Foto: Dariusz Gorzinski (Wijk aan Zee 2026).
In der ersten Runde beim Tata-Steel-Turnier in Wijk aan Zee spielte der indische Schach-Weltmeister Gukesh gegen den Usbeken Javokhir Sindarov, der inzwischen sein Herausforderer ist. Gukesh verpasste den vollen Punkt nach einer ansonsten starken Leistung. Bei der Grand Chess Tour kam es jetzt zur ersten Begegnung der beiden Junggroßmeister nachdem klar ist, dass Javokhir Sindarov im November Gukesh herausfordern wird. Der Inder gewann die Schnellschachpartie und Javokhir beide Blitzpartien. Zusammen gab es zwei Punkte im Gesamtklassement für beide Spieler. Unentschieden.
Von Thorsten Cmiel
Als Fan kommt man kaum noch mit. Ständig finden Turniere mit Teilnehmern auf höchster Rating-Ebene statt. Für mich zählt nur am Brett und wenn beide Spieler ausreichend Zeit zur Verfügung haben. Das nennt man die klassische Bedenkzeit. Mit dieser langen Bedenkzeit gewann der Usbeke Javokhir Sindarov vor wenigen Wochen äußerst überzeugend das Kandidatenturnier. Ende des Jahres steht also ein Weltmeisterkampf zwischen zwei zwanzigjährigen Großmeistern an um die Krone im Schach. Der indische Titelträger Gukesh konnte seit seinem Weltmeisterschaftskampf nur selten überzeugen, vor allem sich selbst nicht. Vermutlich ist der jüngste Weltmeister aller Zeiten ein Opfer seines eigenen Anspruchs und überzogener öffentlicher Erwartungen. Zuletzt hatte sich Gukesh aus dem klassischen Teil der Grand Chess Tour zurückgezogen und ausgerechnet Sindarov nimmt seinen Platz ein. Der in Deutschland lebende Coach von Javokhir, Roman Vidonyak, sieht das als Chance für seinen Schützling, der mehr Erfahrungen auf höchster Ebene sammeln kann.
Entscheidend für den WM-Kampf der beiden Junggroßmeister dürfte die dann aktuelle Form der Kontrahenten sein. Die Schachwelt rätselt noch, ob Gukesh bis dahin wieder an seine starke Form aus dem Jahr 2024 anknüpfen kann. Gukesh hatte das Kandidatenturnier gewonnen, eine legendäre Schacholympiade in Budapest gespielt und Ende des Jahres gegen Ding Liren den WM-Titel errungen. Vidonyak nennt den Inder in Topform respektvoll „Monster-Gukesh“. Sollte Gukesh in der Form von 2024 antreten, dann sieht Vidonyak die Chancen mit 53 Prozent zugunsten seines Schützlings. Das ist der übliche diplomatische Zweckoptimismus klingt aber ziemlich nach gleichen Chancen in beidseits guter Form. Das ist eine faire Einschätzung. Und tatsächlich können sich Schachfans auf den Wettkampf freuen, anders als bei den meisten Kämpfen des so hochgelobten Magnus Carlsen, der oft mit einer eher destruktiven Match-Strategie Erfolg hatte. Die vier Partien der beiden WM-Kämpfer und die Spielweise von Javokhir im Kandidatenturnier deuten auf Freude am Spiel hin. Der WM-Kampf könnte mit offenem Visier geführt werden.
GCT Schnellschach und Blitz in Polen
Beim Schnellschach- und Blitzturnier der Grand Chess Tour in Polen gab es drei Begegnungen der zwei Kontrahenten. Für einen Sieg im Schnellschach gibt es zwei Punkte und für jeden Sieg im Blitz den üblichen einen Punkt. Insofern kam es zum Unentschieden. Beide Spieler suchten die Konfrontation. Im Zusammenspiel der Turniere lag Gukesh dann vorne.

Die üblichen Kritiker des Weltmeisters auf Social Media verlieren durch die Ergebnisse in Polen übrigens ein Argument ihrer sinnlosen Kritik. Sowohl Gukesh als auch der Dominator von Zypern erzielten mit kürzerer Bedenkzeit Ergebnisse im Mittelfeld. Das könnte bei beiden daran liegen, dass sie sich auf die klassische Bedenkzeit konzentriert haben bisher. Ein anderer ehemaliger Anwärter auf den Thron, Alireza Firouzja, erzielt offenbar Ergebnisse, die umso besser ausfallen desto kürzer die Bedenkzeit ist. Der Franzose mit iranischen Wurzeln hatte in 2022 und 2024 bei den Kandidatenturnieren nichts erreicht und wirkte überfordert. 2026 war er nicht mal dabei.

GCT-Schnellschach
GCT-Blitzpartie 1
GCT-Blitzpartie 2
Wijk aan Zee 2026
Die Partie von Gukesh in den Niederlanden hatte ich ausführlich analysiert und kommentiert. Es handelt sich dabei um eine grandiose Kampfpartie, die Lust auf mehr macht. Wer die Partie mit Trainingsfragen nachspielen möchte, der findet sie in dem Beitrag zur ersten Runde. Längere Partien mit größerer Tiefe analysiere ich bevorzugt in Abschnitten. Die Erstrundenbegegnung von Sindarov und Gukesh war so eine Partie. Stark von beiden Seiten.




Fotos: Dariusz Gorzinski.