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Foto: Michal Walusza. FIDE Chess.

Kaum jemand dürfte mit Parham Maghsoodloo auf den vorderen Plätzen im Grand Swiss gerechnet haben. Aber der Iraner geht mit einem halben Punkt Vorsprung in den Ruhetag. Die Partie gegen Arjun Erigaisi nahm keinen spektakulären Verlauf und so blieb es bei der Führung. Bei den Frauen gewinnt die Titelverteidigerin Vaishali erneut eine Schwarzpartie und ist wie Kateryna Lagno auf einem guten Pfad sich erneut für das Turnier der Kandidatinnen zu qualifizieren.

Von Thorsten Cmiel

Top-Spieler im Open-Grand-Swiss nach sechs Runden

Es folgen 15 Spieler mit 4.0 (+2) Punkten.

Top-Spielerinnen im Frauen-Grand-Swiss nach sechs Runden

Es folgen 9 Spielerinnen mit 4.0 (+2) Punkten.

Weltmeisterliche Leiden

Gukesh überzog seine Partie gegen den griechischen Großmeister Nikolas Theodorou, 25, auch wenn er am Ende an einem einzigen groben Fehler scheiterte. Das zeigt wie stark das Grand-Swiss-Turnier besetzt ist. Bei seiner Flucht aus dem Turniersaal folgte Gukesh seinem Respekts-Ritual für das Spiel, lief aber schnell an Fans vorbei. Am Ende des Videos sieht man sogar eine Gefühlsregung bei dem jungen Spieler aus Chennai, der sich anders als andere, die gelegentlich auf den Tisch hauen, sehr gut im Griff hat. Eine Doppelnull gegen Spieler unter 2650 ist sicherlich eine Rarität in den letzten Jahren. Aber etwas Erinnerung sollte schon sein: 2023 als Gukesh sich zu qualifizieren versuchte, lief es im Grand Swiss ebenfalls nicht für den amtierenden Weltmeister.


Die Stellung ist bereits optisch riskant angesichts der Tatsache, dass die schwarzen Freibauern in diesem Endspiel weiter vorgerückt sind. Welches Konzept sollte Gukesh hier beherzigen?


Nihal und Anish Giri rücken auf

An den ersten zehn Brettern gab es nur drei entschiedene Partien. Neben dem Griechen gewannen Anish Giri und Nihal. Beide sind damit oben dran und geteilte Zweite, die mit 4.5 aus 6 als Meute hinter Parham Maghsoodloo herjagen. Eine Kraftleistung brachte den deutschen Großmeister Vincent Keymer (4 aus 6) wenigstens wieder in Lauerstellung.

Renier analysiert Maurizzi – Giri

In seiner täglichen Partieanalyse für Lichess wählte Renier Castellanos Rodriguez diesmal die starke Partie Partie von MarcAndria Maurizzi gegen Anish Giri. Die Partie folgte zunächst bekannten Mustern im Najdorf-Sizilianer, wurde dann sehr scharf und Giri zeigte einen klaren Angriff und gewann seine Partie überzeugend mit Schwarz. Hinweis: Klicken auf die Notation öffnet ein Pop-up-Fenster.



Nihal mit Partie des Tages

Nhal kommt mit Schwarz zu einem schnellen Sieg. Der Schluss beruht auf einem Ablenkungsmotiv und ist natürlich die Folge eines groben Fehlers seines Gegners, aber Schönheit entsteht immer aus etwas Hässlichem.

Das Konzept der Ästhetik des Hässlichen, wie von Karl Rosenkranz untersucht, ist ein eigenständiges Phänomen, das die Wahrnehmung von Schönheit beeinflussen kann, da es nicht einfach nur ihr Gegenteil ist, sondern eine Funktion davon darstellt. 


Keymer kommt sofort zurück

Diesmal saß der deutsche Großmeister lange Zeit am besseren Ende des Remis, konnte aber nicht viel herausholen. In den entscheidenden Momenten hatte der Armenier im Verlauf der Partie nicht genügend Risikogespür und musste letztlich nach einem Fehler hinter sich greifen. Ein echter Arbeitssieg im positiven Sinne für den Deutschen, dem anders als den beiden indischen Topspielern das sofortige Comeback gelang.


Der entscheidende Moment: Der Armenier Hovhannisyan war hier im 87. Zug mit Schwarz dran und sollte nach langem Kampf welchen Zug am besten spielen?


Das spielt zwar für das Resultat der Partie keine Rolle, aber Vincent konnte hier schneller und ästhetischer gewinnen, wie?


Divya mit starker Vorbereitung

Die Inderin zeigt sich erneut bestens vorbereitet. Das konnte man beim World-Cup in Kazachstan vor wenigen Wochen schon beobachten. In dieser Partie holte Divya ohne Mühe ein Schwarzremis gegen einen starken Großmeister. Wer gegen die 19-jährige gewinnen will, der muss mehr bieten und am besten ein Turmendspiel erreichen, denn in dieser Spielphase liegen am ehesten die Schwächen der jungen Frau aus Nagpur.


Vaishali und Lagno weiter vorne

Dinara scheitert an ihrem Zeitverbrauch und an sich selbst. In der folgenden Stellung war es gar nicht so schwierig die Stellung ausgeglichen zu halten.


Der Bauer auf g2 droht verloren zu gehen, was sollte man tun? Vor allem sollte keine Panik die weitere Partie bestimmen.



Josefine analysiert Wagner

Die Frauen-Großmeisterin Josefine Safarli analysierte diesmal bei den Frauen die Spitzenpaarung zwischen Dinara Wagner und Kateryna Lagno aus Russland, die eine der Turnierfavoritinnen ist. Die Partie verlief nach einer frühen Ungenauigkeit der deutschen Spielerin zunächst zugunsten der Russin, die unter neutraler Flagge antreten muss. Lagno war selbst mal Ukrainerin und ist jetzt mit dem russischen Großmeister und Zeitnotspezialisten Alexander Grischuk verbandelt. Letztlich gelang es Wagner die Stellung nach schwieriger Abwehrschlacht ausgeglichen zu gestalten und dann passierte ihr im Endspiel ein Malheur und ein halber Punkt war leider weg. Weitere Video-Analysen finden sich auf dem Youtube-Kanal von Josefine.


Raluca analysiert Vaishali

Raluca Sgircea analysiert täglich eine Partie aus dem Frauen Grand Swiss für Lichess, die technologisch führende Spielplattform. Raluca ist Internationale Frauen-Meisterin und auch anderweitig im Schach unterwegs. So ist sie bei der Schachschule Killer Schach Training dabei. Hinweis: Klicken auf die Züge öffnet ein Pop-up-Fenster.



Lu Miaoyi – zweiter Punkt in Folge

Zwei Top-Talente und Internationale Meister spielen in dieser Partie gegeneinander. Die Chinesin zeigt strategische Talente in einem damenlosen Mittelspiel.und Kampfgeist. Am Ende versuchte Eline in das in Samarkand häufiger vorkommenden Endspiel Turm und ungleichfarbige Läufer gegeneinander auszubüchsen, wird aber von ihrer Gegnerin durch ein Ablenkungsopfer überrascht. Stark gespielt.


Ergebnisse Grand Swiss

Spieler123456GesamtLeistung
Pragg0.51.01.00.50.00.53.5/62692 (-7)
Erigaisi 0.51.01.00.51.00.54.5/62862 (+7)
Gukesh 1.00.51.00.50.00.03.0/62660 (-9)
Firouzja 1.01.00.00.51.00.54.0/62776 (+2)
Keymer 0.51.00.51.00.01.04.0/62758 (0)
Nodirbek1.00.51.00.50.50.54.0/62774 (+2)
Nihal 0.51.00.50.51.01.04.5/62801 (+8)
Erdogmus 1.00.50.51.00.50.54.0/62812 (+13)
Svane, F 1.00.50.50.00.00.52.5/62593 (-4)
Gurel 0.50.00.50.51.00.53.0/62633 (0)
Divya 0.00.50.51.00.00.52.5/62583 (+8)
7.57.57.06.55.06.039/66 (+12)(gerundet)

Ergebnisse Grand Swiss der Frauen

Spielerin123456GesamtLeistung (6)
Wagner1.00.51.00.51.00.04.0/62502 (+ 8)
Vaishali1.01.01.00.50.51.05.0/62675 (+ 16)
Agrawal1.00.50.00.00.01.02,5/62352 (- 2)
Miaoyi0.50.50.00.01.01.03.0/62374 (- 6)
3.52.52.01.02.53.014.5/24 (+5)(gerundet)

Kamen die ausgewählten 15 Gladiatoren am ersten Tag gemeinsam noch auf elf Punkte, waren es tags drauf noch zehn und in Runde drei neun Punkte. In Runde vier und fünf kamen die Protagonisten nur auf 50 Prozent. In der sechsten Runde kamen neun Punkte zusammen.

Offizielle Website.

Fotos aus Samarkand: Michal Walsuza. Fide Chess.


Hinweis

Ich versuche einige Partien trotz Urlaubs zu analysieren und nutze Links zu Analysen, die mir gefallen, sofern ich das rechtlich darf. Dazu gehören diesmal die Analysen der Internationalen Frauen-Meisterin Raluca Sgircea, Großmeister Renier Castellanos Rodriguez, die das Turnier für Lichess beobachten und eine Partie pro Runde ausführlich analysieren. Die beiden sind zudem Teil des Teams von Killer Chess Training. Die engagierten Analysen der Frauen-Großmeisterin Josefine Safarli (früher Heinemann) kann ich ebenfalls empfehlen, vor allem für die Fans der deutschen Spielerinnen und Spieler. Hier geht es zu ihrem Youtube-Kanal. Ich selbst bin Fide-Meister mit einer IM-Norm und das ist so lange her, dass der Weltschachbund nicht mal das Ernennungsjahr auf seiner Website vermerkt. Auf meiner Urkunde steht 1988 und die ist unterschrieben von Florencio Campomanes, dem damaligen Präsidenten. Manche spannende Phasen aus Partien habe ich als GIF mit Hilfe des Datenprogramms von Chessbase abgespeichert. Ich finde das ein schickes Feature, um sich einen schnellen Eindruck über einen Partieverlauf zu machen. Wer die Geschwindigkeit drosseln will, der klickt einfach auf das Diagramm. Bei Partieanalysen findet sich entweder oben links ein Diagramm zum Nachspielen oder durch Klicken auf einen beliebigen Moment öffnet sich ein Pop-up-Diagramm bei Klicken auf die Notation

Foto: Michal Walusza. FIDE Chess. Kaum jemand dürfte

Foto: Michal Walusza. FIDE Chess.

Die fünfte Runde hatte es in sich. Selten hat man so viele Favoriten straucheln gesehen wie an diesem Tag. Gukesh, Pragg und Vincent Keymer waren die prominentesten Akteure. Hinzu kam der Sieg vom Turnierführenden Parham Maghsoodloo. In diesen Partien gewann jeweils der 2700-Großmeister gegen Speiler mit 2600+. Zudem hielt Yagis Kaan Erdogmus nach 190 Zügen und in acht Stunden und 38 Minuten gegen Nodirbek Abdusattorov Remis.

Von Thorsten Cmiel

Top-Spieler im Open-Grand-Swiss nach fünf Runden

Es folgen 25 Spieler mit 3.0 (+1) Punkten.

Top-Spielerinnen im Frauen-Grand-Swiss nach fünf Runden

Es folgen 7 Spielerinnen mit 3.0 (+1) Punkten.

Viele Favoritenstürze

Ein Tag an dem die zwei stärksten indischen Großmeister aus Chennai verlieren hat sicherlich Seltenheitswert. Pragg verlor gegen den amtierenden Europameister Matthias Bluebaum aus Deutschland und Gukesh übertrieb sein Spiel an diesem Tag etwas gegen Abhimanyu Mishra, der über die ganze Partie gesehen mutig spielte und einen verdienten Punkt gegen den amtierenden Weltmeister holte. Vincent Keymer hatte schon in der letzten Schwarzpartie nur mit Glück gegen Yagis Kaan Erdogmus Remis gehalten. Diesmal verlor der Deutsche, weil er kurz vor der Zeitkontrolle zu ungeduldig den Ausgleich eintüten wollte. Immerhin auf der Habenseite verzeichneten wir Siege von Alireza gegen Sam Shankland, der einen groben Fehler im Bauernendspiel einbaute. Eine überzeugende Leistung zeigte Nihal, nachdem es in der Eröffnung nicht optimal gelaufen war. Seinen ersten Sieg verzeichnete auch Ediz Gurel. Leider verloren Frederik Svane und Divya Deshmukh ihre Partien. Bei Frederik war es in der Zeitnotphase mächtig hin und her gegangen. Divya war im Turmendspiel erneut nicht auf der Höhe, was an den World Cup in Kasachstan erinnerte, dort hatte sie versprochen an ihrer Endspieltechnik zu arbeiten. Diesmal war es jedoch simpler, eigentlich.

Eine schönen Sieg errang der Iraner Parham Maghsoodloo gegen Richard Rapport. Parham konnte dadurch seinen Vorsprung vor Arjun Erigaisi und drei anderen Spielern halten. Es folgt noch die sechste Runde und ein Ruhetag vor den finalen fünf Runden. Grandios.

Gukesh verliert gegen Abhimanyu Mishra (16)

Die Partie begann früh sich sehr komplex zu entwickeln und das lag an beiden Spielern. Dann sah es so aus als könne der Weltmeister alles zusammenhalten und am Ende brach er diesmal doch zusammen. Eine Partie, die dem jüngeren Großmeister, der während des Grand Swiss erstmals in die Top100 vorrücken konnte, sicherlich viel Motivation für die Zukunft und das restliche Turnier geben dürfte. Von Gukesh erwarte ich eine Siegesserie.


Es sind diese Momente, die Gukesh ausmachen, aber auch seine größte potentielle Schwäche sind. Er muss hier aus zwei Zügen auswählen. Abhimanyu hatte zuletzt auf e5 geschlagen. Gukesh hatte zwei Züge zur Auswahl: Er konnte seinen g-Bauern oder seinen h-Bauern vorrücken, um eine Figur zu gewinnen. Gukesh entschied sich nach 21 Minuten falsch und sein Zug sieht auch positionell falsch aus. Gukesh ist bekannt für seine konkreten, unkonventionellen Lösungen, denn vor Verwicklungen schreckt er ohnehin nicht zurück. Hier übertreibt er das Risiko aber. Was wäre ihre Wahl?


Hier findet Abhimanyu Mishra den besten Zug. Aber er hatte ohnehin die Wahl zwischen guten Alternativen, was den letzten Zug (12…g4) von Gukesh mehr in Zweifel zieht.


Der entscheidende Moment in dieser Partie. Gukesh verblieben noch 41 Sekunden für vier Züge und die dreißig Sekunden Inkrement je Zug. Wie sollte er hier fortsetzen?



Erigaisi mit überzeugendem Sieg

Arjun gewinnt eine Partie in einer weit bekannten Variante in einem Katalanen. Er bleibt vorerst der einzige der fabulösen drei Inder mit Anschluss an den Spitzenreiter.

Renier Castellano analysiert

Diese Analyse ist aus dem täglichen Analysepool von Renier für Lichess. Renier ist Schachgroßmeister, Buchautor, National-Coach und Schachpädagoge. Die Analysen können hier gefunden werden und sind empfehlenswert.



Josefine analysiert

Josefine Safarli, vormals Heinemann, ist Internationale Frauen-Schachgroßmeisterin und analysiert täglich zwei Partien von den Grand-Swiss-Turnieren für ihren Youtube-Kanal. Diesmal entschied sie sich für zwei deutsche Siege, die diesmal zwei unserer Beobachtungsspieler (Pragg und Dinara Wagner) betrafen.


Wagner dran

Am Spitzenbrett spielte Vaishali gegen Kateryna Lagno ein recht ereignisarmes Remis. Das nutzte die deutsche Spielerin Dinara Wagner, um durch ein schicken Schwarzsieg gegen die Rumänin Irina Bulmaga vorne aufzuschließen. Nach zwei Niederlagen in Folge konnte die Chinesin Lu Miaoyi in der fünften Runde ihren ersten vollen Punkt scoren. Etwa Sorgen muss man sich um Vantika Agrawal machen, die stark gestartet war und musste diesmal gegen die ebenfalls fehlgestartete Startranglistenerste, Anna Muzychuk antreten. Vantika hat bisher die stärksten Gegnerinnen im gesamten Feld gehabt, muss aber wieder einmal punkten. Die lange Rochade muss unbedingt gestoppt werden.

Die zweite Partie, die Josefine in dieser Runde in einem Video analysiert hat, ist ein spannender Kampf aus der Eröffnung heraus. Dinara gewinnt letztlich und ist geteilte Turnierführende.


Lu Miaoyi beendet Niederlagenserie

Die junge Chinesin, Jahrgang 2010, hatte bisher ein schwieriges Turnier. Aber wenn man Lu eine Chance gibt ihre taktischen Fähigkeiten zu zeigen, dann kann es eine deutliche Niederlage geben wie hier. Es gab nur einen Schönheitsfehler in der Partie. Wer diesen beim Durchspielen erkennt, ist ein gutes Auge zu bescheinigen.


Partie des Tages

Die aus meiner Sicht potentiellen Partien des Tages liefen diesmal etwas länger. Sicherlich ist die Leistung von Yagis Kaan keine Schönheit, aber eine Mammutleistung, die viel Kraft gekostet haben dürfte. Die Partie des Tages allerdings war für mich die Partie von Dennis Wagner gegen den armenischen Großmeister Haik Martirosyan. In der Startstellung verpasste Dennis im Kontrollzug seine Dame nach h4 zu ziehen und den Bauern f2 anzugreifen, mit ordentlichem Vorteil. Danach ging es munter weiter mit den Verwicklungen. Grandioses Schach.


Ergebnisse Grand Swiss

Spieler (Nation)12345678Gesamt
Pragg0.51.01.00.50.0
Erigaisi 0.51.01.00.51.0
Gukesh 1.00.51.00.50.0
Firouzja 1.01.00.00.51.0
Keymer 0.51.00.51.00.0
Nodirbek1.00.51.00.50.5
Nihal 0.51.00.50.51.0
Erdogmus 1.00.50.51.00.5
Svane, F 1.00.50.50.00.0
Gurel 0.50.00.50.51.0
Divya 0.00.50.51.00.0
7.57.57.06.55.0

Frauen Grand Swiss Ergebnisse

Spielerin12345678Gesamt
Wagner1.00.51.00.51.0
Vaishali1.01.01.00.50.5
Agrawal1.00.50.00.00.0
Miaoyi0.50.50.00.01.0
3.52.52.01.02.5

Kamen die ausgewählten 15 Gladiatoren am ersten Tag gemeinsam noch auf elf Punkte, waren es tags drauf noch zehn und in Runde drei neun Punkte. In Runde vier und fünf kamen die Protagonisten nur auf 50 Prozent.

Offizielle Website.

Fotos aus Samarkand: Michal Walsuza. Fide Chess.


Hinweis

Ich versuche einige Partien trotz Urlaubs zu analysieren und nutze Links zu Analysen, die mir gefallen, sofern ich das rechtlich darf. Dazu gehören diesmal die Analysen der Internationalen Frauen-Meisterin Raluca Sgircea, Großmeister Renier Castellanos Rodriguez, die das Turnier für Lichess beobachten und eine Partie pro Runde ausführlich analysieren. Die beiden sind zudem Teil des Teams von Killer Chess Training. Die engagierten Analysen der Frauen-Großmeisterin Josefine Safarli (früher Heinemann) kann ich ebenfalls empfehlen, vor allem für die Fans der deutschen Spielerinnen und Spieler. Hier geht es zu ihrem Youtube-Kanal. Ich selbst bin Fide-Meister mit einer IM-Norm und das ist so lange her, dass der Weltschachbund nicht mal das Ernennungsjahr auf seiner Website vermerkt. Auf meiner Urkunde steht 1988 und die ist unterschrieben von Florencio Campomanes, dem damaligen Präsidenten. Manche spannende Phasen aus Partien habe ich als GIF mit Hilfe des Datenprogramms von Chessbase abgespeichert. Ich finde das ein schickes Feature, um sich einen schnellen Eindruck über einen Partieverlauf zu machen. Wer die Geschwindigkeit drosseln will, der klickt einfach auf das Diagramm. Bei Partieanalysen findet sich entweder oben links ein Diagramm zum Nachspielen oder durch Klicken auf einen beliebigen Moment öffnet sich ein Pop-up-Diagramm bei Klicken auf die Notation

Foto: Michal Walusza. FIDE Chess. Die fünfte Runde

Foto: Michal Walusza. FIDE Chess.

Zwei Youngster, Divya und Yagis Kaan punkteten voll. Pragg verpasste eine große Chance gegen den US-Youngster Abhimanyu Mishra. Die wichtigste Nachricht für deutsche Schachfans war jedoch der Sieg von Vincent Keymer gegen Frederik Svane nach epischem Kampf.

Von Thorsten Cmiel

Die Bedenkzeit im klassischen Schach soll künftig möglicherweise verkürzt werden können. Das gab es vor langer Zeit schon einmal, damals noch ohne Inkrement. Es wurde aber wieder abgeschafft. In Samarkand wird mit sehr langer Bedenkzeit gespielt: 40/100, 50/20 und 15 für den Rest bei 30 Sekunden Inkrement pro Zug ab Start (Grand Swiss) und bei den Frauen nur 40/90 und 30 für den Rest, plus Inkrement. Wenn man ehrlich ist, werden die gleichen Spielerinnen und Spieler in Zeitnot kommen wie jetzt, selbst wenn man diesen mehr Zeit gönnt. Manchmal wundert man sich was manche Akteure in der Frühphase von ihren Partien mit ihrer Bedenkzeit veranstalten. Wir müssen heute über zwei unserer Spielerinnen reden.

Top-Spieler im Open-Grand-Swiss nach vier Runden

Es folgen 27 Spieler mit 2.5 (+1) Punkten.

Top-Spielerinnen im Frauen-Grand-Swiss nach vier Runden

Es folgen 14 Spielerinnen mit 2.5 (+1) Punkten.

Die meisten Partien enden nach hartem Kampf Remis

Die drei indischen Topspieler kamen diesmal über ein Remis nicht hinaus. Spektakulär war der Sieg von Yagis Kaan Erdogmus (geboren 2011) in Bursa, der Iskender-Stadt. Iskender Kebap ist ein türkisches Gericht, das man nirgendwo auf der Welt in der Qualität wie in Bursa serviert bekommt. Als ich vor einigen Jahren in Bursa in einem Restaurant – verwunderlich war, dass dort jedes Restaurant gefühlt Iskender hieß – nach der Speisekarte fragte, schaute mich der Kellner an und sagte, so etwas haben wir nicht. Wir haben nur Iskender Kebap. Ich weiß jetzt warum. Es schmeckte göttlich. So ähnlich war die Spielweise des jungen Türken an diesem Tag.

Der für die Spitze vielleicht wichtigste Sieg gelang dem deutschen Top-Großmeister gegen seinen Landsmann Frederik Svane.


Der entscheidende Moment. Welcher Königszug ist besser? Soll der schwarze König nach f8 oder f7 ziehen? Der Unterschied macht einen halben Punkt aus, zumindest auf dem Niveau der Spieler dieser Partie. Schade, Frederik hat sich falsch entschieden. Zum Glück bleibt es in der Familie der beobachteten Spieler dieser Beitragsreihe.



Pragg – Chance verpasst

Der Inder lässt gelegentlich Gewinnmöglichkeiten in Endspielen wegen ungenauer Technik aus. So auch hier. Die größte Stärke von Pragg ist es aber überhaupt viele Gewinnchancen zu schaffen. der Chennaier hat in diesem Jahr bisher das beste Jahr seiner Karriere und liegt im Fide Circuit uneinholbar vorne, ist also bereits sicher für das nächste Kandidatenturnier qualifiziert. Der Familienbetrieb aus Chennai dürfte erneut zunächst die Qualifikation von Vaishali für das Turnier der Kandidatinnen priorisiert haben.


Ich hatte meinen Titel für die Runde geschrieben und zwar: „Pragg rückt vor. In der obigen Stellung musste der Inder seinen 39. Zug ausführen und ich hatte keine Zweifel, dass er hier das Richtige tun würde. Aber was ist gemeint? Nach der Partie gab Abhimanyu Mishra Sagar Shah von Chessbase India ein ausführliche Interview.


Gukesh und Erigaisi trennen sich Remis nach längerem Kampf.

Partie des Tages

Man sieht Mattbilder im Meisterschach nur selten. In der vierten Runde gab es mehrere solche Mattbilder mit einem Wanderkönig. Einmal auf h5 und einmal auf g5, jeweils wurde mit einem Bauern mattgesetzt. Der engagierte Vortrag des vierzehnjährigen türkischen Großmeisters ist dabei besonders hervorzuheben.


Josefine analysiert Wagner – Vaishali

In der vierten Runde analysierte Josefine Safarli für ihren Youtube-Kanal die Spitzenpaarung von Dinara Wagner gegen Vaishali. Die Partie beinhaltete ein bekanntes Qualitätsopfer der deutschen Spielerin.

Zeitmanagement

Der Zeitverbrauch ist ein wichtiger Erfolgsfaktor im Turnierschach. Betrachten wir diesmal zwei absurde Situationen, bei denen in einem Fall Weiß einen zu geringen Ertrag für über dreißigminütiges Nachdenken erwirtschaftet um zweiten Fall geht es um das gleiche Thema, aber vor allem wegen insgesamt zu langsamem Spiel.


In dieser Stellung hat Dinara Wagner etwa 34 Minuten von 67 verbliebenen Minuten investiert. Ihre Gegnerin hatte nur noch 23 Minuten für 20 Züge und insofern ist das zeitliche Investment von Dinara noch unverständlicher. Der natürliche und richtige Zug ist hier ohne Zweifel der Zug des d-Bauern, um den Läufer zu decken, die Diagonale des weißfeldrigen Läufers zu öffnen und die eigene Dame von Deckungsaufgaben zu befreien. Schwarz muss dann wohl seinen Turm nach Vormarsch des a-Bauern über a6 aktivieren. Stattdessen folgte h3 und nach dem Läuferzug nach d7 bringt der Läuferzug nach g4 gar keinen Vorteil mit sich und Vaishali konnte sich einfacher entwickeln.


Vantika hat bis zu ihrem 12. Zug bereits 75 Minuten Bedenkzeit verbraten. Gegen eine erfahrene Gegnerin wie Alexandra Kosteniuk ist das grundsätzlich keine gute Strategie. Die investierte Bedenkzeit fehlte ihr hinten raus und die Inderin verpasste ihre Chance später..


Vantika hatte hier noch 33 Sekunden, also ihre Uhr war im Zug zuvor bis auf drei Sekunden heruntergelaufen. Zuletzt war der Wahlschweizerin Kosteniuk ein Fehler unterlaufen, sie hatte ihren g-Bauern nach g6 vorgezogen. Wie sollte Weiß hier fortsetzen. Die Inderin verpasste ihre letzte Chance auf Ausgleich – sie sollte ihren Springer nach d7 ziehen und verlor sogar noch im großen Stil. Kosteniuk konterte mit einem schicken Mattangriff.


Ergebnisse Grand Swiss

Spieler (Nation)12345678Gesamt
Pragg0.51.01.00.5
Erigaisi 0.51.01.00.5
Gukesh 1.00.51.00.5
Firouzja 1.01.00.00.5
Keymer 0.51.00.51.0
Nodirbek1.00.51.00.5
Nihal 0.51.00.50.5
Erdogmus 1.00.50.51.0
Svane, F 1.00.50.50.0
Gurel 0.50.00.50.5
Divya 0.00.50.51.0
7.57.57.06.5

Frauen Grand Swiss Ergebnisse

Spielerin12345678Gesamt
Wagner1.00.51.00.5
Vaishali1.01.01.00.5
Agrawal1.00.50.00.0
Miaoyi0.50.50.00.0
3.52.52.01.0

Natürlich konnte es nicht so weitergehen. Kamen die ausgewählten 15 Gladiatoren am ersten Tag gemeinsam noch auf elf Punkte, waren es tags drauf noch zehn und in Runde drei neun Punkte. Runde vier lief es diesmal nicht so glatt (7.5 aus 15). Aber ein Tag an dem Divya einen gestandenen 2600-Großmeister wegpustet, kann für die Schachwelt kein schlechter Tag sein.

Hier beim Interview mit Chessbase India

Renier analysiert

Die folgende Partie beinhaltet keinen unserer beobachteten Spieler, war aber derart interessant, dass ich mich entschlossen habe, diese Partie hier auch zu „highlighten“. Ausgespielt wurde ein französisches Duell. Marc’Andria Maurizzi, geboren 2017, ist 18 Jahre alt und amtierender französischer Meister. Hier im Kampf mit Maxime Vachier-Lagrave.



Offizielle Website.

Fotos aus Samarkand: Michal Walsuza. Fide Chess.


Hinweis

Ich versuche einige Partien trotz Urlaubs zu analysieren und nutze Links zu Analysen, die mir gefallen, sofern ich das rechtlich darf. Dazu gehören diesmal die Analysen der Internationalen Frauen-Meisterin Raluca Sgircea, Großmeister Renier Castellanos Rodriguez, die das Turnier für Lichess beobachten und eine Partie pro Runde ausführlich analysieren. Die beiden sind zudem Teil des Teams von Killer Chess Training. Die engagierten Analysen der Frauen-Großmeisterin Josefine Safarli (früher Heinemann) kann ich ebenfalls empfehlen, vor allem für die Fans der deutschen Spielerinnen und Spieler. Hier geht es zu ihrem Youtube-Kanal. Ich selbst bin Fide-Meister mit einer IM-Norm und das ist so lange her, dass der Weltschachbund nicht mal das Ernennungsjahr auf seiner Website vermerkt. Auf meiner Urkunde steht 1988 und die ist unterschrieben von Florencio Campomanes, dem damaligen Präsidenten. Manche spannende Phasen aus Partien habe ich als GIF mit Hilfe des Datenprogramms von Chessbase abgespeichert. Ich finde das ein schickes Feature, um sich einen schnellen Eindruck über einen Partieverlauf zu machen. Wer die Geschwindigkeit drosseln will, der klickt einfach auf das Diagramm. Bei Partieanalysen findet sich entweder oben links ein Diagramm zum Nachspielen oder durch Klicken auf einen beliebigen Moment öffnet sich ein Pop-up-Diagramm bei Klicken auf die Notation

Foto: Michal Walusza. FIDE Chess. Zwei Youngster, Divya

Foto: Michal Walusza. FIDE Chess.

Schon in der ersten Runde taten sich manche Favoiten schwer. Immerhin: Gukesh gewann direkt mit Schwarz eine überzeugende Partie. Im Turnier der Frauen konnten nur vier Favoritinnen voll punkten. Die zwei topgesetzten Spielerinnen verloren beide ihre Auftaktbegegnungen.

Von Thorsten Cmiel

Vom letzten Grand Swiss ist bekannt wie hoch die Latte zur Qualifikation im Kandidatenturnier liegt. Acht Punkte (+5) aus elf Runden könnten reichen. Ein halber Punkt mehr dürfte die sichere Qualifikation bedeuten. Wer einen Top-Start hinlegt, darf es hinten raus ruhiger angehen. Nach den ersten drei Runden ist noch nichts entschieden, aber mit einem guten Start lässt es sich in den Folgerunden etwas ruhiger angehen.

Hinweis

Ich versuche einige Partien trotz Urlaubs zu analysieren und nutze Links zu Analysen, die mir gefallen, sofern ich das rechtlich darf. Dazu gehören diesmal die Analysen der Internationalen Frauen-Meisterin Raluca Sgircea, Großmeister Renier Castellanos Rodriguez, die das Turnier für Lichess beobachten und eine Partie pro Runde ausführlich analysieren. Die beiden sind zudem Teil des Teams von Killer Chess Training. Die engagierten Analysen der Frauen-Großmeisterin Josefine Safarli (früher Heinemann) kann ich ebenfalls empfehlen, vor allem für die Fans der deutschen Spielerinnen und Spieler. Hier geht es zu ihrem Youtube-Kanal. Ich selbst bin Fide-Meister mit einer IM-Norm und das ist so lange her, dass der Weltschachbund nicht mal das Ernennungsjahr auf seiner Website vermerkt. Auf meiner Urkunde steht 1988 und die ist unterschrieben von Florencio Campomanes, dem damaligen Präsidenten. Manche spannende Phasen aus Partien habe ich als GIF mit Hilfe des Datenprogramms von Chessbase abgespeichert. Ich finde das ein schickes Feature, um sich einen schnellen Eindruck über einen Partieverlauf zu machen. Wer die Geschwindigkeit drosseln will, der klickt einfach auf das Diagramm. Bei Partieanalysen findet sich entweder oben links ein Diagramm zum Nachspielen oder durch Klicken auf einen beliebigen Moment öffnet sich ein Pop-up-Diagramm bei Klicken auf die Notation


Runde 1 – Guter Start (11 aus 15)

Das häufigste Ergebnis in der offenen Klasse war in der ersten Runde Unentschieden. Von meinen elf beobachteten Spielern verlor nur Divya nach hartem Kampf ausgerechnet gegen ihren Eröffnungscoach nach klar vorteilhafter Eröffnung. Im Frauen-Grand-Swiss gewannen drei Spielerinnen, wobei Vantikas überzeugender Sieg gegen die Ukrainerin Yuliia Osmak ein erstes Ausrufezeichen war. Lu Miaoyi remisierte ihre Schwarzpartie gegen eine Landsfrau in einer beidseits fehlerfreien Partie. Vincent Keymer kam über ein Remis gegen den Türken Ediz Gurel nicht hinaus und konnte diesmal zunächst keinen Blitzstart wie zuletzt in Chennai hinlegen. Yagis Kaan Erdogmus gewann nach einer Chaosphase kurz vor der Zeitkontrolle gegen eine der zwei Frauen im Feld, Aleksandra Goryachkina. (Anmerkung: Ich habe die Enginebewertungen eingebaut, würde aber den Protagonistinnen keinen Vorwurf machen. Das war am offenen Herzen operiert und spannend.)

Weltmeister Gukesh mit überzeugendem Start



Analysen von Raluca und Renier können unter folgendem Link bei Lichess abgerufen werden.


Etwas Glück und Hilfe seines ägyptischen Gegners Amin Bassem hatte Alireza im Verlauf, Pragg stand die gesamte Partie etwas schlechter und dürfte mit seinem Schwarzremis zufrieden gewesen sein.


Hier musste Amin Bassem eine Verteidigung gegen die potentielle Drohung der Verbringung des weißen Läufers nach a5 finden. Interessanterweise droht im Augenblick gar nichts, denn nach dem Läuferzug nach d2 folgt einfach der Springerblockadezug nach b6 und Weiß hat keine Zeit seinen Läufer nach a5 zu ziehen. Im 44. Zug des Ägypters mit dem Springer nach f8 war es allerdings um die schwarze Stellung geschehen. Stattdessen war zum Beispiel der Königszug nach g4 eine überzeugende Idee, um selbst Genespiel zu initiieren.

Tragisch war der Verlauf der Partie von Divya, die in der ersten Runde gegen ihren Eröffnungstrainer Puranik Abhimanyu ran musste. Die Eröffnung verlief klar zugunsten der Inderin, dann aber ging es stetig bergab. Sie kämpfte sich zurück, um dann doch noch einzubrechen. 11 aus 15 war die Bilanz der 15 beobachteten Spieler in der ersten Runde. So erfolgreich wird es vermutlich nie mehr.


Frauen-Grand-Swiss

Bei den Frauen gab es durchaus einige Überraschungen wie die Niederlage von Tan Zhongyi gegen die Russin Olga Girya. Oder die Niederlage der topgesetzten Anna Muzychuk, die auf Zeit verlor. Schon eher konnte man den Sieg von Eline Roebers gegen die US-Topspielerin Carissa Yip erwarten.

Von den deutschen Teilnehmern gewannen nur Frederik und Dinara Wagner gegen klar schwächere Gegner. Insgesamt für meine Auswahl ein guter Start. Zur Erinnerung: 2023 gewann Vidit mit 8.5 Punkten (+6) alleine vor Hikaru Nakamura mit acht Punkten (+5) in der offenen Klasse. In der ersten Runde hatte der Inder überraschend verloren.

Josefine Safarli analysiert deutsche Siege

Auf ihrem Youtube-Kanal analysiert Josefine aktuelle Partien vom Turnier im usbekischen Samarkand.

Partien des Tages

Die Partie des Tages gelang einem jungen Azeri gegen Murali Karthikeyan, der für sein Damenopfer gegen Alireza Firouzja und seinen Sieg gegen Magnus Carlsen bekannt ist. Ein weiterer Kandidat für die schönste Partie ist sicherlich der Sieg von Boris Gelfand gegen Baduur Jobava, der ein Beispiel dafür ist, dass man gegen den israelischen Großmeister besser seriöses Schach spielt.

Vincents Auftaktpartie

Meine Wahl vor der Partie fiel auf die erste Partie des deutschen Superstars Vincent Keymer, der spielte bei seiner Auftaktpartie gegen den 16-jährigen türkischen Großmeister Ediz Gurel und konnte zwar die Stellung im Gleichgewicht halten, aber mehr war nicht drin an diesem Tag.


Ergebnisse Grand-Swiss

Spieler (Nation)12345678Gesamt
Pragg0.5
Erigaisi 0.5
Gukesh 1.0
Firouzja 1.0
Keymer 0.5
Nodirbek1.0
Nihal 0.5
Erdogmus 1.0
Svane, F 1.0
Gurel 0.5
Divya 0.0
7.5

Frauen-Grand-Swiss Ergebnisse

Spielerin12345678Gesamt
Wagner1.0
Vaishali1.0
Agrawal1.0
Miaoyi0.5
3.5

Fotos aus Samarkand: Michal Walusza, Fide Chess.


Foto: Michal Walusza. FIDE Chess. Schon in der

Von perfektem Spiel bis hin zu grobem Unfug konnte man einige Endspiele beim Grand Swiss beobachten. Manche Top-Großmeister sollten nicht nur Eröffnungen lernen. Wir lernen mit. Weniger Schmerzhaft.

Von Thorsten Cmiel

Turmendspiel Basiswissen

Ich würde erwarten, dass Vereinsspieler das folgende Basiswissen über die folgende Remisstellung besitzen.


Diese Stellung ist ein bekanntes und einfaches Remis. Schwarz muss lediglich mit dem eigenen König auf den Feldern h7 und g7 hin und her pendeln. Sollte sich der weiße König anschicken den eigenen Freibauern zu verteidigen (b6 oder b7), dann gibt Schwarz Schachgebote von hinten und Weiß kommt nicht weiter. Der Grund für die schwarze Königspostierung ist einfach: Stünde der König auf der sechsten Reihe (außer a6 oder b6 natürlich), könnte Weiß ein Schachgebot absetzen und seinen a-Bauern promovieren. Stünde der schwarze König auf f7, dann ist kein Schachgebot möglich, aber die Umgehungsstrategie mit einem Turmzug nach h8 gewönne. In der folgenden Stellung versuchte Weiß diesen Trick zu installieren, aber Schwarz war ausreichend vorsichtig.


Grober Unfug

Was in der zweiten Zweitrundenpartie zwischen Vincent Keymer und dem Eröffnungsexperten Jefferey Xiong passierte war unter dem Niveau eines guten Vereinsspielers. Mit wenig Bedenkzeit wäre der Fehler noch erklärbar gewesen. Aber jedes Berechnen von Varianten beginnt in der Ausgangsstellung mit dem Schlagen auf a7. Hier erreicht Schwarz nicht mehr die Felder g7 und h7 und weil der f-Bauer den König verstellt, gibt es auch keinen Weg, um den König vor seinen Bauern vor Schachgeboten von hinten zu schützen.


Ein fehlerfreies Turmendspiel

Neben Fehlern im Endspiel gab es natürlich auch fehlerfreie Verteidigungsleistungen wie hier aus einer Erstrundenbegegnung in der Maxime Vachier Lagrave, kurz MVL, ein etwas schlechter stehendes Endspiel souverän verteidigte.

Eine Augenweide

Dieses Fragment stammt aus der zweiten Runde im Grand Swiss in Samarkand. Besonders wie Weiß immer wieder durch seine Damenrückzüge ein Tempo gewinnt. Es gibt zwar ein kleines Fragezeichen in der B-Note, aber das spielt bei der Bewertung keine Rolle. Wer beim Nachspielen erkennt an welcher Stelle die Partie nicht optimal verlief, bekommt ein Prädikat für Endspielstärke.

Vantika scheitert knapp


Die tragische Stellung der Partie. Vantika schlug hier den Bauern h5 mit dem Läufer. Das war warum kein guter Zug und wie sollte sie besser fortsetzen? Die Antworten können in der folgenden Partieanalyse gefunden werden.


Störend war die Situation sicherlich und der Schiedsrichter hat hier keine gute Figur abgegeben. Aber in gewisser Weise war Vantika selbst schuld, dass ihr ein halber Punkt abhanden kam. Die Partie bis dahin war nicht so komplex, dass man eine weitere Zeitnot zulassen musste. Außerdem war die Verteidigung und das Spiel der Kazachin repräsentierte in der Schlussphase eine sehr starke Leistung.

Fotos: Michal Walsuza. Fide Chess.

Von perfektem Spiel bis hin zu grobem

Vom 4. September bis zum 15. September 2025 findet das stärkste Open des Jahres statt. In der offenen Klasse und bei den Frauen. Neben vier Qualifikationsplätzen für die Kandidatenturniere werden 855.000 US-Dollar verteilt. Wen es zu beachten gilt.

Von Thorsten Cmiel

Ich beobachte die Geschicke der Youngster in der offenen Klasse schon längere Zeit. Die Top-5 im Feld sind seit Jahren auf meiner Beobachtungsliste und bleiben dort. Hinzu kommt Nihal Sarin, der sich bislang schwertut mit seinen Altersgenossen mitzuhalten. Ferner will ich die zwei deutschen Hoffnungsträger Vincent Keymer und Frederik Svane und die zwei türkischen Jugendstars Ediz Gurel und Yagiz Kaan Erdogmus beobachten. Divya Deshmukh steht ebenfalls auf der Liste, denn sie hat sich gegen den Kampf um Preisgeld und für die sportliche Herausforderung entschieden. Es wird spannend sein zu sehen wie sie sich im Feld schlägt. Sämtliche elf Spieler waren zuletzt in unterschiedlicher Form. Nur Nihal Sarin hatte kürzlich ein Open (Fujariah in den Vereinigten Arabischen Emiraten) gespielt. Für Gukesh und Pragg geht es nicht um die Qualifikation; der eine ist Weltmeister und darf nicht beim Kandidatenturnier mitspielen und der andere hat seine Qualifikation via Fide-Circuit 2025 bereits sicher. Allerdings könnte ein Erfolg des Inders die Qualifikationswege durcheinander wirbeln, da der Gewinn im Grand Swiss zuerst zählt.

Spieler (Nation)Elozahl (Form)AlterMeine Erwartung
Praggnanandhaa (Indien)2785 (+)20Pragg ist einer der Favoriten, aber ein er spielte zuletzt nur Rundenturniere mit Topspielern. Ein Open erfordert ein aggressiveres Eröffnungsrepertoire.
Erigaisi (Indien)2771 (=)21Mein Geheim-Favorit zusammen mit Gukesh.
Gukesh (Indien)2767 (=)19Der Weltmeister könnte diesmal scheinen.
Firouzja (Frankreich)2754 (-)22Ob sich Alireza erneut für das Kandidatenturnier qualifiziert ist eine spannende Frage.
Keymer (Deutschland)2751 (+)20Vincents erste Chance zur Qualifikation. Er spielt aber selten Open-Turniere und könnte an seinem Repertoire scheitern.
Abdusattorov (Usbekistan)2748 (-)20Das größte Fragezeichen. Zuletzt war er in schlechter Form, aber auf heimischem Boden ist ihm einiges zuzutrauen.
Nihal (Indien)2693 (=)21Der Rätselhafte. Seit über drei Jahren ist Nihal in einer Ergebniskrise und scheitert auch an seiner fehlenden Risikobereitschaft. Außenseiter.
Erdogmus (Türkei)2646 (+)14Der junge Türke ist vielleicht das größte Talent auf der Tour. Ein Plusergebnis wäre eine gute Leistung.
Svane, F (Deutschland)2643 (-)21Frederik ist eigentlich die gefühlte deutsche Nummer 2 hinter Vincent. Aber zuletzt gab es einige Rückschläge. Frederik ist aber für eine Platzierung in den Preisen gut.
Gurel (Türkei)2631 (-)16Ediz Gurel hatte zuletzt in der türkischen Liga etwas Federn gelassen. Wenn es gut läuft, dann könnte der Türke eine Überraschung im Turnier sein.
Divya Deshmukh (Indien)2478 (+)19Divya muss niemandem etwas beweisen. Sie ist für das Turnier der Kandidatinnen qualifiziert. Ein Ergebnis um die 50 Prozent wäre ein Erfolg in diesem starken Feld.

Nihal Sarin spielte aktuell ein Turnier (Fujariah), das erst in der Oktoberliste aufgeführt wird.

Beim Frauen-Grand-Swiss fiel mir die Auswahl einfacher. Neben der einzigen deutschen Teilnehmerin Dinara Wagner habe ich die Chinesin Lu Miaoyi und die Inderinnen Vaishali und Vantika Agrawal auf meiner privaten Beobachtungsliste. Vaishali ist Titelverteidigerin, muss aber ein katastrophales Ergebnis im GM-Challenger-Turnier in Chennai verkraften. Lu Miaoyi spielte vor dem Grand Swiss in der chinesischen Liga und unetlag dort Hou Yifan. Dinara setzt inzwischen offenbar andere Prioritäten und kann momentan nicht mit der Spitze mithalten.

Vom 4. September bis zum 15. September

Titelfoto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Erst durch einen Sieg in der letzten Runde konnte Wesley So zu dem Spitzenduo aufschließen. Im Blitz-Stechen dann siegt der US-Amerikaner und holt sich diesen prestigeträchtigen Titel vor Praggnanandhaa und Fabiano Caruana.

Von Thorsten Cmiel

Das Stechen begann mit einem Weißsieg von Praggnanandhaa gegen Fabiano Caruana.


Der entscheidende Fehler unterlief dem US-Amerikaner hier. Statt 26…f4 sollte er seine Dame via g5 aktivieren.


In der zweiten Stichkampfpartie gewann Wesley So gegen den Inder Pragg seine Weißpartie und stellte die Vorzeichen zu seinen Gunsten.


Der überraschende Moment passierte hier. Pragg zieht den König nach d7. Kein schlechter Zug, der ihm aber in der Folge einige Schwierigkeiten einhandelt. einfacher war es mit der Dame nach d7 zu ziehen und nach dem Schlagen auf b7 seinen König nach f7 zu ziehen, um den Turm auf a8 zu decken.


Einige Züge später fand der Inder keinen besseren Zug als erneut seinen König nach d7 zu ziehen. Das erwies sich jedoch diesmal als Fehler. Die ganze Konstruktion krankte an der fehlenden Idee wie man die Türme miteinander verbinden konnte. Der Maschinenraum hatte eine kreative Idee: Schwarz spielt a6-a5, stellt seinen Läufer nach b6 und überführt seinen König nach a7.

Entschieden wurde der Mini-Wettkampf in der Partie zwischen Fabiano Caruana und Wesley So. Zunächst war Wesley gut aus der Eröffnung gekommen und hatte einigen positionellen Vorteil erwirtschaftet. Erst im Schwerfigurenmittelspiel bekam die Partie eine größere Unwucht, die Fabiano aber mit wenig Restzeit nicht nutzen konnte.


Einer von zwei Momenten in denen Fabiano seine Stellung mächtig verstärken konnte. Nach einem Sieg des US-Amerikaners wäre der Stichkampf mit Armageddon-Partien weiter gegangen. Caruana fand hier und in der folgenden Stellung nicht die beste Fortsetzung.


Wesley So hat zuletzt seine Dame auf die lange Diagonale (a8-h1) gezogen und so den gegnerischen König anvisiert. Wie sollte Weiß reagieren?


Der Sieg im Stichkampf genügte für Wesley So nicht mehr, um sich für das Finale der Grand Chess Tour in Brasilien Ende Oktober zu qualifizieren.

Fotos: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Titelfoto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club. Erst

Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Besonders prestigeträchtig sind immer die Begegnungen der vier jungen Jahrgangsbesten in Turnieren gegeneinander: Gukesh (2006), Praggnanandhaa (2005), Nodirbek Abdusattorov (2004) und Alireza Firouzja.(2003). Es ist eine gute Wette anzunehmen, dass diese vier zumindest im nächsten Jahrzehnt die Weltmeisterschaftskrone wechselseitig untereinander ausspielen.

Ergebnisse Youngster im Sinquefield Cup 2025 als Rundenturnier

GukeshPraggnanandhaaAbdusattorovFirouzjaPunkte
Gukesh (Indien)X010.51.5 (3)
Praggnanandhaa (Indien)1X0.512.5 (3)
Abdusattorov (Usbekistan)00.5X11.5 (3)
Firouzja (Frankreich)0.500X0.5 (3)

Drei der hier aufgeführten vier Spieler waren bereits beim letzten Kandidatenturnier in Toronto dabei. Gukesh setzt als Weltmeister 2026 natürlich diesmal aus und Praggnanandhaa dürfte die Qualifikation im Fide Circuit 2025 sicher haben. Bei den verbliebenen Gelegenheiten Grand Swiss in Usbekistan (03.09. – 16.09.) und World Cup in Goa in Indien (31.10. – 27.11.) versuchen von der jungen Garde zusätzlich der deutsche Hoffnungsträger Vincent Keymer (2004) und als dritter Inder Arjun Erigaisi (2003) einen Platz im Kandidatenturnier zu erringen. Für die Usbeken ist noch Javohir Sindarov (2005) ein aussichtsreicher Bewerber, den man aus der jüngeren Generation auf dem Zettel haben sollte. Wer Spektakel und Kontroversen will, der wird sich vielleicht den US-Amerikaner Hans Niemann (2003) vorne wünschen.

Highlights

Die Partien der Youngster waren hart umkämpft. Die Partie der zwei Inder hatten wir schon genauer angesehen. Und die Partie von Firouzja gegen beide Inder waren ebenfalls Highlights des Sinquefield Cup 2025. Alireza Firouzja war der Titelverteidiger der Grand Chess Tour 2024 und wurde diesmal von Pragg und Nodirbek aus dem Rennen genommen. Wobei die Niederlage aus der achten Runde gegen den Usbeken letztlich unter dramatischen Umständen zustande kam.

Pragg-Sieg gegen Firouzja

Gegen seine Hauptkonkurrenten im Youngster-Vergleich, Gukesh und Firouzja, gewann Pragg seine beiden Partien und in beiden Fällen in überzeugendem Stil. Die Partie der zwei Inder hatten wir uns gesondert angesehen. Pragg war die perfekte Partie gelungen. In der Partie gegen den Franzosen ging es zwar nicht ganz so glatt, aber wer mit Schwarz gegen einen Top-Großmeister gewinnt, ohne während der Partie gefährdet gestanden zu haben, der muss Vieles richtig gemacht haben. Bevor wir einige wichtige Momente herausgreifen: die Partie zum schnellen Nachspielen.

In der Partie ging es um Einiges: Für den Inder bedeutete sein Sieg in der siebten Runde, dass er den zum Führenden Fabiano Caruana aufschließen konnte. Da Pragg gleichzeitig seinen Konkurrenten stiegen die Chancen einen der vier Finalplätze im brasilianischen San Paulo der Grand Chess Tour zu ergattern. Die Niederlage brachte den Franzosen in Zugzwang, da sein Landsmann Maxime Vachier-Lagrave, Fabiano Caruana und Levon Aronian ebenfalls die besseren Aussichten auf den Finalplatz zu haben schienen.


Wie sollte Weiß hier fortsetzen? Es ist eine Entscheidung zwischen drei Zügen: Nehmen mit dem Springer oder der Dame auf c6 oder soll Weiß seinen d-Bauern vorschieben, den Springer e5 decken und die lange Diagonale schließen?


Alireza ist vor die Frage gestellt, wie er auf e5 zurückschlagen sollte. Fifty-Fifty.


Der Franzose hat sich eine schlechte Gewohnheit zugelegt. Er ist in jeder Partie vor der ersten Zeitkontrolle unter Zeitdruck. Mit 59 Sekunden zu sieben Minuten musste er hier eine Entscheidung treffen. Soll er den offensichtlichen Damenzug nach d6 spielen, oder nicht? Fifty-Fifty.




Gukesh – Alireza: Kampf auf Augenhöhe

Auch die Partien zwischen Gukesh und Alireza sind meist hart umkämpft. Beim Kandidatenturnier in Toronto hatte der Franzose dem Inder in der siebten Runde die einzige Niederlage zugefügt. Gukesh motivierte diese Niederlage zu einem grandiosen Schlussspurt und späterer Revanche in Runde 13, die letztlich zum Turniersieg führte.


Der Weltmeister ist hier am Zuge und eigentlich kommt hier nur ein Zug mit dem Springer nach d5 in Betracht. Aber welcher Springer soll es sein? Fifty – Fifty.


Soll Alireza hier die Damen auf e6 aktiv tauschen oder seinem Gegner die Entscheidung überlassen? Fifty-Fifty.



Gukesh mit Sieg gegen Abdusattorov

Seit der Entscheidungspartie in Chennai 2022 ist das Duell von Gukesh und Nodirbek mit enormen Emotionen aufgeladen. In der Abfolge im Turnier folgte diese Partie nach der Niederlage von Gukesh gegen Pragg in der Startrunde. Die beiden Youngster kreuzten diesmal die Klingen in einen offenen Ruy Lopez und folgten lange Zeit bekannten Pfaden. Entschieden wurde die Partie später in der Rechenphase in der Gukesh im Angriff besser den Überblick behielt.


Bis hierhin war die Partie für Gukesh wie auf Schienen verlaufen. Wie sollte er hier mit den weißen Steinen fortsetzen?


Gukesh muss seine Kontrollzug (40.) ausführen. Wie sollte er hier mit Weiß am besten fortsetzen?



Abdusattorov – Pragg: Eine ereignislose Partie. Diesmal.



Nodirbek schlägt Alireza

Für beide Spieler lief es bis zur achten Runde schlecht in St. Louis. Für Nodirbek (1.5 aus 7) sogar katastrophal. Alireza (3 aus 7) musste nach seiner Niederlage gegen Pragg die letzten zwei Partien gewinnen, um eine Chance auf die Qualifikation zum GCT-Finale zu behalten. Das waren die Vorzeichen der Partie. Wir sehen überraschenderweise zunächst eine Situation in der der Usbeke einer möglichen Stellungswiederholung ausweicht. Später greift vor allem Alireza mehrfach daneben und nutzt seine überraschenden Chancen nicht konsequent genug. Es spricht für beide Spieler, dass sie sich eine großen Fight lieferten.


Eine Rechen- und Einschätzungsfrage: Was ist in dieser Stellung von Alirezas Springerzug nach d7 zu halten.


Eine interessante Entscheidung im Endspiel steht an: Es gibt zwei spannende Züge. Die Frage ist nur, welcher ist der Bessere. In der Partie wählte Nodirbek im vierunddreißigsten Zug ein spannendes Konzept und entschied sich für den Springerzug nach c2, um nach gegnerischem schlagen auf a4 den schwarzen Turm nach dem Springerzug nach c3 ins Abseits zu drängen. Die Alternative war es auf a6 zu nehmen. Was ist vorzuziehen?


Ein weiterer spannender Moment. Hier wählte Alireza eine drastische Maßnahme und schlug nach einer von verbliebenen dreieinhalb Minuten auf c4 den gegnerischen Läufer, um den f-Bauern zu eliminieren und auf den eigenen g-Bauern zu setzen. Was ist davon zu halten? Und wie geht es nach dem alternativen Vormarsch des g-Bauern weiter und wie ist die Stellung danach einzuschätzen? Fifty-Fifty.


Wo die Youngster stehen


Nur Pragg gewann in St. Louis erneut Elopunkte (+ 6.0) hinzu. Die anderen drei Youngster verloren einige Punkte (Gukesh – 8.6) oder erlebten einen größeren Rückschlag (Firouzja – 12.1, Abdusattorov -22.9). Das sind allerdings nur Momentaufnahmen. Wir vergessen oft wie jung die Spieler sind und dass Schwankungen als Folge von Ergebniskrisen in jungem Alter keinen Weltuntergang bedeuten. In 2024 war Gukesh der dominante Youngster des Jahres mit Sieg im Kandidatenturnier, Fabel-Ergebnis bei der Schacholympiade und WM-Sieg. Alireza gewann die Grand Chess Tour und Abdusattorov litt darunter sich nicht für das Kandidatenturnier qualifiziert zu haben, konnte sich 2024 um über 40 Elopunkte verbessern. Pragg stagnierte in dem Jahr. In diesem Jahr sind die Vorzeichen bisher anders gestellt. Pragg liegt bei praktisch jedem Turnier vorne und konnte sich jetzt als Zweitplatzierter im Sinquefield Cup für das GCT-Finale in Brasilien qualifizieren und hat den Qualifikationsplatz via Fide Circuit 2025 bereits sicher. Beim Grand-Swiss-Turnier in einer Woche in Samarkand könnten wieder andere Youngster scheinen.

Fotos: Lennart Ootes (St. Louis Chess Club)


Hinweis zu automatischen Übersetzungen

Der Originaltext und die Analysen der Partien wurden in deutscher Sprache erstellt. Ich habe mich entschieden eine automatische Übersetzung anzubieten, die durch Betätigen des Sprachbuttons gewählt werden kann. Manchmal sind die Übersetzungen wenig akkurat, aber das lässt sich nicht ändern. So wir beispielsweise der deutsche Begriff „Zug“ von Google mit „train“ statt „move“ übersetzt. Leider haben wir keinen Einfluss darauf. Ein anderes witziges Beispiel ist, wenn der Name des Exweltmeisters Ding Liren mit „thing“ übersetzt wird. Jeder Nutzer einer anderen Sprache sollte das mit Humor ertragen.


Service-Hinweis

Die Partieanalysen können heruntergeladen werden. Dafür muss man zunächst durch Klicken auf einen beliebigen Zug ein Popup-Fenster aktivieren. Zum Herunterladen muss man danach lediglich auf den hier grün markierten Button klicken.


Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club. Besonders

Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club

Der US-Großmeister Fabiano Caruana (33) ist ein guter Rechner am Brett. Gegen den 13 Jahre jüngeren Großmeisterkollegen Nodirbek Abdusattorov aus Usbekistan gewann Caruana eine komplizierte Partie mit den schwarzen Steinen und übernahm die Führung im prestigeträchtigen Sinquefield-Cup in St. Louis.

Von Thorsten Cmiel

Im Schachsport gibt es gelegentlich scheinbar absurde Diskussionen über die Ursachen von Fähigkeiten auf dem Brett. Hat ein Spieler eine spezielle Gabe im Schach, gemeint ist meist was viele als Talent bezeichnen würden. Irgendwer hat mal den Schachweltmeister von 2013 bis 2021, Magnus Carlsen, als den „Mozart des Schach“ bezeichnet und das hat sich zumindest bei der Nichtfachpresse als Etikett für Carlsen durchgesetzt. Der Vergleich mit dem Musikgenie beschreibt ganz gut was Carlsen auszeichnet. Der Norweger fühlt Schach; er weiß instinktiv besser als viele seiner Kollegen wohin die Figuren gehören, um ihnen maximale Wirkkraft einzuhauchen.

Foto: John Brezina. 2024.

Bei der Auftaktpressekonferenz in London 2018 fragte eine Journalistin Caruana, wie es sich anfühle gegen den Mozart des Schach zu spielen. Der US-Amerikaner war sichtbar überrascht und fand keine Antwort. Ihm half der Pressesprecher aus der Patsche und ging zur nächsten Frage über. Tatsächlich gibt es neben dem begnadeten Positionsspieler noch eine Vielzahl anderer Spielertypen, die auch ihre Qualitäten haben und je nach Stellungstyp spezielle Vorteile in die Waagschale werfen können. Caruana ist genau wie der amtierende Schachweltmeister Gukesh ein herausragender Kalkulator, der sein Schach mit tiefen Variantenberechnungen fundiert. Der Weltmeisterschaftskampf in London ging übrigens nach zwölf unentschiedenen Partien mit klassischer Bedenkzeit in die Verlängerung und endete erst nach den Schnellschachpartien mit einem Sieg von Carlsen. In der Tat kann Carlsen offenbar mit schnelleren Bedenkzeiten sein Talent besser zur Geltung bringen. In das Bild passt auch, dass der Inder Gukesh mit schnelleren Kadenzen nicht so gut zurecht kommt, wie einige seiner Großmeisterkollegen in der Weltspitze.

Der usbekische Großmeister Nodirbek Abdusattorov gehört ebenfalls in die Kategorie der Kalkulatoren. In seiner Partie mit dem US-Großmeister traten also zwei Spieler an, die über ähnliche Stärken am Brett verfügen. Beide Spieler scheuen keine Verwicklungen und sind an einem guten Tag bereit, die Brücken hinter sich abzubrechen und mit offenem Visier auf den vollen Punkt zu gehen. Das macht solche Duelle oft spannender als die feine Klinge eines Magnus Carlsen oder eines Vincent Keymer.

Crystal Fuller. St. Louis Chess Club.

Nachspielen – dann analysieren

Bevor man in die Details von Schachpartien einsteigt sollte man die Partie mehrfach nachspielen, um den Flow der Partie zu erfassen. in einem nächsten Schritt sollte man versuchen herauszufinden wann eine Partie in die entscheidende Phase kam und an welchen Stellung etwas schief lief. Die Kipppunkte.

Wir nutzen hier ein animiertes GIF, das bei seiner Durchspielgeschwindigkeit den tatsächlichen Bedenkzeiten der Spieler in der Partie folgt. Durch Klicken auf das Diagramm kann die Animation angehalten werden.


Erstellt mit Chessbase 17.

Der Usbeke war hier mit Weiß am Zuge. Beide Spieler versuchen bei entgegengesetzten Rochaden dem Gegner möglichst zuzusetzen und den eigenen Angriff zu fördern. Der offensichtlichste versuch besteht hier im Schlagen des Bauern auf g6. Caruana hatte diesen gerade nach vorne gezogen, aber ist das überhaupt gut? Gibt es einen besseren Weg, um den Angriff fortzusetzen?


Beide Spieler hatten ihre Angriffsziele verfolgt. Die entstandene Stellung bedarf eines scharfen Blicks. Wie sollte Weiß fortsetzen. der Usbeke fand hier im 25. Zug nicht die richtige Fortsetzung.

Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Anders als die zuletzt vorgestellte „perfekte Partie“ von Praggnanandhaa gegen Gukesh aus der ersten Runde des selben Turniers hatte der Usbeke in dieser Partie wie gesehen eine Chance einen ordentlichen Vorteil zu erzielen. Diese Gelegenheit konnte er nicht nutzen und verpasste später den Pfad zum Ausgleich. Ist diese Partie daher qualitativ schlechter, weil aus dem Maschinenraum etwas mehr Geräusche zu vernehmen sind? Meines Erachtens ist das der falsche Ansatz zur Bewertung von Schachpartien. Die betrachtete Partie ist hochklassig und beide Seiten versuchten ihrem Gegner schwierige Aufgaben zu stellen und diesmal behielt der US-Amerikaner die Oberhand.

Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Foto: John Brezina. Lennart Ootes und Crystal Fuller für St. Louis Chess Club.


Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club Der

Foto: John Brezina

Magnus Carlsen ist gelegentlich nicht zufrieden mit seinen Partien, weil sein Gegner durch ein kleines Übersehen eine unnötige Chance auf den Ausgleich bekam. Dahinter steckt der ständige Wunsch nach Perfektionismus und die Suche nach der perfekten Partie. In der ersten Runde im Sinquefield-Cup 2025 gelang Praggnanandhaa eine solche perfekte Partie – ausgerechnet gegen seinen Rivalen aus Chennai.

Von Thorsten Cmiel

Dominanzstrategien werden von manchen Spielertypen eher gespielt als von anderen. Wer eine riskantere offene Eröffnung wählt, der geht vermeintlich größere Risiken ein. Die deutschen Schachgroßmeister Karsten Müller und Luis Engel versuchten 2021 vier Spielertypen zu kategorisieren und den Vorteil der Selbstanalytik für das eigene Training zu propagieren. Man landet sehr schnell bei der Bezeichnung von Positionsspielern, die Müller und Engel als Reflektoren bezeichnen. Müller beschrieb in einem Interview die Stärken dieses Spielertyps so:

„Sie haben ein sehr tiefes Spielverständnis und erkennen relevante Muster auf den ersten Blick. Sie haben ein sehr feines Gespür für die Harmonie und Koordination der Figuren. Sie sind sehr gut, wenn es darum geht, die gegnerischen Figuren einzuschränken und deren Koordination zu stören. Typisch für sie sind aktive Prophylaxe sowie Dominanz- und Restriktions-Strategien. Strategische Endspiele behandeln sie sehr gut, denn dort kommen ihre Stärken voll zur Geltung, weil das dynamische Potenzial der Damen hier nicht mehr „stört“ und entsprechend weniger „Chaos“ aufkommen kann.“

„Ihre Schwächen: Sie haben manchmal Schwächen bei der Berechnung konkreter Varianten, was der Gegner ausnutzen könnte, indem er konkrete dynamische Stellungen anstrebt, in denen jeder einzelne Zug von entscheidender Bedeutung sein kann und umfangreiche und konkrete Berechnung erfordert.“

Der aktuelle Meister der Reflektoren ist eindeutig Magnus Carlsen – ihm gelang es öfter als anderen das Gegenspiel seiner Gegner einzuschränken. Typische Reflektoren waren ebenfalls die ehemaligen Weltmeister Karpow und Capablanca, um ganz oben ins Regal zu greifen. Von den aktiven Turnierspielern sind beispielsweise Vincent Keymer und Levon Aronian typische Protagonisten dieses Spielertyps. Dominante Partien, die Teil einer perfekten Partie sind, wird man also am ehesten bei Spielern dieses Spielstils finden können.

Insbesondere junge Großmeister suchen oft noch ihren bevorzugten Spielstil. Auch ist nicht klar, ob eine Einschätzung des Spielertyps überhaupt in einer so frühen Karrierephase gerechtfertigt oder hilfreich ist. Praggnanandhaa, Pragg, ist sicher kein reiner Reflektor im Sinne der Definition von Müller, wie Vincent Keymer beispielsweise, der vermutlich Kontrolle als wichtigstes Ziel seines Spiels ansieht. Die Fähigkeit von Pragg auch aktive Spielweisen regelmäßig in seinem Spiel einzusetzen, macht ihn eher zu einem universellerem Spielertyp als der Deutsche zurzeit noch ist. Folgt man dem Autorenduo Müller/Engel, dann wird man den amtierenden Weltmeister Gukesh vermutlich am ehesten als Aktivspieler bezeichnen müssen: Er ist ein starker Rechner, der gelegentlich positionell zweifelhafte Bauernzüge einstreut. Das ist eine Schwäche, die wir beim Weltmeisterschaftskampf in Singapur 2024 beobachten konnten. Das heißt aber nicht, dass Gukesh keine feinen Positionsleistungen abliefern kann.

Eine Partie aus Toronto zeigt wie stark Gukesh auch in der Kategorie Dominanzstrategie unterwegs ist, ihm unterlief aber gegen Nepomniachtchi das Missgeschick seine positionelle Gewinnstellung nicht verwertet zu haben. Die Anmerkungen zu dieser Partie stammen vom indischen Schachgroßmeister Sundararajan Kidambi, der einen sehr empfehlenswerten Blog betreibt. Der Schachlehrer Kidambi ist bekannt für seine Anhängerschaft klassischer Partien und stellt bei seinen Analysen oft lehrreiche historische Vergleiche her. So auch in dieser Partieanalyse.


Bis hierhin hatte Gukesh mit den weißen Steinen seinen Gegner überzeugend vom Ausgleich ferngehalten und optisch sichtbar einen ordentlichen Raumvorteil erzielt. Wie sollte der Inder hier am besten fortsetzen?


Einen Zug später war Gukesh erneut dran. Sollte Weiß den Turmtausch anstreben und anschließend auf seinen Strukturvorteil Läuferpaar setzen? Wie sollte er sein Läuferpaar am besten zum Einsatz bringen – mit oder ohne Turm auf dem Brett?

Hinweis zum Nachspielen

Klicken auf die Notation öffnet ein Popup-Partiefenster.


Was ist eine perfekte Partie?

Wir schauen uns zunächst das Profil einer Partie als Chart einer Schnellanalyse mit einem Lichess-Tool an. Unten ist die Erstrundenpartie von Praggnanandhaa gegen Gukesh angezeigt. Bei gut vorbereiteten Spielern passiert in der Eröffnung meist wenig und ein Spieler konserviert und verwertet einen minimalen Vorteil nach ungenauem Spiel des Gegners. Für eine perfekte Partie sollte es an Swings, also größeren Bewertungswechseln gegen einen etablierten Bewertungstrend fehlen. Ich würde noch ergänzen, dass der Gegner zumindest nicht viel schlechter sein sollte als der Protagonist mit der perfekten Partie. Zu einer perfekten Partie gehört also ordentlicher Widerstand und der Partie sollte nicht durch einen groben Fehler entschieden werden, der die Partie als Gesamtkunstwerk entwertet. Es gehören also immer zwei Spieler dazu, um eine herausragende Schachpartie zu kreieren.

Abweichungsanalyse

Stockfish 17, die aktuell beste Schachengine, gibt in einer etwas aufwändigeren Analyse als der hier präsentierten Lichess-Analyse (mit der gleichen Engine!) folgende Werte: Praggnanandhaa 0.02 „Centibauern“, was einem aus Sicht der Maschine fast perfektem Spiel entspricht. Keiner der Züge des Inders wurde aus dem Maschinenraum kritisiert und die Abweichung zur Spielweise der Engine betrug also 0.02 Bauerneinheiten im Schnitt pro Zug. Das ist eine absolute Top-Leistung. Gukesh wiederum bekam eine Bewertung von 0.24 Centibauern, was unter seinem üblichen Spielstandard liegt, aber immer noch eine relativ gute Leistung des Weltmeisters darstellt. Es war also angerichtet.

Foto: Crystal Fuller, St. Louis Chess Club

In dieser Stellung steht Gukesh vor der Frage, ob er seinen Läufer nach a7 oder besser nach e7 zurückziehen sollte. Das Standardfeld in ähnlichen damenlosen Stellungstypen ist im angenommenen Damengambit und in katalanischen Strukturen meist das Feld e7. Das sichert im Zweifel die Grundreihe und kämpft um das Feld d6. Der amtierende Weltmeister entscheidet sich in dieser Stellung für das Feld a7 und liegt falsch. Vielleicht störte den Inder die Schwäche des Feldes b6, das der Gegner schnell mit dem Springerzug nach a4 auszunutzen versuchen konnte, wie der Internationale Meister und Journalist Stefan Löffler anmerkte. Wie sollte Schwarz dann – mit dem Läufer auf e7 fortsetzen?


Einen Zug später ist Gukesh erneut am Zug und hat schon einige Probleme zu lösen. Ähnlich wie in seiner Partie gegen Nepomniachtchi verliert er erneut Zeit durch den Kampf um die d-Linie. Danach ist Pragg bereits positionell auf der Gewinnerstraße und erlegt seinen Gegner scheinbar mühelos. Das täuscht jedoch, denn genaue Züge sind harte Arbeit und Pragg liefert ein Meisterwerk ab. Die perfekte Partie.

John Brezina

Foto:  Lennart Ootes, St. Louis Chess Club

Fazit

Ich glaube nicht, dass die Maschine einen alleine ausreichenden Hinweis liefert, ob eine Partie perfekt ist. Aber die Analyse mit einer Maschine ist ein guter Indikator, um sich mit einem Kandidaten für eine perfekte Partie genauer zu beschäftigen. Gelegentlich kann, um ein Beispiel zu nennen, der Übergang in ein sicher gewonnenes Endspiel die Partieaufgabe forcieren. Der Rechner findet einen schnelleren Gewinn und meckert dann rum. Das wäre ein Beispiel für ein Bewertung, die ich für überflüssig halte. Oder ein taktischer Gewinn in einer Partie ist völlig unpraktisch aus menschlicher Sicht, dann würde ich auch die Kritik aus dem Maschinenraum überstimmen wollen. Am Ende des Tages zählt im Schachsport das Ergebnis.

Fotos: Crystal Fuller, Lennart Ootes, beide für St. Louis Chess Club. John Brezina.


SERVICEHINWEIS

Durch Klicken auf den orange markierten Button kann die Partieanalyse heruntergeladen werden.


Foto: John Brezina Magnus Carlsen ist gelegentlich nicht