Foto: Maria Emelianova (FIDE Chess)
Nachdem der Inder Gukesh das Kandidatenturnier in Toronto gewonnen hatte, wollte ich auch beim WM-Kampf dabei sein. Im Vordergrund standen natürlich der Wettkampf und das Geschehen auf dem Brett. Einige persönlichere Eindrücke folgen mit etwas Verzögerung aus der Rubrik Schubladentexte.
Von Thorsten Cmiel
Der erste Eindruck zählt bekanntlich am meisten. Mit Singapur Airlines bin ich am 24. November 2024 von Frankfurt nach Singapur geflogen. Etwas übermüdet steige ich nach zwölfstündigem Flug aus dem Airbus A380. Jetzt ist vermutlich Schlangestehen angesagt am 1981 eröffneten Singapurer Changi Flughafen. Wir Passagiere laufen durch die üblichen langen Gänge und hohen Hallen moderner Flughäfen. Ich hatte die Formalitäten noch nicht vollständig erledigt. Per iPad gebe ich an einer dafür vorgesehenen Einrichtung die notwendigen Angaben in ein elektronisches Formular und der freundliche Mitarbeiter des Flughafens rät mir ein Foto mit dem Handy davon zu machen, das würde ich später immer wieder benötigen. Das ging schnell.
Danach geht es zur elektronischen Passkontrolle. Man kennt solche Kontrollen in Europa für Europäer, aber ich wechsele immerhin den Kontinent und doch reicht die elektronische Kontrolle, die ich ebenfalls zügig an einem der unzähligen Zugänge absolviere. Das Gepäckband läuft bereits als ich dort ankomme. Koffer nehmen und dann geht es per Metro in Richtung Sentosa Island, hier ist mein Hotel und der Spielort. Auffällig ist sofort, alles ist modern und sauber. Als Kölner ist man das nicht unbedingt gewohnt. Der Grund dafür könnte sein, dass die Regierenden drastische Strafen für achtlos weggeworfenen Alltagsmüll aufrufen. Die Regel gefällt mir.

Jünger, schneller, weiter
Auffällig sind die vielen jungen Menschen, die einem begegnen in Singapur. Immerhin meine Hausaufgaben habe ich gemacht: Für das Jahr 2024 wird das Durchschnittsalter in Singapur auf etwa 35,6 Jahre prognostiziert. In einem Vierteljahrhundert soll das Durchschnittsalter bei ungefähr 51 Jahren liegen. Dass Gesellschaften altern ist nicht schlimm, sondern oft ein Zeichen besserer Gesundheitsversorgung. Eine alternde Gesellschaft wird jedoch mit neuen politischen Herausforderungen konfrontiert, bei der Altersvorsorge und in der Pflege beispielsweise. Der durchschnittliche Deutsche ist zurzeit 47,8 Jahre alt, statistisch betrachtet. Junge Gesellschaften sind natürlich dynamischer, innovativer und lebendiger. Das spürt man in Metropolen wie Singapur sofort.
Ökonomisch betrachtet ist Singapur ein echtes Powerhaus. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, eine Art Messgröße der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, beträgt fast 89.370 US-Dollar. Für die nächsten fünf Jahre wird ein Anstieg um 22 Prozent erwartet. Es gibt unterschiedliche Messmethoden, die Länder vergleichbar machen, aber es reicht aus zu wissen, dass Singapur im Vergleich die weltweite Nummer zwei und Deutschland auf Rang 20 rangiert.
Jüngere Geschichte
Die frühere britische Kronkolonie Singapur gibt es in der jetzigen Form erst seit 1965, wir sind sozusagen gleichaltrig. 1963 hatte das Land sein Glück in einer Föderation mit Malaysia, Nord Borneo und Sarawak versucht. Allerdings gab es Spannungen und ethnische Unruhen in Malaysia und Singapur. In der Folge wurde Singapur aus der Föderation ausgeschlossen und stand vor einer ungewissen Zukunft, so wird es heute beschrieben. Irgendetwas hat man danach richtig gemacht. Politische Stabilität scheint ein wichtiger Faktor zu sein. Seit der Unabhängigkeit regiert erst der vierte Premierminister das Land. Wirtschaftlich relevant sind für Singapur vor allem seine Frachthäfen. Ein anderer wichtiger Wirtschaftsfaktor für Singapur ist der Finanzsektor. Geldströme nach Singapur führen zu Wohlstand, da der Stadtstaat sich liberal und offen zeigt. Der dritte Faktor für den Wohlstand des kleinsten Staatsgebiets in Südostasien ist der Tourismus. Zur Schachweltmeisterschaft beispielsweise kann man herkommen.


FIDE trifft gute Wahl
Etwa ein halbes Jahr vor Beginn der Schachweltmeisterschaft hatte der Weltschachbund FIDE den Zuschlag für den Weltmeisterschaftskampf an das neutrale Singapur vergeben. Chennai und Delhi waren verständlicherweise schnell aus dem Rennen, obwohl sie das geforderte Finanzvolumen von 8,5 Millionen US-Dollar ebenfalls stemmen wollten. Der Stadtstaat in Südostasien ist aus mehreren Gründen bestens geeignet, um den Wettkampf zwischen einem chinesischen und einem indischen Spieler auszutragen. Zunächst liegen beide Staaten größtenteils in benachbarten Zeitzonen. Zwischen Chennai und Peking beträgt der Zeitunterschied zweieinhalb Stunden. In Singapur gilt die selbe Zeit wie in China.
Singapur ist ein internationaler Schmelztiegel mit Einflüssen aus vielen asiatischen Regionen. Anekdotisch sei erwähnt, dass es in Singapur eine Chinatown und ein Little India als eigene Stadtteile gibt. In Singapur, das etwa 5,7 Millionen Einwohner zählt, gibt es sogar vier offizielle Landessprachen, Malaiisch, Mandarin, Tamil und Englisch. Von der ersten Runde wurden bei den Pressekonferenzen Fragen an Ding Liren in seiner Landessprache gerichtet und der freute sich riesig darüber und lächelte manchmal nur dann. Zur siebten Partie kam erstmals ein indischer Journalist auf die Idee, Gukesh in Tamil eine Frage zu stellen. In allen Fällen wirkten die FIDE-Vertreter überrascht und Maurice Ashley auf der Bühne machte gute Miene zum unverstandenen Spiel. Immerhin für die Frau, die für das Singapurer Organisationsteam ihre Fragen an Ding Liren auf chinesisch richtete, gab es nach einigen Runden einen Übersetzer. Der Inder übersetzte seine Fragen gleich mit. Gukesh wirkte ebenfalls überrascht, begann in Englisch und wechselte in seine Landessprache. Wie Anand und Praggnanandhaa kommt er aus Chennai, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu.
Sentosa Island
Gespielt wird auf der Vergnügungsinsel Sentosa, eine kleine singapurische Insel, die durch Landgewinnung entstand und ein Areal von etwa fünf Quadratkilometern ausmacht. Die Insel diente früher den Briten als Militärstützpunkt und ist inzwischen eine Art Naherholungsgebiet für die Bevölkerung Singapurs. Jedes Jahr kommen über fünf Millionen Touristen nach Sentosa. Es gibt neben zumeist teuren Hotels und Luxusläden auf der Insel einige Attraktionen, die vor allem für Kinder, aber auch für Erwachsene etwas bieten können. Neben dem riesigen S.E.A. Aquarium gibt es die Universal Studios Singapur, die einen Tagesausflug rechtfertigen. Hier kann man hinter gut imitierte Filmkulissen schauen und erfahren wie Spezialeffekte beim Film entstehen. An zwei Attraktionen wurden 3D-Brillen ausgegeben und eine Tour mit einer Art Raumshuttle in eine Kampfszene aus Transformers war das Eintrittsgeld von etwa 75 Euro für den ganzen Tag alleine wert. Leider weiß man beim Anstellen für Attraktionen nicht so genau was passiert und so erlebte ich ein nasse Überraschung bei einer Bootstour in der Jurassic World. Zwar hatte man die Möglichkeit Capes für sechs Singapur Dollar zu kaufen, aber etwa die Hälfte der Besucher verzichtete und ich ebenfalls. Immerhin die Betreiber haben offensichtlich Humor und sind zugleich geschäftstüchtig, denn für fünf Dollar konnte man sich danach in eine Art Trockenkabine stellen. Ich verzichtete erneut, denn ganzjährig ist das Klima in Singapur tropisch-feucht, man ist also ohnehin immer irgendwie nass. Die hohe Luftfeuchtigkeit dürfte nicht jedermanns Sache sein. Es gab noch andere Erlebniswelten wie die Welt von Shrek, einem inzwischen in die Jahre gekommenen grünen Helden. Die Waterworld oder ägyptische Kulissen aus einem Abenteuerfilm, in dem auch eine Mumie vorkommt, sind ebenfalls Teil der Attraktionen. Kinder dürften auch die Magie von Harry Potter in einem anderen Vergnügungstempel mögen, aber fast fünfzig Euro für eine Tour von etwas mehr als einer halben Stunde, sind im Vergleich zu dem Angebot in den Universal Studios nicht gerechtfertigt. Wer will kann einen schwerelosen Flug erleben. Für 120 Singapur Dollar bekommt man eine Einweisung, eine Fluganzug und darf 45 Sekunden fliegen. Spaß ist teuer.

Wo die Schachwelt hinschaut
Der Weltmeisterschaftskampf zwischen Titelverteidiger Ding Liren und dem indischen Herausforderer Gukesh wird im Equarius Hotel, einem luxuriösem Fünf-Sterne-Hotel ausgetragen. Dafür haben die Organisatoren einen Tag vor Beginn eine Art Glashaus errichten lassen, bei dem die Spieler von innen nicht in den ohnehin abgedunkelten Raum sehen können. Man kann den Spielern beim Denken zuschauen und das Geschehen auf dem Brett auf zwei Monitoren verfolgen. Drinnen hört man nur wenn es draußen Applaus gibt. In dem Zuschauerraum gibt es etwa dreihundert Sitzplätze von denen etwa 60 für VIP`s reserviert sind. Die übliche Aufenthaltszeit beträgt dreißig Minuten für Einfachzahler. Die „wichtigen“ Leute sind näher dran am Geschehen, können sich in gemütlicheren Sesseln lümmeln, an Simultanevents teilnehmen und sich in einer speziellen Lounge verköstigen lassen. Dafür müssen diese Gäste etwas tiefer in die Tasche greifen. Ein Tagesticket kostet schachlich korrekte 64 Singapur Dollar und die VIP-Version 380 Dollar. Rabatte gibt es bei Mehrfachbesuchen. Zur Einschätzung: Ein Singapur-Dollar ist ungefähr 70 Eurocent wert. Für das Fußvolk unter den Gästen gibt es eine Fanzone, die wie schon in Toronto sehr gut ankommt. Hier finden manchmal Interviews statt mit im besten Fall bekannten Großmeistern oder Streamingpromis. Wer will kann Blitzpartien spielen oder dem offiziellen Kommentar von David Howell und Jovanka Houska folgen. Im Foyer hat der Titelsponsor Google eine Ausstellung, welche die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz nutzt und das Projekt Alpha Zero und die Folgeprojekte vorstellt. Einer der Ehrengäste zu Beginn war Demis Hassabis, der Gründer von Deepmind und seit diesem Herbst Nobelpreisträger für Chemie. Er hatte zusammen mit David Baker und seinem Kollegen John Jumper für das Entschlüsseln von Protein Strukturen diese Auszeichnung erhalten.

Kantine
Der Presseraum ist klein, aber funktional ausgefallen, spannend dürften die letzten Tage werden, wenn die Zahl der 179 akkreditierten Journalisten erreicht wird. Aus Deutschland sind drei Medienvertreter länger vor Ort: Harry Schaack, Herausgeber vom KARL, Ulrich Stock von Die Zeit und ich für Chess Ecosystem. Wie in Budapest gibt es keine ordentliche Verpflegung für Medienvertreter. Das ist insofern ärgerlich als die Partien erst um 17 Uhr beginnen und ab 21.30 Uhr die Garküchen im Einkaufszentrum Vivo City auf dem Festland bereits dicht machen. Um das Festland zu erreichen kann man den kostenlosen Sentosa Express, eine moderne kostenlose Bahnverbindung nutzen. In der siebten Runde beispielsweise war die Pressekonferenz erst kurz von elf Uhr zu Ende. Ulrich Stock, der schon bei der Auftaktveranstaltung anwesend war, hat dafür früh eine Lösung gefunden und so gehörte es zu unserer regelmäßigen Routine, dass wir nach Ende der Pressekonferenz ins Kasino gehen. Das ist Teil des Hotelkomplexes in der Nähe des Spiellokals. Um in den Spieltempel zu gelangen muss man seinen Reisepass und das Einreisedokument auf dem Handy parat haben. Das Kasino selbst ist groß, riesengroß. Es blinkt von überall her von den zahllosen Monitoren und Automaten. Viele Spielerinnen und Spieler sitzen vermutlich stundenlang scheinbar emotionslos vor den einarmigen Banditen ohne jemals etwas zu gewinnen oder Spaß zu haben. Selbst altehrwürdige Spiele wie Roulette werden hier nur noch elektronisch angeboten. Die Spieler sitzen in einem großen Kreis an Tischen und eigenen Eingabegeräten, um möglichst effizient ihre Gebote abzugeben. Das ist schneller als in klassischen Spieltempeln und dürfte für die Betreiber daher deutlich lukrativer sein.
In der Kantine gibt es günstige frisch zubereitete asiatische Gerichte. Hier können Spieler rund um die Uhr einkehren, wenn das Geld an der Geräten zur Neige geht und eine letzte warme Mahlzeit noch drin sein muss.
Grandiose asiatische Küche
Am zweiten Ruhetag, also nach der sechsten Runde, schaffe ich es endlich auf das Festland und sehe einige grandiose architektonische Bauwerke und Gebäude von weitem beispielsweise das Marina Bay Sands, das einigen als Kulisse dient Das Gebäude ist ein bekanntes Luxushotel auf drei Säulen in der unmittelbaren Nähe des Finanzviertels mit seinen vielen Wolkenkratzern und seinem arroganten Charme. Auf der Straße begegnet man Männern in Anzügen und Frauen in Kostümen, die beschäftigt wirken und sich gelegentlich bei Starbucks mit Kaffeegetränken eindecken. Dann plötzlich, es ist mittags und ich habe ohnehin Appetit, sehe ich einige Straßengarküchen in einer Art Galerie, mitten im Finanzdistrikt. Ich bin am Telok Ayer Markt angelangt, der heute Palau Pa Sat heißt. Das Gebäude hat ein markantes achteckiges Design, existierte bereits in den 1820er Jahren und wurde später im viktorianischen Stil neu entworfen. Das Gebäude verwendet filigrane Guss- und Schmiedeeisenteile, die aus Glasgow importiert wurden. Im Markt gibt es ein buntes Treiben mit findet man unzählige Garküchen mit chinesischen, koreanischen, indischen, philippinischen, japanischen und singapurischen Gerichten unterschiedlicher Art. Ich entscheide mich für Wanton Nudeln, eine Suppe, die nach Fischsuppe mit einer Art Tortellini-Einlage gab es dazu. Der Preis ist ansprechend niedrig. Tatsächlich findet man solche Möglichkeiten in vielen Vierteln in Singapur. Bei meinem Weg aus dem Finanzviertel komme ich an verschiedenen Kulinariktempeln vorbei, die Franchisecharme versprühen. Die Preise sind deutlich höher, dafür gibt es freies W-Lan und viele freie Plätze.


Von Partien und Exporten
Die Pressekonferenzen finden nicht im Equarius Hotel, sondern an einem anderen Ort in der Nähe statt, im Convention Centre. Dahin müssen Journalisten und Fotografen entweder nach der Partie zu Fuß eilen oder sie nehmen einen gemeinsamen Bus. Während die Spieler in einem Kleinbus abgeholt werden, sind gelegentlich die Mutter und der Vater von Ding Liren ebenfalls beim Pressetross dabei, insbesondere wenn es zufällig gerade regnet.
Im Convention Centre finden nicht nur die Pressekonferenzen, sondern auch das Singapur Open in zwei Gruppen statt. Ein internationales Turnier mit vielen Großmeistern. Vor allem Spieler aus Asien sind dabei. Immerhin spielt auch der Europameister Aleksandar Indjic mit. Das Turnier erweist sich gelegentlich – inzwischen sind sieben Runden gespielt – als Rutschpartie für manche Großmeister. Ich habe es mir zur täglichen Routine gemacht die Bretter 25 bis etwa 30 zu konsultieren. Hier fand ich meist gestrandete Großmeister mit einem Ergebnis von etwa Plus Eins. Das funktionierte bis zur siebten Runde bestens.
Es ist faszinierend manchen Partien zuzuschauen und manchmal entdeckt man echte Perlen. Leider wurden nur die ersten zehn Bretter übertragen und ich kann mich bei einer solchen Partie nur an das wichtigste Stellungsmerkmal erinnern. In der sechsten Runde sah ich an Brett 13 eine bemerkenswerte Stellung in der Partie zweier Großmeister. Mit Weiß spielte Darwin Laylo (2402) von den Philippinen gegen Arseniy Nesterov (2599), einem Spieler unter FIDE-Flagge. Ich dachte mir ein isolierter b-Doppelbauer, ein isolierter f-Tripelbauer und zwei isolierte Bauern auf d4 und h2 müssen die schlechteste Bauernstruktur aller Zeiten sein. Meine Überraschung war groß als ich exakt diese Bauernstruktur in einer anderen Partie fand, die 1998 in Italien gespielt worden ist.
Asien – jünger und stärker
Im Untergeschoss des Convention Center sitzen dutzende Frauen und Männer auf dem Teppichboden. Aber diese Menschen, von denen viele unablässig auf ihre mobilen Endgeräte schauen, sind keine Wegelagerer, sondern Eltern von Schach spielenden Kindern. Beim Schach müssen Eltern draußen bleiben. Im B-Turnier beispielsweise spielen sechsjährige Mädchen aus Singapur und China mit. Alter spielt keine Rolle: Mancher international erfahrene Spieler musste gegen zehnjährige Spielerinnen und Spieler im A-Turnier hinter sich greifen.
Die Turniere haben einen Gesamtpreisfonds von 100.000 Singapur Dollar (70.000 Euro) und Großmeister erhalten Konditionen. Meistens geht alles glatt und die Spieler melden sich rechtzeitig an oder ab. Das ist aber offenbar nicht immer so: Über einen hat sich der Cheforganisator Kevin Goh Wei Ming geärgert und zwar per Social Media. Das Hotelzimmer war für ihn bezahlt, gekommen ist er nicht. Kevin, ein sehr freundlicher Mensch, will den Namen des Spielers nicht nennen, denn der Großmeister sei immerhin ein Schachspieler. Ich vermute es handelt sich um einen Junggroßmeister, der stattdessen in London im Masters mitspielt, vielleicht sah er dort bessere Chancen für sich.
Vom Exportgeschäft
Fünf deutsche Spielerinnen und Spieler haben sich ebenfalls nach Singapur aufgemacht. Nach sieben Runden macht Deutschland seinem Titel Exportweltmeister alle Ehre. Netto gehen 130 Elo-Punkte der deutschen Delegation nach Asien. Ich habe mir vorgenommen auch in das Elo-Exportgeschäft einzusteigen und am letzten Turniertag das Blitzturnier mitzuspielen. Dafür schwänze ich sogar die ersten Züge in der neunten Partie von Gukesh gegen Ding. Gelohnt hat es sich für die anderen. 45 Blitz-Ratingpunkte weg.
Fotos: Privat, falls nicht anders gekennzeichnet.
Hinweis zur Schublade: Diesen Text habe ich für eine monatlich erscheinende Schachzeitung, die SCHACH im Namen trägt, geschrieben. Ob der Text so oder gekürzt veröffentlicht wurde, weiß ich nicht. Denn ich bekam nicht einmal eine Rückmeldung oder gar ein Belegexemplar, obwohl ich vor dem Turnier um einen Beitrag vor Ort vom neuen Chefredakteur angebettelt wurde.