in Runde 13 und lag vor der Schlussrunde wieder einen halben Punkt hinten. Stattdessen war die Kasachin Bibisara Assaubaeva punktgleich mit vorne.

Die drei Spielerinnen mit Chancen vor der finalen Runde

In der Finalrunde behielt dann die Inderin Vaishali die Nerven und gewann ihre Partie gegen die Russin Kateryna Lagno, die ein eher zweifelhaftes Abspiel im Drachen wählte und daher früh schlechter stand. Ihre Landsfrau Divya hatte ihr den Weg bereitet, indem sie gegen Assaubaeva einen halben Punkt holte, obwohl ihre Leistung zuletzt regelrecht eingebrochen war.


In dieser Stellung konnte Indien erstmals große Hoffnungen hegen. Divya, die vor längerer Zeit in Chennai ebenfalls einige Zeit bei Ramesh RB und Aarthie Ramaswamy trainiert hatte, zeigte in der letzten Runde nach einem Leistungseinbruch, aus den letzten fünf Partien hatte Divya nur einen halben Punkt geholt, jedenfalls ein sehr gute Leistung. Hier allerdings verpasste sie ein große Chance. Welchen Zug konnte die Inderin hier entkorken?


Die entscheidende Partie

Die Partie von Vaishali gegen Kateryna Lagno ist schnell nacherzählt: Die Russin kannte sich offenbar in der Nebenvariante der Inderin nicht aus und geriet früh in eine schwierige Stellung mit einem geopferten Bauern, der keine Kompensation fand. In einer späteren Phase entglitt der Inderin die Kontrolle an einer Stelle etwas, aber Lagno konnte das nicht nutzen und verlor letztlich deutlich. Die Inderin gewann damit nach zwei Grand-Swiss-Turnieren in Folge ein weiteres Top-Turnier.


Endtabelle

Die FIDE selbst gibt die Reihenfolge ohne Feinwertung an und platziert die Spielerinnen auf einem geteilten Platz. Die Siegerin erhält 28.000 Euro als Preisgeld plus eine Punkteprämie von 4400 Euro pro vollem Punkt. Vaishali kommt also auf ein Preisgeld von 65.400 Euro plus WM-Kampf.

Die besten Kurz-Interviews beim Kandidatenturnier auf Zypern sind meines Erachtens die von Theo Waits, dem COO von Lichess, dem weltweiten Technologieführer bei der Spielplattform-Infrastruktur im Online-Schach.

An meinem Geburtstag im Jahr 2023 hatte ich einen Text bei Chessbase nach Vaishalis dritter GM-Norm veröffentlicht, der mit dem folgendem Satz endete: „Ich werde nie mehr erwähnen, dass Vaishali die Schwester von Pragg ist, außer die beiden gehen wieder gemeinsam durch ein Ziel, werden zum Beispiel beide Einzelweltmeister. Denn Vaishali ist eine hervorragende Spielerin aus eigenem Recht.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Fotos: Niki Riga, Michal Walusza (FIDE Chess).

Mein Interview mit Vaishali auf Kreta 2022: Glück gehört zum Spiel.


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