Foto: Lennart Ootes (Tata Steel Chess)
Die siebte Runde brachte einige weitere bemerkenswerte Ergebnisse. Der junge Türke Yağız Kaan Erdoğmuş überzeugte in den ersten sieben Runden vollends und liegt nach seinem Sieg gegen Arjun Erigaisi im Verfolgerfeld. Vincent Keymer weicht einer dreifachen Stellungswiederholung aus und verliert gegen den Dominator von Wijk, Nodirbek Abdusattorov. Anish Giri ist zurück mit einem Sieg gegen Gukesh. Nach seiner Niederlage am Tag zuvor zeigt auch Jorden Van Foreest eine überzeugende Leistung und gewinnt gegen den Inder Aravindh.
Von Thorsten Cmiel
Vincent Keymer geriet in dieser Runde weitgehend selbstverschuldet unter die Räder und muss sich wieder mit 50 Prozent im Feld einreihen. Kampfgeist ist eine gute Einstellung, aber etwas Objektivität täte auch manchem jungen Großmeister gelegentlich gut. Der Sieg vom 14-jährigen Türken im Feld gegen Arjun Erigaisi ist schon etwas besonderes für den Jungen aus Bursa, der in diesem Turnier seine ersten Top-Scalps einsammeln kann. Sein Sieg gegen Gukesh dürfte Anish Giri wieder etwas Selbstbewusstsein einhauchen. Der Inder wiederum ist vermutlich nach seinen zwei Niederlagen in Folge (Abdusattorov und Giri) erstmal niedergeschlagen.


Turkish Delight
In der Heimatstadt von Yagis Kaan, in Bursa, gibt es traditionell Iskender Kebap, benannt nach seinem Erfinder Iskender Efendi. Aber der Junge vertritt die gesamte Türkei und für das ganze Land sind die Süßspeisen vermutlich bekannter. Erdogmus wurde erst kürzlich von Magnus Carlsen geadelt, sondern er lässt sich davon scheint sich von zu viel Lob nicht beeinflussen zu lassen. Anders als etwas bei Alireza Firouzja, der bereits zwei Anläufe via Kandidatenturnier nicht nutzen konnte und diesmal nicht mal mehr dabei ist.
Weiß steht gefühlt etwas gestaucht und hinten drin. Wie sollte Schwarz hier fortsetzen, um sich gutes Spiel zu sichern?
Bleiben wir bei der Sichtweise von Yagis Kaan. Der Türke fand hier mit Schwarz einen starken nächsten Zug.

Eine Einschätzungsfrage: Ist hier das Schlagen mit dem Läufer auf d4 richtig, oder nicht?
Hier ist Arjun Erigaisi mit Weiß am Zuge. Wie sollte er warum hier fortsetzen und wie ist die Stellung einzuschätzen?

Keymer verliert erneut
Vincents Gegner kannte die Eröffnung offensichtlich besser als der Deutsche, war aber wohl mit Remis zufrieden. Vincent wich aus und stand sofort schlechter. Das erinnerte an dessen Partie vom Vortag als der US-Amerikaner Hans Niemann gegen ihn ebenfalls die Objektivität verlor.

Objektiv richtig war es für Weiß mit der eigenen Dame nach f3 zu ziehen und nach der schwarzen Antwort, die schwarze Dame zieht nach c2, kann Weiß seine Dame zurück nach d1 beordern und Nodirbek könnte mit dem Hinweis, seine Dame erneut nach g6 zu ziehen, dreimalige Stellungswiederholung erreichen. Angesichts des Turnierstands keine schlechte Idee für den Usbeken. Vincent zog stattdessen in der obigen Stellung seinen Läufer nach a5 und wurde kurzerhand mit dem Vorstoß des e-Bauern nach e5 ausgekontert.
Another win for Abdusattorov as top-seed Vincent Keymer resigns! He has now extended his lead to 5.5/7 🔥.
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— Tata Steel Chess Tournament (@tatasteelchess) January 24, 2026

Gukesh verliert erneut
Anish Giri gewinnt seine erste Partie im Turnier und bringt gleichzeitig Gukesh in eine erste Minikrise. Vielleicht hat der grobe Fehler vom Tag zuvor seine Spuren hinterlassen. Beide Spieler liegen bei einem Minus-Eins-Score.
Fifty-Fifty-Frage: Welcher zu ist besser? Weiß kann mit seiner Dame nach b5 ziehen und den gegnerischen Turm auf e8 attackieren. Oder er schlägt einfach auf f5. Was ist besser?


Remis-Partien im Masters
Drei Partien endeten Remis. Lediglich Thai Dai Van Nguyen hatte von den sechs beteiligten Spielern so etwas wie einen dauerhaften leichten Vorteil. Letztlich hatte Nguyen kurz vor der Zeitkontrolle ein strukturell besseres Endspiel und daher realistische Chancen, mehr als einen halben Punkt zu erreichen. Seine Vorteile zu verdichten gelang ihm allerdings nicht. In der Partie zwischen den zwei Kandidaten scheint Matthias Blübaum seinem Gegner in eine vorbereitete Variante gelaufen zu sein, ihm gelang es aber die Stellung zusammen zu halten. Eine starke Verteidigungsleistung.



In dieser Stellung stehen die schwarzen Bauern angreifbar auf weißen Feldern (a6, b7 und d5). Sie sind dadurch vom gegnerischen Läufer angreifbar und Weiß hat einen stabilen Vorteil. Was ist vom Rückzug des Turmes nach c3 zu halten?
Lösung (Hier Klicken)



Paarungen der Kandidaten
| Anish Giri | Praggnanandhaa | Sindarov | Bluebaum | Ergebnis | |
| Anish Giri | X | Remis | Remis | Runde 10 | 1.0 – 1.0 |
| Praggnanandhaa | Remis | X | Runde 12 | Remis | 1.0 – 1.0 |
| Sindarov | Remis | Runde 12 | X | Niederlage | 1.5 – 0.5 |
| Bluebaum | Runde 10 | Remis | Sieg | X | 0.5 -1.5 |
Inzwischen haben die Kandidaten einige Partien untereinander gespielt. Einzig entschiedene Partie war die Niederlage von Matthias Blübaum gegen Javokhir Sindarov.


Eline ohne Fortune
Partien von Eline Roebers machen oft viel Spaß. Das sagte mir mal ein Redakteur einer bekannten internationalen Website. Ihm kann man nur zustimmen. Solange sie noch etwas schwächer als ihre Gegner ist gilt das natürlich für Elines Partien mit den weißen Steinen. Manchmal verlaufen Partien allerdings auch tragisch. Nach einer sehr spannenden Partie kollabiert Eline in ihrer Partie gegen eine starken Großmeister. Schade.
Ergebnisse bei Chess Results.
Fotos: Lennart Ootes (Tata Steel Chess).