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HomeAkademieTaktik im Endspiel decodiert

Taktik im Endspiel decodiert

Foto: Dariusz Gorzinski. Budapest 2024.

Der indische Superstar Praggnanandhaa, kurz Pragg, spielt aktuell in London ein Open-Turnier, um seinen Platz als Kandidat im nächsten Jahr abzusichern. In der ersten Runde spielte er gegen den 16-jährigen FIDE-Meister Stanley Badacsonyi aus England. Es kam im einsetzenden Endspiel zu größeren Verwicklungen, die der Inder letztlich besser meisterte.

Von Thorsten Cmiel

450 Elo-Punkte Unterschied sind im Turnierschach eine schier unüberbrückbare Hürde. Und normalerweise bekommt ein auf dem Papier derart unterlegener Gegner keine Chance. In der Turnierpraxis und insbesondere in Erstrunden von Open-Turnieren kommt es dann doch immer wieder zu der einen oder anderen Überraschung. Wir schauen uns die spannende Spielphase beim London Chess Classics an. Pragg wäre im gleichzeitig stattfindenden Eliteturnier der Favorit, er benötigt aber noch ein verwertbares Ergebnis aus einem offenen Turnier mit mindestens 50 Teilnehmern, um seine Führung im FIDE Circuit 2025 zu sichern.

Wir sehen eine spannende Endspielphase, die deutlich durch Taktik und Aktivität der Figuren bestimmt wird. Zunächst sind die Damen noch auf dem Brett, aber Pragg musste dem Tausch ohnehin zustimmen. Danach blieb die Sicherheit des schwarzen Königs trotz reduzierten Materials der bestimmende Faktor. Einige Momente seien als Fragen genauer beleuchtet.


Ein Befund lautet sicherlich: Die Königsstellung des Schwarzen sieht gefährdeter aus. Auf der Habenseite ist der schwarze c-Bauer nicht ungefährlich. Aktuell droht Weiß zudem seinen h-Bauern ein Feld nach vorne zu schieben. Was sollte Pragg mit Schwarz hier spielen und wie ist die Stellung überhaupt einzuschätzen?


Mit seinem letzten Zug hatte Pragg den gegnerischen Läufer auf e3 attackiert und den Weg für den c-Bauern frei gemacht. Wie sollte Stanley hier fortsetzen? Er hat hier eigentlich eine Art Fifty-Fifty-Situation.


Eine nette komplexe Kalkulationsaufgabe aus einer Eventualvariante. Schwarz kann hier zwei logische Züge folgen lassen: Entweder zieht Schwarz hier seinen e-Bauern ein Feld vor oder er lässt seinen c-Bauern direkt laufen. Eine gute Übung, um einige Berechnung anzustellen und anschließend die Ausgangsstellung zu beurteilen. In der später folgenden Analyse finden sich einige Varianten zum Abgleich.


Stanley hatte seinen Läufer nicht direkt nach g1 gezogen und stand nun vor der Frage, wie er mit der neuen Situation umgehen soll. Entweder er zieht jetzt mit dem Läufer doch nach g1 oder er nimmt den Bauern auf e5 und greift danach mit dem Springer und Turm an. Was ist richtig?


Schade. Ein spannender Fight, der beiden Spielern unterschiedliche Aufgaben zur Nachbereitung aufgibt: Der Engländer spielte im entscheidenden Moment zu schnell und unterschätzte, nach großem Kampf vorher, vermutlich seine Chancen. Allerdings dürften beide Spieler kurz vor dem Kontrollzug keine genaue Einschätzung der Lage auf dem Brett gehabt haben.

Quelle: allison badacsonyi (@ABadacsonyi) / X chess mum.

Service-Hinweis

Die Analyse kann heruntergeladen werden. Dafür muss man auf bei der Partienden hier orange markierten Button klicken.


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