Foto: Michal Walusza (FIDE Chess)
Magnus Carlsen, der beste Spieler des Planeten, musste viermal hintereinander hinter sich greifen und stieg bei der Schnellschach-Team-WM aus. Andere übernehmen: Pragg, Alireza und Arjun überzeugten in Hongkong.
Von Thorsten Cmiel
Das deutschgesponserte WR-Team von Wadim Rosenstein startete als großer Favorit ins Turnier. Selbst der Coach vor Ort, Bundestrainer Jan Gustafsson hätte die meisten Teams als Spieler verstärken können. Inzwischen dürfte klar sein, dass man nicht nur große Namen einkaufen und im Privatflieger anreisen sollte, sondern für einen Team-Wettbewerb ist mehr notwendig. Das war auch schon im Vorjahr so als die zusammengekauften Superstars im Schnellschach-Team-Wettbewerb verkümmerten und dann immerhin im weniger prestigeträchtigen Blitzturnier gewannen.
Magnus Fails
Mit großem Vorsprung (91 Ratingpunkte) in der Weltrangliste im Schnellschach liegt Magnus Carlsen vorne. Sein Anspruch und die Erwartungshaltung sind entsprechend hoch an sich selbst und bei Schachfans. Tatsächlich verlor Magnus Carlsen vier Partien hintereinander und auch vorher sah es nicht gut aus um den zuletzt erfolgreichsten Spieler der Welt.

Im Sport zählen vergangene Erfolge aber nur für die Geschichtsschreibung. Magnus hatte zuletzt beim Masters in Oslo (Norway Chess) keine überzeugende Leistung gezeigt und einen Teil seines Vorsprungs in der klassischen Weltrangliste verloren. Der jüngste Stern ist der Inder Praggnananda, Pragg. Dieser hatte allerdings beim Kandidatenturnier auf Zypern keine Rolle gespielt, da ein anderer, der Usbeke Javokhir Sindarov glänzte. Vier andere potentielle Kronprinzen, Arjun Erigaisi, Alireza Firouzja, Nodirbek Abdusattorov und Vincent Keymer hatten nicht einmal die Qualifikation für das Kandidatenturnier geschafft.
Norwegische Leiden
Man konnte es ahnen. Bereits in der vierten Runde des ersten Tages hatte Magnus viel Glück gehabt, da sein Gegner, ein weitgehend unbekannter chinesischer Großmeister zunächst Vorteil ausließ und später sogar noch verlor.
Zuletzt hatte Magnus Carlsen seinen Springer von d7 nach c5 gezogen. Dieser Zug hat einen Nachteil und den muss der Weißspieler hier finden. Was sollte er hier spielen?
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Für die aufstrebenden Spieler sind Partien gegen Magnus Carlsen wichtige Momente, um sich auszuzeichnen und Selbstbewusstsein zu tanken. Das gilt natürlich für die Jungstars wie in diesem Fall den Inder Arjun Erigaisi, der hier zunächst in ausgeglichener Stellung mit Schwarz einen sehr starken Zug auspackte. Welchen?

Der Verlauf der Partie war nicht so einseitig wie es nur zwei Diagramme veranschaulichen. Magnus bekam seine Chance zum Ausgleich, verpasste diese aber erneut und verlor nach einem spektakulären Schlusszug in der nächsten Diagrammstellung. Arjun packte seinen Gegner direkt an der Gurgel.
Wie setzte Arjun Erigaisi seinem bisherigen Spiel die Krone auf? Nicht schwierig, aber nett anzusehen.
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Kurzzüger
Zu den hervorragendsten Eigenschaften des Weltranglistenersten gehört es, dass er nach Niederlagen meist schnell zurück kommt. Bei Magnus kann man zuletzt beobachten, dass sein Ehrgeiz ihm etwas im Wege steht, nämlich wenn es objektiv keinen Grund zu Optimismus gibt.
Schachtrainer empfehlen oft zu häufig, aber verbunden mit einer didaktischen Idee, innezuhalten und nach Stellungsmerkmalen Ausschau zu halten. In Schnellschachpartien ist das natürlich schwierig und es kommt eher auf die Instinkte an und genau in dieser Schnüffeldisziplin liegt Magnus normalerweise weit vorne an diesem Donnerstag im Juni 2026 allerdings nicht.. Wie sollte Magnus hier warum am besten fortsetzen?


Magnus stand hier vor einer Fifty-Fifty-Frage. Was ist von den beiden Alternativen Schlagen auf c6 und als Alternative dem Damenzug nach b5 zu halten und was sind die Folgen beider Züge?
Zuletzt hatte der Aseri Aydin Suleymanli seinen Turm nach b4 gezogen und Turmtausch angeboten. Magnus hat 33 Sekunden und normalerweise entscheidet er Fifty-Fifty-Fragen meist richtig. Wie sollte er hier damit umgehen? Turm tauschen oder nicht?



Es ist viel zu früh einen Abgesang auf den bekanntesten und immer noch besten Spieler der Welt zu starten. Die zwei letzten Turniere zeigen jedoch, dass der Norweger keineswegs mehr unangefochten auf seinem Thron sitzt. Er wird von jungen, nachrückenden Generationen von Spielern herausgefordert. Immer wenn er sich seinen Gegnern stellt, ist allerdings nichts von seiner früheren Dominanz erkennbar. Anders als beim Tennis muss man in der Schachwelt aber gar nicht antreten, um seine Weltranglistenposition zu halten. Beim Schach gibt es die Elozahlen und die verfallen nicht oder gehen verloren. Das wird noch viel deutlicher beim US-Amerikaner Hikaru Nakamura, der als Elo-Favorit nach Zypern anreiste, dann aber an seiner mangelnden Spielpraxis scheiterte.
Fotos: Michal Walusza (FIDE Chess).
Ergebnisse Rapid-Team-WM Hongkong