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HomeFrauen-WM 2027Vier Spielerinnen kämpfen um den ersten Platz

Vier Spielerinnen kämpfen um den ersten Platz

Erstellt mit Nano Banana.AI.

Das Turnier der Kandidatinnen lebt bisher nicht von der Qualität der Partien. Dort marschiert auch keine Spielerin durch wie in der offenen Klasse ein junger Usbeke. Das Frauenturnier ist aber viel spannender. Zwei Runden vor Schluss haben realistischerweise noch vier Frauen Chancen auf den WM-Kampf gegen Ju Wenjun.

Von Thorsten Cmiel

Theoretisch können sogar noch sechs Spielerinnen hoffen sich für die Stichkämpfe zu qualifizieren. Dafür müssten aber vor allem die beiden Spielerinnen vorne eine weitere Partie verlieren und keine der beiden Spielerinnen darf eine Partie mehr gewinnen, die Russinnen Aleksandra Goryachkina und Kateryna Lagno müssten beide Partien gewinnen und auch die Spielerinnen auf dem geteilten dritten Platz dürften nicht mehr als einen Punkt holen. Das sieht mehr nach Zahlenspielen als nach einer seriösen Prognose aus. Die wahrscheinlichsten Siegerinnen liegen auf den Plätzen eins bis vier und mit deren Restprogramm und ihrer bisherigen Form beschäftigen wir uns kurz.

Ausgangslage nach 12 Runden

Paarungen in Runde 13 und Runde 14 des Frauen Kandidatenturniers 2026

Die Equalizer-Partie

In der zwölften Runde hatte die indische Großmeisterin Vaishali einen vollen Punkt mehr als ihre Gegnerin, die Chinesin Zhu Jiner. Die Partie nahm einen bizarren Verlauf, da die Inderin ihre Gegnerin zwar überraschte, dann aber in völlig unverantwortliche längere Denkphasen verfiel. Letztlich entschied die geringe Restzeit über das Partieergebnis. Der Partieverlauf selbst war gar nicht dramatisch aus Sicht der Inderin, aber es fühlte sich im Verlauf und für die Spielerin schlechter an als objektiv gerechtfertigt. Es ist auffällig wie sowohl Vaishali als auch ihr Bruder Pragg am bekannten Problem eines eigenen schlechten Zeitmanagements leiden.


Die Stellung ist anspruchsvoll. Die Inderin bleiben noch 16 Minuten und ein Schnaps für 24 Züge. Objektiv betrachtet ist das bereits eine größere Unwucht, die nur gerechtfertigt ist, wenn man wie der russische Großmeister Alexander Grichuk ein Experte für Zeitnot ist und sich sehr tief in die Stellung eingegraben hat und dann besonders aktiv spielt.


Es gab für beide Spielerinnen in dieser Partie mehrere Momente besser zu agieren. Hier ist die Inderin im 25. Zug dran. Wenn man prinzipiell agiert, dann findet man diesmal sogar den richtigen Zug. Nur andeutungsweise zeigt sich bei der Variantenprüfung wie schwierig es ist, den richtigen Pfad zu finden. Über zehn Minuten Zeitnachteil (4.49 zu 15.16) sind jedoch ein wichtiger Ergebnisfaktor, denn ein fehlerfreies Spiel ist bei einer derart komplexen Stellung kaum möglich..


Zhu Jiner (China)

Die chinesische Favoritin hat sich durch ihren Sieg in der zwölften Runde wieder ins Spiel gebracht. Gegen die zwei Inderinnen hatte Zhu dreieinhalb Punkte geholt. Ansonsten war ihr Spiel bisher eher unter ihren Erwartungen. Vielleicht macht der stärkste Sekundant, Ivan Cheparinow, im Frauenfeld diesmal den Unterschied. In der dreizehnten Runde spielt Zhu Jiner mit Weiß gegen die Russin Aleksandra Goryachkina, die Zhu in der siebten Runde geschlagen hat (die Runden 13 und 14 wurden getauscht im Vergleich zu den Runden 6 und 7). Sämtliche vier Partien der beiden Spielerinnen gegeneinander endeten im Unentschieden. Die Entscheidung im Turnier könnte in der letzten Runde fallen, wenn Zhu mit Schwarz gegen Anna Muzychuk spielt. Insbesondere wenn beide Spielerinnen noch im Rennen sind. Die Erfahrungen mit Nervenstärke sprechen eindeutig für die Chinesin.

Vaishali (Indien)

Ihre erste große Chance hat Vaishali schon vergeben in der zwölften Runde. Für die Inderin spricht das scheinbar leichtere Restprogramm im Turnier. Vaishali ist als Spielerin mit der schlechtesten Elozahl angetreten und schlägt sich insofern gut bisher. In der dreizehnten Runde spielt Vaishali mit Schwarz gegen die Siegerin des Kandidatenturniers von Toronto 2024, die Chinesin Tan Zhongyi. Ihre Ergebnisse gegen Tan sind bislang eher zugunsten der Chinesin ausgefallen. Diese hatte in der Hinrunde den gröbsten Fehler im Turnier auf das Brett gezaubert, als sie ihren eigenen Turm völlig unnötig auf die lange Diagonale a1-h8 zog und sich selbst ausschaltete. Auch die zweite Gegnerin der Inderin musste im Hinspiel einmal hinter sich greifen. Gegen die Russin Kateryna Lagno könnte sich für Vaishali diesmal mit Weiß eine weitere gute Chance ergeben.

Bibisara Assaubaeva (Kasachstan)

Die zwei verbliebenen Spielerinnen müssen einen halben Punkt aufholen. Eine Vorentscheidung könnte bereits in der dreizehnten Runde erfolgen, wenn die Kasachin im Verfolgerduell gegen ihre punktgleiche Kontrahentin Anna Muzychuk spielt. Klar ist: Wer die Partie verliert, ist endgültig aus dem Rennen. In der letzten Runde spielt Bibisara mit Schwarz gegen die Inderin Divya Deshmukh, die zuletzt völlig von der Rolle zu sein schien.


Pures Chaos auf dem Brett. Hier ist die Schwarzspielerin am Zuge und kann wie ihren Vorteil sichern? Die Russin hatte die klar schlechtere Zeit, musste aber nur noch sechs Züge in ebenso vielen Minuten absolvieren. Sie spielte nach wenigen Sekunden eine typische Zeitnot-Idee, die aber nicht wirklich durchdacht war.


Der Kontrollzug steht an. Wie sollte die Russin hier mit Schwarz am besten fortsetzen? Lagno reagierte hier mit über anderthalb Minuten zu schnell und musste ihre Entscheidung sofort bereuen.


Anna Muzychuk (Ukraine)

Die Ukrainerin ist als Nachrückerin kurzfristig ins Turnier eingestiegen und lag zur Halbzeit vorne. Dann folgte in der achten Runde eine absurde Partie gegen Divya Deshmukh. In Zeitnot verlor Anna zunächst ihren Vorteil und reichte dann sogar einen ganzen Punkt herüber. In der zwölften Runde konnte die Ukrainerin gegen die Russin Goryachkina in einem Turmendspiel gewinne, ihr versagten aber erneut die Nerven. Dabei hatte Anna die meisten schwierigen Momente vorher souverän umschifft. Falls Anna das Duell mit Bibisara in der dreizehnten Runde nicht verliert, dann kommt vielleicht ihre große Chance in der letzten Runde gegen die Chinesin Zhu Jiner mit Weiß.


In dieser Stellung musste Anna Muzychuk nur noch einmal aufpassen. Es ist mehr Wissen als Rechnen gefragt, insofern überrascht, dass die Ukrainerin hier eine Verteidigungsidee ihrer Gegnerin übersah. Wie sollte sie hier fortsetzen?


Fotos: Niki Riga, Michal Walusza (FIDE Chess).


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