Wer die Partien ohne Kommentare nachspielen oder herunterladen möchte, der ist hier richtig. Die erste beendete Partie ohne größere Höhepunkte beendeten der US-Amerikaner Hikaru Nakamura und der deutsche Großmeister Matthias Blübaum. Es folgte das Remis der beiden führenden Spieler Anish Giri und Javokhir Sindarov aus Usbekistan, der sein erstes Kandidatenturnier souverän nach Hause brachte. Fabiano Caruana spielte eine starke Partie mit Figurenopfer scheiterte dann aber vor der Zeitkontrolle und remisierte gegen den Inder Praggnanandhaa.
Die Partien sind sortiert in der Reihenfolge in der sie beendet wurden.
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Wer die Partien ohne Kommentare nachspielen oder herunterladen möchte, der ist hier richtig. Vor allem die Spielerinnen mit Chancen und deren Partien hatten eine Bedeutung für den 13. Spieltag. Zunächst gewann die Kasachin Bibisara Assaubaeva ihre Partie gegen Anna Muzychuk aus einem besser stehenden Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern heraus. Vaishali konnte ihre lange Zeit schlechter stehende Partie gegen Tan Zhongyi halten und im Verlauf etwas überraschend verlor Zhu Jiner ihre Partie gegen die Russin Aleksandra Goryachkina und liegt jetzt einen halben Zähler hinter den zwei führenden Spielerinnen.
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Das Turnier der Kandidatinnen lebt bisher nicht von der Qualität der Partien. Dort marschiert auch keine Spielerin durch wie in der offenen Klasse ein junger Usbeke. Das Frauenturnier ist aber viel spannender. Zwei Runden vor Schluss haben realistischerweise noch vier Frauen Chancen auf den WM-Kampf gegen Ju Wenjun.
Von Thorsten Cmiel
Theoretisch können sogar noch sechs Spielerinnen hoffen sich für die Stichkämpfe zu qualifizieren. Dafür müssten aber vor allem die beiden Spielerinnen vorne eine weitere Partie verlieren und keine der beiden Spielerinnen darf eine Partie mehr gewinnen, die Russinnen Aleksandra Goryachkina und Kateryna Lagno müssten beide Partien gewinnen und auch die Spielerinnen auf dem geteilten dritten Platz dürften nicht mehr als einen Punkt holen. Das sieht mehr nach Zahlenspielen als nach einer seriösen Prognose aus. Die wahrscheinlichsten Siegerinnen liegen auf den Plätzen eins bis vier und mit deren Restprogramm und ihrer bisherigen Form beschäftigen wir uns kurz.
Ausgangslage nach 12 Runden
Paarungen in Runde 13 und Runde 14 des Frauen Kandidatenturniers 2026
Die Equalizer-Partie
In der zwölften Runde hatte die indische Großmeisterin Vaishali einen vollen Punkt mehr als ihre Gegnerin, die Chinesin Zhu Jiner. Die Partie nahm einen bizarren Verlauf, da die Inderin ihre Gegnerin zwar überraschte, dann aber in völlig unverantwortliche längere Denkphasen verfiel. Letztlich entschied die geringe Restzeit über das Partieergebnis. Der Partieverlauf selbst war gar nicht dramatisch aus Sicht der Inderin, aber es fühlte sich im Verlauf und für die Spielerin schlechter an als objektiv gerechtfertigt. Es ist auffällig wie sowohl Vaishali als auch ihr Bruder Pragg am bekannten Problem eines eigenen schlechten Zeitmanagements leiden.
Die Stellung ist anspruchsvoll. Die Inderin bleiben noch 16 Minuten und ein Schnaps für 24 Züge. Objektiv betrachtet ist das bereits eine größere Unwucht, die nur gerechtfertigt ist, wenn man wie der russische Großmeister Alexander Grichuk ein Experte für Zeitnot ist und sich sehr tief in die Stellung eingegraben hat und dann besonders aktiv spielt.
Es gab für beide Spielerinnen in dieser Partie mehrere Momente besser zu agieren. Hier ist die Inderin im 25. Zug dran. Wenn man prinzipiell agiert, dann findet man diesmal sogar den richtigen Zug. Nur andeutungsweise zeigt sich bei der Variantenprüfung wie schwierig es ist, den richtigen Pfad zu finden. Über zehn Minuten Zeitnachteil (4.49 zu 15.16) sind jedoch ein wichtiger Ergebnisfaktor, denn ein fehlerfreies Spiel ist bei einer derart komplexen Stellung kaum möglich..
Zhu Jiner (China)
Die chinesische Favoritin hat sich durch ihren Sieg in der zwölften Runde wieder ins Spiel gebracht. Gegen die zwei Inderinnen hatte Zhu dreieinhalb Punkte geholt. Ansonsten war ihr Spiel bisher eher unter ihren Erwartungen. Vielleicht macht der stärkste Sekundant, Ivan Cheparinow, im Frauenfeld diesmal den Unterschied. In der dreizehnten Runde spielt Zhu Jiner mit Weiß gegen die Russin Aleksandra Goryachkina, die Zhu in der siebten Runde geschlagen hat (die Runden 13 und 14 wurden getauscht im Vergleich zu den Runden 6 und 7). Sämtliche vier Partien der beiden Spielerinnen gegeneinander endeten im Unentschieden. Die Entscheidung im Turnier könnte in der letzten Runde fallen, wenn Zhu mit Schwarz gegen Anna Muzychuk spielt. Insbesondere wenn beide Spielerinnen noch im Rennen sind. Die Erfahrungen mit Nervenstärke sprechen eindeutig für die Chinesin.
Vaishali (Indien)
Ihre erste große Chance hat Vaishali schon vergeben in der zwölften Runde. Für die Inderin spricht das scheinbar leichtere Restprogramm im Turnier. Vaishali ist als Spielerin mit der schlechtesten Elozahl angetreten und schlägt sich insofern gut bisher. In der dreizehnten Runde spielt Vaishali mit Schwarz gegen die Siegerin des Kandidatenturniers von Toronto 2024, die Chinesin Tan Zhongyi. Ihre Ergebnisse gegen Tan sind bislang eher zugunsten der Chinesin ausgefallen. Diese hatte in der Hinrunde den gröbsten Fehler im Turnier auf das Brett gezaubert, als sie ihren eigenen Turm völlig unnötig auf die lange Diagonale a1-h8 zog und sich selbst ausschaltete. Auch die zweite Gegnerin der Inderin musste im Hinspiel einmal hinter sich greifen. Gegen die Russin Kateryna Lagno könnte sich für Vaishali diesmal mit Weiß eine weitere gute Chance ergeben.
Bibisara Assaubaeva (Kasachstan)
Die zwei verbliebenen Spielerinnen müssen einen halben Punkt aufholen. Eine Vorentscheidung könnte bereits in der dreizehnten Runde erfolgen, wenn die Kasachin im Verfolgerduell gegen ihre punktgleiche Kontrahentin Anna Muzychuk spielt. Klar ist: Wer die Partie verliert, ist endgültig aus dem Rennen. In der letzten Runde spielt Bibisara mit Schwarz gegen die Inderin Divya Deshmukh, die zuletzt völlig von der Rolle zu sein schien.
Pures Chaos auf dem Brett. Hier ist die Schwarzspielerin am Zuge und kann wie ihren Vorteil sichern? Die Russin hatte die klar schlechtere Zeit, musste aber nur noch sechs Züge in ebenso vielen Minuten absolvieren. Sie spielte nach wenigen Sekunden eine typische Zeitnot-Idee, die aber nicht wirklich durchdacht war.
Der Kontrollzug steht an. Wie sollte die Russin hier mit Schwarz am besten fortsetzen? Lagno reagierte hier mit über anderthalb Minuten zu schnell und musste ihre Entscheidung sofort bereuen.
Anna Muzychuk (Ukraine)
Die Ukrainerin ist als Nachrückerin kurzfristig ins Turnier eingestiegen und lag zur Halbzeit vorne. Dann folgte in der achten Runde eine absurde Partie gegen Divya Deshmukh. In Zeitnot verlor Anna zunächst ihren Vorteil und reichte dann sogar einen ganzen Punkt herüber. In der zwölften Runde konnte die Ukrainerin gegen die Russin Goryachkina in einem Turmendspiel gewinne, ihr versagten aber erneut die Nerven. Dabei hatte Anna die meisten schwierigen Momente vorher souverän umschifft. Falls Anna das Duell mit Bibisara in der dreizehnten Runde nicht verliert, dann kommt vielleicht ihre große Chance in der letzten Runde gegen die Chinesin Zhu Jiner mit Weiß.
In dieser Stellung musste Anna Muzychuk nur noch einmal aufpassen. Es ist mehr Wissen als Rechnen gefragt, insofern überrascht, dass die Ukrainerin hier eine Verteidigungsidee ihrer Gegnerin übersah. Wie sollte sie hier fortsetzen?
Manchmal findet man in Partien oder Turnieren interessante, überraschende Parallelen. Zweimal hatte der chinesische Großmeister größere Sorgen mit den weißen Steinen. Zweimal konnten seine Gegner ihn mit dem gleichen Zug ausschalten. Nur der Dominator fand den Zug und zwar einige Runden vor dem niederländischen Großmeister Anish Giri, der scheiterte.
Von Thorsten Cmiel
In der sechsten Runde gewann Javokhir Sindarov bereits seine fünfte Partie und die Konkurrenten im Kandidatenturnier in Pegeia auf Zypern gaben spätestens danach die Hoffnung auf den einzig relevanten Platz auf. Beginnen wir mit der folgenden Stellung aus der sechsten Runde. Hikaru Nakamura gab an, bereits nach seiner Niederlage in Runde 5 die Hoffnung aufgegeben zu haben. Fabiano Caruana gab schon die vierte Runde, da hatte er gegen den Usbeken verloren, als entscheidend an. Ich vermute würde man den Inder Praggnanandhaa fragen welche Runde ihm den Schneid gekostet hat, dann würde dieser ohne zu zögern die dritte Runde nennen, genau in dieser Runde hatte er gegen Javokhir hinter sich greifen müssen.
In dieser Stellung spielte Javokhir den nicht schwer zu entdeckenden Zug mit der Dame nach e3. Wei Yi nahm daraufhin seine Dame in die Hand und wollte sie nach h4 stellen. Plötzlich zögerte er und setzte die Dame doch nicht ab. Von seinen etwas mehr als fünf Minuten für neun Züge investierte der Chinese danach etwa dreieinhalb Minuten und zog die eigene Dame letztlich nach f3. Er hatte gesehen, dass nach dem geplanten Damenzug nach h4 sein Gegner seine Monarchin nach g3 gezogen hätte und die Grundreihe ein Problem wäre.
In der zwölften Runde hatte Wei Yi wieder eine schwierige Stellung und sein Gegner, diesmal der niederländische Großmeister war in der folgenden Stellung am Zuge.
In dieser Stellung konnte Anish seine Dame ebenfalls nach e3 ziehen. Allerdings waren die zu berechnenden Varianten deutlich komplexer und wegen des geschwächten schwarzen Königs schwieriger zu berechnen als bei Javokhir einige Runden zuvor. Weiß musste zwei Antworten prüfen zum einen natürlich das Schachgebot mit der weißen Dame auf d5 und den Zwischenzug mit dem c-Bauern, der den gegnerischen Turm attackiert sowie Kombinationen dieser Züge.
Wie sollte der Niederländer hier weiter fortsetzen? Für menschliche Rechenkünste sind solche Stellungen nach über fünf Stunden intensiver Arbeit nur schwierig zu lösen und Anish fand hier in der Tat nicht den überzeugendsten Weg. Es ist natürlich einfach als Fan oder Journalist auf die besten Züge zu verweisen, aber jeder Schachspieler kennt solche Situationen aus eigener Erfahrung und versteht instinktiv, dass die Sache nicht einfach zu lösen ist. Auch wenn die Lösung hier naheliegend zu sein scheint.
Die letzte und entscheidende Spielphase kann im über fünfstündigen Video hier bei Youtube abgerufen werden. Nachdem Anish Giri seine Dame nach d5 zieht bemerkt der Chinese sehr schnell, dass die entstandene Stellung bereits dreimal auf dem Brett steht, wenn er seinen König nach g2 zieht. Wei Yi hält Ausschau nach einem Schiedsrichter (etwa 1.36 Restzeit). Er schreibt seinen Zug auf, aber er führt ihn auf dem Brett nicht aus, sondern bittet per Handsignal darum, dass ein Schiedsrichter vorbei kommt. Das ist die richtige Prozedur. Er stellt nach dem Ruf des Schiedsrichters die Uhr ab (Restzeit 1.32), was Turnierspieler ungerne machen, weil sie bei Gegner für Verwirrung sorgen könnten – hat mein Gegner soeben aufgegeben? Aber hier war alles in Ordnung.
Anish Giri fragt, ob er sich die Prüfung anschauen könne, bekommt offenbar ein ja und verschwindet ebenfalls vom Brett. Was dann passiert ist, wurde vor allem mit Fotos dokumentiert. Eine Frage stellte sich doch, denn auf dem Foto ist zu sehen, dass der Zug des Königs nach g2, den Wei Yi angekündigt hat, ausgeführt ist. Tatsächlich hatte die Schiedsrichterin den Zug auf das Brett gebracht. Hätte Wei Yi den Zug ausgeführt und erst danach reklamiert, dann wäre die Reklamation fehlerhaft gewesen. Puristen werden sich danach vermutlich streiten, ob der Zug ausgeführt wurde, weil die Uhr ja nicht gedrückt, sondern angehalten wurde. Aber dazu gibt es vermutlich schon haufenweise Urteile von Schiedsgerichten.
Die Spieler besprechen sich kurz und kommen sofort zu dem Moment in dem die schwarze Dame nach e3 ziehen konnte. Anish bringt den Einwand des Bauernzuges nach h3. Nach etwas Nachdenken schlägt Wei Yi den Vormarsch des f-Bauern vor und die Spieler stellen die Figuren aufs Brett, da sie offenbar beide erschöpft sind.
Wir halten fest: Javokhir bekommt die Variante mit dem Damenzug nach e3 inklusive dem Bauernzug f4-f3 zum Laufen und sein direkter Verfolger nicht. Ein kleiner, aber feiner usbekischer Unterschied.
Wer die Partien ohne Kommentare nachspielen oder herunterladen möchte, der ist hier richtig. Die erste beendete Partie war heute die Begegnung zwischen dem Spitzenreiter Javokhir Sindarov und Hikaru Nakamura. Die beiden Spieler fanden schnell zueinander und beendeten die Partie nach 35 Minuten. Anish Giri spielt in der 13 Runde gegen den Usbeken Sindarov an und ein Sieg gegen den Chinesen Wei Yi war notwendig, um noch im Rennen zu bleiben. Der Niederländer verpasste seine Chance.
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Wer die Partien ohne Kommentare nachspielen oder herunterladen möchte, der ist hier richtig. Die Spitzenpaarung zwischen der Inderin Vaishali und Zhu Jiner endete mit einem klaren Sieg der Chinesin. Anna Muzychuk aus der Ukraine spielte eine starke Partie, aber vergab eine weitere gut Chance auf einen vollen Punkt. Das Feld ist inzwischen zweigeteilt. Keine Spielerin hat fünfzig Prozent (sechs Punkte).
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Wer die Partien ohne Kommentare nachspielen oder herunterladen möchte, der ist hier richtig. In der elften Runde konnte die Inderin Vaishali ihren Vorsprung weiter ausbauen. Dabei profitierte sie von einem weiteren recht groben Fehler einer Gegnerin, diesmal verlor die Russin Aleksandra Goryachkina eine Qualität, also einen Turm im Austausch mit einer Leichtfigur. Die anderen Partien endeten mit Remis.
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Wer die Partien ohne Kommentare nachspielen oder herunterladen möchte, der ist hier richtig. Die erste beendete Partie war eine schnelle dreifache Stellungswiederholung in der Partie von Hikaru Nakamura und Wei Yi. Im Verlauf bekam Fabiano Caruana leichte Chancen gegen Javokhir Sindarov, er fand, genau wie Anish Giri heute, keinen Weg zum Sieg und remisierte die längste Partie in der offenen Klasse. Der deutsche Großmeister Matthias Blübaum hatte in seiner Partie etwas Glück und nach einer Achterbahnfahrt endete auch diese Partie friedlich.
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Sekundanten dürfen in den ersten zehn Minuten zuschauen. Diesmal waren die Sekundanten von Fabiano Caruana, Großmeister Ioan-Cristian Chirilă (35), und Javokhir Sindarov, Großmeister Mukhiddin Madaminov (19), dabei. Das zeigt die Bedeutung, die beide Teams dieser Begegnung gegeben haben.
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Auf Zypern passiert Großes. Keiner spricht mehr über Magnus Carlsen, Analperlen oder andere Unappetitlichkeiten, dabei kam gerade eine neue Dokumentation heraus. Nicht mal Hikaru Nakamura will sich die Netflix-Serie anschauen, welche die Geschichte des Schachdramas nacherzählt. Alle reden hier vom Dominator, den offenbar niemand stoppen kann. Javokhir Sindarov ist sein Name, einer der die Schachwelt regieren könnte.
Von Thorsten Cmiel
Geboren wird ein neuer Superstar im Schach, in Pegeia und in Echtzeit dabei zu sein, das ist etwas Besonderes auch für erfahrene Journalisten und den ZEIT-Reporter Ulrich Stock. Tatort ist ein Luxushotel und -resort im Nordwesten von Zypern. Nur relativ wenige Fans verirren sich hierher und das gefällt Spitzenspielern normalerweise, denn sie wollen sich aufs Geschehen auf dem Brett konzentrieren. Wenn es läuft, dann sind die meisten Superstars allerdings nahbarer als man denkt und lassen sich Autogrammwünsche gerne gefallen. Ein Lächeln hier, ein Selfie da, eine Unterschrift dort. Nach einer längeren Pressekonferenz, in diesen wird sonst eher wenig gesagt und gefragt, eilt Javokhir einen etwa hundertfünfzig Meter langen Korridor lang im St. Georges, um Fans zu ihrem Recht kommen zu lassen. Der Usbeke absolviert diese Termine inzwischen mit Gelassenheit und manchmal glaubt man sogar, er hat richtig Spaß daran.
Vor den Autogrammen war noch Pressekonferenz und einige Clip-Produzenten kamen ebenfalls in Einzelclips zu ihren Takes. Wer einen Eindruck von Javokhir bekommen möchte, der kann sich auf Youtube die zahlreichen Beiträge anschauen. Nur der Usbeke und der Medienprofi Hikaru Nakamura absolvieren ihre Termine meist ohne Murren und professionell.
Die ersten zehn Runden zeigen einen jungen Spieler, der wie vor zwei Jahren in Toronto der Inder Gukesh, wie Phoenix aus der Asche entsprungen ist. Kaum jemand glaubt daran, dass sich jemand anderes als der 20-jährige Usbeke für den WM-Kampf im Frühwinter qualifizieren kann. Simulationen geben Javokhir eine Siegchance von etwa 95 Prozent. Hikaru Nakamura sieht die meisten Spieler in den letzten vier Runden schon im Urlaubsmodus. Der St.-Louis-Schachklub beispielsweise hat extra drei Berichterstatter nach Zypern geschickt, um den Weg von Fabiano Caruana zu seinem zweiten WM-Kampf zu dokumentieren. Sie müssen wohl eine andere Geschichte aufschreiben.
Mein Großvater sagte mir, Pragg wird einer der stärksten Großmeister.
In meiner Lieblingspassage erzählt Javokhir in der Pressekonferenz wie er zunächst gegen Pragg meist das Nachsehen hatte und welche Bedeutung sein zweiter Sieg gegen den indischen Superstar hat. Jetzt wirkt der Inder wie ein Häufchen Elend und ihm wurde diesmal die Pressekonferenz nach der zweiten verlorenen Partie in Folge ganz erspart. Immerhin können die Inder um Chessbase India sich auf seine Schwester Vaishali konzentrieren – inzwischen ist das Team bei vier angelangt. Vaishali, die mit ihrem Sekundanten dem Großmeister Pranesh verstärkt ist, könnte zuerst einen WM-Kampf bekommen. Vielleicht wäre das ein zusätzlicher Ansporn für Pragg, der auch in seinem zweiten Kandidatenturnier hinter den eigenen Ansprüchen zurückbleibt. Ein Schicksal, das er mit einem anderen Hochgelobten, Alireza Firouzja, teilt. Der gebürtige Iraner schaffte es diesmal nicht einmal in das Feld der Kandidaten.
Javokhir wirkt unruhig, wie aufgezogen läuft er Auf und Ab während der Partie, von einer Seite des kleinen Spielsaales zu der anderen und zurück. Anish Giri, der selbst viel auf und abgeht, meinte spaßeshalber, dass Sindarov wohl auch in dieser Disziplin führt. Vermutlich hat er Recht und der Usbeke führt meilenweit. Tatsächlich ist diese Aktivität wohl weniger der Ausdruck von Nervosität sondern seine Methode, um die überschießende Energie während seines Spiels loszuwerden. Zu viel Adrenalin führt gelegentlich Euphorie und im schlechtesten Fall zu unüberlegten Handzügen, wenn also die Energie in die Hand fließt und der Kopf, die Ratio, nicht das Handeln auf dem Brett bestimmt. So war es dem Usbeken am Tag vorher passiert als er den deutschen Großmeister Matthias Blübaum aus scheinbar aussichtsloser Lage entkommen ließ, weil er zu schnell zog. Das sollte ihm an diesem Tag nicht passieren. Dabei hatte die Partie mit genau so einem Spontanzug begonnen und den Usbeken aus der eigentlich vorbereiteten Spielweise gebracht.
In dieser Stellung sagt die Instanz und vermutlich die Datei aller Spieler, man müsse seinen Läufer am besten nach e5 schieben. Javokhir spielte seinen Läufer stattdessen nach nur 41 Sekunden nach g3 und war damit aus seiner Vorbereitung. Angesichts seines Erfolges hofft Javokhir auf eine milde Bewertung durch seinen deutschen Trainer Roman Vidonyak, der nicht nur ihn sondern auch Javokhirs Freundin, die kasachische Großmeisterin Bibisara Assaubaeva, hier auf Zypern betreut.
Diese Stellung ist natürlich ausgeglichen für eine 3500-Maschine. Aber die entscheidende Frage lautet: Für wen ist sie einfacher zu spielen. Der Inder zeigt in seinem zweiten Turnier immer wieder wie er aus praktischer Sicht fast unspielbare Stellungen wählt. In guter Erinnerung sind seine frühe Niederlage gegen Gukesh in Toronto 2024, bei der er zwar spektakulär drei Bauern opferte, dann aber nicht ausreichend in die Partie fand. In der Hinrunde gegen Javokhir hatte Pragg ein ähnliches Problem auf dem Brett wie in der zehnten Partie. Das indische Team um Pragg werden sich massiv hinterfragen müssen.
Wie spielt Schwarz in dieser Stellung in jeder Bulletpartie? Und wie könnte es danach weitergehen? Pragg spielte jedenfalls anders und stand sofort auf Verlust, weil er die Pointe, die sogar weniger begabte Journalisten beim zuschauen leicht identifizierten.
Man konnte während der Partie die teilweise ungläubigen Blicke der erfahreneren Großmeister Hikaru Nakamura und Anish Giri beobachten, die beide beim Anblick des Brettes das Gesicht verzogen. Alle Welt hatte gesehen wie man nicht gegen den Usbeken spielen sollte. Zur Erinnerung noch einige Stellungen aus Partien des Usbeken in diesem Turnier.
Begegnung aus Runde 3
Auch in dieser Stellung aus der ersten Begegnung in der dritten Runde hatte Javokhir eine Figur geopfert und der weiße König musste auf Tour gehen. In dieser Stellung konnte Weiß einen natürlichen Zug spielen und seinen schwachen Bauern vorrücken. Stattdessen folgte ein eher kryptischer Zug mit der Dame von Pragg und die Stellung begann zu kippen. Es zeigte sich mit dieser Partie, dass der Usbeke furchtlos agierte und in diesem Turnier nicht mit angezogener Handbremse spielen wollte. Javokhir gewann grandios und übernahm erstmals die Tabellenführung im Turnier.
Am Spiel von Javokhir im Kandidatenturnier fallen zwei Dinge auf: Er achtet akribisch darauf in der Zeitnotphase mehr Restzeit auf der Uhr zu haben als seine Gegner. Wenn es gut läuft in der Eröffnungsphase, wie gegen die US-Amerikaner Hikaru Nakamura und Fabiano Caruana, verwaltet der Usbeke einen großen Zeitvorteil und nutzt Fehler seiner Gegner (Wei Yi) in späteren Partiephasen. In praktisch jeder Pressekonferenz betont der Dominator des Turniers, dass er solide spielen wolle. Wenn man sich die Partien gegen Pragg anschaut, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass vor allem seine Gegner die Risiken nehmen. Aber zu einer ganzheitlicheren Betrachtung gehört die Bereitschaft der Spieler asymmetrische Materialverteilungen zuzulassen, denn das erhöht für beide Spieler das Risiko fehlzugreifen. Javokhir ist insofern für jede Unwucht in seinen Partien bereit, wenn er nur Chancen auf aktives Spiel bekommt. Dabei dürfte inzwischen das angesammelte Vertrauen in die eigenen Rechenkünste helfen.
Fotos: Niki Riga, Michal Walusza, Yoav Nis (FIDE Chess).
Jetzt spricht die Präsidentin und der Deutsche Schachbund nennt ihren Gesprächspartner die „internationale Schachplattform“ Chess Topics. Aber wer ist Chess Topics eigentlich? In Kurzform: Der Deutsche Schachbund veröffentlicht ein Interview mit einer KI-Plattform und wer wann die Fragen gestellt hat, die von der Präsidentin beantwortet werden, weiß man auch nicht.
Von Thorsten Cmiel
Hier auf Zypern sehen wir gerade das Erwachen eines neuen Superstars: Javokhir Sindarov aus Usbekistan dominiert seine sieben Gegner fast nach Belieben. In der zehnten Runde gewann er seine zweite Partie gegen Praggnanandhaa und zwar in ähnlichem Stil wie in der Hinrunde. Darüber berichte ich gerne. Man könnte auch erwähnen, dass Matthias Blübaum als einziger Spieler bisher zwei Remis gegen den Usbeken holte, zwar mit etwas Glück in der neunten Runde, aber am Ende zählt beim Schach das Resultat.
Auf X, vormals Twitter, wird mir zu Beginn der Runde eine Nachricht in meinen Newsfeed gespült. Die scheidende Präsidentin hatte ein Interview gegeben. Angesichts der angespannten Situation im Schachbund ist das natürlich interessant. Aber nicht zu dem Geschehen hier auf Zypern oder wann die außerordentliche Hauptversammlung stattfindet äußert sie sich, sondern in eigener Sache. Die meisten der Talking Points kannte ich bereits und ich will die darin geäußerten Vorwürfe weder weiter verbreiten noch kommentieren. Es geht mir wieder mal um Handwerk.
"We must stay alert to Russian influence undermining chess… We need to stick to our values." ⚠️
Ingrid Lauterbach speaks exclusively to Chess Topics on breaking barriers as the first female President of @Schachbund in its 149-year-long history, navigating internal federation… pic.twitter.com/NcLNHXK0OW
Als ich im Pressezentrum einen anderen deutschen Journalisten fragte, ob er das Interview gesehen habe und Chess Topics kenne, meinte der spontan es handele sich um eine Plattform, die KI generiert Texte raushaut. Tatsächlich findet man auf der Plattform weder eine Adresse noch einen namentlich verantwortlichen Menschen und nicht einmal der Name der hinter Chess Topics stehenden Organisation ist bekannt. Das widerspricht zumindest in Deutschland der Impressumspflicht. Da es keine Adresse auf der Homepage von Chess Topics gibt, kann man die Betreiber dafür nicht einmal belangen. Dubios.
Die Fragen im Interview sind durchnummeriert und vermutlich schriftlich an die Präsidentin geschickt worden. Ob da ein Mensch beteiligt war auf Seiten von „Chess Topics“? Vielleicht, vermutlich nicht.
Mein Kollege im Pressezentrum hatte noch einen anderen Hinweis für mich, falls ich das kommentiere, dann sollte ich mich vorher beim Schachbund informieren, ob nicht das Interview komplett erfunden sei, denn etwas Neues komme nicht vor. Gesagt getan. Ich setzte auf Twitter folgende Frage an den Schachbund ab.
Hallo @Schachbund, ist das ein echtes Interview der Präsidentin? Die Website @ChessTopics hat weder ein Impressum, noch eine Anschrift noch finden sich Namen von Redakteuren. Die Site scheint AI generated zu sein. https://t.co/feFlIv7Zzi
Falls die Zeitstempel stimmen – wir haben eine Zeitverschiebung von einer Stunde – veröffentlichte der Deutsche Schachbund 17 Minuten später das Interview mit seiner Präsidentin. Es bedurfte also keiner weiteren Bestätigung mehr.
Das Veröffentlichen eines Interviews mit einer virtuellen Plattform, deren Absichten und Hintermänner und Hinterfrauen man nicht kennt, ist problematisch. Solch ein Plattform durch den Hinweis, es handele sich um eine internationale Schachplattform, zu adeln, das geht eindeutig zu weit. Der Deutsche Schachbund und seine Präsidentin haben genügend Möglichkeiten der Welt ihre Meinung zu kommunizieren. In der Vergangenheit gab es beispielsweise „große“ Interviews, die man bei Youtube immer noch finden kann. Wichtig für die Bewertung ist dabei immer, wer mit welchen eigenen Interessen Fragen gestellt hat. Falls der Schachbund oder die Präsidentin selbst sich die Fragen stellt, dann kann ein interessierter Leser oder Zuschauer diesen Zusammenhang zumindest einordnen und für sich bewerten.
Mir fällt zu dem Deutschen Schachbund und seiner Kommunikation inzwischen nichts mehr ein. Es ist nur noch bedauerlich und es bleibt zu hoffen, dass ein neues Präsidium die Kommunikation der deutschen Spitzenorganisation des Schachs baldmöglichst auf handwerklich solidere Füße stellt.