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Verpasste Chancen bei den Frauen

Foto: Yoav Nis (FIDE Chess)

Perfektes Schach ist unmöglich, zumindest für Menschen. Bei den Frauen endeten die ersten acht Partien mit Remis. Aber es hätte auch anders ausgehen können. Beim Turnierschach entscheidet auch die Bedenkzeit über Partieergebnisse und so kam unter anderem deshalb in den folgenden spannenden Momenten nicht das „richtige“, das objektiv perfekte Ergebnis zustande.

Von Thorsten Cmiel

Bei den Frauen gingen die ersten acht Partien Remis aus. Wer oberflächlich nur das Ergebnis betrachtet könnte den Eindruck gewinnen, bei den Frauen sei nichts los. Das ist mitnichten der Fall. Es zeigt sich durch die Verläufe der Partien bereits wer wie in Form ist, wer bereit ist in der Eröffnungen gezielte Risiken einzugehen und welche Schwächen manche Spielerinnen haben. Auffällig bei dieser Aufstellung ist beispielweise, dass zwei Spielerinnen in zwei Beispielen vorkommen und andere Spielerinnen würden mit ihrer soliden Spielweise in den ersten zwei Runden vermutlich nie in eine Auswahl mit taktischen Fehlern kommen, aber sie werden mit ihrer Spielweise zum Auftakt wahrscheinlich keine Partien gewinnen. Aber das dürfte sich mit fortschreitendem Turnierverlauf schnell ändern. Wir können sicher sein, dass auch die Sekundanten genau hinschauen und die Gegnerinnen ihrer Schützlinge beobachten.

Goryachkina – Lagno (Runde 1)

Den Anfang unseres Rückblicks auf die verpassten Chancen macht ein Stellung aus der Startrunde in dem innerrussischen Duell von Alexandra Goryachkina und Kateryna Lagno.


Die erste Chance verpasste eine der Favoritinnen, die Russin Alexandra Gorychkina. In dieser Stellung gilt es eine recht einfache Lösung zu finden, die es kaum in ein Taktikbuch für Fortgeschrittene schaffen würde. Dennoch stellt sich natürlich die Frage, welche Fortsetzung verpasste Goryachkina hier mit den weißen Steinen?

Vaishali – Assaubaeva (Runde 1)

Ebenfalls in der ersten Runde hatte die Kazachin Bibisara Assaubaeva mit Schwarz eine gute Stellung gegen die Inderin Vaishali erreicht.


Assaubaeva steht mit ihrem Läuferpaar und dem Mehrbauern aussichtsreich. Aber wie sollte sie hier mit Schwarz fortsetzen, um ihren offensichtlichen Vorteil zu erhalten?

Kateryna Lagno – Zhu Jiner (Runde 2)

In der zweiten Runde hatte zunächst die Chinesin Zhu Jiner, aber auch ihre Gegnerin einige Chancen ausgelassen. Schauen wir uns aus ihrer Partie gegen Kateryna Lagno die vielleicht besten drei Momente an.


In dieser Stellung fand die Chinesin im 18. Zug die beste Fortsetzung mit Schwarz. Wie sollte es hier weitergehen?


In dieser Situation konnte Kateryna Lagno im 28. Zug mit Weiß die Partie ausgleichen. Sie fand es nicht, aber sie sicher, oder? Aber Vorsicht: Die Lösung ist nichts für Anfänger.


Der letzte Fehler entscheidet im Schach über das Ergebnis. Wie sollte die Chinesin hier im 28. Zug am besten fortsetzen, um den vollen Punkt einzufahren?

Divya – Vaishali (Runde 2)

Beide Spielerinnen hatten nur wenig Restzeit in der folgenden Situation. Aber anders als im Männerturnier – ich halte wenig davon das Kandidatenturnier als offene Klasse zu bezeichnen solange nur Männer hier mitspielen. Vielleicht ist das ein Ansporn für die eine oder andere Spielerin es künftig Judit Polgar gleichzutun und im Kandidatenturnier mitzuwirken – gibt es bei jedem Zug eine Zeitgutschrift von 30 Sekunden je Zug.


Der kritische Moment in der Begegnung der zwei Inderinnen. Vaishali hatte zuvor einem alten Muster folgend in Zeitnot den Versuch unternommen die Dinge zu forcieren und dabei etwas Wichtiges übersehen. In dieser Stellung war Divya am Zuge und musste auf den Angriff auf die eigene Dame reagieren. Was sollte sie hier spielen?

Live-Footage

Die indischen Edelfans, Amruta und Sagar Shah von „Chessbase India“ sind in Zypern dabei und kommentieren vor allem die Partien ihrer Landsleute live von ihrem Hotelzimmer im St. Georges aus. Hier die entscheidende Phase der Partie. Die Emotionen gingen mit den beiden kurz durch, denn natürlich sind sie neutral und wünschen beiden Spielerinnen Erfolge.

Zwar gab es bisher nur Remispartien in diesem Turnier, aber die Russin Kateryna Lagno und die Inderin Vaishali strapazierten bisher zweimal ihr Glück, da beide in ihren Partien auf der jeweils „schwächeren“ Seite des Unentschieden verbrachten. Das muss nichts heißen, könnte aber ein erstes Zeichen für eine aktuelle Formschwäche sein. Zum Glück stehen für alle Spielerinnen noch zwölf weitere Runden an.

Fotos: Michal Walusza und Yoav Nis beide für (FIDE Chess).


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