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Die in der Ukraine geborene russische Großmeisterin Kateryna Lagno verzichtet auf die Teilnahme am nächsten Frauen Grand-Prix in Indien. Bei der FIDE heißt es lapidar dazu, dass Lagno aus persönlichen Gründen zurück gezogen habe. Dem widerspricht die Spielerin jetzt in einem öffentlichen Statement, das Peter Heine Nielsen bei X, vormals Twitter veröffentlichte.

Von Thorsten Cmiel

Es geht um einen Schönheitspreis, den Jekaterina Alexandrowna Lagno, 35, nicht bekommen hat, sondern Alexandra Konstantinowna Kosteniuk, 40. Wer einen neuen politisch inkorrekten vielleicht sogar frauenfeindlichen Skandal oder gar Zickenkrieg zweier Frauen vermutet, der liegt allerdings falsch. Es geht nicht um das Aussehen der beiden Spielerinnen, sondern um zwei gewonnene Partien im Schach und um Politik.

Das Statement von Lagno erfolgte via sozialen Medien und besteht in einem Schreiben an den russischen Präsidenten Arkadij Dvorkovich. Der steht vor allem bei europäischen Beobachtern ohnehin auf der Beobachtungsliste, er bevorzuge „seine Russen“ heißt es. Tatsächlich bemüht sich Dvorkovich um eine Normalisierung im Spielbetrieb. Russen dürfen bei der FIDE als Einzelsportler antreten, bekommen aber weder Hymne noch Nationalflaggen. Diese Regelung besteht seit dem Beginn des Angriffskrieges der Russen gegen die Ukraine. Bei der letzten Schacholympiade, dem wichtigsten Team-Event in der Schachwelt, in Budapest fehlten die Russen. Kritiker wie der Carlsen-Sekundant und gebürtige Däne und Schachgroßmeister Peter Heine Nielsen (51) kritisieren diese Regelung offen. Nielsen ist mit der Schachgroßmeisterin und heutigen litauischen Politikerin Viktorija Čmilytė-Nielsen (41) verheiratet.

Lagnos Statement

Kateryna Lagno wurde 1989 in Lemberg (Lwiw) in der westlichen Ukraine, damals noch Teil des Sowjetreiches, geboren. Ihre ersten schachlichen Erfolge erzielte Lagno für die Ukraine, wechselte dann aber 2014 zum russischen Schachverband. Ihr damaliger Wechsel der Verbände hatte im Jahr der Annexion der Krim für Unruhe gesorgt zwischen den Schachverbänden. Lagno ist mit dem russischen Schachgroßmeister Alexander Igorewitsch Grischtschuk (1985) verheiratet und hat vier Kinder. Der war vorher mit der Ukrainerin Natalia Zhukova (1979), ebenfalls Großmeister im Schach, verheiratet. Zhukova lebt in Odessa in der Ukraine.

Den Schönheitspreis bekam Alexandra Kosteniuk eine langjährige sportliche Gegenspielerin von Lagno im Spitzenschach der Frauen. Kosteniuk war zwischen 2008 und 2010 Schachweltmeisterin und ist gebürtige Russin (Perm, Ural). Sie hat sich allerdings vom russischen Verband inzwischen losgesagt und ist verheiratet mit dem bei der FIDE angestellten Pawel Wladimirowitsch Tregubow, 54, einem ebenfalls gebürtigen russischen Schachgroßmeister.

Den Schönheitspreis vergaben der Georgier Surab Asmaiparaschwili, 65, ebenfalls Schachgroßmeister und Dana Reizniece, eine lettische Frauengroßmeisterin und ehemalige Wirtschaft- und Finanzministerin ihres Landes. Reizniece ist „Deputy Chair“ des Weltschachbundes FIDE(*) und ihr werden Ambitionen nachgesagt, Dvorkovich einmal zu folgen. Die Gemengelage im Weltschach ist allerdings sehr fragil und bisher hat die Lettin ihren Hut noch nie in den Ring geworfen und pflegt eine Coexistenz bei der FIDE. Ihr fehlender Mut anzutreten liegt vermutlich daran, dass wer Präsident oder Präsidentin des Weltschachbundes werden will, nach bisheriger Lesart Geld mitbringen sollte. Bisher gibt es letztlich eine Abhängigkeit der FIDE von russischem Geld und Sponsoren. Ein Kritikpunkt, den insbesondere Peter Heine Nielsen immer wieder anprangert. Aus diesen vielfältigen persönlichen und landmannschaftlichen Zusammenhängen wird deutlich wie wichtig der Weltschachbund FIDE für die russische Föderation zu sein scheint. Im letzten Jahrhundert dominierte die Sowjetunion das Weltschach und stellte die längste Zeit den Schachweltmeister.

(*) In einer früheren Version dieses Textes hieß es Dana Reizniece sei Vizepräsidentin der FIDE. Der Weltschachbund hat mich darauf hingewiesen, dass das falsch ist: Dana Reizniece ist „Deputy Chair“ der FIDE. Das ist missverständlich übersetzt. Dana ist auch „Deputy President“ der European Chess Union (ECU). Wer mehr über die Titel des Managements der FIDE wissen will, der kann sich hier informieren: FIDE Directory – Member Federations and Officials.

Wer sich ein Bild von den beiden erwähnten Partien machen will, der kann das anhand der folgenden Analysen tun. Beide Partien hatten spektakuläre Phasen und auch ich würde Lagnos Partie für geeigneter halten. Ich hatte selbst mal eine andere Meinung zu einem Schönheitspreis bei einer Seniorenweltmeisterschaft in Bukarest. Da ging es aber um etwas anders gelagerte Frage worauf ein Schönheitspreis achten sollte. Ob das allerdings die wahre Ursache für den öffentlichen Frust von Kateryna Lagno ist, kann nur gemutmaßt werden.

Peter Heine Nielsen ist übrigens der Meinung, dass Lagno gar keine FIDE-Turniere spielen sollte, da sie auch immer wieder bei Propaganda-Turnieren von Großmeister Sergey Karjakin, dem ehemaligen Gegner von Magnus Carlsen im WM-Kampf von 2016 in New York, antritt. Karjakin, ebenfalls wie Lagno gebürtiger Ukrainer, ist inzwischen Politiker und versucht Normalität in eroberten ukrainischen Gebiete vorzuspiegeln. Das ist das noch größere Bild im Weltschach.



Fotos: Niki Riga (FIDE CHESS). Die Fotos sind in Monaco beim diesjährigen Grand-Prix der Frauen entstanden.

Hinweis

Es sei darauf hingewiesen, dass der Text im Original in deutscher Sprache geschrieben wurde. Gelegentlich gelingt es dem automatischen Übersetzer nicht die Details richtig zu übersetzen. Das gilt gerade bei schachspezifischen Kommentaren. So wurde beispielsweise in einem Text über den ehemaligen Weltmeister Ding der Name in das englische Wort „thing“ übersetzt. Oder das Wort für einen schachlichen Zug wird statt mit „move“ mit „train“ übersetzt. Wir haben keinerlei Einfluss auf solche Übersetzungsfehler der automatischen Übersetzung und können es auch nicht korrigieren – in manchen Sprachen ohnehin nicht. Wir empfehlen daher grundsätzlich das Original und etwas Humor.


Update

28. März 2025 Die Geschichte wird inzwischen bei Chess.com weiter erzählt. Es gab ein wertvolle Uhr von Cartier für den Schönheitspreis und einige Spielerinnen haben sich inzwischen geäußert. Alexandra Kosteniuk hätte sich ebenfalls für die Partie von Lagno entschieden und äußerte sich sehr diplomatisch. Einen politischen Hintergrund sieht sie offenbar nicht. Wer sich für die Weiterentwicklung der Geschichte interessiert, dem sein ein Link zum Artikel von Anthony Levin empfohlen.


Die in der Ukraine geborene russische Großmeisterin

Titelfoto: Mark Livshitz (FIDE CHESS)

Am Ende reichte es für die Ukrainerin Anna Muzychuk zu einem knappen Sieg vor der Chinesin Zhu Jiner. Die Inderin Harika Dronavalli erkämpfte sich einen verdienten dritten Platz als Beste im Verfolgerfeld. Anna und Zhu sind beide noch im Rennen um die direkte Qualifikation für das Kandidatinnenturnier. Entschieden wird dieser Qualifikationsweg vermutlich erst beim sechsten Grand-Prix in Österreich in zwei Monaten.

Auffälligste Spielerin war für mich die Internationale Meisterin Olga Badelka (22), die einige hervorragende Leistungen zeigte auch wenn sie beispielsweise in der Schlussrunde nicht voll punkten konnte. Gegen Divya Deshmukh stand Olga ebenfalls mehrfach auf Gewinn, um dann am Ende sogar noch zu verlieren. Sie wird an ihrer Kondition arbeiten müssen, um in den kommenden Jahren mit den besten Frauen der Welt mithalten zu können. Die belarussische Athletin spielte ab Oktober 2021 für Russland und seit Januar 2025 tritt sie für Österreich an. Die Hintergründe scheinen sogar in Österreich noch nicht genau ausgeleuchtet zu sein.

Tabelle erstellt mit Chessbase. Anmerkung: Die offizielle Turniertabelle sieht Goryachkina auf dem fünften Rang, da sie fünf Weißpartien (Tiebreak-Kriterium) hatte.

Grand-Prix

In der Grand-Prix-Serie geht es für die ersten Zwei um die Qualifikation zum nächsten Kandidatinnen-Turnier. Da Preise und Grand-Prix-Punkte aber bei Punktgleichheit geteilt werden, spielt die exakte Reihenfolge im Turnier keine wesentliche Rolle. Auf die Gesamtsituation im Grand-Prix hatte das Ergebnis folgende Auswirkungen: Klar vorne liegt die Russin Goryachkina, die theoretisch noch von der Ukrainerin Anna Muzychuk verdrängt werden kann, die aber dafür alleinige Siegerin im Grand-Prix in Österreich werden muss. Die Chinesin Tan Zhongyi kann das schon nicht mehr schaffen. Einzig die Chinesin Zhu Jiner kann noch an Goryachkina vorbeiziehen. Der indische Grand-Prix in einigen Wochen wird den Weg weisen. Sollte Zhu Jiner dieses Turnier gewinnen, besteht für Goryachkina in der Tat noch die Gefahr die sicher geglaubte Qualifikation noch zu verpassen, beispielsweise wenn Anna erneut das Turnier alleine gewinnt und Zhu einen geteilten zweiten Platz schafft.


Runde 6: Zwei entschiedene Partien

Elisabeth Pähtz ist gut befreundet mit vielen Spielerinnen auf der Tour. Dazu gehören auch die Muzychuk-Schwestern. Das war aber für Marija Muzychuk kein Grund ihre Partie nach dem Ruhetag aggressiv anzugehen und die formschwache Deutsche vom Brett zu fegen. Nach einigen sizilianischen Handgreiflichkeiten verlor die deutsche Großmeisterin recht früh die Kontrolle und ging dann regelrecht unter.



Die zweitälteste Teilnehmerin Nana Dzagnidze (38) zeigte genau wie die die Turnierseniorin Pähtz (40) Schwächen in späten Partiephasen. Gegen Harika Dronavalli stand Nana nach erneut unternehmungslustiger Eröffnung der Inderin Dronavalli zunächst klar besser. Dann im frühen Mittelspiel unterlief der Georgierin bereits ein grober Fehler und die Partie sollte eigentlich früh enden. Das passierte nicht und erst im Endspiel kam es zu einem erneut groben Fehler, den die Inderin diesmal nutzen konnte. Das erinnerte an die Niederlage der Georgierin gegen Anna Muzychuk in der vierten Runde.


In dieser Stellung zog die Georgierin ihren Springer von d6 nach f5. Stattdessen konnte sie auf f7 schlagen und die klar besseren Chancen reklamieren. Finden Sie den Zug nach dem Zug 19.Sf5?


Hier musste Weiß die einzige Drohung der Gegnerin parieren. Die Georgierin tat es nicht und spielte ihren König nach g1. Nach Le8 ist der schwarze Turm gefangen und die Partie war verloren. So ein Lapsus kann bei Großmeistern eigentlich nur mit konditionellen Schwächen erklärt werden. Ein letztlich glücklicher Punkt für die Inderin, die für ihren Mut in der Eröffnung belohnt wurde.


Verpasste Chance

Aleksandra Goryachkina verpasste direkt nach dem Kontrollzug die Chance auf einen vollen Punkt und damit ihre fast sichere Qualfikation im Grand-Prix angesichts ihres Restprogramms.



Die siebte Runde brachte Führungswechsel

Während Zhu Jiner ihre Partie gegen Divya gewann, musste Anna Muzychuk gegen Olga Badelka nach einer starken Angriffspartie ihrer Gegnerin erstmals hinter sich greifen. Die Griechin Tsolakidou bekommt jetzt zu spüren wie es ist wenn man in einem Rundenturnier als angeschlagen gilt. In den letzten vier Partien gelang ihr nur ein Remis. Diesmal gewann die Georgierin Nana Dzagnidze gegen sie. Für das Gesamtklassement hat das allerdings keine Auswirkungen mehr. Elisabeth Pähtz bekam ein weiteres schnelles Remis gegen die üblicherweise professionell auftretende Russin Goryachkina. Das war schon in Monaco so gewesen.



Runde 8: Anna wieder dran

Nach ihrer Schwester gewann auch Anna Muzychuk ihre Partie gegen die deutsche Großmeisterin, die in Interviews bereits ihren Abgang von der Weltbühne vorbereitet. In der anderen Partie des Tages gewann die Inderin Divya Deshmuk ein kompliziertes Leichfigurenendspiel nach hartem Kampf. Für Olga Badelka, die inzwischen für Österreich antritt, kam nach ihrem Vorrundensieg gegen die führende Ukrainierin Anna Muzychuk erneut eine Ernüchterung. Divya konnte ihren ersten vollen Punkt verzeichnen und spielt in der Schlussrunde gegen Elisabeth Pähtz.


Antwort eines künftigen Champions



Fünf Remis in Runde 9

In der letzten Runde gab es fünf Remispartien aber langweilig waren nur die zwei Partien der Muzychuk-Schwestern. Zhu Jiner versuchte viel, um sich gegen die Georgierin Nana Dzagnidze doch noch den Turniersieg zu sichern. Das gelang nicht nach einem spannenden Turmendspiel ohne Fehler blieben am Ende zwei Könige übrig. Tragisch war was auf dem Brett von Olga Badelka passierte, die lange Zeit auf Gewinn stand, und am Ende im Turmendspiel den Gewinn doch noch hergab. So blieb es bei einem Punkt Vorsprung für Anna Muzychuk und Zhu Jiner, die sich die Grand-Prix-Punkte teilen.

Momente aus der Finalrunde

Elisabeth Pähtz hatte ein gruseliges Turnier und konnte in der Schlussrunde sich nicht aufraffen einen klaren Vorteil im Endspiel auszuspielen. Das Turnier, aber auch diese letzte Partie spielte die Deutsche unter ihre Möglichkeiten. Die andere Partie aus der Finalrunde war allerdings krass. Olga Badelka überspielte ihre Gegnerin, spielte grandios bis es zum Turmendspiel kam und gab am Ende einen halben Punkt ab gegen die angezählte Griechin, die zuvor dreimal in vier Partien hinter sich greifen musste.





Fotos: Mark Livshitz (FIDE CHESS)

Offizielle Event-Homepage.

Zum Herunterladen unkommentierter Partien empfehlen wir: Chess Results als neutrale Quelle. Natürlich ohne Gewähr.

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Die Partieanalysen können heruntergeladen werden, indem man auf den hier rot markierten Button klickt.


Titelfoto: Mark Livshitz (FIDE CHESS) Am Ende reichte

Titelfoto: Mark Livshitz (FIDE Chess)

In Nikosia, der Hauptstadt Zyperns, findet das vierte von sechs Frauen-Grand-Prix-Turnieren statt. Bislang sieht es so aus als würden sich Goryachkina und eine Chinesin qualifizieren. Auf Zypern übernahm Anna Muzychuk zur Halbzeit die Führung, nachdem die Chinesin Zhu Jiner den besten Start hatte. Die Ukrainerin könnte das Qualifikationstableau noch einmal mächtig durcheinander bringen.

Von den bisher gespielten 25 Partien wurden zehn Partien entschieden. Das ist eine ordentliche Quote. Immer deutlicher wird auch im Frauenschach, dass Alter im Leistungsbereich eine zunehmend wichtigere Rolle spielt. Die älteste Teilnehmerin Elisabeth Pähtz (40) konnte schon zu Beginn des Turniers erneut nach zwei enttäuschenden Auftritten im Grand-Prix nicht mithalten und spricht selbst von Problemen mit ihrem Energielevel. Immerhin gelang ihr in der fünften Runde ein schöner Sieg gegen die Inderin Harika Dronavalli (34), die seit der Geburt ihres Kindes bislang nicht wieder zu alter Stärke finden konnte. Anna Muzychuk ist 35 Jahre alt und ihre Schwester Marija, bereits Weltmeisterin vor zehn Jahren, ist drei Jahre jünger. Die jüngste Spielerin im Feld ist die Inderin Divya Deshmukh mit 19 Jahren. Zhu Jiner ist mit 22 Jahren bereits Großmeister und studiert Ökonomie in Shanghai. Sie war eigentlich im Grand-Prix gar nicht vorgesehen, sprang aber für ihre Landsfrau Lei Tingje ein. Man könnte darüber spekulieren, dass diese als Sekundantin einer der zwei Chinesinnen im Weltmeisterschaftskampf im April hilft. Um die Altersliste noch zu vervollständigen: Die Georgierin Nana Dzagnidze ist 38 und die Russin Aleksandra Goryachkina ist mit 26 Jahren schon eine erfahrene Spielerin, die bereits einen WM-Kampf hinter sich hat. Die Griechin Stavroula Tsolakidou wird zum Ende des Turniers 25 Jahre alt und Olga Badelka, die inzwischen für Österreich antritt, ist ebenfalls erst 22 Jahre alt.

Ein Blitzstart gelang der Chinesin Zhu Jiner mit zwei Siegen in den Startrunden. Zunächst gewann sie mit den weißen Steinen gegen Olga Badelka und dann mit Schwarz gegen die deutsche Großmeisterin Elisabeth Pähtz. Gegen die Deutsche profitierte sie von einem Energieeinbruch nach fünf Stunden Spielzeit, anders ist das Geschehen auf dem Brett nicht zu erklären.


Die Leiden der Elisabeth Paehtz

Die deutsche Großmeisterin spricht selbst immer häufiger vom eigenen Karriereende. Tatsächlich hat sie seit der Schacholympiade in Budapest keine überzeugenden Turniere mehr gespielt. Immerhin will Elisabeth noch Blitz und Schnellschach spielen. In Deutschland bricht unter Funktionären bereits Panik aus. Auf der anderen Seite hatte Paehtz bereits mehrfach ihren Rücktritt erklärt und meist mit Kritik am Deutschen Schachbund verbunden, um dann doch wieder anzutreten.


Diese Stellung von Elisabeth mit Weiß gegen Zhu Jiner aus der zweiten Runde hat es in die aktuellen Lasker-Aufgaben geschafft. Schwarz hat hier keine aktiven Optionen mehr. Der schwarze König muss den Bauern auf f6 verteidigen und das potentielle Eindringen des Gegners auf f5 verteidigen. Der Läufer auf d1 kann nach e2 ziehen und Schwarz reagiert mit Königszügen zwischen e4 und f4. Die Partie sollte Remis enden. Das gespielte 49.g5 war jedoch ein grober Fehler an dieser Stelle. Schwarz tauschte den eigenen f-Bauern und zog mit dem h-Bauern vorbei nach h5 und Weiß wird in Zugzwang kommen.

Die deutsche Großmeisterin Elisabeth Paehtz hatte bereits in der ersten Runde gegen die Griechin Stavroula Tsolakidou eine ordentliche Niederlage kassiert. In einem Interview vor dem Turnier hatte Elisabeth die aktuelle Krise eingeräumt und ihre altersbedingten Energieverlust verantwortlich gemacht. Vielleicht liegt es auch an anderen vielfältigen Aktivitäten wie einem Hausbau, der den Fokus verändert.



Anna. Zuletzt drei Siege in Folge

Anna Muzychuk begann das Turnier mit ihrem standardisierten Remis gegen ihre Schwester. Danach folgte ein weiteres Remis gegen Aleksandra Goryachkina und dann gewann die Ukrainerin ihre nächsten drei Partien. Gegen Nana Dzagnidze hatte Anna etwas Glück. Danach folgten noch ein Sieg gegen Divya, die eigentlich aus der Eröffnung heraus sehr gut stand, und gegen die Griechin Stavroula Tsolakidou.


In dieser Stellung gewinnt Weiß eigentlich ohne Nachzudenken nach dem Tausch der Damen im Bauernendspiel. Das lernt man bereits als Anfänger unter dem Stichwort entfernter Freibauer. Anna war sich kurz vor der Zeitkontrolle nicht so sicher und nahm stattdessen im 39. Zug auf c5. Danach ist die Stellung im Damenendspiel eigentlich haltbar. Das war aber noch nicht die ganze Geschichte der Partie. Es ging weiter und die Georgierin bekam die Verteidigung dann doch nicht hin.





Momente

Die jüngere Schwester von Anna Muzychuk, Marija, spielte bislang mit fünf Remis-Partien eher unauffällig. In der fünften Runde hatte sie eine gute Chance gegen Olga Badelka, konnte diese aber nicht nutzen.





Nach sechs Zügen spielte hier Harika in der fünften Runden den neuen und schlechten Zug d7-d5, der ein Bauernopfer darstellt und keine Kompensation bot. Das machte ihre Chancen im Turnier nach dem Sieg in der Runde zuvor wieder zunichte. Die Inderin mag übermotiviert an die Partie herangegangen sein gegen eine angeschlagene Gegnerin (0.5 aus 4). So konnte die deutsche Elisabeth Pähtz immerhin seit langer Zeitt wieder eine Turnierpartie gewinnen.


Hinter den Kulissen

Der Weltschachbund bietet in der Regel gutes Informationsmaterial von seinen Turnieren an. Diesmal ist Michael Rachal (54), ein spanischer Internationaler Meister für die Pressetext verantwortlich. Rahal betreibt auch einen sehr informativen Youtube-Kanal auf dem er regelmäßig aktuelle Partien vorstellt und kommentiert. Das Fotomaterial stammt diesmal von Mark Livshitz, einem der bekannteren Fotografen auf der Schachtour. Diesmal kam auch der Vizepräsident der FIDE und fünfmalige Weltmeister Vishy Anand vorbei und kommentierte zusammen mit der ukrainischen Kommentatorin Anastassija (42) Karlowytsch die fünfte Runde.


Tabelle erstellt mit Chessbase.

Anna Muzychuk hätte bei einem alleinigen Sieg in Nikosia noch eine gute Chance auf einen der zwei Qualifikationsplätze. Sollte die Russin Goryachkina zum Schluss des Turnier nicht noch einbrechen, dann dürfte sie sich direkt für das Turnier der Kandidatinnen qualifizieren. Den zweiten Qualifikationsplatz sollte eigentlich eine Chinesin holen, welche der beiden könnte sich ebenfalls erst im letzten Turnier in Österreich zeigen, dann spielen Anna, Zhu und Tan im gleichen Turnier mit.


Peter Heine Nielsen sprach während des Turniers ein nicht unproblematisches Thema an. Die Muzychuk-Schwestern spielen regelgerecht immer in der ersten Runde gegeneinander, um Manipulation bei den Ergebnissen auszuschließen. Die Partien gehen immer Remis aus und wirken wie abgesprochene Resultate. Sie haben aus seiner Sicht den Vorteil, dass sie die Folgepartien ausgeruhter angehen können. Die beiden in der letzten Runde gegeneinander spielen zu lassen, wäre allerdings noch absurder. Um das Thema zu entschärfen sollten die Spielerinnen aber nicht in jedem Grand-Prix gemeinsam antreten wie in diesem Zyklus.


Event-Homepage.

Fotos: Mark Livshitz (FIDE CHESS).


Titelfoto: Mark Livshitz (FIDE Chess) In Nikosia, der

Von Thorsten Cmiel

Die Idee der Lasker Puzzles ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Aufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.


1. Aufgabe: Weiß ist am Zuge? Wie sollte man das Remis anstreben? Was gilt es zu vermeiden?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach, aber in einer Turnierpartie und nach langer Spielzeit will man oft schnelle Klarheit. Weiß sollte abwarten und den eigenen König nach e4 ziehen. Stattdessen folgte hier 49.g5 und nach 49…fxg5 50.hxg5 h5 gewinnt Schwarz durch Zugzwang, zumal der eigene Läufer das Umwandlungsfeld h1 beherrscht.


2. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge. Wie lautet ihr Vorschlag?


3. Aufgabe: Weiß ist am Zuge. Was nun?

Diese Stellung stammt aus der gleichen Partie. Wie sollte Weiß hier seinen offensichtlichen Vorteil verwerten? Das ist keine einfache Aufgabe in einer praktischen Partie und hier helfen nur konkrete Berechnungen.



4. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge. Wie sollte Schwarz seine Stellung verstärken?

Der belgische Jungstar Daniel Dardha zog im 39. Zug hier in der erstem Runde der aktuellen Europameisterschaft seinen Turm nach e3. Nach dem Springerzug nach f4 folgte trotzdem der Einschlag mit dem Läufer auf h3. Es wurde kein weiterer Zug mehr gespielt.

Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.


Von Thorsten Cmiel Die Idee der Lasker Puzzles

Von Thorsten Cmiel

Die Idee der Lasker Puzzles ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Aufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.


1. Aufgabe: Weiß ist am Zuge? Wie sollte man das Remis anstreben? Was gilt es zu vermeiden?

Diese Stellung stammt aus der Partie von Elisabeth Pähtz beim Frauen-Grand-Prix in Nikosia 2025. Die deutsche Großmeisterin hatte zuletzt in einem Interview die eigene Kraftlosigkeit zugegeben. In der Tat ist sie die älteste Teilnehmerin im Feld und scheiterte hier gegen die 18 Jahre jüngere Chinesin Zhu Jinher.


2. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge. Wie lautet ihr Vorschlag?

Die deutsche Nummer Zwei, Frederik Svane, spielt hier mit Schwarz gegen einen türkischen Großmeister in der zweiten Runde der Europameisterschaft. Wie sollte es hier im neunten Zuge am besten für ihn weitergehen?


3. Aufgabe: Weiß ist am Zuge. Was nun?

Diese Stellung stammt aus der gleichen Partie. Wie sollte Weiß hier seinen offensichtlichen Vorteil verwerten?


4. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge. Wie sollte Schwarz seine Stellung verstärken?

Auch diese Stellung stammt aus der aktuellen Europameisterschaft. Schwarz steht klar besser, aber wie sollte man den eigenen Angriff am besten verstärken?

Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.


Von Thorsten Cmiel Die Idee der Lasker Puzzles

Titelfoto: Petr Vrabec (Prag Chess Festival)

Der Weg zum Großmeistertitel erweist sich nach einem schwierigen Turnier zuvor in Wijk aan Zee für Divya Deshmukh auch in Prag als steinig. In der letzten Phase des Turniers hilft ihr in der achten Runde Glück und in der Schlussrunde zündet Divya ein taktisches Feuerwerk.

Von Thorsten Cmiel

Runde 7: Jonas Buhl Bjerre (Dänemark)

Jonas ist 20 Jahre alt und erst in diesem Jahr aus dem Juniorenalter entwachsen. Der Däne ist bereits seit 2020 Schachgroßmeister, was sein außerordentliches Talent belegt. Allerdings stagniert er seit einiger Zeit. Bjerre ist zurzeit die dänische Nummer Eins unter den aktiven Spielern. Seine Partie gegen Divya entwickelte sich zu einer Seeschlange, also einer sehr langen Partie. Bjerre ist eröffnungstheoretisch meist gut vorbereitet und pflegt meist einen positionellen Spielstil. Die Eröffnungsphase überstand Divya ordentlich, zeigte dann aber, dass sie mit dem entstandenen Stellungstyp nicht viel anfangen konnte. In der darauf folgenden Phase manifestierte sich der Eindruck und zur Zeitkontrolle stand die Inderin auf Verlust und gab wenige Züge später auf.



Runde 8: Jachym Nemec (Tschechien)

Jachym gehört zu der jungen Garde tschechischer Spieler, die den Großmeistertitel anstreben. Der Tscheche ist drei Jahrgänge jünger als Divya und bislang noch Fide-Meister, er hat aber bereits die ausreichende Elozahl von 2400 Punkten zusammen. Der Verlauf der Partie erweist sich als tragisch für den Tschechen, der in der letzten Spielphase regelrecht einbricht, dabei hatte er nach der Zeitkontrolle komplett auf Gewinn gestanden.




Runde 9: Stamatis Kourkoulos-Arditis (Griechenland)

Der 26-jährige griechische Großmeister hatte zuletzt im Dezember mit 7,5 aus 9 die griechische Landesmeisterschaft gewonnen. Bei der Europameisterschaft in Petrovac hatte Stamatis mit 7 Punkten aus 11 Partien ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis erzielt. In Prag lief es für den Griechen nicht sonderlich gut. Und dann kam die folgende Stellung gegen Divya auf das Brett.


Zuletzt hatte der Grieche seinen Turm von a8 nach b8 gezogen. Was ist davon zu halten? Kann und sollte Divya den Bauern auf g7 schlagen? Und falls ja, wie geht es dann konkret weiter.

Das Turnier endete mit einem versöhnlichen Schlusstag für Divya. Das Ergebnis bedeutete eine leichten Eloverlust von etwas mehr als sechs Punkten.

Das Challengers-Turnier in Prag gewann der Usbeke Nodirbek Yakuboev gegen den Divya schon in Wijk ran durfte. Divya hat den direkten Vergleich mit den zwei punktgleichen Spielern 2-0 gewonnen und ist daher auf dem siebten Platz gelandet. Beide Partien gewann die Inderin in überzeugendem Stil und wurde dafür in der zweiten Runde mit dem Zuschauerpreis für die beste Partie der Runde ausgezeichnet. Ob sie diesen Preis ebenfalls für ihren Schlussrundensieg erhielt war zum Zeitpunkt des Erstellen dieses Textes noch nicht bekannt, aber wahrscheinlich.

Wie geht es weiter für Divya?

In einer Woche folgt für Divya der nächste Grand Prix in Nicosia auf Zypern weiter. In Prag hat sich gezeigt, dass sie zumindest gegen sehr starke Gegner im positionellen Bereich noch nachlegen kann. Gleichzeitig zeigt vor allem ihr Sieg in der Schlussrunde wie gefährlich es ist, der Inderin taktische Verwicklungen anzubieten. Die Eröffnungsvorbereitungen von Divya sind meist erstklassig gewesen, aber die Auswahl der Schwarzeröffnungssysteme scheint verbesserungsbedürftig zu sein. Ein langwieriger Abwehrkampf wie er sich aus der Tarrasch-Verteidigung gelegentlich ergibt mit isoliertem d-Bauern scheint zu ihren Stärken im konkreten Spiel nicht zu passen. Fans dürfen gespannt sein.


Unkommentierte Partien




Fotos: Petr Vrabec, Mark Livshitz (Dr. ML Photo). Prag Chess Festival.


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Titelfoto: Petr Vrabec (Prag Chess Festival) Der Weg

Titelfoto: Petr Vrabec, Prag Masters 2025.

Taktische Wendungen sind in Partie von starken Spielern meist das Resultat von gutem Spiel. Kreativität zeigt sich genau in diesen Momenten und oft sind die Lösungen keineswegs Standardkombinationen wie man sie in typischen Taktiktests findet. Hier einige Stellungen zum Üben.

Von Thorsten Cmiel


1. Schwarz ist am Zuge. Was soll er tun?

Diese Stellung ist aus der siebten Runde im Masters. Dran ist Aravindh Chithambaram, 25, ein langjährigen Trainingspartner des in der Schachwelt bekannteren Praggnanandhaa, Pragg. Beide gehören zur vermutlich spielstärksten Trainingsgruppe in Indien in der u.a. noch Carlsen-Besieger Murali Karthikeyan dabei ist. Mentor der Top-Großmeister aus Chennai ist RB Ramesh mit seiner Schachschule Gurukul.


2. Schwarz ist am Zuge. Was soll er machen?


3. Schwarz ist am Zuge. Was ist hier überhaupt los?

Diese Stellung stammt aus dem Challenger-Turnier in Prag. Beide Seiten haben Freibauern. Weiß hat aber vor allem auch Angriffspotential und Druck gegen den Bauern auf g7. Der schwarze Springer auf h5 ist eine reine Deckungsfigur. Schwarz muss damit umgehen und sollte sich mit den Drohungen des Gegners sowie den eigenen Chancen beschäftigen. Es ist nicht einfach im 64. Zug noch die ausreichende Aufmerksamkeit aufzubringen.

Fotos: Petr Vrabec

Offizielle Homepage.


Titelfoto: Petr Vrabec, Prag Masters 2025. Taktische Wendungen

Foto: John Brezina, Wijk aan Zee 2025.

Von Thorsten Cmiel

Die beiden Challenger-Turniere in Wijk aan Zee und Prag haben sich als Nachwuchsturniere für Großmeisterkandidaten etabliert. In den Niederlanden lag der Elodurchschnitt bei 2547 Punkten und in Prag ist er mit 2555 Punkten in diesem Jahr sogar etwas besser ausgefallen. In Wijk waren neun der 14 Teilnehmer bereits Großmeister. In Prag sind sechs der neun Teilnehmer Großmeister. Mit Marc‘ Andria Maurizzi (2007) ist der Juniorenweltmeister 2023 am Start. Maurizzi hatte kurz vor dem Turnier in Prag ein Großmeisterturnier in Djerba gewonnen und dabei eine Turnierleistung von 2898 Elopunkten erzielt. In Prag lief es zunächst nicht sehr gut für den inzwischen für Frankreich spielenden Großmeister. In der fünften Runde spielte er mit zwei Punkten gegen Divya.

Runde 4: Ma Qun (China)

Über den 33-jährigen chinesischen Großmeister Ma Qun ist in Europa wenig bekannt, da er im Schatten der Topspieler in China steht und eher selten spielt. Sein bisheriger Höhepunkt mit Turniererfolgen in Europa liegt schon etwa zehn Jahre zurück. Großmeister wurde Ma 2013. Die Partie aus der vierten Runde war eine Berliner Mauer und im Verlauf nicht sehr dramatisch. Nicht einmal aus dem Maschinenraum gab es leiseste Kritik. Der 34-jährige Großmeister zeigt Respekt und versucht gar nicht erst etwas zu erreichen in dieser Partie. Die Inderin hatte in den aktuellsten Datenbanken nur eine Partie gegen das schwarze System gespielt.

Runde 5: Marc‘ Andria Maurizzi (Frankreich)

Die folgende Partie betrachten wir zum Zwecke der eingehenden Analyse in drei Teilen. So ist eine lange Partien oft leichter verdaulich. Es ist nicht eine exakte Aufteilung in Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel, kommt dieser Einteilung in der betrachteten Partie aber durchaus nahe. Diese Analysetechnik hilft in jedem Fall etwas genauer hinzuschauen und kann als Ergänzung für das eigene computergestützte Training empfohlen werden.

Für dieses Turnier hat sich Divya offensichtlich für die Tarrasch-Verteidigung entschieden. Man muss dann damit rechnen mit einem isolierten Damenbauern (IQP = Isolated Queens Pawn) zu spielen. So kam es in der ersten Runde gegen Ivan Salgado und in der dritten Runde gegen Nodirbek Yakuboev. In beiden Partien lagen ihre Niederlagen nicht an der Eröffnungswahl. Auch diesmal überstand die Inderin die Eröffnungsphase mit einer ausgeglichenen Stellung. Aber der entstandene Stellungstypus ist keinesfalls einfach zu spielen und das könnte ein grundsätzlicher Nachteil dieser Spielweise sein. Der spielstärkere Spieler kann in der Regel diesen Stellungstyp sehr lange weiter kneten.




Runde 6: Vaclav Finek (Tschechien)

Vaclav ist mit 15 Jahren (geboren am 1. Januar 2010) der jüngste Teilnehmer im Feld. Wie Divya hatte er in fünf Runden anderthalb Punkte gesammelt. Seinen Internationalen Meister bekam Vaclav 2023 auf dem gleichen Kongress (3.) wie Divya zuerkannt. Vaclav war damit der jüngste tschechische Spieler, der diesen Titel erreichen konnte.


Die IM-Normen von Vaclav.

Im letzten Jahr war Vaclav sehr erfolgreich. Im Czech Open 2024 gewann Vaclav überraschend nachdem er in der Schlussrunde gegen Liviu-Dieter Nisipeanu in ein einem Turmendspiel erfolgreich war. Bei der U14-Jugendeuropameisterschaft 2024 in Prag gewann er den Titel.

Die Partie bestand aus einer interessanten Eröffnungsphase Divya wählte mit ihrem achten Zug eine Variante, die ihr Gegner noch nie auf dem Brett hatte. Die Eröffnungsphase verlief eindeutig zugunsten der Inderin, die eine ausgeglichene Stellung erzielte. Dann allerdings passierte ihr im 19. Zug ein positioneller Fehler und davon konnte sie sich nicht mehr erholen. Die Verwertungsphase von Vaclav Finek war insgesamt ein starker Vortrag im zweiten PGN-Teil.



Mit anderthalb Punkten liegt Divya nach der sechsten Runde auf dem letzten Platz im Challengers. Die letzten zwei Partien haben Schwächen (vor allem in weniger konkreten Stellungen) in ihrem Spiel aufgezeigt, die ihren Trainern helfen dürften daran zu arbeiten. In Prag stehen allerdings zunächst drei weitere Runde an und die gilt es in dieser schwierigen Situation zu überstehen.


Unkommentierte Partien




Fotos: Petr Vrabek, Mark Livshitz (Dr. ML Photo).

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Foto: John Brezina, Wijk aan Zee 2025. Von

Von Thorsten Cmiel

Die Idee der Lasker Puzzles ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Aufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.

In der letzten Woche ist einer der ganz großen Schachspieler gestorben. Boris Spasski war ein Gigant auf dem Schachbrett, er lebte von 1937 (Leningrad) bis 2025 (Moskau) und wurde 88 Jahre alt. Spasski war der zehnte Schachweltmeister. Von 1969 – 1972 dauerte seine Regentschaft und er folgte er auf Tigran Petrosjan. Die Bürde des Weltmeistertitels belastete ihn, wie er mal sagte. Wer mehr über Boris Spasski wissen will, der sei auf die hervorragenden Texte von Johannes Fischer verwiesen.

Wir ehren ihn durch einige Aufgaben in dieser Aufgabensammlung.


1. Aufgabe: Weiß ist am Zuge? Hier gilt es einen klaren Gewinn zu finden.

Boris Spasski fand überraschenderweise nicht den Königszug nach f6, der leicht gewonnen hätte.


2. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge. Wie sollte sich Schwarz am besten verteidigen.


3. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge. Einmal verwandeln wie Spasski bitte.

Boris Spasski begann seinen Angriff mit dem entscheidenden Springerschach auf f3.


4. Aufgabe: Weiß ist am Zuge. Es folgte noch genau ein weiterer Zug?

Dies ist eine Stellung aus der letzten entschiedenen Partie zwischen Boris Spasski und dem amtierenden Weltmeister Tigran Petrosjan aus dem Jahr 1969. Gespielt wurde die Partie in Moskau. Boris Spasski spielte noch den 53. Zug f5-f6.

Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.


Von Thorsten Cmiel Die Idee der Lasker Puzzles

Titelfoto: Dariusz Gorzinski

Von Thorsten Cmiel

Den Unterschied macht im Schach häufig Wissen und Halbwissen. Hinzu kommt in Turnierpartien Müdigkeit und als Folge daraus Unaufmerksamkeit. Besonders im Endspiel kosten solche Kombinationen negativer Faktoren halbe Punkte. Die Beispiele hier sollen uns helfen zu lernen, aber nicht die Leistung der Spieler zu beurteilen.

Schauen wir uns einige aktuelle Endspiele an, die nicht so verliefen wie es sein sollte.


Wie sollte Vincent Keymer mit Schwarz hier fortsetzen?


Wie sollte Schwarz hier seine Verteidigung organisieren? Eigentlich dürfte das niemandem Probleme bereiten, aber in Turnierpartien kommt man auf die merkwürdigsten Gedanken, vor allem wenn man im Kopf hat, dass man in Turm- und Doppelturmendspielen möglichst aktiv zu Werke gehen sollte. Aber spekulieren wir nicht. Was tun?


Ich nenne solche Entscheidungen gerne Fifty-Fifty-Entscheidungen. In dieser Stellung sind sowohl Tc1 als auch der sofortige Tausch auf c4 in der Bewertung nicht sonderlich unterschiedlich einzuschätzen. Für welchen Zug sollte sich ein Praktiker entscheiden. Den Erhalt des stärkeren Läufers oder das Turmendspiel mit einem Bauern weniger?


Titelfoto: Dariusz Gorzinski Von Thorsten Cmiel Den Unterschied macht