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Titelfoto: Lennart Ootes

Vor dem zweiten Ruhetag hat sich das Feld im Challengers Turnier in Wijk 2025 weiter aufgespalten in Spielerinnen und Spieler, die über 50 Prozent aufweisen und denen darunter. Bei den vier weiblichen Teilnehmerinnen gab es tragische Momente. Stabile Ergebnisse weisen die Inderin Vaishali und Lu Miaoyi auf.

Von Thorsten Cmiel

Wir hatten uns das bisherige Abschneiden der Frauen in den ersten fünf Runden angesehen. Nach der achten Runde sieht es immer noch so aus als würden die Chinesin Lu Miaoyi, die im Februar fünfzehn Jahre alt wird, und Vaishali gut im Feld mithalten können. Divya Deshmukh muss den zweiten Ruhetag nutzen, sich zu konsolidieren. Nach der Pause musste die Inderin dreimal hinter sich greifen. Ihre Situation ist vregleichbar mit der von Arjun Erigaisi in der Tata Steel Meisterklasse, der bis zur achten Runde dreißig Ratingpunkte eingebüßt hat und turnierübergreifend keine seiner 21 bisher gespielten Partien in Wijk gewinnen konnte. Wenn es nicht gut läuft will man als Spieler oder Spielerin das Turnier meist ganz schnell hinter sich bringen. In Wijk stehen jetzt noch fünf weitere Runden an. Das ist brutal wie jeder weiß, der einmal ein Rundenturnier absolviert hat, das nicht den gewünschten Verlauf genommen hat. Zumal Spieler mit ohnehin schlechter Form von den anderen Teilnehmern gerne als mögliche Punktelieferanten ausgeguckt werden. Somit ist klar: Für Divya und Irina stehen noch fünf schwierige Runden an.

Punkte nach 5 RundenRunde 6Runde 7Runde 8GesamtPerformance
Vaishali3.00.50.50.54.52563
Lu Miaoyi3.010.50.04.52575
Deshmukh1.50.00.00.01.52321
Bulmaga0.50.50.00.01.02231

Nach den ersten fünf Runden hatten wir uns die Partien von Divya Deshmukh genauer angesehen. Diesmal betrachten wir die Partien einer Spielerin bei der es bisher besser läuft. Die vierzehnjährige Lu Miaoyi begann in der ersten Runde mit einer gut vorgetragenen Partie gegen den kazachischen Großmeister Kazybek Nogerbek. Nach einem soliden Remis gegen Vaishali mit den schwarzen Steinen folgte ein weiterer GM-Scalp. Lu gewann gegen die deutsche Nummer Zwei, Frederik Svane. Der musste sich mit der französischen Abtauschvariante der Chinesin auseinander setzen und kam damit nicht gut zurecht. Gegen Irina Bulmaga remisierte Lu erneut mit den schwarzen Steinen. Erst in der fünften Runde musste die Chinesin das erste mal hinter sich greifen als sie gegen den Niederländer Benjamin Bok verlor.


Runde 1: Lu Miaoyi (CHN) – Kazybek Nogerbek (KAZ) 1 – 0

Der Partieverlauf war deutlich zugunsten der jungen Chinesin verlaufen. Allerdings hatte sie etwas ängstlich in Gewinnstellung die Damen zum Tausch angeboten und damit einen Teil ihres Vorteils eingebüßt. Mit den zwei Springern für den Turm steht Lu allerdings immer noch klar vorteilhaft. Der Kazache kann allerdings noch hoffen. Er sollte die Beweglichkeit der gegnerischen Springer reduzieren und zunächst mit seinem Turm nach c5 ziehen. Er droht dann den Springer e5 durch Vorrücken seines g-Bauern weiter zu entwurzeln. Der Kazache begann mit dem g-Bauern Lu verzichtete auf den Bauern zog ihren f-Bauern vor und stand klar auf Gewinn.

Dieses Foto zeigt Frederik Svane unmittelbar vor dem entscheidenden Fehler.


Runde 3: Lu Miaoyi (CHN) – Frederik Svane (GER) 1 – 0

Vermutlich hatte Frederik den Steinitz-Aufbau in der klassischen französischen Verteidigung vorbereitet, so hatte die Chinesin vorher schon gespielt. Lu reagiert diesmal legitim und wählt die französische Abtauschvariante, die es ihrem Gegner erschwert auf Gewinn zu spielen. Am Ende kam es noch dicker für den Deutschen. Frederik (Jahrgang 2004) selbst war bereits in jungen Jahren ein hervorragender Taktiker. In der Ausgangsstellung steht die Chinesin sicher etwas angenehmer. Auf den Vormarsch des schwarzen g-Bauern folgt vermutlich ein aussichtsreiches Figurenopfer mit dem Springer auf g5. Weiß verbleibt nach der Annahme mit den besseren Chancen. Entschieden ist dann nichts. Stattdessen zog Frederik seinen Läufer nach f5. Lu nahm mit dem Läufer auf f6 und gewinnt eine ganze Figur. Ein typischer Fall von Schachblindheit.

Die Fotos zeigen die Gegner von Lu in den Runden vier und fünf. Gegen Irina Bulmaga folgte eine wenig ereignisreiche Partie bis zu dem folgenden Moment. Die Chinesin hatte ihre Züge ohne Nachdenken aufs Brett gestellt und sollte ihren achtzehnten Zug ausführen.


Runde 4: Irina Bulmaga – Lu Miaoyi 0.5 – 0.5

Für ihren nächsten Zug nahm sich die Chinesin 55 Minuten Zeit und spielte in der Tat den besten Zug. Solche Momente nach langen Vorbereitungen sind oft gefährlich für Turnierspieler, die sich erst in eine Partie hineinfinden müssen. Hier ist der naheliegende Zug der Zug mit der Dame nach e4. Weiß wird mit seiner Dame nach d5 gehen und Schwarz bleiben zwei Antworten, die aber nicht ausreichen. Die erste Möglichkeit besteht in einem doppelten Schachgebot mit dem Springer auf h4. Danach wird Weiß den König zunächst nach g1 ziehen. Nach dem erneuten Schach mit dem Springer auf f3 folgt diesmal der Zug des Königs nach h1 und Weiß stünde vorteilhaft. Die zweite Möglichkeit sieht ebenfalls auf den ersten Blick attraktiv aus. Schwarz opfert seinen Läufer auf h3 mit Schachgebot. Greift der weiße König dann zu, folgt ein Schach mit dem Springer auf g1 zur Ablenkung und Weiß kann dem Dauerschach durch Schachgebote mit dem Springer nicht entkommen. Aber Weiß kann den Läufer verschmähen und erneut seinen König nach h1 ziehen. Danach stünde die Rumänin auf Gewinn. Lu vermied diese Varianten und zog zunächst ihren c-Bauern ein Feld vor und nahm ihrer Gegnerin dadurch das Feld d5. Die Partie endete danach in einem absehbaren Remis.


Runde 5: Lu Miaoyi (CHN) – Benjamin Bok (NED) 0 – 1

Lu Miaoyi stand hier mit den weißen Steinen vor ihrem 27. Zug. Sie wählte letztlich eine zu langsame Fortsetzung. Aber wer ihre Leistung mit Maschinenhilfe locker bewerten möchte, der versuche sich vorher selbst an dieser Stellung. Wie sollte sie hier fortsetzen? (Kalkulationsaufgabe) Mehr als nur ein Zug ist hier notwendig. Viel mehr.


Runde 7: Lu Miaoyi (CHN) – Divya Deshmukh (IND) 1 – 0

In der Partie zwischen Lu und Divya war hier die Chinesin am Zuge. Der schwarze Königsflügel ist geschwächt und Weiß sollte seine Kräfte optimal auf eine weitere Expansion am Königsflügel vorbereiten. Lu Miaoyi zog hier ihren Turm nach f1, um den anderen Turm nach e1 zu stellen. Aber es gab eine deutlich stärkere Fortsetzung, die an die Spielweise von Anatoly Karpov erinnert.


Runde 8: Thai Dai Van Nguyen (CZE) – Lu Miaoyi (CHN) 1 – 0

Die Partie verlief bis hierhin recht ruhig. Der Großmeister stand weite Teile der Partie etwas besser, konnte sich aber keinen größeren Vorteil erspielen. Die Struktur haben die Spieler schon 16 Züge auf dem Brett und in dieser Stellung war die Chinesin dran. Weiß hat einen pseudoaktiven König auf c6, der wird aber vom verankerten Turm auf b5 wirkungsvoll und dauerhaft vom a-Bauern fern gehalten. Lu überlegte hier 21 ihrer 28 Minuten restlichen Bedenkzeit und ihr unterlief ein fürchterlicher Fehler. Schwarz kann hier den Läufer nach d2 ziehen und ein komfortables Remis erreichen. Aber offensichtlich hatte die Chinesin einen Knoten in ihren Berechnungen. Der könnte so aussehen: Weiß antwortet auf den Läuferzug mit einem Schach des Läufers auf d6, der König zieht weg nach g8 und Weiß schwenkt mit seinem Turm nach a1. Schwarz nimmt nun auf b4 mit dem Läufer und bei mangelnder Visualisierung könnte man annehmen, dass Schwarz hier Material verliert, da der Turm auf b5 kein Feld zur Verfügung hat, um den Läufer b4 gedeckt zu halten. Aber Schwarz hat kann als Antwort seinen Turm nach a5 ziehen und ausgleichen. Lu zog stattdessen ihren Läufer nach c5, die Idee ist ähnlich, aber der Läufer auf c5 verhindert das Schachgebot auf der Diagonalen mit dem schwarzen König. Nguyen nahm den Läufer weg und nachdem Schwarz den weißen Turm auf b1 geschlagen hatte, zog der Tscheche seinen König nach d7 und der weiße c-Bauer ist unaufhaltbar. Dieses abrupte Ende erinnert an die dritte Runde in der Frederik Svane ein ähnliches Malheur unterlaufen war.

Großmeisternorm noch drin

Die Chinesin zeigte bislang vor allem mit den weißen Steinen starke Angriffsleistungen. In den letzten fünf Runden stehen für die Chinesin allerding noch schwierige Aufgaben an. Immerhin hat sie noch drei Weißpartien (gegen Aydin Suleymanli, Erwin L’Ami und Nodirbek Yakuboeev). Mit Schwarz spielt sie noch gegen Ediz Gurel und Faustino Oro. Für eine Großmeisternorm muss sie auf siebeneinhalb Punkte kommen, also noch drei Punkte sammeln. Schwierig, aber nicht unmöglich.

Fotos: Lennart Ootes und Jurriaan Hoefsmit für Tata Steel Chess.


Titelfoto: Lennart Ootes Vor dem zweiten Ruhetag hat

Titelfoto: Jurriaan Hoefsmit

Die Partien zwischen den beiden Indern Praggnanandhaa und Gukesh haben immer eine besondere Brisanz. Geht es doch um die Vormachtstellung im eigenen Land und in Chennai. Zurzeit hat Gukesh klar die Nase vorn, denn er gewann im letzten Jahr Kandidatenturnier und Weltmeisterschaft. In der achten Runde 2025 kam es zum Prestigeduell beim Tata Steel Masters in Wijk.

Von Thorsten Cmiel

Die beiden indischen Supergroßmeister leben wie der Übervater des indischen Schach, Viswanathan Anand, in Chennai. Bei jedem Aufeinandertreffen geht es also nicht nur um die Vorherrschaft in Indien, sondern auch darum wer im Lokalen vorne liegt, wer Stadtmeister in Chennai ist sozusagen. Für Pragg ist das Duell nichts Besonderes, sagt er. Erinnert sei trotzdem daran wie manche Duelle in der Vergangenheit abliefen. Dramen war oft und mit normalen Maßstäben kaum zu erklären. Schauen wir kurz zurück.


Beim Rejkjavik Open 2022 spielte Gukesh (15) mit Weiß in der letzten Runde gegen Pragg (16). Er musste gewinnen, um sich den Turniersieg zu sichern. Dem älteren der beiden Inder reichte ein Remis. Was jetzt folgte war dramatisch. Gukesh steht offensichtlich klar besser, objektiv sogar auf Gewinn. Der Damentausch auf d4 kommt natürlich für Pragg nicht in Betracht. Er fand noch einen letzten Schwindel und zog seine Dame nach f5. Falls Weiß dann den ungedeckten Springer auf c3 nehmen würde, folgt der Einschlag auf g2 und das Zurückschlagen mit dem König würde zum Dauerschach führen. Soweit so verständlich. Gukesh konnte an der Stelle seinem König etwas Luft verschaffen indem er seinen h-Bauern ein Feld vorrückt und der gegnerischen Dame das Feld g4 verwehrt. Stattdessen zog Gukesh seine Dame nach e5 und erneuerte das Angebot zum Damentausch. Dieser Zug kostete ihn bereits seinen entscheidenden Vorteil. Pragg sagte erneut nein, zog seine Dame nach g4 und drohte selbst direkt Matt auf g2. Es war jetzt an Weiß mit dem Läuferzug nach e4 die Partie noch knapp auszugleichen. Gukesh zog stattdessen seinen Turm nach g1 und deckte damit den Läufer auf g2. Pragg fand dann einen schicken Gewinnzug. Wird nicht aufgelöst.


Beim Tata Steel Masters 2024 hatte Gukesh seinen Gegner überspielt. Erneut stand er auf Gewinn und musste seinen vierzigsten Zug, den Kontrollzug, ausführen. Die beiden hatten zuvor bereits mit wenig Bedenkzeit die Züge des weißen Läufers nach d6 und die Antwort mit der Dame nach f7 gespielt. Gukesh erneuerte die Stellung und zog seinen Läufer nach d6. Pragg nutzte seine Chance, kündigte seinen Zug mit der Dame nach f7 and und reklamierte dreimalige Stellungswiederholung. Was war passiert? Die ursprüngliche Stellung war nach dem Turmzug nach g8 entstanden und das scheint Gukesh übersehen zu haben. Später wird er sein Malheur als dumm bezeichnen, da praktisch jeder andere Zug als sein Zug mit dem Läufer gewonnen hätte. Das stimmte zwar nicht, aber irgendwie dann doch.


Wenige Tage nach dem Drama in Wijk trafen Pragg und Gukesh erneut aufeinander und zwar im Prag Masters. Der ältere der beiden, Pragg, stand mit Weiß auf Gewinn und musste zunächst das Schachgebot parieren. Pragg blieben zwei Optionen, er konnte seinen König nach f5, also nach vorne schicken, oder er geht auf Nummer sicher und deckt den g2-Bauern und beordert den König nach g3 zurück. Pragg entschied sich für die sichere Variante, was objektiv den Gewinn verspielte. In der Folge gelang es Gukesh die Partie durch weiterhin präzises Spiel zu remisieren.


Die bislang wichtigste Partie von Pragg und Gukesh gewann bekanntlich Gukesh in der zweiten Runde beim Kandidatenturnier in Toronto 2024. Pragg hatte zwei Bauern in der Eröffnung geopfert und seinen Gegner damit früh unter Druck gesetzt. Gukesh verbrauchte viel Bedenkzeit, fand aber eine gute Verteidigung. Die Partie verblieb zunächst objektiv betrachtet gleich. In der hier betrachteten Stellung konnte Weiß im Einundzwanzigsten einen sehr kreatives Opfer seines Turmes anbieten, indem er mit seinem Turm auf d5 nimmt. Pragg spielte nicht so, sondern stellte seinen Läufer nach g5, was weniger gut war. In der Folge ging es noch etwas Hin und Her, aber Gukesh schien immer alles weitgehend unter Kontrolle zu haben. Am Ende reichte es für ihn zu einem wichtigen Sieg mit den schwarzen Steinen. Die Dramatik der Partie ist selbst eine eigene Erzählung wert, aber nicht unser Thema heute.

Diesmal blieb das ganz große Drama in der Begegnung aus. Aber es gab einen lehrreichen Moment, den wir festhalten wollen.


Runde 8: Praggnanandhaa – Gukesh

Gukesh steht hier vor seinem dreiunddzwanzigsten Zug. Pragg hatte zuletzt seinen Turm von d1 nach b1 gezogen und so den Gegner daran gehindert, mit dem Turm auf b2 einzusteigen. Auf den Springerzug nach a3, der Turm und Dame attackiert, kann Weiß auf b8 zunächst einen Turm tauschen. Der schwarze Springer auf c4 hemmt die weiße Stellung und ist eine Augenweide. Zu den Stellungsmerkmalen gehört, dass der Bauer auf a4 dem gegnerischen Turm auf b3 ein wichtiges Feld nimmt. Gukesh hatte zuvor alles getan, um den Bauern auf c6 mit seiner Dame von e8 aus zu attackieren. Jetzt konnte er mit seinem Turm nach d8 ziehen, dieser war von e8 gestartet und auf d8 verblieb Schwarz das wichtige Feld e8. Nicht einfach zu sehen, aber ein bemerkenswerter Moment. Gukesh ist ein Spieler, der vor allem durch seine Rechenfähigkeiten hervorsticht. Hier allerdings fand er die beschriebene positionelle Lösung nicht und zog seinen Bauern nach a3, was als ein konkretes Vorgehen bezeichnet werden kann. Die Partie wäre auch danach weiter im Gleichgewicht gewesen, aber Pragg stünde weiter hinten drin.

Die Partie verflachte nach einigen präzisen Zügen und die Spieler einigten sich letztlich auf Remis. Da auch der dritte Spitzenreiter Nodirbek Abdusattorov über ein Remis nicht hinaus kam, blieb das Trio mit fünfeinhalb Punkten weiter vorne.





Fotos: Lennart Ootes und Jurriaan Hoefsmit für Tata Steel Chess.

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Die analysierte Partie kann durch klicken auf den im Beispiel rot markierten Button heruntergeladen werden.

Titelfoto: Jurriaan Hoefsmit Die Partien zwischen den beiden

Historisches Foto

Von Thorsten Cmiel

Die Idee der Lasker Aufgaben ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Schachaufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.


1. Aufgabe: Kann Weiß am Zuge Remis halten?

Wer eine der berühmtesten Studien der Schachgeschichte kennt, kommt schnell auf die Lösung. Der Autor ist übrigens identisch. Mehr Hilfen gibt es allerdings nicht. Rechnen ist angesagt, selbst wenn man schnell auf die richtige Idee kommt.


2. Aufgabe: Kann Weiß am Zuge Remis halten?

Wer die erste Aufgabe gelöst hat, der hat hier sicher keine großen Schwierigkeiten. Oder?


3. Aufgabe: Kann Weiß am Zuge Remis halten?

Aus der gleichen Aufgabenfamilie. Jetzt aber.


4. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.

Endspielwissen ist gefragt. Angenommen ihr spielt eine Blitzpartie und packt versehentlich ohne Nachzudenken den König an. Auf welches Feld zieht ihr ihn? Das ist eine gute Chance, denn schließlich hat der König nur drei Felder.

Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.


Historisches Foto Von Thorsten Cmiel Die Idee der Lasker

Titelfoto: Jurriaan Hoefsmit

Die Schlagzeilen beherrscht ein ehemaliger Weltmeister, der sich langweilt, rumnörgelt und anderen seinen Willen aufzwingen will. Gleichzeitig zeigt die junge Generation wie es wirklich um Schach steht. Hervorragend. Die Partien zwischen Nodirbek Abdusattorov und Gukesh sind längst moderne Klassiker zweier Gladiatoren, die Bock auf klassisches Schach haben.

Von Thorsten Cmiel

Die bislang wichtigste Partie der beiden Junggroßmeister fand vor etwa zweieinhalb Jahren statt. Gukesh hatte die weißen Steine. Gespielt wurde in Chennai 2022 bei der Schacholympiade. Dem Inder versagten die Nerven und sein Team verlor die Goldmedaille. Das B-Team Indien für das Gukesh, Pragg und Nihal Sarin antraten wurde Dritter und die Usbeken gewannen sensationell die Goldmedaille. Das ist die Kurzform.

Bei der Schacholympiade 2024 in Budapest gewannen bekanntlich diesmal die Inder und die Usbeken kamen auf den dritten Rang. Die Teams tauschten die Plätze. Gukesh und Nodirbek einigten sich in ihrer Partie Ende September nach 32 Zügen auf eine Punkteteilung durch Zugwiederholung. Die Partie verlief eher ereignislos. Gukesh überragte am Ende mit neun Punkten aus zehn Partien (Performance 3056) am ersten Brett. Abdusattorov musste elfmal ran und gewann die Silbermedaille mit ebenfalls neun Punkten (Performance 2884). Auf dem dritten Rang lag der Norweger Magnus Carlsen (Performance 2810), der die Siegerehrung schwänzte. Immerhin Carlsen war zur sechsten Runde auf dem Live-Youtube-Kanal von Chess24 zugeschaltet und kommentierte die Partie von Gukesh und Abdusattorov einige Minuten lang. Er lobte vor allem die Rechengewaltigkeit des Usbeken, der hatte am Tag zuvor gegen den Niederländer Jorden Van Foreest, einen ehemaligen Sekundanten von Carlsen, eine grandiose Rechenleistung hingelegt und war bei vollem Brett von b8 nach d5 in die Brettmitte marschiert, um eine Gewinnstellung zu reklamieren.

Die Partien der zwei Junggroßmeister in dieser Partie sind für Schachfans echte Highlights und beide profitieren von den harten Kämpfen den sie sich liefern. Bisher galt meist: Bei jedem Aufeinandertreffen spielen die beiden mit besseren Elozahlen gegeneinander als zuvor. Auch in diesem Jahr wurde niemand enttäuscht, der die Partie in der sechsten Runde verfolgte. Spannung und Dramatik sind möglich wenn zwei Spieler wollen.

Runde 6: Abdusattorov (UZB) – Gukesh (IND)


Es sind die unscheinbaren Randbauernzüge, die Gukesh zum Weltmeister gemacht haben. Kleine Nuancen entschieden über den Verlauf mancher Partien, die vom Team Gukesh unter der Leitung von Grzegorz Gajewski immer wieder ausgeheckt wurden. Erinnert sei an die Schwarzpartien des amtierenden Weltmeisters beim Kandidatenturnier gegen seinen Landsmann Vidit und den Azeri Nijat Abasov. Nodirbek kann das auch. Er hält diesmal dagegen mit seinem neuen Signature Zug, einem frühen a2-a4. Bereits zuvor in diesem Turnier hatte der Usbeke gegen den Inder Mendonca diesen Zug gespielt, allerdings in einer anderen Eröffnung. Der Erfinder ist der usbekische Toptrainer Rustam Kasimdzhanov, der inzwischen in Deutschland lebt und lange für Fabiano Caruana als Sekundant tätig war. Der Aufzug des a-Bauern ist oft ein typischer Zug im langsamen Italiener, nimmt dem Gegner Möglichkeiten am Damenflügel weg und droht selbst mit Expansion. Neu ist das frühe Konzept nur auf höchster Ebene. Immerhin können beispielsweise zwei Partien des starken tschechischen Großmeisters David Navara, der auch schon in Wijk dabei war, in der Datenbank gefunden werden. Schaut man im weiteren Verlauf nach, dann gab es die entstehenden Stellungen also schon häufiger, sogar auf höchster Ebene.


In dieser Situation muss Gukesh seinen achtzehnten Zug ausführen. Nodirbek hat zuletzt seinen Springer nach f1 gezogen und plant ganz offensichtlich seinen Springer nach h2 zu ziehen. Sollte dann der Läufer ziehen, käme die schwarze Dame auf h5 in Bedrängnis. Gukesh machte daher Platz für seine Dame und zog seinen Springer nach e7. Stattdessen hatte er an dieser Stelle eine sehr gute Möglichkeit und konnte seinen Springer nach f4 ziehen. Der darf nicht genommen werden, da Schwarz zu starken Angriff bekommt. Einen Springer nach vorne statt zurück zu ziehen ist oft ein Erfolg und hier konnte der Weltmeister mit etwas mehr Mut und der richtigen Eingebung etwa ausgleichen. Die Folgen sind freilich komplex und es bedürfte noch einiger Ausführungen das zu erläutern. Wer will kann in die Analyse unten in diesem Text schauen.


Hier verpasste Nodirbek eine gute Möglichkeit seine bis dahin einwandfreie Partieleistung weiter zu krönen. Er zog im Achtundzwanzigsten seine Dame nach a4 und gab dem Inder dadurch eine Chance, die dieser sich nicht entgehen ließ. Gukesh zog seinen Springer nach d8 und konsolidierte seine Stellung. Aber was war falsch am vorhergehenden Damenzug gewesen? Von b5 erfüllte die Dame zuvor eine wichtige Funktion. Sie fesselte den b-Bauern. Der konnte sich wegen seiner Deckungsfunktion für den Springer c6 nicht von der Stelle bewegen. Mit seinem Zug mit dem Springer drohte Gukesh also seinen b-Bauern zu ziehen. Dieser kleine Moment der Unaufmerksamkeit genügte dem Inder zum Ausgleich. Stattdessen sollte der Usbeke hier seinen Turm von f3 nach d3 ziehen und den Gegner vor schwierige Aufgaben stellen. Insbesondere der Bauer e5 könnte danach weiter unter Druck geraten. Sollte Schwarz dann beispielsweise wie in der Partie seinen Springer nach d8 ziehen, wird der weiße Springer nach f3 gestellt und der Bauer e5 attackiert – eine weitere Leistung einer Dame auf b5, den sie von a4 nicht mehr erfüllt. Versucht Schwarz dann das Problem durch eine Fesselung mit dem Läufer auf g4 zu lösen, nimmt Weiß trotzdem auf e5 zunächst mit der Dame und opfert eine Qualität. Weiß dominiert dann das Brett.


Gukesh steht vor seinem fünfundvierzigsten Zug. Er hatte sich zuvor für eine aktive Verteidigung entschieden und einen Bauern geopfert. Jetzt war er auf einen Trick angewiesen. Er plante mit einem Sidestep des Königs nach f8, den gegnerischen Turm zu attackieren und zwischenzeitlich einen weiteren Bauern zu opfern, um den gegnerischen Springer zu erobern. Die Idee konnte Schwarz auf zwei Arten realisieren. Er konnte entweder sofort seinen König nach f8 ziehen oder ein Zugpaar einschieben, indem er seinen Turm zunächst nach b3 zieht. Sein Gegner würde typischerweise seinen Königs nach g2 ziehen. Was es damit auf sich hat, ist schwierig zu verstehen und Gukesh konnte das Problem nach fünf Stunden intensivem Fight nicht lösen. Er entschied sich für den falschen Zug und zog sofort seinen König nach f8. Wer will kann anhand der Analysen den Unterschied herauszufinden versuchen. Wer es zunächst selbst herausfinden will, der sollte sich die Stellung genauer anschauen und jetzt mit dem Wissen des richtigen Zuges bewaffnet auf Spurensuche gehen.


In dieser Stellung war diesmal Weiß am Zuge. Die drei weißen Freibauern sind natürlich eine Macht gegen den Springer. Aber wie soll man die Partie konkret entscheiden? Nodirbek lässt an dieser Stelle für einen kurzen Moment nach, Gukesh ist erneut sofort da und rettet die lange Zeit verloren geglaubte Partie. „Push them baby“ ist eine Formulierung, die der US-amerikanische Schachgroßmeister und Moderator Yasser Seirawan gerne verwendet. Tatsächlich ist es oft ein guter Ratschlag seine Freibauern voran zu schicken, um die gegnerischen Kräfte mit Verteidigungsaufgaben zu beschäftigen, damit diese nicht anderweitig Ärger machen können. Der Ratschlag ist hier zumindest dann sinnvoll wenn die Freibauern nicht sofort verloren gehen oder der gegnerische Springer sie wirksamer blockieren kann. Hier war der Ratschlag jedenfalls goldrichtig. Aber man sollte loben wie Gukesh nach dem von Nodirbek gespielten Zug des Turmes nach e8 in der dargestellten Stellung seine Figuren koordiniert und das Remis sichert. Insgesamt sahen die Zuschauer eine hochklassige Partie wie sie wohl nur die besten Spieler der Welt zeigen können. Gladiatoren im Schach stellen ihre Gegner immer wieder vor neue Aufgaben und erst so passieren Fehler auf höchster Ebene, die andere dann mit Hilfe der Maschine entziffern können. es gibt noch einiges mehr zu entdecken in dieser Partie.

Nach der sechsten Runde führten weiterhin Praggnanandhaa (Jahrgang 2005) und Abudsattorov (2004) mit 4.5 Punkten (+3). Weltmeister Gukesh (2006) lag mit vier Punkten dahinter in Lauerstellung. Die Jugend übernimmt immer sichtbarer die Führung im Weltschach. Für die achte Runde sieht die Auslosung die Paarung zweier Jungs aus Chennai vor. Das wird für Schachfans ebenfalls ein Augenschmaus auf dem Brett. Ich garantiere es.



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Die Partieanalyse kann mit Hilfe des hier rot gekennzeichneten Buttons heruntergeladen werden.


Fotos: Lennart Ootes und Jurriaan Hoefsmit für Tata Steel Chess.

Titelfoto: Jurriaan Hoefsmit Die Schlagzeilen beherrscht ein ehemaliger

Foto: Jurriaan Hoefsmit

Die neunzehnjährige Divya Deshmukh will ihre erste Großmeisternorm erzielen. 2024 war ein sehr erfolgreiches Jahr für die Inderin. Ihr Start in Wijk 2025 war nicht gelungen. Wir schauen bei den Frauen im Challengers genauer hin und beginnen mit der Inderin.

Von Thorsten Cmiel

Der Spielermix im Challengers in Wijk aan Zee verspricht jedes Jahr das Aufscheinen junger Talente. In 2025 nehmen vier spielstarke Frauen und Juniorinnen im Challengers teil. Von diesen Spielerinnen konnte bisher nur Vaishali den Großmeistertitel erringen. Die anderen drei Spielerinnen sind Internationale Meister und zumindest die zwei Jüngeren wollen den Großmeistertitel. Wie in jedem Jahr gibt es überzeugende Ergebnisse und Enttäuschungen. Zudem ist es nicht ungewöhnlich, dass Spielerinnen und Spieler völlig unterschiedliche Turnierhälften spielen. Nach der fünften Runde stand der erste Ruhetag an und damit die erste Möglichkeit etwas genauer hinzusehen.

Runde 1Runde 2Runde 3Runde 4Runde 5ErgebnisPerformance
Deshmukh
(2490)
0.0 (w)0.5 (w)0.0 (s)1.0 (w)0.0 (s)1.5 aus 52489
Lu Miaoyi
(2429)
1.0 (w)0.5 (s)1.0 (w)0.5 (s)0.0 (w)3.0 aus 52597
Vaishali
(2476)
1.00.501.00.53.0 aus 52615
Bulmaga
(2386)
0.00.00.00.50.00,5 aus 52160

Runde 1: Divya – Yakuboeev 0-1

Das Turnier begann für Divya mit einer Niederlage gegen einen der Topfavoriten im Challengers. Nodirbek Yakuboeev ist derzeit der drittstärkste Usbeke mit einer Elozahl von 2659 Punkten. In Chennai 2022 war er Teil des usbekischen Teams, das Olympiasieger wurde. Nach der folgenden Fehlentscheidung der Inderin mit Weiß in der folgenden Stellung bekam sie keine Chance mehr auf Ausgleich.


In dieser Stellung hatte der Usbeke zuletzt seinen Springer nach f4 gezogen. Weiß kann nicht gut zweimal auf f4 schlagen, weil Schwarz seinen a-Bauern vorzöge und damit in der Folge auf b2 Material verloren geht. Die Frage, die sich Divya stellte war also, ob sie überhaupt auf f4 ihren Läufer geben sollte. Positionell ist der Tausch auf den schwarzen Feldern eine Katastrophe wie Königsindisch-Spieler beispielsweise wissen sollten. So wäre auch hier ein Entwicklungszug mit dem Springer nach c3 richtig gewesen, zumal der Läufer e2 in dieser Maroczy-Struktur tendenziell ein „schlechter“ Läufer ist. In der Folge gelang es Nodirbek seinen Läufer nach e5 zu befördern, er verbesserte seine Stellung stetig und spielte eine hervorragende und sehenswerte Partie.

Runde 2. Divya – Nguyen 0.5 – 0.5

Divya hatte zum Start zwei Partien mit Weiß. In der zweiten Runde folgte ein weiterer Turnierfavorit. Thai Dai Van Nguyen ist Großmeister aus Tschechien und wie Divyas Gegner am Tag zuvor ebenfalls Anfang Zwanzig. Die beiden begannen mit einer bekannten Sizilianischen Variante im Najdorf und Divya zögerte nicht lang und ließ sich auf entgegengesetzte Rochaden ein. Der Partieaufbau wirkte gefährlich für Weiß, aber im Nachhinein scheinen beide Seiten sehr präzise gespielt zu haben. Zum Schluss bot der Großmeister Remis an und nutzte, dass seine Gegnerin in größerer Zeitnot war. Die Schlussstellung war eher etwas besser für die Inderin.


Die kritische Stellung war nach dem achtzehnten Zug von Schwarz entstanden. Der Tscheche hatte in seinem letzten Zug den Turm von a8 nach c8 gezogen und ein Qualitätsopfer angeboten. Bis hierhin war die Partie einer Vorgängerpartie gefolgt. Tatsächlich bietet die Annahme Weiß die etwas besseren Perspektiven. Alternativ konnte Divya den Bauern auf a6 schlagen, aber das wirkt weniger attraktiv, zumal der Gegner sich freiwillig auf diese Stellung eingelassen hat. Die Inderin fand eine dritten Zug und zog ihren Doppelbauern auf der c-Linie vor. Das erwies sich aber als nicht zielführend und die Partie nivellierte sich zusehends.

Runde 3: Suleymanli – Divya 1 – 0

In der dritten Runde wurde Divya als Nachziehende mit dem Londoner System konfrontiert und es sah zunächst gut aus, aber dann kam es in der folgenden Stellung doch zu einem Problem, das die Inderin nicht ausreichend lösen konnte. Der aserbaidschanische Großmeister Aydin Suleymanli wurde 2005, also im gleichen Jahr wie Divya, geboren und befindet sich in seinem letzten Jahr als Junior. Er hatte zuvor zwei Remis gespielt und wechselte den Eröffnungszug.


Bis hierhin hatte Aydin konkret wenig erreicht, aber immerhin hatte er Divya „hängende“ Bauern angedreht. Im letzten Zug hatte er den Springer von d2 nach b1 gezogen, um den Springer nach c3 zu ziehen und mehr Druck auf das gegnerische Zentrum auszuüben. Jetzt sollte Divya am besten mit dem Vormarsch ihres f-Bauern reagieren und nach dem Zug des Springers nach c3 mit ihrem a-Bauern vorpreschen und dem Gegner einen wertlosen Doppelbauern andrehen. Danach konnte Schwarz mit dem eigenen g-Bauern angreifen und am anderen Flügel für Betrieb sorgen. Mit ungefähr gleichen Chancen. Divya verhinderte die gegnerische Springeraufstellung physisch und zog ihren eigenen Springer nach b5. Der Springer hatte allerdings Deckungsfunktionen und stabilisierte das Zentrum. Nach dem Antwortmanöver des Gegners – die weiße Dame zog zunächst nach e2 und danach nach c2 mit Doppelangriff gegen die Bauern a4 und c5 – ging ein Bauer verloren und später die Partie.

Runde 4: Divya – Gurel 1 – 0

In der vierten Runde folgte dann Divya’s Comeback gegen einen anderen Jungstar, den sechzehnjährigen türkischen Großmeister Ediz Gurel (16). Divya war wie immer in der Eröffnung gut vorbereitet und gewann in dieser vierten Runde eine von ihr gut gespielte Partie, die wir hier etwas genauer betrachten.


Runde 5: L’Ami – Divya 1 – 0

Wijk aan Zee ist wegen der traditionell langen Dauer mit dreizehn Runden für viele Teilnehmer eine Achterbahn der Gefühle und oft wechseln sich Siege und Niederlagen hintereinander ab. Für Divya ging es gegen den niederländischen Großmeister und Veteranen Erwin L’Ami genau so weiter. Die Entscheidung fiel früh in einer bekannten Stellung.



Partien zu den Diagrammen

SERVICEINFORMATION

Die Analysen und Partien können als PGN heruntergeladen werden. Dafür muss man lediglich auf den hier rot markierten Button klicken.





Mehr Informationen zum Turnier findet man auf der offiziellen Homepage des Tata Steel Turniers in Wijk aan Zee 2025. Fotos: Lennart Ootes und Jurriaan Hoefsmit für Tata Steel Chess.

Foto: Jurriaan Hoefsmit Die neunzehnjährige Divya Deshmukh will

Titelfoto: Tata Steel Chess

Der Usbeke Nodirbek Abdusattorov fegte seinen zwei Jahre jüngeren indischen Gegner mit einem ungewöhnlichen Eröffnungskonzept vom Brett. Das ganze wurde eingeleitet mit einem frischen sechsten Zug. Was steckt dahinter?

Von Thorsten Cmiel

Heutzutage führen Eröffnungsvorbereitungen auf Top-Level meist zu nicht viel mehr als Ausgleich, angenommen beide Spieler haben sich auf die gleichen Varianten vorbereitet. Wenn man das akzeptiert, wird die Vorbereitung wieder etwas entspannter als es sich viele Amateure machen. Man sucht nach einer interessanten Idee und versucht sein Glück. So einfach kann Schach sein. Dieses Konzept haben wir 2024 bei Gukesh gesehen, sowohl in Toronto beim Kandidatenturnier als auch beim Weltmeisterschaftskampf und wenn man etwas zurück schaut, dann war dieses Konzept schon 2023 ein Teil der Eröffnungsvorbereitung von Ding Liren in seinem Wettkampf mit Ian Nepomniachtchi.


Der mit Abstand wichtigste weiße Aufbau in der Vorstoßvariante gegen die Französische Verteidigung beginnt mit dem weniger stürmischen Zug des a-Bauern (6.a2-a3). Als ich die Übertragung sah, dachte ich zunächst an einen Übertragungsfehler. Das war nicht der Fall. Nodirbek hatte seinen a-Bauern aggressiv zwei Felder vorgeschoben. Was ist davon zu halten? Zunächst sichert der Zug das Feld b5 für den weißen Läufer. Aber der Zug wirkt gleichzeitig nicht sonderlich attraktiv, denn das Feld b4 wird nach Tausch der Bauern auf d4 dauerhaft geschwächt. Zunächst ist nach 6.a2-a4 der Schwarzspieler dran, eine überzeugende Aufstellung für seine Figuren zu finden. In dieser Partie gelingt das dem Inder nicht vollends überzeugend. Entschieden wird die Partie aber durch eine spätere Entscheidung.

Das ist ein Blick in die weltweit bislang wichtigste Datenbank für Schachpartien, die Chessbase Mega Database 2025. Die kennt den von Nodirbek gespielten Zug sogar. Allerdings kann man den Zug normalerweise vernachlässigen, denn wie wahrscheinlich ist es den neunthäufigsten Zug mit zudem guten Schwarzresultaten (35,8% für Weiß) vorgesetzt zu bekommen?

Schaut man in die Datenbank aller Partien bei Li-Chess, dann ist der Zug 6.a4 zwar auch noch ein relativ seltener Gast, aber dort finden sich immerhin über 250.000 Partien mit diesem Zug. Die Qualität ist natürlich nicht vergleichbar, da die meisten Partien Blitz- oder Bulletpartien sind, aber man kann davon ausgehen, dass es bei der hohen Anzahl an Partien durchaus Spezialisten gibt, welche die Variante für sich schon etwas zurecht gelegt haben. Ein Indiz für die Spielbarkeit der Variante ist die Häufigkeit schon.


Man muss wohl schon die sofortige Antwort des Inders konzeptionell hinterfragen. Leon Luke tauschte früh auf d4 die c-Bauern und eroberte so das Feld b4. Auf der anderen Seite gibt das dem Gegner die Chance seinen Springer später auf das Feld c3 zu stellen. Dort steht der Springer zwar auch oft nicht ideal, aber wenn man weiter denkt und die weißen Läufer nach b5 gestellt hat, mag es eine zusätzliche Idee sein, a4-a5 folgen zu lassen und dann könnte der Springer via a4 eine neue schwarzfeldrige Perspektive erhalten. Außerdem kann der Springer über e2 ins Spiel gebracht werden. Interessant ist, dass Mendonca in zwei Partien gegen Abdusattorov – einen Monat zuvor hatte der Usbeke den ebenfalls unüblichen Zug 6.g3 nebst Lh3 gespielt – ernsthafte Probleme bei der Aufstellung seines Königsspringers bekam.

Während Schwarzspieler heutzutage oft Lösungen für den sprichwörtlich schlechten Läufer finden und suchen, fehlt vielen Französisch-Spielern ein ähnlich ausgeprägtes Gespür für den Springer g8. gerade in der Vorstoßvariante könnte das ein wichtiger Aspekt der Eröffnungsvorbereitung sein.


In dieser Stellung sollte Schwarz kurz rochieren und danach stünde er etwas schlechter, da es im schwer fällt ausreichendes Gegenspiel zu organisieren. Ihm fehlen die Hebel. Das dürfte den Inder auf die falsche Idee gebracht haben. Wenn er lang rochiert, dann kann er eher am Königsflügel expandieren. Dieser Gedanke ist aber hier nicht ausreichend, da Weiß mit seinem Angriff viel schneller ist. Nodirbek gab nach der Partie an, dass ihn der Zug überraschte. Schaut man in die Datenbank der Online-Plattform Li-Chess, dann war erst dieser Zug neu. In dem Fall zu Recht.

Idee kurz erklärt von Nodirbek Abdusattorov


Die Eröffnungsidee 6.a4 stammt von Rustam Kasimdzhanov, ebenfalls Usbeke und in der Bundesliga aktiv. Dort hatte dieser ein noch krasseres Konzept einige Wochen zuvor selbst verwirklicht. Gegen den starken iranischen Großmeister Tabatabaei hatte „Kasim“ seinen neuen Lieblingszug bereits im zweiten Zug auf das Brett gestellt. Das dürfte Nodirbek noch motiviert haben.


Titelfoto: Tata Steel Chess Der Usbeke Nodirbek Abdusattorov

Von Thorsten Cmiel

Der Konflikt zwischen dem Weltschachbund und den privaten Initiatoren der Freestyle-Serie nimmt Konturen an. In ihrem Statement spricht die FIDE vom Projekt „Freestyle Chess“. Eine Weltmeisterschaft dürfen Spieler und Jan Henric Buettner nicht veranstalten. Sie könnten das Event anders nennen.

Zuletzt hatte Vishwanathan Anand seine Teilnahme an dem ersten Event der Freestyle Tour in Weissenhaus abgesagt. Das könnte miteinander zusammen hängen. Der mediale Auftritt von Magnus Carlsen in New York war zudem nicht dazu geeignet, die Wogen zu glätten. Im Gegenteil.

Die FIDE hatte schon in der Vergangenheit anderen Akteuren (Chess.com) das Verwenden der Bezeichnung „Weltmeisterschaft“ untersagt. Es ist nicht verständlich warum die Organisatoren der Freestyle Tour um Buettner und Carlsen diesen Konflikt herbeigeführt und geschürt haben. Die FIDE verteidigt Standards und verweist selbst auf vergangene Konflikte, die in der Schachwelt zu einer Spaltung geführt hatten. Gemeint ist der Versuch von Garry Kasparow und Nigel Short, die 1993 die Professional Chess Association (PCA) gründeten. 1996 gab die PCA auf. 1998 versuchte Kasparow eine andere Organisation zu etablieren und scheiterte erneut. Diese Episode ist für die FIDE ein Art Trauma und war der Beginn von rivalisierendem Weltmeisterschaften.

Interessanterweise versuchten zwei spätere Vizepräsidenten der FIDE, Short und Anand, gegen Kasparow zu gewinnen, scheiterten allerdings 1993 in London und 1995 in New York. Immerhin bemühte sich die PCA eigene Qualifikationen durchzuführen. Die PCA scheiterte letztlich aufgrund fehlender Unterstützung durch Sponsoren und deren Gründung wurde später von Kasparow selbst als Fehler bezeichnet.

FIDE Statement

In seinem Statement vom 21. Januar 2025 äußert sich der Weltschachbund unmissverständlich: Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura und der sich selbst organisierte lose Verbund von Schachprofis „Freestyle Chess Players Club“ („FCPC“) dürfen keinen Weltmeister ausspielen. Wer sich nicht daran hält, riskiert die Teilnahme an der regulären Weltmeisterschaft.


Im Wortlaut erklärt die FIDE Folgendes (hier in deutscher Übersetzung):

Der Internationale Schachverband (FIDE) ist der einzige international anerkannte Schachverband (insbesondere vom Internationalen Olympischen Komitee), der alle offiziellen internationalen Schachwettbewerbe regelt. Wir waren zwar immer offen für die Zusammenarbeit mit privaten Organisationen und Initiativen in der Schachgemeinschaft, aber die FIDE behält ihre oberste Rolle in Bezug auf die Regeln, Titel und Bewertungen. Der Status und die globale Verantwortung der FIDE gegenüber der Schachgemeinschaft sind eindeutig und nicht verhandelbar.


Die FIDE hat nichts gegen kommerzielle Plattformen, Projekte oder privat geführte Clubs wie den FCPC, die mit Spielern in eigener Verantwortung zusammenarbeiten. Die Versuche des FCPC, ihr Projekt als Weltmeisterschaft zu präsentieren, stehen jedoch im Widerspruch zum etablierten Status der FIDE und ihrer Autorität über die Weltmeistertitel in allen relevanten Schachvarianten – einschließlich Chess960/Freestyle-Schach, wie im FIDE-Handbuch dargelegt.
Darüber hinaus gefährdet die von der FCPC angenommene Verhaltensrichtlinie die Erfüllung der bestehenden vertraglichen Verpflichtungen der Spieler gegenüber der FIDE.


Die vom FCPC-Projekt unternommenen Schritte führen unweigerlich zu Spaltungen in der Schachwelt – und wir erinnern uns nur allzu gut an die unglücklichen Folgen einer ähnlichen Spaltung, die sich in nicht allzu ferner Vergangenheit ereignet hat.
Obwohl der formelle Status der Freestyle-Chess-Serie 2025 noch nicht festgelegt ist, möchte die FIDE sicherstellen, dass alle Spieler ihre Zeitpläne für 2025 planen können. Aus diesem Grund hat die FIDE aus Kulanzgründen und um den Spielern für die unmittelbare Zukunft ausreichend Sicherheit zu bieten, beschlossen, die Freestyle-Schachserie 2025 in den Kalender aufzunehmen und von der Berufung auf relevante Rechtsklauseln in zuvor unterzeichneten Verträgen über die Teilnahme von Spielern an Freestyle-Veranstaltungen im Jahr 2025 abzusehen.


Dennoch behält die FIDE alle ihre gesetzlichen Rechte in Bezug auf den Weltmeistertitel und wird bereit sein, Organisatoren und Initiatoren jeglicher Serien, die sich ohne Zustimmung der FIDE als „Weltmeisterschaft“ bezeichnen, zu verklagen.
Wir sind offen für Gespräche und freuen uns auf eine für beide Seiten akzeptable Einigung, vorausgesetzt, die Führungsrolle und die etablierte Autorität der FIDE über die Weltmeisterschaften werden von potenziellen Partnern respektiert.
Sollte eine solche Vereinbarung nicht zustande kommen, fordert die FIDE, dass die Freestyle-Serie nicht den Status einer „Weltmeisterschaft“ trägt. Die FIDE wird nicht zögern, alle rechtlichen Mittel gegen diejenigen einzusetzen, die ihre Rechte verletzen – seien es Initiatoren, Organisatoren und/oder Investoren des Projekts.


Da der Weltmeisterschaftszyklus 2025-2026 bereits begonnen hat, wird von allen qualifizierten Spielern erwartet, dass sie einen zusätzlichen Vertrag unterzeichnen, der eine Klausel enthält, die besagt, dass die Teilnahme an alternativen Schachweltmeisterschaften in einer von der FIDE nicht genehmigten Schachvariante (mit Ausnahme der Freestyle-Tour 2025) zum Ausschluss aus den beiden aufeinanderfolgenden FIDE-Weltmeisterschaftszyklen führt.


Als Teil der Verträge verpflichtet sich die FIDE, die Zyklusveranstaltungen auf höchstem Niveau mit deutlich höheren Preisgeldern durchzuführen – die Termine und Orte dieser Veranstaltungen werden im FIDE-Kalender veröffentlicht.

Die Original-Nachricht (englisch)

Mehr Texte zum Konflikt in New York

Von Thorsten Cmiel Der Konflikt zwischen dem Weltschachbund

Historisches Foto

Von Thorsten Cmiel

Die Idee der Lasker Aufgaben ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Schachaufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.


1. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.

Eine kleine Kombination zweier Motive entscheidet. Zunächst wird die Dame abgelenkt, indem Weiß mit dem Turm auf e5 nimmt. Schwarz nimmt den Turm weg und Weiß zieht seinen König nach a3 und die Drohung b3-b4 kann nicht mehr gut abgewehrt werden.


2. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.

Der Schlüsselzug ist der hübsche Zug mit der Dame nach g6. Danach kann Schwarz das Matt nicht mehr abwenden. Zunächst droht die Dame auf g7 den Gegner Matt zu setzen. Schlägt Schwarz die gegnerische Dame mit seinem f7-Bauern steigt der Turm auf der siebten Reihe groß ein und schlägt auf g7 mit Schachgebot. Danach zieht der Springer nach g6 und beendet die Partie.


3. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.

Weiß gewinnt Material, indem er er mit einem Turm den Läufer auf d4 wegnimmt, nach zweimaligem Nehmen hängt der Turm auf d8 und auch die Dame auf f5. Schlägt Schwarz die Dame auf c2, antwortet Weiß mit dem Schlagen des Turmes auf d8 mit Schachgebot. Danach folgt das Läuferschach auf d3 mit Rückeroberung der Dame.


4. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge

Beide Spieler hatten bis hierhin einige Chancen ausgelassen. Zuletzt hatte Anish Giri sehr stark aufgespielt und stand hier in der Tat auf Gewinn. Allerdings musste er den hier gefragten Schlüsselzug finden: Die richtige Idee bestand in dem Zug mit dem Springer nach g4. Das deckt den Läufer auf h6 und droht gleichzeitig Matt auf g2. Weiß hat danach keine ausreichende Antwort mehr.


Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.


Historisches Foto Von Thorsten Cmiel Die Idee der Lasker

Titelfoto: Lennart Ootes

Man weiß nicht warum Praggnanandhaa, kurz Pragg, manchmal wüste Varianten spielt wie in der ersten Runde in Wijk aan Zee gegen Nodirbek Abdusattorov und dann folgen plötzlich zwei herausragende Positionspartien gegen den Endspielspezialisten Pentala Harikrishna und in der dritten Runde gegen Arjun Erigaisi. Von einem Suchenden.

Von Thorsten Cmiel

Beginnen wir unsere Betrachtungen auf dem Brett mit dem entscheidenden Moment aus der zweiten Runde. Die beiden Inder hatten schon über fünf Stunden gespielt und hier war zunächst eine Entscheidung des älteren Inders gefragt.


Diese Stellung stammt aus der Partie Harikrishna – Praggnanandhaa aus der zweiten Runde bei Tata Steel Masters in Wijk aan Zee. Nach langem intensivem Kampf entscheidet im Schach etwa gleich starker Gegner meist der letzte Fehler über den Sieger. In dieser Stellung sollte Pentala Harikrishna die Türme auf c6 tauschen und trotz des einen Bauern weniger kann er die Stellung halten, vorausgesetzt, er findet die richtige Idee und die war nicht einfach zu entdecken. Das zeigt die Analyse. Das Endspiel ist auch danach noch sehr lehrreich und zeigt einige interessante Momente, die anzuschauen lohnen.


Runde 3: Praggnanandhaa gegen Erigaisi

Die beiden Inder sind gute Freunde und haben zusammen mit Pentala Harikrishna, Vidit und Gukesh mit der indischen Nationalmannschaft in Budapest Gold bei der Schacholympiade gewonnen. Auf dem Brett zählt das nicht und die Partien der Inder untereinander gehören meist zu den am härtesten umkämpften Partien überhaupt. So war es auch diesmal.


Pragg war von der Eröffnungswahl seines Gegners überrascht und spielte in dieser Standardstellung der Katalanischen Eröffnung einen selten gespielten Zug, den Boris Gelfand, einer der Mentoren der WACA, das ist die Westbridge Anand Chess Academy, die indische Kaderschmiede, 2009 bei seiner Partie im World Cup gegen Ruslan Ponomariov probierte. Praggnanandhaa zog hier seinen Springer nach e1. Der strebt von hier auf das schöne Feld d3. Es kann also sein, dass beide Spieler die Partie irgendwie kannten, aber dann wurde es doch anders. Pragg gelang es letztlich einen ordentlichen positionellen Vorteil zu erwirtschaften und Arjun nach einigen kleinen Ungenauigkeiten scheinbar leicht zu überspielen. Tatsächlich war es harte Arbeit.


In dieser Stellung musste Arjun eine Entscheidung treffen. Soll er den Läufer tauschen oder soll er diesen Tausch vermeiden? Tatsächlich überrascht die Entscheidung des etwas älteren Inders: Er zog hier seinen König nach f8, um die schwarzen Felder mit seinem König zu verteidigen. Besser war es stattdessen seinen Läufer mit dem Rückzug nach d8 zu erhalten und diesen zu nutzen, um die schwarzen Felder besser verteidigen zu können. Wir reden hier von kleinsten Nuancen wie sie die historisch stärksten Positionsspieler wie Boris Gelfand, Anatoly Karpov oder Magnus Carlsen in ihren Partien zu nutzen versuchten.


Hier konnte Pragg kurz darauf die Partie praktisch entscheiden. Er fand nicht den besten Zug, der die Partie nach einer weiteren Ungenauigkeit seines Gegners im Zug zuvor bereits frühzeitig hätte entscheiden können. Grundsätzlich ist es gut gegnerischen Schwächen früh zu fixieren. Um das zu erreichen wäre hier der Turmzug nach a6 sehr stark gewesen. Pragg verpasste diese frühe Chance und die Partie ging munter weiter. Dabei zeigte der Junge aus Chennai großen Kampfgeist, konnte aber seinen Vorteil nur auf symbolischem Niveau halten.


Pragg hatte das frühe Fixieren des gegnerischen a-Bauern verpasst und es war an Arjun in dieser Stellung mit Schwarz den wünschenswerten Vorstoß mit seinem a-Bauern zu vollziehen, der die Schwäche des gegnerischen c-Bauern offen gelegt hätte. Es ist nicht selten, dass Spieler Möglichkeiten auslassen, die sich ihnen mehrfach bieten. Das liegt dann oft an einer grundsätzlich leicht fehlerhaften Einschätzung. Die gleiche Ursache kann man in der Partie aus der zweiten Runde gegen Harikrishna entdecken. So passierte es hier erneut, Arjun verpasste eine Chance sich besser zu wehren und Pragg gewann letztlich eine insgesamt hervorragende Positionspartie.


Quo vadis Pragg?

Praggnanandhaa startet in Wijk meist sehr gut, um dann in der zweiten Hälfte des Turniers etwas abzubauen. Das mag an seiner Konstitution liegen, aber wie er selbst im folgenden Interview nach der Partie gegen Arjun erwähnt, hat er sich auch körperlich weiter entwickelt. Seine Fähigkeiten in Interviews nach der Partie sind ebenfalls im letzten Jahr besser geworden. An der Stelle war ihm der ein Jahr jüngere Gukesh voraus. Jetzt muss Praggnanandhaa nur noch seine eigenen Spielstil finden, oder besser eine bessere Balance der Spielweisen. Denn ein kompletter Spieler wird nicht nur als Positionsspieler durchkommen. Im letzten Jahr sah es zu Jahresbeginn so aus als würde Pragg den Weg eines reinen Positionsspielers einschlagen. Dann kam das Kandidatenturnier und der Junge aus Chennai spielte lange eher unwirkliche Maschinenvarianten, die ihm gelegentlich zum Verhängnis wurden, teilweise wegen seiner Unerfahrenheit verhedderte er sich. Erinnert sei an seine frühe Niederlage gegen Gukesh aus der zweiten Runde. Gegen Vidit funktionierte sein etwas unsolides Spiel dann hervorragend, aber mit seiner Gewinnstellung gegen Nepomniachtchi kam Pragg dann überhaupt nicht klar, verpasste eine Chance und beendete das Kandidatenturnier in Toronto mit fünfzig Prozent das war aus Sicht seiner Fans sicherlich etwas enttäuschend. Bei der Schacholympiade in Budapest spielte Pragg am zweiten Brett ebenfalls leicht unter den Erwartungen im überragenden Team der Inder. Jetzt ist Pragg zurück in Wijk und kann eine neue Richtung einschlagen.

Nach drei Runden führt Praggnanandhaa zusammen mit Nodirbek Abdusattorov das Feld mit 2,5 Punkten an.


Titelfoto: Lennart Ootes Man weiß nicht warum Praggnanandhaa,

Historisches Foto

Von Thorsten Cmiel

Die Idee der Lasker Aufgaben ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Schachaufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.


1. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.

Schwarz bedroht den Gegner massiv auf der c-Linie. Was kann Weiß noch tun? Gefunden habe ich diese Aufgabe bei Susan Polgar auf ihrem Twitter Account.


2. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.

Ein Klassiker. Gespielt 1961 im Finale eine Sowjetmeisterschaft in Moskau. Nicht allzu schwierig, aber wir müssen uns herantasten an dickere Bretter.


3. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.

Zuletzt hatte die Rumänin Irina Bulmaga (32) gegen den jungen türkischen Großmeister (17) ihre Dame nach f5 gezogen. Was ist davon zu halten?


4. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge

Diese Stellung ist frisch, aber schachhistorisch durchaus relevant. Der amtierende Weltmeister hatte trotz oder wegen einer kurzfristigen Anreise eine dramatische Partie in der ersten Runde in Wijk 2025 gegen Anish Giri zugelassen und stand hier mehr als stark gefährdet. Was sollte Weiß hier spielen? 40 Sekunden hatte der Niederländer und scheiterte. Das könnt ihr besser.

Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.


Historisches Foto Von Thorsten Cmiel Die Idee der Lasker