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Usbekistan führt

Titelfoto: Michal Walusza / FIDE

Noch sind Nationen wie Indien und Usbekistan im Schach vorne. Aber durch seinen Sieg gegen die Vereinigten Staaten in Runde Fünf klopft das deutsche Team an den Medaillenrängen. Ein Grund heute genauer hinzuschauen.

Von Thorsten Cmiel

Die deutsche Mannschaft ist natürlich gegen Teams, die in der Setzliste vor ihr gesetzt sind, Außenseiter. Aber das Spiel am Tag zuvor macht Mut. Der Schiedsrichter prüft vor Beginn, ob die deutschen Spielernamen und Fotos auf den Spielerausweisen mit seinen Informationen übereinstimmen, ob er das auch beim Ex-Weltmeister Ding Liren geprüft hat? Die Stimmung im deutschen Team ist gut, vielleicht auch weil sich die Aufmerksamkeit auf die Spieler im anderen Top-Wettkampf konzentriert. Vincent und Matthias scherzen noch kurz vor der Partie.

Gegen ein schnelles Unentschieden auch mit den weißen Steinen ist nichts zu sagen. Die Partie von Matthias Blübaum endete dann auch recht schnell Remis. Frederik spielte eine bekannte passive, aber recht Remis-verdächtige Variante. Leider geriet Alexander Donchenko gegen die erwartbare Russische Verteidigung schnell ins Hintertreffen. Der Partieansatz von Vincent allerdings gefiel mir um deren 20 Zug herum gut und sah nach solidem Spiel aus. Das zeigt einmal mehr wie wenig man von außen oft versteht. aber dazu später.

Ich nutzte die Wartezeit in der Eröffnungsphase der Partien, um mit dem Team-Captain von Äthiopien draußen zu blitzen. Immerhin ich gewann in einem ausgeglichenem Turmendspiel auf Zeit. Danach ging es am Stand von Wadim Rosenstein gegen einen Schachroboter. Ich wählte die höchste Gegnerstufe und verlor ziemlich dämlich nach einer Falschberechnung erst einen Bauern und nach einem weiteren taktischen Fehler die Partie. Das war gar nicht gut.

Bei mir war es nicht so schlimm wie bei Jana Schneider, die eine Standardidee in ihrem System, das man Michael-Adams-System nennen könnte, nicht kannte. Da ich das System kürzlich selbst vorbereitet hatte, kannte sogar ich die folgende Stellung.


Cosma – Schneider. Schacholympiade 2026.

Hier sollte Schwarz wie fortsetzen? Jana spielte nach vier Minuten den falschen Zug und kam in Probleme, die sich schnell weiter zu einer Verluststellung verdichteten. Schade, aber solche Vorbereitungsfehler dürfen nicht vorkommen. Immerhin gelang es Lara schnell eine etwa ebenso überzeugende Gewinnstellung zu erreichen.

Zurück zum deutschen Open-Team: Das Remis von Matthias war keine bemerkenswerte Angelegenheit und bleibt daher unkommentiert stehen. Kurz danach folgte Frederik, der mit Schwarz ein sicheres Remis einfahren konnte. Leider geriet Vincent in Zeitnot in die Umklammerung von Liren. Monster-Liren, wie ihn ein bekannter deutscher Trainer respektvoll nennen würde, jedenfalls kann immer noch jeden schlagen. Diesmal sah es so aus als wäre Vincent seine Beute heute.



Während es bei den Männern nach einer klaren Niederlage aussieht, konnte Lara inzwischen ihre Partie gewinnen und Elisabeth hat remisiert. Unfassbar, ich neige dazu es fast lächerlich zu nennen, Jana steht inzwischen gleich. Sicher keine Partie, die man vorzeigen kann, aber wenn es am Schluss für einen halben Punkt reicht, wer kräht schon danach. Dinara hat derweil gegen die Rumänin Irina Bulmaga nach 42 Zügen nur einen Bauern getauscht bei interessanter Stellung, die ziemlich ausgeglichen ausschaut. Die Rumänin lässt sich dann überraschend schnell auf das Unentschieden ein oder übersieht eine dreimalige Stellungswiederholung nach anderen Zugpaaren. Am Ende jedenfalls reicht es für die deutschen Frauen für einen schmeichelhaften Sieg.

Im anderen von mir in der offenen Klasse beobachteten Kampf sind bei den Indern bereits drei Partien Remis ausgegangen. Der Verlauf der Partien scheint nicht dramatisch gewesen zu sein. In der vierten, noch offenen Partie hat Nihal Sarin laut Instanz fast eine Gewinnstellung.




Die entschiedenen Partien

Leider reicht es heute nicht für das deutsche Team. Aber wenn man es objektiv betrachtet, dann haben die Chinesen erneut überzeugt und waren verdiente Sieger. In dem Großkampf Indien gegen Usbekistan kommt es zu einer überraschenden Wendung und Indien liegt danach in Trümmern.


Liren mit Weltklasse-Leistung

Die Partie gegen Vincent ist vielleicht bisher die beste Einzelleistung eines Spielers in der Schacholympiade 2026. Unscheinbar baut Liren seine mikroskopischen Vorteile aus. Der Chinese zeigt warum er vor seiner psychischen Krise Weltmeister und vor einigen Jahren einer der stärksten Spieler der Welt war. Setzt man die nationale Brille ab, dann ist die Form von Liren vor allem erfreulich. Als Schach-Fan bleibt mir nur zu hoffen, dass er in Zukunft wieder aktiver auf der Tour dabei ist, denn Partien von dem Chinesen in Top-Form sind oft Meisterwerke der Schachkunst.


Nihal verzockt es für Indien

Es sind diese Partien, die ganze Karrieren bestimmen können. Im Wettkampf standen sich die Gewinner und Drittplatzierten der letzten zwei Schacholympiaden (Chennai und Budapest) gegenüber. Zweimal waren die Kämpfe Unentschieden ausgegangen. Ohne Zeitdruck entschied sich der Inder Nihal Sarin in besserer Stellung zweimal hintereinander falsch und verlor letztlich die Partie, die über Gold entscheiden könnte. Nicht nur Nihal ist geschockt, auch Gukesh, der das Geschehen beobachtet, hat Schwierigkeiten seine Gefühle zu beherrschen. Gukesh ist der Spieler, der vermutlich am besten nachvollziehen kann, wie sich Nihal jetzt fühlt. In Chennai 2022 passierte Gukesh gegen Nodirbek Abdusattorov ein vergleichbares Ungeschick – er ist daran gewachsen und erzielte in Budapest eine fast außerirdische Performance. Die Entscheidungspartie. In Chennai griff Anand höchstpersönlich durch einen nächtlichen Besuch im Hotel der Inder ein und Gukesh remisierte seine Letztrunden-Partie gegen Vincent Keymer als Teil zu einem 3-1-Sieg für Indien. Geschichte.


Yakubboev – Nihal Sarin. Schacholympiade 2026.

Nihal Sarin war mit einem riesigen Zeitvorteil ausgestattet. Er zog in dieser Phase ohne längeres Nachdenken. Wie Peter Svidler in seinem Video ausführt, reklamiert die Instanz hier, dass neben dem natürlichen Zurückschlagen auf g5 eine bessere Alternative im Königszug nach g7 bestand.


Yakubboev – Nihal Sarin. Schacholympiade 2026.

Hier zog der Inder schnell seinen Springer nach f5. Was ist davon zu halten?


Was ist von diesem groben Fehler und seinen Ursachen zu halten? Jeder Turnier-Schachspieler kennt solche Situationen. Dennoch darf so etwas nicht passieren. Schachtrainer weltweit raten aus gutem Grund zu einem kurzen Fehlercheck vor jedem Zug. Diese generelle Empfehlung hätte hier jedenfalls geholfen. Enthusiasmus verhindert manchmal die einfachsten Dinge. Es bleibt zu hoffen, dass diese Situation Nihal nicht erneut bricht. Immerhin der Team-Captain ist sein langjähriger Trainer und Reisebegleiter, der hoffent

Nach der Partie verlassen die Spieler den Spielsaal über einen anderen Seiteneingang und Stellen sich den Journalisten für Interviews. Plötzlich kommt es zu Jubelstürmen und spontanem Beifall. Nodirbek Yakubboev und Team-Captain Rustam Kasimdshanov sind der Grund. Usbekistan hat den großen Rivalen Indien geschlagen. Es geht kaum emotionaler für das Gastgeberland. Gold rückt ein Stückchen näher, auch wenn noch fünf weitere Runden zu spielen sind. Ab sofort ist Usbekistan in der offenen Klasse das gejagte Team.

Yom Kippur ist der höchste jüdische Feiertag. Jom Kippur beginnt abends vor Sonnenuntergang und dauert 25 Stunden. Bis zum Sonnenuntergang des nächsten Tages werden keinerlei Arbeiten ausgeführt und es wird streng gefastet.

Die beiden gegnerischen Teams von Israel heute waren nicht bereit, die Partien einen Tag später zu spielen, weshalb die beiden israelischen Teams kampflos verloren. Die Spielerinnen von Bulgarien zumindest hatten sich dennoch vorbereitet, meinte eine Spielerin. Auch wenn man sich natürlich immer den sportlichen Wettkampf wünscht, Verständnis kann man auch für das Open-Team der Niederlande und das Frauen-Team von Bulgarien haben, die Bermuda-Partie würde ausfallen, wenn man morgen spielen müsste.

Team-Fotos

Nette Team-Fotos gibt es von der FIDE nur, wenn man sich erkennbar als Team präsentiert. Mehr sind im Flickr-Account der FIDE zu finden. In Budapest gab es für das modisch beste Team einen Preis soweit ich erinnere. Der Deutsche Schachbund nimmt an solch einem Wettbewerb in der Regel nicht teil. Ich finde das ist eine schöne Erinnerung.

Viele Teilnehmer halten die inzwischen legendäre Bermuda-Party für das Highlight von Schacholympiaden. Immerhin die Party findet am Abend vor dem Ruhetag statt. Ich ende mit einem Spieler in einem Restaurant in der Nähe des Hauptplatzes in Samarkand und da es ohnehin spät ist schenkt er sich die Partie, da er am nächsten Tag einen Ausflug geplant hat und ich wollte laute Musik ohnehin vermeiden. Das Alter.

Janas Partie

In der oben angegebenen Stellung von Jana Schneider muss Schwarz sofort den c-Bauern vorziehen. Der natürlich aussehende Damenzug nach b6 ist zu langsam. Ich betrachte nur eine kurze Passage der Partie in der folgenden PGN-Datei.


Alle Fotos: FIDE. Ohne Namensnennung bedeutet, dass der Fotograf nicht genannt wurde.

Offizielle Homepage.

FIDE-Bericht von Michael Rahal.


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