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Titelfoto: Michał Walusza (FIDE Chess)

Der 19-jährige Usbeke Javokhir Sindarow gewinnt nach zwei Schnellpartien den World Cup 2025 im indischen Goa und sichert sich ein Preisgeld von 120.000 US-Dollar. Sein chinesischer Gegner Wei Yi bekommt 85.000 Dollar und beide sind erstmals Kandidaten für die Gukesh-WM.

Von Thorsten Cmiel

World Cup 2025, Goa (Indien). Der Wettkampf der beiden Schachgroßmeister war lange Zeit ausgeglichen. Am Ende gewann der jüngere Spieler und daran könnte die letzte finale Frische einen erheblichen Anteil gehabt haben. Für beide Spieler gab es bis zum Finale viele Partien und teilweise schwierige Situationen zu meistern. Tatsächlich waren die beiden klassischen Partien sehr präzise Partien ohne echte Höhepunkte für die Zuschauer. Nur für einen kurzen Moment war der Chinese mit Schwarz dran an einer etwas besseren Stellung, aber er verpasste seine kleine Chance.

Bilanzen beider Finalisten

Die Tabellen geben einen guten Überblick. Die ersten zwei Kämpfe gewann der Usbeke bereits in der klassischen Phase. Danach wurden die Gegner stärker und es wurde knapper. Gegen Frederik Svane gewann Sindarov noch einmal mit klassischer Zeitkontrolle. Bemerkenswert ist, dass der Usbeke keinen Wettkampf im Blitzen spielen musste. Wei Yi hingegen musste gegen den Iraner Parham Maghsoodloo in die erste Blitzrunde (5+3).

Wei Yi verliert erst in der letzten Partie des Turniers. Man muss allerdings anmerken, dass der Inder Arjun Erigaisi bei etwas mehr Einsatz gegen den Chinesen auf Gewinn stand. Auch die zweite Schnellschach-Partie gegen Andrey Esipenko war ein kleines Überlebenswunder. Insofern scheint der Sieg des Usbeken im World Cup eindeutig verdient zu sein.

Resultate beim World Cup in Goa.


Erste klassische Partie endet friedlich

Zu den zwei klassischen Partien gibt es wenig zu sagen. Lediglich in der ersten Partie verpasste der Chinese Wei Yi eine kleinere Chance, die seine einzige in diesem Wettkampf bleiben wird.


Die Stellung ist ein wenig aus den Fugen geraten. Wie sollte der Usbeke mit den weißen Steinen am besten fortsetzen?


Wie sollte Wei Yi hier mit Schwarz fortsetzen? Der Chinese findet an dieser Stelle nicht die richtige Fortsetzung und die Partie verflacht in der Folge zusehends.



Wenig los in der Zweiten

Das beste was man über die Partie sagen kann ist, dass es sich im Abgleich mit der Rechenmaschine um perfektes Schach handelte. Für Zuschauer war die Partie natürlich nicht so spannend. Zu kommentieren gab es nichts, auch wenn sich die Live-Moderatoren Jan Gustafsson und Peter Leko redlich bemühten.


Sindarov gewinnt den Stichkampf

Bereits nach zwei Schnellschachpartien (15+10) war der Wettkampf beendet. Der Usbeke Javokhir Sindarov triumphierte nachdem Wei Yi ein Turmopfer zum Ausgleich ausgelassen hatte. Ein Motiv, das er im Halbfinale gegen Andrei Esipenko in ähnlicher Form noch gesehen hatte.

Die Qualität der Partien war weiterhin sehr hoch. Diesmal bekam der Chinese keine Chance. Sindarov hatte bereits in der ersten Partie für einen Zug lang eine Gewinnchance im Endspiel ausgelassen. Entscheidend war letztlich dann ein grobes Versehen des Chinesen mit 20 Sekunden auf der Uhr. Damit war der World Cup beendet und der 19-jährige Javokhir Sindarov der verdiente Sieger. Er war damit der erste Usbeke seit Rustam Kasimdzhanov, der 2004 im lybischen Tripolis ein ähnliches Format mit 128 Teilnehmern gewann und zum FIDE-Weltmeister gekürt wurde. Nicht zu vergessen bei historischen Betrachtungen ist natürlich der Team-Erfolg der Usbeken, die in Chennai 2022 die Goldmedaille bei der Schacholympiade gewannen. Seither sind die Usbeken des Teams nationale Helden. Zuletzt hatte der Düsseldorfer Unternehmer Wadim Rosenstein angekündigt, in Usbekistan Sindarov-Schachschulen zu eröffnen. Gutes Timing.


Wie sollte der Usbeke Sindarov mit Weiß hier am besten fortsetzen? Wie ist die Stellung danach zu bewerten? Wer will, rechnet ein wenig. Die relevanten Varianten finden sich in der folgenden Analyse.



Der entscheidende Moment ist gekommen. Wie sollte der Chinese hier mit Weiß am besten fortsetzen. Stattdessen folgte der letzte Fehler bei diesem recht langen Turnier.


Sieger-Interview von Theo Waits (Li-Chess)

Li-Chess-Interviews.

Fotos: Michał Walusza (FIDE Chess).


Die Partieanalysen können durch Klicken auf den hier orange markierten Button heruntergeladen werden.


Titelfoto: Michał Walusza (FIDE Chess) Der 19-jährige Usbeke

Titelfoto: Michał Walusza (FIDE Chess)

Mit einem klaren 2-0-Sieg in den klassischen Partien qualifizierte sich der 23-jährige Andrey Esipenko für das Kandidatenturnier auf Zypern. Ihm gelang es sich erneut zu konzentrieren. Nach gutem Essen und ein paar Bier wie er nach der Partie in einem Interview sagte.

Von Thorsten Cmiel

Andrey Esipenko gewinnt die erste Partie

Man ist es nach dem Halbfinale fast nicht mehr gewohnt, aber ein Spieler gewann in einer Begegnung mit klassischer Bedenkzeit. Auf dem Brett war ein Sizilianer. Nach den beiden Partien lobte Andrey Esipenko seinen Freund und Sekundanten Großmeister Dawid Arturowitsch Parawjan, der ebenfalls genau wie beim Grand Swiss vor Ort war.


Wir sind noch in der Eröffnungsphase. Wie sollte Schwarz hier fortsetzen. Überraschenderweise dachte der Usbeke hier längere Zeit nach und wählte einen anderen Zug als zwei seiner Vorgänger.


Wie sollte Weiß hier am besten fortsetzen? Was ist von dem Springerzug nach d6 zu halten? Untermauern sie am besten ihre Meinung mit einigen kurzen Varianten.


Nodirbek Yakubboev war in diesem Moment unter Zeitdruck. Ihm blieben noch zwei Minuten und 45 Sekunden für neun Züge. Sein Gegner verfügte noch über etwas mehr als zwölf Minuten. Was ist von dem Schachgebot mit dem Springer auf d3 zu halten?


Esipenko gewinnt auch die zweite Partie

Wie in der ersten Partie zog der Usbeke einen Läufer nach d5, diesmal schlug er sogar einen Bauern und erneut war das ein schlechter Zug. Danach lief es für den Russen wie auf Schienen. Er benötigte nur noch einige präzise Züge und die fand er diesmal, scheinbar leicht. Alle verbliebenen vier Spieler zeigen bisher eine gewisse Erschöpfung und Esipenko meinte, dass er sich zwei Monate erholen müsse. Danach dürfte die Vorbereitung auf das Kandidatenturnier beginnen.


Eine schachliche Gretchenfrage: Wie hältst du es mit dem Bauern auf d5? Wegnehmen oder einen anderen Zug vorschlagen ist hier die Aufgabe.


Nodirbek hat den Bauern auf d5 geschlagen und jetzt war Esipenko dran. Sein Zug kommt nicht sonderlich überraschend und beruht auf einem typischen Standardmotiv. Es war für den Russen scheinbar nicht sonderlich schwierig zu gewinnen in dieser Partie, was an diesem Tag für einen völlig erschöpften Gegner spricht.


Esipenko steht offenkundig auf Gewinn. Aber man kann natürlich stylisch gewinnen und solch einen Zug suchen wir hier.

Esipenko´s Weg

In fünf von sieben Matches musste der Russe in den Stichkampf. Gleichzeitig gewann er seinen ersten und letzten Wettkampf mit 2 – 0. Jetzt löst er den Aseri Nija Abasov ab, der sich 2023 noch als Vierter für das Kandidatenturnier qualifiziert hatte, da Magnus Carlsen nicht mitspielen wollte. Insgesamt brachte sein Ergebnis ihm einen Zuwachs von 14.6 Elo-Punkten. In keinem seiner Wettkämpfe musste Esipenko in die Blitzphase. Genau wie der spätere Sieger Sindarov.

Fotos: Michał Walusza (FIDE Chess)


Titelfoto: Michał Walusza (FIDE Chess) Mit einem klaren

Titelfoto: Michał Walusza (FIDE Chess)

Von Thorsten Cmiel

World Cup, Goa (Indien). Ein grober Einsteller von Andrey Esipenko (23) entschied den Wettkampf und damit die direkte Qualifikation für Wei Yi (26). Die Entscheidung im anderen Wettkampf waren einige schlechte Entscheidungen im Doppelturmendspiel zwischen den zwei Usbeken. Javokhir Sindarov (19) gewann gegen seinen Freund Nodirbek Yakubboev (23).

Nach vier Remis mit klassischer Bedenkzeit wurden beide Wettkämpfe bereits mit 15 + 10 im Schnellschach entschieden. Die beiden Sieger buchen damit das Ticket für das Kandidatenturnier auf Zypern im Frühjahr nächsten Jahres. Inzwischen wurde zudem bekannt, dass Praggnanandhaa das Open der London Chess Classics (LCC) mitspielen will. Das dürfte bei normalem Verlauf seine Qualifikation im Kandidatenturnier endgültig sichern.

Die spannendste Phase der klassischen Partien analysierte der ungarische Großmeister Peter Leko in dem folgenden Video von Chessbase India.

Wei Yi – Andrey Esipenko 1.5 – 0.5

Die erste Partie im Stichkampf verlief recht ereignislos. Sie folgte zunächst den Bahnen aus der klassischen Partie. Erst im zehnten Zug (10.h3) kam es zu einem neuen Zug durch den Russen und stellte den Chinesen nicht vor allzu schwierige Aufgaben, schien es. Hinten heraus konnte Wei Yi nach einem Fehler seines Gegners sogar mehr rausholen, verpasste aber seine Chance und gab sich mit einer dreimaligen Stellungswiederholung zufrieden.



Wie sollte Wei Yi hier mit den schwarzen Steinen am besten fortsetzen?


Die zweite Partie entscheidet

In der zweiten Stichkampfpartie sah Andrei Esipenko, der unter neutraler FIDE-Flagge antreten muss, lange Zeit als Sieger aus und verlor nach einem groben Fehler sogar noch seine Partie und muss jetzt mit Nodirbek Yakubboev den dritten Qualifikanten für das Kandidatenturnier ausspielen.


Wie sollte Andrey Esipenko hier mit Schwarz seine Stellung verstärken?


Hier ist Wei Yi mit Weiß am Zuge und sollte sich wie am besten verteidigen?


Einen Halbzug später war Andrei Esipenko mit Schwarz am Zuge und ihm unterlief ein Fehler. Letztlich wurde es einen Zug später sogar noch dramatischer. Wie sollte der Russe hier am besten fortsetzen.


Der entscheidende Moment. Esipenko war damit beschäftigt seinen c-Bauern zu sichern, der durch ein Schachgebot mit dem Springer auf d5 bedroht war, dabei vergaß der Russe seinen ebenfalls attackierten Turm auf g2. Esipenko zog seinen Bauern nach c6, der Chinese nahm den Turm weg und Esipenko gab auf.


Wei Yi im Siegerinterview

Im Gespräch mit Theo Waits von Li-Chess bezeichnet der Chinese seine Stimmung nach der Partie als ekstatisch. Er ist qualifiziert für das Kandidatenturnier und die Eröffnungsvorbereitung sei gut gelaufen. Über einen Sekundanten – Ex-Weltmeister Ding Liren ist ein Freund von ihm – hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Ebenfalls bekannt wurde, dass Xiangyu Xu (1999) der aktuelle Sekundant von Wei Yi ist. „Seine Unterstützung ist so wichtig, weil er nicht nur die Spielzüge für mich vorbereitet, sondern mir auch mehr Selbstvertrauen gibt und mit mir reden kann, sodass ich vor den Spielen nicht so nervös bin.“. Das sagte er in einem anderen Interview über seinen gleichaltrigen Sekundanten.

Sindarov – Yakkuboev 1.5 – 0.5

Der Stichkampf der zwei Usbeken wurde bereits in der ersten Partie entschieden. In der zweiten Partie hatte nur Javokhir Sindarov noch mehrere Gewinnchancen. 2022 gewannen die beiden Großmeister gemeinsam bei der Schacholympiade die Team-Goldmedaille und teilen sich mit Roman Vidoniak einen Trainer.


In dieser Stellung der ersten Stichkampf-Partie war jetzt Nodirbek gefragt, einen Weg zum Ausgleich zu finden. Er fand keine ausreichende Idee und geriet hier bereits auf eine schiefe Bahn. Was ist ihr Vorschlag?


Hier ist ein überzeugender Weg für den Schwarzspieler gefragt. Was sollte er hier als nächstes unternehmen?


Javokhir hat ein Zwischenschach auf f6 gegeben. Wie sollte Weiß auf diesen Zug am besten reagieren?


2. Partie – nur Sindarov mit Chancen

Die Partie sah nur Vorteile für den ohnehin führenden Javokhir Sindarov. Ich gebe daher nur die Partie an im Schnelldurchlauf und die Notation.



Foto: Michał Walusza (FIDE Chess).


Titelfoto: Michał Walusza (FIDE Chess) Von Thorsten Cmiel World

Historisches Foto: José Raúl Capablanca. Illustration: NanaBanana.ai.

Der Kubaner José Raúl Capablanca (1888 – 1942) war der dritte Weltmeister in der Geschichte des Schachspiels. Capablanca gehört zu den anerkannt besten Spieler aller Zeiten. Ihm sei diese neue Serie von Schachaufgaben gewidmet. Wir lösen damit die Lasker-Aufgaben ab.


Die erste Stellung stammt von der Frauen-Team-Weltmeisterschaft 2025 in Linares. Sie hatte erheblichen Einfluss, da Kazachstan bei einem Sieg im Finale gewesen wäre. Die Frage lautet: Kann Weiß am Zuge gewinnen und falls ja, wie?


Auch die zweite Partie stammt aus dem Halbfinale der Frauen-Team-WM. Die mit einem B-Team angetretenen Chinesinnen spielen gegen die Russinnen, die von der FIDE zugelassen wurden, unter neutraler Flagge zu spielen. Ein Skandal wenn man mich fragen würde. Verdrängen wir für diesen Moment die Schachpolitik. Wie sollte Weiß hier möglichst kräftig fortsetzen?


Diese Stellung stammt aus einer Partie von Alexei Shirov, die er 1993 gegen Eric Lobron im Jahr 1993 spielte. Weiß hatte hier sogar zwei Möglichkeiten, um ein bestimmtes Merkmal dieser Stellung auszunutzen. Shirov entscheidet sich für den komplizierteren Weg. Gesehen habe ich dieses Beispiel bei Großmeister Renier Castelano auf Twitter.


Wer den Gewinnweg in der dritten Aufgabe gefunden hat, der hat hier einen Vorteil. Oder? Alexei Shirov jedenfalls schien sich zehn Jahre später nicht erinnert zu haben. Das zweite Beispiel stammt aus einer Trainingssession mit Elisabeth Pähtz für Prochess-Training und es war ein Zufall, dass beide Beispiele von Alexei Shirov stammen.

In praktischen Partien begegnen den Spielern in jeder Turnierpartie unterschiedliche Aufgaben und nicht immer sind es einfache Taktiken. Insofern finde ich neben thematischen Aufgabenzusammenstellungen einen Mix aus unterschiedlichen Aufgabentypen hilfreich.

Hinweis

Die Partien können heruntergeladen werden, indem man auf den Downloadbutton unter Diagrammen klickt.


Mehr Lasker-Aufgaben

Historisches Foto: José Raúl Capablanca. Illustration: NanaBanana.ai. Der

Michał Walusza (FIDE Chess)

Schade. Deutschland bringt leider keinen zweiten deutschen Großmeister durch ins Kandidatenturnier 2026 auf Zypern. Alexander Donchenko gelang es, nach seinem dramatischen und kräftezehrenden Stichkampf am Tag zuvor, nicht mehr einen echten Fight mit echten Chancen hinzubekommen.

Von Thorsten Cmiel

Nodirbek Yakubboev gewinnt erste Partie

Die erste Partie von Alexander Donchenko im Viertelfinalkampf mit dem Usbeken Nodirbek Yakubboev sah zunächst eine ungenaue Zugfolge vom deutschen Großmeister. Sein Gegner hingegen zeigte sich insgesamt besser vorbereitet und spielte an diesem Tag hervorragendes Schach. Trainiert wird Nodirbek vom deutsch-ukrainischen Trainer und Internationalen Meister Roman Vidonyak aus München, dem der Usbeke später in einem Interview dankte.


Eine spannende Stellung: Wie sollte Schwarz hier fortsetzen? Es gibt zwei prinzipielle Ideen. Man tauscht auf d5 und nach dem logischen Zurückschlagen mit dem c-Bauern bekommt man eine Benoni-Struktur auf das Brett. Oder man verzichtet auf den Tausch bzw. schiebt diesen auf.


Bereits der entscheidende Moment in dieser Partie. Schwarz muss seinen 11. Zug spielen und greift daneben. Nehmen wir an, dass wir verständlicherweise mit Schwarz nur zwei Züge erwägen: Das Schachgebot mit der Dame auf h4 und den Springerrückzug nach g7. Was ist richtig?


Auch in Gewinnstellungen sollte man weiter genau spielen. Wie verstärkte hier der Usbeke seine Stellung weiter?


Keine Chance mit Weiß

In der zweiten Partie hatte Alexander Donchenko Weiß, konnte aber keinen größeren Druck ausüben. Erneut zeigte sich der Usbeke gut vorbereitet und die einzigen Probleme schuf Nodirbek selbst als er zunächst einen größeren Vorteil verspielte und unnötig in Zeitnot geriet. Letztlich endete die Partie mit einem nie gefährdeten Remis und so war Alexander als erster Spieler im Viertelfinale raus. Schade, aber nicht unverdient.

Bis hierhin folgten die beiden Akteure einer Partie von Alexander vom German Masters in Magdeburg 2020. Hier befragte er den Läufer mit dem a-Bauern und erreichte wenig. Stattdessen spielte er diesmal seinen Turm nach c1, erreichte aber auch diesmal wenig. Vermutlich muss Weiß vorher bereits anders agieren.


Nodirbek Yakubboev war der einzige Spieler in der zweiten Partie, der mehr als einem halben Punkt näher kam. Genau in diesem Moment sollte der Usbeke mit Schwarz was spielen?


Fotos: Michał Walusza (FIDE Chess).


Michał Walusza (FIDE Chess) Schade. Deutschland bringt leider

Foto: Michał Walusza (FIDE Chess)

Von Thorsten Cmiel

Beide deutsche Spieler scheiterten überraschend an Endspielen in der fünften Runde. Immerhin, Alexander Donchenko kann noch durch einen Stichkampf ins Viertelfinale einziehen. Frederik ist leider raus, nachdem er schon in der ersten Partie nach großem Kampf hinter sich greifen musste.

Frederik nach großem Kampf raus

Frederik Svane spielte zwei hochinteressante Partien. In der ersten Partie gelang es ihm zunächst nicht, seinem Angriff überzeugend vorzutragen und so landete er nach mehreren Damenzügen in einer fast hoffnungslosen Lage. Aber sein 19-jähriger usbekischer Gegner Javokhir Sindarov konnte seinen Vorteil nicht halten und nach der Zeitkontrolle sah es nach einem baldigen Remis aus. Als ich nach einem längeren Spaziergang an der spanischen Mittelmeerküste dann wieder in einem Café auf die Stellung schaute, konnte ich es fast nicht glauben. Frederik hatte die Stellung leider falsch angepackt und verloren. Schaut man genauer hin, dann war es nach einer ungenauen Verteidigung nicht mehr so einfach und später wurde es komplett unübersichtlich und Frederik verlor irgendwann den Faden. Im Rückspiel gelang es Frederik gegen einen hervorragend vorbereiteten Gegner zwar einen Bauern zu erobern, aber es sprang kein ausreichender Vorteil dabei heraus. Frederik war raus.


Wie sollte Sindarov hier seinen Stellungsvorteil am besten weiter ausbauen? Der Maschinenraum gibt ein klares Votum ab, der Usbeke sah die Idee, war aber nicht überzeugt, wie er im Interview einen Tag später sagte.


Es kommt hier für Schwarz darauf an, einen möglichst überzeugenden Verteidigungsplan zu entwickeln


Das entstandene Endspiel war extrem schwierig zu spielen. An dieser Stelle im 53. Zug konnte sich Frederik vermutlich letztmals verteidigen. Was sollte er hier spielen.



Don lässt Chancen liegen

Während die erste Partie kaum Höhepunkte im Wettkampf von Alexander Dochenko mit dem vietnamesischen Großmeister Le Quang Liem (34) bot, kam es in der zweiten Partie gleich mehrfach zu Bewertungswechseln. Dabei zeigten beide Spieler Lücken bei ihrem Wissen über Turmendspiele, oder sie waren einfach erschöpft. Für Beobachter einige spannende Momente, um darüber nachzudenken, wie man eine gewonnene Partie am besten gewinnt.


Alexander Donchenko versuchte einiges in dieser als Remiswaffe für beide Seiten bekannten Variante. Wie sollte der Vietnamese hier mit Weiß am besten reagieren? Die Antworten zu diesem und den nächsten Diagrammen finden sich in der ausführlichen Partiekommentaren.


Hier war jetzt Schwarz am Zuge. Alexander sollte hier wie und warum fortsetzen? Diese Entscheidung war nicht einfach und der Don fand im 37. Zug mit 52 Sekunden nicht die richtige Zugfolge.


Hier war Le Quang Liem mit Weiß am Zuge. Er muss den e-Bauern decken, aber was ist besser? Von e2 oder d2 aus. Beides hat seine Vorteile (König verteidigt entweder den eigenen b-Bauern oder ist näher am potentiellen freien gegnerischen h-Bauern), aber einer zählt mehr. Welcher?


Hier war wieder Alexander Donchenko am Zuge und musste sich entscheiden, wohin sein eigener König ziehen soll. Nach d6 oder nach b6. Beides hat Vorteile und beide Züge verderben nichts, aber was ist die praktisch bessere Entscheidung?


Weiß droht einfach seinen b-Bauern auf den Weg zu schicken. Wie kann Schwarz den Bauern aufhalten? Zunächst agierte Alexander etwas unentschlossen und beide Spieler wiederholten die Züge, dann exekutierte Alexander die richtige Idee. Gutes Kalkulationstraining ist diese Stellung in jedem Fall. Eine kleine Nebenfrage dazu: Wie ginge es nach dem Königszug nach d5 weiter?


Entwickeln sie einen Gewinnplan für den Nachziehenden. Das ist kein Hexenwerk und ich war eigentlich sicher, dass zumindest Alexander jetzt sicher in die sechste Runde einziehen würde. Pustekuchen, leider.


Ich war nervös, denn Alexander zeigte erneut Unsicherheiten und wiederholte die Züge. Was allgemein als clevere Profistrategie gilt, ist es oft nicht und hier war der Grund mehr Unsicherheit. Schwarz kann hier seinen König nach e2 oder nach g2 ziehen. Was ist richtig?


Es bleibt zu hoffen, dass Alexander nicht zu sehr mit sich ins Gericht geht, denn ohne Schlaf beispielsweise sinken seine Chancen sicherlich. Letztlich haben beide Spieler in diesem Turmendspiel – überraschend für Großmeister – einige sehr schlechte Züge gespielt.

Was sonst noch los war

Vor allem der Schlusspunkt in der Partie von Levon Aronian (43) gegen den indischen Superstar Arjun Erigaisi war ein Highlight der klassischen Partien. Neben dem Inder schafften noch der Usbeke Nodirbek Yakuboev und der Chinese Wei Yi den Einzug in die sechste Runde, die das Viertelfinale ist. Die anderen Spieler müssen einen Tag später nachsitzen.


Ein schicker Schluss aus der Partie von Levon Aronian und Arjun Erigaisi, ebenfalls aus der zweiten Partie in Runde fünf brachte die Inder zum Jubeln. Warum war der letzte Zug von Weiß, der seinen Turm von d1 nach e1 zog, keine gute Idee?

Fotos: Eteri Kublashvili, Michał  Walusza (FIDE Chess). Der FIDE und ihren Fotografen sei auf diesem Wege ein Dank für tolle Fotos ausgesprochen. Die Berichterstattung über Schach gewinnt meines Erachtens durch tolle Fotos und eine große Vielfalt und deren Auswahl. Leider ist das Fotoangebot bei vielen Turnieren anderer Organisationen und Veranstalter meist noch nicht auf diesem qualitativen Niveau.

Michał Walusza bei Instagram.



Service-Hinweis

Die Analysen der Partien können in der folgenden Ansicht als PGN heruntergeladen werden, indem man den hier rot markierten Button anklickt.


Foto: Michał Walusza (FIDE Chess) Von Thorsten Cmiel Beide deutsche

Foto: Michal Walusza (FIDE Chess)

Von Thorsten Cmiel

Vincent Keymer ist leider in der zweiten Schnellschachrunde gegen Andrey Esipenko beim World Cup in Goa, Indien, ausgeschieden. Frederik Svane und Alexander Donchenko bleiben aber im Rennen. Ein neuer Fokus muss her. Einer könnte noch ins Kandidatenturnier rutschen.

Je länger das Turnier dauert umso wahrscheinlicher werden Stichkämpfe beim World Cup. Es ist also spätestens jetzt ein guter Augenblick, die Modalitäten dafür genauer anzuschauen.


Stichkampfregeln

Bei Gleichstand nach zwei Partien mit klassischer Bedenkzeit werden die Farben ausgelost und zunächst zwei Partien mit 15+10 gespielt, also mit 15 Minuten und zehn Sekunden Inkrement pro Zug.

Bei weiterhin Gleichstand werden die Farben erneut ausgelost und es folgen zwei weitere Schnellschach-Partien mit 10+10.

Bleibt es beim Gleichstand, dann werden die Farben erneut ausgelost und zwei Blitz-Partien mit 5+3 gespielt.

Bei erneutem Gleichstand folgt eine weitere Farbauslosung bei einer Bedenkzeit von 3+2.

Bleibt es beim unentschiedenem Spielstand, dann folgt der so genannte Sudden-Death. Weiß muss diese Partie gewinnen und erhält für die anstehende Blitzpartie vier Minuten. Beide Spieler bieten für die Schwarz-Zeit und derjenige Spieler mit dem niedrigsten Gebot erhält die schwarzen Steine und muss mit seiner gebotenen Zeit antreten. Beide Spieler erhalten vom ersten Zug an zwei Sekunden pro Zug (Inkrement). Bieten beide Spieler die gleiche Zeit für die schwarze Seite, dann werden die Farben durch Los entschieden.


Frederik Svane gewann nach zwei beidseitig perfekten klassischen Partien direkt in der ersten Schnellschachpartie und nutzte dabei mehrere Ungenauigkeiten seines Gegners, nachdem er sich nach dreißig Zügen eine überlegene Stellung systematisch erarbeitet hatte. Eine sehr starke Leistung. Frederik spielte laut Engine-Analyse in seinen insgesamt vier Partien keinen einzigen kritikwürdigen Zug. Die zweite Schnellschachpartie endete zwar nur Remis, aber Frederik stand zum Schluss auf Gewinn.


Wir sehen in diesem Wettkampf vor allem feine Klinge: Weiß hat offensichtlich etwas mehr Raum und zuletzt seinen Springer nach a4 gezogen. Was sollte der Armenier hier unternehmen, um vollends im Spiel zu bleiben. Die Antwort findet sich in der folgenden Partieanalyse.


Schwarz steht hier vor seinem dreißigsten Zug. Frederik ist es gelungen mit dem Vormarsch seines h-Bauern den gegnerischen Königsflügel unter Druck zu setzen und er steht erkennbar vorteilhaft. Wie sollte Shant Sargsyan hier fortsetzen?



Ich war sicher, dass Frederik die nächste Runde erreichen würde als er diese Stellung auf dem Brett hatte. Die hängenden schwarzen Bauern sind in dieser Figurenaufstellung mehr ein Vorteil als eine Belastung. Es gibt keinen erkennbaren Weg die schwarzen Zentralbauern erfolgreich zu attackieren.


Frederik benötigte nur ein Unentschieden in seiner zweiten Schnellschachpartie und lässt in dieser Stellung seinen Gegner Dauerschach geben. Hier konnte Frederik ohne Probleme mit seinem König nach f6 ziehen und die Partie zu seinen Gunsten entscheiden. Das war allerdings unnötig.


Vincent ist raus

Vincent Keymer (Jahrgang 2004) hatte in der vierten Runde mit dem Russen Andrey Esipenko (2002) einen unangenehmen Gegner, gegen den der Deutsche bisher in klassischen Partien noch nie gewinnen konnte, aber dreimal verloren hatte. Das änderte sich leider in Goa nicht. Esipenko war zu Beginn des Krieges gegen die Ukraine lange Zeit unentschlossen, ob er gerüchteweise aus Spanien nach Russland zurück kehren sollte. Er wollte vor allem nicht eingezogen werden, hieß es damals. Jedenfalls hatte Andrey damals eine Elozahl von 2723 und es ging danach erstmal bergab. Das dürfte auch an weniger Spielmöglichkeiten gelegen haben. Inzwischen ist Esipenko verheiratet und lebt wieder in Russland. So hat er einen Vertrag mit dem russischen Verband unterschrieben, der ihm finanzielle Unterstützung sichert. Schachlich betrachtet ist Esipenko ein Schwergewicht. 2021 war er erst in der fünften Runde gegen Magnus Carlsen im Blitzen ausgeschieden. Solche Erfahrungen helfen natürlich.

Klassische Partien – gleichwertig

In beiden Begegnungen konnte keiner der Spieler etwas Verwertbares erreichen in der zweiten Partie hatte Vincent zwar einen Bauern mehr, aber Andrey konnte dafür auf den deutlich aktiveren König pochen. Auch diese Partie war nie in einer Schieflage gewesen.


Dieser Moment war das größte Ungleichgewicht in der ersten Runde der Schnellschachpartien (15+10). Vincent hatte sich mit Weiß einen großen Vorteil erarbeitet, nachdem sein Gegner einige ungenaue Entscheidungen getroffen hatte. Leider verpasst der Deutsche hier seine Chance. Tatsächlich verbrauchte Vincent hier für eine nicht optimale Entscheidung drei seiner verbliebenen viereinhalb Minuten. Was sollte er mit Weiß hier ziehen?



In diesem Moment musste Vincent auf das Schachgebot reagieren. Leider griff Vincent hier daneben und zog seinen König nach e6. Esipenko antwortete mit seinem König, der nach e3 zog und Schwarz musste danach quasi im Zugzwang seinen f-Bauern in Bewegung setzen und verlor einen Bauern.


Eine unerwartete Chance: Wie sollte Vincent hier mit Schwarz in der dritten Schnellschachpartie fortsetzen? Leider fand der Deutsche nicht die richtige Verteidigung.



Der entscheidende Moment in der vierten Schnellschachpartie. Wie könnte sich das Spiel am besten entwickeln?


Andrey Esipenko im Gespräch mit Theophilus, Theo, Wait from Li-Chess. Esipenko äußert sich auch zum Format des World Cup.

Matthias und Vincent sind in der vierten Runde ausgeschieden und erhalten jeweils ein Preisgeld von 17.000 US-Dollar. Für Frederik und Alexander Donchenko sind schon 25.000 Dollar sicher. Eine Runde weiter bringt dann laut Regularien schon 35.000 Dollar. Der unglückliste Platz ist danach der Vierte Platz, der 50.000 Dollar bringt, aber nicht zum Kandidatenturnier berechtigt.

Foto: Michal Walusza, Eteri Kublashvili (FIDE Chess).

Offizielle Homepage des World Cup in Goa.


Foto: Michal Walusza (FIDE Chess) Von Thorsten Cmiel Vincent

Foto: Michal Walusza (FIDE Chess)

Goa Indien. Nur in der deutschen Paarung zwischen Alexander Donchenko (geboren 1998) und Matthias Blübaum (1997) gab es für die deutschen Spieler eine Entscheidung im klassischen Teil. Der Don gewann die zweite Partie. Frederik und Vincent müssen nach zwei beidseits fehlerlosen Partien nachsitzen.

Von Thorsten Cmiel

Eine feine Leistung

Matthias Blübaum erwischte in der vierten Runde beim World Cup einen sehr schlechten Tag und der Don fand eine hervorragende Idee in der folgenden Stellung. Letztlich gab er seinem Gegner keine Chance sich von einer misslungenen strategischen Idee zu befreien.


Schwarz hatte zuletzt seinen f-Bauern zwei Felder vorgerückt und will Druck auf den d4-Bauern ausüben. Wie sollte Alexander Donchenko darauf reagieren?


Matthias Blübaum bei Wikipedia.

Alexander Donchenko bei Wikipedia.

Fotos: Michal Walusza (FIDE CHESS).


Foto: Michal Walusza (FIDE Chess) Goa Indien. Nur

Foto: Michal Walusza (FIDE Chess)

Von Thorsten Cmiel

Vincent Keymer gewinnt auch sein zweites Match beim World-Cup im indischen Goa. Der zweite Tag war sehr erfolgreich für die deutschen Teilnehmer. Frederik Svane haut Weltmeister Gukesh raus und Alexander Donchenko eliminiert Anish Giri. Matthias Bluebaum hatte bereits in der Hinrunde gewonnen und remisierte mit Weiß ohne größere Probleme.

Eigentlich hatte ich für dieses Turnier nur eine Vincent-Cam eingerichtet, aber dieser Spieltag war grandios für die deutschen Spieler und man kann die Siege von Frederik und Alexander gegen zwei Weltklasse-Großmeister nicht einfach ignorieren. Beginnen wir mit Frederiks Sieg gegen den indischen Weltmeister Gukesh. Frederik spielte eine starke Partie mit einem spannenden Endspiel, das bei typischer Verteidigung in der folgenden Stellung mit Remis enden sollte.


Spontan, welchen Zug spielen sie hier mit den weißen Steinen? Ich vermute 99 Prozent aller Amateurspieler können in dieser Situation besser auftrumpfen als der Weltmeister Gukesh. Wer will kann die Folgen seines Zuges noch etwas genauer beleuchten und versuchen die Stellung danach mit Schwarz Remis zu halten. Die Antwort findet sich in der folgenden Partieanalyse.


In der Partie kam diese Stellung nicht auf das Brett, da Gukesh statt seinen König nach f1 nach d3 gezogen hat. Aber wie wäre es nach dem anderen Königszug (nach f1) weiter gegangen. Die Antwort ist nicht so einfach und erfordert etwas gedankliche Arbeit.


Der Don kann es noch

Kommen wir zum zweiten Überraschungssieger am zweiten Tag der dritten Runde im World-Cup. Alexander Donchenko gewinnt seine Weißpartie gegen Anish Giri. Die Partie analysiert Alexander, der Don, im Video recht ausführlich und ich gebe daher nur die Züge wieder und biete eine Schnellversion zum automatischen Nachspielen an. Vor einem Jahr hatte Alexander mit Fabiano Caruana übrigens einen anderen Super-GM geschlagen.



Matthias souverän

Matthias Bluebaum gewann recht souverän die erste Partie und haderte mit seiner Technik. Er musste durch ein Damenendspiel zum Sieg. In der folgenden Weißpartie ging alles recht schnell und sein Gegner hatte nie wirklich eine Chance, da er keine sonderlich gesunde Grundidee fand.





Vincent klar weiter

Die erste Partie verlief für Vincent Keymer nicht ganz nach Plan. Die einzige Aufregung gab es als plötzlich der Schiedsrichter eingriff. Die Situation war durchaus kniffelig. Der Inder streifte beim Griff nach dem Turm, das war zu dem Zeitpunkt sein eigentliches Ziel, einen Bauern, den er schlagen konnte. Er ergriff den Turm aber letztlich doch nicht. Offensichtlich hatte er das Schlagen bereits vorher erwogen. Er entschied sich letztlich für den Läufer und auch dieser Zug geriet etwas unsauber: Zunächst wollte Pranesh diesen nach b2 ziehen, entschied sich aber kurzfristig für das Feld a1. Der Schiedsrichter nahm die Berührung des Bauern wahr und griff ein, nachdem der Inder seinen Läufer gezogen hatte. Die Regelauslegung ist keineswegs einfach oder eindeutig in solch einem Fall. Zufällig und nicht beabsichtigt berührte Figuren muss man nämlich nicht ziehen und hier fängt das Dilemma an. Es geht um Interpretation und Wahrnehmung. Das Video deutet darauf hin, dass der Inder den Bauern nicht greifen wollte. Der Schiedsrichter hat die Berührung aber live wahrgenommen. Vincent allerdings nicht. Vincent bekam zudem zwei Bonusminuten für das Foul seines Gegners.


Der US-Schiedsrichter Chris Bird weist auf eine unterschiedliche Handhabung hin. In den Vereinigten Staaten würde ein Schiedsrichter nicht eingreifen, sondern nur als Zeuge dienen, meint Bird. Dabei wird das hier zugrundeliegende Problem nicht aufgelöst. Denn auch auf dem anderen Kontinent muss irgendwie entschieden werden, ob der Bauer „accidental“ berührt wurde. Mit dem Fall dürften sich in Zukunft Schiedsrichter auf Lehrgängen beschäftigen. Wenn man etwas länger darüber nachdenkt was Bird hier schreibt, dann wird es übrigens vollends absurd. Denn wie lange darf ein Spieler überlegen, ob er tatsächlich die Berührung reklamiert. Bei nicht limitierter Zeit könnte er also wohlüberlegt entscheiden welchen Zug der Gegner spielt.

Tragisch ist allerdings was auf dem Brett in der Situation objektiv los war. Das Schlagen mit dem Turm auf d3 war der richtige Zug. Der Läuferzug nach b2 war objektiv weißer Vorteil und der letztlich gespielte Zug des Läufers nach a1 brachte Schwarz fast eine Verluststellung ein. Dabei ist natürlich anzumerken, das die Sache mit 40 Sekunden Restbedenkzeit und 30 Sekunden pro Zug nicht einfach war. Glück für Indien in dem Fall. Erfreulich fand ich wie ruhig Vincent mit der Situation umgegangen ist.



Nur Rasmus Svane griff hinter sich

Leider musste Rasmus, der fünfte verbliebene Deutsche, nach einem Fehler im Turmendspiel hinter sich greifen. Die beiden Großmeister folgten lange ihrer Vorbereitung. Heraus kam eine Schachpartie mit drei Fehlern ohne ungenaue Züge, Rasmus machte genau einen mehr und verlor seine Partie und musste abreisen.


Wie sollte Rasmus hier auf das Schachgebot reagieren? Welcher der denkbaren vier schwarzen Königszüge wurde hier gespielt und ist tragischerweise der einzige Verlustzug. Warum das so ist zeigt die Partieanalyse unten.


Wie sollte Schwarz hier am Zug seine Verteidigung organisieren? Rasmus scheint nicht mehr an seine Chance geglaubt zu haben und ihm entgeht seine unerwartete letzte Chance.


Fotos: Michal Walusza und Eteri Kublashvili (FIDE Chess).


Foto: Michal Walusza (FIDE Chess) Von Thorsten Cmiel Vincent

Quelle: Fide.

Das laut Weltschachbund wichtigste Turnier im Weltmeisterschaftszyklus findet vom 28. März bis zum 16. April 2026 auf Zypern statt: Die Kandidatenturniere der Frauen und in der offenen Klasse finden parallel statt. Spielort ist ein Luxusresort in der Nähe des Ortes Paphos.

Die letzte Austragung des Kandidatenturniers fand 2024 in Toronto statt. Gespielt wird im Cap St Georges Hotel & Resort in der Nähe von Paphos an der Südwestküste Zyperns. Das Kandidatenturnier ist die letzte Qualifikationsrunde im FIDE-Weltmeisterschaftszyklus und deren Sieger fordern die Weltmeisterin Ju Wenjun aus China und den amtierenden Weltmeister Gukesh aus Indien später im Jahr heraus.

„Das Kandidatenturnier ist die letzte und härteste Prüfung für jeden Schachspieler, der in einem Match um den Titel gegen einen Weltmeister antreten möchte, und es ist die schwierigste Hürde im Weltmeisterschaftszyklus. Zypern war bereits zweimal Gastgeber des FIDE-Grand-Prix der Frauen, und nun ist die Zeit für das prestigeträchtigste Turnier im Schachkalender gekommen, das Kandidatenturnier. Ich möchte unseren langjährigen Partnern, Freedom Holding und der Familie Scheinberg, danken, die sich gemeinsam für die Unterstützung dieser Veranstaltung einsetzen – wir sind ihnen für ihre kontinuierliche Unterstützung sehr dankbar“, sagte FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich.

Das Cap St Georges Hotel & Resort ist ein luxuriöses 5-Sterne-Resort an der Küste. Es liegt inmitten von Olivenhainen und bietet einen Panoramablick auf das Meer. Es ist eine der exklusivsten privaten Anlagen am Mittelmeer. So beschreibt es der Prospekttext der FIDE.

„Der Ort und die Termine dieses Turniers wurden sorgfältig geplant und ausgewählt, um den Spielerinnen die bestmöglichen Bedingungen zu bieten. Seit ich das Cap St. George betreten habe, hatte ich das Gefühl, dass es der richtige Ort für eine so wichtige Veranstaltung ist. Die nahezu ideale Kulisse – nicht nur für die Spieler, sondern auch für Fans und Medien – in Verbindung mit den Bemühungen der FIDE, dieses Turnier zu einem außergewöhnlichen Ereignis zu machen, wird der Welt ein wahres Schachfest bescheren. Es geht nicht nur um ein Rekordpreisgeld, sondern vielmehr darum, wie das Turnier der Schachgemeinschaft und der breiten Öffentlichkeit präsentiert wird“, sagte FIDE-CEO Emil Sutovsky.

Zeitplan, Spielmodus undZeitmodus

Der Ablauf entspricht dem der letzten Kandidatenturniere in Toronto 2024. Gespielt wird mit jeweils acht Spielerinnen und acht Spielern. Auch bei der Bedenkzeit gab es keine Änderungen. Während in der offenen Klasse die Züge bis zum 40. Zug ohne Inkrement in 120 Minuten absolviert werden müssen, bleibt es bei den Frauen beim international üblicheren Zeitmodus von 90 Minuten für 40 Züge und Inkrement ab dem ersten Zug. Danach gibt es in beiden Gruppen weitere 30 Minuten bis zum Ende der Partie. Jeweils inklusive 30 Sekunden pro Zug.

OpenFrauen
1Anish Giri (NED)Divya Deshmukh (IND)
2Matthias Bluebaum (GER)Vaishali (IND)
3Fabiano Caruana (USA)Katheryna Lagno (FID)
4Hikaru Nakamura (USA)Aleksandra Goryachkina (FID)
5Sieger Welt Cup 2025Zhu Jiner (CHI)
6Zweiter Welt Cup 2025Koneru Humpy (IND)
7Dritter Welt Cup 2025Tan Zhongyi (CHN)
8Sieger FIDE Circuit 2025Siegerin FIDE-Frauen-Turniere 2024/25

Die Teilnehmer stehen noch nicht fest. In der offenen Klasse wird aktuell der Welt Cup im indischen Goa ausgetragen. Dort werden drei Teilnehmer für das Kandidatenturnier ermittelt. Hikaru Nakamura erfüllte zuletzt die Voraussetzungen – er hatte nicht genügend Partien gespielt, um als Elo-Bester am Turnier teilnehmen zu können. Der wahrscheinliche Gewinner des FIDE-Circuit 2025 ist der Inder Praggnanandhaa, der uneinholbar im Rennen zu sein scheint. Sollte er sich in Goa allerdings via Welt Cup qualifizieren, dann hat zurzeit Vincent Keymer die besten Karten ihm zu folgen. Zumal er im Welt-Cup im Viertelfinale auf Pragg stößt. Bei den Frauen dürfte die achte Teilnehmerin Ende Dezember bei den Schnellschach- und Blitzweltmeisterschaften in Doha, Katar, gefunden werden.


Fotos und Grafiken: FIDE.

Hotelwebsite Wer sich hier einquartieren möchte, der muss mit Unterbringungskosten von etwa 7.800 Euro kalkulieren.

Regularien Frauen-Kandidatenturnier (PDF)

Regularien Kandidatenturnier (PDF)

Quelle: Fide. Das laut Weltschachbund wichtigste Turnier im