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Das Titelfoto zeigt die Sieger Magnus Carlsen und Anna Muzychuk. Von Michal Walusza für Norway Chess.

Die Nummer Eins der Welt ist und bleibt Magnus Carlsen. Er gewann erneut das Turnier in Stavanger. Norway Chess ist für die Elite neben Wijk aan Zee und dem Sinquefield-Cup eines der Highlights jedes Schachjahres. Neben sechs Top-Großmeistern spielen auch die Frauen um den gleich hohen Preisfonds. Klare Gewinnerin war diesmal die Ukrainerin Anna Muzychuk.

Die Organisatoren in Norwegen setzen auf eine etwas sportliche Bedenkzeitregelung am Ende der Partie gab es nur zehn Sekunden pro Zug. Das führte zu manchem Fehler. Zu den Besonderheiten der Norweger gehört das Ausspielen eines Siegers nach einer Remispartie. Allerdings sind Siege im klassischen Modus immer noch die beste Punktequelle (3 Punkte, ein Sieger im Armageddon nach Remis erhält 1.5 Punkte, der Verlierer 1.0 Punkte).

Der Endstand in der offenen Klasse

#SpielerGewonnen/Verloren/RemisArmageddon-Siege (Partien)Gesamtpunkte
1Magnus Carlsen (NOR)3/1/62 (6)16.0
2Fabiano Caruana (USA)4/3/31 (3)15.5
3Gukesh (IND)4/4/21 (2)14.5
4Hikaru Nakamura (USA)2/1/72 (7)14.0
5Arjun Erigaisi (IND)2/3/54 (5)13.0
6Wei Yi (CHN)0/3/75 (7)9.5

Der Endstand Top-3 bei den Frauen

#SpielerinGewonnen/Verloren/RemisArmageddon-Siege (Partien)Gesamtpunkte
1Anna Muzychuk (UKR)2/0/85 (8)16.5
2Lei Tingje (CHN)3/1/62 (6)16.0
3Koneru Humpy (IND)3/2/52 (5)15
4Ju Wenjun (CHN)1/1/85 (8)13.5
5Vaishali (IND)1/3/64 (6)11.0
6Khadem (ESP)2/5/30 (3)9.0

Emotionen

Hikaru Nakamura versucht gar nicht erst seine Gefühlswelt zu verbergen. Das ist bekannt und man findet oft ausdrucksstarke Fotos von ihm. Nach dem Kandidatenturnier in Toronto überwältigten die Emotionen den US-Amerikaner, der das Ende seiner Karriere vor sich sah, vor laufender Kamera im eigenen Kanal. Vorher hatte er mehrfach behauptet, dass ihm das Ergebnis egal sei. In Stavanger sprach die Nummer Zwei der Welt ebenfalls ständig von Abschied. Aber vielleicht versucht der 37-jährige einfach nur den Druck abzubauen und unternimmt doch noch einen Anlauf, um sich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren.

Aufmerksamkeit für das Duell der Duelle

In der zweiten prestigeträchtigen Partie zwischen Weltmeister Gukesh und Magnus Carlsen verspielte der Norweger seinen großen Vorteil und verlor sogar noch. Nicht nur die Zuschauer, sondern auch der Inder waren sichtlich geschockt. Magnus Carlsen schlug auf den Tisch und würfelte dadurch die Figuren durcheinander. Carlsen floh aus dem Spielsaal, freilich nach einem Handschlag und Schulterklopfer für seinen Gegner. Der musste sich erstmal sammeln und ließ sein Ritual nach jeder Partie folgen, baute seine Figuren auf und zeigte Respekt für das Spiel.



Gukesh – Carlsen aus Runde 6 in Bewegtbildern


Eine manipulierte Version


Einige Reaktionen in der Presse auf den „Ausraster“

Philip Bauer für den Standard

Florian Pütz im Spiegel

Tobias Wiltschek für ran

Nils Kögler für t-online

Báo Tuổi Trẻ aus Vietnam

Bryan Armen Graham (The Guardian)

Die Nachrichtenagentur Reuters

Erneut Drama in der zehnten Runde

In der letzten Runde konnten nur noch Magnus und Gukesh das Turnier gewinnen. Es sah zunächst nach einem Sieg für Arjun, aber auch für Fabiano Caruana aus. Dann drehten beide Partien. Gukesh konnte ausgleichen, aber auch Magnus stand plötzlich auf Gewinn, musste aber mit seinem König aktiv werden.



Impressionen vom Turnier der Frauen (Fotos: Michal Walusza)


In dieser Stellung aus der Partie von Anna Muzychuk gegen Koneru Humpy konnte die Ukrainerin mit dem Turmzug nach a8 eine glatte Gewinnstellung erreichen. Die weiße Mattdrohung entscheidet, da auf das Verstellung durch der Diagonalen mittels eines Turmzugs nach e5, Anna einfach ihren f-Bauern vorschieben konnte. Anna Muzychuk zog ihren König dem üblichen Reflex folgend von h2 nach h1, um die Fesselung des Turmes aufzuheben. Danach tauschte die Inderin die Türme via c1 und die Stellung war ausgeglichen.


Diese Stellung stammt aus der gleichen Partie etwas später. In der Blitzphase musste Koneru hier entscheiden, ob sie Damen tauschte sollte oder nicht. Sie entschied sich dafür und es war falsch.



Ruhetag im wilden Westen (Fotos: Michal Walusza)

Norway Summit

Seit 2016 gehört eine Konferenz am zweiten Ruhetag für die Spieler zum Konzept bei Norway Chess. Hier werden ganz unterschiedliche Bezüge zum Schach hergestellt, aber auch andere Themen aufgegriffen, um Diskussionen anzuregen. Wer mehr wissen will, klickt hier.

Die Medien

Die Norweger setzen konzeptionell auf Übertragungen in viele Teile der Welt und dafür sind jedes Jahr viele der bekanntesten Moderatoren der Schachwelt im Einsatz.

Die Macher

Hinter den Kulissen agieren Benedicte Westre Skog und Kjell Madland als Gründer und verantwortliche Managerin von Norway Chess. Hinzu kommen noch mehrere andere Personen wie Schiedsrichter und Volontäre, die für die Abläufe zuständig sind. Das ganze Team in der Darstellung der Organisatoren und die Aufgabenverteilung findet sich hier.

Hier wird der GI-Score nach Mehmet Ismail dargestellt. Damit misst man die Spielintelligenz der Spieler anhand einem Abgleich mit den besten Zügen der Engine. Beim Norway-Chess-Turnier punkteten die Spieler vor allem mit Weiß. Am deutlichsten fiel das Ergebnis von Gukesh aus. Der holte mit Weiß 4.5 Punkte in seinen fünf Partien, konnte aber nur einen halben Punkt mit Schwarz holen.

Nicht immer stimmt die Reihenfolge im Turnier mit dem GI-Score überein. Wer will kann andere Ursachen suchen. Die Weltmeisterin Ju Wenjun landete auf dem vierten Platz und ist möglicherweise nicht genügend Risiken eingegangen.

Photo Credit: Norway Chess. Michal Walusza, Roza Czarnota.

Das Titelfoto zeigt die Sieger Magnus Carlsen

Der World-Cup der Frauen findet im Juli 2025 im georgischen Batumi statt. Noch stehen nicht alle Teilnehmerinnen fest, aber durch feste Qualifikationsmechanismen fehlen manche bekannte Spielerinnen diesmal vermutlich. ausgespielt fast 700.000 US-Dollar. Die Siegerin erhält davon 50.000 US-Dollar.

Es geht in Batumi um drei Qualifikationsplätze für das nächste Turnier der Kandidatinnen. Qualifiziert dafür sind bereits Goryachkina und Zhu Jiner. Gespielt werden sieben Runde im World-Cup im Ko-Modus mit jeweils zwei Partien. Als Veranstaltungsort dient das Grand Bellagio Hotel und Kasino in Batumi. Teilnehmen sollen 107 Frauen. Die elostärksten Starterinnen (Top 21) starten mit einem kampflosen Sieg.

Qualifiziert für das Turnier sind natürlich die vier Siegerinnen aus dem Jahr 2023: Alexandra Goriachkina (FIDE), Nurgyul Salimova (BUL), Anna Muzychuk (UKR) und Tan Zhongyi (CHN). Für die Weltmeisterin Ju Wenjun tritt die Ex-Weltmeisterin Mariya Muzychuk an.

Für Indien sind Divya Deshmukh als Juniorenweltmeisterin 2024, Koneru Humpy via Ratingliste und als Qualifikantinnen Priyanka K, Padmini Rout und Kiran Manisha Mohanty dabei. Es fehlen Namen von Spielerinnen wie Vaishali, Harika Dronavalli und Vantika Agrawal. Der indische Verband darf noch eine Spielerin nominieren und hat vermutlich keine einfache Wahl zu treffen.

Aus Deutschland ist nach bisherigen Informationen keine Spielerin dabei, da sich keine Spielerin bei den Europameisterschaften qualifizieren konnte. Zwei freie Plätze kann noch Arkady Dvorkovich als Präsident der FIDE vergeben. In der Vergangenheit hat er dieses Privileg nicht eingesetzt, um russische Spielerinnen und Spieler zu bevorzugen.

Eventhomepage.

UPDATE

Die Liste füllt sich, aber die FIDE schafft Verwirrung. Eine wichtige Frage stellt sich: Spielt Vaishali mit oder nicht?

UPDATE II 21 June 2025 22.16 (Berlin time)

Das ist der Stand der Teilnehmerinnen am 22. Juni 2025. Die gesamte Liste findet sich hier. In den Tagen zuvor gab es große Verwirrung um die Liste der Teilnehmerinnen.

UPDATE

Bibisara Assaubaeva spielt statt im World Cup lieber bei einer Spaßveranstaltung in Las Vegas mit.

Der World-Cup der Frauen findet im Juli

Der Weltschachbund gab die Liste der vorqualifizierten Spielerinnen und Spieler des Grand Swiss Fund Frauen-Grand-Swiss 2025 bekannt. Das Turnier findet vom 3. bis 16. September 2025 in Samarkand, Usbekistan, statt. Die Turniere dienen der Qualifikation zum Kandidatenturnier und sind insgesamt mit 855.000 US-Dollar prämiert. Gespielt werden elf Runden nach Schweizer System.


Das Turnier ist eines der bedeutendsten Ereignisse im Schachkalender. Die beiden Bestplatzierten beider Grand-Swiss-Turniere sichern sich einen Platz in den jeweiligen Kandidatenturnieren 2026. Neben der Qualifikation spielt das Turnier auch bei der Qualifikation via FIDE Circuit eine wichtige Rolle. Die Regularien besagen, dass zwei von sieben Resultaten in Turnieren mit mindestens 50 Teilnehmern erzielt werden müssen. Wer also nur Rundenturniere spielt, der hat also nur geringe Chancen sich über diesen anderen Qualifikationsweg zu qualifizieren.

Die Frauenweltmeisterin Ju Wenjun kann in beiden Turnieren starten, da sie für beide Turniere einen Startplatz erhält. Das Open-Turnier ist auf 114 Spieler ausgerichtet und das Frauenturnier auf 56 Spielerinnen. Neben den nach Rating qualifizierten Spielerinnen und Spielern sind Qualifikationsplätze der Kontinentalmeisterschaften vorgesehen. Erst danach erscheint eine vollständige Teilnehmerliste. auffallend, aber nicht überraschend ist, dass der Name des Weltranglistenersten, Magnus Carlsen, nicht in der Liste der qualifizierten Teilnehmer auftaucht. Auch Hikaru Nakamura taucht nicht in der Liste auf.

Aus Deutschland sind Elisabeth Pähtz und Dinara Wagner via Elozahl qualifiziert. In der offenen Klasse sind Vincent Keymer, Frederik Svane, Matthias Bluebaum, Dmitry Kollars und Rasmus Svane startberechtigt. Dennis Wagner ist als Dritter und Alexander Donchenko als Siebter auf der Warteliste.

Der Preisfonds im Frauen-Grand-Swiss 2025 sieht 23 Preise bei 56 Teilnehmerinnen vor, liegt bei 230.000 US-Dollar und wurde damit um 64 Prozent gesteigert. Titelverteidigerin ist die indische Großmeisterin Vaishali aus Chennai, Jahrgang 2001.

In der offenen Klasse gibt es 50 Preise für 114 Teilnehmer. Der Preisfonds wurde diesmal um 36 Prozent gesteigert. Den Titel verteidigt der indische Großmeister Santosh Gujrathi Vidit aus Nashik, Jahrgang 1994.

Homepage.des Grand Swiss und Frauen-Grand-Swiss.

Qualifizierte Spieler Grand Swiss.

Qualifizierte Spielerinnen Frauen-Grand-Swiss.

Pressemeldung der FIDE.

Samarkand (Wikipedia)

Der Weltschachbund gab die Liste der vorqualifizierten

Die 65. Offene Stadtmeisterschaft endete mit einem klaren Favoritensieg. Der Gewinner ist Großmeister Alexander Bagrationi, der nur ein Remis in der letzten Runde abgab. Im Verlauf kam es zu vielen Überraschungen und dafür waren nicht nur Jugendliche verantwortlich: Zweiter wurde der Senior Igor Vlasov, Jahrgang 1964 vor dem Hamburger Isaac Garner.

Die vorderen Plätze. Es gab fünf Geldpreise. (Quelle: chess-results.com)

Hervorragende Spielbedingungen

Bei Schachturnieren sind die Spielbedingungen oft ein schwieriges Thema. Bei manchen Open sitzt man sehr beengt und bekommt wenig Platz zugestanden, um möglichst viele Teilnehmer unterzubringen. In Köln ist das anders. Der ausrichtende Schachverband kann bereits zum dritten Mal großzügige Räumlichkeiten des Versicherers Barmenia Gothaer für die Stadtmeisterschaft nutzen. Für die Partien standen Einzeltische zur Verfügung. Gespielt wurden sieben Runden an fünf Tagen. Jeder Spieler konnte in den ersten fünf Runden ein Bye nehmen, wofür er einen halben Punkt gutgeschrieben bekam. 153 Spielerinnen und Spieler im Alter von acht bis 80 Jahren machten mit, von denen 24 Jugendliche, 14 Frauen und 25 Senioren (geboren 1965 und früher) waren. Die Organisation übernahm vor allem der Vorstand des Kölner Schachverbands selbst. Die Siegerehrung fand im Freien statt, nachdem das Wetter eine kurze Regenpause einlegte.

Das Turnier gewann der 34-jährige Großmeister Alexander Bagrationi, dessen Name italienisch klingt, der aber georgischen Ursprungs ist. Alexander wurde in der Ukraine geboren, spielt unter israelischer Flagge und lebt mit seiner Frau und Kindern seit 2029 in Deutschland und spielt für den SV Hemer.

Einige Momente aus Partien des Siegers

Alexander Bagrationi gewann die ersten sechs Partien und einigte sich in der letzten Runde auf ein schnelles Remis. Allerdings war der Großmeister in einem Turmendspiel mit Mehrbauer schon in der ersten Runde unter Druck und benötigte letztlich die Hilfe seines Gegners. In der ersten Runde hatte sein deutlich schwächer eingeschätzter Gegner in einem Turmendspiel ordentlich Widerstand geleistet und die erste größere Überraschung war angerichtet, eigentlich.


So kurz vor dem Ziel: Der spielentscheidende Fehler unterlief dem Schwarzspieler hier. Der schwarze Turm gehört hinter den gegnerischen Freibauern und sollte von dort das Remis sichern können, da der weiße König seinen Bauern nicht wirklich unterstützen kann. Der richtige Turmzug war also der nach g1.

Eine starke Leistung gelang dem späteren Sieger gegen Michael Coenen, der hatte zwar im Verlauf des Mittelspiels mit Endspielcharakter Chancen, eine leicht nachteilhafte Stellung zu verteidigen, aber es gelang ihm letztlich nicht, aus dem Dschungel der Varianten zu entkommen.



Endspiele

In vielen Partien kam es zu interessanten Endspielen nach hartem, stundenlangem Wettkampf vorher. Einige Beispiele folgen: Ein anderer Favorit hatte Glück im Turmendspiel. Er gewann seine Partie, obwohl sein Gegner die Philidor-Verteidigungsposition eingenommen hatte. Dann kam es jedoch zu einem überraschenden Aussetzer.


In dieser Stellung entschied ein grober Fehler die Partie zugunsten des favorisierten Spielers. Die Frage kann hier eigentlich nicht lauten, ob man auf d6 den Turm tauschen sollte. Nach dem Turmtausch schlägt der weiße König auf der sechsten Reihe und betritt diese vor dem eigenen Bauern. Weiß gewinnt immer.


Das folgende Endspiel war eine der letzten Partien im Turnier überhaupt. In der Ausgangsstellung sollte die Remisbreite noch nicht überschritten sein, aber der Anziehende in dieser Partie hatte nur etwa ein Minute plus das Inkrement um sich zu verteidigen. Das ging dann irgendwann schief.


Das nächste Endspiel erfordert vor allem genaues Rechnen und das ist nach mehr als vier Stunden einer Turnierpartie oft nicht einfach fehlerfrei hinzubekommen. Das Diagramm zeigt die kritische Stellung der Partie. Der weiße Läufer auf g8 ist angegriffen. Weiß hat zuletzt mit dem Königszug ein Tempo verloren, wird es aber zurück gewinnen durch Angriff des Springers auf den Läufer (via c3 oder c5). Was ist schlimmer aus weißer Sicht? Ich nenne solche Entscheidungen Fifty-Fifty.



Erfahrung gegen Jugend

International ist diese Frage längst auf der Agenda. Nicht immer setzt sich der jüngere Spieler durch. In Köln kam es immer wieder zu solchen Duellen und gelegentlich setzten sich die jüngeren Spieler durch. Zwei Beispiele folgen. In der ersten Partie ist der Anziehende Jahrgang 2008 und der Schwarzspieler Jahrgang 1974. In der zweiten Partie war der Altersunterschied noch größer. Diesmal traten die Jahrgänge 2012 und 1967 gegeneinander an. Die Jungen zeigten starke Leistungen.




Duell der Senioren

Dieter Morawietz ist Internationaler Meister, Jahrgang 1963, und Igor Vlasov gehört zum Folgejahrgang. Beide landeten in den Preisrängen. Die Jugend (U18) vertrat Nelson Strehse, der als Vierter durchs Ziel lief. In der Definition der FIDE gehört auch Isaac Garner (Jahrgang 2006) zu den Jugendlichen (U20). Der Wettbewerb endete also in der Spitze diesmal etwa ausgeglichen .


Am Ende gab es in einer Regenpause die Preisverleihung unter Auslassen von längeren Reden. Letztlich bleibt die Hoffnung im nächsten Jahr wieder bei der Barmenia Gothaer im Kölner Süden Schach spielen zu dürfen.

Quelle: KSV-Meldung. Partien der Bretter 1 bis 10 und weitere Siegerlisten.

Fotos: KSV (Anton Kaiser)

Die 65. Offene Stadtmeisterschaft endete mit einem

Das letzte Vorrundenturnier der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) ist gerade vorbei. Das Finale steht an. Die DSAM ist die erfolgreichste Turnierserie im organisierten deutschen Schach und motiviert jedes Jahr viele Schachspieler an Wochenenden ihre Sieger auszuspielen. Der Erfolg hat sicherlich mit der hervorragenden Organisation und einem unauffälligen Team zu tun, das für die eingespielten Abläufe zuständig ist.

Zusammenfassung

Sandra Schmidt ist bekannt in der deutschen Schachszene. Sie fungiert als Turnierdirektorin der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) und ist auch für die Deutsche Schnellschach-Amateurmeisterschaft zuständig. Zudem ist sie als Schiedsrichterin aktiv und organisiert Seniorenturniere. Eines dieser Turniere wird von der Tegernseer Tal Tourismus organisiert, dabei betreut sie den schachlichen Teil. Sandra beschreibt ihre vielseitigen Aufgaben als Turnierorganisatorin, bei denen sie Hotelverträge verhandelt und Vorbereitungen koordiniert. Seit 2022 organisiert sie für die DSAM acht Turniere pro Jahr, wobei die Hauptaktivität im November ansteht. Trotz des ehrenamtlichen Charakters bringt ihr die Schiedsrichter- und Organisationstätigkeit viel Freude. Ein festes, gut eingespieltes und motiviertes Team von zehn bis elf Personen sorgt für reibungslose Abläufe bei der DSAM.

Von Thorsten Cmiel

Wie heißt du?

Ich bin Sandra Schmidt.

Du bist bekannt in der deutschen Schachszene. Für was? Was machst du im Schach?

Ich bin die Turnierdirektorin der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft. Und ich bin auch Beauftragte für die Deutsche Schnellschach-Amateurmeisterschaft und auch als Schiedsrichterin viel unterwegs.

Turnierorganisation

Du hast diese zwei Funktionen. Du organisierst auch Seniorenturniere…

Ach, stimmt.

Kannst du deine Rolle bei der Turnierorganisation ein bisschen beschreiben? Was macht eine Turnierorganisatorin?

Puh, eine ganze Menge. Also bei der DSAM sicherlich noch mehr als vielleicht beim Senioren-Cup. Man verhandelt die Verträge für die Hotels, man stimmt Termine mit den Landesverbänden ab und organisiert das Team. Vor Ort bin ich dann oft Mädchen für alles: Ansprechpartner für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen und gleichzeitig Funktionsstelle, also die Leitung für den Deutschen Schachbund, für die Hotels, für die Teilnehmerinnen und für das Team.

Kommen wir für einen Moment auf die Seniorenturniere zurück. Das sind privat organisierte Turniere, richtig?

Das sind zwei Turniere. Der Senioren-Cup am Tegernsee und das Rheinland-Pfalz Senioren-Open in Altenkirchen.Da gibt es unterschiedliche Aufgaben für mich. Am Tegernsee zum Beispiel wird das Turnier von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH organisiert. Und wir machen den schachlichen Teil. Das Organisatorische, was mit Hotelbuchungen zu tun hat, bleibt bei der Tegernseer Tal Tourismus und die Anmeldung der Teilnehmer.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Hotels? Ich höre immer wieder, dass viele Hotels inzwischen Geld dafür verlangen, dass man einen großen Saal bekommt.

Das stimmt. Das ist gang und gäbe im Moment. Den Saal bekommt man selbst wenn man ganz viele Teilnehmer ins Haus bringt, eigentlich nicht mehr gratis dazu.

Wie lange machst du das schon?

Seit 2022 für die Deutsche-Schach-Amateur-Meisterschaft, die DSAM.

Wie viel Zeit erfordert die Organisation im Vorfeld?

Das kommt natürlich drauf an. Teilweise ist es sehr zeitintensiv, denn alles, was man macht, macht man acht Mal und alles, was man macht, klappt auch nicht beim ersten Mal. Also der erste Vertragsentwurf zum Beispiel…

Achtmal, weil es acht Turniere sind bei der DSAM…

Genau. Es sind sieben Qualifikationsturniere. Wenn man jetzt das Beispiel nimmt und ein Finalturnier, das heißt, alles, was man anfasst, macht man achtmal. Man organisiert das Team achtmal, man organisiert den Gastgroßmeister, achtmal. Die Hotelverträge müssen mehr als acht Mal durchgelesen werden, weil der erste Entwurf ist nicht der Entwurf, der am Ende unterschrieben wird. Und oftmals klappt vielleicht auch der Termin nicht vom ersten Entwurf, das heißt, man muss dann wieder Rücksprache mit den Landesverbänden halten, ob die irgendwelche Termine geplant haben zu diesem Zeitpunkt, der als Ersatztermin fungiert. Es funktioniert leider nicht immer sofort.

Kannst du einen Eindruck davon vermitteln, wie viele Tage solch eine Turnierorganisation in Anspruch nimmt? Wann fängst du an mit der Planung? Ich weiß du bist jetzt wieder in der Planung für die nächste Saison.

Genau. Jetzt fehlt uns noch eine Unterschrift. Quasi für die nächste Saison. Das heißt, wenn ich diese Unterschrift habe, dann ist die nächste Saison fix. Dann muss ich mich eigentlich nur noch mit der Finalveranstaltung befassen. Das Turnier in Bad Wildungen im Juli. Und dann wird es für mich ein bisschen ruhiger, weil dann geht es eigentlich nur noch mit der Gestaltung der Ausschreibung für nächstes Jahr los. Was können wir ändern? Was können wir besser machen? Was bleibt gleich? Richtig stressig wird es eigentlich erst wieder im November, wenn die nächste Turnierserie anfängt. Mit den Hotels müssen dann konkrete Absprachen getroffen werden. Jede Veranstaltung erfordert detaillierte Ablaufpläne. Das sind immer mehrere Seiten, die mit dem Hotel abgesprochen werden müssen und die Verhandlungen kollidieren dann manchmal zeitlich. Ich habe dann Bad Wildungen, Bonn und Potsdam zum Beispiel ziemlich straff hintereinander. Parallel finden dann schon die Verhandlungen für die nächste Saison statt. Das heißt, ich spreche vorbereitend mit den Hotels quasi für die Saison 26/27, die danach ansteht. Und gerade im November, Dezember, Januar würde ich den Zeiteinsatz mindestens als Teilzeitjob, aber stellenweise auch als Vollzeitjob einschätzen.

Und macht das Spaß?

Ja, auf jeden Fall macht das Spaß. Es ist in jedem Fall ein Herzensprojekt.

Du hast einen anderen Job?

Im Moment bin ich angestellt, für 20 Stunden die Woche. Ich mache meine Schiedsrichtertätigkeit auch an Wochenenden und am Tegernsee und in Altenkirchen mit jeweils neun Runden beispielsweise bin ich auch gerne dabei. Das lässt sich mit einem normalen Jobvolumen und dem Urlaubsanspruch sonst nicht einfach kombinieren.

Das heißt, du lebst also nicht vom Schach?

Das wäre leider nicht möglich.

Du bist oft als Schiedsrichterin unterwegs, ist das nicht lukrativer?

Als Schiedsrichterin verdienst du nicht so viel, dass du dir davon eine eigene Wohnung leisten oder den Lebensunterhalt bestreiten könntest. Wenn du vielleicht einmal im Monat ein FIDE-Turnier hättest, okay. Schiedsrichtertätigkeiten sind vielleicht ein besseres Ehrenamt.

Was heißt das genau?

Also beim Deutschen Schachbund zum Beispiel gibt es für Deutsche Meisterschaften fixe Honorarsätze. Für eine Einzelrunde bekommst du 80 Euro Honorar, für eine Doppelrunde 120 Euro.

Das klingt nicht nach sehr viel.

Es nicht darauf ausgelegt, dass die Tätigkeit als Schiedsrichter eine Jobalternative ist.

Du bist jetzt nicht die einzige und es gibt ganz viele Schiedsrichter in eurem Team. Viele sieht man öfter, manche immer wieder. Wie viele sind denn regelmäßig im Team dabei?

Wir haben in unserem Kernteam so circa zehn bis elf Leute. Es ist wichtig, dass ein Kernteam immer vor Ort ist, weil die wissen genau, wie die Abläufe sind, die kennen jeden Handgriff. Wir haben fünf Container auf Europaletten und einige wissen wo was gelagert ist. Andere kennen die spezielle Software und welche Dateitypen wie zu handhaben sind und so weiter. Es wäre ein Irrtum anzunehmen, wir sind jetzt beispielsweise in Potsdam oder in Berlin und da gibt es genug Schiedsrichter. Dann statten wir solch ein Turnier komplett mit Berliner Schiedsrichtern aus, weil dann spart man vielleicht bei den Reisekosten, aber dafür würden manche eingespielten Abläufe nicht so gut funktionieren, wie es im Moment läuft.

Im Team sind also alle motiviert und mit Spaß dabei?

Ja, also es macht keiner, um irgendwie Geld zu verdienen.

Das Kernteam der DSAM ist eine Art eingeschworener Gemeinschaft?

Ja. Wir sehen uns natürlich immer gerne. Nach einem erfolgreich absolvierten Turnier ist vor dem nächsten Turnier.

Im Vergleich zum letzten Jahr gab es Änderungen: Ihr habt keine Übertragung mehr. Gibt es dafür irgendwelche Gründe?

Doch, haben wir auch, nur diesmal hier nicht. DGT-Bretter hatten wir letztes Jahr auch nicht bei jedem Turnier dabei gehabt. Der Hauptgrund ist der zusätzliche Aufwand.

Ich sehe gar keine Fairplay Officer, die mit irgendwelchen Scannern rumlaufen wie bei FIDE-Turnieren inzwischen üblich?

Natürlich sind wir da hinterher und wir haben auch mit dem Anti-Cheating-Officer des DSB ein Gespräch geführt, dass wir darauf natürlich mehr achten möchten. Kontrollen verändern den Charakter einer Veranstaltung. Wenn du auf einmal Einlasskontrollen durchführst. Wir wollen jetzt nicht am Eingang jeden scannen oder so etwas. Natürlich haben wir einen Scanner dabei. Wenn jetzt wirklich ein erhärteter Verdacht auftaucht, würden wir uns die Person nach der Partie gezielt herausholen und scannen. Wir achten natürlich darauf, dass keine elektronischen Geräte an der Person sind. Die ziehen wir uns auch raus, wenn wir denken, ist das jetzt eine Zigarettenschachtel oder ist das ein Handy? Wir kontrollieren auch schon mal die Toiletten. Die Schiedsrichter sind natürlich angehalten verdächtiges Verhalten zu beobachten und zu melden. Anders als bei großen FIDE-Turnieren übernehmen Schiedsrichter diese Aufgabe zusätzlich.

Nachvollziehbar. Ich frage vor einem anderen Hintergrund, da das Turnier Elo-gewertet ist, frage ich mich wie die Regularien sind. Oder gelten Anti-Cheating-Auflagen nur für Top-Turniere?

In der Tat es gibt unterschiedliche Kategorien von Turnieren. Also es kommt einmal auf das Preisgeld drauf an und es kommt auch auf die durchschnittliche Elozahl an und dementsprechend musst man unterschiedliche Anti-Cheating-Gegenmaßnahmen integrieren. Die DSAM ist ein Amateurturnier. Da ist der Standard geringer.

Es geht vermutlich auch um Kosten.

Ja. Stellen wir uns vor, man müsste einen oder zwei zusätzliche Schiedsrichter einplanen, die nur für Fairplay zuständig sind. Dann muss ich mindestens vier zusätzliche Übernachtungen, Honorare und zusätzliche Anfahrtskosten finanzieren.

Rechnest du die Veranstaltungen mit dem Schachbund ab, oder wie läuft das?

Ja, ich mache auch die Kalkulation, um am Ende des Jahres mit der DSAM irgendwie auf einen grünen Nenner zu kommen.

Das Vereinnahmen des Geldes läuft direkt über den Deutschen Schachbund?

Genau da gibt es ein Konto extra für die DSAM und dort wird das Geld eingezahlt und verwaltet. Ich kenne die Einnahmen und Ausgaben.

Eine weitere Besonderheit bei dem Turnier ist mir aufgefallen: Ihr habt keine Durchschläge der Partieformulare eingesammelt.

Dafür haben wir Ergebnismeldezettel auf den die Spieler ihr Ergebnis eintragen und uns mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass dieses Ergebnis stimmt.

Muss man Partieformulare nicht immer sammeln?

Nein. Das gilt zum Beispiel für Turniere bei denen man Normen erwerben kann, dann müssen die Organisatoren auch die Partien entsprechend einreichen. Aber das ist ja bei uns gar nicht möglich.

Schiedsrichtertätigkeit

Du warst als Schiedsrichterin zuletzt bei zwei internationalen Turnieren. Bei beiden bist du aufgefallen.

Aufgefallen?

Ja. Mir zumindest. Bei einer Szene mit Nakamura…

Stimmt.

Was ist da passiert?

Ich hatte ein Tablet in der Hand mit einem Programm, das anzeigt, ob dreifache Stellungswiederholung oder 50-Züge vorliegt, wenn reklamiert wird. Und am Brett von Nakamura – Donchenko, da wurde halt reklamiert. Und zwar stand Nakamura einen Zug vor dem Matt. Er hätte also nach dem Zug von Donchenko mit dem Turm mattsetzen können. Donchenko hat einfach die Uhr angehalten und gefragt, vielleicht waren es ja 50 Züge, wenn ich Glück habe. Und es war meine Aufgabe, das zu überprüfen. Das Problem war nur, dass dieses Tablet eine gewisse Verzögerung bei der Übertragung hatte, weil der Server für die Übertragung ziemlich weit weg auf einem anderen Kontinent stand. Und das Pingback zurück nach Amerika hat ein bisschen gedauert. Ich musste also zunächst auf meinem Tablet prüfen, ob das überhaupt die aktuelle Stellung ist. War es nicht. Das heißt, ich musste einen Zug weiterdenken. Und wenn man sich vorstellt, dass es um Nakamura ging und dann war es auch noch die letzte Partie in der Runde. Es hat für mich ein paar Sekunden gedauert, bis ich es verarbeitet habe.

Die Szene gibt es als Video.

Und es war wirklich eine korrekte Reklamation. Es waren genau 50 Züge. Es war im 78. Zug, wo der letzte Bauer geschlagen wurde im 128. kam die Reklamation.


Das ist natürlich spannend. Das ist wahrscheinlich etwas, was man sich unter Schiedsrichtern erzählt.

Ja, natürlich machst du das dann. Und dann gehst du irgendwann ins Büro und denkst hoffentlich war das jetzt richtig gewesen. Wenn nicht, dann weiß ich genau, was los ist, bei Social Media.

Gab es dort auch einen Vorfall?

Eigentlich war das ein relativ ruhiger, entspannter Job, wenn man das mit New York vergleicht. Da war sicherlich ein bisschen mehr los. Es gab nur ein kleineres Problem. Es war ein wärmerer Tag gewesen und hatte auf die DGT 3000 [*das ist die Schachuhr] geschienen, die Anzeige fing ein bisschen an zu flimmern, so optisch. Das hat aber auch nur jeder zweite gesehen. 50 Prozent der Spielerinnen haben es gesehen, die andere Hälfte nicht. Das galt auch für uns Schiedsrichter. Ich hatte es gesehen. Gerhard nicht. Es war halt irgendwie so eine optische Täuschung wie an der Straße, wenn die Hitze hoch steigt, dann fängt das halt an ein bisschen zu flimmern. Und so war das bei der Uhr. Es war meine ich in der sechsten Runde eine Spielerin drückte die Wippe, aber die Zeit lief trotzdem weiter. Das war vielleicht der spannendste Fall für uns in den neuen Runden.

Das klingt relativ entspannt. Ihr hattet auch einen Ruhetag dazwischen.

Der war vorgesehen für die Öffentlichkeit, das war halt so ein Social-Media-Tag.

Aufgefallen ist mir ein Foto mit den Spielerinnen und alle in einer Tracht, so nennt man das glaube ich. Habt ihr die nur ausgeliehen bekommen für diesen einen Fototermin? Oder haben sie euch diese wenigstens geschenkt?

Ja, total großzügig. Tatsächlich war das ein Goodie vom Organisator. Also wir durften die Dirndls dann auch tatsächlich behalten. Ich habe meins noch und werde das irgendwann in Bayern anziehen.

Die Partien fanden in einer Art Wintergarten oder Laube statt. Wie war die Atmosphäre? Der Spielort war malerisch, aber irgendwie weit weg.

Die Spielerinnen hatten ihre Ruhe und wirklich tolle Zimmer. Soweit ich von den Spielerinnen mitbekommen haben, war es von den Spielbedingungen her eines der besten Turniere der FIDE-Grand-Prix-Serie der Frauen.

Senioren Schach Cup – Der Senioren Schach Cup am Tegernsee

RLP-Seniorenopen

Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft 7³ 2024/2025

Deutsche Schnellschach-Amateurmeisterschaft 2025

Fotos: New York Rapid und Blitz WM 2024: Maria Emelianova (Chess.com) und Lennart Ootes. Frauen Grand-Prix Österreich: Przemek Nikiel (FIDE CHESS). DSAM: Ingrid Schulz (DSB).


Das letzte Vorrundenturnier der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM)

Foto: Przemek Nikiel (FIDE Chess)

Die 22-jährige Chinesin Zhu Jiner ist auf dem Vormarsch im Frauenschach. Zuletzt gewann sie den Frauen-Grand-Prix. Davor hatte sie bei der Schacholympiade in Budapest durch ihre Goldmedaille am ersten Brett bereits ein Ausrufezeichen gesetzt.

Von Thorsten Cmiel

Zhu Jiner studiert in Shanghai Finanzen und Ökonomie. Darüber hinaus ist wenig über die Chinesin bekannt. Momentan scheint sie eine Pause im Studium einzulegen. Im Monatstakt spielte Zhu zuletzt die Frauen-Grand-Prix-Serie, die sie etwas überraschend gewann. Nach der Schacholympiade in Budapest hatte Zhu zuletzt beim Europäischen Frauen-Vereins-Cup mitgespielt und ihre Gegnerinnen mit sechs Punkten aus sieben Partien klar dominiert.

Ihr Sieg beim aktuellen Frauen-Grand-Prix-Zyklus war beeindruckend. Zhu Jiner war nicht vorgesehen für das finanziell lukrative Frauenturnier. Die Chinesin kam erst spät hinzu, als ihre bekanntere Landsfrau Lei Tingjie ihre Teilnahme abgesagt hatte. Ohnehin kam Zhu Jiner bislang immer nur bei Verzicht anderer Spielerinnen zum Zuge. Bei der Schacholympiade beispielsweise spielte die erste Reihe der Chinesinnen – Ju Wenjun (34), Tan Zhongyi (33), Lei Tingjie (28) und Hou Yifan (31) – gar nicht mit. Zhu Jiner, die seit 2023 den Großmeistertitel hält, spielte am ersten Brett im „Nachwuchsteam“ der Chinesinnen. Genauso dabei war bei den Chinesinnen die erst damals erst 14-jährige Lu Miaoyi, die noch eine jüngere Generation repräsentiert.


Zhu Jiner holte bei der Schacholympiade 2024 in Budapest sieben Punkte aus neun Partien und überzeugte weitestgehend. Ihre im Verlauf der Ereignisse unnötige Niederlage in der fünften Runde gegen die Armenierin Lilit Mkrtchian hatte jedoch eine Niederlage des Teams China in der fünften Runde zur Folge. Danach folgte eine weitere Niederlage des Teams gegen starke Polinnen und das Team China erholte sich nicht mehr. Eine erneute Niederlage gegen Indien – Zhu remisierte mit Harika – kostete eine Medaillenchance.

In den Live-Ratings ist Zhu Jiner inzwischen auf dem fünften Rang der Frauenweltrangliste angekommen mit einer Liverating von 2547 ist sie die fünftbeste Chinesin und ihre Karriere hat gerade erst begonnen.


China hat sieben Spielerinnen, die über 2400 Elopunkte aufweisen. Drei der Spielerinnen waren oder sind Frauen-Weltmeisterin (Hou, Tan und Ju). Song Yuxin ist Jahrgang 2005. (Quelle: 2700 Chess)

Österreich dann Vereinigte Arabische Emirate

Da Zhu sich nach ihrem jüngsten Erfolg bereits für das Turnier der Kandidatinnen qualifiziert hat, kann sich die Chinesin auf ihre weitere Entwicklung konzentrieren. Kurz nach dem Grand-Prix in Österreich spielte Zhu Jiner erneut ein starkes Turnier mit. Das Sharjah Masters stellt eine ganz andere Herausforderung dar. Wir schauen Zhu dabei über die Schulter. Neben ihr spielte von den Top-Spielerinnen nur IM Bibisara Assaubayeva (KAZ), IM Divya Deshmukh (IND) und IM Teodora Injac (SRB) bei dem A-Turnier mit. Die beste Frau im Feld erhielt 1000 US-Dollar, die letztlich an Assaubayeva gingen, die eine Großmeisternorm (Performance über 2600) erzielte.


Das Sharjah Masters gehört zu den stärksten offenen Turnieren der Saison. Zhu Jiner spielte oft ziemlich lange Partien und verlor erst in der Schlussrunde etwas Elo. In diesem Turnier wurde sie diesmal von Bibisara Assaubayeva etwas in den Schatten gestellt, da die Kazachin eine GM-Norm erzielen konnte, und bald als 43. Frau überhaupt den Großmeistertitel erreicht.

Turnierverlauf

Das Turnier begann für Zhu Jiner mit einer recht ereignisarmen Partie gegen einen vietnamesischen Großmeister. Die Chinesin konnte danach zunächst einen kleinen Vorteil behaupten, der verflüchtigte sich aber schnell wieder. Ein solider Auftakt in dieses starke Turnier. In der zweiten Runde folgte ein weiteres solides Remis ohne Ungenauigkeit, die der Instanz aufgefallen wäre. Erst in der vierten Runde begannen die Partien etwas mehr Spannung zu bieten. Es folgen einige spannende Momente.


In dieser Situation steht Zhu Jinner technisch mit Schwarz auf Verlust. Es gibt einige Dinge zu beachten. Schwarz kann den d3 nicht nehmen, da die gegnerischen Bauern nicht beide vom Läufer geschlagen werden können. Aber Weiß muss natürlich aufpassen, dass der gegnerische König nicht einen Bauern gewinnt. Zuletzt hatte Schwarz seinen König von e4 nach d5 gezogen, da der Bauer auf f4 vom Springer auf d3 zuverlässig geschützt ist. An diesem Detail sollte Weiß zunächst nicht rütteln und seinen König bringen, aber wie? Schwarz muss mit seinem König in Richtung des a-Bauern laufen und die Ereignisse forcieren.



Diese Stellung aus der fünften Runde ist für Weiß schwierig zu verteidigen. Es gab hier zwei Konzepte, um den f-Bauern zu verteidigen. Man stellt den Springer nach d2 und lässt den Bauern auf f3. Oder man zieht den f-Bauern vor und verteidigt diesen mit dem Läufer. Zhu Jiner entschied sich falsch. Wie ist es richtig


Die Eröffnungsphase war zunächst gut für den Türken Adar Tarhan mit Weiß verlaufen. Er nahm dann einen vergiften Bauern auf h5 (19. Zug) und die Stellung war ausgeglichen, dann übernahm Zhu Jiner die Kontrolle und hatte mehr vom Spiel in diessem Doppelturmendspiel. Witzigerweise galt es hier den 46. Zug zu spielen und die Frage war diesmal für die Schwarzspielerin, ob sie den Bauern auf h5 schlagen sollte oder nicht.


In dieser Stellung musste Weiß unbedingt auf d5 nehmen. Das macht man sicher ungerne, aber die Alternative war es die Läufer zu tauschen und danach ist der Springer auf d5 eine Macht. Einige Züge später gab der englische Großmeister Royal Shreyas in der folgenden, hoffnungslosen Stellung auf.


In dieser Schlussstellung gibt es lediglich einen ästhetischen Mangel. Schwarz hat vergessen, den Turm h8 nach h7 zu stellen, dann stehen alle schwarzen Figuren auf einem weißen Feld. Der Springer auf d5 dominiert das Feld und Shreyas hatte verständlicherweise keine Lust mehr weiter zu spielen. Weiterer Widerstand ist nutzlos auf dem Niveau.

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Partien unkommentiert










Was Wikipedia über Zhu Jiner sagt.



Foto: Przemek Nikiel (FIDE Chess) Die 22-jährige Chinesin

Fotos: Ingrid Schulz (Deutscher Schachbund)

508 Spieler spielten in Norddeutschland das letzte Turnier der DSAM-Serie. DSAM steht für Deutsche-Schach-Amateur-Meisterschaft. Gespielt wurden Ende Mai fünf Runden in sieben Ratinggruppen an drei Tagen. Es ging um Qualifikationsplätze für das Finale Mitte Juli in Bad Wildungen.

Von Thorsten Cmiel

Es wurden keine Partien übertragen, das entlastet die Organisation und reduziert Betrugsrisiken, aber erschwert die Berichterstattung. Die hier präsentierten Momente sind daher eine rein subjektive Auswahl aus der A-Gruppe und zu oft aus eigenen Partien.


Obstinitiative

Wer acht Stunden Schach am Tag spielt, sollte das Trinken nicht vergessen und etwas Obst hilft sicher ebenfalls, um den Energiehaushalt legal aufzufrischen. Wer wollte konnte sich bei Äpfeln oder Bananen bedienen.

Am Ende standen die Sieger und Qualifizierten fest. Wer sich für die Namen der Sieger interessiert, der sei auf die offzielle Homepage der DSAM in Travemünde verwiesen. Hier findet sich auch ein Link zu weiteren Fotos von der Veranstaltung.

Zwei Entscheidungen in Gruppe A

In der A-Gruppe fiel die Entscheidung um den Turniersieg in den folgenden zwei Partien, die hier auszugsweise dargestellt sind. Es war in jedem Fall spannend. Wer will kann diese beiden Partiefragmente noch genauer analysieren.



Turmendspiele enden oft Remis – auch gewonnene

In der letzten Runde kam es in der A-Gruppe zu einem Endspiel, das nach mehreren Stunden Spiel und drei Tagen voller Schach letztlich nicht zu dem erwartbaren Ergebnis führte. Tatsächlich waren viele Partien umkämpft und natürlich gab es in jeder Gruppe Fehler und spannende Entscheidungen. So auch hier.


Es gibt viele Gründe anzunehmen, dass Weiß hier auf Gewinn steht. Die Frage stellt sich wie gewinnt Weiß am einfachsten? Der logischste Gewinnplan besteht darin sofort einen Freibauern zu bilden. Zumal der gegnerische Turm und vor allem der gegnerische König schlecht postiert sind. Dafür war hier 1.b4-b5 ein deutlicher Gewinnweg. Nach g4-g3 tauscht Weiß den Bauern ab und zieht seinen König nach f1. Schwarz kann dann zwar seinen Turm kurz aktivieren, aber ein gegnerischer a-Freibauer nach jedem Schlagen auf b5 wäre bereits kurz vor der Umwandlung und die unglücklichen Königspostierung auf der Grundreihe kostet einen Turm. Schwarz kann also nur von der sechsten Reihe verteidigen und Weiß zieht seinen b-Bauern nach b6 und gewinnt leicht. Weiß spielte etwas komplizierter.


Einige Züge später sah die Situation auf dem gleichen Brett so aus. Weiß steht immer noch auf Gewinn, aber wie genau gewinnt man? Die Gewinnführung ist jetzt schon schwieriger. Es ergibt Sinn dieses Endspiel etwas genauer zu studieren. Wer meint die Lösung gefunden zu haben, der kann versuchen von einer Schachengine Hilfe zu bekommen, aber die Varianten erfordern etwas Routine um den Gewinnplan herauszufiltern.

Einige teilweise sehr schwierige Situationen

Aus den erwähnten Gründen folgen einige schwierige Entscheidungen aus meinen eigenen Partien. Fehler müssen gemacht werden und Chancen ausgelassen. Ärgerlich ist es natürlich immer.

Aufgabe 1


In dieser Stellung hatte Schwarz zwei Möglichkeiten. Er konnte auf e5 den Bauern nehmen und auf die Fesselung auf der langen Diagonalen a1-h8 setzen, oder er nimmt sofort mit dem Springer auf d4. Was ist richtig und warum? Für die Lösung muss man sehr konkret die Varianten berechnen.

Aufgabe 2


Zuletzt hatte Schwarz seinen Springer von f6 nach a5 gezogen und dadurch den Druck gegen den Bauern c4 erhöht. Wer hat eine gute Idee, wie Weiß hier fortsetzen sollte?

Aufgabe 3


Schwarz hat eine Figur weniger aber übt starken Druck mit seinen zwei Türmen auf die weiße Stellung aus. Hier galt es eine gute Entscheidung zu treffen. Es hilft Kandidatenzüge zu sammeln.

Aufgabe 4


Schwarz hatte zuletzt mit seiner Dame, die auf e6 vom Turm angegriffen wurde, auf a6 einen Bauern geschlagen, der recht unwichtig ist. Gefühlt sollte hier etwas für Weiß funktionieren. Haben sie eine Idee? Am besten fängt man mit dem Sammeln von Kandidaten an und versucht diese durch Berechnungen zu rechtfertigen. Gibt es hier einen Ausheber?


Verteidigung liegt nicht jedem


Es beginnt wie oft mit der Suche nach Kandidaten. Der Schwarzspieler fand drei Züge und wählte natürlich die schwächste Fortsetzung. Manchmal sollte man auf Berechnungen verzichten und seinem Bauchgefühl folgen. Was sagt ihr Bauchgefühl?

Aus dem Akademie-Teil

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Die Partien und Analysen können durch Klicken auf den hier orange gekennzeichneten Button heruntergeladen werden.

Fotos: Ingrid Schulz (Deutscher Schachbund) 508 Spieler spielten

Von Thorsten Cmiel

Die Idee der Lasker Puzzles ist es, einmal in der Woche, in der Regel an Sonntagen, einige wenige Aufgaben unterschiedlicher Art an alle Interessierten des Vereins Lasker Köln zu verschicken. Es wird Taktikaufgaben und immer wieder auch mal Fragen zum Endspiel geben. Der Schwierigkeitsgrad wird unterschiedlich sein, damit für Spieler jeder Mannschaft und Spielstärke etwas dabei ist. Die Lösungen gibt es zwei Tage später. Los geht’s.


1. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge?

Schwarz konnte wegen einer taktischen Besonderheit den Bauern auf e5 schlagen und sich so großen Vorteil sichern.



2. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge.

Schwarz kann die Fesselung des e-Bauern nutzen und hier auf h3 einen Bauern schlagen. Etwas muss man allerdings noch rechnen…



3. Aufgabe: Schwarz ist am Zuge.

In der Partie gelang es einem starken Großmeister nicht das Problem zu lösen…



4. Aufgabe: Weiß ist am Zuge.

Hier entkorkte Vlastimil den Zug 28.Te4 und gewinnt damit entscheidendes Material.



Wer Spaß am Lösen von Schachaufgaben hat, der wird ab 2025 hier in der Schachakademie immer wieder fündig werden. Für den Anfang findet ihr unter den Links weitere Aufgaben und einige Hinweise darauf wie schwer Schachaufgaben sein sollten.


Von Thorsten Cmiel Die Idee der Lasker Puzzles

Foto: John Brezina

1999 in Wijk aan Zee…



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Foto: John Brezina 1999 in Wijk aan Zee

Ein Spieler qualifiziert sich 2025 für das Kandidatenturnier 2026. 2024 hatte sich Fabiano Caruana als erster Spieler die Turnierteilnahme gesichert. Bisher hat der Inder Praggnanandhaa die besten Chancen.

Beim aktuellen Zyklus zählen die besten sieben Ergebnisse. Ding Liren erhielt einen Kickstart für seinen Wettkampf um die Schachkrone 2024, wurde aber seitdem nicht mehr gesehen. Praggnandhaa hat bisher ein gutes Jahr: In Wijk aan Zee gewann Pragg im Tie-Break-Wettkampf gegen Gukesh, in Prag teilte er den zweiten Platz und jetzt in Rumänien kam ein weiterer Turniersieg nach einen Wettkampf mit Alireza Firouzja und Maxime Vachier-Lagrave (MVL) hinzu.

Und Pragg, der diesmal nicht beim Elite-Turnier in Norwegen dabei ist, plant schon ab Ende Mai sein nächstes Turnier, diesmal geht es nach Armenien. Zusammen mit seinem Kumpel Aravindh Chithambaram ist er im Stepan-Avagyan-Memorial Favorit auf den Turniersieg.


Der aktuelle Stand findet sich im Leaderboard auf deren Website. Aber eine Lauerstellung ist nicht unwichtig. Sollte Pragg sich beim Worldcup oder im Grand-Swiss-Turnier durchsetzen, dann kommt der nächste Spieler zum Zuge. Bisher sind die Turnierteilnahmen weiterer erwartbarer Favoriten noch eher spärlich bisher.

Die Regularien zum FIDE-Circuit finden sich genauer erläutert hier. Neben Turnieren mit klassischer Bedenkzeit kommen auch ausgewählte Top-Rapid- und Blitzturniere in die Wertung, wobei deren Gewicht geringer ausfällt. Insgesamt können bis zu sieben Turniere herangezogen werden. Es wird also viel Spielen belohnt, denn wer viele Turniereinsätze hat, kann auch einfacher ein weniger erfolgreiches Turnier streichen.

Ein Spieler qualifiziert sich 2025 für das