Foto: Lennart Ootes (Tata Steel Chess)
Bisher war der Vorjahressieger ein Schatten seiner selbst. In seiner Partie gegen seinen langjährigen Trainingspartner und Freund aus Chennai gelang Praggnanandhaa letztlich sein erster voller Punkt. In der neunten Runde gab insgesamt vier entschiedene Partien. Der deutsche Kandidat Matthias Blübaum holte gegen den amtierenden Weltmeister einen weiteren vollen Punkt und zeigt bislang eine ansprechende Leistung. Spieler der Stunde war erneut der Türke Yağız Kaan Erdoğmuş.
Von Thorsten Cmiel
Die meisten Partien im Masters haben bisher Vincent Keymer und Aravindh Chitambaram verloren. Immerhin konnte der Favorit laut Setzliste drei Partien gewinnen. Dennoch könnte sich das Turnier zu einer erneuten Enttäuschung für den Deutschen entwickeln. Das ist schade, denn in diesen Tagen wurde bekannt, dass Vincent erstmals bei der Grand Chess Tour und beim Norway Chess dabei ist.
Yağız Kaan Erdoğmuş holte aus den letzten vier Partien dreieinhalb Punkte und scheint seinen Durchmarsch in Richtung 2700-Elo-Punkten fortzusetzen. Es ist fast unwirklich, dass die junge Generation immer neue Rekorde aufzustellen scheint. Die Turnierserie in Wijk aan Zee gibt traditionell jungen Talenten eine Chance in ihren Turnieren. Neben Erdoğmuş sind in diesem Jahr Faustino Oro (2013), Andy Woodward (2010), Lu Miaoyi (2010) und Christian Glöckler (2011) hervorzuheben, die sich in unterschiedlichen Phasen ihrer individuellen Entwicklung befinden und gute Zukunftsaussichten aufweisen.


Matthias Blübaum zeigte gute Eröffnungskenntnisse, die lehrreich für Spieler ähnlicher Strukturen sein dürften. Wie sollte Weiß hier fortsetzen? Es gab hier noch eine hochkarätige Vorgängerpartie in der der Weiße besser als der Inder in dieser Partie agierte.
Wie setzte Matthias Blübaum hier mit Schwarz fort?

Während der Liveübertragung des Interviews mit Matthias Blübaum ist zudem das spannende Geschehen in der Partie von Thai Dai Van Nguyen und dem jungen Türken zu sehen.
Erdoğmuş gewinnt in hektischer Zeitnot
Thai Dai Van Nguyen verlor diesmal wegen seiner Zeitnot. Mit 46 Sekunden für zehn Züge etwas knapp dran verpasste er den Turmtausch und zog stattdessen seinen Springer an den Rand und stellte zunächst den Bauern b2 ein. Diesen Fehler konnte er nicht mehr reparieren gegen einen Gegner, der ebenfalls sichtbar nervös und hektisch wirkte, aber sehr aufmerksam agierte.

Keymer verliert erneut
Vincents Gegner kannte die Eröffnung offensichtlich erneut besser als der Deutsche, der einen weiteren rabenschwarzen Tag erlebte. Jorden Van Foreest wiederum durfte zufrieden sein mit seiner flott vorgetragenen Angriffspartie.

Es gibt sicherlich viele Momente hervorzuheben in dieser Partie. Großes Kino folgte: Hier nahm Jorden mit seinem Springer auf c4, weil sich das richtig anfühlte. Spieler des London-und des Jobava-Systems werden diese Partie lieben.
Pragg gewinnt Turmendspiel
Diesmal gewann Pragg gegen seinen langjährigen Trainingspartner aus Chennai. Anders als sein Turmendspiel gegen Nodirbek Abdusattorov gewann er diesmal. Beide Partien zeigen, dass Verteidigen viel schwieriger als der offensive Part ist.
Dieser Moment scheint entscheidend gewesen zu sein. Wie sollte Aravindh hier am besten fortsetzen. Das Endspiel hatte noch mehr spannende Momente parat, die man aber ausführlicher untersuchen sollte.


Remis-Partien im Masters
Erneut endeten drei Partien mit Remis. Das Duell der beiden führenden Usbeken dauerte zwar einige Zeit, war aber nie im Ungleichgewicht. Gleiches gilt für die beiden anderen Begegnungen: Arjun Erigaisi scheint genug von Wijk zu haben, wieder einmal und Hans Niemann wirkte zuletzt auch nicht mehr zu engagiert. Anish Giri scheut ebenfalls Risiken und Vladimir Fedoseev scheint nach der Niederlage am Tag zuvor mit dem Remis zufrieden gewesen zu sein.


Paarungen der Kandidaten
| Anish Giri | Praggnanandhaa | Sindarov | Bluebaum | Ergebnis | |
| Anish Giri | X | Remis | Remis | Runde 10 | 1.0 – 1.0 |
| Praggnanandhaa | Remis | X | Runde 12 | Remis | 1.0 – 1.0 |
| Sindarov | Remis | Runde 12 | X | Niederlage | 1.5 – 0.5 |
| Bluebaum | Runde 10 | Remis | Sieg | X | 0.5 -1.5 |
Inzwischen haben die Kandidaten einige Partien untereinander gespielt. Einzig entschiedene Partie war die Niederlage von Matthias Blübaum gegen Javokhir Sindarov.



Im Zehnkampf wird ein Platz im Challengers-Turnier des nächsten Jahres ausgespielt. Vorne liegt mit Christian Glöckler (geboren 2011) ein deutsches Jungtalent. Johannes Fischer hat sich für Chessbase dessen Turnier im Schatten der zwei Hauptereignisse etwas genauer angesehen.

Ergebnisse bei Chess Results.
Fotos: Lennart Ootes (Tata Steel Chess).