Die Idee der Lasker Aufgaben ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Schachaufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.
1. Aufgabe: Schwarz am Zuge sollte wie fortsetzen?
Hier fand 1975 der Schwarzspieler Hector Bravo Sedamanos den Zug 28…De2!! gegen den bekannteren Spieler Oscar Panno. Weiß versuchte 29.Tdd1 und nach 29…Dxd1 dauerte es nicht mehr lange. Schneller war jedoch 30.Df1+ (Tf1+ funktionierte genauso) nebst Matt.
2. Aufgabe: Weiß ist am Zuge. Wie setzt er seinen Angriff kraftvoll fort?
Der Lösungszug ist natürlich das Damenopfer auf h7. Die weitere Folge ist zwingend, wobei es nach den weiteren Züge immer laut, also mit Schachgeboten weiter gehen konnte…Edward Lasker war der Weißspieler in dieser Partie. Er war 1885 in Kempen (Posen) geboren worden und ist 1981 in New York verstorben. Edward Lasker war ein Schachbuchautor und ebenfalls am Go-Spiel interessiert. Wer sich einlesen will, der findet bei Wikipedia weitere Informationen zu Edward Lasker.
3. Aufgabe: Kann Weiß am Zuge Vorteil erreichen? Wie?
Hier gab es einen merkwürdigen Unterschied zu entdecken…Weiß musste dem gegnerischen König Schach vom richtigen Feld aus geben. Der Unterschied lag darin begründet, dass nach dem naheliegenderen Schachgebot auf e4 die Dame ungedeckt ist und nach dem Antwortzug mit der Dame nach f5 Weiß auf e7 nehmen muss, um etwas zu erreichen.
4. Aufgabe: Kann Schwarz am Zuge diese Stellung halten?
Paradoxerweise ist es nicht der scheinbar aktive Zug, der hier gefragt ist. In der Partie spielte Vincent Keymer 50…Kf6? und verlor nach 51.Tb7 Tc3 52.g4 Tg3 53.Tb4 deutlich. Richtig war hingegen den eigenen König auf die achte Reihe zu ziehen. 50…Kf8 hielt Remis, da nach 51.Ta7 Tg6 folgt. Aber die Angelegenheit ist danach keineswegs einfach und bedarf weiterer Präzision. Diese Phase ist empfohlen zum weiteren Selbststudium.
Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.
Die Idee der Lasker Aufgaben ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Schachaufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.
1. Aufgabe: Schwarz am Zuge sollte wie fortsetzen?
Diese Aufgabe ist ein Klassiker, inzwischen 50 Jahre alt und eine gute Aufwärmübung für das Jahr 2025.
2. Aufgabe: Weiß ist am Zuge. Wie setzt er seinen Angriff kraftvoll fort?
In dieser Partie ist ein anderer Lasker in einer Blitzpartie am Werke. Bei unserem Protagonisten hier bestand eine entfernte Verwandtschaft zu Emanuel Lasker. Die Aufgabe ist nicht allzu schwierig, aber schon über 100 Jahre alt. Entscheidend ist die Variantenberechnung. Wer den Namen des Spielers (Foto) richtig errät, bekommt keinen Preis, aber kann sich als Wissender besser fühlen.
3. Aufgabe: Kann Weiß am Zuge Vorteil erreichen? Wie?
Eine Online-Partie, die offline gespielt wurde. Oder andersrum. Egal wie rum. Die Stellung war spannend.
4. Aufgabe: Kann Schwarz am Zuge diese Stellung halten?
Aus der gleichen Partie sehr viel später. Hat Schwarz hier noch Hoffnung?
Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.
Der Weltschachbund blamiert sich vollends nach einem bis dahin spannenden Finalverlauf in der offenen Klasse. Immerhin die Frauen finden eine Blitzweltmeisterin. Die Chinesin Ju Wenjun gewinnt das Turnier. In der offenen Klasse fehlt ein Sieger.
Der Weltschachbund hatte für die Blitz-WM 2024 ein neues Format festgezurrt. Der Weltmeister sollte nach einer dreizehnrundigen Qualifikation in der offenen Klasse und elf Runden bei den Frauen im Knock Out ermittelt werden. Am zweiten Tag begannen acht Spielerinnen und Spieler mit Matches bestehend aus zunächst vier Partien. An dem Turnierformat war früh Kritik aufgekommen, da zwischen der Schnellschachweltmeisterschaft und der Blitz-WM ein Tag Pause eingebaut war, was die Kosten für Spieler nach oben trieb, zumal viele gar keine realistische Finalchance hatten. Am Ruhetag gab es eine Konferenz für potentielle Sponsoren bei der unter anderem Magnus Carlsen dabei war. Carlsen zeigte sich in einem Interview vor der Weltmeisterschaft jedoch wenig einsichtig über sein Verhalten und beschimpfte weiter Offizielle und sogar seinen Vorgänger als Weltmeister, Vishy Anand. Es kam wie es fast kommen musste. Der Norweger erreichte das Finale und stellte den FIDE-Präsidenten vor eine Frage, die man als Dilemma bezeichnen kann. Der entschied prompt falsch, nämlich gegen die bekannten Regeln, und der Weltschachbund stellt sich als Sportorganisation inzwischen als Trümmerhaufen mit lauter Verlierern dar.
Schach wurde ebenfalls gespielt an diesem Tag. Wir berichten über das Turnier bei den Frauen.
Bei den Frauen setzten sich die Favoritinnen durch, wobei es für die am Vortag überragende Inderin Vaishali zunächst knapp aussah. Sie hatte sich in der Auftaktrunde eine schöne Gewinnstellung erarbeitet und dann folgte ein absurder Fehler in der folgenden Stellung.
Hier gewann in der Partie von Vaishali gegen die Chinesin Zhu Jiner einfaches Schlagen des Läufers auf f8 sofort. Die Inderin war in hoher Zeitnot und sie zog stattdessen ihren Läufer nach g5. Solche Fehler sind eher untypisch für eine Partie am Brett. Im Onlineschach würde man so etwas mit einem Premove erklären, also einem antizipierten Zug als Reaktion auf einen erwarteten Zug des Gegners. der blieb aber hier offenbar aus. Nach diesem Schocker gewann Vaishali aber beide Schwarzpartien und konnte dennoch ins Halbfinale einziehen.
Die ausgeschiedenen Spielerinnen im Viertelfinale: Zhu Jiner (CHN), Bibisara Assaubaeva (KAZ), Valentina Gunina (RUS/FID), Carissa Yip (USA).
Viertelfinale Frauen Blitz-WM 31.12.2024. Ergebnisse. (Quelle: Chess-Results.com).
Halbfinale Frauen-Blitzweltmeisterschaft 2024
Im Halbfinale war dann recht zügig Schluss für die Inderin, die gegen die Weltmeisterin Ju Wenjun im klassischen Schach klar verlor. Spannend war der Wettkampf im zweiten Halbfinale zwischen der Chinesin Lei Tingjie und der Russin Kateryna Lagno, die in New York wie alle ihre Landsleute unter neutraler Flagge antrat. Eigentlich sah es in der zweiten Stichkampfpartie so aus als würde Lagno gewinnen, aber nach einer ungenauen Berechnung drehte sich der Wind und die Finalpaarung entsprach dem letzten WM-Finale 2023.
In der zweiten Stichkampfpartie zwischen Kataryna Lagno und Lei Tingjie stand die Russin hier immer noch auf Gewinn. Die Chinesin war früh mit ihrer Dame auf Abwege geraten, aber Lagno hatte versäumt das zu nutzen. Hier passierte ihr allerdings ein grobes Versehen und die Partie kippte vollends von einer gewonnenen zu einer verlorenen Stellung. Die Russin spielte im 24. Zug ihren Läufer nach g7 und nach der Antwort mit dem Turmzug nach g8 und Schlagen auf h7 gewann Lei mit Schlagen auf g7 und Turmschlagen auf c6 entscheidendes Material.
Die ausgeschiedenen Spielerinnen im Halbfinale. Vaishali (IND) und Kateryna Lagno (RUS/FID).
Halbfinale Frauen Blitz-WM 31.12.2024. Ergebnisse. (Quelle: Chess-Results.com).
Finale Frauen-Blitzweltmeisterschaft 2024
Finale Frauen Blitz-WM 31.12.2024. Ergebnisse. (Quelle: Chess-Results.com).
Der Fight war ausgeglichen bis zur letzten Partie. Dabei hatte Lei Tingjie eine gute Chance die Stellung auszugleichen. Sie griff daneben und verlor. Erneut gewann Ju Wenjun das Duell der beiden Chinesinnen. 2023 hatte Wenjun bereits den Titelkampf im klassischen Schach für sich entschieden und ihren Titel verteidigt. In einer Partie spielten die Kontrahentinnen sogar 153 Züge.
Hier sollte Lei einen Zwischenzug spielen und selbst eine Drohung aufstellen. Nach dem Springerzug nach f4 droht die Springergabel auf e2, weswegen Weiß hier nicht auf f5 nehmen darf. Die stärkste Antwort ist dann der Turmzug nach c5 und Weiß behält einen ordentlichen, aber nicht spielentscheidenden Vorteil.
Lei Tingjie ist eine sehr starke Blitzspielerin und ich hatte einfach mehr Glück. Ich denke, wir haben beide gut gespielt. In der sechsten Partie spielte sie diese Eröffnung, die ich zum Glück schon früher in diesem Turnier gecheckt hatte.
Ju Wenjun in der Pressekonferenz.
Foto: John BrezinaFoto: John Brezina
Keine Gewinner, aber viele Verlierer
Die Geschichte des Tages war ein neuerlicher Skandal rund um Magnus Carlsen. Er und sein Finalgegner, der Russe Ian Nepomniachtchi entschieden letztlich den Weltmeistertitel nicht weiter auszuspielen. Diese Entscheidung wurde per Schalte vom Präsidenten des Weltschachbundes, Arkady Dvorkovich, genehmigt und der sendet prompt ein fatales Signal in die Schachwelt und wurde umgehend von vielen Teilnehmern und Kommentatoren kritisiert.
Wir haben uns entschieden über diesen Teil des Events, die offene Klasse, nicht weiter zu berichten. Ein Turnier ohne echten Sieger ist nicht der Rede wert. Die Blitzweltmeisterschaften haben eine Siegerin hervorgebracht und ihr gebührt eigentlich die ungeteilte Aufmerksamkeit.
Einige Reaktionen sollen dennoch folgen. Wer will sollte sich anderswo in sozialen Medien beispielsweise weiter über die Abläufe informieren.
The #jeansgate matter has seen rather divided opinions, some in favour of Magnus’s strong reactions and others stating that no one is above the rules and that FIDE was right. At least there, we can have a conversation about the issues.
I’ve never prearranged a draw in my career. In the video I’m joking with Ian in a situation with lacking decisive tiebreak rules. This was obviously not an attempt to influence FIDE. It was said in the spirit that I thought FIDE would agree to our proposal. If anything it was a… https://t.co/5y6cGwmzGf
Elf Runden bei den Frauen und dreizehn Runden bei den Männern entschieden über die vier Matches bei der diesjährigen Blitz-WM in New York City. Bei den Frauen gab es eine klare Siegerin, die indische Großmeisterin Vaishali. Im Open kommt es im Viertelfinale zum epischen Duell zwischen Magnus Carlsen und Hans Niemann.
Die Paarungen bei den Frauen sind festgelegt durch die Platzierungen. Die Erstplatzierte spielt gegen die Nummer acht im Schweizer-System-Turnier das als Qualifikation diente. Die anderen Paarungen sind die Nummer 2 gegen die Nummer 7 und so weiter.
Ich glaube ehrlicherweise nicht, dass ich eine großartige Blitzspielerin bin. Es gibt viel mehr starke Spieler, die hier spielen. Ich glaube, ich hatte heute in vielen Partien Glück, und es hat einfach geklappt.
Die unglücklichste Spielerin war sicherlich Schnellschachweltmeisterin Koneru Humpy, die punktgleich durch das Ziel lief wie die Drittplatzierte, aber die schlechteste Wertung auf die Waage legte. Koneru hatte in der Startrunde verloren und erst spät Anschluss an die Spitze gefunden.
Resultate der Frauen-Qualifikation bei Chess-Results.
Viertelfinale bei den Frauen
Vaishali Rameshbabu (Indien) – Zhu Jiner (China)
Lei Tingjie (China) – Bibisara Assaubayeva (Kazachstan)
Lagno Kateryna (RUS*) – Carissa Yip (USA)
Valentina Gunina (RUS*) – Ju Wenjun (China)
Offene Klasse
Am Ende hatte kein Teilnehmer mehr die Bereitschaft größere Risiken einzugehen. Im Mittelpunkt des Interesses dürfte die Paarung von Hans Niemann und Magnus Carlsen sein. Die beiden hatten eine rechtliche Auseinandersetzung nach einer Niederlage im Jahr 2022, die der US-Amerikaner dem Weltmeister zugefügt hatte. Der deutete Betrug an und es kam zum Schachdrama.
Magnus CarlsenHans NiemannIan NepomniachtchiVolodar MurzinFabiano CaruanaJ-K. DudaWesley SoAlireza Firouzja
* russische Athleten treten unter neutraler Flagge an bei offiziellen Veranstaltungen des Weltschachbundes, da die Hauptversammlung der FIDE das zuletzt in Budapest so beschlossen hat.
Fotos: Lennart Ootes und Michal Walusza für FIDE Chess.
Es gab ein Mini-Drama im Turnier. Dubov erschien nicht zu seiner Partie in der offenen Klasse gegen Hans Niemann. Er erzählte später die Geschichte, dass er in seinem Hotelzimmer eingeschlafen sei. Er verlor für sein Nichtantreten allerdings nicht nur seinen Punkt, sondern auch die Wertungspunkte aus der Partie. Da diese entscheidend für die Qualifikation waren, reichte es am Ende knapp nicht für das Knock out.
Drama after drama. Dubov does not turn up vs Hans, and in spite of winning all the games afterwards, does not make it to KO. He would have advanced, even if he played and lost that game. But he got no Buchholz for no-show. As a result, he is out. And Hans will meet Magnus in 1/4.…
1/13 🧵All-players Stockfish performance analysis of FIDE World Blitz Championship 2024 Swiss Stage : More than 1200 games and 117,000 moves analyzed, with many pictures of interesting positions.
Josefine Heinemann, Divya Deshmukh und Lu Miaoyi spielten drei völlig unterschiedliche Turniere. Am Ende dürfte keine der Spielerinnen zufrieden mit ihrer Leistung gewesen sein. Schauen wir auf das Ende.
Beginnen wir mit etwas Statistik. (Quelle: Chess-results.com)
Name (Rapid Elo)
Runde 1 – 4
Runde 5 – 8
Runde 9 – 11
Gesamt
Performance
Elo +/-
D. Desmukh (2393)
2
3
2
7
2341
-6.5
J. Heinemann (2218)
1.5
2.5
1
5
2263
+14.4
Lu Miaoyi (2317)
1.5
1
1,5
4
1989
-86.6
Beide Fotos: Lennart Ootes
Die erst 14-jährige Chinesin Lu Miaoyi ist die Aufsteigerin im klassischen Frauenschach im Jahr 2024 gewesen. Sie hat in einem Jahr 182 Punkte zugelegt, sich den IM-Titel gesichert und liegt mit 2441 Punkten auf dem 28. Rang der Weltrangliste, einen Platz vor der deutschen Spitzenspielerin Dinara Wagner. Bei der Schacholympiade in Budapest holte Lu 7,5 Punkte aus neun Partien am Reservebrett für China.
Bei dieser Schnellschachweltmeisterschaft in New York lief es jedoch nicht für die junge Chinesin. Ob man ihr Ergebnis mit Jet lag oder mit der ungewohnten Bedenkzeit erklären kann? In jedem Fall war es ein Turnier, dass sie schnell abhaken sollten. Es wird interessant sein zu sehen, wie sie sich im Blitzturnier schlägt.
Weiter in ihrer Karriere ist die 19-jährige Inderin Divya Deshmukh. In 2024 gewann Divya die Juniorinnenweltmeisterschaft, zweimal Gold bei der Schacholympiade und schaffte erstmals den Sprung über die Großmeisterelohürde von 2500 Punkten. Sie startete katastrophal mit zwei Niederlagen ins Turnier. Eine ihrer besten Eigenschaften ist ihr unbändiger Kampfgeist. Sie schaffte es am Ende als 21. noch in die Preise, auch wenn sie mit ihrem Turnier sicherlich unzufrieden sein wird. Immerhin kamen ihre zwei Kolleginnen aus Indien, Humpy Koneru und Harika Dronavalli, besser zurecht.
Josefine Heinemann gewann als einzige der drei beobachteten Spielerinnen Elopunkte hinzu. Aber es war vor allem mehr drin. Zumal der dritte Spieltag sehr gut mit einem Sieg begonnen hatte. Zuletzt kamen zwei Niederlagen in den Schlussrunden hinzu, was sich grundsätzlich für jeden Schachspieler schmerzhaft anfühlt. Außer auf dem Titelfoto fand ich kein Foto von ihr im offiziellen FIDE Fotofeed. Daher greife ich auf ein Foto von Dariusz Gorzinski zurück, das dieser bei der Schacholympiade in Budapest gemacht hat.
Schauen wir Josefine bei der Arbeit zu und versuchen wir daraus zu lernen. Wie ihre Fans Josefine kennen, wird sie selbst noch kritischer an die Partieanalysen herangehen…
In der elften Runde spielte Josefine Heinemann mit Weiß gegen die US-Amerikanerin Jennifer Yu. Weiß hat eine typische Isolani-Stellung aufgebaut. Josefine konnte hier beispielsweise ihren Turm nach c1 ziehen und stand nach dem Läuferzug nach b7 und dem typischen Damenzug nach e2 angenehmer, mehr nicht. Stattdessen bewegte sie hier im 14. Zug den Springer nach e4. Das ist ein positionell schwacher Zug, der die Kontrolle des Feldes d5 aufgibt. Die Partie steht danach etwa ausgeglichen.
Diese Stellung war der vermutlich spannendste Moment der gesamten Partie und für Alapin-Spieler sehr lehrreich. Schwarz hat mit a7-a5 die Bauernstruktur am Damenflügel zu fixieren versucht. Weiß ist am Zug und Josefine zog ihren a-Bauern ein Feld vor. Danach hat Schwarz keine Probleme mehr. Aber Weiß hatte in dieser Stellung je nach Geschmack zwei gute Alternativen. Sie konnte mit 19.Sc5 kein echtes Figurenopfer bringen und profitierte danach von ihrem Raumvorteil. Die andere Alternative hier dürfte Angriffsspielern besser zusagen: Weiß zieht seinen Springer nach e5 und nach dem Schlagen auf a3 nimmt Weiß einfach auf h6 den gegnerischen Bauern und zerstört den Schutz des gegnerischen Königs.
Bei Josefines Partien war leider eine Schwäche mit Schwarz erkennbar. Mit Weiß hingegen gelang es der deutschen Spielerin oft, chancenreiche Stellungen zu erzielen. Das geht vielen Spielern so und könnte auf eine nicht geglückte Eröffnungswahl im Schnellschach hindeuten. Hoffentlich legt Josefin beim Blitzen etwas zu und hat dann ein echtes Blitzrepertoire am Start. Das hilft ungemein und ist für mich ein eigener Vorsatz für 2025.
Arkady Dvorkovich hat es geschafft. Magnus Carlsen nimmt an der Blitzweltmeisterschaft doch teil. Der Weltschachbund FIDE hat ihrem Superstar, der sich zuvor komplett vergaloppiert hatte, damit eine Brücke gebaut. Der ganz große Knall bleibt aus. Vorerst.
Die Schachwelt atmet auf: Im Gespräch mit Levi Rozman von „Take, Take, Take“ sagte Carlsen: „Ich spiele mindestens einen weiteren Tag hier in New York und, wenn ich gut abschneide, noch einen weiteren Tag danach“ und weiter: „Wir haben gestern viele Gespräche geführt und wir haben ein gutes Verhältnis zu FIDE-Präsident Dvorkovich…Im Gespräch mit Dvorkovich und dem Hauptsponsor Turlov hatten wir das Gefühl, dass wir einige fruchtbare Diskussionen führen konnten, und am Ende des Tages entschied ich mich zu spielen“, fügte Carlsen hinzu.
Es ist bekannt, dass im Team Carlsen vor allem Vorbehalte gegenüber dem CEO der FIDE, dem israelischen Großmeister Emil Sutovsky bestehen. Legendär sind die Meinungsaustausche zwischen Peter Heine Nielsen, dem Trainer von Carlsen, und Sutovsky via X, vormals Twitter. Die beiden bekämpfen sich verbal fast täglich. Dabei geht es vor allem um die Politik des Weltschachbundes gegenüber der russischen Schachföderation. Dabei gehört es zu den Details, dass Nielsen mit Viktorija Čmilytė verheiratet ist. Diese ist selbst Schachgroßmeister, aber auch eine führende litauische Politikerin. Die Baltenrepublik fühlt sich bedroht von den Entwicklungen in ihrer Nachbarschaft und dem Krieg der Russen gegen die Ukraine.
Carlsen blasts FIDE CEO Emil Sutovsky. "Dvorkovich has generally been true to his words when we have talked to him. Sutovsky not so much. That's the difference. As to why he is employed by FIDE, I have no idea." https://t.co/CBL36GL95k
Es mag etwas überraschend klingen zu hören, dass Carlsen mit Dvorkovich besser klarkommt als mit dem israelischen Kollegen, der selbst mal Juniorenweltmeister gewesen ist. Dvorkovich ist jedoch zuvorderst Politiker und vielleicht ist es einfacher als Präsident zu agieren. Dennoch klingt Carlsen eher geläutert in seiner Erklärung. Neben Dvorkovich erwähnte Carlsen den Hauptsponsor, der Freedom Holding Corporation. Ein Hauptkritikpunkt von Heine Nielsen ist immer genau dieser Sponsor wegen seiner Nähe zu Russland gewesen. Das dürften interessante interne Diskussionen gewesen sein.
Mein Take
Es gibt bereits erste Jubelarien, dass Magnus den Weltschachbund in die Knie gezwungen habe. Diese Sichtweise wird vermutlich schnell die Runde machen. Das ist aber nicht einmal die halbe Wahrheit, sondern der falsche Take wie man heutzutage sagt. Der Gewinner ist der FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich, der jetzt fester im Sattel sitzen dürfte als jemals zuvor. Sein Statement zeigt, wer der Erwachsene im Raum bei den Diskussionen mit dem Team Carlsen war. Seine CEO wird er nicht opfern und vielleicht hat Carlsen sogar Recht, wenn er die Rollenverteilung der beiden Granden im Weltverband mit good cop und bad cop bezeichnet.
Emil Sutovsky. Foto: Michal Walusza
Dear participants of the World Blitz Championships in New York,
Let me begin by thanking all of you for your commitment to compete fairly and for bringing joy to millions of spectators all over the world.
Drei Russen unter neutraler Flagge dominierten die Schnellschachweltmeisterschaft 2024. Der Jüngste gewann Gold mit einem halben Punkt Vorsprung. Volodar Murzin ist sogar einige Tage jünger als der indische Weltmeister im klassischen Schach, Gukesh, der in New York nicht dabei war.
Einige Wochen zuvor war Murzin noch in Singapur, spielte dort allerdings nicht um die Weltmeisterschaft, sondern im internationalen Open nur um Preisgeld. Am Ende wurde der an Rang zwei gesetzte Russe Zweiundzwanzigster. Er hatte gegen einen noch jüngeren Großmeister aus Singapur verloren. In New York lief es besser für ihn.
Auf Reisen ist Murzin mit Mikhail Kobalia, einem weiteren russischen Großmeister und Schachtrainer. Der neue Schnellschachweltmeister war im Vorjahr ebenfalls sehr erfolgreich und hatte neun Punkte aus 13 Partien erzielt. Ebenfalls ohne Niederlage. In der zwölften Runde hatte Volodar allerdings mehr als Glück.
John Brezina
Nach elf Runden lagen Alexander Grischuk und Volodar Murzin mit 8,5 Punkten in Führung. Es folgten vier Spieler mit acht Punkten: der US-Amerikaner Leinier Dominguez, der FIDE-Russe Ian Nepomniachtchi und die zwei Inder Arjun Erigaisi und Praggnanandhaa, kurz Pragg. Für Erigaisi ging es um die Qualifikation zum Kandidatenturnier 2026. Er musste auf einem geteilten ersten Platz landen. Da er gegen die Führenden schon gespielt hatte, bekam er es mit Leinier zu tun. Am anderen Brett wurde Schachgeschichte geschrieben.
In dieser Stellung aus der Partie Praggnanandhaa – Murzin gewann der f-Bauernzug nach f7 recht klar und ohne größere Schwierigkeiten. Der Inder hatte hier aber einen Aussetzer, den Schachspieler als „Schachblindheit“ bezeichnen. Damit ist ein unerklärlicher Fehler gemeint, den man rational nicht erklären kann, eine Art blinder Fleck im Denkprozess. Wer sich über den Zug 55.Tf2 von Ding Liren im WM-Kampf aufregt, der wird hier noch einen größeren Fehler ausmachen. Tragisch für den Inder und eine unerwartete Chance für den Russen. Fehler gehören zum Schachspiel und nur Fehler lassen Brillanz des Gegners zu, wusste schon Emanuel Lasker, der zweite Schachweltmeister der Schachgeschichte.
Beide Fotos: Lennart OotesDer entscheidende Moment: Lennart Ootes
In der letzten Runde versuchte Alexander Grischuk nichts mehr gegen Leinier Dominguez und Volodar genügte ein Remis zum Turniersieg. Am Ende standen drei Russen auf dem Treppchen der Sieger. Arjun konnte mit seinen zwei Remis in den Schlussrunden nicht mehr eingreifen und Fabiano Caruana war der eigentliche Gewinner des Duells. Er ist für das Kandidatenturnier qualifiziert.
Die Siegerliste (Quelle: chess-results.com)
Die Fotos zeigen die vier weiteren Erstplatzierten im Turnier. Leinier Dominguez nach seiner Kurzpartie gegen Alexander Grischuk und darunter Ian Nepomniachtchi und Arjun Erigaisi.
Sieben Spielerinnen lagen vor der letzten Runde mit siebeneinhalb Punkten gleichauf im Frauenturnier. Aber nur der 37jährigen Inderin gelang ein Sieg in der Schlussrunde. Humpy Koneru gewann nach 2019 bereits ihre zweite Weltmeisterschaft im Schnellschach.
Ein Jahr zuvor hatte die Inderin den Stichkampf um den WM-Titel gegen die Russin Anastasia Bodnaruk verloren. Aber 2024 ist das Jahr der Inder im Schach und so war diesmal das Glück auf ihrer Seite. Ihre Gegnerin war die Indonesierin Irine Kharisma Sukandar. Diese hatte bis dahin ein starkes Turnier gespielt und zwei Runden zuvor die Vorjahressiegerin geschlagen.
Die Kommentatoren diskutierten die überraschenden Stichkampfregeln, die einen Stichkampf der zwei Erstplatzierten nach Wertung vorsahen. Im Nachhinein wissen wir, dass bei einem Remis die Chinesin Ju Wenjun und Katerina Lagno gegeneinander angtreten wären. Aber dann passierte hier das Unfassbare. In dieser Stellung zog Sukandar ihren König nach f4 und kassierte ein Schachgebot mit dem g-Bauern und stand plötzlich auf verlorenem Posten. Diese Wendung der Ereignisse war weniger dramatisch als fast zeitgleich in der zwölften Runde in der offenen Klasse. Dort hatte der indische Superstar Praggnanandhaa eine Gewinnstellung gegen den späteren Sieger in eine Verluststellung verwandelt. Hier war es ein etwas kleinerer Turnaround.
Der entscheidende Moment: Michal Walusza
Michal Walusza
Endstand Frauen Schnellschach WM 2024
Quelle: chess-results.com
Die 15-jährige Usbekin Afruza Khamdamova spielte vermutlich ihr bestes Turnier ihrer bisherigen Karriere und sammelte bei einer Eloperformance von 2577 ganze 218 Elopunkte ein und liegt damit über 2400 Punkten. In der Vorschlussrunde hatte die Usbekin die deutsche Großmeisterin Elisabeth Pähtz geschlagen. Im Turnier hatte Afruza nur gegen Lei Tingje aus China hinter sich greifen müssen.
Weiß steht mit dem zentralen Springer etwas besser postiert. Aber Schwarz kann sicher noch kämpfen. Aber an dieser Stelle unterlief der deutschen Spielerin ein grober Fehler, den ihre Gegnerin sofort ausnutze. Die Schwarzspielerin zog im 31. Zug ihren Läufer nach b5 und griff den Turm an. Dieser reagierte sogar, fand aber auf e6 ein sehr attraktives Feld und Weiß stand auf Gewinn. Nach 32…f5 und dem Damenzug nach g3 waren der Bauer auf f5 und der auf d6 angegriffen. Die Partie dauerte noch sechs Halbzüge lang.
Beide Fotos: Lennart Ootes
Die beiden platzierten Spielerinnen: Ju Wenjun, die Weltmeisterin im klassischen Schach und Katarina Lagno.
Nach acht Runden führen zwei Inderinnen und eine Chinesin das Feld mit sechseinhalb Punkten an. Erfreulich ist aus deutscher Sicht, dass Elisabeth Pähtz nur einen halben Punkt dahinter liegt. Die drei Frauen, die wir verfolgen, haben unterschiedliche Turnierverläufe bisher.
Punkte nach 4 Runden
Runde 5
Runde 6
Runde 7
Runde 8
Gesamt
D. Deshmukh
2
1
1/2
1/2
1
5 (8)
Lu Miaoyi
1,5
0
0
0
1
2,5 (8)
J. Heinemann
1,5
1/2
1
1/2
1/2
4 (8)
Beginnen wir mit einer verpassten Chance für die deutsche Spielerin, die es bisher noch auf kein Foto der FIDE gebracht zu haben scheint. Daher hier eines aus Budapest.
Dariusz Gorzinski
Diese Stellung stammt aus der Partie in der siebten Runde von Josefine Heinemann gegen die Bulgarin Nadya Toncheva. Hier sollte Weiß sich einfach weiter entwickeln mit einem Läuferzug nach e3 beispielsweise. Josefine nahm hier den strukturellen Vorteil durch das Schlagen auf d7 mit. Dieser Zug ist eindeutig überhastet und ein positioneller Irrtum. Schwarz kann diesem Tausch gar nicht wirklich ausweichen. Zudem ist der hemmende Springer auf b6 dem gegnerischen Läufer klar überlegen. Nach dem Tausch auf d7 konnte die Schwarzspielerin zunächst ihre Stellung konsolidieren und die Krise war vorbei.
Diese Stellung stammt aus der gleichen Partie und zeigt ungleiche Vorzeichen. Hier ist das Verteidigen mit wenig Restbedenkzeit für Weiß fast unmöglich. Josefine spielte hier den natürlichen Turmzug nach e1 und lag falsch damit. Richtig war es den Turm nur nach e2 zurück zu ziehen, um später ein Schachgebot der Gegnerin auf der zweiten Reihe zu verhindern. Es folgten noch einige Irrungen und Wirrungen beider Spielerinnen, die aber bei der knapper Restbedenkzeit entschuldbar sind.
Lennart Ootes (FIDE Chess)
Der vielleicht spannendste Moment aus den Partien von Divya ereignete sich in der Partie gegen die deutsche Spitzenspielerin Dinara Wagner. Schwarz hatte zuletzt auf e2 einen Springer geschlagen. Das gab der Inderin eine zusätzliche Chance. Weiß kann hier zunächst auf g7 den Bauern schlagen, um den eigenen h-Bauern folgen zu lassen. Gegen diesen einfachen Plan gibt es keine ausreichende Verteidigung mehr. Auch in dieser komplexen Partie entgingen den Spielerinnen in der Folge noch einige Wendungen. Bei geringer Restbedenkzeit ist das keine Überraschung.
Am dritten Arbeitstag stehen bei den Frauen noch drei Runden an.
Magnus Carlsen ist raus aus dem Titelrennen um die Schnellschach- und Blitz-WM 2024. In New York gibt es einen Dresscode. Er weigerte sich die Hose zu wechseln und trägt die Konsequenzen. Keiner steht über den Regeln und das ist gut so.
Der Ablauf am zweiten Tag der Schnellschachweltmeisterschaft ist schnell erzählt. Magnus Carlsen hatte die falschen Hosen angezogen und zwar nach eigener Aussage aus purer Unachtsamkeit. Er bekam zur zweiten Runde an dem Tag eine Verwarnung inklusive einer Geldstrafe aufgebrummt. Dann, eine Runde später, gab es eine Art Bockigkeit des Spielers, der nicht wie andere Spieler vor ihm in sein Hotel wollte, um die Hosen zu wechseln. Der englische Hauptschiedsrichter Alex Holowczak (Foto) zeigte ihm die Alternativen auf und teilte dem Spieler mit, dass er ohne Hosenwechsel für die neunte Runde nicht gepaart würde. Magnus Carlsen machte daraus eine prinzipielle Angelegenheit und verabschiedete sich recht unflätig vom Turnier.
Kontextmaterial
The minor didn’t manage, she probably lived too far. However then taking a scarf as a jeans substitution when floors on the security check are cold is arguable. Besides the other difference is whether you pay thousands of dollars to participate, or whether you are fully covered.
Der Tag begann mit einer Provokation von Magnus Carlsen. Der Präsident des US-Schachverbandes, Kevin Pryor, musste den 9Startzug ohne den norwegischen Superstar ausführen, der kam wie oft einfach etwas später.
Magnus Carlsen decided not to spend 10 minutes to change out of trousers that were deemed against the dress code, which would not have been a major inconvenience for him in practical terms. On principle. It says in the rules you should not wear jeans. Other players were asked to…