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Es ist Nodirbek! (Wijk 13)

Foto: Dariusz Gorzinski

Mit einer weiteren starken Leistung in der Schlussrunde gewann Nodirbek Abdusattorov das 88. Turnier im Januar in den Niederlanden. Im Challengers scheiterte der legendäre ukrainische Großmeister Vlassily Ivanchuk trotz Sieges in der Schlussrunde, aber der US-Junge Andy Woodward konnte seinen Vorsprung durch einen eigenen Erfolg verteidigen. Im Qualifikationsturnier für das nächste Challengers-Turnier gewann der deutsche Internationale Meister Christian Glöckler (geboren 2011) mit einer grandiosen Performance von 2899 Punkten.

Von Thorsten Cmiel

Die vollständige Tabelle zeigt ein klares Bild. In diesem Jahr dominierten die beiden usbekischen Großmeister. Dabei blieb einzig Javokhir Sindarov ungeschlagen. Allerdings hatte der Kandidat in der letzten Runde, ähnlich wie zu Beginn des Turniers gegen Gukesh, gehöriges Glück und gewann seine Partie gegen den Tabellenletzten Dai Thai Van Nguyen letztlich sogar noch. Von den vier Kandidaten im Turnier überzeugte nur der Usbeke. Matthias Blübaum darf ebenfalls weitgehend zufrieden sein und hatte immerhin mal einen kleinen Moment in der Sonne nach seinen zwei Siegen gegen Gukesh und Anish Giri in Folge. Pragg spielte wie Fabiano Caruana im Jahr 2018 ein durchwachsenes Turnier. Ihn und sein Team könnte beruhigen, dass der US-Amerikaner nach exakt dem gleichen Ergebnis der Sieg im Kandidatenturnier in Berlin gelang.

Letztrundensiege für die Usbeken

Der Inder Arjun Erigaisi kommt mit dem Turnier in Wijk in der Regel nicht zurecht und anders als Gukesh, der auch 2026 wieder großen Kampfgeist zeigte, hatte man bei Arjun und Pragg am Ende des Turniers das Gefühl, dass die beiden Inder keine echte Gegenwehr aufbauen konnten. Nodirbek Abdusattorov zeigte erneut eine starke Leistung und gewann scheinbar problemlos mit Schwarz gegen den Inder. In der Partie von Sindarov gegen Nguyen passierte Einiges und es sah lange nach einem Unentschieden aus. Dann folgte ein weitere chaotische Zeitnotphase. Die Kraft reichte für den tschechischen Großmeister nicht aus und ihm unterlief erst spät in der Partie dann ein spielentscheidender Fehler..


Tragik

Der unglücklichste Spieler war sicherlich der tschechische Großmeister Thai Dai Van Nguyen. Er kam mit der Bedenkzeit nicht zurecht. Gespielt wurde diesmal mit 120 Minuten für 40 Züge und danach gab es weitere dreißig Minuten für den Rest der Partie und 30 Sekunden pro Zug ab dann. Das hat Konsequenzen. Spieler müssen mit weniger als fünf Minuten auf der Uhr ihre Züge nicht mehr mitschreiben, aber später nachtragen. Nguyen hatte gegen den Inder Aravindh sogar eine Figur mehr, aber verlor. Gegen Hans Niemann konnte er ebenfalls gewinnen, aber spielte in Zeitnot einen ungenauen Zug, der die Partie drehte. Einem ähnlichen Szenario folgte die Partie auch in der Schlußrunde.


Zunächst war hier der Kandidat am Zug. Beide Spieler haben einen gefährlichen Freibauern auf dem Brett. Der a-Bauer ist in jedem Fall ein Aktivposten für den Usbeken, der hier mit Schwarz einen Zug finden muss und grob daneben griff. Wie sollte er hier weiter fortsetzen und wie ist die Stellung zu bewerten?


Der Usbeke hatte zuletzt seinen Läufer zurück gezogen – der Zug soll besonders solide sein. Wer einen Halbzug zuvor diesen Zug ausgeschlossen hatte, ist hier im Vorteil. Wie sollte Weiß jetzt am besten warum auf den Läuferzug reagieren? Die Lehre vom „Drawback“, also den Nachteil des letzten Zuges zu nutzen, hilft hier bei der Lösungsfindung.


Vladimir Fedoseev mit Sieg in der Schlussrunde

Für den ehemaligen Russen, der jetzt für den slowenischen Schachverband antritt, begann das diesjährige Turnier mit einer schnellen Niederlage gegen Hans Niemann. Mit seinem Sieg in der Finalrunde kam Vladimir auf fünfzig Prozent und gewann sogar noch etwas Rating (+4) hinzu. Auch diese Partie wurde nach einem groben Fehler


Machen wir aus dieser Situation eine Fifty-Fifty-Frage: Welcher Zug ist zuverlässiger, das Schlagen auf f5 mit dem Läufer oder der Tausch der Läufer nach Schlagen auf c3?


Matthias mit friedlicher Schlussrunde

In der letzten Runde waren die beiden punktgleichen Großmeister Matthias Blübaum und Yağız Kaan Erdoğmuş mit der Punkteteilung zufrieden und spielten eine offensichtlich beiden Spielern bekannte Fortsetzung. Da der 14-jährige Türke mit der etwas schlechteren Elozahl ins Rennen ging, gewann er sogar vier Elopunkte mehr als Matthias, der mit seiner gezeigten Form für das Kandidatenturnier zufrieden sein dürfte.


Weitere Remis-Partien im Masters

Die Begegnung zwischen Gukesh und seinem ehemaligen Zuarbeiter Vincent Keymer war vermutlich für deutsche Fans die Partie mit der größten Aufmerksamkeit. Für Zuschauer wurde einiges geboten und man sah, dass Gukesh sich nicht mit einem schnellen Unentschieden begnügen würde. Nach großem Kampf endete die Partie dann doch friedlich. Matthis Blübaum und der 14-jährige Türke Yagis Kaan Erdogmus waren sich recht schnell handelseinig. Praggnanandhaa schien gegen den Niederländer Jorden Van Foreest ein weiteres mal hinter sich greifen zu müssen. Im Wijk-Endspiel mit Turm und Springer gegen Turm und Springer verpasste Jorden ausgerechnet im Kontrollzug seine Chance und die Partie endete wenig später Remis. Auch Anish Giri und Hans Niemann beschlossen kein Risiko zu gehen und trennten sich letztlich friedlich.




Andy Woodward (2010) gewinnt Challengers

Das Qualifikationsturnier für das Masters im nächsten Jahr für viele Spieler ein Highlight. Allerdings passierte es nicht wenigen Spielern im Jahr darauf bei den „Großen“ einen Schock zu erleiden. So erging es Alexander Donchenko, Arjun Erigaisi und in diesem Jahr dem Vorjahressieger Dai Thai Van Nguyen. Um oben mitzuhalten muss der US-Amerikaner die Zeit sicherlich gut nutzen. Aber es gab natürlich noch andere Geschichten. Besonders schwer in Tritt kam der niederländische Großmeister Erwin L’Ami, der zudem in der letzten Runde gegen den späteren Turniersieger unterlag. Ein sehr solides Turnier spielte die Frauen-Kandidatin Bibisara Assaubaeva, die mit ihrem Probelauf zufrieden sein dürfte und Anfang Februar in Deutschland eine Art Schaukampf mit guter Dotierung spielen soll. Faustino Oro (2013) spielte ein solides Turnier und holte mehr als im Jahr zuvor. Wohingegen die andere Juniorin im Feld, die Chinesin Lu Miaoyi (2010), keine sichtbare Ergebnisverbesserung vorweisen kann im Vergleich zum Vorjahr.

Offizielle Homepage.

Ergebnisse bei Chess Results.

Fotos: Dariusz Gorzinski .


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