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Titelfoto: Dariusz Gorzinski

Die Deutschen Meisterschaften der Senioren in Bad Neuenahr endeten letztlich für mich mit einem Highlight. Ein Sieg gegen Arno Zude, den Problemlöseweltmeister 1994 und Großmeister dieser Zunft, stand zumindest auf meinem Wunschzettel. Denn 33 Jahre zuvor hatte ich gegen Arno am ersten Brett in der zweiten Bundesliga verloren. Ich kam gerade in Form als das Turnier zu Ende war.

Von Thorsten Cmiel

Es gibt gute Gründe die eigenen Partien einer nachträglichen Analyse zu unterziehen. Bei vielen Spielern liegt der Fokus dabei auf der Eröffnungsphase. Alle Trainer, die ich in den letzten Jahren getroffen und gesprochen habe, raten von intensivem Eröffnungsstudium ab, bis man etwa 2400 Elo erreicht hat. Der Grund ist vor allem, dass man die knappe eigene Zeit besser investieren sollte. Ich lasse also diese Phase bei Eigenanalysen in der Regel weg und steige normalerweise erst in der Spielphase danach ein.

Mein Ziel in diesem Jahr war es vor allem auf zu schnelle Remis durch frühzeitige Vereinbarungen zu verzichten. Mein Kampfgeist war gestärkt und so gab es am Ende ein ordentliches Ergebnis mit drei Remis, fünf Siegen und einer Niederlage. Zwischendrin blieb genügend Raum für die üblichen unnötigen Fehler. Glück und eigene Unfähigkeit hielten sich diesmal in etwa die Waage. Zur Statistikanalyse von Turnieren gehört es meines Erachtens, die Zahl der im Turnier gespielten Züge zu betrachten. Da komme ich diesmal auf ungefähr 32 Züge, was für mich ein ordentlicher Wert ist. Dabei hatte eine zu lange Partie den Schnitt deutlich nach oben getrieben…

Das Turnier begann für mich mit Schwarz, weshalb ich mich auf einen Schwarzüberschuss einstellte. Zu Beginn des Turniers gab es bei den anderen Teilnehmern vorne im Feld überdurchschnittlich gute Weißresultate, wodurch die Farbauslosung mir ein spätes Doppelweiß einbrachte und das erleichterte überraschenderweise mein schweres Restprogramm. Letztlich spielte ich als Nummer neun im Feld gegen die Spieler eins bis vier und sechs und sieben. Überraschend viele Partien endeten bei mir diesmal mit Mattangriff. Nur in einem Fall ließ ich meinen Gegner, Gerald Löw, entkommen. Aber in der Partie hatte ich in ausgeglichener Stellung mit Mehrqualität später etwas Glück. Resultate.

Mittelbauern opfern. Echt jetzt?

Kaum ein Trainer dieser Welt bringt Beispiele für dieses wichtige Thema. Klar, Schach ist ein konkretes Spiel und man muss nur einfach genaue Berechnungen anstellen. Das ist der übliche Schnack von Großmeistern etwa seit der Jahrtausendwende. Aber dennoch zählen allgemeine Wahrheiten zum Schachverständnis ebenfalls, oder? Bauern opfere ich durchaus häufig und oft aus der Not geboren, aber wenn ich die Wahl habe, einen Mittelbauern oder einen Randbauern zu geben, dann schien mir die Entscheidung einfach zu sein. Bis zu diesem Turnier.


In dieser Stellung aus der zweiten Runde war ich mit Weiß am Zuge. Ich fand hier den positionell schlechtesten Zug meines gesamten Turniers und legte kurz darauf noch einmal nach. Es gibt drei Möglichkeiten den Bauern auf e5 zu schlagen. Oder Weiß verzichtet und zieht seinen Läufer nach h2. Welche Fortsetzung ist richtig? Es ist nicht schwierig, insbesondere wenn man das Thema dieses Abschnittes erinnert.


Mit Weiß kam ich zu Beginn des Turniers nicht zurecht. In der vierten Runde konnte ich ein grundsätzliches Problem nicht lösen: Immer wenn Weiß hier seinen Springer nach e5 ziehen würde, konnte mein Gegner Igor Vlasov bisher mit seinem Läufer auf d2 tauschen und seinen Springer nach e4 manövrieren und so seine verbliebenen Probleme lösen.


In der siebten Runde 7 war ich diesmal schon einen Schritt weiter und hatte den Bauern auf d4 freiwillig gegeben – im Austausch für den Bauern auf e7. Jetzt hatte ich eigentlich den Damenzug nach h6 geplant. Zeit hatte ich ohnehin ausreichend. Aber genau in diesem Moment suchte mich ein übler Blackout heim. Was würde passieren wenn mein Gegner als Antwort auf den Damenzug seinen Turm nach b2 zieht? Da sich meine Mattideen auf das Feld g7 stützten, übersah ich das einfache Matt auf f8. Grob. Im Panikmodus folgte ich meiner Notfallvariante, tauschte die Damen auf d4 und zog meinen Läufer nach f6. Das gewinnt etwas Material, aber tauscht mächtig viele Bauern am anderen Flügel.


Der schwarze a-Bauer geht noch verloren. Danach gibt es lediglich noch Bauern auf einem Flügel. Ich war mir ziemlich sicher, dass diese Stellung objektiv zu halten sein müsste. Aber immerhin hatte ich noch die Idee, einen Mattangriff auf der achten Reihe zu inszenieren. Allerdings kann Schwarz zunächst seinen König nach g7 ziehen und durch Vorziehen seines h-Bauern diesen gegen den Bauern auf g5 tauschen.



Einige Züge später hatten wir diese Stellung auf dem Brett. Eine wichtige Fragestellung in solch einer Situation ist regelmäßig, wie man die eigenen Bauern aufstellen sollte. Weiß erneuerte zuletzt den Vormarsch des g-Bauer, aber bis zu einem Mattangriff auf der achten Reihe wäre es noch längere Zeit hin. Sollte Schwarz hier proaktiv seine Bauern nach f6 und g5 stellen oder die Deckung des Bauern mit dem Läufer in der aktuellen Struktur erhalten?


In dieser Stellung lautet die Frage, ob man den Turm tauschen sollte oder nicht. Ich nenne solche Fragen Fifty-Fifty. Wie meist entschied ich mich objektiv natürlich falsch. Immerhin braucht auch eine spielstarke Engine einige Zeit um den vermuteten Vorteil zu verwerten.


Das Endspiel bereitete beiden Spielern einige Probleme. Aber auf der positiven Seite zu sein, erleichtert es natürlich. Gibt es für Weiß noch einen Gewinnplan? Wie sollte der Weiße hier fortsetzen? Die Lösung findet sich in der folgenden Partienotation.


Fünfmal Matt. Einmal selbst in einem Mattnetz gelandet

Eigentlich halte ich mich für einen Positionsspieler. Einige Wochen zuvor war ich in einem Schachcamp von Killer Chess Training in Spanien. Das Thema war Positionsschach. Es gab täglich mehrere Rechenaufgaben zu lösen. Die Vielzahl der Mattangriffe in diesem Turnier kam für mich jedenfalls überraschend. In der ersten Partie durfte ich Matt setzen. In der dritten Partie bekam ich ebenfalls einen Mattangriff hin und in den Runden sechs und sieben gelang mir ein Mattangriff nach Hilfe meiner Gegner. In der Schlussstellung meiner Niederlage gegen Dieter Pirrot war ich selbst davor Matt gesetzt zu werden. Die Schlussstellung gegen Arno Zude war ebenfalls eine Mattkonstruktion.

In meiner zweiten Schwarzpartie war mir die Eröffnung gefühlt gut gelungen. Schwarz stand hier zufrieden stellend. Leider war ich einen Moment unaufmerksam und mein Gegner nutzte seine Chance sofort, musste aber dann mit wenig Bedenkzeit seinen Angriff richtig vortragen und das gelang ihm letztlich nicht. Das folgende Diagramm zeigt die letzte kritische Stellung.


Wie sollte Weiß hier fortsetzen? Mit wenig Restbedenkzeit griff Michael Stierhof daneben. Glück gehabt.

Wie es zu der letztlich entscheidenden Situation kam

Aus der Eröffnung heraus war es mir gelungen, meinen Gegner zu beschäftigen und gefühlt war die Initiative bei mir. Leider misslang mir mein 19. Zug und mein Gegner ergriff beherzt seine Chance. Der Angriff trug Michael unter Zeitdruck nicht ausreichend überzeugend vor und am Schluss war Taktik gefragt.


Fifty Fifty – falsch entschieden


In der sechsten Runde wollte ich mit Weiß unbedingt erstmals gewinnen, um nach der Niederlage in der fünften Runde den Anschluss nicht zu verpassen. Ich hatte hier im 17. Zug zwei Kandidaten zur Auswahl. Entweder ich nehme auf g4 zurück oder ich ziehe meine h-Bauern vor, um meinen Angriff zu beschleunigen. Wie immer lag ich falsch mit meiner Entscheidung, konnte mich aber an dem Tag auf meinen Gegner verlassen, der einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte.


Dieter Pirrot mit den schwarzen Steinen

Meine Duelle mit Dieter Pirrot, dem zweimaligen Deutschen Seniorenmeister 50+, sind in der Regel anstrengend, weil Partien mit ihm oft hart umkämpft und immer taktisch chaotisch verlaufen. Leider enden meine Partien gegen Dieter bisher meist mit einer Niederlage. Ich hatte diesmal den Fehler gemacht am Tag vor der Partie am Schnellschachturnier teilzunehmen. Und tatsächlich hatte ich bei der Vorbereitung dann erneut einige Lücken. Zudem war meine letzte Schwarzniederlage gegen Dieter noch im Kopf. Immerhin: Im Jahr zuvor hatte ich mit Weiß eine ordentliche Partie gegen ihn gewonnen. In Magdeburg 2021 war die Eröffnung nur teilweise schief gegangen, weil ich eine Empfehlung von Sam Shankland falsch in Erinnerung hatte und zufällig eine ebenfalls spielbare Nebenvariante fand. Darauf hatte ich mein ganzes Kurzrepertoire gegen sein bevorzugtes Alapin-System ausgerichtet. Ein schmerzhafter Rückblick.


Mein Gegner war mir 2021 in Magdeburg in eine kurze Engine-Vorbereitung vor der Partie gelaufen, nachdem ich kurzfristig meinen eigentliche Eröffnungsplan umgeschmissen hatte. Leider fehlte mir etwas Zeit und die Feinheiten seiner Abweichung von meiner Nebenvariante musste ich am Brett finden. Das erwies sich als zu große Herausforderung an dem Tag. Wie sollte Schwarz hier spielen?



Überspringen wir das Mittelspiel der Partie in Magdeburg. In jeder Blitzpartie spielt man hier den Zug mit dem König nach b2 und gewinnt den Läufer. Aber Weiß hat einige Freibauern und ich machte mich etwa eine halbe Stunde daran, Varianten zu berechnen. Ich scheiterte mit meiner Entscheidung. Wie sollte es Weiß am besten halten mit seinem König? Sollte dieser auf Läuferfang gehen? Oder doch nicht? Die richtige Antwort findet sich in der folgenden Notation.


Runde 5: Eine frühe falsche Entscheidung und eine verpasste Chance


Hier stand ich vor meinem 15. Zug mit Schwarz. Ich hatte drei Kandidaten: den Bauernzug f7-f6, den Springerzug nach b6 und sofortiges Besetzen der c-Linie. Ich fand den schlechtesten Zug, hatte aber immerhin meine Gründe dafür.

Arno Zude: Revancheversuch nach 33 Jahren

Ich war eigentlich gar nicht für das erste Brett in der zweiten Bundesliga vorgesehen, sondern nach meiner Erinnerung am fünften Brett gemeldet. Aber unser damaliger Sponsor schaffte es nicht immer ein paar Profis ranzuschaffen und so spielte ich unter anderem gegen Arno Zude am ersten Brett. Die Partie folgte damals einer üblichen Spielweise gegen Maroczy-Aufbau meines Gegners, die allerdings für Schwarz, so weiß ich es heute, eher nicht empfehlenswert ist.



Hier fing die heiße Phase in unserer Partie in Bad Neuenahr 2025 an. In der Eröffnung war ich bereits im fünften Zug durch eine Zugumstellung meines Gegners etwas aus dem Konzept geworfen worden. Ich fand die gegnerische Spielweise bis hierhin nachvollziehbar und fühlte mich wegen der Drohung des Läuferzuges nach h5 nicht mehr sonderlich wohl. Allerdings hatte mein Gegner in seinem Lager einen schwachen Bauern auf h6 und ich immerhin das Läuferpaar.



Fazit: Im Verlauf des Turniers erreichte ich eine ausreichende Anzahl an gut spielbaren Stellungen mit Gewinnchancen. Die für mich recht hohe Quote an Fehlern im gesamten Turnier ist sicher auch der eigenen Risikobereitschaft geschuldet.

Fotos: Dariusz Gorzinski. Mehr Fotos von Dariusz finden sich auf seinem Flickr-Account.


In einem ersten Teil wurden die Turnierereignisse der Deutschen Meisterschaft genauer beleuchtet.

Homepage Bad Neuenahr.

Chess-Results DSENEM.


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Partieanalysen können durch das Klicken auf den hier orange gekennzeichneten Button heruntergeladen werden.

Titelfoto: Dariusz Gorzinski Die Deutschen Meisterschaften der Senioren

Foto Credit: Rafal Oleksiewicz (FIDE Chess)

Vom 5. bis zum 29. Juli spielen die weltbesten Frauen in Batumi in Georgien drei Qualifikationsplätze für das Turnier der Kandidatinnen 2026 aus. Es geht um fast 700.000 US-Dollar. Deutsche Frauen sind nicht dabei. Was Fans wissen müssen.

Von Thorsten Cmiel


Der Zeitplan

FIDE-Turniere sind der pure Luxus bei der Vorbereitung. Wochen vor dem Turnier sind die Gegnerinnen bekannt. Dabei gab es diesmal einiges Verwirrung um die Teilnehmerinnen. Das Paarungsschema selbst steht ohnehin fest. Bei 64 Teilnehmerinnen beispielsweise spielt die #1 gegen #64, #2 gegen #63 und so weiter. Für die Folgerunden ist der Paarungsbaum so angelgt, dass bei Erfolg zum Schluss die #1 gegen die #2 antreten darf. In der ersten Runde gibt es bei den jetzt 107 Teilnehmerinnen 43 Paarungen. 21 Spielerinnen, die in der ersten Runde noch nicht antreten müssen, kommen dann hinzu.


Top8-Paarungen Runde 1 Frauen World Cup Batumi

Weitere Paarungen finden sich hier.



Wie der Preisfonds verteilt wird

Fotos Rapid- und Team-WM: Rafal Oleksiewicz/FIDE.

Foto Credit: Rafal Oleksiewicz (FIDE Chess) Vom 5.

Titelfoto: Dariusz Gorzinski

Vom 11. bis zum 19. Juni 2025 spielten die Senioren ihre deutschen Meister im Schach aus: mit klassischer Bedenkzeit, im Blitzschach (5+3) und im Schnellschach (12+5). Gespielt wurde im 2021 überfluteten Kurhaus von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach 2014 ist das die zweite deutsche Seniorenmeisterschaft im Kurhaus.

Von Thorsten Cmiel

Bei der Anfahrt wollte mein Navi mich über eine nicht mehr existente Brücke lotsen. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde 2021 bei der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal schwer getroffen, wobei zahlreiche Brücken, Straßen und Gebäude zerstört wurden und zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Die Stadt gehört zu den Orten mit dem größten Schadensausmaß, heißt es. Inzwischen wurden weite Teile des Kurhauses, das den Schachspielern als Spielort diente, renoviert. Direkt neben dem Kurhaus führt die Ahr inzwischen nur wenig Wasser und man kann sich kaum vorstellen wie hoch das Wasser vor vier Jahren floss und das Steigenberger Hotel, auf der anderen Seite vom Kurhaus, im Erdgeschoss unter Wasser setzte. Im Hotel stand das Wasser bei 2,8 Meter und die Renovierungen einzelner Hotelteile dauern noch an. Inzwischen sieht alles wieder weitgehend schick aus und bot ein tolles Ambiente für ein Schachturnier.

Bad Neuenahr-Ahrweiler im Wiederaufbau

Noch ist nicht alles wieder in Ordnung in Bad Neuenahr und manches wird nie wieder wie zuvor: Der junge Croupier vollführt nach jedem Wurf der Kugel an einem der zwei American Roulette-Tische eine yodaske Handbewegung, nichts geht mehr. Nachdem die geworfene Zahl feststeht, folgt die Auszahlung an die wenigen Spieler am Tisch, meist verschwinden mehr Einsätze in einem schwarzen Loch als ausgezahlt werden. Das ist bekannt und pure Mathematik, aber Spieler glauben an ihr Glück. Die Spielbank Bad Neuenahr erhielt 1948 ihr Konzession. Die Flutkatastrophe im Juli 2021 führte zu einem zwangsweisen Umzug. Seit Juni 2023 wird im Bahnhof gespielt. Neben Roulette gibt es hier vor allem Spielautomaten bei denen das Geld meist noch schneller als beim Roulette den Besitzer wechselt. Gelegentlich gewinnt ein Spieler ordentlich und treibt dadurch die anderen an. 2021 war die Spielbank glücklicherweise gegen die Naturkatastrophe versichert, aber in Zukunft wollen Versicherer das Risiko einer erneuten Flutwelle nicht mehr tragen. Die Spielbank soll daher dauerhaft im Bahnhof bleiben und ein Anbau zur Vergrößerung ist ebenfalls geplant, aber das Kurhaus wird wohl nie wieder die Spielbank beherbergen. So bedeutend und früher dreimal so groß wie jetzt, wird die Spielbank vermutlich nie wieder werden.

Die Nachwirkungen der Flut bedeuten konkrete Veränderungen für Anwohner. Die Immobilienpreise beispielsweise sind deutlich niedriger als vor der Flutwelle. Schaut man in die Auslagen der Immobilienmakler in der Stadt, dann findet sich manches Schnäppchen wie die teilsanierte 4-Zimmer-Eigentumswohnung von 135 Quadratmeter unter dem Dach in einer schicken Gründerzeitvilla aus dem Jahr 1895, gelegen direkt am Kurpark, die nur schlappe 300.000 Euro kosten soll.

Die deutsche Meisterschaft der Schachsenioren war eines der ersten Events im wieder hergestellten Kurhaus. Die älteren Senioren spielten im größeren Kursaal und die jüngere Altersklasse trat im Barocksaal an. Es ging weniger um Preisgeld, sondern vor allem um das Verewigen des eigenen Namens auf der Quadriga, das ist der Wanderpokal, der aber nicht weitergereicht wird.

Chess Classics 2026 in Bad Neuenahr


In 2026 sollen im Kurhaus Bad Neuenahr mit dem Hotel Steigenberger als Turnierhotel drei Seniorenturniere (50+ 65+ und 75+) stattfinden. Der Termin steht auch schon: vom 27. Mai bis zum 4. Juni 2026. Ausrichter ist der Förderkreis der Senioren. Mit dem Turnier greifen die Organisatoren die Tradition der Chess Classics von 2017, 2018 und 2019 auf. Danach fand das Turnier bisher nicht mehr statt. Die Teilnehmerzahlen lagen in der Vergangenheit zwischen 161 und 171. Im nächsten Jahr soll das Angebot der verfügbaren Unterkünfte im Ort höher ausfallen. Das Steigenberger Hotel will Einzelzimmer für 100 Euro und Doppelzimmer für 152 Euro pro Nacht anbieten, heißt es.

Selbstfinanzierer Senioren

Die Teilnehmerzahl war nicht so hoch wie bei der letzten Seniorenmeisterschaft in Bad Wildungen. Im Vorfeld gab es Irritationen um einen Flyer der lokalen Organisatoren für die Veranstaltung, der vom Deutschen Schachbund vor allem wegen der Verwendung einer Schriftart nicht akzeptiert wurde, und dessen später Ersatz in der Produktion längere Zeit ein Informationsvakuum erzeugte. Dass diese Provinzposse die Teilnehmerzahl beeinflusst hat, ist wahrscheinlich, meint Gottfried Schumacher, der den Kontakt zum Hotel vor Ort hielt. Schumacher zeigte sich enttäuscht von der Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle in Berlin.

Das Start- und Organisationsgeld für die klassische Meisterschaft lag mit 140 Euro (inklusive Getränkepauschale) sicherlich schon am oberen Limit – auch im Vergleich mit privat organisierten Turnieren, die selten mehr als 100 Euro Startgeld nehmen. Der Deutsche Schachbund schreibt laut Kongressunterlagen für die Senioren bis 2027 die Haushaltsposition mit der Kontobezeichnung „2845“ mit 600 Euro pro Jahr fort. Insofern müssen die Senioren ihre Meisterschaften auch unter neuer Führung komplett kostendeckend organisieren. Vielleicht wird die Veranstaltung im Rahmen des Schachgipfels bei dann geringeren Mietkosten für einen Turniersaal ebenfalls für die Senioren wieder günstiger.

Letztlich gab es in diesem Jahr bei der Registrierung noch einige Absagen. 195 Spielerinnen und Spieler traten mit klassischer Bedenkzeit an. 40 hiervon waren Jungsenioren (50+). Übertragungen per DGT-Brettern sind bei der Teilnehmerzahl nicht drin. Sechs Spieler, die nicht als FIDE-Deutsche antreten, waren dabei und konnten das Turnier und Preisgeld gewinnen, aber nicht deutscher Meister werden. In 2014 hatten 347 Spielerinnen und Spieler in zwei Leistungsgruppen in Bad Neuenahr die damalige deutsche Meisterschaft, damals noch ohne die Gruppe 50+ mitgespielt. Es bleibt zu hoffen, dass im nächsten Jahr Mitte Juli in Dresden wieder mehr Teilnehmer an den deutschen Seniorenmeisterschaften teilnehmen.

Ahrathon

Während die Senioren ihre Meister im Schach ermittelten war gleichzeitig an einem Samstag der „Ahrathon“ ein größeres Sportereignis. Neben unterschiedlich langen Laufstrecken absolvierten einige Teilnehmer das Rennen in Kostümen. Das Wetter war schwül und das Laufen auch in normaler Sportkleidung eine schweißtreibende Angelegenheit. Selbst als Zuschauer lief das Wasser. Offenbar hatten manche Teilnehmer dennoch viel Spaß. Als Verpflegung gab es neben Wasser auch eine Ration Wein für die Teilnehmenden.

Staffelübergabe

Der neue kommissarische Seniorenreferent Wolfgang Cleve-Prinz kam auch zweimal vorbei. Der Weg von Wissen im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) war nicht weit. Während zwei potentielle Nachfolger bei Wahlen durchfielen, bekam der Neue den Job ohne dieses persönliche Risiko. Vielleicht gelingt es dem Diplom-Psychologen die weitgehende Sprachlosigkeit zwischen Senioren und Präsidium durch gute eigene Gesprächsführung in den Folgejahren zu beheben. Mit mehr Gehör für die Belange der Senioren beim Deutschen Schachbund kann er sicherlich ebenfalls bei den Senioren punkten. Im nächsten Jahr wäre ein wettbewerbsfähigeres Startgeld sicher ein guter Anfang. Vielleicht entzerrt der Seniorenreferent auch die Blitz- und Schnellschachmeisterschaften wieder von den Meisterschaften im klassischen Schach, dann nehmen sicherlich wieder mehr Spielerinnen und Spieler teil. Eine meines Erachtens gute Idee und einen Versuch wert wäre ein Art Senioren-Speed-Gipfel mit beiden Turnieren an einem separatem Wochenende.

Nach zunächst leichten Irritationen wegen des Spielortes der Senioren-Mannschaftsmeisterschaft in Bad Soden-Saalmünster ist jetzt dieses Turnier beim Deutschen Schachbund ausgeschrieben und soll stattfinden.

Wie es ausging

Bei den jüngeren Senioren waren die zwei Internationalen Meister Arno Zude und Titelverteidiger Dieter Pirrot klar favorisiert. Es folgen neun Spieler mit einer Elozahl von 2100 bis 2158. Bei den älteren Senioren schien es nicht nur wegen der größeren Teilnehmerzahl, sondern auch wegen einer größeren Leistungsdichte, spannender zuzugehen. Titelverteidiger war Jürgen Juhnke, der mit Jahrgang 1949 auch in der Kategorie Nestoren (75+) antrat. Bei den Senioren 65+ gehörten mit Evgueni Chevelevitch und Yuri Boidman ebenfalls zwei Internationale Meister zu den Favoriten.

Senioren 50+: Wagner-Spiele

Bei den Jungsenioren gab es letztlich ein echtes Endspiel der zwei Führenden. Dieter Pirrot hatte die weißen Steine gegen Hans Wagner vom SC Stein, einem kleinen Ort in Mittelfranken aus dem Landkreis Fürth. In der Runde zuvor hatte Wagner aus scheinbar gefährdeter Stellung heraus im Angriff gegen Igor Vlasov gewonnen und sich so einen halben Punkt Vorsprung erarbeitet. Die Eröffnung verlief in der Schlussrunde zunächst gut für den Favoriten. Etwas später übersah Pirrot allerdings eine Verteidigungsressource bei schon reduziertem Material, so mein seitlicher Eindruck. Letztlich bot Dieter Pirrot das Remis an und Hans Wagner griff zu. Den Titel bei den Frauen 50+ holte sich Britta Leib aus Neumünster.

Quelle Screenshot: chess-results.com.

Endstand Top7: Senioren 50+ Bad Neuenahr 2025

#NameVerein (Ort)Elo (Juni 2025)PunktePerfomance (Elo+/-)
1Hans WagnerSC Stein21207.02280 (+36)
2Dieter Pirrot23206.52269 (-7)
3Arnold HuhndorfSV Turm Bergheim21006.52275 (+42)
4Thorsten CmielLasker Köln21276.52271 (+35)
5Igor VlasovBrühler SK21286.02240 (+27)
6Gerald LöwBindlach Aktionär21585.52162 (+2)
7Arno ZudeSV Hofheim23115.52181 (-13)

Ausgelost wurde nach TWZ (Turnierwertzahl), ein seltsamer Mix aus Elozahl und Deutscher Wertzahl (DWZ). Diese Herangehensweise hat Auswirkungen auf die Auslosung und Rangliste vor dem Turnier. Weitere Informationen zum Turnier finden sich hier. Ursprünglich waren in beiden Gruppen sieben Preise ausgeschrieben – bei mindestens 250 Teilnehmern. Wegen der zu geringen Teilnehmerzahl wurden die Preise wie angekündigt reduziert und ein Preis gestrichen. Ich bleibe bei den Top7-Spielern als Preisträgern. Preise sind ohnehin nicht die Hauptmotivation für die Teilnahme an Schachturnieren und bei den Senioren schon gar nicht. Eine interessante Diskussion zum Thema Seniorenpreise findet sich derzeit beim Schachkicker.

Senioren 65+: Yuri Boidman zum Dritten

Bei den älteren Senioren endeten die vorderen drei Paarungen zügig ebenfalls unentschieden. Dahinter wurde zunächst gekämpft. Dennoch endeten letztlich die Partien an den ersten sechs Brettern allesamt Remis. Von den Spielern ganz vorne fiel nur Friedbert Prüfer letztlich noch aus den Preisrängen. Yuri Boidman hatte 2014 bereits mit acht aus neun Partien seine erste deutsche Meisterschaft geholt und 2022 hatte er ebenfalls gewonnen. Bei den Frauen gewannen Annett Wagner-Michel (65+) und bei den Nestoren lag Ulrich Nehmert aus Wiesbaden vorne, der aber als Dritter im Gesamtfeld keinen zweiten Geldpreis erhielt.

Quelle Screenshot: chess-results.com.

Endstand Top 7. Senioren 65+ Bad Neuenahr 2025

#NameVerein (Ort)Elo (Juni 2025)PunktePerformance (Elo+/-)
1Yuri BoidmanNeuwied22377.52363 (+13)
2Stephan BuchalWerder Bremen22357.02338 (+23)
3Ulrich NehmertWiesbaden22607.02342 (+19)
4Michael SchulzSpandau20696.52227 (+38)
5Holger NamysloBiberach21356.52228 (+22)
6Jürgen JuhnkeLister Turm22366.52193 (-7)
7Wolfgang PolsterSV Koblenz21066.52197 (+22)

Weitere Informationen zu den Siegern und Ergebnisse finden sich hier.


Blitzmeister: Schneider, Seyb (65+) und Schumacher (Nestoren). Schnellschach: Hans-Werner Ackermann.

Im Rahmen der deutschen Seniorenmeisterschaften fanden die Blitzmeisterschaften der Senioren statt. Gespielt wurden neun Runden nach Schweizer System. Bei den Jungsenioren nahmen 23 Spieler teil, die teilweise nur für das Blitzturnier nach Bad Neuenahr kamen. Schneider wollte es erneut wissen und hatte seine roten Schuhe angezogen. Bei den Frauen gewann Meisterschaftssammlerin Anita Stangl den ersten Preis beim Blitzen und genau wie zwei Tage später im Schnellschach.

Beim Schnellschachturnier gab es bei den jüngeren Senioren zu wenig Teilnehmer für eine eigene Gruppe. Vorne lagen am Ende vor allem die älteren Senioren, angeführt von Hans-Werner Ackermann, der mit 7.5 Punkten und einem vollen Punkt Vorsprung durchs Ziel ging. Der beste Jungsenior war Andreas Gypser vor Gerald Löw, die mit jeweils sechs Punkten durch das Ziel gingen.

Fotos: Dariusz Gorzinski.

Ergebnisse der Blitz- und Schnellschachmeisterschaften bei Chess Results. Blitz 50+, Blitz 65+, Schnellschach (Joint Group).


Ausgewählte Partiemomente von den Seniorenmeisterschaften

Mattkonstruktionen

Beginnen wir mit zwei recht einfachen Mattbildern, die ich in den ersten beiden Runden gesehen habe. Die Namen der betroffenen Spieler sind mir entfallen.


Weiß ist am Zug. Wie kann er die gegnerische Verteidigungsstellung aufbrechen?


Diese Partie ist erkennbar bereits entschieden zugunsten des Nachziehenden. Der weiße König steht gefährdet. Schwarz ist am Zug und sollte am besten wie fortsetzen?

Endspielmomente

Einige Partien wurden erst in der letzten Partiephase entschieden. Einige Stellungen sind mir beim Herumlaufen aufgefallen, da sie interessante Fragen aufwarfen. Bei den älteren Senioren wurden wichtige Weichen im Kampf um den Titel in zwei Endspielen von Stephan Buchal gestellt.


In dieser Stellung aus der zweiten Runde in der Gruppe 65+ ist Weiß am Zuge. Schwarz hat ernsthafte Probleme mit dem gegnerischen h-Bauern. Randbauern sind für Springer immer eine ganz besondere Herausforderung. Die erste Frage lautet jedoch konkret, ob hier Weiß bereits auf Gewinn steht. Welchen Zug sollte man Weiß empfehlen? Leider liegt mir die Notation nicht vor, daher musste ich die wesentlichen Momente rekonstruieren und kann nicht den gesamten weiteren Partieverlauf wiedergeben.


Einige Züge später war diese Stellung auf dem Brett. Zur Verteidigung muss Schwarz hier nur noch seinen König nach h7 beordern und danach kommt Weiß nicht mehr weiter. Schwarz kann dann einfach mit dem Springer munter hin und her hüpfen. In der Partie begann Schwarz hier richtigerweise mit dem Königszug nach g8 und nach dem Läuferzug nach f6 folgte der Springer nach d5, Weiß musste den Läufer erneut ziehen und Schwarz gelang das gewünschte Set-up. Als kleine Randnote sei erwähnt, dass einige Bretter weiter in der Partie von Franz Paus und Martin Launert das exakt gleich konstruierte Endspiel auf dem Brett stand. Auch erreichte Schwarz das Schlüsselfeld h7 zur dauerhaften Blockade, dort gelang es Weiß nicht einmal den h-Bauern bis h6 voranzubringen.


Dieses spannende Endspiel mit Weiß am Zuge entstand in der Partie der zweiten Runde zwischen Holger Busacker und Georg Haubt in der Gruppe 65+. Ich dachte mir, das Schwarz hier gute Gewinnchancen haben müsse. Die erste Etappe meines Gewinnplans bestand darin, den eigenen h-Bauern bis nach h3 vorzuschieben und so dem gegnerischen, weißen König die Annäherung an den h-Bauern zu verwehren. Danach kann der schwarze Turm offensichtlich nicht mehr ziehen. Danach wollte ich mal schauen, wie es weitergeht. Ich lag richtig und falsch, da ich ein wichtiges Detail übersah. Zunächst ist aber Weiß am Zuge und kann seinen c-Bauern ein Feld oder zwei Felder vorziehen. Was ist richtig?



In diesem Endspiel musste Michael Stierhof mit Schwarz gegen Thomas Biegel in der Gruppe 50+ nur noch ein Hürde umschiffen. Wie erreicht Schwarz das Remis? Beim späteren Abgleich mit der Datenbank fand ich für exakt dieses Endspiel vier Vorgängerpartien. Dreimal ging es Remis aus und einmal verlor Schwarz. Jetzt steht es 3.5 zu 1.5 für Weiß.


Wichtige Vorentscheidungen bei den Senioren 65+ im Endspiel

In der sechsten Runde kam es am Spitzenbrett zu der Begegnung zwischen Stephan Buchal und Holger Namyslo, die beide einen halben Punkt Vorsprung vor dem Feld hatten. Nach 40 Zügen erreichten die Spieler nach intensivem und etwa ausgeglichenem Kampf ein spannendes Läuferendspiel. Schwarz wird den a-Bauern gewinnen, dafür wird sein Gegner seinen König aktivieren. Die Frage lautet also nur, wie Schwarz das Remis erreichen kann. Die Stellung ist extrem rechenintensiv und hier war bereits ein wichtiger Moment erreicht.


Wie sollte Weiß hier noch einen Gewinnversuch unternehmen? Er kann seinen Läufer auf die lange Diagonale bringen und den Läufertausch erzwingen, aber ist der Anziehende dann schnell genug im Bauernendspiel unterwegs? Tatsächlich ging es hier um genau ein Tempo. Aber zunächst muss muss man einen Weg finden, um überhaupt noch Gewinnchancen zu entwickeln.


In der siebten Runde lag Stephan Buchal nach seinem Sieg in der Runde zuvor mit einem halben Punkt vorne und wäre im folgenden Endspiel mit Schwarz gegen Yuri Boidman mit einem Remis sicherlich zufrieden gewesen. Die entstandene Stellung direkt nach dem Kontrollzug sollte wieder ausgeglichen sein. Allerdings ließ sich der Bremer verunsichern und spielte in der folgenden Stellung bereits leicht ungenau, da er die aktiven Möglichkeiten seines Gegners übersah. Tragisch war das allerdings zunächst nicht.


Doppelturmendspiele sind oft schwieriger zu handhaben als einfache Turmendspiele, da man sich gelegentlich mit den gegnerischen Chancen auf einen Königsangriff beschäftigen muss. Hier lautet die einfache Frage: Welchen Zug sollte Schwarz hier warum spielen?



Weitere schachliche Momentaufnahmen


Diese Endspielstellung stammt aus der dritten Runde und der Partie von Matthias Wasmuth und Thorsten Sicars bei den jüngeren Senioren und wird zum Selbststudium empfohlen. Die bessere weiße Turmpostierung genügt hier für Ausgleich. Ein Detail ist, dass ein weißer a-Bauer mit Schach umwandeln würde.

Arno Zude (Jahrgang 1964) ist Internationaler Meister seit 1995 und bereits seit 1988 Großmeister im Lösen von Schachaufgaben und Studien. 1994 gewann Arno die Weltmeisterschaft im Lösen von Schachaufgaben und Studien. Die folgende rechenintensive Schlussphase will man gegen einen anderen Gegner vielleicht eher haben. Die Eröffnung war Thorsten Sicars ein wenig misslungen und er stand in der obigen Stellung bereits auf Verlust. Aber durch den Variantendschungel muss man trotzdem erst einmal durch.



Eine weitere Partie aus dem Turnier der Jungsenioren. Manchmal täuscht die Optik. Hier allerdings meines Erachtens nicht. Ich war zwar beschäftigt mit meiner eigenen Partie, aber hier stand Gerald Löw mit Weiß gefühlt schon klar besser. Wie ist die Stellung objektiv einzuschätzen? Wie sollte Weiß hier am besten fortsetzen? Das ist allerdings nur der Auftakt zu einer spannenden Partiefortsetzung, die einen überraschenden Verlauf nahm und ein Comeback des Schwarzspielers Guido Schott sah.



Weitere Foto-Impressionen

Fotos: Dariusz Gorzinski.

Dariusz ist ein Hobbyfotograf aus Dortmund, den ich bei der Schacholympiade in Budapest kennengelernt habe. Ich konnte ihn irgendwie überzeugen in Bad Neuenahr vorbeizukommen. Wer mehr Fotos von Dariusz sehen will, der sei auf seinen Flickr-Account verwiesen.

In einem zweiten Teil zur deutschen Meisterschaft in Bad Neuenahr folgt noch ein eher persönlicher Turnierrückblick mit einem Schwerpunkt auf meine eigenen Mittelspiele.

Homepage.

Chess-Results.

Ergebnisse Deutsche Seniorenmeisterschaft von 2014 in Bad Neuenahr.

Ahrathon.


Ergänzung: 4. Juli 2025

Aus Transparenzgründen: Der folgende Flyer (links) wurde wegen der Verwendung der Frakturschrift nur in der Überschrift auf Seite 1 vom Deutschen Schachbund abgelehnt. Der neue Flyer (rechts) sah auf Seite 1 so aus.


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Titelfoto: Dariusz Gorzinski Vom 11. bis zum 19.

Auf dem Kongress des deutschen Schachbundes in Paderborn ging es nach zwei Jahren der finanziellen Konsolidierung wieder einmal hoch her. Im Gespräch ordnet Michael Sebastian Langer, Multifunktionär aus Niedersachsen, das Geschehen ein, erklärt wie die Wahlen abliefen und die Ergebnisse einzuordnen sind. Langer blickt verhalten optimistisch in die Zukunft und hofft auf neue Impulse für das organisierte deutsche Schach. Ein Gespräch.

Von Thorsten Cmiel

Zusammenfassung

Michael Sebastian Langer (aka MSL) ist Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes und Vizepräsident des Landessportbundes Niedersachsens mit eigenem Wikipedia-Eintrag. Zu den früheren Funktionen Langers gehört die als Schatzmeister und Vizepräsident im Deutschen Schachbund. Das Gespräch dreht sich zunächst um die kürzlich stattgefundenen Wahlen beim Bundeskongress des Deutschen Schachbundes (DSB). Im zweiten Teil äußert sich Langer, ganz der Haushälter, über die finanzielle Strukturierung von Veranstaltungen, den geplanten Gipfel in Dresden und eine Jubiläumsveranstaltung. Aus Langers Sicht herrscht Unsicherheit über die Effektivität der Kommunikation der Pläne und ob die Ziele klar verstanden wurden. Langer erwartet, dass der neue Vizepräsident Finanzen durch kreative Ansätze und Führung die Entwicklung im Deutschen Schachbund positiv beeinflussen kann.

Wer bist du?

MSL: Michael Sebastian Langer, Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes. Seit sechseinhalb Jahren bin ich Vizepräsident des Landessportbundes Niedersachsens. Zudem bin ich im Rundfunkrat des Norddeutschen Rundfunks. Und noch ein paar Sachen mehr.

Du warst ebenfalls mal in der Funktion als Finanzchef aktiv beim Deutschen Schachbund. Hieß das damals bereits Vizepräsident?

MSL: 2003 bis 2009 war ich Schatzmeister, dann wurde es umbenannt. Dann hieß es die nächsten sechs Jahre Vizepräsident für Finanzen, und von 2011 bis 2015 war ich zusätzlich stellvertretender Präsident.

Stellvertretender Präsident. War das eine „geborene“ Funktion?

MSL: Nein, das passierte in einem jeweils nachgelagerten Wahlgang.

Ende Mai fand der Bundeskongress des Deutschen Schachbundes statt und da gab es Wahlen. Wie läuft die Wahl eines Präsidenten ab? Worum geht es dabei?

MSL: Im Idealfall geben diejenigen, die Präsident oder Präsidentin werden wollen, das im Vorfeld bekannt, kandidieren also öffentlich. Dann sind die Wahlvorschläge zu einem bestimmten Zeitpunkt der Tagesordnung dran. Die Präsidentschaft wird zuerst entschieden und es wird grundsätzlich geheim gewählt, selbst bei nur einem Kandidaten. Bei zwei Kandidaten ist dies selbstredend. Dann stellen sich die Kandidaten noch mal kurz vor. Sie erläutern dem Kongress in knapp fünf Minuten, warum sie die jeweils richtige Person sind. Das war auch diesmal der festgelegte Modus. Beide bekamen zudem die Möglichkeit, drei Fragen aus dem Plenum zu beantworten.

Angetreten sind als Amtsinhaberin Ingrid Lauterbach und als Herausforderer Paul Meyer-Dunker aus Berlin. Beide hatten sich vorher bereits mit Antworten von Fragen im „Schachkicker“ kurz vorgestellt. Gab es überhaupt Fragen?

MSL: Es gab klassische Fragen aus dem Plenum. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Wie geht man mit bestimmten politischen Entwicklungen um? Die Fragen brachten für mich keine zusätzliche Erkenntnis. Sie sind aber eine Gelegenheit für die Kandidaten. Ich glaube, dass die allermeisten im Raum aufgrund von Erkenntnissen gewählt haben, die sie im Vorfeld erzielen konnten.

Unabhängig von der Frage, wen ihr gewählt habt, hattet ihr im Schachverband Niedersachsen irgendeine Absprache? Wie viele Delegierte aus Niedersachsen waren dabei?

MSL: Wir haben insgesamt 13 Stimmen, die haben wir auf vier Delegierte verteilt und wir waren zur Vorbereitung des Gesamtkongresses abgestimmt, also sowohl was die Personalien angeht, aber auch bezogen auf die Inhalte. Dafür haben wir zwei ausführliche vorbereitende Sitzungen gehabt, in denen wir die Themen durchgegangen sind, haben uns auf Meinungsbilder und gemeinsame Vorgehen verständigt. Aber wir sind auch demokratisch in letzter Konsequenz, gerade bei geheimen Wahlen, diese sind natürlich freigegeben. Am Ende konnten sich unsere Leute also frei entscheiden. Ich glaube aber, dass sie sich an der Linie entlang verhalten haben, die wir vorher festgelegt hatten.

Zur Präsidentenwahl. Es gab Störgeräusche, direkt am Anfang des Kongresses wurde eine persönliche Erklärung des ehemaligen Vizepräsidenten Verbandsentwicklung verlesen, die zu Reaktionen führte. Es kam heraus, dass die Zusammenarbeit im Präsidium nicht so funktionierte, wie man erwarten sollte. Wie ist deine Einschätzung?

MSL: Nach der Art und Weise, wie diese persönliche Erklärung abgewickelt wurde, hat eine Diskussion darüber kaum stattgefunden. Das ist vielleicht bedauerlich. Zum Vorgang selbst: Wenn ich eine inhaltliche Kritik habe, dann bewege ich meinen Hintern nach Paderborn, trage vor, was ich zu sagen habe und setze mich der Diskussion aus. Ein solches Vorgehen, dass es einen Brief gibt, der dann vorgelesen wurde, habe ich so noch nie erlebt. Die Inhalte deuten darauf hin, dass es zwischen Guido und insbesondere Ingrid alles andere als spannungsfrei zuging. Ich glaube, dass diese Botschaft die wenigsten Delegierten erreicht hat, sondern dass die Leute eher über das Verfahren und den gewählten Weg irritiert waren. Ich selbst nehme diesen Teil des Kongresses verständnislos zur Kenntnis. Hätte man mich gefragt, ob ich diese Erklärung vorlese, hätte ich gesagt: Das tue ich mir nicht an.

Es folgte die Vorstellungsrunde. Dann gab es die Abstimmung, die sehr knapp mit 116 zu 103 für Ingrid Lauterbach ausging. Wie ist das Ergebnis zu interpretieren?

MSL: Wir Niedersachsen können mit dem Ergebnis natürlich leben und umgehen. Wir hätten mit Paul zusammengearbeitet und wir arbeiten auch mit Ingrid zusammen. Sachlich, kritisch, konstruktiv. Ich selber bin in letzter Konsequenz sogar ein bisschen überrascht, dass Ingrid gewonnen hat. Das war nicht wirklich klar. Wenn man zwischendurch immer wieder den Flurfunk hörte, gab es tatsächlich Peaks in die eine oder andere Richtung. Ich selbst habe mich im Vorfeld immer zurückhaltend geäußert und gesagt: Wahlen werden am Freitagabend gewonnen. Und das hat auch in diesem Fall meines Erachtens so stattgefunden.

Was passiert an einem Freitagabend vor so einem Bundeskongress?

MSL: Der Freitagabend und Vorabend eines Kongresses ist ein klassischer Begriff und da wird unfassbar viel bilateral gearbeitet und im Lager der Unsicheren eingesammelt. Das ist der Plan beider Kandidaten und letztendlich aller Kandidaten, die es zur Präsidentschaftswahl bisher gegeben hat. Der Freitag ist prinzipiell nicht geselliges Beisammensein, sondern für die, die was wollen, harte Arbeit.

Mit der Wahl der Präsidentin ist es nicht getan. Es gab noch andere Ämter zu besetzen.Was ist sonst noch passiert?

MSL: Zunächst zur Personalie Vizepräsident Sport.Bei Jürgen Klüners, ebenfalls Amtsinhaber, war das Ergebnis mit 124 zu 95 Stimmen gegen den auf Bundesebene weitgehend unbekannten Carlos Hauser sehr respektabel für den Herausforderer.

Hatten die beiden noch eine Rede gehalten? Und dann Nachfragen beantwortet?

MSL: Ja, tatsächlich. Die Zeitabläufe waren gestraffter und erlaubten nicht mehr die Ausführlichkeit wie bei der Präsidentschaftswahl.

Wie verlief die Wahl des Vizepräsident Finanzen?

MSL: Die Wahl von Alexander von Gleich erfolgte mit einem sehr deutlichen Ergebnis von 225-Ja-Stimmen ohne Gegenstimme.

Danach folgte die Wahl eines neuen Kandidaten Vizepräsidenten Verbandsentwicklung.

MSL: Jannik Kiesel ist bei der Schachjugend stellvertretender Vorsitzender und kommt aus Bad Kissingen, also aus dem Bayerischen Schachbund. Und da ist allen Beobachtern und auch mir aufgefallen, dass er quasi einstimmig gegen Bayern gewählt wurde, mit 165 zu 46 Stimmen.

Er kommt aus Bayern, aber wird von den Bayern nicht unterstützt?

MSL: Genau, Bayern hat komplett gegen ihn gestimmt.

Das war also keine geheime Wahl?

MSL: Die Wahlen sowohl von Alexander als auch Jannik waren offen, weil es keine Gegenkandidaten und auch keinen Antrag auf geheime Wahl aus dem Plenum gab.

Kann Jannik stellvertretender Vorsitzender bei der DSJ bleiben?

MSL: Er selbst hat gesagt, er macht noch die Jugendmeisterschaften in Willingen und tritt dann zurück.

In der Vergangenheit gab es finanzielle Konflikte mit der DSJ. Hat man zu diesem Thema noch etwas gehört?

MSL: Es wurde besprochen, dass es immer noch die Rückforderungsdebatte gibt und die wurde erneut emotional angerissen. Am Samstagabend endete das mit dem Wunsch, dass es vom Tisch kommen sollte. Das war ein Antrag von Andreas Jagodzinsky aus NRW und der führte zu kontroversen Debatten. Ich selber habe mir einen Lösungsvorschlag bis zum nächsten Hauptausschuss gewünscht.

Kommen wir noch einmal zurück zu den Wahlen. Es gab eine weitere Personalentscheidung im Präsidium, die mehr etwas für Feinschmecker ist. Die Wahl des Stellvertreters.

MSL: Diese verlief in der Tat etwas ungewöhnlich. In einem zweiten Wahlgang wird der Stellvertreter des Präsidenten gewählt. Das hat satzungsrechtliche Gründe. Bei mir und in der Vergangenheit hatte man meistens folgende Situation: Der frisch gewählte Präsident schlägt, nachdem er sich mit dem Rest des Präsidiums abgestimmt hat, seinen Stellvertreter vor. In diesem Fall hat Ingrid Jürgen als ihren Stellvertreter vorgeschlagen und aus dem Publikum, ich glaube es war Paul, wurde Alexander von Gleich ins Rennen geschickt. Das war die erste Kampfkandidatur um das Amt des stellvertretenden Präsidenten, die ich erlebt habe. Alexander hat deutlich mit 138 zu 67 gewonnen.

Normalerweise würde man erwarten, dass ein Gegenkandidat vorher abwinkt. Hat Alexander von Gleich sich dazu geäußert?

MSL: Also wie gesagt, in einer normalen Welt hätte es diesen zweiten Vorschlag gar nicht gegeben. Vielleicht kam die Wahl für das Präsidium überraschend. Es kam jedenfalls zu einer Kampfabstimmung und der Vorschlag der Präsidentin hat sehr glatt verloren. Dann musste Jürgen Klüners ein drittes Mal antreten. Das ist eine Besonderheit des Deutschen Schachbundes, der möchte drei Vertreter, die laut Satzung BGB-Vollmacht haben: der Präsident, also hier die Präsidentin, der Stellvertreter des Präsidenten und der Finanzchef. Wenn wie hier der Finanzchef quasi die stellvertretende Rolle kriegt, dann muss ein weiteres Mitglied aus dem Präsidium gewählt werden. Also musste Jürgen erneut gegen Jannik Kiesel ran. Als Ergebnis dieser überraschenden Abstimmungen kann man sagen, dass beim Deutschen Schachbund zukünftig die Macht mit Alexander von Gleich ist.

Die Präsidentin hat sich eine Blöße gegeben, weil sie offensichtlich das Geschehen auf dem Kongress nicht einschätzen kann. Das erinnert an den Vorschlag einer nicht gelungenen Ehrung des letzten Kongresses, die keine Mehrheit fand…

MSL: Ich würde das Ganze auch als Fauxpas bewerten. Das kann man mit den Zahlen der Wahl zum Präsidium unterfüttern. Wahlen funktionieren in Gremien anders als „Jürgen ist mein Stellvertreter, weil ich das will.“ Das muss ich vorher intern abklären.

Die Präsidentin wollte einen neuen Vizepräsidenten für Digitales und Sicherheit schaffen. Woran ist das gescheitert?

MSL: Die Hürde für das Einführen eines neuen Postens im Präsidium ist eine Zweidrittel-Mehrheit und die wurde knapp verpasst. Für solch eine weitreichend Änderung muss man vermutlich vorher eine Ochsentour bei den Landesverbänden auf sich nehmen und das eigene Vorhaben erklären – das ist aber inzwischen aus der Mode. Ich persönlich denke, dass wir keinen neuen Vizepräsidenten, aber einen Verantwortlichen im Hauptamt für dieses eminent wichtige Thema benötigen.

Es gab noch eine Überraschung im Leistungssport. Der letzte Referent, Gerald Hertneck, ist nicht mehr angetreten. Im Leistungssport gibt es ohnehin viele Köche: Wir haben einen Vizepräsidenten Sport, den erwähnten Referenten, einen Sportdirektor, einen Bundestrainer und wir haben Aktivensprecher.

MSL: Da ist in der Tat viel durcheinander. Diese Struktur der Verantwortlichen ist historisch gewachsen durch neue Ämter, die über die Jahre hinzukamen. Der neue Referent ist Carlos Hauser, der als Bewerber zum Vizepräsidenten Sport ein achtbares Ergebnis gegen Jürgen Klüners erzielte. Als Belohnung gab es eine einstimmige Wahl zum Referenten.

Der DSB fand bei den Wahlen keinen Seniorenreferenten. Der vorgeschlagene Kandidat war im Vorfeld vermutlich nicht mehrheitsfähig. Hätte man nicht erwarten können, dass die Präsidentin für dieses wichtige Amt jemanden vorschlägt, der wahrscheinlich eine Mehrheit findet?

MSL: Es war vor einem halben Jahr bereits klar, dass der zunächst einzige Kandidat keine Mehrheit finden würde. Bei einer so früh absehbaren Vakanz hätte man sich um einen eigenen Kandidaten kümmern müssen. Ohne Etat ist das natürlich nicht einfach. Inhaltlich sehe ich eine Krise bei den Senioren. In den nächsten Jahren wird sich die Erwartungshaltung verändern und dafür benötigt man perspektivisch frisches Personal und neue Ideen. Ich glaube die Boomer, also unsere Generation, stellen andere Ansprüche. In jedem Fall ist es besorgniserregend, dass wir zunächst keinen Verantwortlichen für diese große Zahl an Mitgliedern im DSB gefunden hatten. Inzwischen gibt es einen kommissarisch eingesetzten Seniorenreferenten. Dem ist ein Etat und viel Erfolg zu wünschen.

Zum geplanten Schachgipfel. Dieser soll 2026 in Dresden stattfinden. Das hört sich gut an.

MSL: In der Tat. Bei der Diskussion zum geplanten Gipfel war ich als einziger Kritiker aufgestanden. Aber ich bin nicht gegen einen Gipfel, sondern gegen die Art seiner Abbildung im Haushalt. Es ist keine zwei Jahre her, da mussten wir nach dramatischen Reden den Beitrag erst um drei und dann um einen weiteren Euro erhöhen. Dann haben wir einen Jahresabschluss 2024, der deutlich besser ist als was geplant war. Gut so. Wir haben deutlich mehr Geld in der Kasse. In den Haushalten 2026 und 2027 sind die Sonderveranstaltungen des DSB eingeplant, 2026 der Gipfel in Dresden, 2027 die Veranstaltung zum Jubiläum. Wir haben den Beitrag erhört, um die Liquiditätsrücklage zu stärken. Und jetzt sind diese zusätzlichen Gelder 2026 und 2027 quasi die Finanzierung der Sonderveranstaltung Gipfel in Dresden und der Jubiläumsveranstaltungen in 2027.

Um wie viel Geld geht es?

MSL: Insgesamt sind es 200.000 in 2026, 160 bis 170.000 in 2027. Klare Entnahmen aus dem eigenen Haushalt. Mit der Aussage, dass diese Veranstaltung im Fokus steht, geht das vor einer weiteren Stärkung der Liquidität. Das erfolgt verbunden mit der Aussage: Wir versuchen externe Einnahmen zu generieren. Aber im Worst-Case-Szenario sind wir bereit, das selber zu bezahlen. Das heißt, wir haben den Gipfel, wir haben die Jubiläumsveranstaltung und wir bezahlen sie im Zweifelsfall aus eigenen Mitteln, ohne den Ursprungsbeschluss, Stärkung der Liquidität im Fokus zu lassen.

Das klingt immer noch ein wenig verärgert.

MSL: Vor anderthalb Jahren war man gefühlt noch pleite. Ich bin an dieser Stelle tatsächlich fast ein bisschen verzweifelt. Viele scheinen gedacht zu haben, was will der alte Mann mit der Glatze von mir? Der Finanzvize Alexander von Gleich hat das Thema geschickt unkommentiert stehen lassen, da er die Stimmung auf dem Kongress richtig eingeschätzt hat. Fakt ist, dass am Schluss die Beschlussvorlage, wie sie war, einfach durchgegangen ist. Nach dem Motto: Passt schon. In unserem Bericht zum Kongress schreiben wir zusammengefasst: Gelder wurden eingesetzt, denn wir haben es jetzt wieder.

Ich verstehe den Einwand. Auf der anderen Seite muss man sagen, es gibt jetzt ein Jubiläum und da muss man etwas Besonderes unternehmen. Niedersachsen hatte letztes Jahr sein Jubiläum. Wie hat der Landesverband Niedersachsen gefeiert?

MSL: Wir hatten eine Jubiläumsveranstaltung und über das ganze Jahr hinweg Aktivitäten, über Turnierfahrten unseres Kaders, über Blitzturniere in Viernheim anlässlich der Schachbundesliga, über ein Bullet-Turnier und Hochschulmeisterschaften, über größer stattfindende eigene Veranstaltungen, also weit über Normalbetrieb hinaus, bis hin zu der großen Feier und dem Turnier in Wolfsburg. Das war über das Jahr gesehen eine Reise durchs ganze Land. Und dafür haben wir im Jahr knapp 85.000 Euro ausgegeben.

Und der Rest war sozusagen mit Sponsorengeldern unterfüttert?

MSL: Nein, brutto. Wir haben tatsächlich aus eigenen Mitteln planmäßig 45.000 entnommen.

Welchen Effekt haben Veranstaltungen in der Wahrnehmbarkeit? Darum geht es am Ende des Tages. Man will Aufmerksamkeit erzielen. Habt ihr dazu ein Feedback erarbeitet?

MSL: Natürlich. In Wolfsburg beispielsweise bekamen wir vielleicht das größte Kompliment. Der Rat der Stadt Wolfsburg hat 20 Minuten online Schach geschaut, während des Turniers. Wolfsburg hatte diese Veranstaltung schon vorher zu „von städtischem Interesse“ erklärt. Die Reputation in den Gazetten war wertschätzend, aber natürlich nicht finanziell bewertbar. Es ist unmöglich das irgendwie hart zu quantifizieren. Die Stellung der Sportart Schach in Niedersachsen hat jetzt ein anderes Gewicht. Die Jubiläumsveranstaltung ist allgemein gelobt worden und wir haben eine Marke gesetzt.

Es gab zuletzt in München auch ein Event mit vielen deutschen Meisterschaften und den besten deutschen Spielern am Start. Was hast du dazu gehört?

MSL: Gute Kritiken. Also das ist der Punkt. Ich bin nicht wegen der Ansage, dass der Gipfel mit einem aus meiner Sicht zu hohem Etatansatz an Eigenmitteln unterfüttert ist gegen diese Art der Veranstaltungen. Ich finde Events im Schach im geeigneten Maß wie München oder wie nächstes Jahr in Form eines Gipfels in Dresden absolut richtig. Ich hätte nur einen sportlicheren Ansatz im Etat gewählt. Es geht mir eher um die Denke, weil tatsächlich, falls mir jemand sagt, ich brauche 50.000 Euro und ich kriege die nicht zusammen und man erklärt es mir, dann bin ich nicht derjenige, der jemandem sprichwörtlich den Kopf abreißen will. Aber ich möchte anhand des Haushaltsansatzes erkennen, dass man bereit ist, die Ziele und Liquidität nicht gegeneinander auszuspielen.

Es ist immer die Gretchenfrage: Wie hältst du es mit dem Geld? Woher kommt das Geld? Ihr seid in Niedersachsen erfolgreich von außen betrachtet. Was bekommen Sponsoren für ihr Geld?

MSL: Ich kann es relativ nüchtern umreißen. Ich musste sowohl mit dem Sportmarketingunternehmen peak zone und macron, das ist unser italienischer Sportartikelhersteller, als auch mit Volkswagen Sponsoringverträge unterschreiben. Da steht genau drin, was die Sponsoren von uns erwarten. Alles ist in einem Vertrag fixiert.

Das hört sich professionell, transparent und fair an.

MSL: Das ist es tatsächlich. Letztlich kann man zusammenfassen: Wenn du Geld aus der Wirtschaft nimmst, unterschreibst du Kooperationsverträge.

Kommen wir am Schluss zu einem kurzen Ausblick auf den Deutschen Schachbund und das deutsche Schach. Können wir vom neuen Team kreativere und frische Ideen erwarten?

MSL: Von den gewählten jungen Leuten verspreche ich mir neuen Esprit für die Struktur. Ich habe die klare Erwartungshaltung, dass meine Befürchtungen, die ich rund um den Gipfel genannt habe, nicht eintreten. Wir haben mit Alexander von Gleich einen starken Finanzer, der durch sein Wahlergebnis gestärkt im Präsidium auftreten kann, anders als das vielleicht in der Vergangenheit bei seinen Vorgängern der Fall war. Alexander wird mögliche Schieflagen, wenn sie denn entstehen, viel früher bemerken und gegensteuern. Ich glaube, dass er den DSB sehr viel klarer und selbstbewusster über die Finanzen mitsteuert als seine Vorgänger.

Zum Schluss bitte noch einen Ausblick auf die Entwicklung des organisierten Schachs in Deutschland. Wir hatten zuletzt eine leicht positive Mitgliederentwicklung.

MSL: Ich sehe die nähere Zukunft leicht positiv. Wir werden weiter, also bis ungefähr 2035 leichte Wachstumszahlen sehen. Danach macht sich wie im gesamten organisierten Sport in Deutschland der demografische Wandel bemerkbar. Eine Hoffnung gibt es allerdings: Wir überzeugen ab sofort ganz viele Frauen, werden also im bisher nicht erfolgreichen Segment erkennbarer tätig. Dadurch wäre zahlenmäßig noch ein ordentlicher Aufwuchs denkbar.


Weitere Informationen, Meinungen und Quellen

Wikipedia-Eintrag Michael Sebastian Langer.

Interview mit Michael S. Langer (André Schulz für Chessbase)

Bericht zum Bundeskongress. Deutscher Schachbund. (1.6.2025)

Weiter so!“ Deutscher Schachbund. (31.5.2925)

Meldung zum Schachgipfel 2026 in Dresden.

Bericht der Niedersachsen zum Bundeskongress (2.6.2025).

Pressemeldung NSV mit dem Sportausrüster peak zone (18.8.2024).

Der unterlegene Kandidat Paul Meyer-Dunker am Tag nach dem DSB-Kongress 2025 in Paderborn in einem Beitrag auf Facebook.


Der ehemalige Leistungssportreferent Gerald Hertneck zum Thema Senioren. In einem weiteren Beitrag erläuterte er warum vier Jahre genug sind.

Eine Schilderung des Bundeskongresses in Paderborn im Schachkicker von Heinz Brunthaler in Kooperation mit Gerald Hertneck.

Nach dem Kongress: Neuer Seniorenreferent – kommissarisch eingesetzt.

Interview mit Alexander von Gleich (André Schulz für Chessbase)

Fotos: Henning Lüders, Niclas Prahl, Frank Binding, Matthias Wolf (DSB), DSB, NSV, privat.



Auf dem Kongress des deutschen Schachbundes in

Das Titelfoto zeigt die Sieger Magnus Carlsen und Anna Muzychuk. Von Michal Walusza für Norway Chess.

Die Nummer Eins der Welt ist und bleibt Magnus Carlsen. Er gewann erneut das Turnier in Stavanger. Norway Chess ist für die Elite neben Wijk aan Zee und dem Sinquefield-Cup eines der Highlights jedes Schachjahres. Neben sechs Top-Großmeistern spielen auch die Frauen um den gleich hohen Preisfonds. Klare Gewinnerin war diesmal die Ukrainerin Anna Muzychuk.

Die Organisatoren in Norwegen setzen auf eine etwas sportliche Bedenkzeitregelung am Ende der Partie gab es nur zehn Sekunden pro Zug. Das führte zu manchem Fehler. Zu den Besonderheiten der Norweger gehört das Ausspielen eines Siegers nach einer Remispartie. Allerdings sind Siege im klassischen Modus immer noch die beste Punktequelle (3 Punkte, ein Sieger im Armageddon nach Remis erhält 1.5 Punkte, der Verlierer 1.0 Punkte).

Der Endstand in der offenen Klasse

#SpielerGewonnen/Verloren/RemisArmageddon-Siege (Partien)Gesamtpunkte
1Magnus Carlsen (NOR)3/1/62 (6)16.0
2Fabiano Caruana (USA)4/3/31 (3)15.5
3Gukesh (IND)4/4/21 (2)14.5
4Hikaru Nakamura (USA)2/1/72 (7)14.0
5Arjun Erigaisi (IND)2/3/54 (5)13.0
6Wei Yi (CHN)0/3/75 (7)9.5

Der Endstand Top-3 bei den Frauen

#SpielerinGewonnen/Verloren/RemisArmageddon-Siege (Partien)Gesamtpunkte
1Anna Muzychuk (UKR)2/0/85 (8)16.5
2Lei Tingje (CHN)3/1/62 (6)16.0
3Koneru Humpy (IND)3/2/52 (5)15
4Ju Wenjun (CHN)1/1/85 (8)13.5
5Vaishali (IND)1/3/64 (6)11.0
6Khadem (ESP)2/5/30 (3)9.0

Emotionen

Hikaru Nakamura versucht gar nicht erst seine Gefühlswelt zu verbergen. Das ist bekannt und man findet oft ausdrucksstarke Fotos von ihm. Nach dem Kandidatenturnier in Toronto überwältigten die Emotionen den US-Amerikaner, der das Ende seiner Karriere vor sich sah, vor laufender Kamera im eigenen Kanal. Vorher hatte er mehrfach behauptet, dass ihm das Ergebnis egal sei. In Stavanger sprach die Nummer Zwei der Welt ebenfalls ständig von Abschied. Aber vielleicht versucht der 37-jährige einfach nur den Druck abzubauen und unternimmt doch noch einen Anlauf, um sich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren.

Aufmerksamkeit für das Duell der Duelle

In der zweiten prestigeträchtigen Partie zwischen Weltmeister Gukesh und Magnus Carlsen verspielte der Norweger seinen großen Vorteil und verlor sogar noch. Nicht nur die Zuschauer, sondern auch der Inder waren sichtlich geschockt. Magnus Carlsen schlug auf den Tisch und würfelte dadurch die Figuren durcheinander. Carlsen floh aus dem Spielsaal, freilich nach einem Handschlag und Schulterklopfer für seinen Gegner. Der musste sich erstmal sammeln und ließ sein Ritual nach jeder Partie folgen, baute seine Figuren auf und zeigte Respekt für das Spiel.



Gukesh – Carlsen aus Runde 6 in Bewegtbildern


Eine manipulierte Version


Einige Reaktionen in der Presse auf den „Ausraster“

Philip Bauer für den Standard

Florian Pütz im Spiegel

Tobias Wiltschek für ran

Nils Kögler für t-online

Báo Tuổi Trẻ aus Vietnam

Bryan Armen Graham (The Guardian)

Die Nachrichtenagentur Reuters

Erneut Drama in der zehnten Runde

In der letzten Runde konnten nur noch Magnus und Gukesh das Turnier gewinnen. Es sah zunächst nach einem Sieg für Arjun, aber auch für Fabiano Caruana aus. Dann drehten beide Partien. Gukesh konnte ausgleichen, aber auch Magnus stand plötzlich auf Gewinn, musste aber mit seinem König aktiv werden.



Impressionen vom Turnier der Frauen (Fotos: Michal Walusza)


In dieser Stellung aus der Partie von Anna Muzychuk gegen Koneru Humpy konnte die Ukrainerin mit dem Turmzug nach a8 eine glatte Gewinnstellung erreichen. Die weiße Mattdrohung entscheidet, da auf das Verstellung durch der Diagonalen mittels eines Turmzugs nach e5, Anna einfach ihren f-Bauern vorschieben konnte. Anna Muzychuk zog ihren König dem üblichen Reflex folgend von h2 nach h1, um die Fesselung des Turmes aufzuheben. Danach tauschte die Inderin die Türme via c1 und die Stellung war ausgeglichen.


Diese Stellung stammt aus der gleichen Partie etwas später. In der Blitzphase musste Koneru hier entscheiden, ob sie Damen tauschte sollte oder nicht. Sie entschied sich dafür und es war falsch.



Ruhetag im wilden Westen (Fotos: Michal Walusza)

Norway Summit

Seit 2016 gehört eine Konferenz am zweiten Ruhetag für die Spieler zum Konzept bei Norway Chess. Hier werden ganz unterschiedliche Bezüge zum Schach hergestellt, aber auch andere Themen aufgegriffen, um Diskussionen anzuregen. Wer mehr wissen will, klickt hier.

Die Medien

Die Norweger setzen konzeptionell auf Übertragungen in viele Teile der Welt und dafür sind jedes Jahr viele der bekanntesten Moderatoren der Schachwelt im Einsatz.

Die Macher

Hinter den Kulissen agieren Benedicte Westre Skog und Kjell Madland als Gründer und verantwortliche Managerin von Norway Chess. Hinzu kommen noch mehrere andere Personen wie Schiedsrichter und Volontäre, die für die Abläufe zuständig sind. Das ganze Team in der Darstellung der Organisatoren und die Aufgabenverteilung findet sich hier.

Hier wird der GI-Score nach Mehmet Ismail dargestellt. Damit misst man die Spielintelligenz der Spieler anhand einem Abgleich mit den besten Zügen der Engine. Beim Norway-Chess-Turnier punkteten die Spieler vor allem mit Weiß. Am deutlichsten fiel das Ergebnis von Gukesh aus. Der holte mit Weiß 4.5 Punkte in seinen fünf Partien, konnte aber nur einen halben Punkt mit Schwarz holen.

Nicht immer stimmt die Reihenfolge im Turnier mit dem GI-Score überein. Wer will kann andere Ursachen suchen. Die Weltmeisterin Ju Wenjun landete auf dem vierten Platz und ist möglicherweise nicht genügend Risiken eingegangen.

Photo Credit: Norway Chess. Michal Walusza, Roza Czarnota.

Das Titelfoto zeigt die Sieger Magnus Carlsen

Der World-Cup der Frauen findet im Juli 2025 im georgischen Batumi statt. Noch stehen nicht alle Teilnehmerinnen fest, aber durch feste Qualifikationsmechanismen fehlen manche bekannte Spielerinnen diesmal vermutlich. ausgespielt fast 700.000 US-Dollar. Die Siegerin erhält davon 50.000 US-Dollar.

Es geht in Batumi um drei Qualifikationsplätze für das nächste Turnier der Kandidatinnen. Qualifiziert dafür sind bereits Goryachkina und Zhu Jiner. Gespielt werden sieben Runde im World-Cup im Ko-Modus mit jeweils zwei Partien. Als Veranstaltungsort dient das Grand Bellagio Hotel und Kasino in Batumi. Teilnehmen sollen 107 Frauen. Die elostärksten Starterinnen (Top 21) starten mit einem kampflosen Sieg.

Qualifiziert für das Turnier sind natürlich die vier Siegerinnen aus dem Jahr 2023: Alexandra Goriachkina (FIDE), Nurgyul Salimova (BUL), Anna Muzychuk (UKR) und Tan Zhongyi (CHN). Für die Weltmeisterin Ju Wenjun tritt die Ex-Weltmeisterin Mariya Muzychuk an.

Für Indien sind Divya Deshmukh als Juniorenweltmeisterin 2024, Koneru Humpy via Ratingliste und als Qualifikantinnen Priyanka K, Padmini Rout und Kiran Manisha Mohanty dabei. Es fehlen Namen von Spielerinnen wie Vaishali, Harika Dronavalli und Vantika Agrawal. Der indische Verband darf noch eine Spielerin nominieren und hat vermutlich keine einfache Wahl zu treffen.

Aus Deutschland ist nach bisherigen Informationen keine Spielerin dabei, da sich keine Spielerin bei den Europameisterschaften qualifizieren konnte. Zwei freie Plätze kann noch Arkady Dvorkovich als Präsident der FIDE vergeben. In der Vergangenheit hat er dieses Privileg nicht eingesetzt, um russische Spielerinnen und Spieler zu bevorzugen.

Eventhomepage.

UPDATE

Die Liste füllt sich, aber die FIDE schafft Verwirrung. Eine wichtige Frage stellt sich: Spielt Vaishali mit oder nicht?

UPDATE II 21 June 2025 22.16 (Berlin time)

Das ist der Stand der Teilnehmerinnen am 22. Juni 2025. Die gesamte Liste findet sich hier. In den Tagen zuvor gab es große Verwirrung um die Liste der Teilnehmerinnen.

UPDATE

Bibisara Assaubaeva spielt statt im World Cup lieber bei einer Spaßveranstaltung in Las Vegas mit.

Der World-Cup der Frauen findet im Juli

Der Weltschachbund gab die Liste der vorqualifizierten Spielerinnen und Spieler des Grand Swiss Fund Frauen-Grand-Swiss 2025 bekannt. Das Turnier findet vom 3. bis 16. September 2025 in Samarkand, Usbekistan, statt. Die Turniere dienen der Qualifikation zum Kandidatenturnier und sind insgesamt mit 855.000 US-Dollar prämiert. Gespielt werden elf Runden nach Schweizer System.


Das Turnier ist eines der bedeutendsten Ereignisse im Schachkalender. Die beiden Bestplatzierten beider Grand-Swiss-Turniere sichern sich einen Platz in den jeweiligen Kandidatenturnieren 2026. Neben der Qualifikation spielt das Turnier auch bei der Qualifikation via FIDE Circuit eine wichtige Rolle. Die Regularien besagen, dass zwei von sieben Resultaten in Turnieren mit mindestens 50 Teilnehmern erzielt werden müssen. Wer also nur Rundenturniere spielt, der hat also nur geringe Chancen sich über diesen anderen Qualifikationsweg zu qualifizieren.

Die Frauenweltmeisterin Ju Wenjun kann in beiden Turnieren starten, da sie für beide Turniere einen Startplatz erhält. Das Open-Turnier ist auf 114 Spieler ausgerichtet und das Frauenturnier auf 56 Spielerinnen. Neben den nach Rating qualifizierten Spielerinnen und Spielern sind Qualifikationsplätze der Kontinentalmeisterschaften vorgesehen. Erst danach erscheint eine vollständige Teilnehmerliste. auffallend, aber nicht überraschend ist, dass der Name des Weltranglistenersten, Magnus Carlsen, nicht in der Liste der qualifizierten Teilnehmer auftaucht. Auch Hikaru Nakamura taucht nicht in der Liste auf.

Aus Deutschland sind Elisabeth Pähtz und Dinara Wagner via Elozahl qualifiziert. In der offenen Klasse sind Vincent Keymer, Frederik Svane, Matthias Bluebaum, Dmitry Kollars und Rasmus Svane startberechtigt. Dennis Wagner ist als Dritter und Alexander Donchenko als Siebter auf der Warteliste.

Der Preisfonds im Frauen-Grand-Swiss 2025 sieht 23 Preise bei 56 Teilnehmerinnen vor, liegt bei 230.000 US-Dollar und wurde damit um 64 Prozent gesteigert. Titelverteidigerin ist die indische Großmeisterin Vaishali aus Chennai, Jahrgang 2001.

In der offenen Klasse gibt es 50 Preise für 114 Teilnehmer. Der Preisfonds wurde diesmal um 36 Prozent gesteigert. Den Titel verteidigt der indische Großmeister Santosh Gujrathi Vidit aus Nashik, Jahrgang 1994.

Homepage.des Grand Swiss und Frauen-Grand-Swiss.

Qualifizierte Spieler Grand Swiss.

Qualifizierte Spielerinnen Frauen-Grand-Swiss.

Pressemeldung der FIDE.

Samarkand (Wikipedia)

Der Weltschachbund gab die Liste der vorqualifizierten

Die 65. Offene Stadtmeisterschaft endete mit einem klaren Favoritensieg. Der Gewinner ist Großmeister Alexander Bagrationi, der nur ein Remis in der letzten Runde abgab. Im Verlauf kam es zu vielen Überraschungen und dafür waren nicht nur Jugendliche verantwortlich: Zweiter wurde der Senior Igor Vlasov, Jahrgang 1964 vor dem Hamburger Isaac Garner.

Die vorderen Plätze. Es gab fünf Geldpreise. (Quelle: chess-results.com)

Hervorragende Spielbedingungen

Bei Schachturnieren sind die Spielbedingungen oft ein schwieriges Thema. Bei manchen Open sitzt man sehr beengt und bekommt wenig Platz zugestanden, um möglichst viele Teilnehmer unterzubringen. In Köln ist das anders. Der ausrichtende Schachverband kann bereits zum dritten Mal großzügige Räumlichkeiten des Versicherers Barmenia Gothaer für die Stadtmeisterschaft nutzen. Für die Partien standen Einzeltische zur Verfügung. Gespielt wurden sieben Runden an fünf Tagen. Jeder Spieler konnte in den ersten fünf Runden ein Bye nehmen, wofür er einen halben Punkt gutgeschrieben bekam. 153 Spielerinnen und Spieler im Alter von acht bis 80 Jahren machten mit, von denen 24 Jugendliche, 14 Frauen und 25 Senioren (geboren 1965 und früher) waren. Die Organisation übernahm vor allem der Vorstand des Kölner Schachverbands selbst. Die Siegerehrung fand im Freien statt, nachdem das Wetter eine kurze Regenpause einlegte.

Das Turnier gewann der 34-jährige Großmeister Alexander Bagrationi, dessen Name italienisch klingt, der aber georgischen Ursprungs ist. Alexander wurde in der Ukraine geboren, spielt unter israelischer Flagge und lebt mit seiner Frau und Kindern seit 2029 in Deutschland und spielt für den SV Hemer.

Einige Momente aus Partien des Siegers

Alexander Bagrationi gewann die ersten sechs Partien und einigte sich in der letzten Runde auf ein schnelles Remis. Allerdings war der Großmeister in einem Turmendspiel mit Mehrbauer schon in der ersten Runde unter Druck und benötigte letztlich die Hilfe seines Gegners. In der ersten Runde hatte sein deutlich schwächer eingeschätzter Gegner in einem Turmendspiel ordentlich Widerstand geleistet und die erste größere Überraschung war angerichtet, eigentlich.


So kurz vor dem Ziel: Der spielentscheidende Fehler unterlief dem Schwarzspieler hier. Der schwarze Turm gehört hinter den gegnerischen Freibauern und sollte von dort das Remis sichern können, da der weiße König seinen Bauern nicht wirklich unterstützen kann. Der richtige Turmzug war also der nach g1.

Eine starke Leistung gelang dem späteren Sieger gegen Michael Coenen, der hatte zwar im Verlauf des Mittelspiels mit Endspielcharakter Chancen, eine leicht nachteilhafte Stellung zu verteidigen, aber es gelang ihm letztlich nicht, aus dem Dschungel der Varianten zu entkommen.



Endspiele

In vielen Partien kam es zu interessanten Endspielen nach hartem, stundenlangem Wettkampf vorher. Einige Beispiele folgen: Ein anderer Favorit hatte Glück im Turmendspiel. Er gewann seine Partie, obwohl sein Gegner die Philidor-Verteidigungsposition eingenommen hatte. Dann kam es jedoch zu einem überraschenden Aussetzer.


In dieser Stellung entschied ein grober Fehler die Partie zugunsten des favorisierten Spielers. Die Frage kann hier eigentlich nicht lauten, ob man auf d6 den Turm tauschen sollte. Nach dem Turmtausch schlägt der weiße König auf der sechsten Reihe und betritt diese vor dem eigenen Bauern. Weiß gewinnt immer.


Das folgende Endspiel war eine der letzten Partien im Turnier überhaupt. In der Ausgangsstellung sollte die Remisbreite noch nicht überschritten sein, aber der Anziehende in dieser Partie hatte nur etwa ein Minute plus das Inkrement um sich zu verteidigen. Das ging dann irgendwann schief.


Das nächste Endspiel erfordert vor allem genaues Rechnen und das ist nach mehr als vier Stunden einer Turnierpartie oft nicht einfach fehlerfrei hinzubekommen. Das Diagramm zeigt die kritische Stellung der Partie. Der weiße Läufer auf g8 ist angegriffen. Weiß hat zuletzt mit dem Königszug ein Tempo verloren, wird es aber zurück gewinnen durch Angriff des Springers auf den Läufer (via c3 oder c5). Was ist schlimmer aus weißer Sicht? Ich nenne solche Entscheidungen Fifty-Fifty.



Erfahrung gegen Jugend

International ist diese Frage längst auf der Agenda. Nicht immer setzt sich der jüngere Spieler durch. In Köln kam es immer wieder zu solchen Duellen und gelegentlich setzten sich die jüngeren Spieler durch. Zwei Beispiele folgen. In der ersten Partie ist der Anziehende Jahrgang 2008 und der Schwarzspieler Jahrgang 1974. In der zweiten Partie war der Altersunterschied noch größer. Diesmal traten die Jahrgänge 2012 und 1967 gegeneinander an. Die Jungen zeigten starke Leistungen.




Duell der Senioren

Dieter Morawietz ist Internationaler Meister, Jahrgang 1963, und Igor Vlasov gehört zum Folgejahrgang. Beide landeten in den Preisrängen. Die Jugend (U18) vertrat Nelson Strehse, der als Vierter durchs Ziel lief. In der Definition der FIDE gehört auch Isaac Garner (Jahrgang 2006) zu den Jugendlichen (U20). Der Wettbewerb endete also in der Spitze diesmal etwa ausgeglichen .


Am Ende gab es in einer Regenpause die Preisverleihung unter Auslassen von längeren Reden. Letztlich bleibt die Hoffnung im nächsten Jahr wieder bei der Barmenia Gothaer im Kölner Süden Schach spielen zu dürfen.

Quelle: KSV-Meldung. Partien der Bretter 1 bis 10 und weitere Siegerlisten.

Fotos: KSV (Anton Kaiser)

Die 65. Offene Stadtmeisterschaft endete mit einem

Das letzte Vorrundenturnier der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) ist gerade vorbei. Das Finale steht an. Die DSAM ist die erfolgreichste Turnierserie im organisierten deutschen Schach und motiviert jedes Jahr viele Schachspieler an Wochenenden ihre Sieger auszuspielen. Der Erfolg hat sicherlich mit der hervorragenden Organisation und einem unauffälligen Team zu tun, das für die eingespielten Abläufe zuständig ist.

Zusammenfassung

Sandra Schmidt ist bekannt in der deutschen Schachszene. Sie fungiert als Turnierdirektorin der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) und ist auch für die Deutsche Schnellschach-Amateurmeisterschaft zuständig. Zudem ist sie als Schiedsrichterin aktiv und organisiert Seniorenturniere. Eines dieser Turniere wird von der Tegernseer Tal Tourismus organisiert, dabei betreut sie den schachlichen Teil. Sandra beschreibt ihre vielseitigen Aufgaben als Turnierorganisatorin, bei denen sie Hotelverträge verhandelt und Vorbereitungen koordiniert. Seit 2022 organisiert sie für die DSAM acht Turniere pro Jahr, wobei die Hauptaktivität im November ansteht. Trotz des ehrenamtlichen Charakters bringt ihr die Schiedsrichter- und Organisationstätigkeit viel Freude. Ein festes, gut eingespieltes und motiviertes Team von zehn bis elf Personen sorgt für reibungslose Abläufe bei der DSAM.

Von Thorsten Cmiel

Wie heißt du?

Ich bin Sandra Schmidt.

Du bist bekannt in der deutschen Schachszene. Für was? Was machst du im Schach?

Ich bin die Turnierdirektorin der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft. Und ich bin auch Beauftragte für die Deutsche Schnellschach-Amateurmeisterschaft und auch als Schiedsrichterin viel unterwegs.

Turnierorganisation

Du hast diese zwei Funktionen. Du organisierst auch Seniorenturniere…

Ach, stimmt.

Kannst du deine Rolle bei der Turnierorganisation ein bisschen beschreiben? Was macht eine Turnierorganisatorin?

Puh, eine ganze Menge. Also bei der DSAM sicherlich noch mehr als vielleicht beim Senioren-Cup. Man verhandelt die Verträge für die Hotels, man stimmt Termine mit den Landesverbänden ab und organisiert das Team. Vor Ort bin ich dann oft Mädchen für alles: Ansprechpartner für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen und gleichzeitig Funktionsstelle, also die Leitung für den Deutschen Schachbund, für die Hotels, für die Teilnehmerinnen und für das Team.

Kommen wir für einen Moment auf die Seniorenturniere zurück. Das sind privat organisierte Turniere, richtig?

Das sind zwei Turniere. Der Senioren-Cup am Tegernsee und das Rheinland-Pfalz Senioren-Open in Altenkirchen.Da gibt es unterschiedliche Aufgaben für mich. Am Tegernsee zum Beispiel wird das Turnier von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH organisiert. Und wir machen den schachlichen Teil. Das Organisatorische, was mit Hotelbuchungen zu tun hat, bleibt bei der Tegernseer Tal Tourismus und die Anmeldung der Teilnehmer.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Hotels? Ich höre immer wieder, dass viele Hotels inzwischen Geld dafür verlangen, dass man einen großen Saal bekommt.

Das stimmt. Das ist gang und gäbe im Moment. Den Saal bekommt man selbst wenn man ganz viele Teilnehmer ins Haus bringt, eigentlich nicht mehr gratis dazu.

Wie lange machst du das schon?

Seit 2022 für die Deutsche-Schach-Amateur-Meisterschaft, die DSAM.

Wie viel Zeit erfordert die Organisation im Vorfeld?

Das kommt natürlich drauf an. Teilweise ist es sehr zeitintensiv, denn alles, was man macht, macht man acht Mal und alles, was man macht, klappt auch nicht beim ersten Mal. Also der erste Vertragsentwurf zum Beispiel…

Achtmal, weil es acht Turniere sind bei der DSAM…

Genau. Es sind sieben Qualifikationsturniere. Wenn man jetzt das Beispiel nimmt und ein Finalturnier, das heißt, alles, was man anfasst, macht man achtmal. Man organisiert das Team achtmal, man organisiert den Gastgroßmeister, achtmal. Die Hotelverträge müssen mehr als acht Mal durchgelesen werden, weil der erste Entwurf ist nicht der Entwurf, der am Ende unterschrieben wird. Und oftmals klappt vielleicht auch der Termin nicht vom ersten Entwurf, das heißt, man muss dann wieder Rücksprache mit den Landesverbänden halten, ob die irgendwelche Termine geplant haben zu diesem Zeitpunkt, der als Ersatztermin fungiert. Es funktioniert leider nicht immer sofort.

Kannst du einen Eindruck davon vermitteln, wie viele Tage solch eine Turnierorganisation in Anspruch nimmt? Wann fängst du an mit der Planung? Ich weiß du bist jetzt wieder in der Planung für die nächste Saison.

Genau. Jetzt fehlt uns noch eine Unterschrift. Quasi für die nächste Saison. Das heißt, wenn ich diese Unterschrift habe, dann ist die nächste Saison fix. Dann muss ich mich eigentlich nur noch mit der Finalveranstaltung befassen. Das Turnier in Bad Wildungen im Juli. Und dann wird es für mich ein bisschen ruhiger, weil dann geht es eigentlich nur noch mit der Gestaltung der Ausschreibung für nächstes Jahr los. Was können wir ändern? Was können wir besser machen? Was bleibt gleich? Richtig stressig wird es eigentlich erst wieder im November, wenn die nächste Turnierserie anfängt. Mit den Hotels müssen dann konkrete Absprachen getroffen werden. Jede Veranstaltung erfordert detaillierte Ablaufpläne. Das sind immer mehrere Seiten, die mit dem Hotel abgesprochen werden müssen und die Verhandlungen kollidieren dann manchmal zeitlich. Ich habe dann Bad Wildungen, Bonn und Potsdam zum Beispiel ziemlich straff hintereinander. Parallel finden dann schon die Verhandlungen für die nächste Saison statt. Das heißt, ich spreche vorbereitend mit den Hotels quasi für die Saison 26/27, die danach ansteht. Und gerade im November, Dezember, Januar würde ich den Zeiteinsatz mindestens als Teilzeitjob, aber stellenweise auch als Vollzeitjob einschätzen.

Und macht das Spaß?

Ja, auf jeden Fall macht das Spaß. Es ist in jedem Fall ein Herzensprojekt.

Du hast einen anderen Job?

Im Moment bin ich angestellt, für 20 Stunden die Woche. Ich mache meine Schiedsrichtertätigkeit auch an Wochenenden und am Tegernsee und in Altenkirchen mit jeweils neun Runden beispielsweise bin ich auch gerne dabei. Das lässt sich mit einem normalen Jobvolumen und dem Urlaubsanspruch sonst nicht einfach kombinieren.

Das heißt, du lebst also nicht vom Schach?

Das wäre leider nicht möglich.

Du bist oft als Schiedsrichterin unterwegs, ist das nicht lukrativer?

Als Schiedsrichterin verdienst du nicht so viel, dass du dir davon eine eigene Wohnung leisten oder den Lebensunterhalt bestreiten könntest. Wenn du vielleicht einmal im Monat ein FIDE-Turnier hättest, okay. Schiedsrichtertätigkeiten sind vielleicht ein besseres Ehrenamt.

Was heißt das genau?

Also beim Deutschen Schachbund zum Beispiel gibt es für Deutsche Meisterschaften fixe Honorarsätze. Für eine Einzelrunde bekommst du 80 Euro Honorar, für eine Doppelrunde 120 Euro.

Das klingt nicht nach sehr viel.

Es nicht darauf ausgelegt, dass die Tätigkeit als Schiedsrichter eine Jobalternative ist.

Du bist jetzt nicht die einzige und es gibt ganz viele Schiedsrichter in eurem Team. Viele sieht man öfter, manche immer wieder. Wie viele sind denn regelmäßig im Team dabei?

Wir haben in unserem Kernteam so circa zehn bis elf Leute. Es ist wichtig, dass ein Kernteam immer vor Ort ist, weil die wissen genau, wie die Abläufe sind, die kennen jeden Handgriff. Wir haben fünf Container auf Europaletten und einige wissen wo was gelagert ist. Andere kennen die spezielle Software und welche Dateitypen wie zu handhaben sind und so weiter. Es wäre ein Irrtum anzunehmen, wir sind jetzt beispielsweise in Potsdam oder in Berlin und da gibt es genug Schiedsrichter. Dann statten wir solch ein Turnier komplett mit Berliner Schiedsrichtern aus, weil dann spart man vielleicht bei den Reisekosten, aber dafür würden manche eingespielten Abläufe nicht so gut funktionieren, wie es im Moment läuft.

Im Team sind also alle motiviert und mit Spaß dabei?

Ja, also es macht keiner, um irgendwie Geld zu verdienen.

Das Kernteam der DSAM ist eine Art eingeschworener Gemeinschaft?

Ja. Wir sehen uns natürlich immer gerne. Nach einem erfolgreich absolvierten Turnier ist vor dem nächsten Turnier.

Im Vergleich zum letzten Jahr gab es Änderungen: Ihr habt keine Übertragung mehr. Gibt es dafür irgendwelche Gründe?

Doch, haben wir auch, nur diesmal hier nicht. DGT-Bretter hatten wir letztes Jahr auch nicht bei jedem Turnier dabei gehabt. Der Hauptgrund ist der zusätzliche Aufwand.

Ich sehe gar keine Fairplay Officer, die mit irgendwelchen Scannern rumlaufen wie bei FIDE-Turnieren inzwischen üblich?

Natürlich sind wir da hinterher und wir haben auch mit dem Anti-Cheating-Officer des DSB ein Gespräch geführt, dass wir darauf natürlich mehr achten möchten. Kontrollen verändern den Charakter einer Veranstaltung. Wenn du auf einmal Einlasskontrollen durchführst. Wir wollen jetzt nicht am Eingang jeden scannen oder so etwas. Natürlich haben wir einen Scanner dabei. Wenn jetzt wirklich ein erhärteter Verdacht auftaucht, würden wir uns die Person nach der Partie gezielt herausholen und scannen. Wir achten natürlich darauf, dass keine elektronischen Geräte an der Person sind. Die ziehen wir uns auch raus, wenn wir denken, ist das jetzt eine Zigarettenschachtel oder ist das ein Handy? Wir kontrollieren auch schon mal die Toiletten. Die Schiedsrichter sind natürlich angehalten verdächtiges Verhalten zu beobachten und zu melden. Anders als bei großen FIDE-Turnieren übernehmen Schiedsrichter diese Aufgabe zusätzlich.

Nachvollziehbar. Ich frage vor einem anderen Hintergrund, da das Turnier Elo-gewertet ist, frage ich mich wie die Regularien sind. Oder gelten Anti-Cheating-Auflagen nur für Top-Turniere?

In der Tat es gibt unterschiedliche Kategorien von Turnieren. Also es kommt einmal auf das Preisgeld drauf an und es kommt auch auf die durchschnittliche Elozahl an und dementsprechend musst man unterschiedliche Anti-Cheating-Gegenmaßnahmen integrieren. Die DSAM ist ein Amateurturnier. Da ist der Standard geringer.

Es geht vermutlich auch um Kosten.

Ja. Stellen wir uns vor, man müsste einen oder zwei zusätzliche Schiedsrichter einplanen, die nur für Fairplay zuständig sind. Dann muss ich mindestens vier zusätzliche Übernachtungen, Honorare und zusätzliche Anfahrtskosten finanzieren.

Rechnest du die Veranstaltungen mit dem Schachbund ab, oder wie läuft das?

Ja, ich mache auch die Kalkulation, um am Ende des Jahres mit der DSAM irgendwie auf einen grünen Nenner zu kommen.

Das Vereinnahmen des Geldes läuft direkt über den Deutschen Schachbund?

Genau da gibt es ein Konto extra für die DSAM und dort wird das Geld eingezahlt und verwaltet. Ich kenne die Einnahmen und Ausgaben.

Eine weitere Besonderheit bei dem Turnier ist mir aufgefallen: Ihr habt keine Durchschläge der Partieformulare eingesammelt.

Dafür haben wir Ergebnismeldezettel auf den die Spieler ihr Ergebnis eintragen und uns mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass dieses Ergebnis stimmt.

Muss man Partieformulare nicht immer sammeln?

Nein. Das gilt zum Beispiel für Turniere bei denen man Normen erwerben kann, dann müssen die Organisatoren auch die Partien entsprechend einreichen. Aber das ist ja bei uns gar nicht möglich.

Schiedsrichtertätigkeit

Du warst als Schiedsrichterin zuletzt bei zwei internationalen Turnieren. Bei beiden bist du aufgefallen.

Aufgefallen?

Ja. Mir zumindest. Bei einer Szene mit Nakamura…

Stimmt.

Was ist da passiert?

Ich hatte ein Tablet in der Hand mit einem Programm, das anzeigt, ob dreifache Stellungswiederholung oder 50-Züge vorliegt, wenn reklamiert wird. Und am Brett von Nakamura – Donchenko, da wurde halt reklamiert. Und zwar stand Nakamura einen Zug vor dem Matt. Er hätte also nach dem Zug von Donchenko mit dem Turm mattsetzen können. Donchenko hat einfach die Uhr angehalten und gefragt, vielleicht waren es ja 50 Züge, wenn ich Glück habe. Und es war meine Aufgabe, das zu überprüfen. Das Problem war nur, dass dieses Tablet eine gewisse Verzögerung bei der Übertragung hatte, weil der Server für die Übertragung ziemlich weit weg auf einem anderen Kontinent stand. Und das Pingback zurück nach Amerika hat ein bisschen gedauert. Ich musste also zunächst auf meinem Tablet prüfen, ob das überhaupt die aktuelle Stellung ist. War es nicht. Das heißt, ich musste einen Zug weiterdenken. Und wenn man sich vorstellt, dass es um Nakamura ging und dann war es auch noch die letzte Partie in der Runde. Es hat für mich ein paar Sekunden gedauert, bis ich es verarbeitet habe.

Die Szene gibt es als Video.

Und es war wirklich eine korrekte Reklamation. Es waren genau 50 Züge. Es war im 78. Zug, wo der letzte Bauer geschlagen wurde im 128. kam die Reklamation.


Das ist natürlich spannend. Das ist wahrscheinlich etwas, was man sich unter Schiedsrichtern erzählt.

Ja, natürlich machst du das dann. Und dann gehst du irgendwann ins Büro und denkst hoffentlich war das jetzt richtig gewesen. Wenn nicht, dann weiß ich genau, was los ist, bei Social Media.

Gab es dort auch einen Vorfall?

Eigentlich war das ein relativ ruhiger, entspannter Job, wenn man das mit New York vergleicht. Da war sicherlich ein bisschen mehr los. Es gab nur ein kleineres Problem. Es war ein wärmerer Tag gewesen und hatte auf die DGT 3000 [*das ist die Schachuhr] geschienen, die Anzeige fing ein bisschen an zu flimmern, so optisch. Das hat aber auch nur jeder zweite gesehen. 50 Prozent der Spielerinnen haben es gesehen, die andere Hälfte nicht. Das galt auch für uns Schiedsrichter. Ich hatte es gesehen. Gerhard nicht. Es war halt irgendwie so eine optische Täuschung wie an der Straße, wenn die Hitze hoch steigt, dann fängt das halt an ein bisschen zu flimmern. Und so war das bei der Uhr. Es war meine ich in der sechsten Runde eine Spielerin drückte die Wippe, aber die Zeit lief trotzdem weiter. Das war vielleicht der spannendste Fall für uns in den neuen Runden.

Das klingt relativ entspannt. Ihr hattet auch einen Ruhetag dazwischen.

Der war vorgesehen für die Öffentlichkeit, das war halt so ein Social-Media-Tag.

Aufgefallen ist mir ein Foto mit den Spielerinnen und alle in einer Tracht, so nennt man das glaube ich. Habt ihr die nur ausgeliehen bekommen für diesen einen Fototermin? Oder haben sie euch diese wenigstens geschenkt?

Ja, total großzügig. Tatsächlich war das ein Goodie vom Organisator. Also wir durften die Dirndls dann auch tatsächlich behalten. Ich habe meins noch und werde das irgendwann in Bayern anziehen.

Die Partien fanden in einer Art Wintergarten oder Laube statt. Wie war die Atmosphäre? Der Spielort war malerisch, aber irgendwie weit weg.

Die Spielerinnen hatten ihre Ruhe und wirklich tolle Zimmer. Soweit ich von den Spielerinnen mitbekommen haben, war es von den Spielbedingungen her eines der besten Turniere der FIDE-Grand-Prix-Serie der Frauen.

Senioren Schach Cup – Der Senioren Schach Cup am Tegernsee

RLP-Seniorenopen

Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft 7³ 2024/2025

Deutsche Schnellschach-Amateurmeisterschaft 2025

Fotos: New York Rapid und Blitz WM 2024: Maria Emelianova (Chess.com) und Lennart Ootes. Frauen Grand-Prix Österreich: Przemek Nikiel (FIDE CHESS). DSAM: Ingrid Schulz (DSB).


Das letzte Vorrundenturnier der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM)

Foto: Przemek Nikiel (FIDE Chess)

Die 22-jährige Chinesin Zhu Jiner ist auf dem Vormarsch im Frauenschach. Zuletzt gewann sie den Frauen-Grand-Prix. Davor hatte sie bei der Schacholympiade in Budapest durch ihre Goldmedaille am ersten Brett bereits ein Ausrufezeichen gesetzt.

Von Thorsten Cmiel

Zhu Jiner studiert in Shanghai Finanzen und Ökonomie. Darüber hinaus ist wenig über die Chinesin bekannt. Momentan scheint sie eine Pause im Studium einzulegen. Im Monatstakt spielte Zhu zuletzt die Frauen-Grand-Prix-Serie, die sie etwas überraschend gewann. Nach der Schacholympiade in Budapest hatte Zhu zuletzt beim Europäischen Frauen-Vereins-Cup mitgespielt und ihre Gegnerinnen mit sechs Punkten aus sieben Partien klar dominiert.

Ihr Sieg beim aktuellen Frauen-Grand-Prix-Zyklus war beeindruckend. Zhu Jiner war nicht vorgesehen für das finanziell lukrative Frauenturnier. Die Chinesin kam erst spät hinzu, als ihre bekanntere Landsfrau Lei Tingjie ihre Teilnahme abgesagt hatte. Ohnehin kam Zhu Jiner bislang immer nur bei Verzicht anderer Spielerinnen zum Zuge. Bei der Schacholympiade beispielsweise spielte die erste Reihe der Chinesinnen – Ju Wenjun (34), Tan Zhongyi (33), Lei Tingjie (28) und Hou Yifan (31) – gar nicht mit. Zhu Jiner, die seit 2023 den Großmeistertitel hält, spielte am ersten Brett im „Nachwuchsteam“ der Chinesinnen. Genauso dabei war bei den Chinesinnen die erst damals erst 14-jährige Lu Miaoyi, die noch eine jüngere Generation repräsentiert.


Zhu Jiner holte bei der Schacholympiade 2024 in Budapest sieben Punkte aus neun Partien und überzeugte weitestgehend. Ihre im Verlauf der Ereignisse unnötige Niederlage in der fünften Runde gegen die Armenierin Lilit Mkrtchian hatte jedoch eine Niederlage des Teams China in der fünften Runde zur Folge. Danach folgte eine weitere Niederlage des Teams gegen starke Polinnen und das Team China erholte sich nicht mehr. Eine erneute Niederlage gegen Indien – Zhu remisierte mit Harika – kostete eine Medaillenchance.

In den Live-Ratings ist Zhu Jiner inzwischen auf dem fünften Rang der Frauenweltrangliste angekommen mit einer Liverating von 2547 ist sie die fünftbeste Chinesin und ihre Karriere hat gerade erst begonnen.


China hat sieben Spielerinnen, die über 2400 Elopunkte aufweisen. Drei der Spielerinnen waren oder sind Frauen-Weltmeisterin (Hou, Tan und Ju). Song Yuxin ist Jahrgang 2005. (Quelle: 2700 Chess)

Österreich dann Vereinigte Arabische Emirate

Da Zhu sich nach ihrem jüngsten Erfolg bereits für das Turnier der Kandidatinnen qualifiziert hat, kann sich die Chinesin auf ihre weitere Entwicklung konzentrieren. Kurz nach dem Grand-Prix in Österreich spielte Zhu Jiner erneut ein starkes Turnier mit. Das Sharjah Masters stellt eine ganz andere Herausforderung dar. Wir schauen Zhu dabei über die Schulter. Neben ihr spielte von den Top-Spielerinnen nur IM Bibisara Assaubayeva (KAZ), IM Divya Deshmukh (IND) und IM Teodora Injac (SRB) bei dem A-Turnier mit. Die beste Frau im Feld erhielt 1000 US-Dollar, die letztlich an Assaubayeva gingen, die eine Großmeisternorm (Performance über 2600) erzielte.


Das Sharjah Masters gehört zu den stärksten offenen Turnieren der Saison. Zhu Jiner spielte oft ziemlich lange Partien und verlor erst in der Schlussrunde etwas Elo. In diesem Turnier wurde sie diesmal von Bibisara Assaubayeva etwas in den Schatten gestellt, da die Kazachin eine GM-Norm erzielen konnte, und bald als 43. Frau überhaupt den Großmeistertitel erreicht.

Turnierverlauf

Das Turnier begann für Zhu Jiner mit einer recht ereignisarmen Partie gegen einen vietnamesischen Großmeister. Die Chinesin konnte danach zunächst einen kleinen Vorteil behaupten, der verflüchtigte sich aber schnell wieder. Ein solider Auftakt in dieses starke Turnier. In der zweiten Runde folgte ein weiteres solides Remis ohne Ungenauigkeit, die der Instanz aufgefallen wäre. Erst in der vierten Runde begannen die Partien etwas mehr Spannung zu bieten. Es folgen einige spannende Momente.


In dieser Situation steht Zhu Jinner technisch mit Schwarz auf Verlust. Es gibt einige Dinge zu beachten. Schwarz kann den d3 nicht nehmen, da die gegnerischen Bauern nicht beide vom Läufer geschlagen werden können. Aber Weiß muss natürlich aufpassen, dass der gegnerische König nicht einen Bauern gewinnt. Zuletzt hatte Schwarz seinen König von e4 nach d5 gezogen, da der Bauer auf f4 vom Springer auf d3 zuverlässig geschützt ist. An diesem Detail sollte Weiß zunächst nicht rütteln und seinen König bringen, aber wie? Schwarz muss mit seinem König in Richtung des a-Bauern laufen und die Ereignisse forcieren.



Diese Stellung aus der fünften Runde ist für Weiß schwierig zu verteidigen. Es gab hier zwei Konzepte, um den f-Bauern zu verteidigen. Man stellt den Springer nach d2 und lässt den Bauern auf f3. Oder man zieht den f-Bauern vor und verteidigt diesen mit dem Läufer. Zhu Jiner entschied sich falsch. Wie ist es richtig


Die Eröffnungsphase war zunächst gut für den Türken Adar Tarhan mit Weiß verlaufen. Er nahm dann einen vergiften Bauern auf h5 (19. Zug) und die Stellung war ausgeglichen, dann übernahm Zhu Jiner die Kontrolle und hatte mehr vom Spiel in diessem Doppelturmendspiel. Witzigerweise galt es hier den 46. Zug zu spielen und die Frage war diesmal für die Schwarzspielerin, ob sie den Bauern auf h5 schlagen sollte oder nicht.


In dieser Stellung musste Weiß unbedingt auf d5 nehmen. Das macht man sicher ungerne, aber die Alternative war es die Läufer zu tauschen und danach ist der Springer auf d5 eine Macht. Einige Züge später gab der englische Großmeister Royal Shreyas in der folgenden, hoffnungslosen Stellung auf.


In dieser Schlussstellung gibt es lediglich einen ästhetischen Mangel. Schwarz hat vergessen, den Turm h8 nach h7 zu stellen, dann stehen alle schwarzen Figuren auf einem weißen Feld. Der Springer auf d5 dominiert das Feld und Shreyas hatte verständlicherweise keine Lust mehr weiter zu spielen. Weiterer Widerstand ist nutzlos auf dem Niveau.

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Partien unkommentiert










Was Wikipedia über Zhu Jiner sagt.



Foto: Przemek Nikiel (FIDE Chess) Die 22-jährige Chinesin