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Foto: ECU

Die deutschen Frauen spielten bei der Europameisterschaft in Batumi sehr erfolgreich und es war spannend bis zum Schluss. Ein dritter Platz ist ein hervorragendes Ergebnis für das deutsche Team. Auch wenn im ersten Moment die bronzene Medaille sich wie ein verlorenes Silber anfühlen dürfte, sollte das Team sehr zufrieden sein.

Von Thorsten Cmiel

Von außen kann man nur spekulieren woran es gelegen hat, dass die deutschen Frauen diesmal über ihren gefühlten Möglichkeiten gespielt haben. Fakt ist: Erstmals seit langer Zeit war Elisabeth Pähtz nicht dabei und es lief besser. Ob das miteinander zu tun hat, dürfte in den nächsten Wochen für Spekulationen sorgen, aber man sollte sich meines Erachtens auf die positiven Aspekte konzentrieren und diese Diskussion nicht führen. Denn vielleicht lag das neue Selbstvertrauen am neuen Trainerteam der deutschen Frauen, die offenkundig den Spielerinnen Mut und Selbstvertrauen einhauchten, das man früher manchmal vermisst hat. Apropos Trainerteam: Das Frauenteam hatte Unterstützung durch den neuen Frauenbundestrainer Zahar Efimenko (40) und, das war bisher meines Wissens unbekannt, ebenfalls von Wolodymyr Baklan (47) einem weiteren ukrainischen Schachgroßmeister. Das deutsche Team war in der Setzliste auf Platz sechs geführt und spielte das ganze Turnier lang vorne mit. Vieles passte jedenfalls was sonst nicht klappte. Es gab nur drei Einzel-Niederlagen im gesamten Turnierverlauf und eine schlechte Schlussstellung von Lara Schulze in der letzten Runde. Diese Stabilität war der Hauptgrund für das gute Abschneiden und etwas Glück, da die Einzelerfolge gut über den Turnierverlauf verteilt waren und sich zu einigen Mannschaftspunkten addierten. Erst in der Schlussrunde enttäuschten die deutschen Frauen erstmals etwas mit einer Niederlage gegen Bulgarien (#5 der Setzliste). Mit frühen Siegen gegen Georgien (1) und Aserbaidschan (4) waren die Weichen für eine Topplatzierung gestellt. Nach der Niederlage gegen die Polinnen (2) und ein Unentschieden gegen die Ukrainerinnen(3) spielten die deutschen Frauen in der letzten Runde um Silber.

Georgien früh raus

Die favorisierten Georgierinnen kassierten nicht nur früh eine Niederlage gegen das deutsche Team, sondern agierten insgesamt ohne Fortune. Die Spitzenspielerin der Heimmannschaft, Großmeisterin Nana Dzagndize, spielte ein katastrophales Turnier, das in der letzten Runde durch eine echte Chaospartie gegen die Spanierin Sara Khadem „gekrönt“ wurde. Die Polinnen hatten schon bei der letzten Schacholympiade in Budapest stark aufgespielt, die Inderinnen geschlagen und waren dort erst hinten heraus etwas abgefallen. Die Ukrainerinnen waren ohne die Muzychuk-Schwestern keineswegs schwächer unterwegs und sind verdiente Vizemeisterinnen geworden. Bricht man die Team-Turniere auf einzelne Partien herunter, dann gab es in vielen Kämpfen fast aller Nationen das eine oder andere Drama und „falsche“ Ergebnis zu beklagen. Das dürfte sich fair über sämtliche Teams verteilt haben und gehört zum Schachsport dazu.

Dinara Wagner

Auffällig waren zwei Partien von Dinara Wagner, die mit Weiß diesmal taktisch verwickelte Eröffnungen spielte. In beiden Fällen war sie gut vorbereitet. Ob die Stellungen gut zu ihrem Spielstil passen wird die interne Analyse ergeben. Aber sich auf derart komplexe vorbereitete Stellungen einzulassen, bedarf eines großen Vertrauens in denjenigen oder diejenigen, die ihr zugearbeitet haben. Das ist in jedem Fall bemerkenswert.


Diese Stellung gehörte sicher zur Vorbereitung der deutschen Spielerin, die bis hierhin mehr Zeit (1.33) auf der Uhr hatte als zu Beginn der Partie. Ihre Gegnerin kam bis hierhin mit zehn Minuten aus. Mit ihrem nächsten Zug lag die Polin allerdings etwas daneben. Nach 25 Minuten folgte der große Schritt mit dem schwarzen h-Bauern. An dieser Stelle hatte übrigens der für Serbien spielende Alexei Sarana bei der Europaeinzelmeisterschaft 2025 fehlerhaft den Bauern auf a3 verspeist.


Die zweite Partie ging schief, aber Dinara war erneut gut vorbereitet zur Partie angetreten. Erneut ging es gegen eine starke Gegnerin und die Partie bot einige spannende Momente, die der Analyse entnommen werden können. Beginnen wir mit einem Diagramm, einer Position, in der ich keinen ausreichenden Grund für ein langes Nachdenken von Dinara finden konnte.


Erneut spricht der Verbrauch der Bedenkzeit bis hierhin Bände: Dinara hatte vor diesem Zug noch eine Stunde und 19 Minuten auf der Uhr und ihrer griechischen Gegnerin blieben noch 36 Minuten. Hier allerdings verbrauchte Dinara 42 Minuten und ihr schöner Zeitvorteil war egalisiert. Das spricht dafür, dass die Eröffnungswahl vielleicht eine taktische Stellung produzierte, die ihr nicht allzu sehr liegt. Entschieden wurde die Partie erst später. Es gab hier drei denkbare Kandidaten. Schlagen mit dem Läufer auf g5, mit dem Springer oder der Rückzug des Läufers nach g3. Der letztgenannte Zug scheidet wegen des Vorrückens des f-Bauern recht schnell aus und das Schlagen auf g5 mit dem Springer auf g5 ist ebenfalls gefühlt die falsche Option. Hier trügt das Stellungsgefühl nicht, aber die Varianten sind sehr komplex und das liegt nicht jedem.


Hier blieben Dinara noch 33 Minuten und sie entschied sich nach fünf Minuten für das Zurückschlagen mit dem Turm. Etwas überraschend hätte das andere Zurückschlagen mit dem g-Bauern und Attacke dort ihr laut Instanz deutlichen Vorteil versprochen. Dafür muss man allerdings zwischendrin den eigenen Läufer auf c2 opfern. Ob sie diese Entscheidung mit 30 Minuten mehr auf dem Wecker richtig getroffen hätte, scheint mir unsicher zu sein. Leider verlor Dinara etwas später den Überblick und die Partie.


Ich bewundere den Mut von Dinara und dem deutschen Team diese Art von Profi-Schach anzugehen. Dass selbst Top-Großmeister mit Vorbereitungen komplexer Varianten oft nicht zurechtkommen, konnte ich 2024 in Toronto mehrfach bei Praggnanandhaa (gegen Nepomniachtchi (Nepo) und gegen Gukesh), aber auch bei Hikaru Nakamura (gegen Nepo) beobachten. In den drei genannten Fällen stand Nepo jeweils mit seiner Petroff-Verteidigung glatt auf Verlust, remisierte letztlich und Pragg verlor seine Auftaktpartie gegen den späteren Sieger Gukesh aus gleicher und verrückter Stellung heraus nach zwischenzeitlichem Opfer von drei Bauern.

Hanna Marie Klek

Die deutsche Spielerin holte in Batumi ihre dritte IM-Norm und muss jetzt noch eine Elozahl von 2400 Punkten erreichen, um den Titel des Internationalen Meisters zu erringen. Ihre bisher höchste Elozahl hat Hanna Marie im April 2017 mit 2372 Punkten vorzuweisen. Sie muss noch etwas mehr als vierzig Punkte zulegen, um den Titel zu erringen.


Die Entscheidung in der Partie gegen die favorisierten Georgierinnen fiel hier. Schwarz sollte den eigenen Turm nach f4 ziehen und die Bauern e4 und h4 gleichzeitig bedrohen. Danach wäre die Stellung bei bestem Spiel im Gleichgewicht. Die Georgierin sah es nicht und die Deutsche brachte zielstrebig ihren Springer via d2 über f3 nach g5 ins Spiel und gewann eine überzeugende Partie gegen ihre erfahrene Gegnerin, die immerhin den Großmeistertitel vorweisen kann. Eine überzeugende Verwertungsphase zum einfachen Nachbetrachten.


In dieser Partie hatte die Deutsche mit Schwarz etwas unvorsichtig agiert. Mit dem einfachen und logischen Zug des Läufers nach d3 konnte ihre Gegnerin aus Aserbaidschan ihren Bauern auf f5 verteidigen und ihren gewinnbringenden Vorteil festigen. Diesen Zug spielt man im Blitzen vermutlich automatisch. In Turnierpartien will man es manchmal besonders schlau anfangen und so zog Weiß ihre Dame nach d3 mit der Folge, dass der f5-Bauer nach Wegzug der Dame bald verloren geht. Kurze Zeit später war die Stellung sogar ausgeglichen.


Ihre Gegnerin hatte im Kontrollzug erneut den Damentausch angeboten, was sich erneut als falsch herausstellte. Jetzt blieben der deutschen Spielerin etwas mehr als drei Minuten, um ihren 40. Zug ebenfalls auszuführen. Was soll sie ziehen?

In der siebten Runde gewann Hanna Marie Klek eine sehr überzeugende Partie gegen die Rumänin Mihaela Sandu, die ich hier unkommentiert und für sich sich sprechen lassen möchte.

In der achten Runde klappte was der deutschen Spielerin in der vierten Runde nicht gelang. Aus hoffnungsloser Lage schaffte sie den kompletten Turnaround und benötigte in der finalen Runde nur noch ein Remis, um die Norm zu schaffen.


Weiß ist bisher äußerst aggressiv aufgetreten. Wie sollte die Deutsche sich hier am besten weiter verteidigen?


An dieser Stelle sollte die deutsche Spielerin mit Schwarz am besten welchen Zug spielen?

Partien bei denen es um viel geht sind für die meisten Spieler und Spielerinnen nicht ganz einfach. Manchmal flattern die Nerven in solchen Situation. Nicht so bei der deutschen Spielerin. Hanna Marie spielte mit Schwarz eine gute Partie und war an keiner Stelle im Risiko, im Gegenteil, im Endspiel hatte die Deutsche in der folgenden Situation eine Chance auf den vollen Punkt.


Hier entschied sich die Schwarzspielerin für die direkte Attacke auf den Bauern e3 und zog ihren Springer nach d1. Das war allerdings leider nur der zweitbeste Versuch.


Josefine Safarli

Josefine wird auf ihrem Youtube-Kanal ihre Partien in Kürze in alle Einzelteile zerlegen, daher will ich nur eine Stellung kurz besprechen und eine überzeugende Leistung unkommentiert zeigen. Schade, die deutsche Spielerin zerstörte in der letzten Partie den hervorragenden Eindruck, den ihr Spiel bis dahin hinterlassen hatte. Die Auslosung und die Aufstellungen ergaben bei ihr einen merkwürdigen Farbwechsel. Josefine begann mit zwei Weißpartien, spielte dann vier Partien hintereinander mit Schwarz – vier Remis – und beendete das Turnier zweimal mit den weißen Steinen.

Josefine gewann in der achten Runde ihre zweite Partie und hatte bis dahin ein sehr stabiles Turnier gespielt. Lediglich gegen die Türkinnen benötigte sie einige Hilfe ihrer Gegnerin. Gegen die Rumäninnen stand Josefine nach der Eröffnung etwas schlechter, aber ihre Gegnerin war mit dem Unentschieden offensichtlich zufrieden. Die hier zum schnellen Nachspielen ausgewählte Partie zeigt Josefine in Bestform. und dann kam die Finalrunde.


Diese Situation entschied diese Partie. Wie sollte Weiß hier weiterspielen. Der nächste Zug der deutschen Spielerin war leider ohne jegliche Idee gespielt. Schwarz „droht“ den eigenen Läufer nach g6 zu ziehen und seinen weißen Counterpart zu befragen. Darauf musste man eine Antwort finden. Josefine investierte sechs ihrer verbliebenen 41 Minuten und zog den a-Turm nach c1. Welcher Zug besser gewesen wäre erklärt Josefine in Kürze in einem Video bei Youtube.


Das Diagramm soll nur optisch zeigen, dass vorher etwas gründlich schief gelaufen sein muss bei Weiß. Josefine versuchte sich zu wehren, aber das ist kein ausreichender Grund die hier erkennbare Passivität der weißen Figuren aus der Stellung zuvor zu rechtfertigen. Man kann argumentieren, dass es in der Folge konkret wurde. Aber das ist kein gutes Argument in einer Stellung mit einer relativ statischen Bauernstruktur. Schade.

Hier der Bericht von Josefine über Batumi auf ihrem Blog.

Lara Schulze

Bei Lara lief es in Batumi nicht optimal. Gegen die Polin setzte es ein klare Niederlage mit Weiß nach einer Fehleinschätzung. Die Runde gegen die Griechin in der Vorschlussrunde mag getäuscht haben, denn diese gewann Lara deutlich. Ich hatte Kateryna in der Finalrunde erwartet. In der letzten Partie hatte die Deutsche über den gesamten Partieverlauf keine Chance auf Vorteil und kann sich letztlich glücklich schätzen, dass für ihre Gegnerin das Remis zum Mannschaftserfolg reichte.

Kateryna Dolzhykova

Kateryna holte am Ersatzbrett 3.5 Punkte aus fünf Partien und gewann mit der besten Performance von 2426 Individual-Gold.

Auf einige Probleme, die in Batumi unerfahrene Spielerinnen ereilt haben, weist die rumänische Internationale Meisterin Irina Bulmaga hin. Irina veröffentlicht auf ihrem Blog meist lesenswerte Texte zu ihren Turniererfahrungen und -beobachtungen.

Irinas Text begann diesmal in deutscher Übersetzung so:

Die große Batumi Erfahrung

Im Land der alten Weinbautradition, der einzigartigen Küche und atemberaubenden Landschaften möchte ich Sie auf eine etwas andere Reise mitnehmen, gespickt mit schmutzigen Tricks, Lebensmittelvergiftungen und unvergesslichen Besuchen auf Toiletten, bei Ärzten und in Krankenhäusern.

Mehr gibt es hier. Dazu sei angemerkt, dass die automatische Übersetzung des hier wieder gegebenen Textes vom Original wegen des Hin- und Herübersetzens etwas abweichen könnte. Ich empfehle daher den Text im Original zu lesen.

Fotos: Dariusz Gorzinski. Maria Emelianova (Chess.com). European Chess Union (ECU).


Servicehinweis

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Foto: ECU Die deutschen Frauen spielten bei der

Foto: FIDE.

Eine erfreuliche Nachricht erreicht die Schachwelt aus Norwegen. Es gibt ein neues Weltmeisterschaftsformat, das von den bekannten Organisatoren von Norway Chess in drei Disziplinen ausgerichtet werden soll. Anders als Freestyle ist das Format nicht gegen das klassische Schach konzipiert, sondern soll den Turnierkalender sinnvoll ergänzen.

Aus einer Pressemeldung des Weltschachbundes FIDE

Die neue Meisterschaft mit dem Titel „Total Chess World Championship Tour“ wird aus vier Veranstaltungen pro Jahr bestehen und einen Gesamtmeister in drei Disziplinen krönen – Schnelles Klassik, Schnellschach und Blitzschach. „Wir gehen davon aus, dass dies eine der prestigeträchtigsten Veranstaltungen im gesamten Schachkalender werden wird“, sagt Kjell Madland, CEO von Norway Chess und der neuen Meisterschaft.

Wichtige Highlights:

  • Ein brandneues Weltmeisterschaftsformat im Schach, organisiert von Norway Chess, wurde offiziell von der Internationalen Schachföderation FIDE genehmigt.
  • Die Total Chess World Championship Tour krönt einen Gesamtsieger in drei Disziplinen: Fast Classic, Rapid und Blitz. Der Gewinner wird zum FIDE-Weltmeister gekrönt.
  • Die Tour besteht aus vier Turnieren pro Jahr in verschiedenen Städten weltweit.
  • Mindestens 2,7 Millionen US-Dollar Preisgeld pro Jahr für die gesamte Tour (750.000 US-Dollar pro Veranstaltung für die ersten drei Veranstaltungen; 450.000 US-Dollar für das Finale), zuzüglich Leistungsprämien.
  • Ein Pilot-Turnier ist für Herbst 2026 geplant, die erste vollständige Meisterschaftssaison findet 2027 statt.

Die Initiative stammt von den Organisatoren des renommierten Norway Chess-Turniers, und die offizielle Vereinbarung über den Weltmeisterschaftsstatus wurde Anfang Oktober mit der Internationalen Schachföderation (FIDE) unterzeichnet. Die Vision der Total Chess World Championship Tour ist es, den Spieler zu finden, der die Disziplinen Fast Classic, Rapid und Blitz am besten beherrscht. Fast Classic ist eine Innovation des klassischen Schachs mit einer Zeitbegrenzung auf 45 Minuten plus 30 Sekunden Aufschlag pro Zug. Diese wird wie klassisches Schach gewertet.

„Wir suchen den „Total Chess Player“ – einen vielseitigen, taktisch intelligenten und technisch versierten Athleten, der sich nahtlos an verschiedene Zeitkontrollen anpassen kann“, sagt Kjell Madland.

Die Tour findet in verschiedenen Städten rund um den Globus statt, und bei der letzten Station wird der Gesamtsieger gekürt: der offizielle FIDE-Weltmeister im Kombischach. Im Herbst 2026 startet eine Pilotversion mit einem Turnier, um das neue Tourformat zu testen. Das offizielle Turnier folgt dann 2027.

„Wir möchten ein unterhaltsames Turnier mit modernster Technologie, innovativen und spannenden Fernseh- und Streaming-Übertragungen sowie schnelleren Formaten schaffen, um den Schachsport einem breiteren Publikum als je zuvor zugänglich zu machen. Wir gehen davon aus, dass dies zu einem der prestigeträchtigsten Ereignisse im gesamten Schachkalender werden wird. Wir fühlen uns sehr geehrt durch das große Vertrauen, das die FIDE in das Projekt gesetzt hat. Von Anfang an war der Verband ein aktiver und engagierter Partner und hat dafür gesorgt, dass das Projekt mit der Vision und den Standards der FIDE übereinstimmt. Wir möchten ihnen und insbesondere dem FIDE-Präsidenten für ihre enge Beteiligung und Unterstützung danken“, sagt Kjell Madland.

Preispool und Boni

Die Total Chess World Championship Tour bietet einen robusten Preispool: mindestens 750.000 US-Dollar für jede der ersten drei Veranstaltungen. Das Finale, in dem der FIDE-Weltmeister gekürt wird, ist mit mindestens 450.000 US-Dollar für vier Spieler dotiert. Zusätzliche Leistungsprämien gibt es für die höchste Punktzahl bei jedem Turnier und für die höchste Gesamtpunktzahl während der gesamten Tour.

„Für die Fans”

FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich unterstützt die Initiative nachdrücklich.

„Wir sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, innovativ zu sein und die Grenzen dessen, was Schach sein kann, zu erweitern. Obwohl Schach bereits eines der beliebtesten Spiele der Welt ist, ist sein Wachstumspotenzial immer noch enorm. Mit der Total Chess World Championship Tour bieten wir den Spielern einen neuen Titel, um den sie kämpfen können, und dem Publikum ein schnelleres Turnierformat. Wir hoffen, dass das Turnier sowohl die bestehenden Schachfans als auch ein neues Publikum begeistern wird“, sagt FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich.

„Wir sehen dies als eine großartige Ergänzung zur traditionellen und prestigeträchtigen Schachweltmeisterschaft, bei der wir den unangefochtenen Champion des klassischen Schachs krönen. Die Meisterschaften werden sich gegenseitig ergänzen und den Fans noch mehr Spannung bieten. Dies ist keine kurzfristige Initiative, sondern eine langfristige Vereinbarung zwischen der FIDE und Norway Chess“, fügte er hinzu.


Norway Chess lädt potenzielle Austragungsorte, Investoren und Partner ein, sich an Gesprächen über eine Teilnahme an der Total Chess World Championship zu beteiligen. Hier ein erstes Promo-Video

Fakten über Norway Chess

  • Norway Chess wurde 2013 gegründet und hat sich schnell zu einem festen Bestandteil des Elite-Schachkalenders entwickelt.
  • Es gilt als eines der renommiertesten und innovativsten internationalen Schachturniere der Welt.
  • Die Veranstaltung trug zur Professionalisierung des Schachs bei, indem sie es als modernen Sport und rentables kommerzielles Produkt behandelte.
  • Norway Chess führte das weltweit erste Frauenturnier mit einem Preisgeld in Höhe des Preises für die offenen Kategorien ein.

Fakten über die FIDE

  • Die Internationale Schachföderation (FIDE) ist der Dachverband des Schachsports und regelt alle internationalen Schachwettbewerbe.
  • Sie wurde 1999 vom Internationalen Olympischen Komitee als globale Sportorganisation anerkannt.
  • Sie wurde 1924 in Paris unter dem Motto „Gens una Sumus” (lateinisch für „Wir sind eine Familie”) gegründet und war neben den Dachverbänden für Fußball, Cricket, Schwimmen und Autorennen einer der ersten internationalen Sportverbände.
  • Heute ist sie einer der größten Verbände mit 201 Mitgliedsländern in Form von nationalen Schachverbänden.

Bemerkenswert ist: In jedem der drei Turniere sollen 24 Spieler gegeneinander antreten. Neben Einladungen für Topspieler soll ein Qualifikationsweg etabliert werden. Zudem soll die Turnierserie für die Qualifikation zum Kandidatenturnier zählen.

Fotos: FIDE, Norway Chess.

Foto: FIDE. Eine erfreuliche Nachricht erreicht die Schachwelt

Das Foto zeigt Kasparow in der Analyse mit Bent Larsen. Kiebitz ist Boris Spassky. Quelle: geheugenvennederland.nl

Am 14. Oktober 1981, also vor genau 44 Jahren spielte Garry Kasparow (1963) eine Partie gegen den dänischen Volkshelden Bent Larsen (1935 – 2010). Die Partie ging Unentschieden aus und geriet in Vergessenheit, dabei passierte einiges auf dem Brett.

Von Thorsten Cmiel

Bent Larsen spielte sechs Turnierpartien gegen den gerade aufkommenden Garry Kasparow. Dabei sprang ein halber Punkt heraus. Nur die erste Partie der beiden Großmeister im Jahr 1981 endete Remis und das war eher ein glückliches Resultat für den Dänen. Ich erinnere mich an eine Analyse von Boris Spassky, der ebenfalls gegen Garry gespielt hatte und stolz wie Bolle war über den halben Punkt. So war das damals. 1980 hatte Garry Kasparow in Dortmund souverän die Jugendweltmeisterschaft vor Nigel Short und dem Chilenen Ivan Morovic gewonnen.

Beginnen wir mit einem Schnelldurchgang der Partie, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Zunächst begann die Partie mit einer aggressiven Spielweise des jungen Kasparow, der auf entgegengesetzte Rochaden und gleich mehrfach auf ein passives Figurenopfer auf dem Feld g5 setzte. Zunächst verteidigte sich der Däne ausreichend gut. Aber später gelang es Kasparow sich im Turmendspiel gewinnbringenden Vorteil zu erarbeiten. Zweimal verprasste er aber seine Chancen. Insgesamt war die Bilanz fast ein echtes Fischer-Ergebnis. Kasparow gewann fünf und spielte einmal Remis, in unserer Partie.


Eine spannende Stellung mit entgegengesetzten Rochaden ist entstanden. Wie geht es hier weiter nach dem Schlagen auf c4 und wie nach dem Läuferschach auf h7? Was ist besser?


Bis hierhin war die Stellung in etwa ausgeglichen. Wie sollte Weiß hier fortsetzen?


Weiß hat erkennbar den aktiveren Turm, der mehr Ziele gleichzeitig angreifen kann. Wie sollte er hier fortsetzen?


Wie konnte Garry Kasparow hier seine Stellung im 41. Zug verstärken. Es könnte der Abgabezug gewesen sein. Dazu fehlen mir leider die Informationen. Möglicherweise kam es gar nicht zur Hängepartie.



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Das Foto zeigt Kasparow in der Analyse

Foto: John Brezina

Die Zahl der Remispartien sind in der Regel bei mir zu hoch und meine Risikobereitschaft zu niedrig. Bei der Senioren-Europameisterschaft 2025 in Rabac in Kroatien war das von Beginn an anders. Es lief zu oft aus dem Ruder. Ein Turnier mit Höhen und Tiefen in Diagrammen.

Von Thorsten Cmiel

Durch eigene schlechte Eröffnungskenntnisse kam es während meines Turniers in Rabac immer wieder zu kritischen Situationen auf beiden Seiten. Einige dieser teilweise interessanten Momente aus eigenen Partien will ich festhalten.

Beginnen wir mit einem Gesamtüberblick über den gesamten Turnierverlauf. Fünf Siege in neun Runden ist ein starkes Ergebnis. Drei Niederlagen sind allerdings zu viel. Der Verlauf war insgesamt sehr volatil auch während der Partien ging es mitunter rauf und runter.



Das Diagramm zeigt eine Situation aus der ersten Runde. Ich hatte in der Eröffnung mit Weiß nichts erreicht, obwohl mein Gegner mit Schwarz eine eher fragwürdige Spielweise gewählt hatte. Dann gab es sogar eine Phase in der mein Gegner aggressiver vorging und meine Stellung und mich arg erschütterte. Wie sollte man mit Weiß hier fortsetzen?


Etwas später war die Stellung wieder im Gleichgewicht. Hier musste mein Gegner den attackierten Läufer ziehen, aber wohin? Es sollte das Ausschlussprinzip zur Anwendung kommen.


In der zweiten Runde stand eine schwierige Partie gegen einen starken Gegner an, der in Turin bei der Schacholympiade Individual-Gold am zweiten Brett gewonnen hatte mit 9 aus 11. Ich hatte hier zuletzt etwas unvorsichtig agiert, immerhin wirkte mein Gegner nervös und witterte plötzlich seine Chance. Wie sollte er hier fortsetzen?


In dieser Stellung aus der dritten Runde musste ich mit Weiß meinen 22. Zug spielen. Wie sollte es hier weitergehen?


Nicht zu schwierig, aber wenn man im Modus unterwegs ist: Ich ziehe meine Figuren und übe Druck aus, dann muss man irgendwann aufhören und stattdessen konkretere Maßnahmen angehen. Die praktische Frage ist immer wann genau soll man loslegen. Den Vorteil im richtigen Moment gefragt zu werden hatte ich natürlich nicht. Ist also jetzt im 28. Zug von Weiß bereits der richtige Moment gekommen?


Ich sollte hier mit Schwarz und dem Läuferpaar, das in die offene Stellung meines Gegners hineinstrahlt, klar auf Gewinn stehen. Es folgt eine für meine Verhältnisse überraschend schlechte Verwertungsphase. Wie sollte Schwarz hier fortsetzen? Es gibt nicht nur einen guten Zug, aber Pragmatismus ist angesagt.


Ich hatte gefühlt sehr ungenau gespielt, nachdem ich den eigenen h-Bauern aufgezogen hatte. Jetzt hatte mein Gegner gute Ausgleichchancen, indem er seinen Springer gelegentlich auf g6 hineinpflanzen würde. Wie geht es hier am besten weiter?


Mein Gegner stand gefühlt immer leicht angenehmer. Die Entwicklung beeinflusst gelegentlich das Handeln und gelegentlich greift man dann fehl. Wie ist hier das Springeropfer auf f6 einzuschätzen?


Weiß ist am Zuge. Auf g2 hängt der Bauer mit Matt und Schwarz muss das irgendwie abwehren oder aufgeben. Ihr Vorschlag?

Die Sechste gegen den Internationalen Meister Josep Antonio Lacasa Diaz

Es sind solche Partien, die am meisten Spaß machen. Betrachtet man die Partie mit der unbestechlichen Instanz, dann geht dieser Spaß einer praktischen Schachpartie am Brett weitgehend verloren. Dennoch muss man nach der Partie die Wahrheit suchen und die ist manchmal ernüchternd. In der Partie stand mein Gegner bis zum 45. Zug die meiste Zeit klar besser, in Maschinenwertung sogar auf Gewinn. Dann ereignete sich eine brutale Entwicklung der Ereignisse.


Die entscheidende Partie für den Turnierverlauf schien meine sechste Partie zu sein. Mir war in der Eröffnung etwas verrutscht. Der schwarze König steht nicht ganz sicher und positionell sieht es auch nicht gut aus für mich mit den schwarzen Steinen. Immerhin habe ich einen zentralen Springer auf d5 etabliert. Wie sollte meine spanischer Gegner hier im 29. Zug fortsetzen? Der weitere Verlauf danach war ebenfalls von taktischen Möglichkeiten geprägt. Bis zum Kontrollzug sah es nicht sonderlich gut aus…


Diese Stellung nach dem Kontrollzug ist immer noch deutlich besser für den Weißspieler, aber es gibt keine taktische Lösung, die sofort Material gewinnt. Eine positionelle Idee ist grundsätzlich den Druck gegen den Punkt d5 zu erhöhen, aber für den Augenblick ist die Dame auf d2 ungedeckt.


Mein spanischer Gegner konnte hier seinen Turm abziehen, aber wohin? Es wird konkret in diesem Moment und in der Folge.


In dieser Stellung ist Schwarz am Zuge. Es ist verlockend, den eigenen c-Bauern ein Feld vorzurücken, aber ist das die beste Idee? Gibt ist eine vielversprechende Alternative dazu?


Schwarz kann den Bauern auf f3 nicht schlagen, da das Bauernendspiel nach Abtausch sofort für Weiß gewonnen wäre. Aber was sollte er stattdessen unternehmen?


Mein Gegner hatte zuletzt seinen Springer von f6 nach d5 gezogen. Und nun?


In dieser Stellung war ich mit Schwarz dran und beendete das Turnier mit einem Tiefpunkt. Ich sah, dass ich nach dem eigentlich geplanten Damenzug nach a5 in Probleme geraten würde nach dem Opfer des f-Bauern springt Weiß mit seinem Springer nach d5 und unterbricht die Deckung des Läufers auf f5 und Weiß gewinnt. Ich ersetzte danach die Deckungsfigur des Feldes f5 durch den Turm, den ich nach a5 zog. Diesmal bleibt der Bauer e7 gedeckt. Dabei übersah ich, dass nach f5 erneut eine Figur verloren geht, diesmal via Schachgebot mit der Dame auf g4. Richtig war es die Diagonale mit dem kurzen Zug des f-Bauern zu schließen. Weiß steht danach etwas besser, mehr nicht.

Fazit

Die Darstellung eines Turniers in Diagrammen ist attraktiv, da sie einen schnellen Überblick verschafft. Aber es gibt weitere Aspekte, die eine Rolle spielen sollten, wenn man das Turnier eines Spielers zerlegt. Ein Vergleich zu den Turnierverläufen anderer bei den Senioren-Europameisterschaften zeigt, dass die meisten Teilnehmer ebenfalls Glück auf dem Weg hatten. In der Gruppe der Jungsenioren standen die vier Sieger mindestens einmal im Turnier glatt auf Verlust. Bei den älteren Senioren zeigten die Gegner von John Nunn zu viel Respekt und er bekam bereits zu Beginn des Turniers in zwei schlechten Schlussstellungen mit Weiß Remis angeboten und griff zu.

Durchschnittlich dauerten meine Partien fast fünfzig Züge, was ein guter durchschnittlicher Wert ist. Dafür muss man im Seniorenalter erst einmal die Kraft aufbringen. Bei mir ist der Trend insofern sehr positiv, da ich vor zwei Jahren noch gesundheitsbedingt in neun Runden oft vier schnelle Remis angestrebt habe. Schach ist ein Ergebnisspiel und seit der deutschen Meisterschaft im Seniorenschach 2024 in Bad Wildungen konnte ich mein Elozahl in 54 gewerteten Partien um 128 Punkte steigern und auf dem Weg dahin vier Internationale Meister und einen Großmeister schlagen. Der letzte Trend ist also ermutigend und bei der in Kürze beginnenden Weltmeisterschaft der Senioren im italienischen Gallipoli sollte ein Ratingpunkt drin sein, um meine Elozahl wieder über 2200 zu hieven. Das nächste Ziel danach ist meine Wiedereinstiegs-Elo aus dem Jahr 2017, die bei 2250 lag. In 2026 stehen allerdings mit Kandidatenturnier, Schacholympiade und Weltmeisterschaft drei Turniere an, die ich als Beobachter angehen möchte.

FIDE-Karteikarte

Ergebnisse

In eigener Sache

Dieser Blog dient mir als eine Art Tagebuch für eigene Turniere – früher habe ich mit viel Aufwand – eigene Turniere aufgearbeitet und kleine Turnierbücher zum Eigengebrauch geschrieben. Das ist inzwischen komfortabler organisiert. Wer will kann meine Analysen nutzen, um selbst besser zu werden. Aber der Sinn ist es Analysetechniken auszuprobieren und einen möglichst objektiven Blick auf meine Partien zu werfen.


Servicehinweis

Die Analysen können in dieser Ansicht heruntergeladen werden, indem man auf den hier markierten Button klickt.

Foto: John Brezina Die Zahl der Remispartien sind

Historisches Foto: José Raúl Capablanca. Illustration: NanaBanana.ai

Der Kubaner José Raúl Capablanca (1888 – 1942) war der dritte Weltmeister in der Geschichte des Schachspiels. Capablanca gehört zu den anerkannt besten Spieler aller Zeiten. Ihm sei diese neue Serie von Schachaufgaben gewidmet. Wir lösen damit die Lasker-Aufgaben ab.


Ein Scherz zu Beginn. Heute gewann die deutsche Spielerin Hanna Marie Klek in Batumi bei der europäischen Mannschaftsmeisterschaft hier nach welchem schicken Zug?


Wie sollte Weiß in dieser Stellung seinen Angriff fortsetzen.


In Endspielen kommt es oft auf gute Technik an. Hier ist einmal die weiße Stellung zu verwerten. wie?


Nicht zu schwierig ist es hier für Schwarz die beste Fortsetzung zu finden.

In praktischen Partien begegnen den Spielern in jeder Turnierpartie unterschiedliche Aufgaben und nicht immer sind es einfache Taktiken. Insofern finde ich neben thematischen Aufgabenzusammenstellungen einen Mix aus unterschiedlichen Aufgabentypen hilfreich.

Hinweis

Die Partien können heruntergeladen werden, indem man auf den Downloadbutton unter Diagrammen klickt.


Mehr Lasker-Aufgaben

Historisches Foto: José Raúl Capablanca. Illustration: NanaBanana.ai Der

Dali-Style erstellt mit NanaBanana.ai.

von Thorsten Cmiel, Rabac

Wie sollte man einen sympathischen Sportverband positionieren in einer Zeit vieler medialer Versuchungen? Vor allem gilt es vieles anders zu machen als der Deutsche Schachbund derzeit. Ein Kommentar von der Seitenlinie.

Schach ist eine der beliebtesten Sportarten weltweit. Das liegt vor allem daran, dass man das Spiel der Könige und Damen selbst online spielen kann und dafür nicht vielmehr benötigt als ein internetfähiges Mobiltelefon. Gespielt werden kann Schach auf ganz vielen unterschiedlichen Niveaus und jeder hat in seiner Welt und auf seinem Spiellevel Spaß am Spiel, online oder am Brett. Zudem ist Schach bei vielen Anlässen Thema und dient in Werbung und Film oft als Kulisse. Täglich produzieren zahlreiche Influencer viele Dutzend Videos und manche berichten in ihren Streams über die wichtigsten Ereignisse in der Schachwelt. Schach ist so betrachtet präsenter als viele andere Sportarten im Netz. Wenn Magnus Carlsen mal auf den Tisch haut, dann bebt sogar das Internet und allgemeine Medien greifen dieses scheinbar rüpelhafte Verhalten gerne auf.

Von diesem medialen Grundrauschen sollte eigentlich der organisierte Schachsport profitieren. Aber in Deutschland beherrschen immer wieder negative Schlagzeilen die Szene und die Gründe dieses zunächst überraschenden Befundes sind beim Deutschen Schachbund (DSB) weitgehend hausgemacht. Mit etwas gutem Willen und vielleicht der einen oder anderen personellen Neuausrichtung könnte man viel erreichen.

Für das Außenbild von Organisationen ist die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Der Deutsche Schachbund stellt sich zu oft selbst ein Bein. Schauen wir kurz genauer hin was ist und was sein sollte.

Wie es laufen sollte

Pressearbeiter auf der Seite des organisierten Sports haben ein Interesse daran, dass die eigenen Erfolgsgeschichten erzählt werden. Dafür benötigt man Pressemitarbeiter, die ihr Handwerk und ihre Rolle verstehen: Als Pressemensch eines Sportverbandes ruft man beispielsweise Journalisten an, stellt sich vor und fragt, ob man etwas für den Kollegen auf der anderen Seite tun kann. Journalisten sind übrigens bestechlich und zwar mit exklusiven Informationen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass eine positive Geschichte im Sinne des Verbandes geschrieben wird. Das ist der Idealfall.

Wer als Sportverband seine Themen in die Öffentlichkeit tragen will, der kann viele Instrumente der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Beispielsweise können Verantwortliche Themenlisten aufstellen und interessierten Journalisten anbieten. Falls Journalisten Fragen haben oder einen Ansprechpartner suchen, dann sollte ein Pressearbeiter eines Sportverbandes im besten Sinne Zuarbeiter für Journalisten sein. Das ist Handwerk in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Eine andere Idee wäre es, einen regelmäßig erscheinenden Pressespiegel zu erstellen und intern und extern zu veröffentlichen. So bekommt man zudem seinen eigenen Presseverteiler ausgebaut und kann sich mit diesen Journalisten besser vernetzen. Anders als beim Fußball beispielsweise ist die Zahl derer, die regelmäßig für Schachzeitungen oder in der allgemeinen Presse das Thema Schach behandeln, einigermaßen überschaubar. Aber eines kann ich garantieren: Wer regelmäßig über Schachthemen schreibt hat kein Interesse den Schachsport schlecht aussehen zu lassen. Aber es ist nicht die Aufgabe von Journalisten vom Hofe zu berichten und den Mächtigen im Sport einen Teppich auszulegen.

Wie es beim Schachbund gerade läuft

Der aktuelle Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und vermutlich auch irgendjemand im Präsidium hat eine andere Weltsicht und entsprechend stellt der DSB sich auf. Beim Spitzenverband des Schachsportes in Deutschland glaubt man möglichst gar nicht mit Journalisten zusammenarbeiten zu müssen, denn die sind nur lästig und schreiben zu oft nicht was die Verbandsvorderen gerne hören wollen.

Einige Beispiele

Der hauptamtliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter des DSB begann seine Karriere im Spätsommer 2024 damit, dass er einem erfahrenen Redaktionsleiter die Welt erklärte und seinen Job gleich mit, weil ihm ein Interview, das ein Referent des DSB über Seniorenschach gab und das im Medium des Redaktionsleiters veröffentlicht wurde, den Verantwortlichen im Schachbund nicht gefiel. Statt sich zunächst nett einzuführen und Gemeinsamkeiten zu suchen, setzte der inzwischen oberste Pressearbeiter des Schachbundes gleich eine erste Duftmarke. Es muss nicht weiter erläutert werden wie das ankam und wie sich die weitere Zusammenarbeit entwickelte. Nebenbei sei erwähnt, dass die Reaktion des Schachbundes die Empörung über die geringe Finanzausstattung von Seniorenturnieren erst richtig befeuerte. Eine Art ungewollte Folge also. Nennen wir es Fehlstart.

Pressemeldungen aus der Hölle

Der Deutsche Schachbund gibt auch sonst bei vielen anderen Themen keine besonders gute kommunikative Figur ab: Greifen wir zunächst das noch recht aktuelle Beispiel um eine Spielerin auf, die bei der deutschen Jugendmeisterschaft einen ersten Platz erzielte und gar nicht so lange zuvor noch als Junge in den Ranglisten zu finden war. Die Spielerin ist einer schwierigen Lebensphase und hat von dem neuen Selbstbestimmungsrecht Gebrauch gemacht. Es gab Kritik an der Spielberechtigung für die junge Spielerin. Der DSB bezog Stellung und stützte die Spielerin und ihr Anliegen. Soweit ist diese Position sympathisch. Wie der Schachbund allerdings kommunizierte ist ein Beispiel dafür wie man es sicher nicht machen sollte.

Schauen wir genauer hin und beschränken wir uns auf die Überschrift und den Lead des Textes vom 24.Juni 2025.

„Schach ist bunt und inklusiv.“ Der Deutsche Schachbund mit einer klaren Haltung – und gegen Vorstöße von Ehrenamtlichen: „Auch Transfrauen werden weiterhin mitspielen.“

„Schach ist bunt und inklusiv.“ – Deutscher Schachbund – Schach in Deutschland

Zum Inhalt und der Diskussion will ich mich gar nicht äußern, aber es ist keine Überraschung, dass es zu diesem Thema unterschiedliche Meinungen und nachvollziehbare Argumente gibt. Im Schachkicker gibt es eine Reihe von Texten, die überwiegend eine andere Sichtweise repräsentieren. Meinungsvielfalt ist bei einem kontroversen Thema kein Problem, aber der Umgang damit ist es schon. Die interne Aufgabe eines Sportverbandes und der eigenen Öffentlichkeitsarbeit bestünde darin, eine Diskussion zu kanalisieren und auftretende Kontroversen möglichst nicht öffentlich auszutragen. Der DSB wählte einen anderen Weg und schuf seine eigene Kommunikationskrise. Bravo.

Im Text und Lead zitiert man sich sozusagen selbst und wollte die Diskussion offenbar von Anfang an im Keime ersticken. Pustekuchen. Wenn ein hauptamtlicher Mitarbeiter die Meinungen von Ehrenamtlichen per Pressemitteilung abqualifiziert, selbst wenn man der Meinung ist, dies sei eine unterstützenswerte Position, funktioniert solch eine Kommunikation in keiner Welt. Das ist eigentlich nicht schwierig zu verstehen. Besonders geärgert haben dürfte man sich beim DSB als in der direkten Folge eine ehrenamtliche Referentin der DIE WELT ein Interview gab, das für noch mehr interne Aufregung sorgte.

Hauptamt und Ehrenamt

Leisten wir uns einen kurzen Exkurs zu den Machtstrukturen des DSB: Die Macht hat im organisierten deutschen Schach auf Bundesebene ein ehrenamtliches Präsidium, das auch für das Führen der hauptamtlichen Mitarbeiter zuständig ist. Im Präsidium sind vier Personen gewählte Vertreter. Hinzu kommen zahlreiche Ehrenamtler im Referentenrang, die inhaltlich zuarbeiten sollen, im besten Fall. In der jüngeren Vergangenheit gab es immer wieder Kritik, dass die Referenten nichts zu bestellen haben und, dass die interne Kommunikation im Verband nicht so funktioniert, wie man sich das wünschen würde.

In solch einer Gemengelage platzierte der Schachbund seine Pressemeldung, die einigen Ehrenamtlichen über den Mund fährt. Das ist nicht nur wenig schlau, sondern führt bei den meisten Erwachsenen entweder zur inneren Kündigung des Engagements oder zu offenem Protest. Vermutlich passiert beides je nach eigener Persönlichkeit. Aber nicht nur Betroffene registrieren den Umgang mit ehrenamtlich Engagierten, sondern auch andere Referenten machen sich ihre Gedanken.

Es gibt noch einige kleinere Baustellen, die ich nur kurz ansprechen will: Die Aufgabe eines Sportverbandes ist es sicher nicht Werbung für zufällig ausgewählte Literatur und kommerziell organisierte Veranstaltungen und Turniere zu machen. Warum ein Sportverband das nicht tun sollte ist einfach: Man schafft Präzedenzfälle und beispielsweise Verleger könnten künftig auf die Idee kommen, solche Leistungen beim Schachbund einzufordern. Der Verband wäre in der Bredouille und müsste begründen warum er es einmal macht und in einem anderen Fall nicht machen will.

Höhepunkte, die der Pressesprecher zu Tiefpunkten machte

Senioren-WM zum Jubiläum

Beginnen wir mit der Nachricht, dass der deutsche Schachbund sich in seinem Jubiläumsjahr 2027 um eine Seniorenweltmeisterschaft bemüht und diese in Magdeburg stattfinden soll. Der Schachbund veröffentlichte zunächst eine derart widersprüchlich formulierte Pressemeldung, dass einige Beobachter meinten, dass der Schachbund die Einzelweltmeisterschaft in Magdeburg ausrichten möchte. Das sorgte für Verwirrung und bei einem, der sich ebenfalls dafür bewirbt und mit dem DSB in Kontakt steht, für verständliche Enttäuschung. Der Fall war dann recht schnell aufgeklärt und die Pressemeldung korrigiert – und nur noch diese wird vom DSB auf seiner Homepage angezeigt: In Magdeburg soll das Teamevent stattfinden. Solche kommunikativen Kurzkrisen können passieren, sind aber natürlich ärgerlich und die direkte Folge einer recht untalentiert geschriebenen Pressemeldung.

Eine sportliche Großtat

Deutschland kann nach 34 Jahren wieder auf einen Spieler hoffen, der eine Chance bekommt, um die Weltmeisterschaft im Schachsport zu spielen. Matthias Blübaum qualifizierte sich beim Grand Swiss im usbekischen Samarkand für das Kandidatenturnier 2026. Eine tolle Nachricht für das deutsche Schach. Vor der letzten Runde hatten sogar noch zwei Spieler die Chance sich zu qualifizieren. Vincent Keymer war auch im Rennen und scheiterte nur knapp.

Die Aufgaben eines Presse- und Öffentlichkeitsarbeiters in solch einer Situation sind recht einfach erklärt: Man bereitet sich auf Eventualitäten und mögliche Presseanfragen vor. Dazu telefoniert man zunächst beispielsweise seine hoffentlich vorhandenen Journalistenkontakte ab und bietet Handreichungen aller Art. Dazu gehören Hinweise und Informationen, Links zu Texten und Interviews aus der jüngeren Vergangenheit. Hilfreich ist sicher auch die Information wo man Fotos von der Veranstaltung findet, oder ob aus dem eigenen Fundus Fotos möglichst honorarfrei genutzt werden können. Auch das ist Handwerk.

Der Verantwortliche im Schachbund vertritt offenkundig eine diametral andere Linie. Für ihn sind Journalisten die Zuarbeiter. Florian Pütz, ein Journalist vom „Der Spiegel“, der regelmäßig über Spitzenschach berichtet, meldet sich per X, vormals Twitter, mit einem kleinen Hinweis, der an Peinlichkeit für den DSB kaum zu übertreffen ist. Der DSB-Verantwortliche hat in seiner Pressemeldung bei Pütz eine ganze Passage abgeschrieben und das nicht kenntlich gemacht. In der echten Welt der Pressearbeit sollte es andersrum laufen.

Hinweis aus Transparenzgründen

Der Deutsche Schachbund hat am 26. Juni 2025 zu meiner Person eine Schmähpressemitteilung herausgegeben. Für sich genommen ist das ein einmaliger Vorgang, der ein zusätzlicher Beleg ist für die oben zusammengefasste Bewertung, dass der DSB sich im Wettbewerb mit Journalisten wähnt und eine sagen wir eigenwillige Vorstellung von Pressearbeit und Pressefreiheit zu haben scheint. Die Meldung des DSB ist zudem so schlecht geschrieben, dass man als Uneingeweihter nicht einmal den Zusammenhang versteht, nur die Abneigung gegen einen angeblich bösartigen Journalisten kommt zum Ausdruck. Daher habe ich mich entschlossen einen kurzen Erläuterungstext dazu zu verfassen, inklusive einiger zusätzlicher Informationen, welche die Position des Schachbundes ins rechte Licht rücken. Es darf übrigens laut gelacht werden.



Dali-Style erstellt mit NanaBanana.ai. von Thorsten Cmiel,

Von Thorsten Cmiel

Irgendwer beim Schachbund kam bei Ansicht der Broschüre auf eine bemerkenswerte Idee: Die Fraktur in der Überschrift hat eine üble Anmutung. Man ist beim Schachbund offenbar der Meinung, die Fraktur sei eine Nazischrift.

Am ersten Tag kam der lokale Organisator der deutschen Seniorenmeisterschaft in Bad Neuenahr 2025 zu mir und erzählte mir eine Art Räuberpistole und er konnte diese auch belegen – zunächst mit einer Geister-Broschüre. Der Deutsche Schachbund (DSB) hatte ihm untersagt, seine bereits gedruckte Broschüre zu verteilen, weil die Überschrift in Fraktur geschrieben war. Jetzt bin ich kein Fan einer eher wenig leserlichen Schnörkelschrift, aber die Fraktur wird von vielen angesehenen Tageszeitungen noch heute im Titel genutzt. Mein Interesse war geweckt.

Der lokale Organisator hatte letztlich dem Schachbund eine Art Entschuldigungs-E-Mail geschrieben, weil er sich unter Druck gesetzt fühlte und eine Broschüre zum Verteilen wollte – die bekam er dann mit reichlich Verspätung. Bei Senioren, insbesondere bei vielen Älteren, sind Broschüren der bevorzugte Informationsquelle. Die E-Mail ärgerte ihn aber auch im Nachhinein, weil er sich vom Schachbund in eine rechte Ecke geschoben fühlte – von einer Faust in einer Tasche war die Rede.

Über diese kleine Geschichte einer Schrift und einer nicht verteilten Broschüre schrieb ich dann in meinem Text einen kurzen harmlosen Absatz bei dem der Schachbund aus meiner Sicht sehr gut wegkommt und mit der auch der lokale Organisator einverstanden war.


„Die Teilnehmerzahl war nicht so hoch wie bei der letzten Seniorenmeisterschaft in Bad Wildungen. Im Vorfeld gab es Irritationen um einen Flyer der lokalen Organisatoren für die Veranstaltung, der vom Deutschen Schachbund vor allem wegen der Verwendung einer Schriftart nicht akzeptiert wurde, und dessen später Ersatz in der Produktion längere Zeit ein Informationsvakuum erzeugte. Dass diese Provinzposse die Teilnehmerzahl beeinflusst hat, ist wahrscheinlich, meint Gottfried Schumacher, der den Kontakt zum Hotel vor Ort hielt. Schumacher zeigte sich enttäuscht von der Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle in Berlin.“

Diese kurze Passage triggerte dann offenbar den Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Schachbundes und die Geschäftsführerin. Der Pressereferent unterstellte mir unter anderem triumphierend in seiner Pressemeldung, dass ich nicht erwähnt hätte, dass es sich um die Fraktur handelt. Das für sich genommen ist lustig, denn es zeigt fehlende Kenntnisse beim Schachbund über die Frakturschrift.

In seinem Text schreibt der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des DSB, dass die Sache geregelt war aus Sicht der Geschäftsstelle. In seinem Text zitiert der Öffentlichkeitsarbeiter übrigens aus der genannten Entschuldigungs-E-Mail und aus einem nicht ganz freundlichen Austausch, den er und ich ebenfalls hatten. Der DSB hat weder die Autorisierung aus einer der zwei genannten E-Mails zu zitieren noch dies selektiv und sinnentstellend zu tun. Ich könnte aus seiner E-Mail an mich auch zitieren wie der Pressearbeiter mir mit seinen Kanälen gedroht hat, wenn ich nicht die Position des Deutschen Schachbundes in meinem Text anführe. Ich gab ihm die Chance eine kurze Anmerkung zu schreiben, er hat das Angebot öffentlich ausgeschlagen.

Ein weiteres presserechtliches und rügefähiges Foul des DSB ist das Nichtverlinken zum Originaltext, denn nur so ist die Pressemeldung für Leser überhaupt verständlich. Anmerkung: Der DSB unterliegt nicht dem Presserecht und -kodex, aber deren Vertreter glaubt andere maßregeln und journalistisch bewerten zu müssen. Das ist weder angemessen noch akzeptabel. Jeder blamiert sich auf seinem Niveau. (TC)


Von Thorsten Cmiel Irgendwer beim Schachbund kam bei

Historisches Foto: José Raúl Capablanca. Illustration: NanaBanana.ai

Der Kubaner José Raúl Capablanca (1888 – 1942) war der dritte Weltmeister in der Geschichte des Schachspiels. Capablanca gehört zu den anerkannt besten Spieler aller Zeiten. Ihm sei diese neue Serie von Schachaufgaben gewidmet. Wir lösen damit die Lasker-Aufgaben ab.


Erfahrene Spieler werden diese Gewinnführung als einfach empfinden, aber es ist manchmal ganz hilfreich Standardgewinnführungen zu wiederholen. Wie gewinnt Weiß diese Stellung – es kommt weniger auf einzelne Züge, sondern die Idee an. Technik.


Auch hier muss Weiß eine Gewinnführung zeigen. Als Hilfe: Die Lösung ist studienartig, also nicht zu einfach.


In dieser Stellung gab der Weißspieler auf, da er keine Idee hatte, um das Matt abzuwehren. Können sie ihm helfen?


Diese Stellung habe ich bei Jan Timman auf X gefunden. Wie immer bei dem holländischen Großmeister ist es nicht so einfach, aber besonders zufriedenstellend die Lösung zu finden. Oder?

In praktischen Partien begegnen den Spielern in jeder Turnierpartie unterschiedliche Aufgaben und nicht immer sind es einfache Taktiken. Insofern finde ich neben thematischen Aufgabenzusammenstellungen einen Mix aus unterschiedlichen Aufgabentypen hilfreich.

Hinweis

Die Partien können heruntergeladen werden, indem man auf den Downloadbutton unter Diagrammen klickt.


Mehr Lasker-Aufgaben

Historisches Foto: José Raúl Capablanca. Illustration: NanaBanana.ai Der

Historisches Foto: José Raúl Capablanca. Illustration: NanaBanana.ai

Der Kubaner José Raúl Capablanca (1888 – 1942) war der dritte Weltmeister in der Geschichte des Schachspiels. Capablanca gehört zu den anerkannt besten Spieler aller Zeiten. Ihm sei diese neue Serie von Schachaufgaben gewidmet. Wir lösen damit die Lasker-Aufgaben ab.


Diese Stellung habe ich bei Stefan Löffler in seiner Kolumne für die Frankfurter allgemeine Zeitung gefunden. Wie gewinnt Weiß hier?


Beginnen wir die Aufgaben mit einer einfachen Gewinnführung. Wie gewinnt der Anziehende in dieser Stellung in der er einen gedeckten Freibauern mehr hat?


Diese Stellung ist eine Studie oder das Ende einer solchen aus dem Jahr 1895. Das Material ist stark reduziert. Kann Weiß noch gewinnen? Wie?


Diese Stellung habe ich im Internet gefunden. Leider geben oft die Tweeter die Quellen nicht an, aber ich vermute, dass es sich um eine Studie handelt, deren Autor können wir also leider nicht ehren mit der Veröffentlichung. Aber wie geht es hier weiter?

In praktischen Partien begegnen den Spielern in jeder Turnierpartie unterschiedliche Aufgaben und nicht immer sind es einfache Taktiken. Insofern finde ich neben thematischen Aufgabenzusammenstellungen einen Mix aus unterschiedlichen Aufgabentypen hilfreich.


Mehr Lasker-Aufgaben

Historisches Foto: José Raúl Capablanca. Illustration: NanaBanana.ai Der

Illustration erstellt mit: NanaBanana.ai.

In Samarkand qualifizierte sich beim Grand Swiss nach Jahrzehnten wieder ein deutscher Schachspieler für das nächste Kandidatenturnier. Matthias ist amtierender und zweifacher europäischer Champion, dennoch hatte ihn niemand auf dem Zettel. Wie lief sein Turnier eigentlich? Was zeichnet sein Schach aus?

Von Thorsten Cmiel

Im Jahr 2023 qualifizierte sich der Inder Vidit Gujrathi mit 28 Jahren erstmals für ein Kandidatenturnier. In Toronto spielte Vidit ein herzzerreißendes Turnier mit vielen Aufs und Abs. Vidit hatte bei seiner Qualifikation im Grand Swiss mit einer Niederlage angefangen. So ähnlich lief es bei Matthias, ebenfalls 28, ebenfalls, er begann mit zwei Remis und schien sich bereits früh aus dem Turnier verabschiedet zu haben. Dann folgten drei Siege in Folge und zwei Runden später gab es noch einen starken Sieg gegen den Inder Arjun Erigaisi. Insgesamt spielte Matthias Bluebaum gegen fünf Supergroßmeister, was ihm am Ende einen guten Gegnerschnitt und die Qualifikation unter drei punktgleichen Spielern sicherte.

Turnierverlauf Grand Swiss in Zahlen

Die Elo-Entwicklung von Matthias Bluebaum

Der Deutsche wird durch seine tolle Leistung in Samarkand 22 Punkte zulegen und mit 2693 nur sieben Zähler unter der virtuellen Schallgrenze von 2700 Punkten stehen – die höchste Wertzahl, die der junge Mann aus Lemgo je aufwies. Bei 2700 liegt die inoffizielle Grenze zum Supergroßmeister und die absolute Elite beginnt, zumindest in der Welt der Schachspieler, die von Zahlen und Vergleichen dominiert wird.

Auf Matthias vorbereiten

Es gab vor vier Jahren eine grundsätzliche Kritik an Matthias Bluebaum, der mit seinem Repertoire zu eng aufgestellt sei, um in die Weltklasse aufzusteigen. Bluebaum sei zudem „kein starker Spieler“, untalentiert hieß es von einem Ex-Deutschen, der wohl etwas zu pointiert argumentierte. Matthias scheint durchaus Humor zu haben und nannte seinen Twitch-Account passend zur Schmähkritik „KeinSehrStarkerSpieler„.

Schauen wir dennoch zumindest grob hin, wie es mit dem Eröffnungsrepertoire von Matthias aussieht. Das ist insofern spannend als man die Partien in Samarkand mit diesen Erkenntnissen abgleichen kann und sieht wie die Vorbereitungssituation für seine Gegner war. Der Verlauf könnte die Frage beantworten, ob das solide Eröffnungsrepertoire diesmal ein so großer Nachteil war. Matthias Bluebaum hat zudem weder Trainer noch Sekundanten. Das ist wegen der fehlenden Unterstützung in Deutschland keine Seltenheit bei Spitzenspielern, die nicht Vincent Keymer heißen und fehlende finanzielle Möglichkeiten sind ein ernsthaftes Argument, nicht mehr in der Eröffnungsarbeit leisten zu können.

Weißrepertoire

Matthias Bluebaum spielt ausschließlich geschlossene Systeme. Den Damenbauer zwei Felder vorzuziehen ist sein bevorzugter Start in die Partie. Das erleichtert Gegnern die Vorbereitung. Auf der anderen Seite kennt Matthias seine Systeme sehr gut. Ein Großteil der Partien waren zuletzt Blitzpartien, dabei ist bei einer konkreten Vorbereitung zu prüfen, ob er bei den Titled Tuesdays beispielsweise oft experimentiert.

Schwarz gegen 1.e2 – e4

Die Gegner von Matthias müssen sich keine Sorge machen, auf einen Sizilianer (1…c5) zu treffen. Die Hauptwaffe von Bluebaum ist die französische Verteidigung. Caro Kann ist eine halboffene Alternative und gelegentlich zieht er seinen e-Bauern zwei Felder vor.

Schwarz gegen 1.d2 – d4

Auch gegen den Damenbauern setzt Matthias auf ein recht enges Repertoire. Neben Nimzoindisch muss man bei ihm auch mit Ragozin rechnen.

Stilreport nach Chessbase

Seit der neuesten Version (18) des führenden Datenbankprogramms der gepflegten Schachanalyse gibt es dort eine Stilanalyse. Ich bin skeptisch, dass dies eine Hilfe ist, aber zur Ersteinschätzung der signifikanten Eigenschaften von Spielern bietet das Tool einen guten ersten Überblick. Ich hatte eine Erwartungshaltung zu den Partien von Matthias und Vincent, den ich zum Vergleich heranziehen möchte. Hier die Ergebnisse.

Ich schätze beide deutsche Topspieler als positionelle Spieler ein, die mit Weiß geschlossene Stellungsstrukturen bevorzugen. Das wird deutlich durch die recht geringen Werte bei der Angriffslust. Bemerkenswert ist aus meiner Sicht, dass Vincent deutlich mehr Risikobereitschaft zu haben scheint – in objektiver Betrachtung – diesen Eindruck vermittelte auch das Turnier in Samarkand. Matthias wurde 2015 mit 18 Jahren zum Großmeister ernannt und seine erste GM-Norm stammt aus dem Jahr 2013. Vincent Keymer ist seit 2020 Schachgroßmeister, er schaffte den Titel etwas früher.


Turnierstart – zwei ereignislose Remis

Die beiden ersten Partien sind alles was man am modernen Schach kritisieren kann. Beide Spieler waren lange in der Vorbereitung und nicht einmal eine Ungenauigkeit unterlief den Großmeistern. Die verbrauchte Bedenkzeit beider Spieler in beiden Partien war recht gering und jeweils unter einer Stunde. Mit Weiß hatte Matthias mit dem Königsspringer begonnen und in der zweiten Partie Caro-Kann gespielt.

Die Explosion – drei Siege in Folge

Zunächst folgte eine schicke und fehlerlose Positionspartie von Matthias, der gegen seinen Gegner, den norwegischen Großmeister Jon Ludvig Hammer, nach dessen fehlerhaftem Spiel einfach Material einsammelte und gewann. In der vierten Runde spielte Matthias gegen einen chilenischen Großmeister und der Verlauf war ähnlich und zunächst ein positioneller Häuserkampf. Der deutsche Spieler verspielte in Gewinnstellung durch ein grobes Versehen im 35. Zug (Läufer zieht nach c7) seinen Vorteil einmalig, bekam eine zweite Chance und gewann erneut verdient. Das Meisterstück in der ersten Turnierhälfte gelang Matthias in seiner Partie gegen die indischen Ausnahmegroßmeister Praggnanandhaa, Pragg. Die Partie wurde entschieden durch einen groben Fehler des Inders, während Bluebaum erneut fehlerfrei agierte. Eine ganz starke Leistung.


Wie Matthias gegen Pragg gewann

Die größte Schwäche des Inders Praggnanandhaa ist seine schlechte Zeiteinteilung. In der Partie gegen Matthias waren vergleichsweise gar keine so schwierigen Probleme zu lösen. Im entscheidenden Moment allerdings wären wenige Minuten sicherlich hilfreich gewesen.


Die entscheidende Situation in dieser Partie ist erreicht. Wie sollte Pragg mit Schwarz das Problem lösen, dass sein b-Bauer schwer unter Beschuss steht? Der Inder hatte noch etwas mehr als anderthalb Minuten auf der Uhr und findet überraschend nicht die beste Fortsetzung.

Remis vor dem Ruhetag

Die Partie der sechsten Runde ähnelte vom Verlauf und von der Partieanlage her den ersten zwei Runden. Beide Spieler spielten laut Rechenknecht fast optimales Schach und die Partie endete nach 30 Zügen mit Remis.

Sieg gegen Erigaisi – Zweites Meisterstück

Die Partie gegen den zweiten Top-Inder, der gegen Matthias Bluebaum gewinnen wollte, war eine weiteres Gesamtkunstwerk, das Renier Castellano für LiChess, die technologisch führende Schachplattform, ausführlich analysiert hat. Mehr seiner Analysen finden sich hier.

Hinweis: Falls kein Diagramm angezeigt wird, handelt es sich um ein Popup-Diagramm, das man durch klicken auf die Notation aktivieren kann. Zudem können die Partieanalysen einfach durch Klicken auf einen Button unter dem Diagramm heruntergeladen werden.


Vorsprung halten

Es folgte zunächst eine weitere ereignislose Weißpartie gegen Nihal Sarin, der ebenfalls grandios aufspielte in Samarkand. Beide Spieler versuchten wenig und folgten ausgetreten Pfaden. Man war sich irgendwann offenbar handelseinig, aber die Reklamation dreimaliger Stellungswiederholung erfolgte etwas später als notwendig.

Ein Malheur kostet Vincent die Qualifikation

Ein Großmeister der Worte beschreibt die entscheidende Situation vor dem Fehler für die Wochenzeitung „Die Zeit“ so:

Blübaum sah die Niederlage gegen Keymer kommen. Aber er spielte weiter, zäh, Zug um Zug. Zähigkeit ist die zweitwichtigste Eigenschaft an der Spitze. Keymer könnte gleich mit dem Turm ziehen, um einen weiteren Bauern zu gewinnen, und das wär’s dann. Da erkennt Blübaum: Wenn Keymer den Turm zieht, gibt es eine kleine, giftige Kombination, einen letzten Trick. Aber Keymer würde das sehen, keine Frage.

(Ulrich Stock in: Die Zeit vom 16. September 2025)


Das ist die Stellung, die Ulrich Stock in der obigen Passage beschreibt. Was passiert nach dem weißen Zug mit dem Turm nach h7, den Stock oben beschreibt?

Die entscheidende Situation ist ebenfalls in dem Rundenbericht zur zehnten Runde ausführlich beschrieben (Klick auf das Bild öffnet den Text).

Die Finalpartie gegen Alireza Firouzja

Die Ausgangslage stellte sich so dar: Matthias Bluebaum hatte von allen fünf Spielern mit sieben Punkten (+4) die beste Wertung. Es gab zwar noch einen Spieler (Mishra Abhimanyu aus den USA), der bei einem Remis durch einen Sieg noch vorbeiziehen konnte, der hatte aber Schwarz und spielte gegen einen auf dem Papier stärkeren Gegner (Vidit Gujrathi aus Indien). Matthias würde also genau das tun, was er am besten kann. Solide Schach spielen. Die anderen Spieler mussten auf Gewinn spielen. Das gelang allerdings nur dem Niederländer Anish Giri gegen den US-Großmeister Hans Niemann. Vincent musste mit Schwarz gegen den Inder Arjun Erigaisi ran.

Der Verlauf war erwartbar. Der Wahlfranzose Firouzja versuchte Verschärfungen, kam aber gegen den soliden deutschen Großmeister nicht voran. Als deren Partie mit Remis beendet war, stand ein deutscher Spieler im Kandidatenfinale. Die Frage war nur noch wer. Vincent verpasste auch in dieser Partie seine Chancen und der Rest ist Geschichte. Nach 34 Jahren folgt endlich wieder ein deutscher Schachgroßmeister den Spuren des in diesem Jahr verstorbenen Robert Hübner (1948 – 2025). Es ist Matthias Bluebaum.

Bei der Siegerehrung kam Alireza Firouzja, der das Turnier als Dritter beendete, nicht vorbei. Eine schlechte Angewohnheit unter manchen Spitzenspielern, die mit Preisgeldabzug geahndet wird. Matthias, Vincent und Alireza teilen auf den Plätzen zwei bis vier die Geldpreise und bekommen etwas mehr als 62 Tausend US-Dollar. Alireza dürften laut Regularien standardmäßig zehn Prozent davon abgezogen werden.

Qualitätsbewertung des Spiels nach Mehmet Ismail

Beim Schach geht es Mehmet Ismail zufolge nicht nur um Präzision, sondern auch darum, kalkulierte Risiken einzugehen. Hierfür hat der Datenexperte den Game Intelligence (GI)-Score entwickelt, der einen Kompromiss zwischen dem Spielen der Hauptvariante und dem Abweichen davon zum Eingehen von gezielten Risiken erfasst.

Ergebnis Fehleranalyse im Turnier

Bei recht typischer Sensitivitätseinstellung der Engine kritisiert Stockfisch 17 einen groben Fehler, einen Fehler und wenige Ungenauigkeiten im Spiel von Matthias Bluebaum im gesamten Turnier. Das ist eine Folge von guter Vorbereitung und Kenntnis des eigenen Eröffnungsrepertoires. Fünf der von Bluebaum gespielten Partien weisen von beiden Spielern keine Fehler auf – in Enginebewertung. Matthias hat im Turnier keine Partie verloren und stand nur einmal auf Verlust, nachdem er insgesamt drei ungenaue Züge gegen Vincent gespielt hatte. Diese sehr guten Werte von Matthias Bluebaum über das gesamte Turnier sind für Spieler des Typs Matthias Bluebaum keine Überraschung und das entspricht auch der im Stilreport erwarteten Herangehensweise. Dass der Deutsche sich gegen sehr starke Großmeister (2700+) mit +2 (aus fünf) sehr stabil zeigte, spricht für die Spielweise des Deutschen, der seine Gegnern vor die unangenehme Aufgabe soliden Spiels stellt und daher nur schwer zu besiegen ist.

Wahrscheinliche Geschichte eines Fotos

Hier erfährt Anish Giri, dass Matthias Bluebaum weder Coach noch Trainer hat. Giri realisiert wie viel Geld er in Sekundanten und Trainer in seiner Karriere bereits investiert hat und ist offensichtlich erstaunt.

Matthias Bluebaum im Gespräch

Nach dem Turnier gab Matthias Chessbase India ein kurzes Interview.

Eine deutsche Transkription des Gesprächs findet sich in den Perlen vom Bodensee.

Matthias Blübaum bei Wikipedia.

Fotos aus Samarkand: Michal Walusza, FIDE Chess.

Hinweis des Autors

Ich habe mich entschlossen Matthias Bluebaum zu schreiben, obwohl er in Deutschland und vermutlich auch in seinem Reisepass eine etwas andere Schreibweise seines Namens führt – Blübaum – also einem Buchstaben („ü“), den nicht jede Sprache und Tastatur kennt. Der letzte deutsche Kandidat Robert Hübner hatte auch diesen seltenen Buchstaben in seinem Namen. Vermutlich ist in der Vergangenheit irgendwann bei den Blühbaums ein „h“ im Namen der Familie verloren gegangen. Schade, dann wäre der Name gleichbedeutend mit einem blühenden Baum, das sind Gehölze, die Blüten tragen und oft besonders farbenfroh sind. Buchstaben hin oder her: Die deutsche Schachöffentlichkeit dürstet jedenfalls nach etwas mehr Farbe in der Szene und die könnte jetzt auch ohne „h“ ins Spiel kommen.


Hinweis

Partien können im Diagramm-Modus heruntergeladen werden. Dafür muss man den hier markierten Button nutzen.


Illustration erstellt mit: NanaBanana.ai. In Samarkand qualifizierte sich