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HomeSchacholympiade 2026Indien benötigt Glück, diesmal

Indien benötigt Glück, diesmal

Titelfoto: Rafal Oleksiewicz/FIDE

Deutschland hat eine bronzene Medaille im wichtigsten Team-Wettbewerb errungen und es war sogar noch edleres Metall drin. Die Inder standen vor zwei überraschenden Katastrophen. Ein kurzer Blick zurück auf eine spannende Schlussrunde der Inder.

Von Thorsten Cmiel

Die Schacholympiade war ein großes Schachfest und ist leider vorbei. Es ist immer wieder inspirierend zu sehen wie Fans in manchen Ländern enthusiastisch den Schachsport feiern. Indien und Usbekistan scheinen solch eine Fankultur zu etablieren, die man sich in Europa ehrlicherweise nicht vorstellen kann. In den Hauptkategorien gab es fünf asiatische Medaillen in diesem Jahr: Usbekistan und Indien in der offenen Klasse sowie China, Kasachstan und Indien bei den Frauen. Insgesamt ging es knapper aus als vor zwei Jahren in Budapest als Indien die Schachwelt dominierte. 2024 hatte Gukesh das Kandidatenturnier gewonnen, sein Team zum Sieg geführt und dann in Singapur die WM-Krone errungen. Auf eine ebensolchen Höhepunkt hofft diesmal der usbekische Verband im November und Dezember im schweizerischen Genf, wenn Javokhir Sindarov den indischen Titelverteidiger Gukesh herausfordert.

Letztlich gewann die Inder zwei Team-Medaillen und erneut deutlich die kombinierte Nationenwertung, den Gaprindashvili-Cup, aber es war knapp. Ausgerechnet die verlässlichsten Scorer beider Teams waren in der Schlussrunde in Schwierigkeiten. Letztlich reichte es für zwei Unentschieden und zwei Team-Medaillen.

Indien Open-Team

Bei Schacholympiaden wird durch die Resultate in den beiden Schlussrunden die Endplatzierung definiert. In der Vorschlussrunde hatten die Inder gegen das zweite usbekische Team nur ein Unentschieden in einer Einzelbegegnung zugelassen. In der Finalrunde stand Ungarn auf dem Speiseplan, dachte ich vor der Runde. Dann fing das große Zittern an. Ausgerechnet Arjun Erigaisi, der im Turnierverlauf am zweiten Brett eher enttäuscht hatte, holte den ersten vollen Punkt für Indien gegen Peter Leko.

Nihal holte mit Weiß ein recht sicheres Remis. Er hatte eine kurze Phase etwas mehr vom Spiel, aber letztlich kam es zu einem ausgeglichenen Doppelturmendspiel.

Es war absehbar, dass der indische Topscorer Gukesh einen sehr schlechten Tag erwischt hatte. Seine Stellung verschlechterte sich zusehends. Pragg benötigte also einen halben Punkt, um zumindest eine Medaille zu sichern. Der entscheidende Moment kam dann im 33. Zug aufs Brett.


Praggnanandhaa – Rapport. Schacholympiade Samarkand 2026.

Der Ungar Richard Rapport steht vor seinem 33. Zug und verbrauchte vier seiner verbliebenen etwa 20 Minuten. Sein f-Bauer ist angegriffen. Wie sollte er hier am besten fortsetzen und wie ist die Stellung zu bewerten?



Das indische Open-Team ging auf dem erwartbaren zweiten Platz durch das Ziel. Bedenkt man, dass das Team praktisch nur mit vier Spielern agierte, in Budapest hatte Harikrishna eine etwas aktivere Rolle gespielt als Vidit diesmal. In diesem Jahr agierten zwei Spieler unter ihren Möglichkeiten: Arjun Erigaisi hatte nach seiner unglücklichen Startniederlage Schwierigkeiten ins Turnier zu finden. Immerhin: In der letzten Runde holte er einen wichtigen vollen Punkt gegen Peter Leko. Zwei von insgesamt vier Einzelniederlagen, beide von Nihal, kosteten Indien in den Runden sechs und sieben den Anschluss an Usbekistan, denn auch die Höhe der Siege spielt eine wichtige Rolle bei der Wertungsberechnung.

Indiens Frauen knapp Dritte

Auch bei den Frauen benötigte das indische Team am letzten Tag einige Hilfe der Gegnerin, um in der letzten Partie des Wettkampfes halb zu punkten. Ausgerechnet den besten Punktelieferantinnen bis dahin schienen in der Finalrunde die Nerven einen Streich zu spielen: Divya Deshmukh verlor nach eine schlechten Entscheidung nach bis dahin ausgeglichenem Verlauf ihre Partie und fuhr ihre erste Niederlage ausgerechnet am Schlusstag ein. Da Koneru Humpy gegen Nana Dzagnidze schnell gewinnen konnte, kam es auf die beiden hinteren Bretter an. Vantika holte einen halben Punkt und dann schaute Indien auf die Jüngste im Team. Savitha hatte bis dahin erst einen halben Punkt in neun Partien abgegeben, stand aber äußerst gefährdet für einige Zeit.



Arabidze – Savitha Shri. Schacholympiade Samarkand 2026.

Das war in einer höchst komplizierten Partie einer der Schlüsselmomente. Wie sollte die Georgierin mit Weiß hier fortsetzen?

Der halber Punkt sicherte Indien gleich drei Medaillen: Für das Frauen-Team brachte er Bronze in der Gesamtwertung, für Savitha Einzelgold und für das Team den Gewinn der Nationenwertung, den Gaprindashvili-Cup. Indien wäre bei einer Niederlage in dieser Partie hinter die USA und China zurückgefallen.

Die indischen Frauen waren als Favoritinnen ins Turnier gestartet. Bei Normalleistung aller Spielerinnen, sollte das für einen Platz unter den ersten Drei reichen. Hinzu kommt neben der allgemeinen Performance immer eine gute Verteilung der Ergebnisse im Zusammenspiel. Indien verlor gegen die Polinnen und spielt Unentschieden gegen Kasachstan, China und Georgien. Vier Spielerinnen im Team der Inderinnen erhielten vier Einzelpreise (Gold für Savitha, Silber für Divya und zweimal Bronze für Humpy und Vantika). China holte zwei Einzelgoldmedaillen (Zhu Jinher und Lu Miaoyi) und gewann souverän Team-Gold.

Ich habe mich bei dieser Schacholympiade auf die deutschen und die indischen Teams konzentriert. Aber es gäbe natürlich noch tolle weitere Geschichten zu erzählen. Die zwei Spitzenspielerinnen der USA beispielsweise überzeugten: Carissa Yip und Alice Lee. Carissa erzielte eine Performace von 2601, ihr fehlte aber eine dritte Großmeisterin als Gegnerin für die GM-Norm. Die 16-jährige Alice Lee dominierte das zweite Brett und holte 8.5 aus zehn Partien bei einer Performance von 2572.

Natürlich könnte man auch bei den Siegerinnen aus China noch einmal genauer hinschauen: Lu Miaoyi spielte elf Partien und holte 9.5 Punkte bei einer Gesamtleistung von 2576. Angeführt war das chinesische Frauenteam von Zhu Jiner, die mit sieben aus neun die beste Performance bei den Frauen erzielte. Wie in Budapest verzichtete China auf Hou Yifan, Ju Wenjun, Tan Zhongyi und Lei Tingjie und gab dem Nachwuchs eine Chance.

Sensationell war aus meiner Sicht das Abschneiden der Vietnamesen in der offenen Klasse, vielleicht das Überraschungs-Team der Schacholympiade in Samarkand. Die Spieler an Brett zwei und drei holten Großmeisternormen. Hinweis: Die Berechnung des Spielers am zweiten Brett wird wegen des schwachen Gegners in der Startrunden angepasst/herangeholt auf 2050. Als Team gewann Vietnam in der Kategorie B. Ein Elo-Plus des Teams von mehr als 80 Punkten ist sensationell.

Fotos: Michal Walusza und Rafal Oleksiewicz/FIDE.

Ergebnisse.


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