Foto: Michal Walusza / FIDE
Endlich beginnen bei dieser Schacholympiade Begegnungen auf Augenhöhe: Ich habe mir vor der Runde drei Kämpfe ausgesucht, die ich genauer unter die Lupe nehmen will. Die beiden Kämpfe der deutschen Teams und die indischen Frauen gegen die Polinnen.
Von Thorsten Cmiel
Jubel. Deutschland mit einem Big Point heute gegen die Turnierfavoriten aus den Vereinigten Staaten. Der Sieg war zudem verdient. In keiner Partie bestand irgendein Verlustrisiko.
Deutschland – Vereinigte Staaten von Amerika 2.5 – 1.5
Nach etwas mehr als einer Stunde war die einzige Unwucht am dritten Brett in der Begegnung von Frederik Svane und Hans Niemann. Die anderen Stellungen schienen zu diesem Zeitpunkt weitgehend balanciert zu sein. Das erste Remis gibt es in der Begegnung am vierten Brett zwischen Alexander Donchenko und Levon Aronian. Matthias hat seine Dame für ausreichend materielle Kompensation gegeben. Die Instanz ist nach etwa zweieinhalb Stunden zufrieden. Bei Vincent haben beide Spieler ihre Springer aktiv im Zentrum postiert und es sieht nach etwas gleichen Chancen aus. Frederik kann seinen Vorteil weiter festhalten und hat sogar noch etwa zehn Minuten mehr Zeit auf der Uhr. Einige Minuten später hat Hans Niemann seine Stellung mit einem Bauernzug endgültig ruiniert. Eine kleine Sensation könnte möglich sein. Tatsächlich gewinnt Frederik und heftet einen 2700er-Scalp an seinen Gürtel. Vincent remisiert. Matthias muss eine gleiche Stellung halten, gibt die Mauer und schafft das Remis.



Frederik Svane – Hans Niemann. Schacholympiade 2026.
In dieser Stellung zog der US-Großmeister überraschenderweise seinen e-Bauern vor, der kurz darauf verloren ging.

Wesley So – Blübaum. Schacholympiade 2026.
Hier entschied sich Matthias richtigerweise auf d5 mit seiner Dame zu schlagen. Die Stellung blieb danach ausgeglichen und letztlich hatte der Deutsche keine Probleme den Mannschaftssieg festzuhalten.


Deutschland – Kasachstan (Frauen) 1.5 – 2.5
Nach etwa einer Stunde Spielzeit stand im Kampf der deutschen Frauen nur Hanna-Marie bereits deutlich schlechter. Der Vorteil war allerdings der eher flüchtigen Art und Weise, so lautete zumindest meine grobe Einschätzung. Allerdings kommt schon die Frage auf, weshalb die deutsche Spielerin so früh bereits aus der Vorbereitung zu sein scheint in einer Modefortsetzung. Dinara ist als erste Spielerin fertig mit eine vermutlich vorbereiteten Variante. Remis. Ein guter Start für das deutsche Team. Inzwischen ist die Stellung von Hanna-Marie wieder völlig in Ordnung. Dafür steht Jana klar besser am vierten Brett. Janas Gegnerin hat in den letzten Zügen recht hilflos und unmotiviert ein Läufermanöver exekutiert und steht jetzt deutlich schlechter. Elisabeth hat derweil nach 25 Zügen einen Zeitvorteil von etwa 30 Minuten in etwa gleicher Stellung. Dann überschlagen sich die Ereignisse Hanna-Marie stellt recht simpel Material ein und Elisabeth manövriert auch nicht sehr glücklich. Immerhin Jana kann ihren deutlichen Vorteil zunächst festhalten, gibt dann aber etwas nach. Immerhin Elisabeth bekommt ein Remis, leider hat Jana Schneider ihren gesamten Vorteil verspielt und es sieht nach einer knappen Niederlage für das deutsche Team aus.



Kamalidenova – Klek. Schacholympiade 2026.
Warum war der von Hanna-Marie Klek hier gespielte Läuferzug nach g5 keine gute Idee?

Jana Schneider – Kaliakhmet. Schacholympiade 2026.
Diese Partie gibt einige Rätsel auf. Es ist nicht so eindeutig wann Jana Schneider ihren Vorteil aus der Eröffnung wieder verloren hat, vielleicht sollte sie hier beherzt mit 20.g4 arbeiten.
Indien – Polen (Frauen) 1.5 – 2.5
Nach zwei Stunden gilt: Beide Teams neutralisieren sich und allzu viel Bewegung ist in diesen Kampf bisher noch nicht gekommen. Vantika hat zwar ihren bekannten üppigen Zeitverbrauch, aber ihre Gegnerin versucht mitzuhalten. Divya wickelt in ein Endspiel mit einem asymmetrischen Materialverhältnis und versucht wenigsten etwas. Derweil einigt sich Koneru Humpy am ersten Brett auf Unentschieden. Divya versucht eine Verschärfung, aber die Gegnerin macht nicht mit.

Divya – Kulon. Schacholympiade 2026.
In dieser Stellung zog die Inderin überraschenderweise ihren Springer nach c4 und nicht nach c2. Wie sollte es nach dem Schlagen auf c4 weitergehen?


Socko – Vantika. Schacholympiade 2026.
In dieser Stellung konnte die Polin eine Ungenauigkeit ihrer Gegnerin wie ausnutzen?

Maltsevskaya – Vaishali. Schacholympiade 2026.
Die Inderin steht vor einer schwierigen Verteidigung. Einen Bauern hatte sie geopfert, dann aber zuvor die Dame getauscht, statt sofort ihren zweiten Turm zu aktivieren. Sie hat immer noch Kompensation, aber es kommt jetzt auf die Türme an. Was sollte sie hier spielen?


Es gibt sie noch die erfreulichen Nachrichten. Nachdem in der ersten Runde das Team Pakistan nicht gegen das Open-Team von Israel angetreten war, spielten Singapur und Kolumbien gegen Israel in einem Hotel zu einer früheren Uhrzeit, wegen Yom Kippur. So geht sportliche Fairness.
Morgen spielt das Open-Team gegen China. Usbekistan gegen Indien ist fast eine Vorentscheidung wer der große Favorit nach dem Ruhetag sein wird.
.Fotos: Michal Walusza, Rafal Oleksiewicz/FIDE.Runden-Bericht FIDE (Michael Rahal).