Foto: Offizielles Teilnehmerfoto 2026. Tata Steel Chess.
Vier Kandidaten und eine Kandidatin überprüfen ihre Form in diesem Jahr in Wijk aan Zee. Es stehen 13 Runden an und das kommt dem Geschehen im Kandidatenturnier durchaus nahe. In der ersten Runde verloren gleich zwei Kandidaten ihre Schwarzpartien. Sindarov drohte sogar eine Niederlage mit Weiß in der Partie des Tages.
Von Thorsten Cmiel
Ein Turnier mit 14 Teilnehmern zu verfolgen ist keine einfache Angelegenheit. Am besten sucht man sich einige Spielerinnen und Spieler raus, denen man folgen und mit denen man mitfiebern kann. Oft sind das landsmannschaftliche Vorlieben. Die meisten Teilnehmer stellen traditionell die Inder – Tata Steel als Hauptsponsor ist ein indisches Unternehmen und stellt daher immer ein größeres Kontingent an Spielern und niederländische Spieler sind natürlich ebenfalls prominent vertreten. Als Deutscher kann man sich natürlich dem Fokus auf die zwei aktuell erfolgreichsten Spieler Vincent Keymer, der erstmals in Wijk als Favorit im Masters an den Start geht, und Matthias Blübaum, der in einigen Wochen das Kandidatenturnier spielt, kaum entziehen. Zudem ist es natürlich eine spannende Frage wie die Frühform der Kandidaten aussieht. In der ersten Runde verloren sogar zwei Kandidaten ihre Auftaktbegegnungen und der Usbeke Javohir Sindarov stand kurz vor einer Niederlage. Für deutsche Fans zeigte Matthias Blübaum eine ansprechende und fehlerfreie Leistung mit Schwarz und remisierte ohne größere Probleme. Vincent Keymer gewann seine Partie gegen Anish Giri nach einem überraschenden Kollaps seines Gegners. Netter Start.
Paarungen der Kandidaten
| Anish Giri | Praggnanandhaa | Sindarov | Bluebaum | |
| Anish Giri | X | Runde 5 | Runde 2 | Runde 10 |
| Praggnanandhaa | Runde 5 | X | Runde 12 | Runde 7 |
| Sindarov | Runde 2 | Runde 12 | X | Runde 4 |
| Bluebaum | Runde 10 | Runde 7 | Runde 4 | X |
Turnierübergreifend misslang der kollektive Start der Niederländer. Nur Jorden van Foreest holte für die fünf Niederländer einen halben Punkt mit den weißen Steinen und das war eher glücklich. Im Challenger-Turnier verloren die drei Teilnehmer (Erwin L’Ami, Max Warmerdam und Eline Roebers) ihre Auftaktbegegnungen. Jede Partie kann natürlich genauso aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. Die Chinesin Liu Miaoyi (Jahrgang 2010) gewann ihre Weißpartie gegen Max Warmerdam und sorgte für ein erstes Ausrufezeichen. Die kasachische Kandidatin Bibisara Assaubaeva gewann gegen den US-Boy Andy Woodward (2010). Sicherlich Geschichten, die erzählt werden sollten. Manche werden sich für die jüngsten Teilnehmer im Feld interessieren. Da ist zum einen das größte türkische Talent Yağız Kaan Erdoğmuş (2011) aus Bursa und im Challenger-Turnier die spanischsprachige Hoffnung aus Buenos Aires, Faustino Oro (2013), der Goldjunge. Wie in jedem Jahr ist es den Organisatoren gelungen, sehr illustre Felder zusammenzustellen. Es dürfte in beiden Turnieren spannend werden.
Den Organisatoren gelang es diesmal nicht, das Turnier pünktlich anzufangen, da eine Demonstration von Extinction Rebellion stattfand und diese den Eingang mit Kohle zuschütteten, um auf Umweltsünden des indischen Titelsponsors Tata Steel in den Niederlanden hinzuweisen. Was blieb war eine Verspätung von anderthalb Stunden für die Spieler und die weltweite Übertragung.
Momente aus Runde 1
In der ersten Runde gab es im Masters drei entschiedene Partien, was eine gute Quote zum Auftakt war. Die Partien von Fedoseev gegen Hans Niemann und die Partie von Vincent Keymer und Kandidat Anish Giri gingen recht schnell und nach groben Versehen zu Ende.
In der Partie von Hans Niemann (USA) und Vladimir Fedoseev nahm hier der für Slowenien antretende ehemalige Russe mit seinem Springer auf c5, um den ungedeckten Läufer auf d3 zu nutzen.
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In dieser Stellung war der niederländische Top-Spieler und Kandidat mit Schwarz am Zuge. Was ist von dem Schlagen des Bauern auf d4 zu halten und gab es andere Züge, die in Frage kamen?

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Das indische Duell
Arjun Erigaisi verpasste 2025 erneut die Qualifikation zum Kandidatenturnier auf Zypern und darf nur zuschauen. Zudem ist Wijk bisher ein eher schwieriges Turnier. Insofern dürfte ihm sein Start-Zielsieg gegen Praggnanandhaa, kurz Pragg, Hoffnung auf ein gutes Turnier 2026 geben.
Arjun Erigaisi (2003) spielte zum Auftakt gegen den Titelverteidiger und Kandidaten Pragg (2005). Die Eröffnung erwies sich als Volltreffer für den älteren Inder. Wie sollte Schwarz in dieser Stellung reagieren und eine ausgeglichene Stellung reklamieren? In der Partie passierte noch einiges mehr, aber Pragg fand nach einem Fehler in dieser Stellung nie wieder zurück ins Geschäft.

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Wie sollte Schwarz hier am besten fortsetzen. Falls Sie den f-Bauern ziehen wollen, wie weit soll der vorziehen? In der Partie verpasste Thai Dai Van Nguyen seine Chance auf einen vollen Punkt mit Schwarz.
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Die Partie des Tages
Nach ausgeglichener Eröffnungsphase überspielte Weltmeister Gukesh (2006) seinen usbekischen Gegner und Kandidaten Javokhir Sindarov (2005) mit Schwarz. Die Partie nahm einen letztlich tragischen Verlauf für den Inder, der eine weltmeisterliche Partie spielte und dann zuletzt nur noch an sich selbst scheiterte. Wir betrachten die Partie in vier Phasen, wobei die Eröffnungsphase am wenigsten bot, da beide Spieler sich in der so genannten Carlsbader-Struktur gut auskannten.

Es sieht so aus als würde hier Weiß auf c6 das Material – er ist einen Bauern hinten – zurück bekommen. Hier spielte der Weltmeister einen starken Zug, der ihm Vorteil sicherte. Gukesh hatte etwas mehr als fünf Minuten für seine Entscheidung. Er nahm sich letztmals etwas Zeit und zog nach etwa vier Minuten.
Es bleiben ihnen anderthalb Minuten für zwei Züge – 30 Sekunden Inkrement gibt es erst nach Zug 40. Sie sehen das „Damenopfer“ für Springer und Turm auf b4. Spielen oder auf a4 erstmal zwischentauschen ist hier die Frage. In zwei Zügen geht es dann um die Frage wie die Stellung zu bewerten ist.
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Hier fand Gukesh mit den schwarzen Steinen am Zuge einen sehr starken Zug. Ihr Vorschlag bitte.
Wie sollte Schwarz hier am besten fortsetzen, um dem Dauerschach zu entkommen?
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Wie sollte Schwarz hier die Schachgebote des Gegners bekämpfen? Es entscheidet sich hier noch nicht, ob Gukesh nur Remis spielt, aber ein präziser Zug erleichtert die künftigen Ereignisse zu beherrschen.
Die letzte Chance für Gukesh sich den vollen Punkt zu sichern ist nach zähem mehrstündigem Kampf gekommen. Wie sollte Gukesh mit schwarz hier seine Gewinnchancen sichern?
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Die Remispartien ohne Swings
Die restlichen zwei Partien gingen vergleichsweise ereignisfrei über die Bühne. Die Schwarzspieler zeigten solide Leistungen und dürften mit ihrem Auftakt zufrieden gewesen sein.
Masters Wijk aan Zee 2026

Challengers Wijk aan Zee 2026

Offizielle Homepage Wijk.
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