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Killer-Attacke in Spanien

Das zweite Camp der Schach-Akademie „Killer Chess Training“ fand erneut in Roquetas de Mar in Spanien statt. Diesmal ging es um das Thema Angriff. Welche Ideen und Motive gibt es um einen erfolgreichen Angriff zu etablieren? Drei Großmeister versuchten etwa zwei Dutzend Teilnehmern Denkhilfen anzubieten.

Von Thorsten Cmiel

Wie greift man in einer Schachpartie am effektivsten an? Vor etwa 40 Jahren erklärte mir ein damals bekannter und inzwischen verstorbener Schachspieler aus Köln, dass man auf der Seite des gegnerischen Königs mindestens zwei Leichtfiguren im Vorteil sein sollte, um erfolgreich im Königsangriff sein zu können. Der Ratschlag ist nicht komplett falsch und beschreibt das Thema materielle Überlegenheit. Aber das ist längst nicht alles was man über das Thema Angriff wissen sollte.

In Spanien ging es dem Team um Jacob Aagaard (GM Renier Castellanos und GM Julen Arizmendi) vor allem um eine didaktische Herangehensweise und viele Beispiele, Übungen und Lernmethoden kamen zum Einsatz, um die Motive zu erläutern und zu erlernen. Das Auffinden von Lösungen erwies sich trotz der Kenntnis der Thematik des jeweiligen Kapitel meist als schwierig. Die Teilnehmer waren diesmal in zwei Rating-Leistungsgruppen (2000+ war die obere Gruppe, wobei Spieler über 1900 sich selbst entscheiden konnten) eingeteilt, um den potentiellen Lernerfolg zu verbessern, denn Spieler unterschiedlicher Spielstärke stellen oft andere Fragen zu identischen Stellungen.

Vor allem hat es allen Teilnehmern Spaß bereitet und jeder, den ich am letzten Abend gesprochen habe, will im nächsten Jahr wieder dabei sein. Dann vermutlich an einem anderen Ort, der hoffentlich eine Wasserrutsche aufweist. Denn es gehört zur Tradition des Camps, dass am letzten Tag einige mutige Teilnehmer das Gelernte in die Praxis umsetzen. Denn Momentum spielt natürlich auch beim „Watersliding“ eine wichtige Rolle.

Der Zeitplan

Der inhaltliche Trainingsplan folgte dem Aufbau eines neuen Buches („A Killer Guide To Attacking Chess“), das laut NIC-Website am 17. Juni 2026 erscheinen soll. Die Teilnehmer erhielten sozusagen druckfrisch ihre Exemplare und können das gelernte an weiteren Beispielaufgaben vertiefen oder besser erfassen. Wer sich frühzeitig für die Akademie anmeldete bekam zudem zusätzlich sechs statt vier Büchern aus dem Quality-Chess-Verlag, der zum Aagard-Verlags-Imperium gehört.

„A Killer Guide to Attacking Chess“ bietet eine fachkundige Einführung in die wichtigsten Elemente eines guten Angriffsschachs. Von den grundlegenden Konzepten wie „Momentum“ und „Alle Figuren in den Angriff einbeziehen“ bis hin zu eher situationsbezogenen Ideen wie „Den schwächsten Feld angreifen“, „Den stärksten Feld angreifen“, „Evolution/Revolution“, „Killzone“ und vielem mehr. Indem wir das Angriffsspiel in leicht erkennbare Elemente zerlegen, die jeder verstehen kann, erkennen wir, dass Angriffsspiel nicht das Ergebnis eines Genies in Aktion ist, sondern eine Folge der im Spiel befindlichen positionellen Faktoren. (Verlagstext)

Beginnen wir mit einem ersten Beispiel an dem ich knapp gescheitert bin. Es stammt aus einer der vielen unter Zeitdruck selbst zu lösenden Trainingsaufgaben. In der folgenden Stellung aus einer Partie von Antal Gergely und Emre Can stammt die folgende Stellung mit Weiß am Zuge. Weiß sollte offensichtlich versuchen seinen Angriff weiter voran zu bringen. Nach etwas Nachdenken – die anderen zahlreichen Aufgaben standen ebenfalls an – hatte ich eine Idee in die ich sofort „verliebt“ war – ich wollte meinen Turm nach g5 ziehen. Ganz schlecht. Die Idee war es den gegnerischen Läufer abzulenken, der die schwarze Dame auf c7 deckt. Das wäre relevant nach sofortigem Schlagen auf f7 – Schwarz antwortet kaltblütig mit dem Läuferzug nach c6. Was war mir entgangen und was war die richtige Lösung?



Social Solving

Beim gemeinsamen Lösen von Aufgaben kommen zusätzliche Aspekte ins Spiel. Auf der einen Seite profitiert man von unterschiedlichen Ideen in einer Gruppe, aber andererseits muss man aufpassen, dass man sich nicht von manchen enthusiastisch vorgetragenen Ideen auf die falsche Fährte locken lässt. Als noch schwieriger erweist sich das gemeinsame Spielen in Gruppen – auch das stand auf dem Lehrplan. In unserem Fall waren wir ein Veteranen-Team. Die Spielbedingungen waren einfach. Jedes Team bekam 40 Minuten mit Inkrement für die gesamte Partie. Da das Thema Angriff war, bekam man je Team eine Gewinn- und eine Verluststellung zugeteilt und trat gegen unterschiedliche Teams an. Allerdings zeigte sich im Verlauf oft, dass die Stellungen schwierig genug sind und oft drei Ergebnisse möglich waren. Betrachten wir die Ereignisse einer der zwei Sessionen (je zwei Partien) meines Teams aus unserer Sicht.


Gedrillt auf Angriff hatten wir zwei Züge zur Auswahl. Entweder wir schlagen zuerst den Bauern auf g3 und lassen dann den f-Bauern folgen oder wir beginnen mit dem f-Bauern. Ein weiterer Zug kam uns nicht einmal in den Sinn. Nach etwas mehr als zehn Minuten gab es eine Entscheidung und wir lagen besser als Garry Kasparov.


Die zweite Partie war offensichtlich die Partie in der wir uns verteidigen mussten. Die Stellung ist erkennbar aus einer französischen Verteidigung entstanden.



Zu den Highlights gehörte ein Uhren-Simultan und eine Meisterklasse mit der 12. Weltmeisterin im Schach der Frauen, Alexandra Kosteniuk. Alexandra stellte drei aktuelle Partien vor und erläuterte was so alles schief gehen kann auch bei Topspielern. Das Uhrensimultan (1.30 vs. 30 Minuten + Inkrement) erwies sich dann als extreme Herausforderung für die Wahlschweizerin, die von einem Event zum nächsten unterwegs ist.

Aufgaben ohne Worte




Nicht zum offiziellen Camp-Programm gehörte morgendliches Lösen von Aufgaben, dennoch machte etwa die Hälfte der Teilnehmer mit. Inoffiziell war das Wasserrutschen einiger Teilnehmer, wobei die Videos dazu privat bleiben sollen. Ein Blitzturnier mit 72 Teilnehmern, das vom örtlichen Verein ausgerichtet wurde, rundete die Aktivitäten ab. Ich persönlich bemerkte in der letzten Runde wie schwierig es ist ohne Blitz-Praxis mit einem Turm mehr zu gewinnen. Zwei Runden zuvor war ich bei dem Versuch mit Läufer und Springer mattzusetzen natürlich gescheitert.

Alle Teilnehmer erhielten neben mindestens vier Büchern zwei T-Shirts und KCT-Schreibmaterial. Etwa eine Woche nach dem Trainings-Camp gibt es zudem sämtliche Beispiele mit Lösungen im PGN-Format. Ich habe mich entschlossen die Lösungen hier nicht anzugeben, sondern die Aufgaben zum Selberlösen ohne Kommentar zu belassen. Der Lerneffekt ist mit Sicherheit größer und man bekommt einen besseren Eindruck vom Schwierigkeitsgrad mancher Aufgaben. Wer die Lösungen nächstes Jahr etwas komfortabler zugeschickt bekommen will, der sollte eine Teilnahme am Camp von Killer Chess Training erwägen. Es war ein Riesenspaß.

Fotos: Raluca Sgircea und privat.

Homepage von Killer Chess Training (es gibt eine Altersabfrage, was vermutlich an dem ersten Teil des Akademie-Namens liegt).

Facebook-Auftritt von Killer Chess Training.


Service-Hinweis

Die Partien und Analysen auf dieser Website können im jeweiligen Partiefenster durch Klicken auf den links markierten Button einfach als PGN-Dateien heruntergeladen werden.

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