Connect with:
HomeStandard Blog Whole Post

Die in der Ukraine geborene russische Großmeisterin Kateryna Lagno verzichtet auf die Teilnahme am nächsten Frauen Grand-Prix in Indien. Bei der FIDE heißt es lapidar dazu, dass Lagno aus persönlichen Gründen zurück gezogen habe. Dem widerspricht die Spielerin jetzt in einem öffentlichen Statement, das Peter Heine Nielsen bei X, vormals Twitter veröffentlichte.

Von Thorsten Cmiel

Es geht um einen Schönheitspreis, den Jekaterina Alexandrowna Lagno, 35, nicht bekommen hat, sondern Alexandra Konstantinowna Kosteniuk, 40. Wer einen neuen politisch inkorrekten vielleicht sogar frauenfeindlichen Skandal oder gar Zickenkrieg zweier Frauen vermutet, der liegt allerdings falsch. Es geht nicht um das Aussehen der beiden Spielerinnen, sondern um zwei gewonnene Partien im Schach und um Politik.

Das Statement von Lagno erfolgte via sozialen Medien und besteht in einem Schreiben an den russischen Präsidenten Arkadij Dvorkovich. Der steht vor allem bei europäischen Beobachtern ohnehin auf der Beobachtungsliste, er bevorzuge „seine Russen“ heißt es. Tatsächlich bemüht sich Dvorkovich um eine Normalisierung im Spielbetrieb. Russen dürfen bei der FIDE als Einzelsportler antreten, bekommen aber weder Hymne noch Nationalflaggen. Diese Regelung besteht seit dem Beginn des Angriffskrieges der Russen gegen die Ukraine. Bei der letzten Schacholympiade, dem wichtigsten Team-Event in der Schachwelt, in Budapest fehlten die Russen. Kritiker wie der Carlsen-Sekundant und gebürtige Däne und Schachgroßmeister Peter Heine Nielsen (51) kritisieren diese Regelung offen. Nielsen ist mit der Schachgroßmeisterin und heutigen litauischen Politikerin Viktorija Čmilytė-Nielsen (41) verheiratet.

Lagnos Statement

Kateryna Lagno wurde 1989 in Lemberg (Lwiw) in der westlichen Ukraine, damals noch Teil des Sowjetreiches, geboren. Ihre ersten schachlichen Erfolge erzielte Lagno für die Ukraine, wechselte dann aber 2014 zum russischen Schachverband. Ihr damaliger Wechsel der Verbände hatte im Jahr der Annexion der Krim für Unruhe gesorgt zwischen den Schachverbänden. Lagno ist mit dem russischen Schachgroßmeister Alexander Igorewitsch Grischtschuk (1985) verheiratet und hat vier Kinder. Der war vorher mit der Ukrainerin Natalia Zhukova (1979), ebenfalls Großmeister im Schach, verheiratet. Zhukova lebt in Odessa in der Ukraine.

Den Schönheitspreis bekam Alexandra Kosteniuk eine langjährige sportliche Gegenspielerin von Lagno im Spitzenschach der Frauen. Kosteniuk war zwischen 2008 und 2010 Schachweltmeisterin und ist gebürtige Russin (Perm, Ural). Sie hat sich allerdings vom russischen Verband inzwischen losgesagt und ist verheiratet mit dem bei der FIDE angestellten Pawel Wladimirowitsch Tregubow, 54, einem ebenfalls gebürtigen russischen Schachgroßmeister.

Den Schönheitspreis vergaben der Georgier Surab Asmaiparaschwili, 65, ebenfalls Schachgroßmeister und Dana Reizniece, eine lettische Frauengroßmeisterin und ehemalige Wirtschaft- und Finanzministerin ihres Landes. Reizniece ist „Deputy Chair“ des Weltschachbundes FIDE(*) und ihr werden Ambitionen nachgesagt, Dvorkovich einmal zu folgen. Die Gemengelage im Weltschach ist allerdings sehr fragil und bisher hat die Lettin ihren Hut noch nie in den Ring geworfen und pflegt eine Coexistenz bei der FIDE. Ihr fehlender Mut anzutreten liegt vermutlich daran, dass wer Präsident oder Präsidentin des Weltschachbundes werden will, nach bisheriger Lesart Geld mitbringen sollte. Bisher gibt es letztlich eine Abhängigkeit der FIDE von russischem Geld und Sponsoren. Ein Kritikpunkt, den insbesondere Peter Heine Nielsen immer wieder anprangert. Aus diesen vielfältigen persönlichen und landmannschaftlichen Zusammenhängen wird deutlich wie wichtig der Weltschachbund FIDE für die russische Föderation zu sein scheint. Im letzten Jahrhundert dominierte die Sowjetunion das Weltschach und stellte die längste Zeit den Schachweltmeister.

(*) In einer früheren Version dieses Textes hieß es Dana Reizniece sei Vizepräsidentin der FIDE. Der Weltschachbund hat mich darauf hingewiesen, dass das falsch ist: Dana Reizniece ist „Deputy Chair“ der FIDE. Das ist missverständlich übersetzt. Dana ist auch „Deputy President“ der European Chess Union (ECU). Wer mehr über die Titel des Managements der FIDE wissen will, der kann sich hier informieren: FIDE Directory – Member Federations and Officials.

Wer sich ein Bild von den beiden erwähnten Partien machen will, der kann das anhand der folgenden Analysen tun. Beide Partien hatten spektakuläre Phasen und auch ich würde Lagnos Partie für geeigneter halten. Ich hatte selbst mal eine andere Meinung zu einem Schönheitspreis bei einer Seniorenweltmeisterschaft in Bukarest. Da ging es aber um etwas anders gelagerte Frage worauf ein Schönheitspreis achten sollte. Ob das allerdings die wahre Ursache für den öffentlichen Frust von Kateryna Lagno ist, kann nur gemutmaßt werden.

Peter Heine Nielsen ist übrigens der Meinung, dass Lagno gar keine FIDE-Turniere spielen sollte, da sie auch immer wieder bei Propaganda-Turnieren von Großmeister Sergey Karjakin, dem ehemaligen Gegner von Magnus Carlsen im WM-Kampf von 2016 in New York, antritt. Karjakin, ebenfalls wie Lagno gebürtiger Ukrainer, ist inzwischen Politiker und versucht Normalität in eroberten ukrainischen Gebiete vorzuspiegeln. Das ist das noch größere Bild im Weltschach.



Fotos: Niki Riga (FIDE CHESS). Die Fotos sind in Monaco beim diesjährigen Grand-Prix der Frauen entstanden.

Hinweis

Es sei darauf hingewiesen, dass der Text im Original in deutscher Sprache geschrieben wurde. Gelegentlich gelingt es dem automatischen Übersetzer nicht die Details richtig zu übersetzen. Das gilt gerade bei schachspezifischen Kommentaren. So wurde beispielsweise in einem Text über den ehemaligen Weltmeister Ding der Name in das englische Wort „thing“ übersetzt. Oder das Wort für einen schachlichen Zug wird statt mit „move“ mit „train“ übersetzt. Wir haben keinerlei Einfluss auf solche Übersetzungsfehler der automatischen Übersetzung und können es auch nicht korrigieren – in manchen Sprachen ohnehin nicht. Wir empfehlen daher grundsätzlich das Original und etwas Humor.


Update

28. März 2025 Die Geschichte wird inzwischen bei Chess.com weiter erzählt. Es gab ein wertvolle Uhr von Cartier für den Schönheitspreis und einige Spielerinnen haben sich inzwischen geäußert. Alexandra Kosteniuk hätte sich ebenfalls für die Partie von Lagno entschieden und äußerte sich sehr diplomatisch. Einen politischen Hintergrund sieht sie offenbar nicht. Wer sich für die Weiterentwicklung der Geschichte interessiert, dem sein ein Link zum Artikel von Anthony Levin empfohlen.


Die in der Ukraine geborene russische Großmeisterin

Foto: Eric Rosen (FIDE Chess)

Ding Chilling ist während des Wettkampfes eine Art Markenzeichen des Chinesen geworden. Es begann mit einer Frage einer Mitarbeiterin des Deutschen Schachbundes. Inzwischen gibt es sogar einstündige Videos mit unterlegter Musik zur Entspannung.

Note: There is an automatic error using „Ding“ in German language it is „thing“ in English. So I for the moment changed the name in the headline to Liren.



Foto: Eric Rosen (FIDE Chess) Ding Chilling ist

Von Thorsten Cmiel


Leontxo García ist unzweifelhaft der Großmeister im Raum. Leontxo arbeitet als Journalist bei El País. Ich sitze zufällig neben ihm heute während die zwölfte Partie in Singapur läuft. Ding Liren scheint Gukesh früh am Wickel zu haben. Ich frage Leontxo nach Ähnlichkeiten zur Schachweltmeisterschaft 1987 zwischen Garri Kasparov und Anatoli Karpov. Kasparov war amtierender Weltmeister, hatte die 23. Partie verloren und musste die letzte Partie gewinnen. Als Leontxo antwortet, kommt mir die Idee seine Ausführungen aufzuzeichnen, er ist einverstanden. Dann sprudeln die Worte aus ihm heraus und ich erfahre viel mehr von einem, der Schach lebt und liebt.

Leontxo war 1987 Kommentator im Fernsehen

Die Weltmeisterschaft 87. Das war das vierte Match zwischen Kasparov und Karpov. Es war extrem ausgeglichen. Alles hing von der allerletzten Partie, der 24. ab. Also hatte das spanische Fernsehen jeden Abend ein Sonderprogramm. Und weil die Situation so emotional, so angespannt war, beschlossen die spanischen Fernsehbosse, die allerletzte Partie live zu übertragen. Das ganze Spiel. Laut offizieller Statistik hatten wir damals 13 Millionen spanische Zuschauer, die Schach im Fernsehen sahen. Ich bin mir sicher, dass mehr als 90 Prozent dieser 13 Millionen keine Ahnung von Schach hatten, aber sie drückten einem der beiden aus politischen oder anderen Gründen die Daumen. Ich meine, wir müssen bedenken, dass Karpov und Kasparov Symbole für zwei völlig gegensätzliche Lebensauffassungen im größten Land der Welt waren. Karpov war ein Vertreter der alten kommunistischen Garde, und Kasparov repräsentierte die Perestroika, den Erneuerungsgeist Gorbatschows. Deshalb war es möglich, dass 13 Millionen Menschen dem Schach folgten. Und das ist aus schachlicher Sicht sehr wichtig, denn das ist der Schlüsselmoment, warum Spanien seit dem folgenden Jahr, 1988, das Land in der Welt ist, das jedes Jahr mehr internationale Turniere organisiert, denn unter diesen 13 Millionen gab es natürlich viele potenzielle Sponsoren oder Medienredakteure oder Schuldirektoren oder einfach Mütter und Väter. Ich meine, viele Menschen, die mit dem Schach sympathisierten. Seit diesem Moment.

Das Topturnier Linares. Das gibt es nicht mehr. Was ist passiert?

Es gibt nicht zwei verschiedene Realitäten. Spanien ist immer noch das Land in der Welt, das jedes Jahr die meisten internationalen Turniere organisiert. Hunderte. Wenn man Wochenendturniere, Rapid und so weiter mitzählt. Das Linares-Problem ist ein sehr spezifisches. Linares hatte zwei große Probleme zur gleichen Zeit. Zum einen die Wirtschaftskrise, die weltweite Krise im Jahr 2008, und zum anderen die lokale Krise, weil diese allgemeine Krise den Santana-Motor, den größten Industriezweig in Linares und den Schlüsselfaktor für die lokale Wirtschaft, dazu zwang die Fabrik zu schließen. Und das bedeutete, dass die Arbeitslosigkeit in Linares auf über 50 Prozent anstieg. Es war also eine schreckliche Situation eingetreten, und dann mussten sie sich entscheiden, etwas zu ändern. Es tut mir leid, dass sie ihre Herangehensweise an das Schachspiel komplett geändert haben, anstatt Geld zu investieren, um die Stadt in der ganzen Welt berühmt zu machen. Was sie nun seit vielen Jahren tun, ist, dass sie jedes Jahr einige spanische Meisterschaften in verschiedenen Kategorien organisieren, zu denen viele Leute anreisen und die Kosten selbst tragen. Und jetzt lässt das Schachspiel Geld in Linares, anstatt Geld zu nehmen.

Wie beliebt ist Schach in Spanien?

Fußball ist natürlich wie eine Religion in Spanien. Fußball ist also eine andere Kategorie. Schach ist besonders beliebt als pädagogisches Mittel. Am 11. Februar 2015. In unserem Parlament geschah etwas, was ich ein Wunder nenne. An diesem Tag war ich sehr versucht, den Vatikan anzurufen, um ein Wunder zu melden, denn alle spanischen politischen Parteien, ohne Ausnahme, waren sich einig. Dies ist ein Wunder in Spanien. Und ich hatte Schach als pädagogisches Mittel empfohlen. Nach der Empfehlung des Europäischen Parlaments vor drei Jahren hatten wir in Spanien ein föderales System für die Bildung, was bedeutet, dass jede Region, abgesehen von den sehr großen autonom über die Bildung entscheidet. Von unseren 17 Regionen haben zehn bereits Schach in den Lehrplan aufgenommen, wobei Tausende von Schulen, die Schach als außerschulische Aktivität nutzen, nicht mitgezählt werden.

Leontxo ist nicht nur Journalist


Ganz am Anfang, als ich anfing, als Schachjournalist zu arbeiten, 1983 entdeckte ich, dass Schach sehr interessante Verbindungen zu wichtigen Bereichen des menschlichen Wissens hat: Bildung, Psychologie, Psychiatrie, Neurologie, Mathematik, künstliche Intelligenz, Kino, Literatur, internationale Politik und so weiter. Deshalb ist meine Zeitung, El Pais, diejenige in der Welt mit den meisten Schachinhalten. Einige dieser Schachinhalte sind nur Schach, für echte Schachliebhaber. Meine tägliche Kolumne beispielsweise ist eine kommentierte Partie einer Woche. Mein wöchentliches Video zeigt meist eine der brillantesten Partien der Geschichte, kommentiert von mir. Aber es gibt auch andere Inhalte. Zum Beispiel schicke ich jeden Donnerstag einen Newsletter an die Abonnenten, und nutze das als eine Art Entschuldigung, um über alles zu schreiben. Am interessantesten ist sicherlich der Bezug zum Thema Bildung. Wir haben starke wissenschaftliche Beweise und lange und ernsthafte Erfahrungen in der ganzen Welt. Man kann sagen, dass Schach ein sehr mächtiges Instrument ist oder sein kann.

sondern auch Vortragsreisender


Ich halte viele Vorträge und gebe auch Workshops. Ich habe mehr als 30.000 Lehrerinnen und Lehrer in mehr als 30 Ländern darin geschult, wie man Schach als transversales und interdisziplinäres Werkzeug einsetzen kann. Transversal bedeutet zum Beispiel, dass Schach mit emotionaler Intelligenz kombiniert wird, was transversal für alle Fächer ist und ein sehr wichtiges Feld für innovative Bildung im 21. Interdisziplinär bedeutet, dass zum Beispiel, aber nicht nur, ein großer Teil der Mathematik, Geometrie, Arithmetik, Algebra durch Schach auf eine sehr lustige Art und Weise erklärt werden kann. Die Schüler lernen durch das Spielen und das Spielen durch das Lernen, und für die Lehrer ist das sehr effizient. Und das funktioniert sehr gut in mehreren Ländern.

und internationaler Botschafter


Ich war bisher in vielen Ländern, das am weitesten fortgeschrittene und eines der Länder, das ich als Modell für gute Praktiken empfehlen kann, ist natürlich Ungarn. Die Judit Polgar Stiftung macht das sehr gut. Einige spanische Regionen, fünf davon, nämlich Katalonien, Aragonien, Andalusien, die Kanarischen Inseln und die Balearen. Dann drei argentinische Provinzen Santa Fe, San Luis und Buenos Aires City. Und Uruguay. In Mexiko gibt es einige sehr interessante Erfahrungen an verschiedenen Orten. Die Regierungen von Panama, Paraguay und Costa Rica haben in den letzten Jahren Entscheidungen zugunsten des Schulschachs getroffen. Wir müssen also noch ein wenig auf die Entwicklung warten. Dann im Vereinigten Königreich. Diese Stiftung von Malcolm Pein läuft schon seit einigen Jahren recht gut, mit einem guten Grad an Zufriedenheit unter den Lehrern. In Deutschland, ich glaube in Hamburg, hat man einige interessante Erfahrungen gemacht, und ich spreche hier von einem rein pädagogischen Test. Wenn wir über Schach in Schulen als Sport sprechen, dann müssen wir natürlich auch über Russland, Kuba, die Türkei und einige andere Länder sprechen. Andorra habe ich nicht erwähnt. Andorra ist sehr klein, aber die Qualität dessen, was sie im Schulschach tun, ist sehr hoch. Das ist gut.

Leontxo über den Argentinier Faustino Oro


Natürlich ist ein Wunderkind wie Faustino aus Sicht der Vermarktung von Schach erfreulich. Ich kann Beispiele nennen: Jeder weiß, was Rafael Nadal für das Tennis in Spanien bedeutet. Oder wenn wir über Schach sprechen, Vishy Anand in Indien. Faustino ist ein sehr interessanter Glücksfall, kann ich sagen. Natürlich ist das nicht objektiv, aber ich bin davon überzeugt. Faustino ist der intelligenteste zehnjährige Schachspieler, den ich je gesehen habe. Ich meine, ich kann mich an keinen anderen zehnjährigen Spieler erinnern, der so gut gespielt hat wie Faustino im Alter von zehn Jahren. Aber eine Einschränkung bei historischen Betrachtungen gibt es. Wenn wir vergleichen, wie viele Stellungen pro Tag haben Bobby Fischer oder Judit Polgar jeden Tag auf Papier gesehen? Ich meine Bücher, Zeitschriften, Zeitungen. Und wir vergleichen diese Zahl mit der Zahl an Positionen die Faustino Oro jeden Tag mit der modernen Technologie sieht. Das bedeutet zunächst, dass seine Entwicklung viel schneller voran schreitet. Meine Schlussfolgerung ist, dass Faustino Oros Talent nicht unbedingt ein größeres Talent haben muss als Bobby Fischer. Aber erkennbar macht er größere Fortschritte.

Argentinien oder Spanien?

Sie sind jetzt in Argentinien, weil Faustino die argentinische Meisterschaft gespielt hat und jetzt zur Rapid-Weltmeisterschaft in New York fährt. Aber soweit ich weiß, ist es ihr Plan, nach Badalona zurückzukehren, das ganz in der Nähe von Barcelona liegt. Faustino ist ein sehr liebenswerter Junge. Er ist nicht nur ein Kindergenie, sondern er ist auch sehr nett. Es ist sehr nett, mit ihm zu reden, ich war bei ihm zuhause. Wir sind sehr froh, ihn in Spanien zu haben, natürlich.


Leontxo García (WIKI)

Leontxo Garcia (El Pais)

Leontxo (El Pais) Youtube Kanal


Kurz und Bündig

  • 13 Millionen Zuschauer verfolgten die 24. Partie im spanischen Fernsehen
  • seit 1988 richtet Spanien immer mehr internationale Turniere aus
  • Schach ist in Spanien ein Bildungsinstrument
  • Leontxo hat mehr als 30.000 Lehrer in mehr als 30 Ländern ausgebildet
  • Schachwunderkinder wie der Argentinier Faustino Oro tragen zur Popularität des Sports bei

Fotos: Budapest Kongress 2024 (FIDE Chess)

Von Thorsten Cmiel Leontxo García ist unzweifelhaft der

Von Thorsten Cmiel

Während Gukesh sich während laufender Turniere grundsätzlich von Social Media fern hält, nutzt Ding Diskussionen auf Social Media zum Entspannen. Dabei bekommt der Chinese möglicherweise manche Diskussionen mit, lässt sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen, sagt er. Tatsächlich laufen auf verschiedenen Kanälen manche Diskussionen aus dem Ruder. Kommentatoren und Streamer, selbst mit meinungsstarken Maschinen bewaffnet, kritisieren die Spieler und halten das Niveau für nicht so berauschend. Objektiv betrachtet sieht es anders aus.

Einer, der sich beruflich mit Datenanalysen und deren Interpretation beschäftigt ist Mehmet Ismail, Wirtschaftswissenschaftler und Spieltheoretiker für Norway Chess im Einsatz. Ismail hat über eine Milliarde an Schachzügen einer Analyse unterzogen und seine eigenen Berechnungen angestellt, die über das einfache Interpretieren von Genauigkeitsdaten hinausgehen. Einige seiner spannendsten Erkenntnisse dazu.



Schach Weltmeisterschaften – immer präziser

Die Abbildung von Mehmet Ismail zeigt einen Trend abnehmender Fehlpunkte (zunehmende Genauigkeit) im Laufe der Zeit. Dieser Trend steht im Einklang mit einer unabhängigen Stockfish-Analyse auf Tiefe 20 und mit anderen früheren Studien sowie der allgemeinen Einschätzung führender Großmeister.


Bis zum Match 1921 lag der Durchschnitt der Spieler bei mehr als einem verpassten Punkt pro Spiel, was bedeutet, dass ihre Fehler sich zu mehr als einem bedeutenden Fehler pro Spiel summierten. Im Laufe der Jahre sind die durchschnittlich verpassten Punkte deutlich zurückgegangen.




Schon vor den Schachprogrammen lernten Schachspieler von der vorherigen Generation und die Eröffnungen verbesserten sich. Infolgedessen hat sich die Gesamtgenauigkeit erhöht. Auch Schachprogramme haben zu dieser Steigerung beigetragen.

Mehmet Ismail im Dezember 2024.


Beim Schach geht es Ismail zufolge jedoch nicht nur um Präzision, sondern auch darum, kalkulierte Risiken einzugehen. Hierfür hat der Datenexperte den Game Intelligence (GI)-Score entwickelt, der einen Kompromiss zwischen dem Spielen der Hauptvariante und dem Abweichen davon zum Eingehen von gezielten Risiken erfasst. Um die GI-Werte der Spieler zu messen, hat Ismail mehr als eine Milliarde Schachzüge analysiert. Über eine Million dieser Züge wurden von den weltbesten Schachgroßmeistern ausgeführt. Der durchschnittliche menschliche GI-Wert ist auf 100 standardisiert, mit einer Standardabweichung von 15. Dies bedeutet, dass 68 Prozent der Schachspieler einen GI-Wert zwischen 85 und 115 aufweisen.


PlayerGI scoreMissed pointsTPRGames
Magnus Carlsen160,10,44284856
Viswanathan Anand158,70,43279088
Vladimir Kramnik157,20,54280365
Garry Kasparov157,20,542725197
Veselin Topalov156,40,52273623
Liren Ding156,40,56278926
Anatoly Karpov155,70,612725194
Jose Raul Capablanca153,60,7248
Robert James Fischer153,10,87274920
Tigran V Petrosian150,60,8969

In dieser Tabelle von Mehmet Ismail (Stand: 2024, 12 Partien in Singapur gespielt) sind die Ergebnisse der Weltmeister bei Partien in Schachweltmeisterschaften aufgeführt.


Wie man die Daten interpretieren sollte

Wie die Tabelle zeigt, ist Viswanathan Anand mit einer durchschnittlichen Punktzahl von 0,43 pro Partie der Spieler mit der höchsten Genauigkeit. Magnus Carlsen sticht jedoch mit dem höchsten GI-Wert von 160 heraus, was darauf hindeutet, dass Carlsens Spielstil, der nicht immer dem besten Zug des Computers folgt, dazu neigt, seinen Gegnern im Vergleich zu anderen Spielern mehr Fehler zu entlocken.


WM Match Singapur zwischen Ding Liren und Gukesh

Beide Spieler haben laut der Top-Schachengine Stockfish während des Matches in den ersten 12 Partien auf identischem Niveau gespielt, obwohl es vier entscheidende Partien gab. Ihre durchschnittlichen Fehlpunkte pro Partie lagen bei lediglich 0,4. Das deutet laut Mehmet Ismail darauf hin, dass die Fehler während der Partien insgesamt weniger als einen schwerwiegenden Fehler pro Partie ausmachten. Dieses hohe Maß an Genauigkeit macht das Match zum zweitgenauesten Weltmeisterschaftsmatch der Geschichte, das nur von der legendären Begegnung zwischen Garry Kasparov und Viswanathan Anand im Jahr 1995 übertroffen wird.


Ich kann nicht wirklich glauben, dass es das bisher genaueste Spiel ist.

Herausforderer Gukesh nach der siebten Partie

Vielleicht vor diesem Spiel.

Weltmeister Ding Liren nach der siebten Partie.


Mehmet Ismail

Ich möchte drei kritische Stellungen aus der 11. Partie ansprechen, die entweder kurz vor einem Fehler stehen oder bei denen die Spieler sehr lange (mehr als 15 Minuten) zum Rechnen brauchen.

Zum Beispiel spielte Ding in dem ersten Diagramm in dieser Stellung den Damenzug nach c8. Dies führte zu einem verpassten Punkt von 0,4, was bedeutet, dass Ding, wie oben definiert, von einer fast objektiv ausgeglichenen Stellung in eine Verluststellung geriet. Beachten Sie die Logik, dass 0,5 verpasste Punkte bedeuten, dass man von einer ausgeglichenen zu einer Verluststellung übergeht.

In dem zweiten Diagramm ist die Stellung abgebildet kurz bevor Gukesh laut Engine einen Fehler begeht, indem er Tdb1 zieht. Dies ergibt 0,34 verpasste Punkte, da Weiß zwar einen bedeutenden Vorteil verliert, aber immer noch besser steht. Es handelt sich also um eine geringere verpasste Chance als bei Dings Fehler.

Im dritten Diagramm ist die Stellung vor dem Fehler mit dem Bauernzug auf e7-e6 dargestellt, der mit 0,44 verpassten Punkten erheblich ist.“


Über die Grenzen von Datenanalysen

Was die Analyse der Spielqualität im Schach betrifft, so glaubt Mehmet Ismail, dass nan versuchen sollte, die Qualität des Spiels so genau wie möglich zu messen, denn obwohl Engines viel stärker sind als Menschen, können Standardmethoden wie der Verlust von Hundertstelbauern oder die Genauigkeitsrate zu irreführenden Ergebnissen führen. Zweitens sei die Analyse der Zugqualität zwar nützlich, aber man sollte ihre Grenzen anerkennen.

Ein Beispiel dazu: Ein perfektes Spiel zu spielen und zu gewinnen ist etwas ganz anderes als ein perfektes Spiel zu spielen und ein Unentschieden zu erzielen; in beiden Fällen mag das Spiel perfekt sein, aber im ersten Fall macht der Gegner einen Fehler und im zweiten Fall nicht. Der GI-Score zielt darauf ab, die Unterschiede zwischen den beiden unterschiedlichen Spielsituationen zu erfassen. Es gibt laut Ismail noch viel mehr Möglichkeiten, Schachstatistiken aus menschlicher Sicht verständlicher und interpretierbarer zu machen.


Verwendete Definitionen und Methoden

Verpasste Punkte

Die Werte sind durchschnittliche verpasste Punkte pro Partie. 1,00 und 0,50 verpasste Punkte sind gleichbedeutend mit einem spielverlierenden Fehler in einer Gewinn- bzw. Remisstellung. Im Gegensatz dazu bedeuten 0 verpasste Punkte ein perfektes Spiel. Verpasste Punkte messen die Punkte, die ein Spieler in einem Spiel gemäß der Engine verpasst. Jeder Fehlzug wird anhand der Gewinn-Unentschieden-Verlust-Wahrscheinlichkeit des obersten Engine-Zugs und des tatsächlichen Zugs berechnet.

Wenn man beispielsweise in einer Gewinnstellung einen Fehler macht, der zur Niederlage führt, ist das 1 verpasster Punkt, während ein Fehler in einer Remisstellung 0,5 verpasste Punkte bedeutet. 0 verpasste Punkte bedeutet perfektes Spiel.

Was ist mit Spielintelligenz (GI) gemeint?

Der GI-Wert kombiniert die menschliche Leistung mit der Engine-Analyse und misst die Fähigkeit der Spieler, strategische Risiken einzugehen. Die GI-Punktzahl steigt, wenn man mehr Punkte gewinnt und gegen stärkere Gegner punktet, aber sie sinkt bei Fehlern. Der durchschnittliche GI-Wert eines Schachspielers liegt bei 100. Etwa 68 Prozent der Spieler haben einen GI-Wert zwischen 85 und 115. Die Gewinner von Superturnieren erreichen in der Regel einen GI-Wert von 160 oder mehr.

Methodenhinweise


Jeder Fehler wird anhand der Gewinn-Remis-Verlust-Wahrscheinlichkeit des besten Engine-Zuges und des tatsächlichen Zuges des Spielers berechnet. Mit diesem Verfahren ist es möglich, Probleme bei der Interpretation zu vermeiden, die mit den weit verbreiteten durchschnittlichen Bauernverlust-Metriken einhergehen. Für die Engine bedeutet eine Änderung der Bewertung von +9,0 auf +7,0 oder von +2,0 auf 0,0 einen Verlust von zwei Bauerneinheiten; aus menschlicher und praktischer Sicht gibt es jedoch einen großen Unterschied zwischen den beiden Änderungen. Aus diesem Grund liefert die Arithmetik, z. B. das Addieren und Bilden des Durchschnitts von Verlusten in Hundertstelbauern, aus menschlicher Sicht im Allgemeinen keine aussagekräftigen Ergebnisse.

Ebenso sind Ergebnisse mit prozentualer Genauigkeit möglicherweise nicht intuitiv. Beispielsweise hatten die Spieler im aktuellen WCC sowohl in Partie 2 als auch in Partie 7 eine Genauigkeit von etwa 96 %. Allerdings hatten die Spieler in Partie 2 0,07 Punkte, was ein nahezu perfektes Spiel bedeutet, während sie in Partie 7 1,00 Punkte verfehlten, was einem spielentscheidenden Fehler in einer Gewinnstellung entspricht. Spiel 7 war zwar ein ganz anderes Remis als Spiel 2, da Spiel 7 sehr lange dauerte, was jedoch den Genauigkeitswert verzerrt.

Mehmet Ismail berücksichtigt für seine Analysen alle Züge in einer Partie, beginnend mit dem ersten Zug. Er verzichtet auf das Herausnehmen von Eröffnungszügen. Das begründet Ismail so: Ihm sei erstens kein zuverlässiger Datensatz bekannt, der die ersten Züge außerhalb des Buches enthält, und zweitens würde es ohnehin wenig ändern, da verpasste Punkte eine Statistik auf Spielebene sind (sie wird nicht durch die Zuganzahl geteilt).


Über Mehmet Ismail

Mehmet Ismail ist Dozent für Wirtschaftswissenschaften an der Abteilung für politische Ökonomie des King’s College London. Zu seinem akademischen Hintergrund gehört seine Promotion in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Maastricht. Mehmet hat außerdem einen Master in angewandter Mathematik von der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne und verbrachte ein Semester an der Universität Bielefeld im Rahmen des Erasmus Mundus QEM-Programms.

Neben seiner akademischen Tätigkeit ist Mehmet ein leidenschaftlicher Schachliebhaber und ehemaliger professioneller Backgammon-Spieler. Seine Leidenschaft für Spiele geht weit über das bloße Spielen hinaus; er ist fasziniert von der facettenreichen Welt der Spiele und erforscht alles von theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungen bis hin zu Spieldesign, Fairness und dem Spiel selbst. Mehmet ist für Norway Chess als Experte für Spieltheorie im Einsatz.

Interessierte Leser können auf GitHub weitere Informationen und Details der Analysen von Mehmet Ismail finden.




Dieser Chart von Mehmet Ismail zeigt den

Google ist Titelsponsor der Schachweltmeisterschaft in Singapur 2024 und hat zur Weltmeisterschaft eine sehr informative Website mit vielen Informationen zum Schach bereitgestellt. Ästhetisch sind die Informationen hochwertig präsentiert. Eine uneingeschränkte Empfehlung

Screenshot Google Culture and Arts

Culture and Arts

Alpha Zero bis Alpha Go bis Google Deep Mind

Bei der Entwicklung von Alpha Zero ging es den Entwicklern darum zu Lernen um zu lernen. Dieser Prozess ging weiter mit Alpha Go und führte zur Gründung von Googles Deep Mind. Zuletzt war ein Nobelpreis in Chemie das Ergebnis an dem der Gründer Demis Hassabis (Jahrgang 1976) und John Jumper (Jahrgang 1985) von Deep Mind entscheidend mitgewirkt haben.

Zu Beginn der Weltmeisterschaft hielt ein anderer Wissenschaftler Nenad Tomasev einen Vortrag und stellte sich Fragen. Wie wird Künstliche Intelligenz unsere Welt verändern? Hier sehen wir erste Erfolge und mit Schach fing alles an.

Nobel Preise 2024

TC

Google ist Titelsponsor der Schachweltmeisterschaft in Singapur

Foto Maria Emelianova (FIDE Chess)

Von Thorsten Cmiel

Ding Liren und Gukesh sitzen in einer Art schalldichtem Glashaus, Cube genannt. Ein solcher Cube kam bei Weltmeisterschaften bereits vorher zum Einsatz: In London 2018 sah das räumliche Szenario ähnlich aus. Zu Beginn führt die Pressebetreuerin der FIDE akkreditierte Fotografen für einen kurzen Moment in den Raum. Die Konstruktion ist erst kurz vor der Weltmeisterschaft zusammengebaut worden, da vorher eine andere Veranstaltung am Spielort stattfand. Von draußen kann man rein, von drinnen nicht raus sehen. Es spiegelt sich.

Zu Beginn müssen die Spieler die üblichen Startrituale über sich ergehen lassen. Maurice Ashley gibt den Ansager wie bei einem Boxkampf und stellt die Spieler und Gäste vor. Den ersten Zug führt Demis Hassabis aus, selbst ein passabler Schachspieler und ehemaliges Wunderkind, aber vor allem ist er das Mastermind hinter Alpha Zero und später Alpha Go, einer selbstlernenden Künstlichen Intelligenz für Googles Deep Mind. Hassabis erhielt jüngst den Nobelpreis in Chemie. Gukesh flüstert ihm 1.e4 als Startzug zu und Gukesh bleibt in der Partie später dabei. Er hätte es ändern können, die Schiedsrichterin hatte den Zug auf dem Brett zurück gestellt. Vermutlich wäre das im Duell allerdings eher ein Zeichen der Schwäche gewesen. So etwas macht keiner. Die Partie beginnt also mit dem Zug des Königsbauern. Es ist nicht ungewöhnlich und strategisch im Match sinnvoll, die Eröffnungen des Gegners gegen die Hauptzüge 1.e4 und 1.d4 frühzeitig auszutesten.

Ding antwortet auf den Königsbauernzug seines Gegners etwas überraschend für die meisten Kommentatoren mit der Französischen Verteidigung. Dabei hat Ding immerhin über 70 Partien mit dieser Verteidigung auf dem Brett gehabt. Häufiger hat er nur klassisch geantwortet und früher war er gefürchtet für seine Angriffspartien in einigen scharfen Varianten nach der spanischen Eröffnung. Häufiger als Französisch hatte der Weltmeister die Caro-Kann-Verteidigung gespielt, wenn er nicht klassisch (1…e5) spielen wollte. In der Pressekonferenz kam später Richard Rapport der Sekundant ins Spiel, Ding lobt ihn als großen Französisch-Experten, was richtig ist, aber Richard spielt vor allem den Zug mit dem Läufer nach b4, die so genannte Winawer-Variante oder typisch Rapport den etwas ausgefalleneren Springerzug nach c6. In der klassischen Variante, die in der ersten Partie auf das Brett kam, findet man keine Partie von Richard Rapport.

Die Eröffnungswahl ging für Gukesh nicht gut aus. Der Inder hatte zuvor bereits mehrfach die Steinitz-Variante mit Vorstoß des eigenen e-Bauern nach e5 gespielt. Den sechsten Zug mit seinem Damenspringer nach e2 hatte Gukesh bisher noch nicht angewandt. Er wird diese Variante nach meiner Einschätzung in diesem Kampf auch nicht wiederholen. Die Partie wurde allerdings nicht in der Eröffnung entschieden. Der erste wirklich kritische Moment in der Partie sah so aus:

In diesem Moment entscheidet sich, ob es Weiß gelingt seine Figuren vernünftig zu koordinieren. Er sollte um das Feld c4 kämpfen und dafür seinen Läufer nach f1 umgruppieren. Dafür hätte Gukesh am besten mit dem Zug seines Läufers nach e1 begonnen, um das Feld f3 für seinen Turm freizumachen. Stattdessen entschied sich Gukesh für einen passiv gedachten Zug mit seinem a-Turm. Danach wurde es zunächst einseitig und Liren überspielte seinen jungen Gegner.

In dieser Stellung sahen beide Spieler einen kleinen taktischen Trick und brachen mit wenig Restbedenkzeit – Gukesh hatte noch etwas mehr als zehn Minuten auf der Uhr – die Berechnungen ab. Nach dem Schlagen des Bauern auf h7 sieht es zunächst gut aus für den Inder, aber Schwarz hat einen Trickzug zur Verfügung. Er gibt das ablenkende Damenschach auf d4. Weiß kann das nicht ignorieren, da der h4-Bauern nach einem Seitenschritt mit dem König mit Schach fällt.

Die Partie war nach dem Damenzugpaar nach c2 und c4 entschieden. Wer mehr wissen will, kann sich die Analyse der Partie anschauen.

Die Fotos zur Partie zeigen wie Gukesh zunächst zusammenbricht. Das erinnerte an die siebte Runde in Toronto nach seiner Niederlage gegen Alireza Firouzja. Ding war natürlich besserer Laune und erlaubte sich die Journalisten auf die eine oder andere falsche Fährte zu locken. Als er eine Frage auf chinesisch gestellt bekam und sehr schnell antwortet, wirkten die Verantwortlichen überrascht, denn eine Übersetzung fand nicht statt. In der Pressekonferenz war das Supportteam von Liren ebenfalls dabei. Sein Vater ist eher ein seltener Gast bei seinen Turnieren. Der Chinese wird normalerweise nur von seiner Mutter begleitet. Gukesh zeigte sich nachdenklich, war aber voll präsent bei der Presskonferenz. Die Schachwelt kann aufatmen. Liren hat sein Lächeln zurück gefunden.

„Das war ein taktisches Versehen von mir. Das kann passieren, es ist ein langes Spiel. Was die Form meines Gegners angeht, habe ich nichts anderes erwartet. Ich habe die beste Version von ihm erwartet, und wir haben ein langes Match vor uns, also ist es jetzt nur noch spannender.“ Gukesh nach seiner Niederlage in Runde 1.

Hintergrund: Via Youtube. Diese interessante Dokumentation stellt Google Deep Mind selbst auf Youtube zur Verfügung.

Ulrich Stock für Die Zeit

Foto Maria Emelianova (FIDE Chess) Von Thorsten Cmiel Ding

Von Thorsten Cmiel

Eine Schachanalyse ist die detaillierte und nachträgliche Untersuchung und Bewertung einer Schachpartie. Betrachtet werden einzelne Züge, verfolgte Strategien oder einfach bestimmte Positionen. Inzwischen weiß man, dass bei bestem Spiel beider Seiten eine Schachpartie mit Remis enden sollte. Insofern ist es eine wichtige Aufgabe Kipppunkte zu identifizieren, also Momente, bei denen die Bewertung objektiv eine Unwucht bekommt. Sie umfasst das Prüfen von Eröffnungen, Mittelspielstrategien und Endspieltechniken, um die Stärken und Schwächen eines Spiels oder eines Spielers zu erkennen. Dabei werden oft auch alternative Züge und deren mögliche Konsequenzen betrachtet. Schachanalysen können sowohl manuell durch erfahrene Spieler als auch mit Hilfe von Schachcomputern und -software durchgeführt werden. Ziel ist es, das Verständnis für das Spiel zu vertiefen und die eigenen Fähigkeiten zu verbessern.

Vier Hauptziele einer Partieanalyse

1. Kipppunkt(e) bestimmen

Es ist für die retrospektive Analyse entscheidend ab wann eine Partie von einer ausgeglichenen Stellung in eine schlechtere Stellung oder sogar in eine verlorene Stellung überführt wurde, gekippt ist. Schachengines können da helfen.

Automatische Analyse mit dem Li-Chess-Tool

Der obige Chart zeigt den Verlauf einer zufällig ausgewählten Schachpartie in der Darstellung von Lichess, einem Internetportal bei dem Spieler ihre Partien in einem Schnelldurchlauf mit einer Schachengine prüfen können. Wir erkennen, dass Weiß zu Beginn einen leichten Vorteil hatte und, dass erst im Endspiel wirklich etwas los war. Der Schwarzspieler dieser Partie stand fünfmal auf Gewinn (Zacken nach unten), bekam es aber zunächst nicht hin. Für die Analyse hieße das, dass man die Zacken und die Absturzmomente – die Extrempunkte – genauer untersuchen sollte. Genau auf diese Weise analysieren Charttechniker an der Börse Kursverläufe und hoffen daraus die richtigen Schlüsse für zukünftige Entwicklung vorherzusagen. Beim Schach hat man seine Geschicke weitgehend selbst in der Hand.

2. Fehler entdecken

Am besten kann man nach einer Schachpartie zumindest Vermutungen darüber anstellen, welche eigenen oder gegnerischen Züge nicht sonderlich gelungen waren. Dieser Teil wird heutzutage zu häufig von starken Engines wie „Stockfish“ übernommen, die taktische Überprüfungen anstellen. Wer allerdings glaubt, dass die taktischen Engineanalyse die absolute Wahrheit erzählt, liegt falsch.

3. Verbesserungen suchen

Wenn man etwas Selbstdisziplin aufbringt und ohne Rechnerhilfe nach Lösungen für praktische Probleme sucht, dann verbessert man als Schachspieler sein Verständnis des Spielgeschehens.

4. Eigene Schwächen ermitteln.

Es geht nicht darum sich selbst zu zerfleischen in der nachträglichen Partieanalyse. Aber jede Partie kann Fragen aufwerfen: Was ist in der Eröffnung falsch gelaufen? Warum habe ich im Mittelspiel keinen Plan gefunden? Warum war mein Zeitverbrauch so hoch? Konnte ich im Endspiel bestimmte Stellungen nicht bewerten? Welches Wissen fehlte mir? Und viele weitere Fragestellungen sind denkbar.

Lebenslanges Lernen ist das Ziel

Das Ziel der Partie- oder Stellungsanalysen ist es, Verbesserungsideen für das eigene Spiel zu sammeln und möglichst bei der nächsten Gelegenheit anzuwenden. Dieser Verbesserungsprozess ist für jeden Schachspieler jeder Spielstärke möglich. Weltklassegroßmeister können allerdings als schon gut ausgebildete Spieler nur kleine Schritte machen. Sogar Magnus Carlsen kann besser werden. Allerdings haben mehrere führende Großmeister seine Schwächen nicht wirklich aufdecken können in fünf Weltmeisterschaftskämpfen.


Das AI-generierte Beitragsbild zeigt ein mechanisches Schloss im Stil eines „Da Vinci“-Codeschlosses. Es besteht aus mehreren rotierbaren Ringen mit Buchstaben darauf, die in Reihen angeordnet sind. An den Enden befinden sich dekorative Kappen mit geometrischen Mustern und Symbolen. Die Oberfläche der Buchstabenringe ist metallisch und detailliert mit Gravuren. Das Schloss hat einen antiken und mystischen Charakter und scheint für ein Rätsel oder eine Geheimhaltung konstruiert worden zu sein. Dieses Design erinnert an ein mechanisches Zahlenschloss, jedoch mit Buchstaben anstelle von Zahlen, und wird oft in Abenteuerspielen oder Geschichten verwendet, um eine geheime Botschaft zu entschlüsseln. Schachpartien sind solche Rätsel zumindest für die meisten Schachspieler.

Eine Schachanalyse ist die detaillierte und nachträgliche

Foto: Maria Emelianova (Singapur 2024)

Von Thorsten Cmiel

Im Ecosystem des Schachsports erscheint immer wieder ein neuer Stern, der die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zieht. Manche leuchten besonders hell. Einer dieser aufstrebenden Stars ist der junge indische Schachgroßmeister Dommaraju Gukesh. Mit seinen beeindruckenden Leistungen hat Gukesh nicht nur die indische Schachszene erobert, sondern insbesondere 2024 international für Aufsehen gesorgt. Sein nächstes großes Ziel ist der bevorstehende Weltmeisterschaftskampf in Singapur gegen den chinesischen Titelverteidiger Ding Liren.

Wer ist Gukesh?

Dommaraju Gukesh, so sein vollständiger Name, wurde am 29. Mai 2006 in Chennai, Indien, geboren. Als das Talent sichtbar wurde ging sein Vater, ein Arzt, mit seinem Sohn auf Reisen und förderte so die Karriere seines Sohnes. 2015 steht Gukesh als Candidate Master in den Titelbüchern und drei Jahre später war Gukesh bereits Internationaler Meister. Im Jahr 2019 folgte der Titel eines Großmeisters und war zu diesem Zeitpunkt der zweitjüngste Spieler, dem dies gelang. Mit seinen überragenden Rechenkünsten hat er sich schnell als Topgroßmeister etabliert und 2024 seinen endgültigen Durchbruch im Spitzenschach geschafft.

Der eigene Weg – zunächst Verzicht auf Computerunterstützung

Auf Anraten seines langjährigen Trainers Vishnu Prassana verzichtete der Jungmeister lange Zeit auf den Einsatz von Computern und Schachengines bei der Vorbereitung und Analyse. Diese heutzutage eher ungewöhnliche Herangehensweise stärkte letztlich seine Rechenfähigkeiten und förderte seine Kreativität bei der Suche nach eigenen Lösungen. Gukesh gilt als der rechenstärkste Großmeister seiner Generation. Zudem hat diese Methode den positiven Nebeneffekt erzielt, dass Gukesh seinen Rechenfähigkeiten scheinbar uneingeschränkt vertraut. Selbstbewusstsein.

Rituale

In der Leichtathletik können die Zuschauer am Fernseher beobachten wie sich die Sportler auf anstehende Wettbewerbe innerlich vorbereiten. Die Sportlerinnen oder Sportler gehen dann häufig einen Hürden-Lauf oder Hochsprung beispielsweise vor dem geistigen Auge durch. Das gilt ebenfalls für Slalom-Skifahrer, die sich auf die Wendungen im anstehenden Rennen vorbereiten. Bei vielen Schachspielern ist das ähnlich, wobei hier natürlich die anstehenden Wendungen in einer Partie nicht vorweg genommen werden können. Viele Schachspieler folgen einem Ritual, um sich auf die Partie einzustimmen.

Bei der Schacholympiade in Budapest 2024 konnte man bei Gukesh jeden Tag den gleichen Ablauf beobachten: Nach der obligatorischen Kontrolle am Eingang, die inzwischen an Flughafenkontrollen erinnern, stürmte Gukesh zu seinem Brett. Er hatte offensichtlich keine Lust auf Smalltalk mit seinen Kolleginnen und Kollegen vor den Partien. Er war fokussiert auf die anstehende Partie. Ein Videofilmer von Chessbase India folgte Gukesh jeden Tag mit einem Abstand von ein bis zwei Metern und hatte Probleme dem Tempo von Gukesh zu folgen. Einmal am Brett begann der Inder sein tägliches Ritual, das man bei ihm vor jeder Partie beobachten kann. In Toronto hatte ich es vor jeder Runde beobachtet. Mit verschränkten Armen sitzt der Youngster am Brett, schließt die Augen, fokussiert sich auf die anstehende Aufgabe, vermutlich ist es eine Form der Meditation, die man vor den Partien bei Gukesh beobachten kann.

Sobald die Partie beginnt gibt es den obligatorischen Handschlag für den Gegner und dann kommen die vorbereiteten Züge auf das Brett. Mit dann offenen Augen spielt er seine Partien und steht eher selten vom Brett auf. Steht Gukesh länger sieht es meist gut für ihn aus. Nach einem längeren Endspiel gegen den Aseri Nijat Abasov beim Kandidatenturnier in Toronto beispielsweise beobachteten einige Zuschauer, dass Gukesh aufstand und sich reckte. In Jugendsprache, er „flexte“. Ein vermutlich unbewusstes Signal an den Gegner, dass die Sache entschieden ist.

Auch zum Partieende folgt ein Ritual. Zunächst unterschreibt er wie alle Spieler es müssen die Partieformulare, die dann von einem Schiedsrichter im Original eingesammelt werden. Der Inder falltet seinen Durchschlag akurat und steckt ihn ein. Danach bringt Gukesh das Brett in Ordnung. Er baut die Figuren auf, was nicht jeder Schachspieler macht und was auch nicht vorgeschrieben ist. Danach folgen eingespielte Handbewegungen und ein Tippen an die Stirn sowie auf den Schachtisch. Ein indischer Geschäftsmann und Sponsor von Gukesh bezeichnet das in Toronto im Gespräch als eine Respektsbekundung für das Spiel. Das scheint eine gute Interpretation zu sein.

Spielstil

Gukeshs Weg zur Spitze war von zahlreichen Erfolgen und einem stetigen Spielstärkeaufwuchs geprägt. Er war einer der aktivsten Spieler auf der Tour und nahm an vielen internationalen Open-Turnieren teil. Das war eine Notwendigkeit, um finanzielle Mittel zu generieren und weil Einladungen für Rundenturniere nicht reinkamen. Das stählt. Der Inder ist in der Regel nicht auf den schnellen Punkt aus, sondern er lernte durch Vermeiden von eigenen Fehlern viele Punkte einzusammeln. Insofern ist sein Spielstil vergleichbar mit dem von Spielern wie Magnus Carlsen oder Anatoly Karpov, um ganz oben ins Regal der Vergleiche zu greifen.

Supportsystem

Ich habe kein besonders ausgeprägtes Privatleben. Ich meine, mein ganzes Leben dreht sich um Schach. Um alles andere kümmern sich meine Eltern und mein Team. Mein einziger Job ist es, Schach zu spielen, das ist also ganz nett.

Gukesh in Singapur vor dem Match.

Gukesh wird gecoacht von dem 1985 geborenen polnischen Großmeister Grzegorz Gajewski. Die beiden arbeiten seit fast zwei Jahren zusammen. Das engere Team Gukesh scheint zu harmonieren. Spieler und Trainer wirken introvertiert, ruhig und bedächtig, aber wenn es um Schach geht, dann erwacht sofort die Leidenschaft und beide werden gesprächig. Der zweite Mann und ständige Reisebegleiter des jungen Inders kennt ihn schon etwas länger. Sein Vater, Rajini Kanth. Rajini ist Chirurg und hat seine Karriere aufgeben, um die Karriere seines einzigen Sohnes zu fördern. Während Gukesh meist viel Ruhe ausstrahlt, kann sein Vater die Nervosität kaum ablegen. Während der Pressekonferenz zum Auftakt folgten Gajewski und Rajini dem Geschehen: aufmerksam und vor allem ruhig, noch.

Zum Team Gukesh gehört genau so seine Mutter, Padma. Sie ist Mikrobiologin und ist vor allem als Organisatorin zuständig. Gukesh und sein Vater waren die letzten Jahre oft längere Zeit unterwegs und die Familie kam nur eine Woche im Monat zusammen. Diese Entbehrungen, die offenbar nötig sind, um es in der Schachwelt ganz nach oben zu schaffen, zählen jetzt nicht mehr. Jetzt ist die Familie am Ziel. Gukesh spielt um die Weltmeisterschaft. Das ultimative Ziel ist nah.

Der bevorstehende WM Kampf in Singapur

Der Schach-Weltmeisterschaftskampf in Singapur wird mit klassischer Bedenkzeit ausgetragen und nicht nur in Indien herbeigesehnt. Für Gukesh ist dies seine erste Gelegenheit erneut echte Schachhistorie zu schreiben. Bei seinem Sieg im Kandidatenturnier in Toronto überzeugte der siebzehnjährige Inder bereits das Fachpublikum und bei der Schacholympiade in Budapest erzielte Gukesh eines der besten Einzelergebnisse der Schachgeschichte. Mit neun Punkten aus zehn Partien gewann Gukesh nicht nur ein individuelle Goldmedaille wie zwei Jahre zuvor am ersten Brett. Diesmal blieb der Youngster ungeschlagen und konnte mit dem Chinesen Wei Yi und dem US-Amerikaner Fabiano Caruana zwei schachliche Schwergewichte besiegen. Gukesh geht als die Nummer Fünf in der Welt ins Rennen um den WM-Titel.

Vorbereitung

In Vorbereitung auf den Kampf in Singapur absolviert Gukesh wie vor dem Kandidatenturnier in Toronto ein intensives Trainingsprogramm mit seinem Team. Er arbeitet mit einigen erfahrenen Spieler zusammen. Das Team ist im Vorfeld der Weltmeisterschaft natürlich nicht bekannt, man will dem gegnerischen Team keine wertvollen Informationen geben. Lediglich war sein Headcoach Grzegorz Gajewski gesetzt. In einem Interview im Vorfeld der Weltmeisterschaft sagte Gukesh: “Was mein Team betrifft, kann ich sagen, dass Gajewski mein Trainer für das Match sein wird, aber darüber hinaus kann ich nicht viel verraten.“ In solchen Trainingscamps wird nicht nur Schach gespielt und Eröffnungsvorbereitung betrieben. Von Gukesh ist bekannt, dass er mit Gajewski gerne und regelmäßig Tennis spielt.

Matchstrategie

Es ist nicht zu erwarten, dass Gukesh seine sehr geduldige Spielstrategie ändert und übermäßig aggressiv zu Werke geht. Das würde auch nicht zu seiner Person passen. Gukesh ist für sein Alter bereits ein sehr reflektierter junger Mann, der in Interviews seine Worte mit Bedacht wählt. Gukesh liest gerne Sportlerbiographien und sucht so bei anderen erfolgreichen Sportlern Inspirationen. Im Vorfeld wurde jetzt bekannt, dass Gukesh mit einem Mental-Coach zusammengearbeitet hat, der vor allem indische Cricketsportler gecoacht hat. In einem Interview mit Sagar Shah für Chessbase India erfährt man mehr über den geborenen Südafrikaner Paddy Upton. Er erläutert seinen Zugang zu einem Spiel, das neu für ihn war. Schach unterscheidet sich laut Upton aus seiner Sicht von den anderen 19 Sportarten in denen er vorher Leistungssportler gecoacht hat. Schach findet nur im Gehirn statt, anders als bei anderen Sportarten bei denen es letztlich um körperliche Fähigkeiten geht. Homepage Paddy Upton

Favoritenrolle für den Herausforderer

Dommaraju Gukesh überzeugte nicht nur beim Kandidatenturnier in Toronto, sondern ebenfalls im September 2024 am ersten Brett des indischen Teams bei der Schacholympiade in Budapest. Seine herausragende Leistung unterstrich seine gute Form im Vorfeld des bevorstehenden WM-Kampfes in Singapur. Gukesh gewann nicht nur individuelles Gold am ersten Brett, sondern die indische Mannschaft gewann souverän das wichtigste Teamevent im Schach. Aber Gukesh hat bereits mehrfach in Interviews erwähnt, dass er sich nicht auf einen Gegner außer Form vorbereitet, sondern einen starken Gegner erwartet.

Es wird ein Massaker.

Arjun Erigaisi, indischer Schachgroßmeister.

Es gibt nur zwei vernünftige Vorhersagen. Es wird knapp oder Gukesh wird mit deutlichem Vorsprung gewinnen. Die meisten haben auf beide Möglichkeiten gesetzt. Ich werde nicht feige sein und sage einen klaren Sieg mit +2 oder +3 für Gukesh voraus, der sich nie wie ein Wettkampf anfühlt. Ich erwarte auch, dass Ding nach dem Spiel zurücktritt, falls er verliert. Es ist traurig zu sehen, wie ein Mann so sehr darum kämpft, dass seine Träume wahr werden.

Jacob Aagaard, dänischer Schachgroßmeister, Trainer und Verleger.

Wie groß ist der Druck, der auf dem Teenager lastet?

Gefragt nach dem Druck vor dem Wettkampf sagte Gukesh: Es ist immer ein Privileg, für Indien auf so hohem Niveau zu spielen, und ich genieße diese Erfahrung. Ich denke, dass ich mit Druck vor allem durch Erfahrung umgehen kann. Ich habe schon in vielen Situationen mit hohem Druck gespielt, wenn auch nicht bei einer Weltmeisterschaft, natürlich. Aber ich freue mich auf die neue Erfahrung.

Quelle: Take Take Take via Youtube.

Pressekonferenz vor dem Match

Gukesh zeigte sich glücklich in Singapur zu sein, zumal er einen WM-Kampf herbeisehne, seit er mit dem Schachspielen begonnen hat. Er habe alle Chancen der Welt, wenn er weiterhin gutes Schach spiele und in jeder Partie die beste Version seiner selbst zeige.

„Ich bin sicherlich etwas nervös, aber ich fühle mich gut dabei. Der einzige Gedanke, den ich habe, ist, mein Bestes zu geben und zu sehen, was passiert. Es ist eine Ehre und ein Privileg für mich, für Indien bei irgendeiner Veranstaltung zu spielen, besonders bei einer Veranstaltung wie der Olympiade oder der Weltmeisterschaft. Es ist ein so großes Ereignis, mein Land zu vertreten und die Hoffnungen der Inder zu tragen: Das ist eine Ehre für mich. Ich nehme das sehr ernst. Ich werde gegen Ding Liren antreten, der seit mehr als einem Jahrzehnt zu den besten Spielern der Welt gehört.

Die offizielle Homepage zum Weltmeisterschaftskampf

Interviewauszüge 10.11.2024 (FIDE)

Im Ecosystem des Schachsports erscheint immer wieder

Foto: Lennart Ootes (FIDE Chess)

Von Thorsten Cmiel

Die Entscheidung über die Vergabe der Goldmedaille bei der Schacholympiade in Chennai fiel in einer Partie: im Duell zwischen dem Inder Gukesh und dem Usbeken Nodirbek Abdusattorov. Der 16-jährige Inder stand nach der Eröffnung besser und schließlich auf Gewinn. Doch dann glitt Gukesh die Partie nach und nach aus den Händen und Usbekistan gewann in der Folge die Goldmedaille und das indische B-Team landete auf dem dritten Platz.

Anatomie eines schachlichen Unfalls

Chennai. In der zehnten Runde kam es bei der 44. Schacholympiade 2022 zum Kampf der zwei Überraschungsmannschaften. Die Youngster von Indien 2 spielten endlich gegen Usbekistan. Die Usbeken lagen zu diesem Zeitpunkt mit einem Matchpunkt vorne. Damit war klar, dass dieser Wettkampf eine Vorentscheidung für die Goldmedaille in der offenen Klasse bringen würde. Es lief zunächst hervorragend für die Inder, die mit Schwarz zwei Remis erreichten. Kurz vor der Zeitkontrolle war klar, dass Praggnanandhaa, Pragg, seine Partie gegen Sindarov gewinnen würde. Am ersten Brett spielten die zwei überragenden Spieler am Spitzenbrett gegeneinander. Gukesh für Indien und Nodirbek Abdusattorov für Usbekistan.

Der Verlauf der Partie ist einfach erzählt: Gukesh hatte erneut einen hervorragenden Tag erwischt. Nodirbek stand hinten drin und nach 32 Zügen sah es nach einem klaren Sieg für Indien aus. Gukesh musterhafte Partieführung hatte zu der folgenden Stellung geführt.


Der Bauer auf c5 geht verloren und die einzige Aufgabe von Weiß besteht darin, das Eindringen der gegnerischen Dame zu verhindern. Gukesh kann den Bauern hier schlagen, aber sein Zug mit dem f-Bauern von f2 nach f3 ist ebenfalls bestens geeignet. Der Usbeke weiß nicht wie er überhaupt weiterspielen soll, zieht seine Dame nach d6 und nimmt das Feld g3 ins Visier. Nach diesem Zug kann der Inder mit dem Springer auf c5 nehmen, den Läufer angreifen und mit dem Springer zurück nach d3 ziehen. Es kann nicht mehr lange dauern und Indien jubelt, denkt man.


Statt den Bauern auf c5 zu schlagen spielt Gukesh zunächst seinen König nach f1, vermutlich um mit seinem König von e2 oder e1 das Eindringen auf der eigenen Grundreihe zu verhindern und erst dann auf c5 mit dem Springer, oder mit einem König auf e2 mit der Dame auf c5 zu nehmen. Diese Methode wirkt etwas umständlich, sollte aber ebenfalls funktionieren.


Zeitkontrolle geschafft. Weiß steht klar auf Gewinn. Der Usbeke hatte seinen Läufer kurzzeitig auf f5 eingesetzt und Gukesh den a-Bauern gegen den e-Bauern seines Gegners getauscht. Aber erstmals stört eine gegnerische Drohung, wäre Schwarz hier am Zuge, er würde ein Schach auf g1 geben. Gukesh wehrt mit einem Springerzug nach c5 die Drohung seines Gegners ab und arbeitet weiter an der Verwertung seines Vorteils. Dennoch ahnt man als erfahrener Spieler, dass der weiße König langfristig ein sicheres Versteck benötigt, um gegnerischen Schachgeboten auszuweichen. Nach dem Springerzug nach c5 und Zug der gegnerischen Dame nach a5, antwortet Gukesh hier mit dem Zug seines Königs nach d1. Erstmals bekommt man als Beobachter kleine Zweifel an einem zweiten Sieg heute für Indien. Der König wäre gefühlt auf h2 sicherer, besser dorthin unterwegs und würde nebenbei den eigenen Bauern auf g2 verteidigen. Aber Gukesh ist ein hervorragender Rechner und wird schon wissen was er macht, beruhigen sich erstmals zweifelnde Beobachter.


Einzig die weiße Königsstellung ohne Schutz gibt Schwarz hier noch etwas Hoffnung auf ein Remis. Aber der weiße König steht auf c2 so postiert, dass der gegnerischen Dame auf der d-Linie keine Einbruchsfelder verbleiben. Läuft gut. Der nächste Zug von Gukesh überrascht, verblüfft, erschreckt den Zuschauer. Es ist der erste Zug ohne erkennbaren, nachvollziehbaren Hintergrund in dieser Partie, vermutlich in diesem Turnier. Der Inder zieht seinen König nach b2. Stand dieser König nicht auf c2 besser? Teamkollege Praggnanandhaa am Nebenbrett kennt die entscheidende Hürde in seinem Endspiel mit Turm und h-Bauer gegen Läufer offensichtlich und insofern wäre ein Unentschieden kein großer Verlust. Beruhigungspillen.

Einige Züge später sieht die Situation auf dem Brett so aus.


Die gegnerische Dame ist auf g1 eingedrungen und Weiß kann hier seine Dame erneut nach c2 ziehen und Nodirbek bleibt vermutlich nichts anderes als mit dem Damenzug nach c5 und nach erneutem Seitenstep der Dame nach d2 den Gegner zu fragen, ob er nach Damenzug nach g1 weiterzuspielen gedenkt. Falls er das will, weil er muss, kann Gukesh und damit Indien einen kleinen Erfolg melden. Die angedrohte Stellungswiederholung wäre in jedem Fall eine sichere Testmethode, die nichts kostet. Gukesh versucht es nicht einmal, sondern zieht seinen König nach c2. Das ist typisch für die junge Generation, aber kritikwürdig. Peter Svidler versteht es nicht und die Fans von Indien müssen weiter zittern, denn die Partie geht weiter in objektiv etwa gleicher Stellung. Es kam dann wie es häufig kommt in solchen Situationen Gukesh verlor nach einem groben Fehler.

Das Drama

Gukesh verschmähte das wahrscheinliche Remis und wird vom amtierenden Schnellschachweltmeister aus Usbekistan zunächst gekontert. Die Bewertung schwappt hin und her zwischen Ausgleich und Vorteil für Nodirbek. Bis dann der plötzliche Tod durch ein grobes Versehen eintritt. Gukesh sackt in sich zusammen.

Lennart Ootes (FIDE Chess)

Die Fotos fangen eine für das Schachspiel typische Situation ein, einem Spieler unterläuft ein grober Fehler, und man weiß weder als Betroffener noch als Glückspilz wie man reagieren soll. Gukesh fällt in sich zusammen, lässt seine Bedenkzeit ablaufen und bleibt zunächst konsterniert sitzen. Der Usbeke ist ebenfalls erkennbar geschockt über die Situation, vermutlich fühlt der Usbeke einen kurzen Moment mit seinem Gegner mit. Ein Lächeln kann ihm erst sein Team-Captain Ivan Sokolov aufs Gesicht zaubern.

Solche Situationen kommen vor im Schach, oft. Selten ist der Einsatz allerdings so hoch wie hier. Vergleichbar ist diese Wucht der Emotion für die Beteiligten vermutlich nur mit einem Weltmeisterschaftskampf oder einer finalen Runde in einem Kandidatenturnier oder einer WM-Partie.


Über den Tag hinaus

Gukesh wird einen Tag später sagen, dass seine Entscheidung unverantwortlich war. Tatsächlich ist dies der Kippmoment dieses Turniers, welcher Indien die Goldmedallie gekostet haben könnte, wobei man so nicht argumentieren darf in der Retrospektive, aber es fühlt sich so an. Vishy Anand erklärt die Situation ausführlich in seiner täglichen Kolumne zur Schacholympiade im The Hindu. (Kolumne von Anand) Gukesh habe auf Autopilot geschaltet und bekam den bisherigen Verlauf der Partie bei einer objektiven Bewertung nicht mehr aus dem Kopf. Aufmunternd schreibt er, dass das ihm selbst schon öfters passiert sei. Er, Anand, habe auf das Unentschieden gehofft, denn es komme unweigerlich sonst ein Punkt ohne Umkehr. Später wurde bekannt, dass Anand nachts im Hotel bei Gukesh vorbei schaute und mit ihm ein längeres Gespräch führte. Gukesh trat am nächsten Tag an und remisierte problemlos mit der deutschen Nummer 1 Vincent Keymer. Die zweite indische Mannschaft gewann souverän mit drei zu eins Punkten. Gukesh gewann die Goldmedaille am ersten Brett. Sicher kein Trost.

Bei der Siegerpressekonferenz der Schacholympiade in Budapest 2024 – diesmal gewann Indien Gold – wird Gukesh nach dieser einen Partie, der Entscheidungspartie 2022, gefragt. Die verpasste Chance wurmte den Inder offenbar noch immer. Gukesh formulierte es so:

Ich musste eine Schuld begleichen.

Gukesh in Budapest 2024.


Dieser Text wurde erstmals am 09.08.2022 bei Chessbase veröffentlicht. Leichte Änderungen und Ergänzungen.

Foto: Lennart Ootes (FIDE Chess) Von Thorsten Cmiel Die

Foto: Lennart Ootes (Tata Steel India 2024)

von Thorsten Cmiel

Divya Deshmukh ist eine der talentiertesten jungen Schachspielerinnen Indiens. Schon früh zeigte sie außergewöhnliche Fähigkeiten und machte sich in der internationalen Schachszene einen Namen. Mit großem Talent und einem Ehrgeiz, der kaum zu bremsen ist, hat Divya bereits als Kind und Teenager Titel gewonnen.

Kaum eine andere Schachspielerin sammelt internationale Erfolge wie die am 9. Dezember 2005 geborene Inderin Divya Deshmukh. Nach zahlreichen nationalen und internationalen Titeln im Kindesalter ist der Teenager aus Nagpur, einer Stadt im zentralindischen Bundesstaat Maharashtra, im Jahr 2024 zu einem internationalen Superstar im Schach aufgestiegen.

Viele Schachspieler folgen einem Ritual zu Beginn und manche sogar nach dem Ende jeder Partie. Nach ihren Schachpartien unterschreibt Divya Deshmukh in Budapest die Partieformulare und baut die Figuren wieder in der Grundstellung auf. Immer. Lediglich die Könige werden in der Mitte positioniert, um zunächst der Elektronik und damit der Schachwelt das Ergebnis der Partie mitzuteilen. Nicht jeder Schachspieler ist so gut erzogen wie Divya. Das Aufbauen der Figuren bezeugt vor allem Respekt gegenüber dem Spiel. Ähnlich verhält sich ein anderer indischer Superstar, Gukesh, der sogar noch eine Art Bekreuzigungsritual anfügt.

Frühe Erfolge im Mädchenschach

Divya begann mit fünfeinhalb Jahren das Schachspiel. Zunächst wollte sie vor allem ihren Vater im Schach besiegen, also eine recht typische Motivation unter Schachspielern. Früh stellten sich erste Erfolge ein und oft war Divya die Erste, die bestimmte Leistungen erreichte. Beispielsweise war die Inderin die erste Frauen-Fidemeisterin im Alter von sieben Jahren. 2014 gewann Divya im südafrikanischen Durban die U10-Weltmeisterschaft der Mädchen und in 2017 folgte im brasilianische Poços de Caldas der WM-Titel in der Altersklasse U12. Im April 2019 gelang es Divya erstmals eine Ratingzahl von über 2400 Punkten zu erzielen, das repräsentiert einen Spielstärkelevel, der für das Erringen des zweithöchsten Titels im Schach, dem Titel eines Internationalen Meisters, notwendig ist. Dieses hohe Spielniveau konnte Divya zunächst nicht halten und ging mit einer Wertzahl von 2305 Punkten in die pandemiebedingte Zwangspause.

Partieende durch Stromausfall

2020 spielte Divya mit 14 Jahren für Indien am Frauenbrett bei der online ausgetragenen Schacholympiade, die mit gemischten Sechserteams ausgetragen wurde. Angeführt wurde das Team vom fünfmaligen Weltmeister Viswanathan Anand. Divya wurde für beide Finalpartien am Frauenbrett eingesetzt und bestand gegen die damals deutlich höher eingeschätzte Russin Polina Shuvalova. Die erste Partie endete Remis und dann in der zweiten Partie passierte aus indischer Sicht ein Drama. Es gab einen Stromausfall. Fans sahen auf dem Brett von Divya die folgende Situation.


Finale Online-Schacholympiade Divya Deshmukh – Polina Shuvalova nach 25….Kg8

Shuvalova ist komplett überspielt und hat kein Gegenspiel, da sie am Damenflügel unvorsichtig agiert hat. Gegen den heraufziehenden weißen Angriff am Königsflügel gibt es keine ausreichende Verteidigung mehr. Die Inderin wollte hier mit 26.Th2 fortsetzen Aber: Divya verlor offiziell zunächst ihre Partie, da jegliche Übertragungsfehler dem betroffenen Team angerechnet werden. Divya weinte vor laufender Kamera, fand aber wieder die Fassung. Der Leitungsausfall betraf allerdings nicht nur drei Partien der Inder an ihrem Spielort, sondern ein ganzer Kontinent war abgehängt. Der Weltschachbund fand ein nicht unumstrittenes gleichwohl salomonisches Urteil, beide Teams, Russland und Indien, wurden zu Goldmedaillengewinnern ausgerufen.

Bei der Schacholympiade 2022 in Chennai (Indien) gewann die damals 16-jährige Divya mit sieben Punkten aus neun Partien die Bronzemedaille am Reservebrett. Sie nannte diesen Erfolg zunächst „surreal“. Divya spielte für das zweite indische Team. Am ersten Brett von Indien B spielte Vantika Agrawal, die 7,5 aus elf Partien holte, ebenfalls ihre Mannschaftskameradin in Budapest 2024. Das zweite indische Team landete auf dem achten Platz. In der offenen Klasse sorgte ebenfalls Indien B für Aufregung und landete letztlich auf dem dritten Platz, einen Platz vor der ersten indischen Mannschaft.

(Foto: Lennart Ootes for Fide Chess)

2023 – überraschender Turniersieg als Ersatzspielerin

Erfolgreiche Sportler unterschiedlicher Disziplinen berichten immer wieder darüber. Es gibt Momente, die scheinbar einen Schalter umlegen und Sportlern einen Schub in ihren Karrieren verleihen. Vielleicht war der 2. September 2023 solch ein Tag in der Karriere von Divya Deshmukh. In der indischen Nationalbibliothek Bhasha Bhawan in Kalkutta gewann Divya das Tata Steel Frauen Schnellschachturnier vor der Favoritin und Weltmeisterin Ju Wenjun aus China. Dabei war die 17-jährige Inderin für das Turnier gar nicht vorgesehen. Divya sprang kurzfristig ein, da ihre Landsfrau Vaishali aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte. Divya war ohnehin gut in Form und hatte im Monat zuvor bei einem Openturnier in Abu Dhabi, also in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ihren Titel als Internationaler Meister klar gemacht.

Von Beginn an lief es gut für Divya, die mit der geringsten Elozahl im Feld und damit als krasse Außenseiterin startete. Nach einem Auftaktsieg gegen Harika Dronavalli und einem Unentschieden gegen die Weltmeisterin gab es scheinbar kein Halten mehr und nach fünf Siegen und zwei Remis in den ersten sieben Runden legte die Inderin ordentlich vor. Gegen die unter neutraler Flagge teilnehmende Russin Polina Shuvalova verlor Divya dann in der achten Runde nach einem unnötigen Bauernopfer, das ihre Gegnerin geschickt nutzte. Der Turniersieg schien in Gefahr, zumal Ju Wenjun zur Inderin aufschließen konnte. Divya musste mit Schwarz erstmals gegen die indische Spitzenspielerin Koneru Humpy ran und die Chinesin hatte Weiß gegen die Ukrainerin Anna Ushenina, die scheinbar einfachere Aufgabe. Dann wurde jüngere indische Schachgeschichte geschrieben und Divya erzielte ihren ersten größeren Erfolg bei den Frauen.


Humpy – Divya Tata Steel Rapid Kalkutta – Diagramm nach 39.Le2 von Weiß

Divya erkannte in dieser Stellung, dass sie eine taktische Chance hatte. Nach einem Rechenfehler ihrer Gegnerin streute die junge Inderin einen Zwischenzug ein, gewann die Partie und das Turnier. Ihr erster großer Erfolg im Frauenschach.


Pressekonferenz der Siegerinnen. Tata Steel India Rapid 2023.

Medaillen sammeln als Hobby

Divya sammelte, Stand Oktober 2024, bereits 23 Goldmedaillen bei 40 internationalen Events für Indien ein. Die Zahl der nationalen Titel kennt sie nicht einmal selbst. International ragen ihre drei Weltmeistertitel der Frauentitel in Asien 2023 heraus. Im Mai 2024 gewann Divya das Sharjah Challenger Turnier, ein Mixed-Event. Es fehlten ihr 16 Punkte bei der Performance und ein Gegner mit einem Großmeistertitel zu ihrer ersten GM-Norm. Im Monat danach gewann die Inderin in Gandhinagar, der Hauptstadt im indischen Bundesstaat Gujarat, die Weltmeisterschaft der Juniorinnen mit zehn von elf möglichen Punkten. Sie war haushohe Favoritin, aber diesem Druck, zumal im eigenen Land, muss man erst einmal standhalten. Es gelang der Inderin überzeugend. Im August 2024 übernahm Divya erstmals die Spitzenposition in der Weltrangliste der Juniorinnen. Im September kamen zwei Goldmedaillen bei der Schacholympiade hinzu im Team und am dritten Brett. Die gemischte Teamwertung nach der Schachlegende Nona Gaprindashvili benannt, gewann Indien ebenfalls. Ihre Elozahl schraubte die Inderin von 2420 im Januar 2024 auf 2490 in der Dezemberliste

Divya und ihre Mutter. Fide Chess GP Shymkent Foto: Konstantin Chalabov (Fide Chess)

Trotz harten Schachtrainings seit ihrer Kindheit absolvierte Divya ihre Schulprüfungen und in 2024 kamen ihre Examina in der Oberprimarstufe 12 hinzu. Ihre Eltern sind Doktoren, was in Indien kein seltener Background bei Schacheltern zu sein scheint. Ihre Mutter Namratha gab ihren Job auf als Divya etwa fünf Jahre alt war, um die Schachkarriere ihrer jüngsten Tochter zu fördern, als Chess Mom. Sie begleitete seither meist ihre Tochter. Divya wurde von der Schule ebenfalls unterstützt, indem ihre Ausfallzeiten für die Teilnahme an Schachturnieren und Trainings toleriert wurde. In einer Frühphase ihrer Karriere war Divya jeden Monat für eine Woche in Chennai in der Schachakademie von Ramesh RB und seiner Frau Aarthie Ramaswamy. Mit 14 Jahren sagte Divya in einem Interview mit Sagar Shah, dem Gründer von Chessbase India, dass ihre Karriereplanung wie die von Hou Yifan aussieht: Zunächst will sie Weltmeisterin werden und dann ein Studium starten.

Foto: Lennart Ootes (Tata Steel India 2024) von

Titelfoto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Erst durch einen Sieg in der letzten Runde konnte Wesley So zu dem Spitzenduo aufschließen. Im Blitz-Stechen dann siegt der US-Amerikaner und holt sich diesen prestigeträchtigen Titel vor Praggnanandhaa und Fabiano Caruana.

Von Thorsten Cmiel

Das Stechen begann mit einem Weißsieg von Praggnanandhaa gegen Fabiano Caruana.


Der entscheidende Fehler unterlief dem US-Amerikaner hier. Statt 26…f4 sollte er seine Dame via g5 aktivieren.


In der zweiten Stichkampfpartie gewann Wesley So gegen den Inder Pragg seine Weißpartie und stellte die Vorzeichen zu seinen Gunsten.


Der überraschende Moment passierte hier. Pragg zieht den König nach d7. Kein schlechter Zug, der ihm aber in der Folge einige Schwierigkeiten einhandelt. einfacher war es mit der Dame nach d7 zu ziehen und nach dem Schlagen auf b7 seinen König nach f7 zu ziehen, um den Turm auf a8 zu decken.


Einige Züge später fand der Inder keinen besseren Zug als erneut seinen König nach d7 zu ziehen. Das erwies sich jedoch diesmal als Fehler. Die ganze Konstruktion krankte an der fehlenden Idee wie man die Türme miteinander verbinden konnte. Der Maschinenraum hatte eine kreative Idee: Schwarz spielt a6-a5, stellt seinen Läufer nach b6 und überführt seinen König nach a7.

Entschieden wurde der Mini-Wettkampf in der Partie zwischen Fabiano Caruana und Wesley So. Zunächst war Wesley gut aus der Eröffnung gekommen und hatte einigen positionellen Vorteil erwirtschaftet. Erst im Schwerfigurenmittelspiel bekam die Partie eine größere Unwucht, die Fabiano aber mit wenig Restzeit nicht nutzen konnte.


Einer von zwei Momenten in denen Fabiano seine Stellung mächtig verstärken konnte. Nach einem Sieg des US-Amerikaners wäre der Stichkampf mit Armageddon-Partien weiter gegangen. Caruana fand hier und in der folgenden Stellung nicht die beste Fortsetzung.


Wesley So hat zuletzt seine Dame auf die lange Diagonale (a8-h1) gezogen und so den gegnerischen König anvisiert. Wie sollte Weiß reagieren?


Der Sieg im Stichkampf genügte für Wesley So nicht mehr, um sich für das Finale der Grand Chess Tour in Brasilien Ende Oktober zu qualifizieren.

Fotos: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Titelfoto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club. Erst

Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Besonders prestigeträchtig sind immer die Begegnungen der vier jungen Jahrgangsbesten in Turnieren gegeneinander: Gukesh (2006), Praggnanandhaa (2005), Nodirbek Abdusattorov (2004) und Alireza Firouzja.(2003). Es ist eine gute Wette anzunehmen, dass diese vier zumindest im nächsten Jahrzehnt die Weltmeisterschaftskrone wechselseitig untereinander ausspielen.

Ergebnisse Youngster im Sinquefield Cup 2025 als Rundenturnier

GukeshPraggnanandhaaAbdusattorovFirouzjaPunkte
Gukesh (Indien)X010.51.5 (3)
Praggnanandhaa (Indien)1X0.512.5 (3)
Abdusattorov (Usbekistan)00.5X11.5 (3)
Firouzja (Frankreich)0.500X0.5 (3)

Drei der hier aufgeführten vier Spieler waren bereits beim letzten Kandidatenturnier in Toronto dabei. Gukesh setzt als Weltmeister 2026 natürlich diesmal aus und Praggnanandhaa dürfte die Qualifikation im Fide Circuit 2025 sicher haben. Bei den verbliebenen Gelegenheiten Grand Swiss in Usbekistan (03.09. – 16.09.) und World Cup in Goa in Indien (31.10. – 27.11.) versuchen von der jungen Garde zusätzlich der deutsche Hoffnungsträger Vincent Keymer (2004) und als dritter Inder Arjun Erigaisi (2003) einen Platz im Kandidatenturnier zu erringen. Für die Usbeken ist noch Javohir Sindarov (2005) ein aussichtsreicher Bewerber, den man aus der jüngeren Generation auf dem Zettel haben sollte. Wer Spektakel und Kontroversen will, der wird sich vielleicht den US-Amerikaner Hans Niemann (2003) vorne wünschen.

Highlights

Die Partien der Youngster waren hart umkämpft. Die Partie der zwei Inder hatten wir schon genauer angesehen. Und die Partie von Firouzja gegen beide Inder waren ebenfalls Highlights des Sinquefield Cup 2025. Alireza Firouzja war der Titelverteidiger der Grand Chess Tour 2024 und wurde diesmal von Pragg und Nodirbek aus dem Rennen genommen. Wobei die Niederlage aus der achten Runde gegen den Usbeken letztlich unter dramatischen Umständen zustande kam.

Pragg-Sieg gegen Firouzja

Gegen seine Hauptkonkurrenten im Youngster-Vergleich, Gukesh und Firouzja, gewann Pragg seine beiden Partien und in beiden Fällen in überzeugendem Stil. Die Partie der zwei Inder hatten wir uns gesondert angesehen. Pragg war die perfekte Partie gelungen. In der Partie gegen den Franzosen ging es zwar nicht ganz so glatt, aber wer mit Schwarz gegen einen Top-Großmeister gewinnt, ohne während der Partie gefährdet gestanden zu haben, der muss Vieles richtig gemacht haben. Bevor wir einige wichtige Momente herausgreifen: die Partie zum schnellen Nachspielen.

In der Partie ging es um Einiges: Für den Inder bedeutete sein Sieg in der siebten Runde, dass er den zum Führenden Fabiano Caruana aufschließen konnte. Da Pragg gleichzeitig seinen Konkurrenten stiegen die Chancen einen der vier Finalplätze im brasilianischen San Paulo der Grand Chess Tour zu ergattern. Die Niederlage brachte den Franzosen in Zugzwang, da sein Landsmann Maxime Vachier-Lagrave, Fabiano Caruana und Levon Aronian ebenfalls die besseren Aussichten auf den Finalplatz zu haben schienen.


Wie sollte Weiß hier fortsetzen? Es ist eine Entscheidung zwischen drei Zügen: Nehmen mit dem Springer oder der Dame auf c6 oder soll Weiß seinen d-Bauern vorschieben, den Springer e5 decken und die lange Diagonale schließen?


Alireza ist vor die Frage gestellt, wie er auf e5 zurückschlagen sollte. Fifty-Fifty.


Der Franzose hat sich eine schlechte Gewohnheit zugelegt. Er ist in jeder Partie vor der ersten Zeitkontrolle unter Zeitdruck. Mit 59 Sekunden zu sieben Minuten musste er hier eine Entscheidung treffen. Soll er den offensichtlichen Damenzug nach d6 spielen, oder nicht? Fifty-Fifty.




Gukesh – Alireza: Kampf auf Augenhöhe

Auch die Partien zwischen Gukesh und Alireza sind meist hart umkämpft. Beim Kandidatenturnier in Toronto hatte der Franzose dem Inder in der siebten Runde die einzige Niederlage zugefügt. Gukesh motivierte diese Niederlage zu einem grandiosen Schlussspurt und späterer Revanche in Runde 13, die letztlich zum Turniersieg führte.


Der Weltmeister ist hier am Zuge und eigentlich kommt hier nur ein Zug mit dem Springer nach d5 in Betracht. Aber welcher Springer soll es sein? Fifty – Fifty.


Soll Alireza hier die Damen auf e6 aktiv tauschen oder seinem Gegner die Entscheidung überlassen? Fifty-Fifty.



Gukesh mit Sieg gegen Abdusattorov

Seit der Entscheidungspartie in Chennai 2022 ist das Duell von Gukesh und Nodirbek mit enormen Emotionen aufgeladen. In der Abfolge im Turnier folgte diese Partie nach der Niederlage von Gukesh gegen Pragg in der Startrunde. Die beiden Youngster kreuzten diesmal die Klingen in einen offenen Ruy Lopez und folgten lange Zeit bekannten Pfaden. Entschieden wurde die Partie später in der Rechenphase in der Gukesh im Angriff besser den Überblick behielt.


Bis hierhin war die Partie für Gukesh wie auf Schienen verlaufen. Wie sollte er hier mit den weißen Steinen fortsetzen?


Gukesh muss seine Kontrollzug (40.) ausführen. Wie sollte er hier mit Weiß am besten fortsetzen?



Abdusattorov – Pragg: Eine ereignislose Partie. Diesmal.



Nodirbek schlägt Alireza

Für beide Spieler lief es bis zur achten Runde schlecht in St. Louis. Für Nodirbek (1.5 aus 7) sogar katastrophal. Alireza (3 aus 7) musste nach seiner Niederlage gegen Pragg die letzten zwei Partien gewinnen, um eine Chance auf die Qualifikation zum GCT-Finale zu behalten. Das waren die Vorzeichen der Partie. Wir sehen überraschenderweise zunächst eine Situation in der der Usbeke einer möglichen Stellungswiederholung ausweicht. Später greift vor allem Alireza mehrfach daneben und nutzt seine überraschenden Chancen nicht konsequent genug. Es spricht für beide Spieler, dass sie sich eine großen Fight lieferten.


Eine Rechen- und Einschätzungsfrage: Was ist in dieser Stellung von Alirezas Springerzug nach d7 zu halten.


Eine interessante Entscheidung im Endspiel steht an: Es gibt zwei spannende Züge. Die Frage ist nur, welcher ist der Bessere. In der Partie wählte Nodirbek im vierunddreißigsten Zug ein spannendes Konzept und entschied sich für den Springerzug nach c2, um nach gegnerischem schlagen auf a4 den schwarzen Turm nach dem Springerzug nach c3 ins Abseits zu drängen. Die Alternative war es auf a6 zu nehmen. Was ist vorzuziehen?


Ein weiterer spannender Moment. Hier wählte Alireza eine drastische Maßnahme und schlug nach einer von verbliebenen dreieinhalb Minuten auf c4 den gegnerischen Läufer, um den f-Bauern zu eliminieren und auf den eigenen g-Bauern zu setzen. Was ist davon zu halten? Und wie geht es nach dem alternativen Vormarsch des g-Bauern weiter und wie ist die Stellung danach einzuschätzen? Fifty-Fifty.


Wo die Youngster stehen


Nur Pragg gewann in St. Louis erneut Elopunkte (+ 6.0) hinzu. Die anderen drei Youngster verloren einige Punkte (Gukesh – 8.6) oder erlebten einen größeren Rückschlag (Firouzja – 12.1, Abdusattorov -22.9). Das sind allerdings nur Momentaufnahmen. Wir vergessen oft wie jung die Spieler sind und dass Schwankungen als Folge von Ergebniskrisen in jungem Alter keinen Weltuntergang bedeuten. In 2024 war Gukesh der dominante Youngster des Jahres mit Sieg im Kandidatenturnier, Fabel-Ergebnis bei der Schacholympiade und WM-Sieg. Alireza gewann die Grand Chess Tour und Abdusattorov litt darunter sich nicht für das Kandidatenturnier qualifiziert zu haben, konnte sich 2024 um über 40 Elopunkte verbessern. Pragg stagnierte in dem Jahr. In diesem Jahr sind die Vorzeichen bisher anders gestellt. Pragg liegt bei praktisch jedem Turnier vorne und konnte sich jetzt als Zweitplatzierter im Sinquefield Cup für das GCT-Finale in Brasilien qualifizieren und hat den Qualifikationsplatz via Fide Circuit 2025 bereits sicher. Beim Grand-Swiss-Turnier in einer Woche in Samarkand könnten wieder andere Youngster scheinen.

Fotos: Lennart Ootes (St. Louis Chess Club)


Hinweis zu automatischen Übersetzungen

Der Originaltext und die Analysen der Partien wurden in deutscher Sprache erstellt. Ich habe mich entschieden eine automatische Übersetzung anzubieten, die durch Betätigen des Sprachbuttons gewählt werden kann. Manchmal sind die Übersetzungen wenig akkurat, aber das lässt sich nicht ändern. So wir beispielsweise der deutsche Begriff „Zug“ von Google mit „train“ statt „move“ übersetzt. Leider haben wir keinen Einfluss darauf. Ein anderes witziges Beispiel ist, wenn der Name des Exweltmeisters Ding Liren mit „thing“ übersetzt wird. Jeder Nutzer einer anderen Sprache sollte das mit Humor ertragen.


Service-Hinweis

Die Partieanalysen können heruntergeladen werden. Dafür muss man zunächst durch Klicken auf einen beliebigen Zug ein Popup-Fenster aktivieren. Zum Herunterladen muss man danach lediglich auf den hier grün markierten Button klicken.


Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club. Besonders

Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club

Der US-Großmeister Fabiano Caruana (33) ist ein guter Rechner am Brett. Gegen den 13 Jahre jüngeren Großmeisterkollegen Nodirbek Abdusattorov aus Usbekistan gewann Caruana eine komplizierte Partie mit den schwarzen Steinen und übernahm die Führung im prestigeträchtigen Sinquefield-Cup in St. Louis.

Von Thorsten Cmiel

Im Schachsport gibt es gelegentlich scheinbar absurde Diskussionen über die Ursachen von Fähigkeiten auf dem Brett. Hat ein Spieler eine spezielle Gabe im Schach, gemeint ist meist was viele als Talent bezeichnen würden. Irgendwer hat mal den Schachweltmeister von 2013 bis 2021, Magnus Carlsen, als den „Mozart des Schach“ bezeichnet und das hat sich zumindest bei der Nichtfachpresse als Etikett für Carlsen durchgesetzt. Der Vergleich mit dem Musikgenie beschreibt ganz gut was Carlsen auszeichnet. Der Norweger fühlt Schach; er weiß instinktiv besser als viele seiner Kollegen wohin die Figuren gehören, um ihnen maximale Wirkkraft einzuhauchen.

Foto: John Brezina. 2024.

Bei der Auftaktpressekonferenz in London 2018 fragte eine Journalistin Caruana, wie es sich anfühle gegen den Mozart des Schach zu spielen. Der US-Amerikaner war sichtbar überrascht und fand keine Antwort. Ihm half der Pressesprecher aus der Patsche und ging zur nächsten Frage über. Tatsächlich gibt es neben dem begnadeten Positionsspieler noch eine Vielzahl anderer Spielertypen, die auch ihre Qualitäten haben und je nach Stellungstyp spezielle Vorteile in die Waagschale werfen können. Caruana ist genau wie der amtierende Schachweltmeister Gukesh ein herausragender Kalkulator, der sein Schach mit tiefen Variantenberechnungen fundiert. Der Weltmeisterschaftskampf in London ging übrigens nach zwölf unentschiedenen Partien mit klassischer Bedenkzeit in die Verlängerung und endete erst nach den Schnellschachpartien mit einem Sieg von Carlsen. In der Tat kann Carlsen offenbar mit schnelleren Bedenkzeiten sein Talent besser zur Geltung bringen. In das Bild passt auch, dass der Inder Gukesh mit schnelleren Kadenzen nicht so gut zurecht kommt, wie einige seiner Großmeisterkollegen in der Weltspitze.

Der usbekische Großmeister Nodirbek Abdusattorov gehört ebenfalls in die Kategorie der Kalkulatoren. In seiner Partie mit dem US-Großmeister traten also zwei Spieler an, die über ähnliche Stärken am Brett verfügen. Beide Spieler scheuen keine Verwicklungen und sind an einem guten Tag bereit, die Brücken hinter sich abzubrechen und mit offenem Visier auf den vollen Punkt zu gehen. Das macht solche Duelle oft spannender als die feine Klinge eines Magnus Carlsen oder eines Vincent Keymer.

Crystal Fuller. St. Louis Chess Club.

Nachspielen – dann analysieren

Bevor man in die Details von Schachpartien einsteigt sollte man die Partie mehrfach nachspielen, um den Flow der Partie zu erfassen. in einem nächsten Schritt sollte man versuchen herauszufinden wann eine Partie in die entscheidende Phase kam und an welchen Stellung etwas schief lief. Die Kipppunkte.

Wir nutzen hier ein animiertes GIF, das bei seiner Durchspielgeschwindigkeit den tatsächlichen Bedenkzeiten der Spieler in der Partie folgt. Durch Klicken auf das Diagramm kann die Animation angehalten werden.


Erstellt mit Chessbase 17.

Der Usbeke war hier mit Weiß am Zuge. Beide Spieler versuchen bei entgegengesetzten Rochaden dem Gegner möglichst zuzusetzen und den eigenen Angriff zu fördern. Der offensichtlichste versuch besteht hier im Schlagen des Bauern auf g6. Caruana hatte diesen gerade nach vorne gezogen, aber ist das überhaupt gut? Gibt es einen besseren Weg, um den Angriff fortzusetzen?


Beide Spieler hatten ihre Angriffsziele verfolgt. Die entstandene Stellung bedarf eines scharfen Blicks. Wie sollte Weiß fortsetzen. der Usbeke fand hier im 25. Zug nicht die richtige Fortsetzung.

Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Anders als die zuletzt vorgestellte „perfekte Partie“ von Praggnanandhaa gegen Gukesh aus der ersten Runde des selben Turniers hatte der Usbeke in dieser Partie wie gesehen eine Chance einen ordentlichen Vorteil zu erzielen. Diese Gelegenheit konnte er nicht nutzen und verpasste später den Pfad zum Ausgleich. Ist diese Partie daher qualitativ schlechter, weil aus dem Maschinenraum etwas mehr Geräusche zu vernehmen sind? Meines Erachtens ist das der falsche Ansatz zur Bewertung von Schachpartien. Die betrachtete Partie ist hochklassig und beide Seiten versuchten ihrem Gegner schwierige Aufgaben zu stellen und diesmal behielt der US-Amerikaner die Oberhand.

Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club.

Foto: John Brezina. Lennart Ootes und Crystal Fuller für St. Louis Chess Club.


Foto: Lennart Ootes. St. Louis Chess Club Der

Foto: John Brezina

Magnus Carlsen ist gelegentlich nicht zufrieden mit seinen Partien, weil sein Gegner durch ein kleines Übersehen eine unnötige Chance auf den Ausgleich bekam. Dahinter steckt der ständige Wunsch nach Perfektionismus und die Suche nach der perfekten Partie. In der ersten Runde im Sinquefield-Cup 2025 gelang Praggnanandhaa eine solche perfekte Partie – ausgerechnet gegen seinen Rivalen aus Chennai.

Von Thorsten Cmiel

Dominanzstrategien werden von manchen Spielertypen eher gespielt als von anderen. Wer eine riskantere offene Eröffnung wählt, der geht vermeintlich größere Risiken ein. Die deutschen Schachgroßmeister Karsten Müller und Luis Engel versuchten 2021 vier Spielertypen zu kategorisieren und den Vorteil der Selbstanalytik für das eigene Training zu propagieren. Man landet sehr schnell bei der Bezeichnung von Positionsspielern, die Müller und Engel als Reflektoren bezeichnen. Müller beschrieb in einem Interview die Stärken dieses Spielertyps so:

„Sie haben ein sehr tiefes Spielverständnis und erkennen relevante Muster auf den ersten Blick. Sie haben ein sehr feines Gespür für die Harmonie und Koordination der Figuren. Sie sind sehr gut, wenn es darum geht, die gegnerischen Figuren einzuschränken und deren Koordination zu stören. Typisch für sie sind aktive Prophylaxe sowie Dominanz- und Restriktions-Strategien. Strategische Endspiele behandeln sie sehr gut, denn dort kommen ihre Stärken voll zur Geltung, weil das dynamische Potenzial der Damen hier nicht mehr „stört“ und entsprechend weniger „Chaos“ aufkommen kann.“

„Ihre Schwächen: Sie haben manchmal Schwächen bei der Berechnung konkreter Varianten, was der Gegner ausnutzen könnte, indem er konkrete dynamische Stellungen anstrebt, in denen jeder einzelne Zug von entscheidender Bedeutung sein kann und umfangreiche und konkrete Berechnung erfordert.“

Der aktuelle Meister der Reflektoren ist eindeutig Magnus Carlsen – ihm gelang es öfter als anderen das Gegenspiel seiner Gegner einzuschränken. Typische Reflektoren waren ebenfalls die ehemaligen Weltmeister Karpow und Capablanca, um ganz oben ins Regal zu greifen. Von den aktiven Turnierspielern sind beispielsweise Vincent Keymer und Levon Aronian typische Protagonisten dieses Spielertyps. Dominante Partien, die Teil einer perfekten Partie sind, wird man also am ehesten bei Spielern dieses Spielstils finden können.

Insbesondere junge Großmeister suchen oft noch ihren bevorzugten Spielstil. Auch ist nicht klar, ob eine Einschätzung des Spielertyps überhaupt in einer so frühen Karrierephase gerechtfertigt oder hilfreich ist. Praggnanandhaa, Pragg, ist sicher kein reiner Reflektor im Sinne der Definition von Müller, wie Vincent Keymer beispielsweise, der vermutlich Kontrolle als wichtigstes Ziel seines Spiels ansieht. Die Fähigkeit von Pragg auch aktive Spielweisen regelmäßig in seinem Spiel einzusetzen, macht ihn eher zu einem universellerem Spielertyp als der Deutsche zurzeit noch ist. Folgt man dem Autorenduo Müller/Engel, dann wird man den amtierenden Weltmeister Gukesh vermutlich am ehesten als Aktivspieler bezeichnen müssen: Er ist ein starker Rechner, der gelegentlich positionell zweifelhafte Bauernzüge einstreut. Das ist eine Schwäche, die wir beim Weltmeisterschaftskampf in Singapur 2024 beobachten konnten. Das heißt aber nicht, dass Gukesh keine feinen Positionsleistungen abliefern kann.

Eine Partie aus Toronto zeigt wie stark Gukesh auch in der Kategorie Dominanzstrategie unterwegs ist, ihm unterlief aber gegen Nepomniachtchi das Missgeschick seine positionelle Gewinnstellung nicht verwertet zu haben. Die Anmerkungen zu dieser Partie stammen vom indischen Schachgroßmeister Sundararajan Kidambi, der einen sehr empfehlenswerten Blog betreibt. Der Schachlehrer Kidambi ist bekannt für seine Anhängerschaft klassischer Partien und stellt bei seinen Analysen oft lehrreiche historische Vergleiche her. So auch in dieser Partieanalyse.


Bis hierhin hatte Gukesh mit den weißen Steinen seinen Gegner überzeugend vom Ausgleich ferngehalten und optisch sichtbar einen ordentlichen Raumvorteil erzielt. Wie sollte der Inder hier am besten fortsetzen?


Einen Zug später war Gukesh erneut dran. Sollte Weiß den Turmtausch anstreben und anschließend auf seinen Strukturvorteil Läuferpaar setzen? Wie sollte er sein Läuferpaar am besten zum Einsatz bringen – mit oder ohne Turm auf dem Brett?

Hinweis zum Nachspielen

Klicken auf die Notation öffnet ein Popup-Partiefenster.


Was ist eine perfekte Partie?

Wir schauen uns zunächst das Profil einer Partie als Chart einer Schnellanalyse mit einem Lichess-Tool an. Unten ist die Erstrundenpartie von Praggnanandhaa gegen Gukesh angezeigt. Bei gut vorbereiteten Spielern passiert in der Eröffnung meist wenig und ein Spieler konserviert und verwertet einen minimalen Vorteil nach ungenauem Spiel des Gegners. Für eine perfekte Partie sollte es an Swings, also größeren Bewertungswechseln gegen einen etablierten Bewertungstrend fehlen. Ich würde noch ergänzen, dass der Gegner zumindest nicht viel schlechter sein sollte als der Protagonist mit der perfekten Partie. Zu einer perfekten Partie gehört also ordentlicher Widerstand und der Partie sollte nicht durch einen groben Fehler entschieden werden, der die Partie als Gesamtkunstwerk entwertet. Es gehören also immer zwei Spieler dazu, um eine herausragende Schachpartie zu kreieren.

Abweichungsanalyse

Stockfish 17, die aktuell beste Schachengine, gibt in einer etwas aufwändigeren Analyse als der hier präsentierten Lichess-Analyse (mit der gleichen Engine!) folgende Werte: Praggnanandhaa 0.02 „Centibauern“, was einem aus Sicht der Maschine fast perfektem Spiel entspricht. Keiner der Züge des Inders wurde aus dem Maschinenraum kritisiert und die Abweichung zur Spielweise der Engine betrug also 0.02 Bauerneinheiten im Schnitt pro Zug. Das ist eine absolute Top-Leistung. Gukesh wiederum bekam eine Bewertung von 0.24 Centibauern, was unter seinem üblichen Spielstandard liegt, aber immer noch eine relativ gute Leistung des Weltmeisters darstellt. Es war also angerichtet.

Foto: Crystal Fuller, St. Louis Chess Club

In dieser Stellung steht Gukesh vor der Frage, ob er seinen Läufer nach a7 oder besser nach e7 zurückziehen sollte. Das Standardfeld in ähnlichen damenlosen Stellungstypen ist im angenommenen Damengambit und in katalanischen Strukturen meist das Feld e7. Das sichert im Zweifel die Grundreihe und kämpft um das Feld d6. Der amtierende Weltmeister entscheidet sich in dieser Stellung für das Feld a7 und liegt falsch. Vielleicht störte den Inder die Schwäche des Feldes b6, das der Gegner schnell mit dem Springerzug nach a4 auszunutzen versuchen konnte, wie der Internationale Meister und Journalist Stefan Löffler anmerkte. Wie sollte Schwarz dann – mit dem Läufer auf e7 fortsetzen?


Einen Zug später ist Gukesh erneut am Zug und hat schon einige Probleme zu lösen. Ähnlich wie in seiner Partie gegen Nepomniachtchi verliert er erneut Zeit durch den Kampf um die d-Linie. Danach ist Pragg bereits positionell auf der Gewinnerstraße und erlegt seinen Gegner scheinbar mühelos. Das täuscht jedoch, denn genaue Züge sind harte Arbeit und Pragg liefert ein Meisterwerk ab. Die perfekte Partie.

John Brezina

Foto:  Lennart Ootes, St. Louis Chess Club

Fazit

Ich glaube nicht, dass die Maschine einen alleine ausreichenden Hinweis liefert, ob eine Partie perfekt ist. Aber die Analyse mit einer Maschine ist ein guter Indikator, um sich mit einem Kandidaten für eine perfekte Partie genauer zu beschäftigen. Gelegentlich kann, um ein Beispiel zu nennen, der Übergang in ein sicher gewonnenes Endspiel die Partieaufgabe forcieren. Der Rechner findet einen schnelleren Gewinn und meckert dann rum. Das wäre ein Beispiel für ein Bewertung, die ich für überflüssig halte. Oder ein taktischer Gewinn in einer Partie ist völlig unpraktisch aus menschlicher Sicht, dann würde ich auch die Kritik aus dem Maschinenraum überstimmen wollen. Am Ende des Tages zählt im Schachsport das Ergebnis.

Fotos: Crystal Fuller, Lennart Ootes, beide für St. Louis Chess Club. John Brezina.


SERVICEHINWEIS

Durch Klicken auf den orange markierten Button kann die Partieanalyse heruntergeladen werden.


Foto: John Brezina Magnus Carlsen ist gelegentlich nicht

Die 15-jährige Chinesin Lu Miaoyi ist ohne Zweifel ein Top-Talent. Aber noch fehlt es ihr etwas an Konstanz. In Dortmund 2025 war ein Up-Swing dran, nachdem der World-Cup kurz zuvor eher unglücklich verlaufen war. Schauen wir uns ihre Partien beim internationalen Frauenturnier in Dortmund an.

Lu Miaoyi ist in der August-Liste die Nummer 26 und bei den Mädchen die Nummer zwei hinter Divya Desmukh, die aber in diesem Jahr letztmals dabei sein wird. Jetzt in Dortmund gab es einiges Plus für die Chinesin. Lu Miaoyi startete mit vier Siegen und hätte in der fünften Runde gegen Elisabeth Pähtz einen weiteren vollen Punkt durchaus verdient gehabt. In der Schlussrunde gelang es Dinara Wagner doch noch die Tabellenführende etwas zu stoppen. Mit einer Performance von 2597 und einem Ratingzuwachs von zwölf Punkten sollte die junge Chinesin trotzdem zufrieden gewesen sein.


Im World-Cup in Batumi war das Turnier nach der dritten Runde (erste Runde Freilos) für Lu Miaoyi bereits vorbei. Gegen die Ukrainerin Yulia Osmak war Lu allerdings nicht Favoritin.

Ergebnis beim World-Cup







Fotos: Dariusz Gorzinski


Die 15-jährige Chinesin Lu Miaoyi ist ohne

Historisches Foto: José Raúl Capablanca und Emanuel Lasker. Quelle: Cubadebate.

Der Kubaner José Raúl Capablanca (1888 – 1942) war der dritte Weltmeister in der Geschichte des Schachspiels. Capablanca gehört zu den anerkannt besten Spieler aller Zeiten. Ihm sei diese neue Serie von Schachaufgaben gewidmet. Wir lösen damit die Lasker-Aufgaben ab.

Diesmal folgen wir Capablanca, der 1921 in Havanna den Titel von Lasker (+4, 10=, -0) übernahm. Wir beginnen diesmal aber mit einer Partie aus 1914, die in St. Petersburg zwischen Capablanca und Emanuel Lasker gespielt wurde. Eigentlich sah es mehrfach nach einem Sieg des Kubaners aus im Verlauf, aber Lasker konnte die Partie mit Glück und Geschick zusammen halten.


Diese Partie von Capablanca gegen Emanuel Lasker bot einige spannende Momente in unterschiedlichen Spielphasen. Die erste Frage war zunächst wie Lasker hier fortsetzen sollte.


Welcher Zug ist hier dem Kubaner mit Weiß zu empfehlen und wie ist die Stellung danach einzuschätzen. Siegbert Tarrasch irrte sich übrigens bei seinen zeitgenössischen Analysen.


Wie ist die Stellung nach 73.g5 einzuschätzen?


In dieser Stellung aus dem WM-Kampf von Capablanca gegen Lasker im Grand Casino de Playa in Havana 1921 unterlief dem 52-jährigen Emanuel Lasker gegen seinen 20 Jahre jüngeren Gegner ein recht grober Fehler, den man eigentlich nicht erklären kann. Nach dieser 14. Partie gab Lasker mit einem 0-4-Rückstand den Wettkampf vorzeitig auf. Der Wettkampf stand 5 zu 9 aus Sicht von Lasker und ihm machte das Klima auf Kuba zu schaffen, heißt es.

Über den Wettkampf in Havana gibt es eine ganze Menge Literatur. Spannend sind für historisch interessierte Schachliebhaber beispielsweise die Kommentare von Lasker selbst die man hier finden kann.


Mehr Lasker-Aufgaben

Historisches Foto: José Raúl Capablanca und Emanuel

Titelfoto: Anna Shtourman

Eine 19-jährige Inderin aus Nagpur erobert die Schachwelt im Sturm. Divya Deshmukh dominiert den Stichkampf gegen ihre Landsfrau Humpy Koneru und gewinnt den Weltpokal der Frauen in Batumi, Georgien. Gleichzeitig ist sie die 44. Frau, die sich den GM-Titel sichert und der 88. indische Großmeister.

Mehr Historisches und Statistisches: Divya Deshmukh ist nach Koneru Humpy, Harika Dronavalli und Vaishali Ramesbabu die vierte Inderin, die den Titel eines Großmeisters holt und die erste Inderin überhaupt, die den Weltpokal gewinnt. Zwei Jahre zuvor scheiterte Praggnanandhaa im Finale an Magnus Carlsen in der offenen Klasse.

Divya spielte in Batumi zwölf Partien mit klassischer Bedenkzeit. Vier Siegen stand eine Niederlage im Turmendspiel gegen Zhu Jiner gegenüber und brachten Divya ein Eloplus von 15 Punkten. In drei ihrer sechs Wettkämpfe musste die Inderin in die Stichkämpfe, gewann diese aber in allen Fällen souverän in der ersten Zeitkadenz und ohne eigene Niederlage. Ein beeindruckendes Boss-Resultat für das der Weltschachbund 50 Tausend US-Dollar als Siegprämie vorsieht.

Die Ergebnisse von Divya in Batumi

1. Schnellschachpartie (15+10)

Divya Deshmukh – Koneru Humpy 0.5 – 0.5


In der ersten Partie führte Divya die weißen Steine. In der Blitzphase der Partie hatte hier die 19-jährige Inderin aus Zentralindien eine Chance deutlichen Vorteil zu erzielen. Wie?


2. Schnellschachpartie (15+10)

Koneru Humpy Koneru – Divya Deshmukh 0 – 1

Schauen wir uns die Partie zunächst unkommentiert an. In den ersten vierzig Zügen passiert wenig. Dann folgt eine erste überraschende Verschärfung von Humpy Koneru, die einfach abwarten konnte. Die Partie blieb danach lange Zeit ausgeglichen bis die Fehler sich bei wenig Restzeit häuften.



Die Stellung sollte ausgeglichen sein. Zuletzt hatte sich Divya ihres Doppelbauern auf der f-Linie entzogen. Es gab hier zwei Möglichkeiten den Bauern zu schlagen oder den eigenen König nach e4 zurück zu beordern. Humpy Koneru wählte den schlechtesten dieser Züge. Ein Schock. Sie nahm mit dem Turm und hielt dadurch ihre Bauernstruktur intakt, musste dafür aber einen passiven Turm auf a1 hinnehmen.


Hier kann Schwarz recht klinisch gewinnen. Wie sollte das passieren?


Hier ist erneut Divya am Zuge. Wie sollte sie hier fortsetzen?


Wie sollte sich Humpy Koneru am besten wehren?


Ein erneuter Klassiker in Endspielen sollte hier von Divya mit Schwarz gespielt werden. Welcher?


Der letzte Fehler entscheidet. Wie sollte Humpy hier mit Weiß spielen? Machen wir daraus eine Fifty-Fifty-Entscheidung. Was ist besser der Vorzug des vorderen h-Bauern nach h7 oder der Königszug nach e5?

Bevor wir zu den Antworten auf die Fragen kommen kann man sich anschauen wie die Livekommentierung aus Indien aussah. Sagar Shah und Amruta von Chessbase haben Divya viele Jahre begleitet auf ihrer Reise bis hierhin und wurden ebenfalls emotional und litten mit der jüngeren Inderin mit. Bei aller landsmannschaftlichen Neutralität war der Sieg von Divya historischer einzuordnen als ein Sieg ihrer fast doppelt so alten Gegnerin gewesen wäre.






Offizielle Eventhomepage

Fotos: Anna Shtourman, Andreri Anosov (FIDE CHESS)

Titelfoto: Anna Shtourman Eine 19-jährige Inderin aus Nagpur

Titelfoto: Anna Shtourman (FIDE Chess)

Die Partien an zweiten Finaltag fanden diesmal unter umgekehrten Vorzeichen statt. Während die Inderinnen sich nach präzisem Spiel unentschieden trennten, konnte diesmal die Entscheidung über den dritten Platz und den Einzug ins Turnier der Kandidatinnen fallen. Nach spannendem Verlauf gewann Tan Zhongyi.

Von Thorsten Cmiel

Finale: Koneru Humpy – Divya Deshmukh 0.5 – 0.5

Erneut zeigte sich die 19-jährige Divya Deshmukh gut vorbereitet von ihrem immer noch geheimen Trainer. In der Partie kam es diesmal zu wenig kritischen Situationen. Divya folgte in einer positionell überzeugenden Variante Magnus Carlsen und kam nie wirklich in Bedrängnis. Entsprechend ausgelassen wirkte die Inderin im späteren FIDE-Kurzinterview mit dem FIDE-Presseverantwortlichen Michael Rahal.



Spiel um Platz 3: Lei Tingjie – Tan Zhongyi – 0.5 – 0.5

Die Partie der beiden Chinesinnen war ausgekämpfter als die schnelle Spielweise in der Eröffnungsphase vermuten ließ. Zunächst verpasste Tan einen klaren Gewinn nach einem Fehler ihrer Gegnerin und nachdem alles auf ein Remis hindeutete, unterlief Lei Tingjie ein gröberes Versehen und sie verlor. Nach der Partie schien die Stimmung der beiden Chinesinnen dennoch freundschaftlich.zu sein.



Ergebnisse (Event-Homepage).

Fotos: FIDE Chess. Anna Shtourman.


Servicehinweis

Die Partien können durch Klicken auf den hier Orange markierten Button heruntergeladen werden.

Titelfoto: Anna Shtourman (FIDE Chess) Die Partien an

Titelfoto: Anna Shtourman (FIDE Chess)

Im Finale des World Cup in Batumi geht es für Divya vor allem um einen kurzen Weg zum Großmeistertitel, denn die Qualifikation zum Turnier der Kandidatinnen hat sie schon geschafft. Die Chinesinnen Tan Zhongyi und Lei Tingjie kämpfen um die direkte Qualifikation zum Turnier der Kandidatinnen.

Von Thorsten Cmiel

Es war eine kurze Phase in der für Divya Deshmukh mehr drin war, aber diese letztlich zwei Chancen dürften den 19-jährigen neuen Superstar der Frauen im Schach ärgern. Die Eröffnung hatte Humpy Koneru offensichtlich nicht vorbereitet und geriet schon früh unter Druck. Divya spielte furchtlos und opferte eine Figur für Initiative und schnellen Angriff. Koneru Humpy konnte mit Hilfe ihrer Gegnerin knapp ausgleichen. Wenn man der Bildsprache vertrauen kann, dann war Divya enttäuscht vom Ausgang der Partie.

Finale: Divya Deshmukh – Koneru Humpy 0.5 – 0.5

Die 19-jährige Inderin Divya Deshmukh hat sich mit Weiß bisher meistens bestens vorbereitet gezeigt. Diesmal war es nicht anders und die Spielerin aus Nagpur erwischte ihre Landsfrau nicht auf der Höhe, aber dann kam es wie so oft in komplexen Varianten. Divya fand nicht die beste Fortsetzung in der folgenden Stellung.


Weiß ist am Zuge und hat mehere interessante Spielweisen zur Verfügung. Was ist die beste Spielweise.


Divya hatte sich in der letzten Diagrammstellung für ein Figurenopfer auf c4 entschieden. Zunächst ist nach der Annahme und dem Schachgebot mit dem Turm auf e1 Schwarz dran. Wie sollte sich Humpy hier am besten verteidigen?


Wir wechseln erneut die Perspektive. Wie sollte Divya in dieser Stellung am besten fortsetzen?

Die Antworten auf die drei Fragen finden sich im Text der Partieanalyse.



Spiel um Platz 3: Tan Zhongyi – Lei Tingjie 0.5 – 0.5

Die Partie entscheidet welche der beiden Spielerinnen erneut Kandidatin wird. Beide Spielerinnen hatten in Toronto 2024 mitgespielt und Tan Zhongyi sogar gewonnen. Lei Tingjie verlor in der Startrunde in Toronto und lief ihrer Startniederlage lange Zeit hinterher. Diese Partie war im Vergleich mit der Finalpartie der Inderinnen etwas weniger spannend. Die beiden Chinesinnen hatten in den Vorjahren die letzten beiden Weltmeisterschaftskämpfe gegen Yu Wenjun verloren, zuletzt dieses Jahr war die Exweltmeisterin Tan ihrer Landsfrau unterlegen. Am Ende behauptet die Besserengine einen ordentlichen schwarzen Vorteil für Lei Tingjie.



Ergebnisse (Event-Homepage).

Fotos: FIDE Chess. Anna Shtourman.


Servicehinweis

Die Partien können durch Klicken auf den hier Orange markierten Button heruntergeladen werden.

Titelfoto: Anna Shtourman (FIDE Chess) Im Finale des

Titelfoto: Anna Shtourman (FIDE Chess)

Erneut entscheidet Nervenstärke ein Match. Humpy Koneru dominierte erst in der Blitzphase ihre Gegnerin Lei Tingjie. Für Indien bedeutet der Sieg, dass jetzt zwei indische Spielerinnen für das Kandidatenturnier qualifiziert sind. Indien zieht mit den Chinesinnen gleich.

Von Thorsten Cmiel

Schnellschachpartien 15 + 10

Die erste Partie sah Lei Tingjie vorne, die griff an und traute sich dann doch nicht. Sie bekam eine zweite Chance und konnte diese erneut nicht nutzen. Damit endete die erste Partie im Remis. weniger ereignisreich war die zweite Schnellschachpartie mit (15+10), also 15 Minuten Grundbedenkzeit und zehn Sekunden Inkrement pro Zug.


Weiß hat einig Figuren im Angriff. Was sollte Lei Tingjie hier spielen?


Die zweite Partie war eher langweilig und sah die Inderin mit Weiß nie wirklich vorne.


Schnellschachpartien 10 + 10

Die zweite Schnellschachrunde zeigte sehr spannendes Schach mit einigen Windungen und beidseitig einigen Chancen Fehlern. Beide Spielerinnen gewannen letztlich ihre Weißpartien und es ging in die nächste Runde (Blitz).



Blitzpartien 5 + 3

Diesmal gelang es der Inderin mit Weiß früh einen großen Vorteil zu erspielen. Die Chinesin stellte Material ein, die Inderin revanchierte sich und die Partie war ausgeglichen und Lei packte ihren Turm an und konnte eine Drohung von Humpy nicht mehr abwehren. Tragisch. In der zweiten Partie gelang es der Chinesin nicht erneut einen Vorteil zu erarbeiten, sondern es war Humpy Koneru, welche die Partie lange Zeit dominierte. Die Chinesin versuchte noch etwas mit einem zu motivierten Opfer, lief aber in einen Konter.

Lei Tingjie hatte mit beiderseits wenig Sekunden auf der Uhr schon etwas unglücklich agiert und fasste hier den eigenen Turm an. Der konnte nicht nach a7 und es gab auch keine andere Möglichkeit die Drohung des gegnerischen Damenzugs nach d7 mit Doppeldrohungen gegen f7 und des Gewinns der Dame via des Turmzuges nach c8 abzuwehren. Ohne ihr Malheur hätte sie vermutlich den Damenzug nach f8 gefunden. Zwar hängt der eigene Turm auf a1, aber Schwarz kassiert dann einfach den weißen Turm auf c7 via Schachgebot auf d6.




Ergebnisse (Event-Homepage).

Fotos: FIDE Chess. Anna Shtourman.


Servicehinweis

Die Partien können durch Klicken auf den hier Orange markierten Button heruntergeladen werden.

Titelfoto: Anna Shtourman (FIDE Chess) Erneut entscheidet Nervenstärke