Titelfoto: Michal Walusza/FIDE.
Deutschland holt in der offenen Klasse eine grandiose Medaille bei der Schacholympiade in Samarkand. In der Schlussrunde gelang ein Sieg gegen die Niederlande und Matchwinner war Matthias Bluebaum gegen den Top-Scorer des gegnerischen Teams.
Von Thorsten Cmiel
Schach ist ein leiser Sport, meistens zumindest. Nach Ende des Turniers feiern die heimischen Fans ihr Team mit lauten Usbekistan-Rufen in der Vorhalle des Spielsaals der Expo und halten Hunderte Fotokameras hoch. Was auf der Bühne passiert nennt sich moderierte Pressekonferenz, es ist aber etwas anderes. Ein Fan-Event bei dem die heimischen Superstars gefeiert werden. Zu recht. Usbekistan dominierte das Turnier wie die Inder zwei Jahre zuvor in Budapest. Nur ein Team konnte gegen das Team um die Superstars Nodirbek Abdusattorov und Javokhir Sindarov punkten. Deutschland, das einen Erfolg erzielte, der historisch ist.

Diesmal darf also auch Deutschland mitfeiern. Der deutsche Vierer in der offenen Klasse spielte gegen sämtlichen usbekischen Teams und fuhr dabei drei Siege ein. Es reichte am Ende für den dritten Platz hinter dem Titelverteidiger Indien, das die etwas bessere Wertung auf die Waage brachte und das deutsche Team denkbar knapp geschlagen hatte.

In der elften Runde schlug Deutschland die Niederländer und ausgerechnet der Top-Scorer des Nachbarlands verlor gegen den deutschen Ex-Kandidaten Matthias Bluebaum, der eine starke Partie gewann. Das deutsche Team wurde erneut wie in Budapest vor allem von Frederik Svane getragen, der am dritten Brett zusätzlich eine goldene Einzelmedaille holte. Auch die anderen Spieler des deutschen Teams können mit ihrer Gesamtleistung zufrieden sein. Alexander Donchenko agierte zwar etwas unglücklich, hatte aber gegen Weltmeister Gukesh in einer intensiven Partie eine Gewinnstellung auf dem Brett, verlor aber leider. Am Ende sind es immer einzelne Momente, die das Rennen scheinbar entscheiden. Dramatisch und mitentscheidend für die Vergabe der Goldmedaille war ein grobes Versehen von Nihal Sarin in seiner Partie gegen den Usbeken Nodirbek Yakobboev. Sowohl Nihal als auch Alexander Donchenko werden noch einige Zeit an ihren Aussetzern zu knabbern haben und sich dann hoffentlich schnell am Erreichten erfreuen.
Einzelergebnisse der deutschen Mannschaft (Open)

Die Partie des Tages
Matthias spielte insgesamt eine fehlerlose Partie an diesem Sonntag. Den entscheidenden Moment schauen wir uns in dem folgenden Diagramm an.
Bluebaum – Jorden Van Foreest. Samarkand 2026.
Für den Moment ist der Läufer auf d3 ungedeckt und daher ist der Einstieg mit dem weißen Springer auf c7 zurzeit keine echte Drohung. Dennoch kann Weiß das im nächsten Zug vorbereiten und dann benötigt Schwarz eine Antwort. Jorden erhöhte hier den Druck gegen den Springer auf b5, indem er seinen Springer nach d6 zog. Was ist davon zu halten?



Auf der Bühne standen bei der Siegerehrung der deutsche Kapitän und Bundestrainer sowie die deutschen Spieler von links nach rechts: Jan Gustafsson, Rasmus Svane (29), Vincent Keymer (21), Matthias Bluebaum (29), Alexander Donchenko (28), Frederik Svane (22) und Dmitrij Kollars (27). Dmitrij war als Eröffnungssekundant in Samarkand dabei. Das deutsche Team war vermutlich vom eigenen Erfolg etwas überrascht, denn eine deutsche Flagge hatte das deutsche Team, anders als die anderen erfolgsverwöhnteren Teams nicht dabei.


Es gab an diesem Abend eine Reihe von Ehrungen für die Teams und Einzelspieler. Danach folgte eine tolle Bühnenshow wie bei der Eröffnung der Schacholympiade. Ein gelungener Abschluss eines insgesamt tollen Events in Samarkand nach elf für viele Spieler und Beobachter anstrengenden Runden.





Fotos: Michal Walusza und Rafal Oleksiewicz, beide für die FIDE.
Rundenbericht (Michael Rahal)
Event-FIDE-Bericht (Michael Rahal)