Foto: Dariusz Gorzinski.
Der Deutsche Schachbund ist bei Senioren nicht als Förderer der Senioren bekannt. Der Etat-Ansatz für den Seniorenreferenten ist seit Jahren ein 600-Euro-Witz. Als der neue Senioren-Referent im Herbst 2025 eine Etaterhöhung beantragte, fand sich natürlich ein Funktionär, der den Antrag aus formalen Gründen gar nicht erst zugelassen hat. Jetzt wollten der Senioren-Referent und das Präsidium offenbar guten Willen zeigen. Das ging schief, leider.
Ein Kommentar von Thorsten Cmiel.
Am 21. Januar 2026 gab der Deutsche Schachbund bekannt, dass man bei Teilnahme von Teams bei der Senioren-Team-Weltmeisterschaft in Durres, Albanien, im April 2026 das Startgeld für Teams übernimmt, die unter „Germany“ antreten. Eine an sich lobenswerte Idee, denn das Präsidium scheint dahinter zu stehen, wie es in der Pressemeldung des Deutschen Schachbundes angedeutet wird. Seit 2024 fällt das Seniorenschach nach Willen der Präsidentin unter die Regeln des Leistungssports, wie sich aus einem Disput nach der Deutschen Meisterschaft in Bad Wildungen 2024 ergab.
Damals wurde kritisiert, dass in der Vergangenheit zu viele durchschnittliche Teams mit dem Etat des Senioren-Referenten nach unklaren Regeln gefördert wurden. Das kann man nachvollziehen. Präsidium und Senioren-Referent gaben jetzt bekannt, dass diesmal Teams die Förderung erhalten, die am 1.1.2026 eine bestimmte Durchschnitts-Elozahl aufweisen. Zitieren wir den Schachbund mit seinem eigenen Text.
Die Elo-Zahl ist entscheidend
Für Mannschaften der Kategorie 50+, die unter dem Namen Germany starten, wird das Startgeld vom DSB übernommen, wenn die durchschnittliche Elo-Zahl der Mannschaft am 1.1.2026 mindestens 2400 beträgt.
Für Mannschaften der Kategorie 65+, die unter dem Namen Germany starten, wird das Startgeld vom DSB übernommen, wenn die durchschnittliche Elo-Zahl der Mannschaft am 1.1.2026 mindestens 2300 beträgt.
Für Frauen-Mannschaften der Kategorie 50+, die unter dem Namen Germany starten, wird das Startgeld vom DSB übernommen, wenn die durchschnittliche Elo-Zahl der Mannschaft am 1.1.2026 mindestens 2200 beträgt.
Für Frauen-Mannschaften der Kategorie 65+, die unter dem Namen Germany starten, wird das Startgeld vom DSB übernommen, wenn die durchschnittliche Elo-Zahl der Mannschaft am 1.1.2026 mindestens 2100 beträgt.
Bei Erreichen eines der Preisränge in der jeweiligen Kategorie wird das Preisgeld bei einer Mindesteilnehmerzahl von fünf Mannschaften verdoppelt.
Ich habe mir daraufhin mal die Elozahl der besten zehn Spielerinnen und Spieler der jeweiligen Altersgruppe im Februar 2026 (macht keinen Unterschied) angesehen, da ich spontan keine Teams zusammenstellen konnte in allen Altersklassen. In der offenen Klasse sind starke Teams denkbar und es wäre erfreulich solche Teams bei der Senioren-Team-WM zu sehen.
Deutsche Top10-Senioren




Aufmerksame Leser werden sofort erkennen, dass die Frauen im Nachteil bei der Förderung sind. 2200 als Durchschnitt für die Frauen 50+ ist nicht ganz einfach zu erreichen, aber möglich wenn eine oder zwei Spielerinnen der ersten Drei der Top10 50+ antreten wollen. Bei den Frauen 65+ müssten Spielerinnen anderer Nationen unter deutscher Flagge antreten, denn die beste deutsche Spielerin, immerhin Weltmeisterin 2024, kann die durchschnittlich geforderte Elozahl nicht aufbringen. Ein Team ist also theoretisch gar nicht möglich.
Ich überlasse es jedem sich seine Meinung zur Seniorenförderung des Deutschen Schachbundes zu bilden.
(*) Die Kombination der Satzzeichen (?!) in dieser Reihefolge bezeichnet bei Schachkommentaren einen fragwürdigen Zug.