Nach vier Runden scheint plötzlich Anna Muzychuk die besten Qualifikationschancen zu haben. Die beiden Chinesinnen sind mit 50 Prozent dabei und zurzeit lediglich in Lauerstellung. Sollte Anna das Turnier alleine gewinnen (130 GPP), zöge die Ukrainerin an Gorychkina vorbei. Die Chinesin Zhu Jiner hingegen benötigt nur ein Plus-Resultat, um sich für das Kandidatinnenturnier zu qualifizieren. Ein geteilter Dritter bis vierter Platz reicht (77.5 GPP), um die Russin zu übertrumpfen.
Runde 5: Zhu Jiner schließt auf und Anna verpasst Chance
Runde 6: Zhu Jiner gewinnt vier Partien hintereinander und ist wieder dran
Stand Runde 6 wären Anna Muzychuk und Zhu Jiner qualifiziert. Aber die Ukrainerin sollte sich nicht zu sicher fühlen, denn die Chinesin hatte zuletzt vier Partien gewonnen und zumindest nominell gegen die stärksten Gegnerinnen bereits gespielt.
Manchmal hat man überraschende Chancen in der Eröffnung. Es ist schade, wenn man diese Chancen verpasst, weil man den wünschenswerten Zug wegen fehlender Präzision nicht spielt. Ein Schadensbericht.
Von Thorsten Cmiel
Im aktuellen Schachcamp von Killer Chess Training (KCT) in Roquetas de Mar, in Spanien, stellte uns Renier Castellanos eine Stellung vor, die in der Eröffnungsphase eine vor allem positionelle Lösung hatte. (Wird hier nicht weiter aufgelöst.)
Weiß ist dran und steht vor seinem zehnten Move. Was will der Weiße hier spielen und was eher nicht, was Renier natürlich spielte? Dafür muss man allerdings einige Berechnungen anstellen. Viel Erfolg. Wer im Camp ist, der hat bei der Lösung Vorteile.
KCT-Selfie: Renier Castellano
Zwei Renier-Friendly Homeworks
Renier ist bei KCT unter anderem für das Bearbeiten der Hausaufgaben zuständig. Die sollen in KCT-Sprech Friendly oder schwere Killer-Aufgaben sein. So ganz habe ich es noch nicht verstanden…gestern versprach ich Renier jedenfalls zwei Aufgaben. An beiden Lösungen bin ich in einer praktischen Partie gescheitert. Wer will kann diese ebenfalls zu lösen versuchen.
Hier steht Schwarz vor seinem 9. Move. Ich scheiterte wie so oft an meinen Rechenkünsten zum Schluss einer längeren Variante. Statt den eindeutig richtigen Zug zu spielen… Wie sollte es hier am besten weitergehen? Wer die Lösung hat, der kann sich die Partiefolge und eine kurze Kommentierung ansehen. Spoiler für Feinschmecker: Vincent Keymer hat ein ähnliches Konzept gegen Magnus Carlsen beim letzten World Cup ebenfalls ausgelassen und schied später aus.
Lösung (Hier Klicken)
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Schwarz steht vor seinem siebten Move. Was ist wünschenswert und wie ging die Partie natürlich nicht weiter. In gewisser Weise war mein nächster Zug Arbeitsverweigerung. Etwas Rechnen kann beim Schachspielen nie schaden. Hier muss man einfach den positionell wünschenswerten Zug in Gang bringen.
Lösung (Hier Klicken)
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HINWEIS
Wer diesen Text und die Anmerkungen in einer anderen als der deutschen Sprache liest (Google sei gedankt), beachte bitte: Manche Übersetzungen sind unfreiwillig komisch. So wird aus Ding Liren im Englischen „thing“ Liren oder aus dem Schachzug wird gelegentlich nicht der „move“, sondern der „train“. Für automatische Übersetzungsfehler wird also keinesfalls gehaftet.
In der ersten Runde gab es drei entschiedene Partien. Recht deutlich gewann die Inderin Vaishali ihre Partie. In der Partie von Olga Badelka gegen Alexandra Kosteniuk irrten beide Spielerinnen ein wenig durch die Eröffnung. Wohingegen das Duell der beiden favorisierten Chinesinnen schon eine Art Vorentscheidung sein könnte.
Zum Grand-Prix: Tan muss das Turnier gewinnen, um sich zumindest vor Humpy Koneru zu schieben und ihre Landsfrau muss auf dem (geteilten) zweiten Platz einlaufen, um die Qualifikation zu sichern. Fast sicher qualifiziert ist die Russin Goryachkina. Eine Rolle könnte noch Anna Muzychuk spielen.
Runde 2
Erneut gab es drei entschiedene Partien: Tan Zhongyi gewinnt auch ihre zweite Partie und liegt punktgleich mit der Inderin Vaishali vorne. Zhu Jiner, die in den letzten zwei Grand-Prix-Turnieren dominierte, musste erneut hinter sich greifen. Die Niederlage gegen die Ukrainerin Anna Muzychuk kann im Gesamtklassement wichtig werden.
Runde 3
Die größte Überraschung war vielleicht die Niederlage von Tan Zhongyi. Ihre Landsfrau konnte ihren Start wieder etwas korrigieren. Die Zahl der entschiedenen Partien lag erneut hoch und von den bisher gespielten 15 Partien wurden insgesamt zehn entschieden.
Die Idee der Lasker Puzzles ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Aufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.
1. Aufgabe: Weiß ist am Zuge?
Die Lösung beruht in zwei Varianten auf Unterverwandlungsmotiven.
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2. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.
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3. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.
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4. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.
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Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.
Die Idee der Lasker Puzzles ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Aufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.
1. Aufgabe: Weiß ist am Zuge?
Diese Stellung stammt aus einem Social-Media-Beitrag von Jan Timman. Wie geht es weiter?
2. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.
Haben Sie eine Empfehlung für den Anziehenden?
3. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.
Weiß sollte gewinnen. Aber wie?
4. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.
El Classico. In dieser Blitzpartie verpasst ein Weltklassegroßmeister zweimal ein bekanntes Motiv. Er gewinnt stattdessen weniger elegant. Was sollte er mit Weiß hier am besten spielen?
Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.
Rundenturniere nehmen oft ganz spezielle Wendungen für einzelne Spielerinnen und Spieler. So war es auch bei Grand-Prix-Turnier in Indien. Wir gehen einigen solchen Phasen nach. Und schauen besonders wie die drei führenden Spielerinnen untereinander spielten.
Von Thorsten Cmiel
Sportgeschichten werden von Siegern geschrieben. Das gilt natürlich auch für dieses Turnier, das letztlich von der Inderin Koneru Humpy und der Chinesin Zhu Jiner dominiert wurde. Es ging um drei Trophäen und um 18.000, 13.000 und 10.500 Euro für die ersten drei Plätze. Die ersten zehn Spielerinnen bekommen nach dem Ende des Grand-Prix in einem Monat noch einen Nachschlag bei einem Gesamtvolumen von 120.000 Euro. Entscheidend ist die Platzierung im Gesamt-Grand-Prix.
Grand-Prix-Wertung
Zwei Spielerinnen qualifizieren sich für das Turnier der Kandidatinnen. Es zählen drei Ergebnisse. Die besten Chancen auf den Gesamtsieg scheint Zhu Jiner zu haben, die zwei Turniere als geteilte Siegerin beendete, dabei war sie eigentlich gar nicht vorgesehen als Teilnehmerin. Außenseiterchancen haben noch Tan Zhongyi nach ihrem verlorenen WM-Kampf und Anna Muzychuk. Diese beiden müssten das Turnier allerdings alleine gewinnen, um noch an Goryachkina vorbeiziehen zu können.
Mongolische Leiden
Eine der ersten positiven Geschichten schien die Mongolin Batkhuyag Munguntuul zu schreiben, um dann später hart zu landen. Wer einmal als angeschlagen gilt in einem Rundenturnier, muss sich verstärkten Attacken aller anderen Teilnehmer erwehren. In Turnieren nach Schweizer System spielt man ständig gegen andere Akteure mit etwa gleichem Formprofil. Das ist ein völlig anderes Anforderungsprofil. Für die Mongolin begann das Turnier mit zwei Endspielen, die wir schon genauer betrachtet haben.
Es folgte ein weiterer überzeugender Schwarzsieg für die Mongolin. Die Polin Alina Kashlinskaya hatte den ersten Grand-Prix als Ersatzspielerin gewonnen und war diesmal für mich so etwas wie eine Geheimfavoritin.
Batkhuyag nach drei Partien aussichtsreich
Nach drei Runden hatte die Mongolin, die beim Grand-Prix in Monaco noch geteilte Siegerin war, zwei Punkte geholt und es sah nicht eigentlich schlecht aus bei ihr. Zumal der Sieg gegen Alina letztlich verdient war.
Nah dran ist nicht genug
Die Bulgarin Nurgyul Salimova war 2024 die jüngste Teilnehmerin beim Kandidatinnenturnier in Toronto. Inzwischen ist sie etabliert auf dem Niveau der Weltspitze, aber noch fehlt ihr der letzte Schliff. In Pune war Nurgyul erneut mehrfach dran, aber scheiterte zu häufig in der Verwertungsphase, noch.
Michal Walusza (FIDE CHESS). Candidates Toronto 2024.
Der entscheidende Moment in der vierten Runde steht hier kurz bevor. Beide Spielerinnen haben wenig Restbedenkzeit. Hier entscheidet sich die Bulgarin mit ihrem kurzen Turmzug nach c7 auf e4 eine Qualität zu opfern. Annehmen oder etwas anderes spielen. Das ist hier die Frage.
Lösung und wie es weiterging (Hier Klicken)
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Durch diesen Sieg gewann Nurgyul ohne Zweifel Selbstbewusstsein. Es folgten zwei knappe Partien, die ich in einem gesonderten Beitrag vorstelle unter der Überschrift Big-Swing-Partien.
Divya hatte in 2024 ein überragendes Jahr. Zusammen mit dem indischen Team gewann sie die Goldmedaille. Zu Beginn 2025 gab es in Wijk aan Zee und Prag zwei schwierige Challenger-Turniere und in der Grand-Prix-Serie lief es ebenfalls nicht optimal. Bei aller Erfahrungen in vielen Open-Turnieren stehen jetzt in Rundenturnieren neue Herausforderungen an. Divya gewann ausgerechnet gegen ihre Mannschaftskollegin aus Budapest und ihre frühere Trainingskollegin Vaishali aus Chennaier Tagen. Die hatte einen schwarzen Tag.
Die beiden Spielerinnen hatten bis hierhin ihre Eröffnungszüge herausgeblitzt, aber wer annahm, dass die beiden Inderinnen einer abgesprochenen Remisvariante folgen, der wurde in dieser Stellung überrascht. Das gibt es bei den Inderinnen grundsätzlich nicht. Es wird gespielt. Wie sollte Schwarz hier am besten fortsetzen?
Partiefolge zum Nachspielen (Hier Klicken)
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Fotos: John Brezina (2024)
Die kritische Stellung war bei Divya früh auf dem Brett. Sie musste ihre Führung verteidigen gegen Humpy Koneru. Hier steht sie vor der Frage, ob sie ihren Springer nach c2 ziehen sollte oder nicht. Was ist hier richtig?
Lösung (Hier Klicken)
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In der achten Runde kam es dann zum Verfolgerduell mit der Chinesin Zhu Jiner. Falls Divya aus den verbliebenen zwei Runden anderthalb Punkte holen würde, bliebe ihr eine GM-Norm. Es lief anders. Zhu Jiner spielte ein sehr starkes und konsequentes Endspiel, das ihren Siegeswillen zeigte.
Die Chinesin hatte bis hierhin schon einen Bauern eingesammelt. Hier entschied sich Zhu nach etwa zwei Minuten für das Figurenopfer inklusive Damentausch und schlug den Bauern auf e5 mit dem Springer. Es gab auch andere gute Züge hier: Weiß konnte b3-b4 spielen und nach Schlagen auf c4 wäre es die Chinesin gewesen, die eine Figur opfern musste, um anschließend auf f3 eine Qualität zu geben. Die Lösung von Zhu war jedoch eindeutig die praktisch bessere Lösung, da der Läufer a6 weiterhin außer Spiel war. Die weitere Spielweise der Chinesin überzeugte durch konsequentes Handeln und Präzision.
Fotos: Ajit_Gaikwad (FIDE Chess)
Ersatzspielerin Zhu Jiner
Die Chinesin ersetzte erst beim letzten Grand-Prix auf Zypern ihre Landsfrau Lei Tingje und teilte sich den Sieg mit Anna Muzychuk. In Pune zeigte die Chinesin erneut engagiertes Schach, hatte aber nicht nur gegen Alina Glück. In ihrer Partie in der sechsten Runde gab es ebenfalls einen Moment des Zweifels.
Wie sollte Weiß hier am besten fortsetzen? Es gibt zwei Kandidaten, die vermutlich Material einsammeln. Welcher ist besser?
Lösung. (Hier Klicken)
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Die direkte Begegnung
In der siebten Runde spielte Zhu Jiner mit einem halben Punkt Vorsprung gegen Humpy. Die Inderin hatte erneut einen starken Tag, musste aber nach ungenauem Spiel die Partie erneut gewinnen. Dabei half die Chinesin mit einem groben Fehler.
In dieser Stellung steht Weiß, Alina gegen Humpy, klar besser. Die Frage ist wie es weitergeht. Die Antwort war recht logisch und was sie genau zur falschen Entscheidung bewogen hat, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Das erklärt Alina Kashlinskaya später im Interview.
Koneru und Zhu gehen gemeinsam durchs Ziel
Die beiden Führenden gewannen beide in der finalen Runde ein Endspiel mit Turm-Springer gegen Turm Springer.
Jeder Spieler gerät gelegentlich in Schwierigkeiten. Dann zeigt sich eine Eigenschaft, die unterschätzt und nicht gut trainiert werden kann: Widerstandsfähigkeit zeigen. Anhand von Big-Swing-Partien kann man oft bei starken Spielern noch nachvollziehen wie sie eine schlecht stehende Partie noch zum Kippen gebracht haben.
Von Thorsten Cmiel
Meine Definition
Big-Swing-Partien sind Schachpartien, die für eine Seite bereits objektiv gewonnen waren, aber am Ende noch kippen oder zumindest im Verlauf gekippt sind, also in der Bewertung einen Big-Swing beinhalten (Gewinnstellung wird Ausgleich und geht im idealen Fall sogar noch verloren). Das passiert in der Praxis natürlich gelegentlich durch einen groben Fehler. Aber analytisch interessanter sind Partien in denen starke Spieler durch harte Gegenwehr solche Swings „erzwingen“. Grobe Fehler sind dabei gar nicht notwendig. Ein Vorteil kann sich auch nach mehreren Ungenauigkeiten verflüchtigen.
Kunst der Verteidigung
Natürlich muss der Gegner irgendwie mithelfen, damit eine eigentlich verlorene Partie noch remisiert oder sogar noch gewonnen werden kann. Aber wer glaubt das sei Glück, der unterschätzt den psychologischen Effekt, den Hartnäckigkeit bei der Verteidigung auslösen kann. Während starke Spieler darauf setzen sich im Verlauf zu wehren, versuchen manche Spieler einen „letzten“ Trick. Falls der nicht gut genug verpackt ist, ist das eher eine Strategie, die zur unweigerlichen Niederlage führt.
Beginnen wir mit einem Beispiel von der Schacholympiade 2022 in Chennai. 2022 hatte ich mich beim Covern auf die zweite indische Mannschaft spezialisiert und lag nicht ganz falsch mit meiner Wahl. In der indischen Presse gab es zu der folgenden Partie sogar eine eigene Nachricht. Der Volksheld Praggnanandhaa, Pragg, hatte die längste Zeit der Partie auf Verlust gestanden. Irgendwann zahlte sich sein Widerstand aus und er konnte die Stellung wieder ausgleichen. Am Ende verlor sein Gegner, der schweizerische Großmeister Yannik Pelletier, sogar auf Zeit. Pragg gelingt durch Geschick den Gegner immer wieder vor neue Aufgaben zu stellen. Beide Spieler begehen Fehler. Letztlich wird dem schweizerischen Großmeister zum Verhängnis, dass er oft viele gute Optionen hatte und die Auswahl ihn viel Zeit kostete. Es kommt unweigerlich eine Erschöpfungsphase, die beide Spieler erfasst zu haben scheint.
Lennart Ootes (FIDE CHESS)David Lada (FIDE Chess)
Die Fotos stammen von der Schacholympiade. Yannick vor der Partie und Pragg zwei Tage später.
Die Entscheidungspartie
Eine andere Partie von der Schacholympiade ist mir ebenfalls gut in Erinnerung geblieben, die sogar großen Einfluss auf die Schachgeschichte genommen hat. Nodirbek Abdusattorov verteidigt sich stoisch und auch in dieser Partie gibt der Weiße seinem Gegner Hoffnung, weil der gegnerische König lange etwas luftig steht.
Es gab manche bemerkenswerte Comebacks im Turnier. Einige wollen wir uns hier kurz anschauen. Oft sind Fehler das Ergebnis hartnäckiger Verteidigung vorher und haben natürlich genauso etwas mit der Unsicherheit der Spielerinnen während der Partie zu tun. Betrachten wir zwei Partien der Bulgarin Salimova, die zwei große Vorteile letztlich nicht verwerten konnte.
Foto: Chaitanya (FIDE CHESS)
Die folgende Partie ist sogar der ultimative Bewertungsswing. Beide Spielerinnen hatten Chancen einen vollen Punkt zu kassieren. Es sollte allerdings nicht sein. Solche Partien machen Zuschauern sicher mehr Spaß als Siege, die nach kleinen Ungenauigkeiten stetig aufsteigende Bewertungen zeigen und letztlich fehlerlos über die Bühne gehen. Vielleicht ist das auch der Grund weshalb Mikhail Tal so beliebt und Anatoly Karpov so unterschätzt wird. Karpovs Spielstil ist aus Sicht des Spielers sicherlich weniger emotional aufwühlend. Im Englischen spricht man von Spielstil oder einzelnen Zügen, die „karpovian“ sind.
Die unkommentierten Partien im indischen Grand Prix der Frauen zum Nachspielen und herunterladen.
In der zweiten Hälfte ging es spannend weiter. Zhu Jiner sah lange Zeit wie die souveräne Führende aus. In der fünften Runde hatte sie nur mit Glück gegen Nurguyul Salimova einen halben Punkt erreicht und konnte so ihre Führung beibehalten. Bis sie in der siebten Runde gegen Koneru Humpy verlor, die gegen ihre beiden direkten Konkurrentinnen in diesem Turnier, Divya und Zhu, zwei volle Punkte erzielen konnte. In der achten Runde sah es nach einem erneuten Führungswechsel aus als Zhu Jiner die jüngste Inderin im Feld besiegte und Koneru Humpy lange Zeit auf Verlust stand. Die Partie ging allerdings Remis aus und in der Schlussrunde gewannen beide Führende ihre Partien souverän.
Runde 6
Die führende Chinesin Zhu Jiner gewann genau wie die Inderin Koneru Humpy, die erneut eine starke Partie ablieferte. Divya remisierte gegen ihre Landsfrau Harika Dronavalli und konnte das Tempo vorne nicht mehr mitgehen. Dramatisch verlief erneut die Partie der Bulgarin Nurgyul Salimova, die letztlich erneut nicht erfolgreich war, aber zwischendrin einen großen Vorteil bereits verspielt hatte.
Runde 7
Führungswechsel. In dieser Phase ging es vorne nur noch um die Frage, ob Zhu Jiner das Turnier ungeteilt gewinnen würde und damit ihre Chancen für die Qualifikation zum Turnier der Kandidatinnen verbessern könnte. Die direkte Begegnung zwischen den zwei Führenden im Turnier konnte insofern eine kleine Vorentscheidung bringen. Die Partie nahm einen dramatischen Verlauf und die Inderin übernahm die Führung. Divya konnte zur Chinesin durch einen schicken Sieg aufschließen und verblieb mit einer Chance auf eine Großmeisternorm.
Runde 8
Zhu Jiner schlägt in dieser Runde Divya und lässt keinen Zweifel daran, dass sie sich zurück kämpfen will an die Spitze. Ein Drama ereignete sich in der Partie von Alina Kashlinskaya und Koneru Humpy. Die Inderin stand klar auf Verlust, aber ihre Gegnerin wickelte mit Turmtausch in ein ausgeglichenes Endspiel ab.
Runde 9
Während bei manchen Spielerinnen die Luft bereits erkennbar raus war, kämpften Koneru Humpy und Zhu Jiner um den Turniersieg. Und beide lieferten. Bemerkenswerterweise hatten beide Spielerinnen nach der Zeitkontrolle ein Turm-Springer-Endspiel auf dem Brett mit ähnlicher Bewertung, die eine Gewinnstellung andeutete. Zuerst gewann die Chinesin.
Der Wettkampf von Ding Liren und Gukesh Ende 2024 in Singapur und der aktuellen WM-Kampf um die Frauen-Weltmeisterschaft zwischen den Chinesinnen Ju Wenjun und Tan Zhongyi sind objektiv auf ähnlich hohem Niveau gewesen. Es gab aber auch Unterschiede.
Von Thorsten Cmiel
Leider haben moderne Engines im Schach nicht nur die Objektivität der Analysen gestärkt, sondern auch die Bereitschaft Spielerinnen und Spieler verstärkt zu kritisieren. Dabei meine ich nicht in erster Linie Journalisten und Trainer, sondern Zuschauer in den sozialen Medien, die mit den stärksten Bewertungstools aller Zeiten bewaffnet sind und das Geschehen weder historisch noch praktisch einschätzen können. Wenn eine Frauenweltmeisterschaft gespielt wird, dann kommt ein anderer, ärgerlicher Faktor hinzu mit dem sich die Schachwelt schon länger auseinander setzen muss: Frauen wird oft nicht der erforderliche und verdiente Respekt gezollt. Dennoch muss man sie kritisieren dürfen, dann aber mit Fakten und Argumenten. Es folgt ein Versuch einer ausgewogenen Analyse der Frauen-Weltmeisterschaft.
„Selten verlief eine Frauen-Weltmeisterschaft so einseitig wie diese, obwohl hier mit Ju Wenjun und Tan Zhonqui die Zweite und die Dritte (…der Weltrangliste bei der…) Frauenweltmeisterschaft aufeinandertreffen.“
Gerald Hertneck ist Großmeister und Leistungssportreferent des Deutschen Schachbundes, zitiert Schulz und geht zumindest in der Überschrift einen gefühlten Schritt weiter, indem er provokant fragt: „Weltmeisterschaft oder Farce?“ Leider geht Gerald der Frage nicht weiter auf den Grund. So bleibt die gestellte Frage offen und lediglich ein Eindruck, der falsch interpretiert werden könnte. Die Überschrift sollte vermutlich vor allem Aufmerksamkeit erzielen. Bevor ich der aus meiner Sicht legitimen Frage der Qualität nachgehe, seien zur besseren Einordnung einige historische Wettkampfergebnisse erwähnt.
Historisch deutliche Siege
In der Schachgeschichte gab es in einigen Wettkämpfen deutliche Resultate auf dem Weg zum Weltmeistertitel und bei den Wettkämpfen selbst. Erinnert sei zunächst an die spektakulären Siege von Robert James, genannt Bobby Fischer (1943 – 2008). Fischer deklassierte Taimanov und Larsen mit Sechs zu Null und gewann gegen Tigran Petrosjan im Finale der Kandidatenkämpfe mit 6.5 zu 2.5. Genau wie jetzt Ju Wenjun. Den Weltmeisterschaftskampf 1972 in Reykjavik gewann Fischer trotz einer kampflosen Niederlage mit 12.5 zu 8.5 deutlich nach allerdings 21 Partien. In der jüngeren Historie kann noch der letzte Weltmeisterschaftskampf von Magnus Carlsen erwähnt werden, der 2021 in Dubai gegen Ian Nepomniachtchi mit 7.5 zu 3.5 ebenfalls vorzeitig seinen Weltmeisterschaftskampf gewann. Als entscheidend für den Erfolg wurde nach ausgeglichenem Start die sechste Partie angesehen, die 136 Züge dauerte und durch die Carlsen erstmals in Führung ging. Sein Gegner war geknackt.
Singapur 2024: Gukesh – Liren
Eric Rosen (FIDE CHESS)
Einer, der sich beruflich mit Datenanalysen und deren Interpretation beschäftigt ist Mehmet Ismail, Wirtschaftswissenschaftler und Spieltheoretiker für Norway Chess im Einsatz. Ismail untersucht regelmäßig Top-Events im Schach und verfeinert seine Analysemethoden. So hatte Ismail den Weltmeisterschaftskampf 2024 in Singapur, den letztlich der Inder Gukesh gewann, einer historischen Analyse unterzogen. Ismail bescheinigte dem Geschehen eine historisch betrachtet hervorragende Qualität. Es mag sein, dass das Wissen um Eröffnungsvarianten und Endspiele beispielsweise Einfluss auf diesen generellen Trend im Schach genommen hat. Aber auch bei Top-Spielern kommen Fehler weiterhin vor. Wer mehr wissen will, der sei auf den Artikel hingewiesen.
Ju Wenjun gewinnt mit diesem Wettkampf zum fünften Mal die Weltmeisterschaft der Frauen im Schach. Trotz einer frühen Niederlage hatte sie es nach eigener Aussage geschafft sich in ihre Komfortzone zu spielen. Zu den wichtigsten Stärken von Ju Wenjun gehört ihr positionelles Verständnis und ihr Endspielverständnis. Von beiden Eigenschaften profitierte die Chinesin während des Wettkampfes.
„Vielleicht hängt mein Spielstil in gewisser Weise mit meiner Erziehung zusammen – ich bin eher solide und vergleichsweise nicht so aggressiv“.
Ju Wenjun nach dem Wettkampf.
Was bei Tan Zhongyi schief lief
Die chinesische Herausforderin hatte ihre Chancen zu Beginn des Wettkampfes. Mit fortschreitendem Verlauf wurde deutlich, dass sie auf ein eingeschränktes Repertoire setzte mit Weiß und mit Schwarz. Das muss kein grundsätzliches Problem sein, aber stellte das gegnerische Team nicht vor allzu große Herausforderungen. Gerade in Situationen, die einen Strategiewechsel in einem Zweikampf erfordern, könnte es hilfreich sein, wenn man die Gegnerin vor neue Aufgaben stellen kann. Nach dem Auftaktsieg in der zweiten Partie hatte Tan eine solche Chance den Charakter des Wettkampfes zu bestimmen. Auf den Überraschungsfaktor in der Eröffnung verzichtete Tan während des gesamten Wettkampfes. Erst in der achten Partie wechselte Tan ihren Aufschlagszug (1.c4) erstmals und zu spät, um die Vorbereitung des gegnerischen Teams noch zu testen.
Was man bei Wettkämpfen von Spielerinnen, die bereits häufig gegeneinander angetreten sind, genauer betrachten sollte, sind vorherige Begegnungen, um die Dynamik besser zu verstehen. Tan und Ju Wenjun hatten bereits 2018 einen Weltmeisterschaftskampf gegeneinander gespielt. Diesen Wettkampf hatte Ju Wenjun damals als Herausforderin gewonnen. In dem Wettkampf hatte Ju Wenjun früh mit zwei Siegen die Führung übernommen, Tan kam heran, verlor erneut, kam heran und versuchte zum Schluss des Wettkampfes in vier Partien erneut auszugleichen. In der letzten Partie hatte Ju Wenjun großen Vorteil nachdem ihre Gegnerin die Hippopotamus-Eröffnung, in deutschen Schachkreisen auch als Feustel-Eröffnung bekannt, spielte, begnügte sich aber mit einem Remis.
Wie der Kampf 2025 kippte
Beginnen wir mit einer eher qualitativen Betrachtung des Geschehens und was aus Sicht eines menschlichen Beobachters zum Wettkampf festzuhalten ist: Bekannt war bereits vor dem Wettkampf, dass Tan Zhongyi tendenziell dazu neigt weniger solide zu spielen als ihre Gegnerin. Dazu gehören gelegentlich in ihren Partien positionell anrüchig wirkende Entscheidungen und positionelle Ungenauigkeiten in ihrem Spiel. Ähnlich wie Gukesh neigt Tan zu einem eher konkreten Spielstil.
Der Zweikampf kippte zwischen der dritten und fünften Partie, die letztlich die Wende im Wettkampf brachten. Betrachten wir diese Entwicklung chronologisch. Die dritte Partie verlor Tan erst spät im Endspiel nachdem es lange Zeit nach einem Remis ausgesehen hatte.
Tan hatte zuvor bereits etwas ungenau agiert, indem sie ihren Läufer statt nach d7 nach d5 stellte. Dabei ging es vor allem um die Möglichkeit dem Eindringen des gegnerischen Königs mit dem Turmtausch via a4 zu begegnen. In der betrachteten Situation war es für diese Idee bereits zu spät. Tan erkannte das nicht und zog im 60. Zug ihren Läufer nach c6. Stattdessen konnte sie mit ihrem Turm nach e2 ziehen und das Gleichgewicht halten. Das war allerdings nicht einfach zu erkennen und mehr eine Art Folgefehler, der letztlich zum Verlust führte.
Eine bekannte Schwäche von Tan ist, dass sie gelegentlich zu schnell oder impulsiv zieht. Auch beim Kandidatenturnier in Toronto, das Tan letztlich klar gewann, gab es solche Situationen. In der hier betrachten vierten Partie hatte Ju Wenjun im 19. Zug eine zweifelhafte Entscheidung getroffen und Tan stand vor ihrem 24. Zug mit Weiß.
Tan Zhongyi zog trotz einer Restbedenkzeit von mehr als einer Stunde flott ihren Läufer nach d6. Mit der Kontrolle des Feldes b8 kam allerdings das sofortige Schlagen mit der Dame auf b6 stark in Betracht und die Instanz im Schach, also der Maschinenraum, sieht großen Vorteil für Weiß. Ein erneuter Sieg für Tan hätte dem Wettkampf mit großer Wahrscheinlichkeit eine völlig andere Dynamik verpasst. Die Partie endete schließlich mit Remis.
(Wer sich für ausführlichere Betrachtungen der dritten und vierten Partie interessiert, der klicke bitte hier.)
Die Entscheidung brachte nach meiner Einschätzung letztlich die fünfte Partie im Wettkampf. Tan war bei ihrem e6-Sizilianer geblieben und spielte diesmal einen Paulsen-Aufbau. Psychologisch geschickt hatte Ju Wenjun eine Spielweise gewählt die ihrer Gegnerin hier eine scheinbare Konzession abverlangte.
Tan steht mit Schwarz vor ihrem 11. Zug. Der eigene Läufer ist durch den weit vorgerückten c-Bauern der Gegnerin auf a7 eingesperrt. Schwarz sollte den gegnerischen Bauern sofort befragen und das funktioniert am besten mit b7-b6. Aber: So hatte Tan bereits einen Zug zuvor nicht gespielt, insofern überraschte ihre Entscheidung gegen diese Befreiungsidee nur teilweise. Stattdessen zog die Chinesin ihren b-Bauern zwei Felder vor, um sich ein Feld für den Springer zu sichern. Das Problem des Läufers auf a7 verschärfte sich dadurch jedoch und auf c4 stand der Springer wackelig, weil Weiß dessen Deckung mit seinem a-Bauernzug nach a4 untergraben konnte.
Ju Wenjun hatte im weiteren Verlauf der Partie ihre Chancen nicht optimal genutzt. Hier stand erneut Tan vor ihrem 17. Zug. Angesichts der Fesslung des c-Bauern auf der Diagonalen a7-g1 bot sich der kurze Bauernzug mit dem d-Bauern an. Tan zog stattdessen ihren f-Bauern nach f5 und schwächte ihre eigene Stellung entscheidend.
(Wer sich für eine ausführlichere Analyse der fünften Partie interessiert klicke bitte hier).
Es gibt noch mehr Gründe zu suchen oder zu erforschen über die allerdings nur die Teams oder die Spielerinnen Auskunft geben können, warum was im Wettkampf nicht wie gewünscht gelaufen ist. Wir wollen diesen Teil mit dem Gesagten bewenden lassen und folgen einer Datenanalyse, um eine objektivierte Meinung über den Wettkampf und dessen Qualität zu erhalten.
Quantitative Betrachtungen
Beim Schach geht es Mehmet Ismail zufolge nicht nur um Präzision, sondern auch darum, kalkulierte Risiken einzugehen. Hierfür hat der Datenexperte den Game Intelligence (GI)-Score entwickelt, der einen Kompromiss zwischen dem Spielen der Hauptvariante und dem Abweichen davon zum Eingehen von gezielten Risiken erfasst.
Betrachten wir die Ergebnisse von Ismail um Weltmeisterschaftswettkampf 2025. Vor allem die Siegerin bringt einen sehr hohen GI-Score von etwa 160 auf die Waage und hat nur relativ wenige Chancen verpasst. Das mag auch an den unterschiedlichen Spielstilen der beiden Spielerinnen liegen, aber zeigt sich natürlich auch im Resultat des Wettkampfes. Ismails Fazit lautet:
„Obwohl es in beiden Wettkämpfen große Unterschiede in den einzelnen Partien gibt, zeigt sich, dass das durchschnittliche Spielniveau gemessen nach den Stockfish-Fehlern mehr oder weniger gleich ist.“
Was die Genauigkeit des Spiels war in beiden Wettkämpfen ähnlich hoch. Das zeigen die Durchschnittswerte der verpassten Punkte. In den Wettkämpfen Liren – Gukesh und Ju – Tan lag der Durchschnitt der verpassten Punkte bei 0,43 bzw. 0,46. Das bedeutet, dass im Durchschnitt in jeder Partie jeder Spieler in einer ausgeglichenen Stellung fast einen Fehler machte, der zum Partieverlust führte.
Wie aus den blauen Balken in der Abbildung ersichtlich ist, stiegen die verpassten Punkte im Wettkampf der Frauen bis zur vierten Partie allmählich an und gingen dann langsam zurück, als Ju Wenjun eine Siegesserie von vier Partien hinlegte. Das Match zwischen Ding und Gukesh war volatiler im Verlauf mit Höhen und Tiefen.
4/ On average, players played with 0.46 missed points per game, meaning that they played as accurately as the World Championship between Gukesh and Ding. pic.twitter.com/5L76wVtIvs
Was die Analyse der Spielqualität im Schach betrifft, so glaubt Mehmet Ismail, dass nan versuchen sollte, die Qualität des Spiels so genau wie möglich zu messen, denn obwohl Engines viel stärker sind als Menschen, können Standardmethoden wie der Verlust von Hundertstelbauern oder die Genauigkeitsrate zu irreführenden Ergebnissen führen. Zweitens sei die Analyse der Zugqualität zwar nützlich, aber man sollte ihre Grenzen anerkennen.
Ein Beispiel dazu: Ein perfektes Spiel zu spielen und zu gewinnen ist etwas ganz anderes als ein perfektes Spiel zu spielen und ein Unentschieden zu erzielen; in beiden Fällen mag das Spiel perfekt sein, aber im ersten Fall macht der Gegner einen Fehler und im zweiten Fall nicht. Der GI-Score zielt darauf ab, die Unterschiede zwischen den beiden unterschiedlichen Spielsituationen zu erfassen. Es gibt laut Ismail noch viel mehr Möglichkeiten, Schachstatistiken aus menschlicher Sicht verständlicher und interpretierbarer zu machen.Accordion Content
Verwendete Definitionen und Methoden (Hier Klicken)
Verpasste Punkte
Die Werte sind durchschnittliche verpasste Punkte pro Partie. 1,00 und 0,50 verpasste Punkte sind gleichbedeutend mit einem spielverlierenden Fehler in einer Gewinn- bzw. Remisstellung. Im Gegensatz dazu bedeuten 0 verpasste Punkte ein perfektes Spiel. Verpasste Punkte messen die Punkte, die ein Spieler in einem Spiel gemäß der Engine verpasst. Jeder Fehlzug wird anhand der Gewinn-Unentschieden-Verlust-Wahrscheinlichkeit des obersten Engine-Zugs und des tatsächlichen Zugs berechnet.
Wenn man beispielsweise in einer Gewinnstellung einen Fehler macht, der zur Niederlage führt, ist das 1 verpasster Punkt, während ein Fehler in einer Remisstellung 0,5 verpasste Punkte bedeutet. 0 verpasste Punkte bedeutet perfektes Spiel.
Was ist mit Spielintelligenz (GI) gemeint?
Der GI-Wert kombiniert die menschliche Leistung mit der Engine-Analyse und misst die Fähigkeit der Spieler, strategische Risiken einzugehen. Die GI-Punktzahl steigt, wenn man mehr Punkte gewinnt und gegen stärkere Gegner punktet, aber sie sinkt bei Fehlern. Der durchschnittliche GI-Wert eines Schachspielers liegt bei 100. Etwa 68 Prozent der Spieler haben einen GI-Wert zwischen 85 und 115. Die Gewinner von Superturnieren erreichen in der Regel einen GI-Wert von 160 oder mehr.
Methodenhinweise
Jeder Fehler wird anhand der Gewinn-Remis-Verlust-Wahrscheinlichkeit des besten Engine-Zuges und des tatsächlichen Zuges des Spielers berechnet. Mit diesem Verfahren ist es möglich, Probleme bei der Interpretation zu vermeiden, die mit den weit verbreiteten durchschnittlichen Bauernverlust-Metriken einhergehen. Für die Engine bedeutet eine Änderung der Bewertung von +9,0 auf +7,0 oder von +2,0 auf 0,0 einen Verlust von zwei Bauerneinheiten; aus menschlicher und praktischer Sicht gibt es jedoch einen großen Unterschied zwischen den beiden Änderungen. Aus diesem Grund liefert die Arithmetik, z. B. das Addieren und Bilden des Durchschnitts von Verlusten in Hundertstelbauern, aus menschlicher Sicht im Allgemeinen keine aussagekräftigen Ergebnisse.
Ebenso sind Ergebnisse mit prozentualer Genauigkeit möglicherweise nicht intuitiv. Beispielsweise hatten die Spieler im aktuellen WCC sowohl in Partie 2 als auch in Partie 7 eine Genauigkeit von etwa 96 %. Allerdings hatten die Spieler in Partie 2 0,07 Punkte, was ein nahezu perfektes Spiel bedeutet, während sie in Partie 7 1,00 Punkte verfehlten, was einem spielentscheidenden Fehler in einer Gewinnstellung entspricht. Spiel 7 war zwar ein ganz anderes Remis als Spiel 2, da Spiel 7 sehr lange dauerte, was jedoch den Genauigkeitswert verzerrt.
Mehmet Ismail berücksichtigt für seine Analysen alle Züge in einer Partie, beginnend mit dem ersten Zug. Er verzichtet auf das Herausnehmen von Eröffnungszügen. Das begründet Ismail so: Ihm sei erstens kein zuverlässiger Datensatz bekannt, der die ersten Züge außerhalb des Buches enthält, und zweitens würde es ohnehin wenig ändern, da verpasste Punkte eine Statistik auf Spielebene sind (sie wird nicht durch die Zuganzahl geteilt).Accordion Content
Über Mehmet Ismail
Mehmet Ismail ist Dozent für Wirtschaftswissenschaften an der Abteilung für politische Ökonomie des King’s College London. Zu seinem akademischen Hintergrund gehört seine Promotion in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Maastricht. Mehmet hat außerdem einen Master in angewandter Mathematik von der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne und verbrachte ein Semester an der Universität Bielefeld im Rahmen des Erasmus Mundus QEM-Programms.
Neben seiner akademischen Tätigkeit ist Mehmet ein leidenschaftlicher Schachliebhaber und ehemaliger professioneller Backgammon-Spieler. Seine Leidenschaft für Spiele geht weit über das bloße Spielen hinaus; er ist fasziniert von der facettenreichen Welt der Spiele und erforscht alles von theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungen bis hin zu Spieldesign, Fairness und dem Spiel selbst. Mehmet ist für Norway Chess als Experte für Spieltheorie im Einsatz.
Interessierte Leser können auf GitHub weitere Informationen und Details der Analysen von Mehmet Ismail finden.
Fotos: Anna Shtourman (FIDE CHESS), privat.
Hinweis
Der Text wurde in deutscher Sprache erstellt. Wer die Übersetzungen in anderen Sprachen nutzt, muss manchmal mit bemerkenswerten Übersetzungen rechnen. So wird aus dem Zug, gemeint ist natürlich der Schachzug, im Englischen gelegentlich ein „train“, also Eisenbahnzug. Leider haben wir keinen Einfluss auf solche Fehler und können sie auch nicht korrigieren. Daher empfehlen wir Lesern etwas Humor beim Nutzen der modernen Möglichkeiten von automatischen Übersetzungen.
Die unkommentierten Partien im indischen Grand Prix der Frauen zum Nachspielen und herunterladen.
Bei den Grand-Prix-Turnieren der Frauen wird in der Regel sehr kämpferisch gespielt. So auch hier. Von 25 Partien endeten nur elf Partien mit Remis. Und manche Remispartien waren ausgekämpft.
Runde 1
In der ersten Runde gab es bereits vier entschiedene Partien. Der Kampfgeist war bei allen Spielerinnen groß. Die längste Partie spielte die Mongolin Munguntuul gegen die Newcomerin im Grand-Prix-Circuit die Georgierin Salome Melia. Heraus kam ein tolles Endspiel, das man sich gesondert anschauen sollte.
Runde 2
Der Aufreger der Runde war sicherlich das grobe Versehen in der Eröffnung von Vaishali in ihrer Partie gegen Divya. Die Mongolin war erneut in ein Endspiel verwickelt. Diesmal ging es aber nicht gut aus, zumindest aus ihrer Sicht. Das Turmendspiel gegen Zhu Jiner bietet gutes Anschauungsmaterial.
Runde 3
Erneut bringt die Partie von Batkhuyag Muntunguul eine Entscheidung. Diesmal kommt es aber nicht erst zu einem Endspiel. Gegen die Gewinnerin des ersten Grand Prix, Alina Kashlinskaya, gewinnt die Mongolin zum Schluss diesmal im Mattangriff.
Runde 4
Die vierte Runde brachte erneut vier entschiedene Partien hervor. Besonders überzeugend gewannen die Chinesin Zhu Jiner und Koneru Humpy, die auch die Tabelle anführten. Lediglich Divya konnte sich von der Niederlage am Tag zuvor erholen und gewann bereits ihre dritte Partie.
Runde 5
Vaishali holte in dieser Runde ihren ersten vollen Punkt. Der Aufreger der Runde war jedoch die Partie von Nurgyul Salimova gegen die Führende Zhu Jiner, die Partie sollte die Bulgarin eigentlich nach dem „Damenopfer“ gewinnen, aber dann gab es mit wenig Zeit einige Wirrrungen und die Partie endete friedlich, weshalb die Chinesin weiterhin die Führung behaupten konnte. Die Mongolin Batkhuyag Muntuguul hatte schon in der Runde zuvor unglücklich verloren und dürfte den Ruhetag am meisten benötigen.