Der deutsche Kandidat punktet zunächst gegen Gukesh und diesmal gegen Anish Giri. Der indische Weltmeister spielt weiter Ergebnis-Ping-Pong und Vincent kommt ebenfalls mit einem Sieg zurück. Bei dem Challenger-Turnier gibt es einen Führungswechsel nach einem Sieg von Vassily Ivanchuk gegen Woodward. Jetzt liegt der Aseri Aydin Suleymanli vorne.
Von Thorsten Cmiel
Die Tabelle zum dritten Ruhetag sieht mit Nodirbek Abdusattorov einen Führenden. Ihm folgen drei Spieler mit einem halben Punkt Rückstand. Vermutlich wird einer aus dieser Viererbande das Turnier gewinnen. Enttäuschend ist die Form der zwei Kandidaten mit viereinhalb Punkten bisher.
Kandidaten unter sich
In der Partie gab es einen Moment in dem Anish Giri großen Vorteil ausgelassen hat. Beide Spieler übersahen eine Feinheit früh in der Partie. Das reiht sich ein in die oberflächlichen Partien, die wir von Anish Giri zu Beginn des Turniers gesehen haben.
In dieser Stellung war Giri am Zuge und konnte seine Dame nach h4 stellen. Stattdessen zog er seinen Springer sofort nach g7. Was ist der Unterschied und wie geht es nach dem Damenzug überhaupt konkret weiter?
Wie sollte Matthias Blübaum hier am besten fortsetzen?. Natürlich spielte der deutsche Großmeister genau so.
Gukesh siegt gegen 14-jährigen Türken
Der jüngste Weltmeister aller Zeiten wird vermutlich in kurzer Zeit von der nächsten Generation Großmeister angegriffen. Noch konnte er Yağız Kaan Erdoğmuş allerdings noch auf Abstand halten. Es war knapp.
Gukesh hatte zuletzt auf c4 geschlagen, um einem wahrscheinlichen Remis-Ausgang zu entgehen. Wie sollte sich nach dem offensichtlichen Springerzug nach b6 das Geschehen weiter entwickeln und was könnte der Weltmeister danach geplant haben?
Mit seinem letzten Zug hatte Gukesh die gegnerische Dame weitgehend eingesperrt. Wie sollte der Junge Türke hier weiter fortsetzen? Beide Spieler hatten diese Situation mit wenig Restzeit falsch eingeschätzt.
Keymer gewinnt gegen Arjun
Wie der deutsche Großmeister im Interview nach der Partie verriet, hatte er gegen Arjun bislang in klassischen Partien oft das Nachsehen gehabt. Erfreulich ist, dass Vincent inzwischen gelegentlich mit dem Königsbauern beginnt und zusätzlich zu seinen typischen geschlossenen Stellungen auch offene Stellungen zulässt. Erinnert sei an seine Partie in Biel gegen Pragg, als der etwas später kam, bei Ansicht der Übertragungsanzeigen nicht glauben konnte was er sah und sein Brett suchte. Der Königsbauer stand im ersten Zug auf dem Feld e4.
Aravindh mit erstem Sieg
Der Tscheche Thai Dai Van Nguyen ist inzwischen seit einigen Runden zu oft Opfer seiner Zeitnot geworden in seiner Partie gegen den Inder Aravindh Chitambaram sah es lange sogar nach einem Sieg für Nguyen aus. Mit wenig Zeit verlor dieser sogar noch.
Remis-Partien im Masters
Drei Partien endeten Remis. Lediglich Thai Dai Van Nguyen hatte von den sechs beteiligten Spielern so etwas wie einen dauerhaften leichten Vorteil. Letztlich hatte Nguyen kurz vor der Zeitkontrolle ein strukturell besseres Endspiel und daher realistische Chancen, mehr als einen halben Punkt zu erreichen. Seine Vorteile zu verdichten gelang ihm allerdings nicht. In der Partie zwischen den zwei Kandidaten scheint Matthias Blübaum seinem Gegner in eine vorbereitete Variante gelaufen zu sein, ihm gelang es aber die Stellung zusammen zu halten. Stark.
Paarungen der Kandidaten
Anish Giri
Praggnanandhaa
Sindarov
Bluebaum
Ergebnis
Anish Giri
X
Remis
Remis
Runde 10
1.0 – 2.0
Praggnanandhaa
Remis
X
Runde 12
Remis
1.0 – 1.0
Sindarov
Remis
Runde 12
X
Niederlage
1.5 – 0.5
Bluebaum
Sieg
Remis
Sieg
X
1.5 -1.5
Inzwischen haben die Kandidaten einige Partien untereinander gespielt. Zwei entschiedene Partie gab es bisher: Niederlage von Matthias Blübaum gegen Javokhir Sindarov und der Verlust Anish Giri in der zehnten Runde gegen ebenfalls Matthias Blübaum.
Christian Glöckler hat einen Lauf und manchmal kommt auch noch Glück dazu. In dieser Partie überschritt sein Gegner in ausgeglichener Stellung die Bedenkzeit. Mit jetzt sechs Punkten aus sechs Runden hat der Deutsche gute Chancen nächstes Jahr im Challengers anzutreten.
Bisher war der Vorjahressieger ein Schatten seiner selbst. In seiner Partie gegen seinen langjährigen Trainingspartner und Freund aus Chennai gelang Praggnanandhaa letztlich sein erster voller Punkt. In der neunten Runde gab insgesamt vier entschiedene Partien. Der deutsche Kandidat Matthias Blübaum holte gegen den amtierenden Weltmeister einen weiteren vollen Punkt und zeigt bislang eine ansprechende Leistung. Spieler der Stunde war erneut der Türke Yağız Kaan Erdoğmuş.
Von Thorsten Cmiel
Die meisten Partien im Masters haben bisher Vincent Keymer und Aravindh Chitambaram verloren. Immerhin konnte der Favorit laut Setzliste drei Partien gewinnen. Dennoch könnte sich das Turnier zu einer erneuten Enttäuschung für den Deutschen entwickeln. Das ist schade, denn in diesen Tagen wurde bekannt, dass Vincent erstmals bei der Grand Chess Tour und beim Norway Chess dabei ist.
Yağız Kaan Erdoğmuş holte aus den letzten vier Partien dreieinhalb Punkte und scheint seinen Durchmarsch in Richtung 2700-Elo-Punkten fortzusetzen. Es ist fast unwirklich, dass die junge Generation immer neue Rekorde aufzustellen scheint. Die Turnierserie in Wijk aan Zee gibt traditionell jungen Talenten eine Chance in ihren Turnieren. Neben Erdoğmuş sind in diesem Jahr Faustino Oro (2013), Andy Woodward (2010), Lu Miaoyi (2010) und Christian Glöckler (2011) hervorzuheben, die sich in unterschiedlichen Phasen ihrer individuellen Entwicklung befinden und gute Zukunftsaussichten aufweisen.
Matthias Blübaum zeigte gute Eröffnungskenntnisse, die lehrreich für Spieler ähnlicher Strukturen sein dürften. Wie sollte Weiß hier fortsetzen? Es gab hier noch eine hochkarätige Vorgängerpartie in der der Weiße besser als der Inder in dieser Partie agierte.
Wie setzte Matthias Blübaum hier mit Schwarz fort?
Während der Liveübertragung des Interviews mit Matthias Blübaum ist zudem das spannende Geschehen in der Partie von Thai Dai Van Nguyen und dem jungen Türken zu sehen.
Erdoğmuş gewinnt in hektischer Zeitnot
Thai Dai Van Nguyen verlor diesmal wegen seiner Zeitnot. Mit 46 Sekunden für zehn Züge etwas knapp dran verpasste er den Turmtausch und zog stattdessen seinen Springer an den Rand und stellte zunächst den Bauern b2 ein. Diesen Fehler konnte er nicht mehr reparieren gegen einen Gegner, der ebenfalls sichtbar nervös und hektisch wirkte, aber sehr aufmerksam agierte.
Keymer verliert erneut
Vincents Gegner kannte die Eröffnung offensichtlich erneut besser als der Deutsche, der einen weiteren rabenschwarzen Tag erlebte. Jorden Van Foreest wiederum durfte zufrieden sein mit seiner flott vorgetragenen Angriffspartie.
Es gibt sicherlich viele Momente hervorzuheben in dieser Partie. Großes Kino folgte: Hier nahm Jorden mit seinem Springer auf c4, weil sich das richtig anfühlte. Spieler des London-und des Jobava-Systems werden diese Partie lieben.
Pragg gewinnt Turmendspiel
Diesmal gewann Pragg gegen seinen langjährigen Trainingspartner aus Chennai. Anders als sein Turmendspiel gegen Nodirbek Abdusattorov gewann er diesmal. Beide Partien zeigen, dass Verteidigen viel schwieriger als der offensive Part ist.
Dieser Moment scheint entscheidend gewesen zu sein. Wie sollte Aravindh hier am besten fortsetzen. Das Endspiel hatte noch mehr spannende Momente parat, die man aber ausführlicher untersuchen sollte.
Remis-Partien im Masters
Erneut endeten drei Partien mit Remis. Das Duell der beiden führenden Usbeken dauerte zwar einige Zeit, war aber nie im Ungleichgewicht. Gleiches gilt für die beiden anderen Begegnungen: Arjun Erigaisi scheint genug von Wijk zu haben, wieder einmal und Hans Niemann wirkte zuletzt auch nicht mehr zu engagiert. Anish Giri scheut ebenfalls Risiken und Vladimir Fedoseev scheint nach der Niederlage am Tag zuvor mit dem Remis zufrieden gewesen zu sein.
Paarungen der Kandidaten
Anish Giri
Praggnanandhaa
Sindarov
Bluebaum
Ergebnis
Anish Giri
X
Remis
Remis
Runde 10
1.0 – 1.0
Praggnanandhaa
Remis
X
Runde 12
Remis
1.0 – 1.0
Sindarov
Remis
Runde 12
X
Niederlage
1.5 – 0.5
Bluebaum
Runde 10
Remis
Sieg
X
0.5 -1.5
Inzwischen haben die Kandidaten einige Partien untereinander gespielt. Einzig entschiedene Partie war die Niederlage von Matthias Blübaum gegen Javokhir Sindarov.
Im Zehnkampf wird ein Platz im Challengers-Turnier des nächsten Jahres ausgespielt. Vorne liegt mit Christian Glöckler (geboren 2011) ein deutsches Jungtalent. Johannes Fischer hat sich für Chessbase dessen Turnier im Schatten der zwei Hauptereignisse etwas genauer angesehen.
Historisches Foto: José Raúl Capablanca. Illustration: NanaBanana.ai.
Der Kubaner José Raúl Capablanca (1888 – 1942) war der dritte Weltmeister in der Geschichte des Schachspiels. Capablanca gehört zu den anerkannt besten Spieler aller Zeiten. Ihm sei diese neue Serie von Schachaufgaben gewidmet. Wir lösen damit die Lasker-Aufgaben ab.
Beginnen wir mit einer Studie. Weiß am Zuge gewinnt.
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Schwarz hat zuletzt rochiert. Wie sollte Weiß hier fortsetzen und großen positionellen Vorteil reklamieren?
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Weiß ist am Zuge und gewinnt. Wie?
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Diese Stellung stammt aus einer Simultan-Partie von Alexander Alekhine (Aljechin) und ist fast 100 Jahre alt.
Lösung (Hier Klicken)
In praktischen Partien begegnen den Spielern in jeder Turnierpartie unterschiedliche Aufgaben und nicht immer sind es einfache Taktiken. Insofern finde ich neben thematischen Aufgabenzusammenstellungen einen Mix aus unterschiedlichen Aufgabentypen hilfreich.
Hinweis
Die Partien können heruntergeladen werden, indem man auf den Downloadbutton unter Diagrammen klickt.
In der achten Runde spielte Gukesh nach zwei schmerzhaften Niederlagen in Folge erneut eine engagierte Partie, der man phasenweise nur staunend zuschauen kann. Der Weltmeister geht weiterhin Risiken ein und vertraut seinen Rechenkünsten. Kritik am Weltmeister kommt bisher vor allem von Couch-Analysten aus den Sozialen Medien, die Klicks wollen. Sie sollten zukünftig stumm bleiben und den 19-jährigen Weltmeister sich weiter entwickeln lassen. Die anderen dürfen sich aus grandiose Leistungen des Jungen aus Chennai freuen.
Gukesh hat bekanntlich einen ganz besonderen Weg an die Weltspitze zurück gelegt. In den ersten Jahren bis zur Großmeisterreife verzichtete er auf das Arbeiten am Rechner und entwickelte was heutzutage seine größte Stärke ist: seine Kalkulationen sind tiefer als die anderer Spieler. Aber pures Rechnen hilft oft nur bis zu einem bestimmten Punkt. Man muss die vor dem geistigen Auge vorhandenen Stellungen auch richtig bewerten können. Die vorliegenden Partie gegen Vladimir Fedoseev (31), der Russland wegen des Ukraine-Krieges den Rücken gekehrt hat und inzwischen für Slowenien antritt.
Gukesh ist sein eigener Kopf. In einem Interview sagte der indischen Großmeister Vishnu Prasanna, sinngemäß den aus meiner Sicht legendären Satz: Würde Gukesh die gleichen Lösungen im Kopf haben wie er, würde er sich als Trainer Sorgen machen.
Foto: Lennart Ootes
Die Eröffnungsphase ist vorbei und die Stellung scheint etwa ausgeglichen zu sein. In dieser Stellung ist Gukesh am Zuge. Es geht darum, eine wichtige grundsätzliche Entscheidung vorzubereiten. Weiß will offensichtlich jetzt oder nach weiterer Vorbereitung im Zentrum zuschlagen. Die grundlegende Frage lautet also: wie man mit Schwarz dem begegnen will. Oft haben Züge Vor- aber auch Nachteile. Wie sollte Schwarz hier warum fortsetzen?
Hier ist erneut Schwarz am Zuge. Wie sollte Gukesh auf den Schlag im Zentrum reagieren? Wer in der vorherigen Diagrammstellung wie Gukesh seinen Turm nach c8 gezogen hat, sollte die Antwort auf den e-Bauern bereits berechnet haben. Oder?
Foto: Dariusz Gorzinski
Vladimir Fedosseev hatte zuletzt seinen e-Bauern vorgezogen. Wie geht es weiter? Und vor allem wie ist die Stellung nach der besten Fortsetzung einzuschätzen? Spoiler: Gukesh lag natürlich richtig.
Hat sich Gukesh verrechnet? Jetzt sind beide schwarzen Läufer angegriffen (g7 und b7). Wie sollte er hier fortsetzen und was ist von der Stellung zu halten? Wer die vorherigen Verwicklungen richtig berechnet hat, der kann sich überlegen, ob die eigene Entscheidung vorher richtig war.
Relativ einfach diesmal. Gukesh hat aktuell einen Bauern für die Figur weniger. Noch allerdings ist die weiße Springer aus dem Spiel. Gukesh musste also möglichst energisch nachsetzen. Wie sollte er hier weiterspielen und das Materialverhältnis etwas zu seinen Gunsten verbessern?
Ein bekanntes Prinzip bei der Stellungsbewertung lautet, dass es nicht darauf ankommt wie Figuren aktuell wirken, sondern welche Figuren auf dem Brett übrig bleiben. Man kann das noch etwas anders formulieren und adaptieren. Welchen Zug hat Gukesh hier wohl gespielt?
Das Ende naht. Welchen Zug spielte der Inder hier?
André Schulz war zu Beginn des Turniers in Wijk aan Zee dabei und hat seine Eindrücke für die Newssite von Chessbase ausführlich beschrieben. Den größten Fanandrang verursacht natürlich der Schach-Weltmeister aus Indien.
Diese Grafik ist ein Screenshot von Lichess, die einen sehr gut organisierten Eindruck macht, anders als die Turnierdarstellung beim Marktführer Chess.com. Dort ist der Informationsbereich zum verfolgen von Turnieren eher schlecht organisiert.
Fotos: Lennart Ootes (Tata Steel Chess), Dariusz Gorzinski.
Die siebte Runde brachte einige weitere bemerkenswerte Ergebnisse. Der junge Türke Yağız Kaan Erdoğmuş überzeugte in den ersten sieben Runden vollends und liegt nach seinem Sieg gegen Arjun Erigaisi im Verfolgerfeld. Vincent Keymer weicht einer dreifachen Stellungswiederholung aus und verliert gegen den Dominator von Wijk, Nodirbek Abdusattorov. Anish Giri ist zurück mit einem Sieg gegen Gukesh. Nach seiner Niederlage am Tag zuvor zeigt auch Jorden Van Foreest eine überzeugende Leistung und gewinnt gegen den Inder Aravindh.
Von Thorsten Cmiel
Vincent Keymer geriet in dieser Runde weitgehend selbstverschuldet unter die Räder und muss sich wieder mit 50 Prozent im Feld einreihen. Kampfgeist ist eine gute Einstellung, aber etwas Objektivität täte auch manchem jungen Großmeister gelegentlich gut. Der Sieg vom 14-jährigen Türken im Feld gegen Arjun Erigaisi ist schon etwas besonderes für den Jungen aus Bursa, der in diesem Turnier seine ersten Top-Scalps einsammeln kann. Sein Sieg gegen Gukesh dürfte Anish Giri wieder etwas Selbstbewusstsein einhauchen. Der Inder wiederum ist vermutlich nach seinen zwei Niederlagen in Folge (Abdusattorov und Giri) erstmal niedergeschlagen.
Turkish Delight
In der Heimatstadt von Yagis Kaan, in Bursa, gibt es traditionell Iskender Kebap, benannt nach seinem Erfinder Iskender Efendi. Aber der Junge vertritt die gesamte Türkei und für das ganze Land sind die Süßspeisen vermutlich bekannter. Erdogmus wurde erst kürzlich von Magnus Carlsen geadelt, sondern er lässt sich davon scheint sich von zu viel Lob nicht beeinflussen zu lassen. Anders als etwas bei Alireza Firouzja, der bereits zwei Anläufe via Kandidatenturnier nicht nutzen konnte und diesmal nicht mal mehr dabei ist.
Weiß steht gefühlt etwas gestaucht und hinten drin. Wie sollte Schwarz hier fortsetzen, um sich gutes Spiel zu sichern?
Bleiben wir bei der Sichtweise von Yagis Kaan. Der Türke fand hier mit Schwarz einen starken nächsten Zug.
Eine Einschätzungsfrage: Ist hier das Schlagen mit dem Läufer auf d4 richtig, oder nicht?
Hier ist Arjun Erigaisi mit Weiß am Zuge. Wie sollte er warum hier fortsetzen und wie ist die Stellung einzuschätzen?
Keymer verliert erneut
Vincents Gegner kannte die Eröffnung offensichtlich besser als der Deutsche, war aber wohl mit Remis zufrieden. Vincent wich aus und stand sofort schlechter. Das erinnerte an dessen Partie vom Vortag als der US-Amerikaner Hans Niemann gegen ihn ebenfalls die Objektivität verlor.
Objektiv richtig war es für Weiß mit der eigenen Dame nach f3 zu ziehen und nach der schwarzen Antwort, die schwarze Dame zieht nach c2, kann Weiß seine Dame zurück nach d1 beordern und Nodirbek könnte mit dem Hinweis, seine Dame erneut nach g6 zu ziehen, dreimalige Stellungswiederholung erreichen. Angesichts des Turnierstands keine schlechte Idee für den Usbeken. Vincent zog stattdessen in der obigen Stellung seinen Läufer nach a5 und wurde kurzerhand mit dem Vorstoß des e-Bauern nach e5 ausgekontert.
Another win for Abdusattorov as top-seed Vincent Keymer resigns! He has now extended his lead to 5.5/7 🔥.
— Tata Steel Chess Tournament (@tatasteelchess) January 24, 2026
Gukesh verliert erneut
Anish Giri gewinnt seine erste Partie im Turnier und bringt gleichzeitig Gukesh in eine erste Minikrise. Vielleicht hat der grobe Fehler vom Tag zuvor seine Spuren hinterlassen. Beide Spieler liegen bei einem Minus-Eins-Score.
Fifty-Fifty-Frage: Welcher zu ist besser? Weiß kann mit seiner Dame nach b5 ziehen und den gegnerischen Turm auf e8 attackieren. Oder er schlägt einfach auf f5. Was ist besser?
Remis-Partien im Masters
Drei Partien endeten Remis. Lediglich Thai Dai Van Nguyen hatte von den sechs beteiligten Spielern so etwas wie einen dauerhaften leichten Vorteil. Letztlich hatte Nguyen kurz vor der Zeitkontrolle ein strukturell besseres Endspiel und daher realistische Chancen, mehr als einen halben Punkt zu erreichen. Seine Vorteile zu verdichten gelang ihm allerdings nicht. In der Partie zwischen den zwei Kandidaten scheint Matthias Blübaum seinem Gegner in eine vorbereitete Variante gelaufen zu sein, ihm gelang es aber die Stellung zusammen zu halten. Eine starke Verteidigungsleistung.
In dieser Stellung stehen die schwarzen Bauern angreifbar auf weißen Feldern (a6, b7 und d5). Sie sind dadurch vom gegnerischen Läufer angreifbar und Weiß hat einen stabilen Vorteil. Was ist vom Rückzug des Turmes nach c3 zu halten?
Lösung (Hier Klicken)
Nguyen spielte den Turmzug nach c3. Vladimir Fedoseev antwortete mit einem Turmschwenk nach b6. Der vorherige weiße Turmzug erweist sich als Tempoverlust, denn Schwarz will ohnehin seinen a-Bauern vorschieben, um später seinen Läufer mit Angriff auf den Bauern b2 abzuziehen. Mit einem Turm auf c5 ist der a-Bauer verlässlich gestoppt und Läuferabzüge können schlicht mit dem Doppelschritt des b-Bauern beantwortet werden. Es war in der Diagrammstellung besser den weißen Läufer via d3 mit dem Ziel f5 zu entwickeln. Schwarz hätte danach ein schweres Leben.
Paarungen der Kandidaten
Anish Giri
Praggnanandhaa
Sindarov
Bluebaum
Ergebnis
Anish Giri
X
Remis
Remis
Runde 10
1.0 – 1.0
Praggnanandhaa
Remis
X
Runde 12
Remis
1.0 – 1.0
Sindarov
Remis
Runde 12
X
Niederlage
1.5 – 0.5
Bluebaum
Runde 10
Remis
Sieg
X
0.5 -1.5
Inzwischen haben die Kandidaten einige Partien untereinander gespielt. Einzig entschiedene Partie war die Niederlage von Matthias Blübaum gegen Javokhir Sindarov.
Eline ohne Fortune
Partien von Eline Roebers machen oft viel Spaß. Das sagte mir mal ein Redakteur einer bekannten internationalen Website. Ihm kann man nur zustimmen. Solange sie noch etwas schwächer als ihre Gegner ist gilt das natürlich für Elines Partien mit den weißen Steinen. Manchmal verlaufen Partien allerdings auch tragisch. Nach einer sehr spannenden Partie kollabiert Eline in ihrer Partie gegen eine starken Großmeister. Schade.
Nach dem Ruhetag ist selbige schnell vorbei. Für die größte Bestürzung sorgte der grobe Fehler von Gukesh gegen Nodirbek Abdusattorov, der inzwischen die Führung übernommen hat. In überzeugender Manier gewann Vincent Keymer gegen Hans Niemann und bleibt vorne dran. Seinen ersten vollen Punkt sicherte sich der 14-jährige Türke Yağız Kaan Erdoğmuş.
Von Thorsten Cmiel
Die recht groben Fehler im Masters bleiben den Zuschauern erhalten. Es scheint jeden Spieler mal zu treffen. Diesmal war der indische Weltmeister Gukesh dran – ausgerechnet erneut gegen seinen Angstgegner Nodirbek Abdusattorov. Die beiden hatten 2022 in Chennai die entscheidende Partie um die Goldmedaille gespielt und Gukesh hatte eine vorteilhafte Stellung verspielt und am Ende sogar noch verloren. Vincent Keymer zeigte erneut eine hervorragende Leistung und Hans Niemann zeigte diesmal ernsthafte positionelle Schwächen. Er war zumindest an diesem Tag nicht in der Lage das Manövrierspiel des Deutschen mitzuhalten.
Vincent der Dominator
Hans lehnte im frühen Mittelspiel eine Art stilles Remis-Angebot von Vincent ab. Warum eigentlich? Berechtigte Frage, denn Hans war dem Deutschen positionell hoffnungslos unterlegen.
Hier rückte Hans Niemann mit Weiß seines d-Bauern ein Feld vor. Was ist davon zu halten?
Hier attackierte Hans mit seinem f-Bauern, den er zwei Felder vorrückte. Was ist davon zu halten?
In diesem Moment fand der deutsche Großmeister mit Schwarz ein sehr gutes Manöver. Vorschläge?
Weltmeisterliche Schachblindheit
Es ist weitgehend unergründet warum grobe Fehler und Aussetzer wie derjenige von Gukesh in der sechsten Runde passieren. Manchmal ist man schon einen Zug weiter und vergisst den davor auszuführen. Oder man hat eine Art Knoten in einfachsten Berechnungen. Es gibt einfach keine Erklärungen für solche Situationen, die offensichtlich nicht nur sterbliche Schachspieler, sondern auch Top-Spieler gelegentlich ereilen. Darf nicht passieren ist leichter gesagt als in der Praxis umgesetzt. Da können Coaches dutzendmal Blunder-Checks der Spieler anmahnen.
In dieser Stellung zog der indische Weltmeister Gukesh seinen Turm von g6 nach g5 und gab nach dem offensichtlichen nächsten Zug seines Gegners auf. Schachblindheit kommt immer wieder vor und jeder Turnierspieler kennt solche Momente aus eigener Erfahrung. Brutal. Nodirbek zeigte später im offiziellen Interview mit Fiona Stein-Antoni Mitgefühl mit seinem Gegner.
🚨The World Champion blunders and resigns instantly! This brings Nodirbek Abdusattorov to 4,5/6 with a chance to take sole lead in the #TataSteelMasters! 😱
— Tata Steel Chess Tournament (@tatasteelchess) January 23, 2026
Yağız Kaan Erdoğmuş punktet voll
Am Spieltag zuvor hatte der junge Türke noch nach hartem Kampf hinter sich greifen müssen. Diesmal lief es anders und der Junge aus der Millionenstadt Bursa, der bisher in Wijk eine solide Vorstellung auf der großen Bühne gibt.
Hier war Yagis Kaan mit weiß am Zuge und fand einen überzeugenden Zug, der ihm die Initiative sicherte. Was hat er gespielt?
Sollte Schwarz hier auf a3 den Bauern schlagen? Was könnte der Nachteil sein?
Weiß ist am Zuge. Welcher Zug ist ihm zu empfehlen?
Remis-Partien
Erneut gab es vier Unentschieden, die aber völlig unterschiedliche Spannungsverläufe aufwiesen. Lange Zeit sah es so aus als würden an diesem Spieltag die beiden Kandidaten Sindarov und Blübaum ihre Partien gewinnen können. Die beiden anderen Kandidaten vom Tabellenende, der Niederländer Giri und der Inder Praggnanandhaa, hatten keine Chancen in dieser sechsten Runde und spielten ebenfalls Remis. Pragg spielte eine Seeschlange mit 123 Zügen. Er verteidigte ein Turmendspiel mit einem Bauern weniger ohne größere Probleme gegen Vladimir Fedoseev. Das Freizeitangebot in Wijk und zudem während eines Schachturniers ist ohnehin nicht groß und erinnert an ein legendäres Interview bei dem der indische Großmeister Adibhan auf die Frage antwortete, ob er alle Verwicklungen in seiner komplexen Partie berechnet habe. Adhiban entlarvend ehrlich: „Ich hatte nichts anderes zu tun.“
Matthias mit vielen Chancen
Manche Kommentatoren bezeichnen den Inder Arjun Erigaisi als verrückt angesichts seiner vergleichsweise großen Risiken, die er in der Eröffnung bereits eingeht. So war es auch in dieser Partie. Dabei sollte man beachten, dass es Erigaisi war, der ausgangs der Eröffnung ganz ordentlich stand. Später wurde es allerdings lange Zeit eine einseitige Paarung. Matthias Blübaum gelang es allerdings nicht seine teilweise ordentlichen Vorteile zu verwerten. Für Matthias und sein Team dürfte das eine wichtige Partie gewesen sein. Gleichzeitig gibt die zweite Partie im Königsinder Anhaltspunkte für die eigene Spielweise auf Zypern.
Wie sollte Matthias mit Schwarz auf den Angriff gegen den eigenen g-Bauern am besten reagieren? Dieser Moment stammt aus einer kurzen Phase in der dem Deutschen die Partie etwas entglitten ist.
Das ist eine typische Stellung für den gefährlichen Spielstil von Arjun Erigaisi. Matthias Blübaum hat genau einen Zug, der nicht verliert, sondern ihm sogar weiterhin Vorteil sichert.
Entstanden ist eine komplexe Stellung. Weiß hat den gegnerischen Damenflügel unter Kontrolle und ist eindeutig vorzuziehen. Aber wie groß ist der Vorteil wirklich? Wie sollte Matthias Blübaum hier mit den weißen Steinen fortsetzen?
Remis mit Spannung pur
Beide Spieler operierten in dieser Partie teilweise am offenen Herzen. Vor allem der usbekische Kandidat konnte mehr erreichen als eine Punkteteilung. Kurz vor der Zeitkontrolle wurde es richtig kompliziert und beide Spieler blickten nicht mehr vollkommen durch.
Zuletzt hatte Sindarov auf den d5 einen Bauern geschlagen. Wie sollte der Inder hier mit Weiß reagieren?
Javokhir Sindarov muss seinen Kontrollzug (40.) ausführen. Was soll er spielen?
Zwei Kandidaten ohne Sieg – bisher
Anish Giri und Pragg spielen nicht einmal mit in diesem Turnier. Das muss nichts bedeuten für das Kandidatenturnier in zwei Monaten, aber das Tanken von Selbstbewusstsein durch ein gutes Abschneiden käme den Spielern und ihren Teams sicher auch gelegen.
Vladimir Fedoseev gewinnt nach einer kreativen Angriffsleistung gegen den Inder Arjun Erigaisi und geht mit Plus in den Ruhetag. Weltmeister Gukesh kam zu seinem ersten vollen Punkt und Vincent Keymer ist zurück im Geschäft. Im Challenger-Turnier dominiert Jugend über Erfahrung.
Von Thorsten Cmiel
Vincent Keymer steigt wieder ins Turnier ein. Sein Sieg gegen den Inder Aravindh erfolgte im besten Keymer-Stil und lässt ihn mit einem 50-Prozent-Score sicherlich etwas entspannter den Ruhetag zum Krafttanken nutzen. Arjun Erigaisi setzt seine Enttäuschungen fort. Nach der Eröffnung sah er früh wie der sichere Sieger aus. Einige belanglose eigene Züge beförderten das Comeback des Gegners. Später dann gab es eine unwirkliche Situation zu lösen und der Inder scheiterte. Die Begegnung der zwei Führenden zwischen Nodirbek Abdusattorov und Hans Niemann endete nach friedlichem Verlauf genau so. Aus deutscher Perspektive ist anzumerken, dass Matthias Blübaum nach seiner krachenden Niederlage am Vortag ein sicheres Remis einfahren konnte. Die Partie der beiden Kandidaten endete ebenfalls friedlich. In der Partie von Javokhir Sindarov gegen den jungen Türken Yağız Kaan Erdoğmuş entschied scheinbar ein recht grobes Versehen zugunsten des Usbeken. Die Partie bekam allerdings noch einen weiteren Schlenker nachdem der Usbeke seinen Vorteil zunächst verspielte. Im Turmendspiel scheiterte Yağız Kaan vermutlich an der geringen Restbedenkzeit. Seinen ersten Sieg verzeichnete Weltmeister Gukesh nach starker Leistung mit den schwarzen Steinen.
Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn nach jeder Runde auf den Tabellenstand eines Turniers zu schauen. Aber nach fünf von 13 Runden und vor einem anstehenden Ruhetag kann man eine erste kurze Bilanz ziehen. Zumindest ist jetzt klar wer einen Fehlstart hingelegt hat und insofern mit dem bisherigen Verlauf unzufrieden sein dürfte und beim wem es bisher läuft. Tabellen erstellt mit Chessbase 2026.
Zwischenstand Masters
Zwischenstand Challengers
Die größte Überraschung im Masters dürfte sein, dass mit Praggnandhaa und Giri zwei Kandidaten hinten im Feld zu finden sind. Die beiden deutschen Spieler sind mit 50 Prozent im Mittelfeld zu finden. Zwei Siege in zwei Tagen spülen Sindarov als zweiten Usbeken an die Spitze des Feldes. Nur der US-Amerikaner Hans Niemann kann bisher mithalten. Im Challengers-Turnier liegen die jungen Wilden vorne. Sehr gut halten sich Carissa Yip und die Kandidatin Bibisara Assaubaeva. Nach ihrem schwachen Start zu Beginn liegen die Niederländer weiter hinten. Nach drei Niederlagen in Folge liegt ausgerechnet der Turnierfavorit Velimir Ivic auf einem geteilten letzten Platz.
Partie und Zug des Tages
Die Begegnung zwischen Vladimir Fedoseev und Arjun Erigaisi war in gewisser Weise die aufregendste Begegnung des Tages. Zunächst sah alles nach einem erneuten Sieg für den Inder aus, der früh einen Bauern gewann, dann allerdings etwas uninspiriert agierte. Vladimir nutzte im Mittelspiel eine Unaufmerksamkeit des Gegners zunächst um auszugleichen und dann kam es noch schlimmer für Arjun.
Arjun hatte aus der Eröffnung heraus im frühen Mittelspiel gute Chancen. Hier stellt sich die Frage, wie sollte der Inder hier am besten fortsetzen?
Arjun verbleibt mit einem Mehrbauern. Seine Dame steht etwas exponiert. Es ergibt also Sinn die Dame wegzuziehen. Aber welche Feld bietet sich an?
Hier ist zunächst Schwarz am Zuge. Zu entdecken gilt es einen sehr starken Zug, den Fedossev nach der Partie für sich adelte.
Einen Halbzug später ist diesmal der Inder mit den weißen Steinen dran. Ab hier sind Rechenkünste gefragt. Zunächst sollte der Weiße das Schlagen des Turms auf c3 bewerten und dann eine Einschätzung wagen. Falls das Ergebnis nicht überzeugt, wird man eine Alternative für Weiß finden müssen.
Keymer mit Comeback
Eine gute Partie gelang Vincent Keymer gegen den Inder Aravindh. Der spielte ein aggressives Bauernopfer und war zumindest zeitlich deutlich besser aus den Startböcken gekommen. Vincent versuchte erst gar nicht die Eröffnungsvariante seines Gegners zu widerlegen. Der Inder fand im frühen Mittelspiel nicht die beste Fortsetzung und baute einen recht deutlichen Fehler ein, der es dem Deutschen ermöglichte, sein Zentrum endgültig zu stabilisieren. Einen weiteren schwächenden Zug später war es ganz aus.
Die Eröffnungsphase ist vorbei und Vincents König steht noch in der Mitte. auf der anderen Seite hat der Deutschen einen Mehrbauern. Welcher starke weiße Zug ist ihm vermutlich nicht schwergefallen?
Mit seinem letzten Zug hatte Aravindh auf g5 einen Springer geschlagen. Vincent kann jetzt das Material mitnehmen oder auf e3 den Läufer mitnehmen. Was ist ihre Empfehlung?
Nach welchem schicken Schlusszug von Vincent gab der Inder Aravindh auf?
Gukesh legt los
In der ersten Runde hatte Gukesh den Gewinn verspielt, aber in allen Partien danach solide Leistungen gegen seine Landleute gezeigt. Diesmal klappte der Gewinn nach einer erneut soliden Partie mit den schwarzen Steinen.
Sindarov mit Verwertungsschwächen gegen Erdoğmuş
Der usbekische Kandidat Javokhir Sindarov konnte nach einem groben Versehen des Türken gleich zweimal den sprichwörtlichen Sack zumachen. In beiden Fällen verspielte er seinen Vorteil wieder. Dabei dürfte sein deutscher Trainer besonders aufmerksam den Zeitverbrauch seines Schützlings beobachtet haben. Letztlich gewann Sindarov die Partie im Turmendspiel mit Hilfe seines Gegners doch noch. Damit rückt Sindarov zu Hans Niemann und Nodirbek Abdusattorov auf.
Wie sollte der junge Türke hier im 32. Zug mit Schwarz fortsetzen?
Lösung (Hier Klicken)
Erneut ist hier Yagiz Kaan am Zuge. Das Turmendspiel bietet gute Remischancen, da der verteidigende Turm den a-Bauern von hinten attackieren kann. Was sollte der 14-jährige Türke tun und wie sollte er seine Verteidigung organisieren?
Lösung (hier Klicken)
Spitzenreiter verstecken sich
Die Partie von Hans Niemann und Nodirbek Abdusattorov endete recht leistungsgerecht Unentschieden. Lediglich der US-Amerikaner konnte während der Partie phasenweise etwas Druck aufbauen, konnte aber in keiner Phase seine angesammelten Vorteile weiter verdichten.
Ausgeglichenes Kandidaten-Duell
Praggnanandhaa und Anish Giri sind beide sicherlich mit ihrem bisherigen Abschneiden unzufrieden. Insofern konnte man zwei eher friedlich eingestellte Spieler erwarten, die ihre Probleme vor dem Kandidatenturnier nicht noch weiter verschärfen wollten. Spät in der Partie kam es dann zu einer Situation, die im Team Pragg kurzzeitig Panik ausgelöst haben dürfte.
Praggnanandhaa hatte zuletzt seine Dame von e3 nach d4 gezogen, statt auf c5 zu tauschen. Das war eigentlich ein riskantes Unterfangen und der virtuelle Helfer reklamiert Vorteil für Giri nach Schlagen auf a3. Die Niederländer war aber schon mit den Gedanken im Ruhetag und tauschte die Damen auf d4. Kurze Zeit später endete die Partie unentschieden. Glück diesmal nicht für Giri.
Matthias Blübaum konsolidiert
Paarungen der Kandidaten
Anish Giri
Praggnanandhaa
Sindarov
Bluebaum
Anish Giri
X
Remis
Remis
Runde 10
Praggnanandhaa
Remis
X
Runde 12
Runde 7
Sindarov
Remis
Runde 12
X
Niederlage
Bluebaum
Runde 10
Runde 7
Sieg
X
Ergebnisse Masters
Ergebnisse Challengers
Elines Angriffspartie
Nach schwierigem Start (0 aus 4) zeigte Elise Roebers ihre wirkliche Spielstärke. Es ist immer erfreulich Spieler nach einem wichtigen Sieg zu sehen. Es bleibt zu hoffen, dass die Niederländerin jetzt ins Turnier findet und ihren Gegnern zumindest etwas entgegensetzen kann.
Historisches Foto: José Raúl Capablanca. Illustration: NanaBanana.ai.
Der Kubaner José Raúl Capablanca (1888 – 1942) war der dritte Weltmeister in der Geschichte des Schachspiels. Capablanca gehört zu den anerkannt besten Spieler aller Zeiten. Ihm sei diese neue Serie von Schachaufgaben gewidmet. Wir lösen damit die Lasker-Aufgaben ab.
Beginnen wir mit einer einfachen Aufgabe. Schwarz am Zuge gewinnt.
Lösung (Hier Klicken)
Weiß ist hier am Zuge und gewinnt wie am einfachsten?
Lösung (Hier Klicken)
Weiß muss sich zweier gegnerischer Freibauern erwehren. Wie stellt er es am besten an?
Lösung (Hier Klicken)
Oldie but Goldie. Aus dem frühen Schaffenswerk von Gary Kasparow. 1981 gab es eine Team-Weltmeisterschaft, die es inzwischen nicht mehr gibt trotz über 150 Weltmeisterschaften.
Lösung (Hier Klicken)
In praktischen Partien begegnen den Spielern in jeder Turnierpartie unterschiedliche Aufgaben und nicht immer sind es einfache Taktiken. Insofern finde ich neben thematischen Aufgabenzusammenstellungen einen Mix aus unterschiedlichen Aufgabentypen hilfreich.
Hinweis
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Im Duell der Kandidaten gewannen der Usbeke Javokhir Sindarov gegen Matthias Blübaum mit einem taktischen Ausrufezeichen. Nodirbek Abdusattorov punktete gegen Thai Dai Van Nguyen und ser US-Amerikaner Hans Niemann zeigt sich bisher in guter Form. Im Challengers-Turnier gab es erneut sechs entschiedene Partien. Dort führt der Aseri Aydin Suleymanli mit 3.5 Punkten.
Von Thorsten Cmiel
Herausragend war der Sieg von Hans Niemann gegen den Inder Aravindh Chitambaram aus Chennai. Die Partie könnte als Musterpartie beim Ausnutzen gegnerischer Ungenauigkeiten herangezogen werden. Die anderen entschiedenen Partien steuerten diesmal die zwei Usbeken bei. Nodirbek Abdussattorov hatte lediglich eine kurze Schwächephase gezeigt, aber ansonsten eine starke Leistung gezeigt. Matthias Blübaum reihte sich in die teilweise absurd erscheinenden Niederlagen im Masters 2026 ein. Tragisch war wieder mal der Verlauf in der Partie von Arjun Erigaisi, der Anish Giri bereits am Haken hatte, aber dann im Endspiel einen kurzen Moment unaufmerksam war. Die Begegnung von Pragg und Gukesh hielt diesmal nicht was man sich von der Chennai-Stadtmeisterschaft versprechen konnte und endete im Dauerschach. Vincent Keymer konsolidierte mit seiner Schwarzpartie.
Deutscher Kandidat mit taktischer Schwäche
Nur einen Tag lang konnte Matthias Blübaum seine Position vorne im Feld genießen. In der vierten Runde gelang es ihm zunächst eine hoffnungsvolle Stellung aufzubauen. Dann traf der Deutsche, mit ordentlichem Zeitvorteil ausgestattet, mit etwas zeitlichem Abstand zwei schlechte Entscheidungen und verlor ausgerechnet gegen einen anderen Kandidaten, Javokhir Sindarov. Taktische Schwächen sind leider bei den deutschen Großmeistern keine Seltenheit und so kam es als Folge zur ersten und unnötigen Niederlage von Matthias Blübaum.
Hier kann Matthias Blübaum auf a4 einen Bauern schnappen. Aber ist ihm das zu empfehlen? Falls es nicht der Bauer sein soll, was dann?
Es sieht nach baldigem Dauerschach auf h3 und g3 aus. Mit seinem Turmzug nach e6 hat der Usbeke Sindarov die gegnerische Dame auf d6 attackiert. Wie sollte Matthias Blühbaum reagieren und vor allem wie nicht?
Sollte der Usbeke hier das Dauerschach auf den Feldern g3 und h3 geben, oder gibt es einen letzten Versuch doch noch etwas mehr zu erreichen?
Partieanalyse und Lösungen (Hier Klicken)
Hans im Spielrausch
Großes Kino: Hans Niemann spielte mit Schwarz und vertauschten Farben einen Maroczy-Aufbau gegen den „Drachen“ des Gegners. Es ist immer wieder erstaunlich wie wenig positiv sich der Anzugsvorteil hier für Weiß auswirkt. Hans übernahm früh die Kontrolle und erlaubte seinem Gegner an keiner Stelle Hoffnung auf einen halben Punkt zu entwickeln.
In dieser bekannten, aber heutzutage eher selten gespielten Eröffnung hatte der Inder zuletzt seinen a-Bauern gezogen. Was ist seine Idee und worauf sollte Hans Niemann hier achten?
Nodirbek Abdussattorov in guter Frühform
Die entstandene Bauernstruktur in der folgenden Partie kann aus ganz unterschiedlichen Eröffnungen entstehen. Die Partie hat insofern eine ganz grundsätzliche Bedeutung. Allerdings zeigt sich, dass Thai Dai Van Nguyen lange Zeit gut mithalten kann.
Prestigeduell endet mit Punkteteilung
Weltmeister Gukesh und Praggnanandhaa sind keine Freunde, sondern in erster Linie Rivalen, die sich in ihren Partien gegeneinander wenig schenken. Die Begegnungen der beiden Jungs aus Chennai sind oft aufregend. Diesmal war der Verlauf vergleichsweise ausgeglichen und die Partie endete mit Dauerschach im Damenendspiel.
Der niederländische Glückspilz
Anish Giri verbraucht bereits zu Beginn des Jahres sein Kontingent an Glück für 2026. Das ist angesichts seiner bisherigen zwei Niederlagen als These vielleicht etwas steil, aber Anish wurde vom Inder Arjun Erigaisi überspielt und hatte in jeder seiner vier Partien mindestens einmal auf Verlust gestanden. Wie gegen Javokhir Sindarov half sein Gegner erneut unfreiwillig kräftig mit, damit Anish nicht erneut verliert.
Die schwarzen Figuren sind erkennbar besser postiert. Wie sollte Anish Giri hier warum seine Verteidigung organisieren?
Weitere Remis-Partien
Vincent Keymer konsolidierte nach seinen zwei Niederlagen und spielte gegen den türkischen Junior im Turnier eine vergleichsweise ereignislose Partie. In der Begegnung von Vladimir Fedoseev und Jorden Van Foreest kam es lediglich im Turmendspiel zu einem Aussetzer, der aber nicht bestraft wurde. Erneut zeigen Teilnehmer Schwächen im Endspiel.
Die Partie war bis hierher ausgeglichen verlaufen. Hier ist der Niederländer Jorden Van Foreest als Schwarzspieler am Zuge. Wie sollte er fortsetzen? Das Endspiel hatte noch zwei weitere bemerkenswerte Momente zu bieten.
Lösung und Turmendspiel (Hier Klicken)
Paarungen der Kandidaten
Anish Giri
Praggnanandhaa
Sindarov
Bluebaum
Anish Giri
X
Runde 5
Remis
Runde 10
Praggnanandhaa
Runde 5
X
Runde 12
Runde 7
Sindarov
Remis
Runde 12
X
Niederlage
Bluebaum
Runde 10
Runde 7
Sieg
X
Ergebnisse Masters
Ergebnisse Challengers
Nach drei Niederlagen in Folge gewann der niederländische Großmeister Erwin L’Ami endlich eine Partie. Sein Gegner war ausgerechnet Vasyl Ivanchuk, der am Tag zuvor noch für etwas Aufregung sorgte.
Sollte Weiß hier einen Zug nach dem Kontrollzug auf b7 den Bauern schlagen? Wie sollte Schwarz darauf reagieren und wie ist danach die Stellung einzuschätzen?
In der dritten Runde standen die Begegnungen von Landsleuten im Mittelpunkt des Masters. Zweimal gewann der vermeintlich schwächere Spieler. Matthias Blübaum zeigte warum er als Underdog ein gefährlicher Gegner auch im Candidates sein dürfte. Im Challenger-Turnier gab es einen blutigen Montag. Sechs Partien wurden entschieden.
Von Thorsten Cmiel
Im deutschen Duell betraten beide Spieler in der Abtauschvariante des Damengambits zunächst sehr solide Pfade. Es sah früh nach Damentausch und einem Positionskampf im damenlosen Mittelspiel aus. Vincent Keymer verfolgte jedoch ehrgeizigere Pläne und hatte zuletzt seinen h-Bauern ein Feld nach vorne geschoben.
Matthias Blübaum fand einen Weg, um das Geschehen auf dem Brett ein wenig zu seinen Gunsten zu wenden. Matthias ist zweimaliger Europameister und muss sich dennoch auf der großen Bühne erst noch beweisen. Gegen Vincent zeigte er seine ganze Klasse. Ein Zug genügt allerdings nicht, um die Initiative zu gewinnen.
Lösung (Hier Klicken)
Matthias gab hier zunächst auf h4 mit seinem Läufer ein Schachgebot. Die Pointe war, dass sein Gegner nicht mit g2-g3 reagieren konnte, da Schwarz diese einfasch schlagen kann und sich danach via Turmschach auf e3 das Material zurück holen könnte. Nach dem Königszug nach d2 als Antwort auf das Schachgebot zog Matthias seine Dame zurück nach d8 und verzichtete auf den Damentausch. Ein starker Zug. Schwarz kann bereits eine kleine Initiative reklamieren.
Foto: Lennart Ootes (Tata Steel Chess)
Lösung (Hier Klicken)
Die Bauernstruktur ist solide in eher orthodoxen Stellungstypen (eine erneute Carlsbader Struktur), aber Matthias Blübaum erkennt hier seine Chance und greift beherzt zu. Er erkannte richtigerweise, dass das wichtigste Stellungsmerkmal der im Zentrum gefährdet stehende gegnerische König etwas mehr Aufmerksamkeit benötigt. Matthias zog seinen c-Bauern ein weiteres Feld nach vorne und drohte zunächst den c-Bauern noch weiter vorpreschen zu können. Vincent Keymer fand nichts besseres als auf c5 zu tauschen. Vincents Stellung war bereits ein Trümmerhaufen und auch ein Bauernopfer und ein Turmtausch brachten in der Folge keine Entlastung mehr. Matthias gewann eine von seiner Seite fehlerfreie Partie an der nicht einmal eine normalerweise kritische Maschine etwas auszusetzen hatte.
Foto: Lennart Ootes (Tata Steel Chess)
Im Interview mit Theo Waits von Lichess gab es die Bestätigung, dass Matthias Blübaum mit Rasmus Svane als Sekundant angereist ist. Die beiden kennen sich schon aus Zeiten der Prinzen-Gruppe, einem ehemaligen Förderprogramm des deutschen Schachbundes.
So erfreulich der Start von Matthias Blübaum bisher gelang, so wird es vermutlich nicht weitergehen. In dem sehr langen Turnier dürfte der deutsche Kandidat noch einige kritische Momente erleben und genau dafür spielt er in Wijk mit. An schwierigen Momenten wachsen Schachspieler. Eine andere Ausgangssituation hat Vincent Keymer, der als Favorit ins Turnier gestartet ist und jetzt nach zwei Niederlagen in Folge seine erste Minikrise bewältigen muss. Vincents Trainer Peter Leko wird Vincent sicherlich einige hilfreiche Ratschläge geben können. Vermutlich muss der deutsche einfach gedanklich ein neues Turnier beginnen.
Giri verliert erneut
Die zwei Kandidaten Anish Giri und Praggnandhaa sind beide mit einem halben Punkt aus drei Partien fehlgestartet. Insbesondere der Niederländer wirkte in seinen bisherigen Partien unaufmerksam. Der Niederländer scheint seinen bisher eher schwachen Auftritt leicht zu nehmen, zumal die Partie der dritten Runde phasenweise von Giri hervorragend gespielt wurde. Vielleicht hilft ihm das Wissen darum, dass der US-Großmeister Fabiano Caruana vor dem Gewinn des Kandidatenturniers in 2018 ein schlechtes Turnier in Wijk spielte (5.0 Punkte aus 13). Damals gewannen Giri und Magnus Carlsen mit neun Punkten.
Die Partie gegen Jorden Van Foreest war engagiert gespielt vom Kandidaten Giri. Nachdem er eine gute Chance ausgelassen hatte, missglückte ihm allerdings eine positionelle Entscheidung im 30. Zug. Der entscheidende Fehler unterlief Giri im 37. Zug, also kurz vor der Zeitkontrolle. Anish hatte etwas mehr als 7 Minuten übrig und zog zu schnell. Diesmal konnte er sich nicht mehr erholen und verlor das von seinem Gegner stark gespielte Endspiel deutlich.
Foto: Lennart Ootes (Tata Steel Chess)
Der Springer auf e6 gibt Weiß Hoffnung auf mehr als nur einen halben Punkt. Wie sollte sich Anish Giri hier mit Schwarz verteidigen? Mit etwas mehr als sieben Minuten für vier Züge blieb dem Kandidaten genügend Zeit die Stellung zu verstehen. Was ziehen? Giri zog schnell und lag daneben.
Foto: Lennart Ootes (Tata Steel Chess)
Foto: Lennart Ootes (Tata Steel Chess)
Unkommentierte Remis-Partien
Wijk aan Zee ist traditionsgemäß mit 13 Runden eines der anstrengendsten Turniere auf der Tour. Da hilft es sich gelegentlich eine Auszeit zu gönnen und nicht zu viel zu versuchen. Die meisten der fünf Remispartien der dritten Runde waren umkämpft, aber es gelang keinem Spieler ein ausreichendes Ungleichgewicht zu schaffen.
Foto: Lennart Ootes (Tata Steel Chess)
Beide Fotos: Lennart Ootes (Tata Steel Chess)
Ergebnisse Masters 2026
Ergebnisse Challengers 2026
Moment des Tages
Der legendäre Vasyl Ivanchuk ist bekannt für manche dramatische Momente. Da in beiden Turnieren in den ersten 40 Zügen ohne Inkrement gespielt wird, ist die Situation aus seiner Partie normalerweise undenkbar. Nach 39 Zügen zeigte die Uhr eine Sekunde an. Die Stellung sah so aus:
Velimir Ivic steht mit Weiß hier vor seinem 40. Zug. Mancher Kommentator schlug vor als Überraschungsidee auf g6 mit der Dame zu schlagen. Ivic zog stattdessen seinen e-Bauern vor und der Ukrainer reagierte mit seinem Turm, den er nach e8 zog. Die Uhr sprang nicht um und Vasyl gewann später. Objektiv war der e-Bauernzug zudem keine gute Idee.
Ivanchuk had ONE SECOND to make the last move before getting any extra 30 minutes, and he made it! 😆 the whole venue burst out in applause pic.twitter.com/FOUvHN53fS