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Foto: Mark Livshitz.

Von Thorsten Cmiel

Eine besondere Faszination üben Schachpartien auf mich aus, die dem Gegner keine Chance lassen und scheinbar aus dem Nichts heraus entstehen – das ist freilich ein Irrglaube. Eine weitere Fehleinschätzung in der heutigen Zeit behauptet, es käme vor allem auf Taktik an. Richtig ist, dass man mit Taktiktraining am einfachsten Erfolge, einfache Punkte, einsammeln kann gegen schwächere Gegner und Anfänger.

Entscheidend ist es zunächst in die Lage zu kommen, taktische Schläge gegen die gegnerische Stellung zu bekommen. Die Lösung gegen einen einigermaßen verständigen Gegner besteht darin, kontinuierlich positionelle Punkte zu sammeln. Das sind schwache Bauern und Felder oder sogar ganze Felderkomplexe im gegnerischen Lager, eigene Trümpfe wie Freibauern in Szene zu setzen oder das Zentrum mit Figuren zu beherrschen. Ohnehin kommt der Figurenaufstellung eine große Bedeutung zu. Die Aufzählung hier ist natürlich nicht vollständig.

Für Lernende, also für jeden Schachspieler, gehören Partien von starken Positionsspielern zur Grundausbildung. Gerade im Positionsschach spielt dabei Aktualität keine Rolle, sondern das Können der betrachteten Spieler. Aus diesem Grund ist es sinnvoll Klassiker und moderne Klassiker zu studieren.


Beginnen wir unsere Betrachtungen mit dieser Stellung. Die Bauernstruktur hat einen geschlossenen Charakter im Zentrum. Schwarz verfügt über das Läuferpaar, Weiß nicht. Das ist eigentlich ein positives Stellungsmerkmal für den Nachziehenden. Allerdings wirken Läufer vor allem dann, wenn sie freie Bahn haben, also die Stellung einen offenen Charakter aufweist. Das ist hier nicht der Fall. Auffallend ist zudem die dauerhafte Schwäche des Feldes c4. Hier haben die weißen Figuren ein hervorragendes Operationsfeld zur Verfügung. Nehmen wir einmal an, dass Weiß hier sofort mit dem Springer das Feld c4 besetzten würde, dann könnte Schwarz seinen a-Bauern vorziehen und der Damenflügel bliebe dauerhaft geschlossen. Hat man das erkannt, dann kommt der weiße Zug 12.a5 automatisch auf das Brett. So kann Weiß seinen Vorteil manifestieren und sich für die Zukunft das Feld b6 für die eigenen Figuren sichern.


Das Titelfoto zeigt Artur Jussupow bei der Seniorenteamweltmeisterschaft 2025 in Prag. Foto Credit: Mark Livshitz.

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Foto: Mark Livshitz. Von Thorsten Cmiel Eine besondere Faszination

Von Thorsten Cmiel

Die Idee der Lasker Puzzles ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Aufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.

In der letzten Woche ist einer der ganz großen Schachspieler gestorben. Boris Spasski war ein Gigant auf dem Schachbrett, er lebte von 1937 (Leningrad) bis 2025 (Moskau) und wurde 88 Jahre alt. Spasski war der zehnte Schachweltmeister. Von 1969 – 1972 dauerte seine Regentschaft und er folgte er auf Tigran Petrosjan. Die Bürde des Weltmeistertitels belastete ihn, wie er mal sagte. Wer mehr über Boris Spasski wissen will, der sei auf die hervorragenden Texte von Johannes Fischer verwiesen.

Wir ehren ihn durch einige Aufgaben in dieser Aufgabensammlung.


1. Aufgabe: Weiß ist am Zuge? Hier gilt es einen klaren Gewinn zu finden.

Diese Stellung stammt aus der Partie von Boris Spasski gegen Lev Polugaevski aus dem Finalturnier der 28. Sowjetmeisterschaft. Auf diese Stellung weist Vishy Anand, einer der Nachfolger von Spasski hin. Spasski hat diese Partie besonders viel Freude bereitet, auch wenn er hier nicht den richtigen Weg zum Gewinn fand. Bonus frage: Wie heißen die Nachfolger von Boris Spasski. Wird nicht aufgelöst.


2. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge. Wie sollte sich Schwarz am besten verteidigen.

Boris Spasski war ein Jungtalent. In dieser Partie aus der Jugendmeisterschaft von Leningrad aus dem Jahr 1949 hatte er zuletzt seinen g-Bauern zwei Felder nach vorne geworfen. Der letzte weiße Zug wirkt etwas ungestüm, aber was soll man von einem zwölfjährigen Schachspieler erwarten, der natürlich nicht weiß, dass seine Partie über 75 Jahre später beleuchtet werden wird. Das Turnier gewannen Spasski und Efim Geller, der später zweimal Gegner von unserem Helden in Kandidatenturnieren wurde.


3. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge. Einmal verwandeln wie Spasski bitte.

Diese Stellung stammt aus einer Bundesligapartie von Jürgen Graf gegen Boris Spasski. Hier ist es nicht einmal mehr so schwierig den schwarzen Angriff fortzuführen. Ich war zufällig an dem Tag Zuschauer beim Wettkampf zwischen Bochum und Solingen und erinnere mich wie leicht das Spiel von Boris Spasski auf mich wirkte. Dabei hatte sein Gegner eigentlich so gespielt wie Spasski in seiner Jugend. Für Nerds: Das weiße Eröffnungsspiel trägt den Namen Leningrader-Variante.


4. Aufgabe: Weiß ist am Zuge. Es folgte noch genau ein weiterer Zug?

Dies ist eine Stellung aus der letzten entschiedenen Partie zwischen Boris Spasski und dem amtierenden Weltmeister Tigran Petrosjan aus dem Jahr 1969. Gespielt wurde die Partie in Moskau. Danach begann eine Phase in der Boris Spasski die Last des Weltmeistertitels spürte. Trotzdem versuchte er später noch mehrfach einen weiteren WM-Kampf zu erreichen. Aber das ist eine längere Geschichte.

Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.


Von Thorsten Cmiel Die Idee der Lasker Puzzles

Titelfoto: Mark Livshitz (Dr. ML-Photo)

Vor einem Jahr gewann Divya Deshmukh (19) die Weltmeisterschaft der Juniorinnen. Inzwischen verfolgt die Inderin neue Ziele. Sie will den Großmeistertitel und spielt im Prager Schachfestival und nicht bei der zeitgleich stattfindenden Juniorinnenweltmeisterschaft in Petrovac mit.

Von Thorsten Cmiel

Die Inderin war schon zweimal nah dran an der Norm. In Wijk aan Zee beim Challengers lief es zu Beginn des Jahres allerdings nicht gut und 3.5 aus 13 waren eine ziemliche Dusche. Auf der anderen Seite sind es solche Turniere an denen Spieler wachsen können. Jetzt erhält Divya eine erneute Chance sich in einem gemischten Feld zu beweisen. Die Challenger-Turniere erweisen sich mit ihrem Spielermix aus Erfahrung und Herausforderern oft als viel interessanter als die Meisterturniere. So ist es auch in Prag, wobei den jüngeren Spielern entgegen kommen dürfte, dass die Strecke diesmal nur neun Runden beträgt. Divya ist die einzige weibliche Teilnehmerin im Feld.

Runde 1: GM Ivan Salgado Lopez (Spanien)

In der Partie gegen den erfahrenen Großmeister Ivan Salgado konnte die Inderin lange Zeit gut mithalten. Später zeigte Divya im Endspiel einige Unsicherheiten bei der Frage welche Figuren sie vom Brett nehmen sollte. Sie vermied in zwei Situationen den Tausch des letzten Turmpaares und später war es ausgerechnet die Qualität der Turmaufstellung, welche die Entscheidung für den Spanier brachte. Schade.



Runde 2: IM Richard Stalmach (Tschechien)

Eine starke Partie der Inderin, die wie Vaishali beispielsweise ebenfalls mit den weißen Steinen bekanntlich viel besser ist als mit den schwarzen Steinen. Hier mag es auch am Gegner gelegen haben. Jedenfalls kann Divya den Score sofort ausgleichen.


Die endgültige Entscheidung fiel erst in diesem Moment. Divya hatte zunächst kompromisslos angegriffen, aber dann nicht den Ausknippser gefunden und ihre Gewinnstellung war nach drei ungenauen Zügen nur noch weißer Vorteil. Hier war jetzt ihr Gegner dran und entschied sich nach drei Sekunden für den falschen Zug.


Runde 3: Nodirbek Yakuboev (Usbeskistan)

Schon in Wijk hatte Divya in der ersten Runde gegen den Usbeken gespielt und verloren. In Wijk hatte es später Aufregung gegeben, weil der Usbeke den Frauen im Feld den Handschlag verweigerte diesmal ging er souveräner mit der Situation um. Divya erhielt zudem eine Plakette für die Partie des Tages am Vortag.


Die Entscheidung über den Ausgang dieser Partie fiel bereits nach 18 Zügen und 69 Sekunden für diese Entscheiung. Schwarz konnte auf e5 die Springer tauschen und musste dann den Damentausch auf a5 anbieten. Viel spannender war es hier jedoch den eigenen Turm nach c7 zu ziehen, wonach Weiß eine Qualität (Leichtfigur für einen Turm) für einen Bauern kassieren konnte nach dem Springerzug nach g4. Divya entschied sich für den Turmzug nach e7 und dauerhaft geschwächte Bauern am Damenflügel. Diesen strukturellen Nachteil konnte sie später nicht mehr kompensieren.


Fotos: Prague Chess Festival. Mark Livshitz, Petr Vrabec.

Offizielle Homepage.

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Titelfoto: Mark Livshitz (Dr. ML-Photo) Vor einem

Die Spanierin Sarah Khadem gewinnt gegen Lagno und entscheidet den Ausgang mit. Drei Spielerinnen liegen am Ende vorne und die Russin Goryachkina gewinnt erneut und ist jetzt Favoritin für einen Qualifikationsplatz im Turnier der Kandidatinnen 2026.

Von Thorsten Cmiel

Eine dramatische Schlussrunde mit drei Siegerinnen brachte die Tabelle noch einmal gehörig durcheinander. Am Ende teilen sich mit der Inderin Koneru Humpy, Batkhuyag Munguntuul und Aleksandra Goryachkina drei Spielerinnen das Podium. Die Russin liegt bei der Wertung (Zahl der Schwarzpartien und Sonneborn-Berger) knapp vorne. Die Grand-Prix-Punkte werden allerdings geteilt.

Tabelle: Chess Results.

Alexandra Kosteniuk – Elisabeth Pähtz 1 – 0

Wenige Spielerinnen im Feld haben so häufig gegeneinander gespielt wie die zwei Turnierseniorinnen Alexandra Kosteniuk und Elisabeth Pähtz. Die Megadatabase 2025 weist 79 Partie über alle Zeitkontrollen hinweg aus. Pähtz konnte 31.5 Punkte sammeln, liegt also deutlich hinten. Am letzten Tag gab es noch einmal einen großen Fight von der in der Schweiz lebenden Russin. Es wurde eine ziemlich einseitige Begegnung. Kosteniuk schaffte noch die 50 Prozent und für die Deutsche bliebt erneut nur ein geteilter letzter Platz in einem Grand-Prix-Turnier.


Sarasadat Khademalsharieh – Kateryna Lagno 1 – 0

Sara Khadem (Kurzform) wirkte zuletzt im Turnier eher angeschlagen. Insofern war es erstaunlich wie die Wahlspanierin ihre Letztrundenpartie gegen die acht Runden lang führende Russin gewann. Das Spiel von Lagno machte schon früh keinen guten Eindruck. Sie schien mit einem Remis zufrieden zu sein und tauschte Figuren ohne ihre Stellung zu entlasten.


Der entscheidende Moment. Weiß hat einen Mehrbauern, aber die schwarze Dame und der Springer stören erheblich. Die Stellung wirkt für Lagno, die hier am Zuge ist, haltbar. Ihr nächster Zug allerdings verdirbt die Stellung vollends. Nach dem schwarzen Damenzug nach b1 zog Sara ihre Dame nach c3 und übernahm die Kontrolle über diese wichtige Diagonale. Weiß droht nicht nur den Springer nach d7 zu ziehen, sondern die weiße Dame kann auch nach c4 gelangen und den Bauern f7 attackieren. Das hielt die Stellung nicht mehr aus. Sara gewann in der Folge souverän.

Koneru Humpy – Bibissara Assaubayeva 1 – 0

Die Partie nahm einen sehr einseitigen Verlauf nachdem die Kazachin recht früh einen Bauern einstellte. Die Inderin Humpy Koneru gewann die Partie durch eine danach ruhige Partieanlage. Insgesamt zahlte sich am letzten Spieltag die Eröffnungswahl für die Spielerinnen nicht aus, die sich für die königsindische Verteidigung entschieden hatten.


Schwarz steht bereits etwas gedrückt. Im nächsten Zug droht Weiß seinen Läufer nach g5 zu ziehen. Darauf benötigt Schwarz hier eine Antwort. Eine Möglichkeit besteht darin, den Springer nach h5 zu ziehen, um die Damen oder nach dem Zug mit dem Läufer nach g5 die Läufer via f6 zu tauschen. Ein etwas krumm aussehender, aber spielbarer Zug war es den Turm nach e5 zu ziehen, um nach dem Läuferzug nach g5 den schwarzen h-Bauern ein Feld nach vorne zu ziehen und den Läufertausch zu erzwingen. Bibissara spielte stattdessen ihren Springer nach d7 und verlor nach dem Tausch auf d8 und dem Springerzug nach b5 einen Bauern.


Unkommentierte Partien







Wie steht der Grand Prix nach drei von sechs Turnieren?

Tabelle Grand Prix nach Monaco.

BREAKING NEWS

Die folgende Meldung kam erst nach Erstellen dieses Textes heraus. (Ergänzt am 28. Februar 2025)

Bibissara Assaubaeya dürfte bereits aus dem Rennen um die ersten beiden Plätze sein. Goryachkina hat bereits zwei gute Ergebnisse und muss auf Zypern noch ein gutes Turnier nachlegen. In der Liste fehlt noch eine weitere Favorition, Lei Tingjei (CHN) spielt in den letzten drei Grand-Prix-Turnieren. (Der letzte Satz ist inzwischen überholt!)

Fotos: Niki Riga. FIDE CHESS.

Event-Homepage.


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Die Spanierin Sarah Khadem gewinnt gegen Lagno

Boris Wassiljewitsch Spasski ist gestorben. Spasski war von 1969 bis 1972 der zehnte Schachweltmeister. Spasski ist vermutlich der am meisten unterschätzte Schachweltmeister des letzten Jahrhunderts. Der russische Schachverband gab am 27. Februar 2025 den Tod von Boris Spasski bekannt. Spasski wurde 88 Jahre alt.

Über die Umstände des Todes wurden keine offiziellen Angaben bekannt. Gesundheitlich stand es schon längere Zeit nicht gut um Spasski. 2006 und 2010 hatte er zwei Schlaganfälle erlitten. Nach seinem zweiten Schlaganfall lebte Spasski seit 2012 wieder in Moskau. Zuvor hatte er fast 30 Jahre in Frankreich eine Wahlheimat gefunden.

Am besten in Erinnerung dürfte der Öffentlichkeit der Wettkampf mit Bobby Fischer 1972 in Reykjavik geblieben sein, der als Match des Jahrhunderts bezeichnet wurde. Der Russe stand immer im Schatten seines damaligen Gegners, zumal der Wettkampf von den Medien zum Duell der Systeme gemacht wurde und diesen Wettkampf gewann der US-Amerikaner. (TC)

Wer mehr über Boris Spasski erfahren möchte, dem sei dieser Artikel von Johannes Fischer empfohlen.

Die vielleicht berühmteste Partie von Boris Spasski kam 1970 im Teamwettkampf einer Weltauswahl gegen die UDSSR zur Aufführung. Die Partie war eine grandiose Kurzpartie, die jeder Schachschüler mindestens einmal von seinem Trainer gezeigt bekommt. Hier pur.


Boris Wassiljewitsch Spasski ist gestorben. Spasski war

Titelfoto: John Brezina.

Die Engländer um John Nunn, der die letzte Runde aussetzte, gewannen souverän die Seniorenmannschaftsweltmeisterschaft bei den älteren Senioren. Auf den Plätzen landeten mit der Lasker Schachstiftung und Saxonia zwei private deutsche Teams. Bei den jüngeren Senioren ging es knapper zu. Letztlich entschied der erneute Sieg der Vereinigten Staaten gegen die Koblenzer das Rennen. Auf den Plätzen folgten punktgleich Italien und einen Zähler zurück das starke Team aus Kazachstan.

Von Thorsten Cmiel

Senioren 65 +

Der Lasker Schachstiftung war gegen Ende etwas die Puste ausgegangen und es zeigte sich, dass ein Team bei dem Teamformat vermutlich besser mit fünf Spielern antreten sollte. Letztlich sicherten die vier Siege von Rainer Knaak in Serie den zweiten Platz. Über den etwas glücklichen Ausgang seiner Partie in der achten Runde gegen Horacio Garcia Palermo finden sich Hinweise in dem letzten Bericht.

Die Sachsen hatten einen mäßigen Start mit zwei frühen Niederlagen. Der Vorteil dieses Turniergambits war allerdings, dass das Team nach fünf Siegen in Folge plötzlich am Spitzenbrett antreten durfte. Die Engländer verzichteten auf ihr Spitzenbrett in der letzten Runde und das war ein frühes Zeichen, dass sie mit einem Unentschieden zufrieden sein würden. Nachdem Bodo Schmidt eher mäßig stand fanden die Teams irgendwie zusammen und der Kampf endete früh friedlich. Es wurde dann noch etwas gezittert bei den Sachsen, da Israel zu einem Kantersieg ausholte und letztlich das 3.5 zu 0.5 wegen eines fehlenden halben Brettpunktes für die Israelis nicht reichte.

Die deutschen Teams (65+)

Als erste Feinwertung zählten in Prag die Brettpunkte. TB4 und TB5 hier zeigen die Stärke der Gegnerschaft und wären vermutlich das fairere Entscheidungskriterium.

Quelle: Chess Results.

Senioren 50+

USA – Confluentia 2.5 – 1.5

Nach zwei Stunden standen die Karnevalisten gut und eine Überraschung war denkbar, da der Internationale Meister Georg Seul gegen den US-Großmeister Gregory Kaidanov früh klar besser stand. Dann gewannen Jaan Ehlvest gehen Klaus Bischoff und Alexander Shabalov gegen Klaus Jürgen Schulz doch recht deutlich. Die Partie von Volker Wolf endete nach ausgeglichenem Verlauf unentschieden. Am Ende ging der Kampf mit 2.5 zu 1.5 verloren, aber die Koblenzer verabschiedeten sich dennoch mit einer beachtlichen Gesamtleistung aus dem Turnier. Für die US-Amerikaner war es der dritte Teamerfolg in Folge.



Italien – Ungarn 2.5 – 1.5

Der italienische Sieg wirkte sicher. Für die Italiener gewann erstmals deren Spitzenspieler Alberto David eine Partie. David hatte bis dahin sieben Remis gespielt. In der Partie am dritten Brett stand Fabrizio Bellia klar besser, wollte aber einer dreimaligen Stellungswiederholung nicht ausweichen. Für mehr als den zweiten Platz im Gesamtklassement würde es nach dem Sieg der Vereinigten Staaten ohnehin nicht reichen, da diese nach der achten Runde einen Brettpunkt Vorsprung hatten.


England 1 – Kazachstan 2 – 2

Die Entscheidung über Gold und Bronze fiel in diesem dramatischen Kampf. Die Kazachen hatten die meisten Brettpunkte der drei Mannschaften mit 13 Mannschaftspunkten vor der letzten Runde (USA, Italien) gesammelt. Sollte Kazachstan den eigenen Kampf gewinnen, dann würde Gold nach Asien gehen. Es kam anders, aber dramatisch und spannend war es in jedem Fall. Zunächst gewann Michael Adams seine Weißpartie recht früh und überzeugend. Adams Gegner Murtas Kazhgaleyev hatte in sieben Partien bis dahin vier gewonnen und drei Remis zugelassen. Der Kazache lag an Brett 1 in der Einzelwertung vor Adams und kann trotz seiner Niederlage in der letzten Runde zufrieden sein mit seinem Abschneiden.




Die deutschen Karnevalisten

Quelle: Chess Results.

Bei den Frauen in der Gruppe 50+ gewannen die Frauen aus Tschechien vor China und den US-Frauen. Verglichen mit den Mannschafts-Weltmeisterschaften waren diesmal stärkere Teams bei den jüngeren Frauen am Start. Georgien fehlte allerdings. Bei den älteren Frauen spielten nur Lettland und Tschechien mit.

Aus deutscher Sicht herausragend waren die besten Ergebnisse von Rainer Knaak und Artur Jussupow (Foto) , die jeweils den ersten Brettpreis abräumten. Beide spielen zwar für Deutschland und das Team Laskerstiftung genau wie Saxonia ebenfalls werden allerdings in den offiziellen Statistiken nicht in den Landesfarben geführt und scheinen sich als private Initiativen zu betrachten.

Wer sich für mehr Zahlen, Performances und Statistiken interessiert, der sei auf die umfangreichen Informationen bei Chess Results und die Homepage der Weltmeisterschaft verwiesen.

Titelfoto: John Brezina. Die Engländer um John Nunn,

Endlich wird wieder spannendes Schach im Grand Prix in Monaco gespielt. Diesmal entschieden Fehler rund um den Kontrollzug die Partien. Eine sprichwörtliche Ausnahme gab es natürlich, Alexandra Goryachkina überspielte ihre spanische Gegnerin Sara Khadem zunächst positionell und erlegte sie später taktisch. In der letzten Runde kommt es jetzt zu einem echten Showdown an der Spitze.

Von Thorsten Cmiel

Die Inderin Harika Dronavalli gewann ihre erste Partie, das verbessert die Stimmung etwas. Jetzt ist nur noch die deutsche Spielerin Elisabeth Pähtz ohne vollen Punktgewinn. Die zweite Inderin remisierte gegen die bisherige Spitzenreiterin Kateryna Lagno, die nach Siegen von Munguntuul und Goryachkina nun zwei punktgleiche Kontrahentinnen hat.

Tabelle erstellt von Chessbase.

Bibissara Assaubajewa beschenkt sich an ihrem 21. Geburtstag nicht selbst und verlor gegen die Chinesin Tan Zhongyi.




Fotos: Niki Riga. FIDE CHESS.


Unkommentierte Partien






Endlich wird wieder spannendes Schach im Grand

Bei den älteren Senioren scheint das Siegerteam festzustehen: England angeführt von Dr. John Nunn steht vor einem erneuten Titelgewinn. Bei den jüngeren Senioren deutet sich eine Überraschung an. Vorne liegt zurzeit Kazachstan. England mit Michael Adams kann das Turnier nicht mehr gewinnen. Italien und die USA können mit den Kazachen mithalten und haben möglicherweise sogar bessere Chancen. Es wird spannend.

Von Thorsten Cmiel

Der Aufreger des Tages war sicherlich die freche Eröffnung der Frauengroßmeisterin Anjelina Belakovskaia, die für die US-Frauen am Start ist. Sie wählte gegen den bekannten Autor und Verfasser von dutzenden Schachbüchern – vor allem Mittelspiel- und Endspielbücher – Jacob Aagaard die Basman-Verteidigung. Michael Basman (1946 – 1922) hatte diese Eröffnung (1.e4 g5) vor allem bei der britischen Meisterschaft 1980 eingeführt. Basman verfasste zahlreiche Hefte mit seinen Partien und Eröffnungsideen, war also wie Aagaard ebenfalls Autor. In der Partie in Prag hatte Aagaard früh den logischen Vorteil, verlor dann irgendwann im Mittelspiel die Kontrolle. Im späterem Endspiel war die Stellung dann lange Zeit ausgeglichen bis zu dem folgenden Moment.

Schwarz muss in jedem Fall hinter dem gegnerischen f-Bauern bleiben und kann sogar den g4-Bauern mit Schach abgeben. Danach wird der schwarze h-Bauer zu einer Waffe und garantiert das Remis. Die US-Amerikanerin hatte noch zwei Minuten auf der Uhr und griff daneben. Es handelt sich um eine unterhaltsame Partie. Niemand braucht Freestyle – Fischerschach – , wenn man auch einfach wie Michael Basman spielen kann. Man muss es nur wollen und sich trauen.


Michael Basman. Foto: David Llada

Senioren 50+

Die Karnevalisten aus Koblenz spielen in der letzten Runde gegen die Vereinigten Staaten und könnten sogar noch eine Medaille gewinnen, dafür muss das Team Confluentia allerdings die favorisierten US-Amerikaner schlagen. Die Begegnung der beiden Top-Teams USA und England fand einen Sieger als der englische Top-Scorer Mark Hebden (6 aus 7) gegen Igor Novikov seine erste Niederlage kassierte. Da Kazachstan gegen die Engländer ran muss, könnte am Ende das starke italienische Team profitieren.


Senioren 65+

Zwei deutsche Teams (Lasker und Saxonia) sind momentan auf den Plätzen und könnten morgen einen Platz auf dem Podium erobern. Das Team der Lasker Schachstiftung hatte in der achten Runde ordentlich Glück gehabt. Eigentlich sah es gegen Italien nach einer Niederlage aus, nachdem Gerhard Köhler relativ früh verloren stand. Artur Jussupow hatte bereits Remis gespielt und Jacob Meister stand auch längere Zeit eher schlecht. Dann passierte Dramatisches am Spitzenbrett. Rainer Knaak stand lange Zeit im Mittelspiel gegen Garcia Palermo ebenfalls deutlich schlechter. In der folgenden Stellung kam es dann zu einem dramatischen Fehler nach 37 Sekunden bei über 20 Minuten Restbedenkzeit.


Schwarz kann Schachgebote mit seinem Turm geben und die Partie sollte in Kürze mit Remis enden. Dann wären in der Konsequenz drei Teams jetzt punktgleich auf dem geteilten zweiten Platz gewesen. Garcia Palermo zog aber seinen a-Bauern ein Feld vor und stand nach der Antwort von Rainer Knaak auf Verlust, da der schwarze König plötzlich in Schwierigkeiten steckte.


Tabellen und Paarungen von Chess-Results.

Offizielle Homepage

Bei den älteren Senioren scheint das Siegerteam

Einige Spielerinnen wirken kraftlos nach sieben Runden Schach in Monaco. Zwei Spielerinnen fanden früh einen Weg zum Remis via dreimaliger Stellungswiederholung. Andere kämpften vorbildlicher bis zum letzten Zug.

von Thorsten Cmiel

Die deutsche Elisabeth Pähtz versuchte gar nicht erst mit Weiß auf Gewinn zu spielen und traf mit der Russin Goryachkina, die in den letzten zwei Runden noch zwei vergleichsweise einfache Gegnerinnen zu haben glaubt (Khadem und Munguntuul), auf eine Gegnerin ohne eigene Ambitionen an diesem Tag. Harika Dronavalli versucht nach ihrem Katastrophenstart weiter ihr Spiel zu konsolidieren und hat Erfolg damit. In den anderen drei Partien war zumindest zeitweise etwas los.

Tan Zhongyi – Kateryna Lagno 0.5 – 0.5

Diese Partie war nicht nur lang, sondern komplett ausgekämpft. Es gab einen einzigen Moment in dieser Partie in dem Lagno ein Missgeschick unterlief, aber die Chinesin verpasste ihre kurze Chance bereits mit dem nächsten Zug. Insgesamt war es eine hervorragende Leistung beider Spielerinnen, die am Ende ein Race ihrer Bauern inszenierten und das resultierende Damenendspiel auskämpften.


Ungleiche Läufer auf dem Brett und die Schwarzspielerin kann einen Bauern auf g5 schlagen. Aber wie geht es weiter, wenn Weiß danach die Bauern am Damenflügel auf den weißen Feldern fixiert? Wie sollte Schwarz hier fortsetzen?


Die Stellung nach 107 Zügen stammt ebenfalls aus der Partie von Tan Zhongyi und Katerina Lagno. Hier fand Schwarz das stilvolle Schachgebot mit der Dame auf e3. Schlägt Weiß die Dame, entsteht ein Patt auf dem Brett.

Koneru Humpy – Sara Khadem 1 – 0

Die Partie liefert charttechnisch eine Art Haifischmuster. Das bedeutet, dass beide Spielerinnen öfter daneben griffen. In dem Fall war es das bei Sara zuletzt etablierte Muster, aber anders als zu Beginn des Turniers befindet sich die Spanierin zunehmend auf der prekären Seite der Ausgleichslinie.


Das ist die Schlussstellung aus der Partie von Koneru Humpy und Sara Khadem. Hier gab die Spanierin laut Übertragung auf, dabei hatte ihre Gegnerin mit ihrem letzten Zug ein halben Punkt verschenkt. Die Aufgabenverteilung sollte klar sein: Der weiße König soll den Bauern e5 decken und der Turm bekommt wertvollere Aufgaben übertragen. Schwarz kann in der Stellung den eigenen König nach d5 ziehen und damit eine Festung errichten. Das muss man nicht unbedingt kennen, aber heutzutage werden viele deutlich klarere Verluststellungen weiter gespielt. Ein unrühmliches Ende einer typischen Fahrstuhlpartie beider Spielerinnen wie sie jedem Schachspieler von Zeit zu Zeit unterkommen.

Alexandra Kosteniuk – Bibissara Assaubayeva 0.5 – 0.5

Die Turnierseniorin Alexandra Kosten fällt durch ihren Kampfgeist auf. Sie hatte in dieser Partie durchaus Chancen. Die erste Chance ergab sich nach der Eröffnung ihrer Gegnerin.


Die Kazachin Bibissara Assaubaeva hatte auf e4 ein unechtes Figurenopfer – unecht weil sie das Material sofort zurück bekommt – gebracht. Jetzt stand sie vor der Frage, wie sie weiter fortsetzen sollte. Wir machen aus dieser Situation eine Fifty-Fifty-Aufgabe. Schwarz kann entweder seinen Turm nach e8 ziehen oder zunächst ihren Läufer mit Tempo nach f5 entwickeln. Nur einer der beiden Züge ist richtig. Bibissara spielte in der Partie den anderen.

Zwei Runden vor Schluss haben noch vier Spielerinnen realistische Chancen auf den Turniersieg. Das Turnier lief nicht sonderlich glücklich für die bisher im Grand Prix führende Kazachin Assaubaeva. Sie wird sich wohl einen anderen Qualifikationsweg suchen müssen, um einen Platz im Turnier der Kandidatinnen 2026 zu erreichen.

Tabelle: Chessbase.

Fotos: Niki Riga. FIDE CHESS.


Unkommentierte Partien







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Einige Spielerinnen wirken kraftlos nach sieben Runden

Von Thorsten Cmiel

Die Idee der Lasker Puzzles ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Aufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.


1. Aufgabe: Kann Weiß am Zuge gewinnen?

Es beginnt mit dem Einschlag auf h7, geht weiter mit Schachgeboten durch den Turm (h3-h8-f8) und endet mit dem Matt durch den Bauernzug d5-d6.


2. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge. Kann Schwarz sich noch irgendwie halten?

Schwarz setzt Matt. Es beginnt mit dem Königszug nach g1. Nach dem Läuferschach auf e3 folgt einfach der Zug des Königs in die Ecke (h1).


3. Aufgabe: Weiß ist am Zuge. Wie ist die Stellung zu bewerten?


4. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge. Was soll er tun?

Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.


Von Thorsten Cmiel Die Idee der Lasker Puzzles