Zwei Paarungen gingen in die Verlängerung. Zunächst gewann Harika Dronavalli in der nächsten Schnellschachrunde, nachdem Kateryna Lagno erneut gute Chancen ausgelassen hatte. Im anderen Wettkampf ging es bis zur Blitzpartie (5+3). Erneut gewann Indien und damit sind vier von acht Spielerinnen
Von Thorsten Cmiel
Beide verbliebenen Wettkämpfe zeichneten sich durch beiderseitige Dramen aus. Es gibt nicht mehr Spannung und grandioseres Schach. Dafür muss man nicht Lottoschach spielen, sondern man benötigt die richtige Motivation der Spieler und Spielerinnen und eine geeignete Anreizstruktur, die das Eingehen von Risiken nicht bestrafen, sondern das Spielen auf Gewinn incentivieren.
Harika Dronavalli – Kateryna Lagno: 2.5 – 3.5
Der Wettkampf ging nahtlos weiter wie in den Runden zuvor. Die Russin hatte schnell mehr vom Spiel und zwischendrin längere Zeit sogar eine Gewinnstellung, zumindest wenn man den Rechenhelfer befragt. Statt ohne Risiko auf Gewinn zu spielen tauschte Lagno ein Turmpaar zu früh und konnte sich nicht mehr gegen den folgerichtigen Ausgleich wehren. Wer so viele Chancen liegen lässt läuft natürlich Gefahr irgendwann ausgekontert zu werden. Genau so kam es in der zweiten Partie
Das Skript für die Partie entsprach den vorherigen Partien. Lagno steht auf Gewinn und ihr versagen irgendwann die Nerven. Immerhin hatte die Inderin diesmal nach der Eröffnung klar vorteilhaft gestanden, aber ebenfalls durch eine überraschende Tauschaktion die Stellungsbewertung zu ihren Ungunsten gedreht. Im Viertelfinale muss Harika jetzt gegen Divya ran. Dadurch scheidet in jedem Fall eine Inderin aus, aber gleichzeitig erreicht eine Spielerin das Halbfinale.
Die beiden Spielerinnen lieferten sich einen epischen Kampf bei dem beide Spielerinnen den Gewinn verdient gehabt hätten. Die Spielerin mit mehr Glück am heutigen Tag gewann. Wenn man die Partien auswertet, dann wird klar, dass die Kasachin das bessere Schach gespielt hat, aber bei schnellen Formaten zählt das nur bedingt.
Die entscheidenden Blitzpartien (5+3)
Im Viertelfinale sind noch vier Inderinnen, drei Chinesinnen und als Vertreterin der Gastgebernation eine Georgierin dabei. Keine FIDE-Russin ist mehr dabei und das dürfte eine der größten Überraschungen sein. China und Indien dominieren die Schachwelt bei den Frauen.
Die vier Stichkämpfe beginnen mit der gleichen Farbverteilung wie am Tag zuvor. An den vier Paarungen ist jeweils eine Inderin beteiligt. In der ersten Schnellschachrunde holten die Inderinnen zwei volle Punkte, mussten aber auch zweimal hinter sich greifen. Was dann folgte war erneut grandioses Kampfschach: Divya und Koneru remisierten ohne größere Schwierigkeiten und standen lange auf Gewinn. Harika und Vaishali glichen ihre Kämpfe aus.
Von Thorsten Cmiel
Humpy Koneru – Alexandra Kosteniuk 1.5 – 0.5 (Indien weiter)
Zwei Erfahrene Spielerinnen treten gegeneinander an: Die Exweltmeisterin (2008-2010) Alexandra Kosteniuk (41) scheint im gesamten Turnier auf ihre Fähigkeiten mit kürzerer Bedenkzeit zu setzen. Diesmal ist Kosteniuk aber sicher nicht die Favortin. Koneru Humpy (38) ist zweimalige Schnellschachweltmeisterin (2019 und 2024) und dürfte damit eine mindestens ebenbürtige Gegnerin für die Wahlschweizerin sein.
Die erste Partie (25+10) begann als solides Katalanisch in einem nicht ganz so ausgearbeiteten Abspiel mit dem Damenzug nach d3. Die Inderin löste mit Weiß die Spannung zu früh auf und geriet deutlich ins Hintertreffen nicht nur auf dem Brett, sondern auch auf der Uhr. Die Inderin versuchte die Stellung zu verkomplizieren, stand aber objektiv auf Verlust. Es zeigte sich, dass Angreifen einfacher als Verteidigen ist. Kosteniuk verpasste im Verlauf zwei Chancen die Fesselung des Läufers b7 durch taktische Tricks aufzuheben und stellte letztlich die Partie grob ein.
Nur das Ergebnis zählt: In der zweiten Partie stand die Inderin lange Zeit und mehrfach auf Gewinn. Verdient zog Koneru Humpy ins Viertelfinale ein. Dort spielt sie gegen die Chinesin Song Yuxin.
Die Inderin Vaishali (24) ging als Favoritin in dieses Duell, hat aber ihren fairen Anteil an Glück für diesen Weltcup bereits aufgebraucht. Die 19-jährige Kazachin Meruert hatte in den Runden zuvor gezeigt, dass sie eine nervenstarke Spielerin ist und sich keinesfalls ohne Gegenwehr aus dem Rennen nehmen lassen dürfte. Ihr Sieg gegen Alexandra Gorychkina dürfte ihr völlig zurecht Respekt im Feld eingebracht haben. Die Kazachin und die Inderin Divya Deshmukh sind noch keine Großmeister sondern führen als höchsten Titel den des Internationalen Meisters.
Die Kazachin wählte eine aggressive Spielweise gegen die solide Caro-Kann-Verteidigung von Vaishali und holte zunächst nichts heraus. Im Zentrum bauten die Spielerinnen eine Stellung mit Abhängigkeiten auf, die keine Seiten bevorzugen sollten. Einzig die immer noch leicht geschwächte Königsstellung der Inderin sah etwas bedenklich aus. Statt sich zweimal in taktische Verwicklungen zu stürzen spielte Vaishali einen langsamen Zug und stand auf Verlust.
Die Vorzeichen in der zweiten Partie waren bekannt. Die Inderin musste liefern und war erfolgreich. Wer sich die Partie mit Rechnerhilfe anschaut, der sieht viele Swings und grobe Fehler. Ich verzichte auf eine ausführliche Kommentierung
Beide Spielerinnen gehören ebenfalls zu den erfahrenen Spielerinnen im Feld. Harika Dronavalli (34) ist die langjährige Nummer Zwei der indischen Frauenriege. Kateryna Lagno (35) ist gebürtige Ukrainerin, spielt aber bereits längere Zeit für Russland. Sie ist Ex-Weltmeisterin im Schnellschach (2014) und dreimalige Blitzweltmeisterin. Lagno dürfte Favoritin in diesem Zweikampf gewesen sein.
Beide Spielerinnen schenkten sich nichts. in der Eröffnung. Lagno bliebt bei ihrer bekannten Strategie, die Eröffnung riskant anzulegen und sie hatte Erfolg. Beide Spielerinnen übersahen offensichtlich mehrfach ein taktisches Motiv (Einschlag auf g3), das in zwei Spielarten daher kam.
Die Inderin Harika Dronavalli hatte in der zweiten Partie viel Glück. Zuerst übersah Katerina einen taktisch einfachen Gewinn nach einem groben Versehen der Inderin und dann kollabierte die Russin in einem etwas schlechter stehenden Endspiel.
Die spannendste Begegnung ist zwischen der Chinesin Zhu Jiner (22) und der Inderin Divya Deshmukh (19) zu erwarten. Divya hatte die erste Partie gewonnen und die zweite Partie ebenso klar verloren. Beide Spielerinnen mussten in ihren bisherigen zwei Begegnungen noch keine Stichkämpfe bestehen. Es war also die Frage welche der beiden Spielerinnen mit der Situation am besten umgehen würde. Ein Vorteil für die Chinesin war sicherlich, dass sie die erste Weißpartie in der Rückrunde haben würde.
Divya spielte erkennbar verbessert zur Niederlage in der klassischen Partie.
Die Partie war geprägt von dem Wunsch der Chinesin, die alles versuchen musste, um die zweite Partie zu gewinnen. Divya hielt stand und willigte in Gewinnstellung in eine dreimalige Stellungswiederholung ein.
Die Partie der Inderin Divya Desmukh würde darüber entscheiden, ob eine Chinesin im klassischen Schach ausscheiden würde. Das passierte nicht und so zogen drei Chinesinnen in die Runde der letzten acht Spielerinnen ein.
Von Thorsten Cmiel
Lei Tingjie hatte eine schwierige Situation zu überwinden, aber ihre Gegnerin spielte im entscheidenden Moment zu schnell und ungenau. Nur zwei Paarungen fanden eine Siegerin und da es Divya Deshmukh erwischte müssen alle vier Inderinnen diesmal in den Stichkämpfen um den Einzug in die nächste Runde kämpfen. Auch wenn die Georgierin Nana Dzagnidze als knappe Favoritin in die vierte Runde gegangen war, überraschte es doch wie sie gegen Mariya Muzychuk gewann. Entschieden wurden beide entschiedenen Partien durch fehlende Kenntnisse in ansonsten sehr aggressiven Eröffnungen.
Partie des Tages: Zhu Jiner – Divya Deshmukh
Zhu Jiner (China)
Zhu Jiner ist bereits für das Turnier der Kandidatinnen qualifiziert und zeigte als erste der chinesischen Top-Spielerinnen überhaupt Schwächen auf dem Weg hierhin. Die Schwarzpartie gegen Divya am Tag zuvor war für die 22-jährige Ökonomie-Studentin verloren gegangen und diesmal stand sie unter Gewinndruck.
Die Inderin hat genau wie beide Top-Chinesinnen Zhu und Lei noch keine Stichkämpfe gespielt. Es wird spannend sein zu sehen, wie die Spielerinnen mit der Situation umgehen. Nach der zweiten Partie ist Divya auf Rang 18 der Frauen-Weltrangliste und ihre Gegnerin an vierter Position.
Erneut hatte Kateryna Lagno nach der Eröffnung die bessere Stellung und wie am Vortag entglitt der letzten verbliebenen Russin im Turnier die Kontrolle und so kam es zum Remis und damit zum Stichkampf im Schnellschach einen Tag später.
Die Russin Kateryna Lagnos hatte mehrere gute Chancen zumindest das bessere Spiel zu erreichen – sie schien aber mehr damit beschäftigt zu sein, das Remis abzusichern. Wie sollte Lagno mit den schwarzen Steinen hier fortsetzen?
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Die große Chance der Usbekin
Die favorisierte Chinesin Lei Tingjie hatte eine unternehmungslustige Gegnerin und reagierte zunächst souverän, dann jedoch unterlief der Chinesin ein Fehler und ihre Gegnerin bekam die goldene Chance den Wettkampf auszugleichen. Schade für die am niedrigsten eingeschätzte verbliebene Spielerin aus Usbekistan. Den Rekord der Spielerin, die derartig niedrig eingestuft war, und die vierte Runde erreichte hielt bis Umida Omonova eine andere chinesische Spielerin: Hou Yifan.
Lei Tingjie hatte eine passive Stellung ihrer Dame hinnehmen müssen und zudem steht der Springer unglücklich in der Fesselungswirkung des Läufers a3. Wie ist die Stellung einzuschätzen und wie sollte die Usbekin hier am besten fortsetzen?
Die Usbekin steht einen Zug später vor ihrem Kontrollzug und hat noch etwa elf Minuten während ihre Gegnerin noch 33 Sekunden aufweist. Wie schnell und was sollte sie spielen?
Tan Zhongyi und Song weiter mit sicheren Remispartien
Tan Zhongyi hatte nur zu Beginn eine etwas schlechtere Stellung verteidigen müssen und mit einen Qualitätsopfer für einen bulligen Krakenspringer ausreichende Kompensation erhalten. Hier ist die Schlusskonstruktion zu sehen. Weiß kann dem Dauerschach nicht entkommen und die Spielerinnen einigten sich bald auf Remis.
Die Georgierin Lela Javakishvili hatte gegen die Chinesin in der gesamten Partie nie etwas herausgeholt und zuletzt ihre Stellung komplett ruiniert. Die Chinesin bot trotzdem in dieser Gewinnstellung Remis an und zog in die nächste Runde ein.
Mariya Muzychuk verliert deutlich
Die Partie der Georgierin Nana Dzagnidze gegen Mariya Muzychuk nahm einen überraschend einseitigen Verlauf. Dabei hatte die Ukrainerin eine frühe Chance gehabt, um mit Schwarz die Initiative zu übernehmen. Was eine Wissenslücke ist, kann auch mit Logik gelöst werden.
Die Läuferfesselung des schwarzen Springers stört. Wie sollte Schwarz hier am besten fortsetzen?
Paarungen Runde 5 (Stand nach Runde 4.2)
Lei Tingjie (CHN)
Nana Dzagnidze (GEO)
Koneru / Kosteniuk
Song Yuxin (CHN)
Zhu / Divya
Lagno / Dronavalli
Tan Zhongyi (CHN)
Kamalidenova / Vaishali
Fotos Frauen World Cup Batumi 2021: FIDE Chess. Anna Shtourman.
Der Ruhetag vor der vierten Runde bei Frauen-Welt-Cup scheint einigen Spielerinnen bei der Vorbereitung geholfen zu haben. Viermal gewann die Spielerin mit den weißen Steinen. Drei Chinesinnen gewannen ihre Hinrunde und nur Divya konnte ihre chinesische Gegnerin stoppen. Eigentlich hätte Kateryna Lagno ihre Partie gegen Harika Dronavalli ebenfalls gewinnen sollen. Es kam anders.
Von Thorsten Cmiel
Lei Tingjie (China)
Die Topspielerin im Turnier muss sich anders als ihre Landfrau Zhu Jiner, die Lei im Grand-Prix ersetzte, noch für das Turnier der Kandidatinnen qualifizieren. Bisher hat sie Lei ihre Kämpfe mit einem perfekten Ergebnis gewonnen und wirkt sehr souverän.
Die Usbekin ist die Überraschungsspielerin des Turniers bisher. Das Kaliber der Gegnerin scheint diesmal allerdings zu groß zu sein. Dennoch kann Omonova sicherlich mit einen guten Gefühl und etwas Geld die Rückreise antreten. Wer in der vierten Runde ausscheidet bekommt immerhin 9.500 US-Dollar und macht ein ordentliches Plus im Turnier..
Die letzte verbliebene Russin, die unter FIDE-Flagge teilnimmt, ist Kateryna Lagno, die in der vierten Runde gegen die Inderin Harika Dronavalli antreten musste. Eigentlich sah es in ihrer Partie lange Zeit nach einem weiteren vollen Punkt für die Russin mit Weiß aus. aber dann verlor sie doch den Überblick und die Inderin konnte sich in ein ausgeglichenes Turmendspiel retten.
Wie sollte Kateryna Lagno mit den weißen Steinen hier fortsetzen?
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Divya schlägt Mitfavoritin Zhu Jiner
Die Chinesin Zhu Jiner hatte zuletzt gegen die Inderin bei zwei Grand-Prix-Turnieren mit Weiß klar gewonnen und ist bereits für das Turnier der Kandidatinnen im nächsten Jahr qualifiziert. Diesmal spielen die beiden jedoch zwei Partien und es beginnt mit einer Weißpartie für die Inderin Divya Deshmukh. Die 19-jährige zeigte sich bestens vorbereitet und spielte diesmal eine positionelle Variante. Das zeigt, dass sie nicht nur angreifen kann. Die eigentlich schwierige Aufgabe folgt aber dann in der Rückrunde. Nur Divya und Lei Tingjie mussten bisher noch nie in die Stichkämpfe, sondern gewannen mit klassischer Bedenkzeit ihre Wettkämpfe.
Tan Zhongyi erneut sicher mit Weiß
Es ist immer einfacher die Entscheidungen richtig zu treffen, wenn man ein Diagramm vor die Nase gehalten bekommt. In einer Partie fehlt die Hilfestellung. Was sollte die Chinesin hier spielen?
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Song Yuxin: Die Chinesin gewinnt überzeugend
Die Partie der viertstärksten Chinesin im verbliebenen Feld verlief einseitig. Aus der Eröffnung heraus erzielte Song einen Eröffnung und konnte diesen kontinuierlich ausbauen.
Fotos Frauen World Cup Batumi 2021: FIDE Chess. Anna Shtourman.
Die sechs Stichkämpfe beginnen mit der gleichen Farbverteilung wie am Tag zuvor. In der Hinrunde gewann die Ukrainerin Anna Muzychuk deutlich. Nur in der anderen entschiedenen Partie passiert ein Drama. Erneut sind die Stichkämpfe sehr unterhaltsam.
Von Thorsten Cmiel
Hinrunde (15+10)
Die erste entschiedene Partie war ein Kantersieg von Anna Muzychuk, die ihre Gegnerin auf dem falschen Fuß erwischte. In der Partie der Inderin Harika Dronavalli gegen die Griechin Stavroula Tsolakidou gab es eine kurze Phase in der beide Spielerinnen Vorteil hatten, aber die Partie endete letztlich in einem gerechten Unentschieden. Die Niederlage der Russin Valentina Gunina gegen die Georgierin Nana Dzagnidze kann eigentlich nicht erklärt werden. Ansonsten hatte vor allem Vaishali erneut Glück gegen US-Amerikanerin Carissa Yip. In der Partie von Kateryna Lagno gegen Vantika Agrawal versuchte die Russin ihre Gegnerin in taktische Varianten zu verstricken, die verbrauchte viel Zeit, blieb aber ruhig und auch diese Partie endete letztlich friedlich.
Zuletzt hatte die Russin Gunina ihren Läufer von a6 nach c8 gezogen. Wie sollte Schwarz antworten?
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Glück Vaishali. In dieser Stellung zog die US-Amerikanerin überraschend und völlig unverständlich ihren b-Bauern nach vorne und die Partie endete Unentschieden. Jeder plausible Läuferzug bewahrte die schwarze Gewinnstellung.
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Rückrunde (15+10)
Eine bemerkenswerte Rückrunde. Routiniert und verdient gewann Alexandra Kosteniuk die zweite Partie und zog als einzige Spielerin in die nächste Runde ein. Anna Muzychuk konnte mit Schwarz gegen die Chinesin Song Yuxin ein Doppelturmendspiel nicht Remis halten. Valentina Gunina gewann nach einer weiteren verrückten Partie den Rückkampf und erreichte eine Verlängerung. Die Partien der drei Inderinnen endeten zwar sämtlich Remis, hätten aber durchaus entschieden werden können. Während Harika und Vantika gute Chancen auf einen vollen Punkt ausgelassen haben, stand Vaishali erneut auf fast verlorenem Posten.
Die Ukrainerin Anna Muzychuk hat noch etwas mehr als 50 Sekunden und ihre chinesische Gegnerin noch 14 Sekunden. Wie hält man diese Stellung mit Schwarz am Zuge am besten Remis?
2. Stichkampfrunde (10+5)
Die Hinrunde mit erneut verkürzter Bedenkzeit und wie bei jeder neuen Matchrunde zu Beginn vertauschten Startfarben brachte diesmal viele entschiedene Partien und am Ende fünf entschiedene Resultate. Nur Kateryna Lagno und Vantika Agrawal setzten ihre Remisserie zunächst fort. In der zweiten Partie sah es gut aus für die Inderin, die aber im entscheidenden Moment nicht mutig genug agierte, stattdessen ihre Königsstellung ruinierte und ausschied. Anna Muzychuk verlor erneut mit Weiß und bekam in der zweiten Partie keine realistische Chance und wurde von ihrer chinesischen Gegnerin dominiert. Harika gewann ihre erste Partie gegen die Griechin und in der zweiten Partie war wieder alles drin, dann aber gewann die Inderin auch ihre zweite Partie. Nach zwei knappen Remis heute konnte Vaishali diesmal ihre Gegnerin deutlich schlagen und auch die zweite Partie stellte keine allzu schwierigen Aufgaben. Im Match Dzagnidze gegen Gunina gewann diesmal erneut zunächst die Georgierin mit Weiß. Die zweite Partie in dem Match war dann wie immer dramatisch und endete mit dem Rauswurf der Russin.
Mitfavoritin Anna Muzychuk raus
Anna Muzychuk scheint im Verlauf des Wettkampfes ihre Gegnerin unterschätzt zu haben und scheiterte am Ende daher vermutlich an sich selbst. Ihre Gegnerin, die Chinesin Song Yuxin, ist Internationaler Meister (2023) und war zuletzt geteilte Siegerin der Asienmeisterschaft der Frauen. Zuletzt spielte sie wieder vermehrt in Europa und scheint als Ziel den Großmeistertitel anzustreben. Anders als Muzychuk, die zuletzt nur noch Frauenturniere der FIDE mitspielt und dabei außerordentlich erfolgreich war.
Vantika scheidet aus
Bis zur letzten Partie und auch in dieser Partie war Vantika Agrawal immer in Führung – auch im Partieverlauf sah es immer so aus als würde eher sie einen vollen Punkt holen können. Auffällig war auch bei der Inderin ihr vergleichsweise üppiger Zeitverbrauch. Es lag an kleinen Details. In der letzten Partie dieses Wettkampfes fehlte der Inderin der Mut und vielleicht die Intuition im Stile von Tigran Petrosjan ein Qualitätsopfer zu bringen.
Die entscheidende Stellung im Wettkampf von Kateryna Lagno und Vantika Agrawal ist diese hier. Wie sollte Schwarz hier am besten fortsetzen?
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Vaishali mit Widerstandskraft weiter
Nimmt man die letzte klassische Partie hinzu, dann gewann Vaishali keinesfalls so deutlich wie es hier aussieht. Sie stand drei Partien hintereinander klar auf Verlust, konnte aber jeweils mit einer starken Widerstandskraft ihre Gegnerin vom Gewinn abhalten. Das ist eine Fähigkeit, die oft unterschätzt wird und bei Vaishali als Vielspielerin in Open-Turnieren und in zahllosen, vermutlich frustrierenden Bulletpartien (10’+1′) mit ihrem Bruder entstanden ist. In der letzten Bedenkzeit gewann Vaishali vor allem die Partie in der fünften Runde nach einer unglücklichen Aufstellung ihrer Gegnerin deutlich.
Wie Harika weiterkam
Die Inderin Harika Dronavalli (34) gehört schon längere Zeit zur erweiterten Weltspitze bei den Frauen. Unvergesslich für Fans ist sicherlich wie sie hochschwanger bei der Schacholympiade 2022 im indischen Chennai ihr Team nicht im Stich lassen wollte und mitspielte. Seit 2011 ist Harika Schachgroßmeister und war lange Zeit die Nummer zwei hinter ihrer Landsfrau Koneru Humpy (38). Diese Position wird sicherlich in den nächsten Jahren von Vaishali (24) und Divya Deshmukh (19) attackiert, aber noch ist die Inderin die Nummer Zwei in Indien.
Die Gegnerin in diesem Match war Stavroula Tsolakidou (25) aus Griechenland. Stavroula trägt den Titel eines Internationalen Meisters und etablierte sich vor allem im letzten Zyklus des Frauen-Grand-Prix. Die Griechin gewann von 2013 bis 2016 drei Weltmeistertitel in ihrer Altersklasse. Sie ist die Nummer Eins in Griechenland.
Zwischen den beiden Spielerinnen entwickelte sich ein bemerkenswert ausgeglichener Wettkampf bei dem sich am Ende die Inderin durchsetzen konnte. Auffällig war vor allem das etwas schlechter Zeitmanagement der Griechin, das ihr manche Chance verbaute. Bedenkt man wie die letzte Partie entschieden wurde, dann fällt das Ergebnis am Ende sicherlich zu hoch aus.
Die chinesischen Superstars Lei Tingjie und Zhu Jiner stellen ihre Ergebnisse auf 2-0-Siege und ziehen souverän in die vierte Runde ein. Genau wie Mariya Muzychuk. Etwas Glück benötigte am Ende Tan Zhongyi, um doch noch ohne Stichkampf in die nächste Runde einzuziehen. Zwei Inderinnen, eine zweite Ukrainerin, eine Usbekin, eine Georgierin und eine Kasachin gewinnen ihre Matches ebenfalls.
Von Thorsten Cmiel
In der dritten Stichkampfrunde stehen damit diesmal sechs Stichkämpfe an. Die Nation mit den meisten Spielerinnen sind die Inderinnen mit drei Begegnungen. Die anderen Spielerinnen können sich ausruhen und manche Matadorinnen können sich bereits auf ihre Gegnerinnen vorbereiten: So trifft die Inderin Divya Deshmukh auf die Chinesin Zhu Jiner. Auch Lei Tingjie kann sich bereits auf die Usbekin Umida Omonova einstellen und Tan Zhongyi bekommt es mit der Ukrainerin Yulia Osmak zu tun, die heute Lu Miaoyi in Gewinnstellung ein Remisangebot machte, um sicher weiter zu kommen..
Die beiden spielen in zwei Tagen gegeneinander.
Meruert Kamalidenova (Kasachstan)
Eine der größten Überraschungen bisher ist sicherlich die Kasachin Meruert Kamalidenova, die jetzt in ihrem letzten Jahr als Juniorin unterwegs ist. Nicht nur, dass sie Aleksandra Goryachkina aus dem Turnier warf, sondern auch wie sie es tat, war beeindruckend. Meruert war 2019 U14-Weltmeisterin und erreichte 2022 bereits eine Elozahl von 2427 Punkten, danach ging es zuletzt etwas bergab. Jetzt scheint sie ihr wahres Potential wieder ausgespielt zu haben.
Die Russin, die in Batumi unter neutraler Flagge antreten musste, ist eine der größten Hoffnungen in ihrem Heimatland. Anna ist Jahrgang 2009 und hat bereits eine Elozahl von über 2400 Punkten. Anfang des Jahres gewann sie mit neun Punkten aus elf Partie die Mädchenweltmeisterschaft in Montenegro vor Lu Miaoyi (Jahrgang 2010). Um sich für den World Cup zu qualifizieren musste sie in Kasachstan einen Wettkampf gegen Xeniya Balabayeva, eine kasachische Frauen-Großmeisterin, gewinnen. Das gelang ihr.
Langno und Gunina drehen ihre Wettkämpfe und erreichen ein Stechen
Die zwei erfahrenen Russinnen gewinnen ihre Rückkämpfe und können das Resultat ausgleichen. Dennoch sind zwei weitere Russinnen ausgeschieden. Die jüngste Chinesin Lu Miaoyi ist ebenfalls ausgeschieden. Bemerkenswert ist die gute Laune von Valentina Gunina und Kateryna Lagno schon vor der Partie (Fotos). Das spricht für eine guten psychologischen Umgang mit der Situation.
Nationen-Resultate Runde 3.2
Nation
Ergebnis
Nation
Ergebnis
Indien
2.5(5)
Ukraine
2.0(3)
China
3.5(5)
Kazachstan
1.0(2)
Georgien
1.5(4)
Polen
0.0(2)
Russland (FIDE)
2.0(4)
Sonstige
3.5(7)
Der letztlich entscheidende Moment in einer Partie in der die Russin Gunina konsequent attackiert hatte und ihre Gegnerin mit wenig Restbedenkzeit unter dem Druck zusammenbrach. Welcher schwarze Zug ist besser- der Turmzug nach g6 oder der Läuferzug nach c5? Fifty-Fifty.
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Divya ohne Probleme weiter
Die Partie von Divya Deshmukh und Teodora Injac war schon früh von spieltaktischen Überlegungen bestimmt. Eine Gretchenfrage zur Abwechslung: Sollte die Inderin hier die Damen auf c6 tauschen, oder nicht?
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Achterbahn der Emotionen
Die Inderin Vantika Agrawal spielt mit Weiß wie fast alle jungen Inderinnen deutlich erfolgreicher als mit den schwarzen Steinen. Wie sollte sie hier fortsetzen?
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Das dramatische Ende eines ausgeglichen Wettkampfes
Die zweite Partie zwischen Irina Bulmaga und der Mitfavorit Tan Zhongyi sieht nach baldigem Dauerschach aus. Dennoch ist Vorsicht bis zum Schluss geboten. Wie sollte Schwarz auf das Schachgebot am besten reagieren?
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Was sonst noch passierte
Nicht immer gewinnen die Youngster. In der Partie von Lela Javakhishvili (Jahrgang 1984) und Polina Shuvalova (Jahrgang 2001) setzte sich die Georgierin durch. Die beiden Spielerinnen fanden sich in einem schwierigen Endspiel unterschiedlich zurecht und der Russin gelang es nicht ihre zweite Chance zu nutzen.
Ist der schwarze Springerzug nach c4 ein guter oder ein eher schlechter Zug?
Was ist hier vom Angebot des Turmtausches via c7 zu halten?
Gestern sah es noch anders aus
Gestern war Umida Omonova noch fast unter die Räder geraten. Heute spielt die Usbekin eine überzeugende Partie und gewann ihr Match gegen die Kasachin Elnaz Kaliakhmet. In der nächsten Runde bekommt Umida es mit Lei Tingjie zu tun. Nochmal ein ganz anderes Kaliber. Es wird interessant sein zu sehen, ob es ihr gelingt sich in dem Match zumindest Chancen zu erarbeiten.
Fotos Frauen World Cup Batumi 2021: FIDE Chess. Anna Shtourman.
Sechzehn Partien sind immer noch unübersichtlich. Schauen wir daher bei zwei Begegnungen von Nachwuchsspielerinnen genauer hin. Die zwei größten Überraschungen gelangen der Kasachin Elnaz Kaliakhmet (Jahrgang 2010) und der Usbekin Umida Omonova. Zudem ist die Begegnung von Divya Deshmukh und der Serbin Teodora Injac ein Duell zweier Spielerinnen mit fast gleicher Elozahl. Die größte Überraschung der Runde gelang allerdings Vantika Agrawal, die Kateryna Lagno regelrecht vom Brett fegte.
Von Thorsten Cmiel
Elnaz Kaliakhmet (Kasachstan)
Eine Korrektur vorweg: Der Weltschachbund FIDE verwendete für die Auslosung die Ratings aus Juni 2025. Diese Zahlen finden sich auch auf der offiziellen Homepage des Welt Cup in Batumi. Elnaz aber hatte ein sehr erfolgreiches Turnier zuvor und gewann mit zehn aus 13 die nationale Meisterschaft der Frauen mit 14 Jahren und legte dort 87,6 Punkte zu. Ihre aktuelle Elozahl ist entsprechend im Juli auf 2306 angewachsen. Jetzt wechselt sie den Bewertungsfaktor von 40 auf 20, was den weiteren Anstieg etwas bremsen, aber wohl kaum stoppen dürfte.
Anders als ihre Gegnerin aus Kazachstan setzte sich Umida Omonova in ihren beiden bisherigen Begegnungen jeweils im Stechen durch. Aber in beiden Fällen gelang es der Usbekin zwei höher eingeschätzte Gegnerin auszuschalten. Für Omonova ist es der zweite Weltcup bei dem sie dabei ist. 2021 verlor sie etwa im gleichen Alter wie ihre jetzige Gegnerin Elnaz Kaliakhmet in der ersten Runde. 2018 war die Usbekin Vize-Weltmeisterin U12 in Santiago de Compostela geworden. Bei den Jungs gewann ein gewisser Inder namens Gukesh vor Volodar Murzin.
In der Partie sah es zunächst nach einem vollen Punkt für die Kasachin aus. Erst im späten Mittelspiel verlor Elnaz den Faden und konnte ihren Vorteil nicht halten. Die Partie zeigte vor allem das große Potential der jüngeren Spielerin in diesem Match.
Desaster für Russland deutet sich an
Die Russinnen treten beim World-Cup unter neutraler FIDE-Flagge an. Kateyna Lagnos und Valentina Gunina (Fotos) verloren ihre Auftaktpartien deutlich. Der World Cup ist ein Einzelturnier mit direkter Qualifikation zum Kandidatinnenturnier (Zhu Jiner und Aleksandra Gorychkina sind schon qualifiziert). Dennoch zählen natürlich bei dem wichtigsten Einzelwettbewerb des Jahres nationale Statistiken, um die international führenden Nationen zu ermitteln. Bei der Schacholympiade in Budapest gewann Indien vor den USA und Usbekistan. Dort fehlten allerdings die besten Chinesinnen.
Nationen-Resultate Runde 3.1
Nation
Ergebnis
Nation
Ergebnis
Indien
3.5 (5)
Ukraine
2.5 (3)
China
3.0 (5)
Kazachstan
1.0 (2)
Georgien
2.0 (4)
Polen
0.5 (2)
Russland (FIDE)
1.0 (4)
Sonstige
2.5 (7)
Hier griff Valentina Gunina daneben. Wie sollte Schwarz am besten fortsetzen und wie ist die Stellung danach einzuschätzen.
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Findet in dieser Stellung die Kasachin und Goryachkina-Bezwingerin Meruert Kamalidemova (20) einen besseren Zug als den sie spielte, hätten eventuell die Russinnen noch einen halben Punkt weniger geholt. Was sollte Weiß hier am besten spielen? Oder besser was nicht?
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Starke Partie gegen Lagno: Vantika Agrawal
Die Inderin Vantika Agrawal steht oft zu unrecht etwas im Schatten der anderen indischen Spielerinnen. Vantika war mit 7.5 aus neun Partien eine wichtige Stütze des Teams, das bei der Schacholympiade in Budapest im letzten Jahr Gold holte. In der obigen Stellung musste Schwarz eine ohnehin leicht schlechtere Stellung verteidigen. Was ist hier von 16…b5 zu halten?
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Divya gewinnt mit Schwarz gegen Injac
Es sah lange Zeit so aus als würde die Inderin ein Remis anstreben, aber dann bekam die Divya neine Chance. Wie sollte Schwarz hier fortsetzen?
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Was sonst noch los war
Lei Tingjei und Zhu Jiner gewann ihre Partien. Von den Chinesinnen verlor nur die Jüngste Lu Miaoyi. Die entscheidenden Momente.
Antoanet Stefanova steht vor der Frage, ob sie auf a3 mit der Dame oder dem Turm schlagen sollte. Fifty-Fifty also.
Fifty-Fifty: Was sollte Schwarz hier spielen? Angenommen sie haben zwei Alternativen: Schlagen auf e5 und den Turm nach f7 ziehen…
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Simply the Best. Wie sollte Weiß am Zuge hier am besten fortsetzen?
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Wie sollte die Weißspielerin hier fortsetzen?
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Fotos Frauen World Cup Batumi 2021: FIDE Chess. Anna Shtourman.
Das sprichwörtliche Salz in der Suppe sind die Stichkämpfe nach unentschiedenem Match in klassischer Bedenkzeit. Es bleibt beim Format und der Farbreihenfolge, nur die Bedenkzeit wird verkürzt. Der Tag beginnt mit 15 Minuten plus zehn Sekunden Inkrement pro Zug. Die Spielerinnen produzierten viele spannende Partien und manches Drama.
Von Thorsten Cmiel
Momente aus den Stichkämpfen
Hinrunde (15+10)
Es wurde gekämpft. Die zwölf Begegnungen boten die üblichen Eröffnungsunfälle, Fehler und gelegentlich auch spannende Endspiele. Beginnen wir mit einer kurzen Auswahl der entschiedenen sieben Partien aus der Hinrunde (10+5). Einmal mehr zeigte sich wie wichtig gutes Zeitmanagement ist.
Schwarz ist am Zuge und muss sich mit dem Angriff auf den Turm auf c4 auseinander setzen. Was tun?
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Ebenfalls hier ist Schwarz am Zuge. Wie sollte die Ukrainerin und Ex-Weltmeisterin Mariya Muzychuk hier fortsetzen?
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Rückrunde (15+10)
Aus Zwölf mach Sechs
Hinrunde (10+5)
Die Farben wurden für diese Runde getauscht, die Partien wurden also in umgekehrter Reihenfolge als bisher gespielt. Mariya Muzychuk hatte in der Runde zuvor nach ihrer Auftaktniederlage den Wettkampf ausgeglichen und damit diese Stichkampfrunde knapp erreichen. Das chinesische Jungtalent Lu Miaoyi musste in der Runde zuvor mit Schwarz hinter sich greifen und durfte daher erneut ran. Das Duell von Vantika Agrawal gegen die Ukrainerin Ushenina produzierte erneut keine Siegerin und wurde daher ebenfalls verlängert. die Überraschung der Vorrunde (15+10) war allerdings, dass die ehemalige Schnellschachweltmeisterin Katerina Lagno ihre Führung nicht hatte verteidigen können und sich so noch zwei weitere Partien gönnte. Die anderen zwei Paarungen bestanden aus Spielerinnen, die sich bisher immer Remis getrennt hatten – auch mit klassischer Bedenkzeit.
In der Partie von Mariya Muzychuk ging es diesmal ganz schnell. Beide Inderinnen gewannen ihre Partien und Lu Miaoyi versuchte ein gewonnes Turmendspiel zu verwerten. Lagno gewann souverän und im Duell der beiden Mittvierzigerinnen Danielan und Stefanova gab es mit der Bulgarin erstmals eine Siegerin. Einige Momente folgen.
Drei Köniszüge stehen zur Auswahl. Welchen sollte die Chinesin mit 46 Sekunden auf der Uhr in jedem Fall nicht wählen?
Lu Miayi (China)
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Rückrunde (10+5)
Kateryna Lagno gewann beide Partien deutlich. Auch Mariya Muzychuk hatte nach ihrem Kantersieg in der Hinrunde keine Probleme auch die zweite Partie zu gewinnen. Antoaneta Stefanova spielte recht sicher bis auf einen Zittermoment, den ihre Gegnerin aber nicht nutzen konnte. Ebenfalls weiter kam die 15-jährige Chinesin Lu Miaoyi, da sie diesmal kein Comeback ihrer Gegnerin akzeptierte. Tragisch verlief die Rückrunde für die Inderinnen, die beide einen Vorsprung verspielten und in die Blitzrunde (5+3) mussten.
Wie sollte Weiß hier am besten fortsetzen?
Die Blitz-Stichkämpfe (5+3)
Alexandra Kosteniuk (Schweiz) – Padmini Rout (Indien)
Die Inderin Padmini Rout verpasste letztlich ihre größte Chance in der Runde zuvor. Alexandra Kosteniuk (41) zeigte jedoch großen Kampfgeist und gewann letztlich verdient gegen ihre zehn Jahre jüngere Gegnerin. Die erste Blitzpartie gewann Kosteniuk souverän, nachdem sie stetig ihren Druck auf die gegnerische Königsstellung erhöht hatte. In der finalen Partie sollte eigentlich Alexandra Kosteniuk erneut gewinnen, ganz Profi allerdings begnügte sie sich zum Schluss mit einem Dauerschach.
Vantika Agrawal – Anna Ushenina
Schon in der Runde mit klassischer Bedenkzeit lag die Inderin vorne. Mit verkürzter Zeit im Rapid konnte sie ebenfalls vorlegen und im Blitz reichte es letztlich für Vantika (23) gegen ihre neunundreissigjährige Gegnerin, die genau wie Alexandra Kosteniuk bereits einmal Weltmeisterin (2012 – 2013) der Frauen war. Die Blitzpartien waren weniger spannend als in den Phasen zuvor. Die Ukrainerin stellte mit Schwarz früh im elften Zug eine Figur ein und in der zweiten Partie gelang es ihr nie irgendetwas herauszuholen.
In der Hinrunde gab es achtzehn entschiedene Partien und 14 Remis. Neun Spielerinnen legten in der zweiten Partie noch einmal nach und gewannen zu Null. Elf weitere Spielerinnen kamen mit anderthalb Punkten weiter und zwölf Stichkämpfe stehen an. Immerhin gelang es fünf Spielerinnen trotz einer Niederlage am ersten Tag auszugleichen. Manchmal im Verlauf überraschend.
Relativ früh zeichnete sich ab, dass die Chinesin Tan Zhongyi und die junge Russin Anna Shukhman einen zweiten Sieg gegen die ebenfalls 2009 geborene US-Amerikanerin Alice Lee erringen würden. Von den Favoritinnen sah es nach etwa zwei Stunden so aus als würde Alexandra Goryachkina die schnelle Heimfahrt antreten müssen. Im ukrainischen Duell von Anna Muzychuk und Inna Gapanenko zeichnete sich nach einer erneut recht blutarmen Partie früh ein Stichkampf am nächsten Tag ab. Noch früher hatte Alexandra Kosteniuk, die inzwischen für die Schweiz spielt, sich mit ihrer indischen Gegnerin Padmini Rout auf Remis geeinigt. Im Turnier gilt die Sofia-Regel und mindestens dreißig Züge notwendig sind, falls keine dreimalige Stellungswiederholung vorhanden ist. Die Rumänin Irina Bulmaga, die in der ersten Partie über ein Remis nicht hinausgekommen war, stand mit Schwarz nach etwa 20 Zügen gegen ihre französische Gegnerin Deimante Daulyte-Cornette glatt auf Gewinn. Ein Match drohte früh zu kippen und steuerte auf ein Unentschieden hin: die Chinesin Song Yuxin stand gegen die Estin Mai früh auf Gewinn. Die erste Spielerin, die sich für die dritte Runde qualifizierte war dann die Russin Valentina Gunina.
Einige Paarungen stehen bereits fest, andere müssen noch auf die Ergebnisse morgen warten. Schachfans können sich auf die Begegnung der Serbin Teodora Injac und der indischen Hoffnung Divya Deshmukh freuen. Die Siegerin muss dieser Begegnung muss dann vermutlich gegen Zhu Jiner. eine der chinesischen Favoritinnen ran.
Momente
Die entscheidende Situation in dem Wettkampf zwischen der Russin Alexandra Goryachkina und der Kazachin Meruert Kamalidenova. Meruert hatte in der ersten Partie eine schicke Partie gewonnen und musste hier mit Schwarz noch eine wichtige Entscheidung treffen.
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Hier war die Chinesin mit Schwarz am Zug und musste auf die Attacke gegen ihren b-Bauern reagieren. Hat jemand einen Vorschlag?
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Die Chinesin Lei Tingjie hat in diesem Damenendspiel mit Schwarz die angenehmere Aufgabe. Die Frage für ihre argentinische Gegnerin lautet: Wie hältst du es mit Schachgeboten?
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Die US-Amerikanerin Alice Lee hatte die erste Partie bereits verloren und musste unbedingt gewinnen. In dieser Partie traf sie auf eine optimal vorbereitete Gegnerin, die ähnlich wie Ding Liren vor einigen Jahren gegen Magnus Carlsen von der Variante überrascht war.
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Diese Verteidigungsausfgabe ist nicht ganz einfach zu lösen Die Inderin Vantika Agrawal muss sich festlegen wie sie ihre Verteidigung organisieren will. Ein Remis genügt nach dem Gewinn in der Hinrunde zum Weiterkommen.
In der zweiten Runde des Frauen-World-Cup in Batumi ist die Zahl der verbliebenen Partien jetzt auf 32 reduziert. 21 Spielerinnen, die mit den höchsten Elozahlen antreten, steigen erst zu dieser Runde ein. Elf Spielerinnen hatten am Tag zuvor erst nach einem Stichkampf die Qualifikation geschafft. Die größte Überraschung der Runde war sicherlich die krachende Niederlage von Alexandra Goryachkina gegen eine kazachische Spielerin, die nominell 210 Punkte Elopunkte weniger schwer ist.
Etwas Statistik vorweg: 19 Spielerinnen in Batumi tragen einen Großmeister-Titel und 35 sind Internationale Meister. Mit noch acht Frauen ist die indische Delegation noch am größten, gefolgt von jeweils sieben Chinesinnen und Georgierinnen. Fünf Russinnen und fünf Ukrainerinnen sind ebenfalls dabei. Die Vereinigten Staaten stellen mit vier Spielerinnen die sechstgrößte Delegation. Bei solch einer Dichte bleiben nationale Duelle nicht aus. Diesmal traf es Indien, die Ukraine und die USA mit jeweils einer Paarung. Die Partie der US-Amerikanerinnen endete tragisch. Die Ukrainerinnen taten sich nicht weh und das indische Duell sah die letzte noch laufende Partie, die nach 123 Zügen friedlich endete und laut Instanz gab es daran nie etwas zu meckern.
Zwei chinesische Superstars starten mit klaren Siegen
In dieser Stellung stellt sich die Frage, ob die Schwarzspielerin hier im zwanzigsten Zug ihren f-Bauern zwei Felder nach vorne schieben sollte.
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In dieser Stellung zog die junge georgische Spielerin Anastasia Kirtadze ihrem Alter entsprechend ungestüm ihre h-Bauern zwei Felder nach vorne. Was ist davon zu halten?
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Das US-Duell: Irina Krush – Carissa Yip
Weiß hat einen Bauern für die Qualität und die etwas bessere Königsstellung. Wie sollte Irina Krush hier im US-Duell gegen Carissa Yip fortsetzen? In der Partie ging es dramatisch zur Sache.
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Kasachin sorgt für Überraschung
Goryachkina hatte die typische Profistrategie versucht und wollte mit Schwarz nur ein Remis. Das ging diesmal nach hinten los. Ihre Gegnerin hatte nur einen Aussetzer in dieser Partie. Wie sollte die Kazachin Meruert Kamalidenova (Jahrgang 2005) hier fortsetzen?
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Mix
Vaishali gewann ein Endspiel, das ihre Gegnerin an einer Stelle verteidigen konnte, was aber in einer praktischen Partie schwierig zu sehen ist, wenn niemand zur Stelle ist und einer Spielerin auf die Schulter klopft und anmerkt: „Jetzt kommt es drauf an.“ In der Partie ihrer Landsfrau Vantika Agrawal musste ihre ukrainische Gegnerin eine schwierige Frage beantworten und scheiterte. Die Gegnerin der dritten Inderin dieser Auswahl musste eine Verteidigung finden, lag aber daneben. Im letzten Beispiel hatte die Armenierin Danielan ein schwieriges Damenendspiel auf dem Brett und griff daneben. Ihre Gegnerin, die Exweltmeisterin, Antoeneta Stefanova, revanchierte sich allerdings.
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Fifty-Fifty: Gibt es einen Unterschied zwischen den Springerzügen nach d3 und e4? Welcher von den beiden Zügen ist richtig?
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Mit ihrem letzten Zug 55.e5-e6 droht Weiß ein zweizügiges Matt via f7 und d7. Wie sollte die Schwarzspielerin hier fortsetzen?
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Verpasste ihre Chance im Damenendspiel: Antoaneta Stefanova aus Bulgarien.
Fotos: FIDE Chess. Anna Shtourman, Polina Bovinova und Andrei Anosov.