Foto: Lennart Ootes (Tata Steel Chess). Zuschauer in Wijk.
Die Inder hatten vor längerer Zeit noch die Eigenschaft nicht an sich zu und ihre Stärken zu glauben. So erzählt der indische Erfolgstrainer Ramesh RB die Entwicklung. Die junge Generation hatte das geändert und die Erfolge der letzten Jahre lassen vergessen, dass die Inder auch nur junge Sportler sind, die gelegentlich Rückschläge erleiden. Aber vier von vier ist natürlich bemerkenswert, insbesondere wenn man sich an das indische Finale im Vorjahr erinnert.
Von Thorsten Cmiel
Pragg (gegen Vincent Keymer) und Arjun (gegen Javokhir Sindarov) verlieren diesmal ihre Weißpartien und das indische Duell von Gukesh und Aravindh geht etwas überraschend Remis aus. Der Weltmeister hatte sich zwischendrin gute Chancen erspielt. Anish Giri überzeugte bei seiner Partie gegen den jungen Türken Yağız Kaan Erdoğmuş und Hans Niemann gewann gegen den zuletzt unglücklich agierenden Tschechen Nguyen, der von den anderen Spielern als Zielspieler ausgeguckt worden zu sein scheint.


Vincent gewinnt gegen Pragg
Die frühe Eröffnungsphase war positiv für Vincent verlaufen und eigentlich konnte man eine typische Partie von Vincent erwarten. Dann unterlief ihm doch ein Missgeschick und der Inder jonterte in der folgenden Stellung. Es entwickelte sich ein etwa balanciertes Geschehen bei materiellem Ungleichgewicht. Ein Remis schien nicht unwahrscheinlich.
In dieser Stellung war der Inder am Zuge und zeigt wieder einmal seine Kreativität. Der folgende Zug war natürlich vorher schon vorbereitet gewesen. Was hat er mit Weiß hier gespielt und was war seine Absicht nach der schwarzen Antwort?
Hier ist Vincent Keymer mit Schwarz am Zuge. Der deutsche Großmeister fand einen sehr starken Zug.

Gukesh mit Unvollendeter
Der jüngste Weltmeister aller Zeiten spielt in der Regel engagiertes Schach und setzt seine guten Rechenfähigkeiten gezielt ein. Gelegentlich überspielte der Inder seine Gegner aus der Eröffnung heraus. Es ist daher überraschend welche Chance er in dieser Partie nicht nutzte. Aber solche Überseher passierten während des Turniers fast allen Teilnehmern. Er wird sich dennoch geärgert haben.

Gukesh war in dieser Stellung am Zuge und sollte wie fortsetzen? Der Weltmeister ging überraschend an seiner Chance in der Diagrammstellung vorbei.

Giri putzt 14-jährigen Türken weg
Man muss sie schlagen so lange sie noch jung sind. Das ist im Spitzenschach inzwischen eine Weisheit, die vermutlich ihren wahren Kern hat. Der Kandidat Anish Giri war in Wijk mit 31 Jahren der älteste Teilnehmer im Masters. Im Challengers sah es anders aus: Dort zeigte der 56-jährige Vassily Ivanchuk, dass er immer noch eine feine Klinge schlagen kann. Die starke Partie von Giri betrachte ich in Kürze bei der Vorstellung der acht Kandidaten. Hier zunächst nur die Notation.


Sindarov gewinnt gegen gegen glücklosen Erigaisi
Es gibt Spieler, die immer wieder erfolgreich in Wijk agieren – Nodirbek Abdusattorov ist solch ein Spieler. Arjun konnte nur einmal im Challengers (2022) glänzen, aber seit er im Masters spielt häufen sich die eher schlechten Resultate für den Inder (2023 4.0 aus 13; 2024 nicht dabei; 2025 5.5 aus 13).


Hans im Glück
Die Gebrüder Grimm schrieben im 19. Jahrhundert ihr eher untypisches Märchen von Hans, der das Glück empfindet, egal was er macht. Märchen gehen meist irgendwie glücklich aus. Das Märchen wurde vielfach interpretiert, etwas was man beim Schach heutzutage nicht mehr tun muss, denn die Engine verbreitet die objektive Wahrheit: Nguyen hatte in der folgenden Stellung eine sehr gute Chance, die er aber ungenutzt lies wie so oft in diesem Turnier.
Hätte Thai Dai Van Nguyen hier seinen c-Bauern vorgeschoben, wäre für Hans das Spiel fast vorbei gewesen. Zwar kostet der b-Bauer Material, aber die weißen Bauern sind mächtiger. Nguyen begann im 39. Zug mit dem Turmzug nach b5 und gab die a-Linie auf. Das erwies sich als grober Fehler. Schade.

Remis-Partien im Masters
Diesmal endeten wieder drei Partien mit Remis. Gukesh die größte Chance aus – siehe oben – nach einer zuvor hervorragend geführten Partie. Hier noch die vollständige Notation


Paarungen der Kandidaten
| Anish Giri | Praggnanandhaa | Sindarov | Bluebaum | Ergebnis | |
| Anish Giri | X | Remis | Remis | Runde 10 | 1.0 – 2.0 |
| Praggnanandhaa | Remis | X | Runde 12 | Remis | 1.0 – 1.0 |
| Sindarov | Remis | Runde 12 | X | Niederlage | 1.5 – 0.5 |
| Bluebaum | Sieg | Remis | Sieg | X | 1.5 -1.5 |
Inzwischen haben die Kandidaten einige Partien untereinander gespielt. Zwei entschiedene Partie gab es bisher: Niederlage von Matthias Blübaum gegen Javokhir Sindarov und der Verlust Anish Giri in der zehnten Runde gegen ebenfalls Matthias Blübaum.
Ivanchuk macht Druck
Zuvor hatte der Ukrainer gegen Andy Woodward gewonnen und dessen längere Erfolgsserie nach der Auftaktniederlage gestoppt. Diesmal war der Aseri Suleymanli an der Reihe und Chucky hatte zwei Runden vor Schluss doch noch Chancen sich für das Masters 2027 zu qualifizieren. Die andere Geschichte schreibt die junge US-Amerikanerin, die mit zwei Siegen in den Schlussrunden eine GM-Norm erzielen könnte.



Ergebnisse bei Chess Results.
Fotos: Lennart Ootes (Tata Steel Chess).