
Titelfoto: Mark Livshitz (FIDE CHESS)
Am Ende reichte es für die Ukrainerin Anna Muzychuk zu einem knappen Sieg vor der Chinesin Zhu Jiner. Die Inderin Harika Dronavalli erkämpfte sich einen verdienten dritten Platz als Beste im Verfolgerfeld. Anna und Zhu sind beide noch im Rennen um die direkte Qualifikation für das Kandidatinnenturnier. Entschieden wird dieser Qualifikationsweg vermutlich erst beim sechsten Grand-Prix in Österreich in zwei Monaten.
Auffälligste Spielerin war für mich die Internationale Meisterin Olga Badelka (22), die einige hervorragende Leistungen zeigte auch wenn sie beispielsweise in der Schlussrunde nicht voll punkten konnte. Gegen Divya Deshmukh stand Olga ebenfalls mehrfach auf Gewinn, um dann am Ende sogar noch zu verlieren. Sie wird an ihrer Kondition arbeiten müssen, um in den kommenden Jahren mit den besten Frauen der Welt mithalten zu können. Die belarussische Athletin spielte ab Oktober 2021 für Russland und seit Januar 2025 tritt sie für Österreich an. Die Hintergründe scheinen sogar in Österreich noch nicht genau ausgeleuchtet zu sein.

Tabelle erstellt mit Chessbase. Anmerkung: Die offizielle Turniertabelle sieht Goryachkina auf dem fünften Rang, da sie fünf Weißpartien (Tiebreak-Kriterium) hatte.
Grand-Prix
In der Grand-Prix-Serie geht es für die ersten Zwei um die Qualifikation zum nächsten Kandidatinnen-Turnier. Da Preise und Grand-Prix-Punkte aber bei Punktgleichheit geteilt werden, spielt die exakte Reihenfolge im Turnier keine wesentliche Rolle. Auf die Gesamtsituation im Grand-Prix hatte das Ergebnis folgende Auswirkungen: Klar vorne liegt die Russin Goryachkina, die theoretisch noch von der Ukrainerin Anna Muzychuk verdrängt werden kann, die aber dafür alleinige Siegerin im Grand-Prix in Österreich werden muss. Die Chinesin Tan Zhongyi kann das schon nicht mehr schaffen. Einzig die Chinesin Zhu Jiner kann noch an Goryachkina vorbeiziehen. Der indische Grand-Prix in einigen Wochen wird den Weg weisen. Sollte Zhu Jiner dieses Turnier gewinnen, besteht für Goryachkina in der Tat noch die Gefahr die sicher geglaubte Qualifikation noch zu verpassen, beispielsweise wenn Anna erneut das Turnier alleine gewinnt und Zhu einen geteilten zweiten Platz schafft.


Runde 6: Zwei entschiedene Partien
Elisabeth Pähtz ist gut befreundet mit vielen Spielerinnen auf der Tour. Dazu gehören auch die Muzychuk-Schwestern. Das war aber für Marija Muzychuk kein Grund ihre Partie nach dem Ruhetag aggressiv anzugehen und die formschwache Deutsche vom Brett zu fegen. Nach einigen sizilianischen Handgreiflichkeiten verlor die deutsche Großmeisterin recht früh die Kontrolle und ging dann regelrecht unter.



Die zweitälteste Teilnehmerin Nana Dzagnidze (38) zeigte genau wie die die Turnierseniorin Pähtz (40) Schwächen in späten Partiephasen. Gegen Harika Dronavalli stand Nana nach erneut unternehmungslustiger Eröffnung der Inderin Dronavalli zunächst klar besser. Dann im frühen Mittelspiel unterlief der Georgierin bereits ein grober Fehler und die Partie sollte eigentlich früh enden. Das passierte nicht und erst im Endspiel kam es zu einem erneut groben Fehler, den die Inderin diesmal nutzen konnte. Das erinnerte an die Niederlage der Georgierin gegen Anna Muzychuk in der vierten Runde.
In dieser Stellung zog die Georgierin ihren Springer von d6 nach f5. Stattdessen konnte sie auf f7 schlagen und die klar besseren Chancen reklamieren. Finden Sie den Zug nach dem Zug 19.Sf5?
Lösung
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Hier musste Weiß die einzige Drohung der Gegnerin parieren. Die Georgierin tat es nicht und spielte ihren König nach g1. Nach Le8 ist der schwarze Turm gefangen und die Partie war verloren. So ein Lapsus kann bei Großmeistern eigentlich nur mit konditionellen Schwächen erklärt werden. Ein letztlich glücklicher Punkt für die Inderin, die für ihren Mut in der Eröffnung belohnt wurde.


Verpasste Chance
Aleksandra Goryachkina verpasste direkt nach dem Kontrollzug die Chance auf einen vollen Punkt und damit ihre fast sichere Qualfikation im Grand-Prix angesichts ihres Restprogramms.

Die siebte Runde brachte Führungswechsel
Während Zhu Jiner ihre Partie gegen Divya gewann, musste Anna Muzychuk gegen Olga Badelka nach einer starken Angriffspartie ihrer Gegnerin erstmals hinter sich greifen. Die Griechin Tsolakidou bekommt jetzt zu spüren wie es ist wenn man in einem Rundenturnier als angeschlagen gilt. In den letzten vier Partien gelang ihr nur ein Remis. Diesmal gewann die Georgierin Nana Dzagnidze gegen sie. Für das Gesamtklassement hat das allerdings keine Auswirkungen mehr. Elisabeth Pähtz bekam ein weiteres schnelles Remis gegen die üblicherweise professionell auftretende Russin Goryachkina. Das war schon in Monaco so gewesen.




🤔 Do you like underpromotion?
🇨🇳 Zhu Jiner discusses her strategy from the game against 🇮🇳 Divya Deshmukh at the FIDE Women’s Grand Prix in Cyprus. pic.twitter.com/Mc0l9YqOM0
— International Chess Federation (@FIDE_chess) March 23, 2025
Runde 8: Anna wieder dran
Nach ihrer Schwester gewann auch Anna Muzychuk ihre Partie gegen die deutsche Großmeisterin, die in Interviews bereits ihren Abgang von der Weltbühne vorbereitet. In der anderen Partie des Tages gewann die Inderin Divya Deshmuk ein kompliziertes Leichfigurenendspiel nach hartem Kampf. Für Olga Badelka, die inzwischen für Österreich antritt, kam nach ihrem Vorrundensieg gegen die führende Ukrainierin Anna Muzychuk erneut eine Ernüchterung. Divya konnte ihren ersten vollen Punkt verzeichnen und spielt in der Schlussrunde gegen Elisabeth Pähtz.




Antwort eines künftigen Champions


Fünf Remis in Runde 9
In der letzten Runde gab es fünf Remispartien aber langweilig waren nur die zwei Partien der Muzychuk-Schwestern. Zhu Jiner versuchte viel, um sich gegen die Georgierin Nana Dzagnidze doch noch den Turniersieg zu sichern. Das gelang nicht nach einem spannenden Turmendspiel ohne Fehler blieben am Ende zwei Könige übrig. Tragisch war was auf dem Brett von Olga Badelka passierte, die lange Zeit auf Gewinn stand, und am Ende im Turmendspiel den Gewinn doch noch hergab. So blieb es bei einem Punkt Vorsprung für Anna Muzychuk und Zhu Jiner, die sich die Grand-Prix-Punkte teilen.
Momente aus der Finalrunde
Elisabeth Pähtz hatte ein gruseliges Turnier und konnte in der Schlussrunde sich nicht aufraffen einen klaren Vorteil im Endspiel auszuspielen. Das Turnier, aber auch diese letzte Partie spielte die Deutsche unter ihre Möglichkeiten. Die andere Partie aus der Finalrunde war allerdings krass. Olga Badelka überspielte ihre Gegnerin, spielte grandios bis es zum Turmendspiel kam und gab am Ende einen halben Punkt ab gegen die angezählte Griechin, die zuvor dreimal in vier Partien hinter sich greifen musste.




Fotos: Mark Livshitz (FIDE CHESS)
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