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Von Thorsten Cmiel

Eine Schachanalyse ist die detaillierte und nachträgliche Untersuchung und Bewertung einer Schachpartie. Betrachtet werden einzelne Züge, verfolgte Strategien oder einfach bestimmte Positionen. Inzwischen weiß man, dass bei bestem Spiel beider Seiten eine Schachpartie mit Remis enden sollte. Insofern ist es eine wichtige Aufgabe Kipppunkte zu identifizieren, also Momente, bei denen die Bewertung objektiv eine Unwucht bekommt. Sie umfasst das Prüfen von Eröffnungen, Mittelspielstrategien und Endspieltechniken, um die Stärken und Schwächen eines Spiels oder eines Spielers zu erkennen. Dabei werden oft auch alternative Züge und deren mögliche Konsequenzen betrachtet. Schachanalysen können sowohl manuell durch erfahrene Spieler als auch mit Hilfe von Schachcomputern und -software durchgeführt werden. Ziel ist es, das Verständnis für das Spiel zu vertiefen und die eigenen Fähigkeiten zu verbessern.

Vier Hauptziele einer Partieanalyse

1. Kipppunkt(e) bestimmen

Es ist für die retrospektive Analyse entscheidend ab wann eine Partie von einer ausgeglichenen Stellung in eine schlechtere Stellung oder sogar in eine verlorene Stellung überführt wurde, gekippt ist. Schachengines können da helfen.

Automatische Analyse mit dem Li-Chess-Tool

Der obige Chart zeigt den Verlauf einer zufällig ausgewählten Schachpartie in der Darstellung von Lichess, einem Internetportal bei dem Spieler ihre Partien in einem Schnelldurchlauf mit einer Schachengine prüfen können. Wir erkennen, dass Weiß zu Beginn einen leichten Vorteil hatte und, dass erst im Endspiel wirklich etwas los war. Der Schwarzspieler dieser Partie stand fünfmal auf Gewinn (Zacken nach unten), bekam es aber zunächst nicht hin. Für die Analyse hieße das, dass man die Zacken und die Absturzmomente – die Extrempunkte – genauer untersuchen sollte. Genau auf diese Weise analysieren Charttechniker an der Börse Kursverläufe und hoffen daraus die richtigen Schlüsse für zukünftige Entwicklung vorherzusagen. Beim Schach hat man seine Geschicke weitgehend selbst in der Hand.

2. Fehler entdecken

Am besten kann man nach einer Schachpartie zumindest Vermutungen darüber anstellen, welche eigenen oder gegnerischen Züge nicht sonderlich gelungen waren. Dieser Teil wird heutzutage zu häufig von starken Engines wie „Stockfish“ übernommen, die taktische Überprüfungen anstellen. Wer allerdings glaubt, dass die taktischen Engineanalyse die absolute Wahrheit erzählt, liegt falsch.

3. Verbesserungen suchen

Wenn man etwas Selbstdisziplin aufbringt und ohne Rechnerhilfe nach Lösungen für praktische Probleme sucht, dann verbessert man als Schachspieler sein Verständnis des Spielgeschehens.

4. Eigene Schwächen ermitteln.

Es geht nicht darum sich selbst zu zerfleischen in der nachträglichen Partieanalyse. Aber jede Partie kann Fragen aufwerfen: Was ist in der Eröffnung falsch gelaufen? Warum habe ich im Mittelspiel keinen Plan gefunden? Warum war mein Zeitverbrauch so hoch? Konnte ich im Endspiel bestimmte Stellungen nicht bewerten? Welches Wissen fehlte mir? Und viele weitere Fragestellungen sind denkbar.

Lebenslanges Lernen ist das Ziel

Das Ziel der Partie- oder Stellungsanalysen ist es, Verbesserungsideen für das eigene Spiel zu sammeln und möglichst bei der nächsten Gelegenheit anzuwenden. Dieser Verbesserungsprozess ist für jeden Schachspieler jeder Spielstärke möglich. Weltklassegroßmeister können allerdings als schon gut ausgebildete Spieler nur kleine Schritte machen. Sogar Magnus Carlsen kann besser werden. Allerdings haben mehrere führende Großmeister seine Schwächen nicht wirklich aufdecken können in fünf Weltmeisterschaftskämpfen.


Das AI-generierte Beitragsbild zeigt ein mechanisches Schloss im Stil eines „Da Vinci“-Codeschlosses. Es besteht aus mehreren rotierbaren Ringen mit Buchstaben darauf, die in Reihen angeordnet sind. An den Enden befinden sich dekorative Kappen mit geometrischen Mustern und Symbolen. Die Oberfläche der Buchstabenringe ist metallisch und detailliert mit Gravuren. Das Schloss hat einen antiken und mystischen Charakter und scheint für ein Rätsel oder eine Geheimhaltung konstruiert worden zu sein. Dieses Design erinnert an ein mechanisches Zahlenschloss, jedoch mit Buchstaben anstelle von Zahlen, und wird oft in Abenteuerspielen oder Geschichten verwendet, um eine geheime Botschaft zu entschlüsseln. Schachpartien sind solche Rätsel zumindest für die meisten Schachspieler.

Eine Schachanalyse ist die detaillierte und nachträgliche

Von Thorsten Cmiel

Partieanalysen erfolgen heutzutage weitgehend computergestützt. allerdings sind viele der Varianten, die der Rechner sekundenschnell auswirft, völlig irrelevant. Wir wollen uns daher auf verbale Erklärungen bei der Kommentierung konzentrieren. Das erscheint mir hilfreicher zu sein, als nur eine Taste am Rechner zu betätigen und dann zu meinen, man habe in einer Stellung die absolute Wahrheit gefunden. In einer Turnierpartie muss man schließlich auch Züge vor dem eigenen geistigen Auge rechtfertigen und hat keine Rechnerevaluierungen zur Hand.

Um zu verstehen was gemeint ist, soll uns jetzt eine aktuelle Partie von Alexander Donchenko aus der Europameisterschaft in Petrovac in Montenegro dienen. Die Partie gegen einen jungen aserbaidschanischen Großmeister verlief recht einseitig und endete nach misslungener Eröffnungsphase des Nachziehenden recht abrupt. Die zu analysierenden Varianten sind schwierig zu verstehen und bedürfen nur weniger Erläuterungen. Die Schlussstellung ist sehr ansprechend, und die Folgen recht einfach verständlich. Solch eine überzeugende Kurzpartie zu spielen wie es Alexander Donchenko hier gelungen ist, ist allerdings nicht „einfach“, im Gegenteil.

(Foto: Dariusz Gorzinski)

Die Analyse kann heruntergeladen werden und wer will kann sie mit seinem eigenen Datenbankprogramm, oder besser ohne, nochmals genauer anschauen oder archivieren.

Von Thorsten Cmiel Partieanalysen erfolgen heutzutage weitgehend computergestützt.

Symbolfoto: Dariusz Gorzinski

Von Thorsten Cmiel

Bei der Asienmeisterschaft 2019 in Nordchina trafen zwei der größten Talente der jüngeren Schachgeschichte aufeinander und beide waren an diesem Tag bereit, auf höchstem Niveau gegeneinander anzutreten und vielleicht ist Furchtlosigkeit eine Eigenschaft, die der Jugend vorbehalten sind. Die Rede ist von dem Inder Praggnanandhaa, kurz Pragg, Jahrgang 2005, und dem Iraner Alireza Firouzja, Jahrgang 2003. Inzwischen sind die beiden Spieler Topgroßmeister und haben bereits in Kandidatenturnieren mitgespielt. Wir steigen mit der ausführlichen Analyse erst zum Höhepunkt der Partie ein.

Die Betrachtung dieser Partie starten wir in der Diagrammstellung. Wer will sollte hier zunächst nach einer Lösung suchen und das Lesen für einen Moment einstellen…Praggnanandhaa steht in der Ausgangsstellung klar vorteilhaft und legt sofort nach, indem er seinen Springer c4 in Richtung gegnerischem König orientiert. Dabei nutzt er die vielen Figuren in der e-Linie. Es folgte 21.Sd6. Dieser Zug ist für sich genommen keine Sensation, aber wer die Partie ausführlich analysiert wird bemerken, dass der Springer auf d6 erst im 32. Zug das Feld wieder räumt. Bis dahin mussten beide Spieler jeden Zug auch das Schlagen des Springers berücksichtigen. In einer Turnierpartie ist das eine sehr rechenaufwendige Angelegenheit.

Die Analyse kann heruntergeladen werden und wer will kann sie mit der Engine seines Vertrauens, oder besser ohne, nochmals genauer anschauen oder archivieren.

Symbolfoto: Dariusz Gorzinski Von Thorsten Cmiel Bei der Asienmeisterschaft

Vera Menchik war eine russische Schachspielerin mit tschechischen und englischen Wurzeln. Menchik war die dominierende Schachspielerin ihrer Zeit und Weltmeisterin von 1927 bis 1944. Wegen ihrer hohen Spielstärke erhielt sie die Chance an vielen Eliteturnieren teilzunehmen und spielte gegen die besten männlichen Schachspieler der Welt.

Vera Menchik wurde am 16. Februar 1906 in Moskau geboren und begann schon früh mit dem Schachspiel. Ihr Vater, ein böhmischer Unternehmer, und ihre Mutter, eine britische Gouvernante, förderten ihr Talent. Ihr erstes Schachturnier spielte sie im Alter von 14 Jahren in der Schule. Aufgrund der Revolution in Russland zog ihre Familie 1921 nach Hastings in England. 1923 trat sie im Hastings Chess Club ein und wurde von dem Clubmeister John Athur James Drewitt (1871 – 1931) und dem heute noch bekannten ungarischen Meisterspieler Géza Maróczy (1870 – 1951) gefördert. Menchik spielte zunächst lokale Turniere und besiegte 1925 die britische Meisterin Edith Charlotte Price (1872 – 1956) in zwei Partien. Im Jahr 1927 gewann Menchik in London erstmals den Titel der Frauenschachweltmeisterin, mit 21 Jahren. Diesen Titel verteidigte sie erfolgreich siebenmal bis zu ihrem Tod in Wettkämpfen und Turnieren. Am 27. Juni 1944 kam Vera Menchik zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester bei einem deutschen Bomberangriff in London ums Leben.

Pionierin ihrer Zeit

Menchik war nicht nur im Frauenschach erfolgreich. Sie trat in zahlreichen Turnieren gegen männliche Meister an, erzielte bemerkenswerte Ergebnisse und besiegte unter anderen den Weltmeister Max Euwe (1901 – 1981), Samuel Reshevsky (1911 – 1992) und Sultan Khan (1905 – 1966). Vera Menchik legte meist Wert auf eine solide Eröffnung und ein übersichtliches Mittelspiel, war aber auch taktisch eine versierte Spielerin. Ihr Andenken wird in der Schachwelt und vor allem in England hochgehalten. Menchik gilt bis heute als Pionierin des Frauenschachs und Wegbereiterin für spätere Stars im Frauenschach. Die Trophäe für das Siegerteam bei der Schacholympiade der Frauen heißt ihr zu Ehren Vera-Menchik-Pokal.

Schachliche Erinnerungen

Vera Menchik – Edgar Colle, Paris 1929.

Hier hatte der belgische Meisterspieler Edgar Colle (1897 – 1932) eine Kombination gesehen und nahm auf d4 den Bauern, seine Idee war es nach dem Damenzug seinen Turm mit Tempo auf die die d-Linie zu ziehen und auf d2 zu schlagen, weil dieser Springer „vergiftet“ war. Nach Schlagen mit der Dame wäre ein Springerabzug nach h3 mit Schach erfolgt und die Dame auf d2 verloren. Wer hatte recht?

Vera Menchik hatte offenbar besser gerechnet. Tatsächlich funktionierte das Schlagen auf d4 nicht.

Vera Menchik – Sonja Graf Stevenson, Frauen WM-Kampf 1937

Die folgende Stellung stammt aus der vierzehnten Partie des Weltmeisterschaftskampfes 1937 gegen die deutsche Spielerin Sonja Graf Stevenson, die hier mit Schwarz spielte. Vera Menchik fand hier einen sehr starken Zug, den vermutlich jeder Schachspieler in Taktikbüchern bereits gesehen hat.

Vera Menchik spielte den Zug 21.Td7! und ihre Gegnerin gab auf. Das Motiv ist es die schwarze Dame vom Feld h2 abzulenken. Nach 21…Dxd7 wäre 22.Dxh5 gefolgt mit der Doppeldrohung Dh8 und Dh7 jeweils mit Matt. Nach 22…gxh5 folgt 23.Lh7 Matt(#).

TC

Vera Menchik war eine russische Schachspielerin mit

Offizielles Eventplakat (FIDE)

Die Regeln

Das Weltmeisterschaftsspiel besteht aus 14 Partien. Der Spieler, der 7,5 Punkte oder mehr erzielt, gewinnt das Match. Es werden keine weiteren Partien gespielt. Ist der Punktestand nach 14 Spielen ausgeglichen, wird der Sieger durch einen Stichkampf ermittelt. Im Stichkampf sind Schnellschachpartien vorgesehen, deren Bedenkzeit im Bedarfsfall und bei Gleichstand sukzessive reduziert würde.

Bedenkzeit

In den 14 Matchpartien erhalten die Spieler 120 Minuten für die ersten 40 Züge, danach gibt es 30 Minuten pro Spieler für den Rest der Partie. Ab dem 41. Zug erhalten die Spieler einen Zeitaufschlag von 30 Sekunden pro Zug (Inkrement).

Der Zeitplan

Die Weltmeisterschaft wird innerhalb von drei Wochen entschieden mit 14 Spieltagen und vier Ruhetagen. Sämtliche Spiele beginnen um 17:00 Uhr Ortszeit (GMT+8), dann ist es in Europa 10.00 Uhr, in St Louis (USA) ist es 3.00 Uhr nachts. Es gibt Ruhetage nach den Partien 3, 6, 9 und 12. Der erste Spieler, der 7,5 Punkte erreicht, ist der neue (alte) Schachweltmeister. Bei einem Unentschieden nach 14 Spielen werden am nächsten Tag Stichkämpfe gespielt, um den Sieger zu ermitteln.

25. November1. Partie
26.November2. Partie
27. November3. Partie
28. NovemberRuhetag
29. November4. Partie
30. November5. Partie
1. Dezember6. Partie
2. DezemberRuhetag
3. Dezember7. Partie
4. Dezember8. Partie
5. Dezember9. Partie
6. DezemberRuhetag
7. Dezember10. Partie
8. Dezember11. Partie
9. Dezember12. Partie
10. DezemberRuhetag
11. Dezember13. Partie
12. Dezember14. Partie
13. DezemberMögliche Stichkämpfe

Der neue Weltmeister wird am 14. Dezember in einer Abschlussveranstaltung gekürt. Nicht ganz eindeutig ist, wie der Zeitplan bei vorzeitigem Ende geregelt ist (TC).

Preisgeld


Der Gesamtpreisfonds für das Match beträgt 2,5 Millionen US-Dollar, wobei die Verteilung von den Spielergebnissen abhängt. Der Preisfonds wird wie folgt aufgeteilt: Jeder Spieler erhält 200.000 US-Dollar für jede gewonnene Partie. Das restliche Preisgeld wird zu gleichen Teilen unter den Spielern aufgeteilt. Wird der Sieger durch einen Stichkampf ermittelt, erhält der Sieger 1.300.000 US-Dollar, der Zweitplatzierte 1.200.000 US-Dollar.

Turnierort und Sponsoren

Der FIDE-Weltmeisterschaftswettkampf 2024 findet in Singapur statt. Lokaler Ausrichter ist der Schachverband von Singapur. Das Match findet im 5-Sterne Equarius Hotel, in den Resorts World Sentosa statt, auf der 49 Hektar großen Vergnügungsinsel Sentosa. Resorts World Sentosa ist gleichzeitig Sponsor des Events, das ein Gesamtbudget von mindestens 8,5 Millionen US-Dollar hat. Dem Organisationsteam ist es gelungen, Google als Titelsponsor für die Schachweltmeisterschaft zu gewinnen. Weitere Unterstützer sind das Ministerium für Sport, Kultur und Jugend von Singapur, der Tourismusverband und Chessable, einer e-Learning-Plattform für Schachinhalte.

Zuschauer

Es ist möglich den WM-Kampf als Zuschauer vor Ort zu verfolgen. Das einfache Ticket pro Runde kostet 64 Singapur Dollar, das entspricht etwa 45 Euro oder 47 US-Dollar. Dafür bekommt man zusätzlich Zugang zu einem Fanbereich. Daneben gibt es eine VIP-Bereich mit speziellem Catering. Ein VIP-Tagesticket kostet 380 Singapur-Dollar, was ungefähr 270 Euro und 280 US-Dollar entspricht. VIP erhalten bessere Plätze und können beispielsweise an Simultanveranstaltungen mit bekannten Großmeistern teilnehmen. Angekündigt sind die Ex-Weltmeister Vishwanathan Anand (IND), Alexandra Kosteniuk (SWZ) und Hou Yifan (CHN) sowie Boris Gelfand (ISR). Wer Tickets für mehrere Tage kauft, bekommt Rabatt.

Die ersten fünf Tage sind bereits ausverkauft (Stand 23. November 2024). Die Organisatoren bemühen sich um eine Erweiterung.

Nebenveranstaltungen

Vom 29. November bis zum 5. Dezember 2024 findet im Resorts World Sentosa Convention Centre ein internationales Offenes Turnier in zwei Leistungsgruppen statt. Die Turniere sind ausgebucht. Der Preisfonds liegt bei 100.000 Singapur Dollar, das entspricht etwa 70.000 Euro.

Singapore International Open 2024

Am 5. Dezember 2024 findet ein internationales Blitzturnier statt. Das Startgeld beträgt 50 Singapur-Dollar. Titelträger (IM, GM, WIM, WGM) sind startgeldfrei.

SIO Blitz Registration – Singapore Chess Festival 2024

Für ausgewählte Spieler gibt es ein viertägiges Trainingscamp, Masterclass genannt. Coaches sind die Großmeister Jacob Aagaard (DEN), Pavel Eljanov (UKR), Boris Gelfand (ISR) und Thomas Luther (GER).

FIDE World Chess Championship Singapore 2024

TC

Offizielles Eventplakat (FIDE) Die Regeln Das Weltmeisterschaftsspiel besteht aus

Foto: Michal Walusza (Fide Chess)

Von Thorsten Cmiel

Mit Lu Miaoyi betrat bei der Schacholympiade 2024 erstmals ein außerordentlich talentiertes chinesisches Talent die Weltbühne. Sie profitierte davon, dass China ohne ihre vier Topspielerinnen antrat und so kam Lu zu ihrem ersten Einsatz in Budapest. Sie spielte am Ersatzbrett und punktete mit siebeneinhalb Punkten aus neun Partien ordentlich. Mit einer Elozahl von 2441 ist die junge Chinesin im November 2024 bereits die Nummer 27 in der Weltrangliste.

Schon im Frühjahr 2024 war erkennbar, dass ihre 14-jährige Tochter in Kürze deutlich an ihr vorbeiziehen würde und den IM-Titel und danach den Titel eines Großmeisters erringen wird. So groß ist ihr Talent, nach meiner Einschätzung. Bereits 2020 stellte André Schulz, deutscher Chefredakteur für Chessbase Deutschland, das damals zehnjährige Mädchen in eine Reihe mit Yifan Hou. Zu Recht. Gestoppt wurde die Chinesin auf ihrem Weg in die Weltspitze zunächst durch die pandemiebedingte 15-monatige Reisepause. Im Frühjahr 2024 dann waren Mutter und Tochter auf Europatour und spielten ein Turnier nach dem anderen. Im Februar 2024 erzielte Miaoyi ihre erste IM-Norm im norwegischen Kragero. Unter ihren neun Gegnern in Norwegen waren sechs Großmeister, ein Internationaler Meister und eine Frauengroßmeisterin. Sie holte einen halben Punkt über den Durst. In der letzten Runde besiegte Miaoyi ihre Mutter in einem Feld mit zwanzig Teilnehmern – die eigene Mutter oder den Vater zu besiegen ist ein Ereignis, das viele Spieler in ihrer schachlichen Vita erwähnen. Selten holt man gleichzeitig eine wichtige Titelnorm.

Lu Miaoyi war bei der Schacholympiade in Budapest erstmals dabei. Zu Beginn sah es gut bei den Chinesinnen aus, die in den ersten vier Runden nur ein individuelles Remis zugelassen hatten. Dann folgten zwei überraschende Niederlagen gegen Armenien und das starke polnische Frauenteam und China fiel etwas ab im Kampf um die Medaillen. In der Vorschlussrunde ging es dann gegen die späteren Siegerinnen aus Indien. Lu Miaoyi trat gegen Vantika Agrawal an und die beiden Spielerinnen lieferten sich ein hochklassiges Theorieduell in einer scharfen französischen Verteidigung. Die Partie endete unentschieden. Vantika gewann Gold am vierten Brett und Lu wurde mit 7,5 Punkten aus neun Partien Dritte am Reservebrett und erhielt Bronze. Das chinesische Team ging leer aus.

Foto: Michal Walusza (Fide-Chess)

Diese Stellung ist aus der Steinitz-Variante der Französischen Verteidigung entstanden. Beide Spielerinnen waren nach dem Qualitätsopfer 25…Txd7 noch in der eigenen Vorbereitung und die Partie ging in der Logik dann zwingend Remis aus. Die Partie ist eine eröffnungstheoretisch wichtige Angelegenheit für Anhänger beider Spielkonzepte.

Die junge Chinesin Lu Miaoyi ist eines der größten schachlichen Talente des letzten Jahrzehnts. Es wird spannend sein ihre weitere Entwicklung und ihre Partien zu verfolgen. Die Frage ist meines Erachtens nur, ob sie wirklich Hou Yifan oder Judit Polgar folgt und Frauentitel auf Dauer verschmäht und in der so genannten offenen Klasse angreift.


Die Partienotation

Chess Olympiad Budapest 2024

Foto: Michal Walusza (Fide Chess)

Titelfoto: Selfie nach dem Turnier – ohne Siegerin.

Elisabeth Paehtz – missglückter Start

Die Deutsche hatte hier eine wichtige Entscheidung zu treffen, übersah aber die Antwort ihrer chinesischen Gegnerin und musste fortan eine schlechte Stellung verteidigen. Es gab zwei Kandidatenzüge. 33…Tc3 und 33…Sxg4. Nach Schlagen auf g4 gerät die Stellung in ein materielles Ungleichgewicht, aber wie ist das zu bewerten?



Ein schachlicher Unfall

In der zweiten Runde kam es zu einem seltenen Unfall in der Partie der deutschen Großmeisterin Elisabeth Paehtz und ihrer mongolischen Gegnerin. Die Partie dauerte nach einem groben Fehler der deutschen Spielerin nur 17 Züge.


Goryachkina – übernimmt früh die Führung

Die entscheidende Partie für den Turnierausgang war letztlich die Begegnung der zwei Turnierfavoritinnen. Die Chinesin Tan Zhongyi erwischte keinen guten Tag und verlor weitgehend ohne Widerstand, aber nicht ohne Chancen für ein besseres Ergebnis. Gorychkina konnte ihren Vorsprung im weiteren Turnierverlauf verteidigen und gewann schließlich mit einem halben Punkt Vorsprung.


Lokalmatadorin nimmt Anlauf auf GM-Titel


Die Griechin Tsolakidou startet vielversprechend


Die Kasachin Assaubayeva muss noch warten


Stavroula Tsokalidou könnte GM-Norm schaffen


Mongolin im Clinch mit Svechnikov-Sizilianer


Zweite Niederlage. Tags drauf.


Eigentlich war der Sieg für die Kasachin sicher


Divya gewinnt Vorbereitung – dann geht es bergab


Doppel Interview nach der Partie in der achten Runde. Moderation: Charlize van Zyl (Fide Chess).

Großmeisternorm für Stavroula Tsolakidou zu früh



Hier ist der Button zum Download (Beispiel)

Sämtliche Fotos: Konstantin Chalabov (Fide Chess)

TC

Titelfoto: Selfie nach dem Turnier - ohne

Foto: Maria Emelianova (Singapur 2024)

Von Thorsten Cmiel

Im Ecosystem des Schachsports erscheint immer wieder ein neuer Stern, der die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zieht. Manche leuchten besonders hell. Einer dieser aufstrebenden Stars ist der junge indische Schachgroßmeister Dommaraju Gukesh. Mit seinen beeindruckenden Leistungen hat Gukesh nicht nur die indische Schachszene erobert, sondern insbesondere 2024 international für Aufsehen gesorgt. Sein nächstes großes Ziel ist der bevorstehende Weltmeisterschaftskampf in Singapur gegen den chinesischen Titelverteidiger Ding Liren.

Wer ist Gukesh?

Dommaraju Gukesh, so sein vollständiger Name, wurde am 29. Mai 2006 in Chennai, Indien, geboren. Als das Talent sichtbar wurde ging sein Vater, ein Arzt, mit seinem Sohn auf Reisen und förderte so die Karriere seines Sohnes. 2015 steht Gukesh als Candidate Master in den Titelbüchern und drei Jahre später war Gukesh bereits Internationaler Meister. Im Jahr 2019 folgte der Titel eines Großmeisters und war zu diesem Zeitpunkt der zweitjüngste Spieler, dem dies gelang. Mit seinen überragenden Rechenkünsten hat er sich schnell als Topgroßmeister etabliert und 2024 seinen endgültigen Durchbruch im Spitzenschach geschafft.

Der eigene Weg – zunächst Verzicht auf Computerunterstützung

Auf Anraten seines langjährigen Trainers Vishnu Prassana verzichtete der Jungmeister lange Zeit auf den Einsatz von Computern und Schachengines bei der Vorbereitung und Analyse. Diese heutzutage eher ungewöhnliche Herangehensweise stärkte letztlich seine Rechenfähigkeiten und förderte seine Kreativität bei der Suche nach eigenen Lösungen. Gukesh gilt als der rechenstärkste Großmeister seiner Generation. Zudem hat diese Methode den positiven Nebeneffekt erzielt, dass Gukesh seinen Rechenfähigkeiten scheinbar uneingeschränkt vertraut. Selbstbewusstsein.

Rituale

In der Leichtathletik können die Zuschauer am Fernseher beobachten wie sich die Sportler auf anstehende Wettbewerbe innerlich vorbereiten. Die Sportlerinnen oder Sportler gehen dann häufig einen Hürden-Lauf oder Hochsprung beispielsweise vor dem geistigen Auge durch. Das gilt ebenfalls für Slalom-Skifahrer, die sich auf die Wendungen im anstehenden Rennen vorbereiten. Bei vielen Schachspielern ist das ähnlich, wobei hier natürlich die anstehenden Wendungen in einer Partie nicht vorweg genommen werden können. Viele Schachspieler folgen einem Ritual, um sich auf die Partie einzustimmen.

Bei der Schacholympiade in Budapest 2024 konnte man bei Gukesh jeden Tag den gleichen Ablauf beobachten: Nach der obligatorischen Kontrolle am Eingang, die inzwischen an Flughafenkontrollen erinnern, stürmte Gukesh zu seinem Brett. Er hatte offensichtlich keine Lust auf Smalltalk mit seinen Kolleginnen und Kollegen vor den Partien. Er war fokussiert auf die anstehende Partie. Ein Videofilmer von Chessbase India folgte Gukesh jeden Tag mit einem Abstand von ein bis zwei Metern und hatte Probleme dem Tempo von Gukesh zu folgen. Einmal am Brett begann der Inder sein tägliches Ritual, das man bei ihm vor jeder Partie beobachten kann. In Toronto hatte ich es vor jeder Runde beobachtet. Mit verschränkten Armen sitzt der Youngster am Brett, schließt die Augen, fokussiert sich auf die anstehende Aufgabe, vermutlich ist es eine Form der Meditation, die man vor den Partien bei Gukesh beobachten kann.

Sobald die Partie beginnt gibt es den obligatorischen Handschlag für den Gegner und dann kommen die vorbereiteten Züge auf das Brett. Mit dann offenen Augen spielt er seine Partien und steht eher selten vom Brett auf. Steht Gukesh länger sieht es meist gut für ihn aus. Nach einem längeren Endspiel gegen den Aseri Nijat Abasov beim Kandidatenturnier in Toronto beispielsweise beobachteten einige Zuschauer, dass Gukesh aufstand und sich reckte. In Jugendsprache, er „flexte“. Ein vermutlich unbewusstes Signal an den Gegner, dass die Sache entschieden ist.

Auch zum Partieende folgt ein Ritual. Zunächst unterschreibt er wie alle Spieler es müssen die Partieformulare, die dann von einem Schiedsrichter im Original eingesammelt werden. Der Inder falltet seinen Durchschlag akurat und steckt ihn ein. Danach bringt Gukesh das Brett in Ordnung. Er baut die Figuren auf, was nicht jeder Schachspieler macht und was auch nicht vorgeschrieben ist. Danach folgen eingespielte Handbewegungen und ein Tippen an die Stirn sowie auf den Schachtisch. Ein indischer Geschäftsmann und Sponsor von Gukesh bezeichnet das in Toronto im Gespräch als eine Respektsbekundung für das Spiel. Das scheint eine gute Interpretation zu sein.

Spielstil

Gukeshs Weg zur Spitze war von zahlreichen Erfolgen und einem stetigen Spielstärkeaufwuchs geprägt. Er war einer der aktivsten Spieler auf der Tour und nahm an vielen internationalen Open-Turnieren teil. Das war eine Notwendigkeit, um finanzielle Mittel zu generieren und weil Einladungen für Rundenturniere nicht reinkamen. Das stählt. Der Inder ist in der Regel nicht auf den schnellen Punkt aus, sondern er lernte durch Vermeiden von eigenen Fehlern viele Punkte einzusammeln. Insofern ist sein Spielstil vergleichbar mit dem von Spielern wie Magnus Carlsen oder Anatoly Karpov, um ganz oben ins Regal der Vergleiche zu greifen.

Supportsystem

Ich habe kein besonders ausgeprägtes Privatleben. Ich meine, mein ganzes Leben dreht sich um Schach. Um alles andere kümmern sich meine Eltern und mein Team. Mein einziger Job ist es, Schach zu spielen, das ist also ganz nett.

Gukesh in Singapur vor dem Match.

Gukesh wird gecoacht von dem 1985 geborenen polnischen Großmeister Grzegorz Gajewski. Die beiden arbeiten seit fast zwei Jahren zusammen. Das engere Team Gukesh scheint zu harmonieren. Spieler und Trainer wirken introvertiert, ruhig und bedächtig, aber wenn es um Schach geht, dann erwacht sofort die Leidenschaft und beide werden gesprächig. Der zweite Mann und ständige Reisebegleiter des jungen Inders kennt ihn schon etwas länger. Sein Vater, Rajini Kanth. Rajini ist Chirurg und hat seine Karriere aufgeben, um die Karriere seines einzigen Sohnes zu fördern. Während Gukesh meist viel Ruhe ausstrahlt, kann sein Vater die Nervosität kaum ablegen. Während der Pressekonferenz zum Auftakt folgten Gajewski und Rajini dem Geschehen: aufmerksam und vor allem ruhig, noch.

Zum Team Gukesh gehört genau so seine Mutter, Padma. Sie ist Mikrobiologin und ist vor allem als Organisatorin zuständig. Gukesh und sein Vater waren die letzten Jahre oft längere Zeit unterwegs und die Familie kam nur eine Woche im Monat zusammen. Diese Entbehrungen, die offenbar nötig sind, um es in der Schachwelt ganz nach oben zu schaffen, zählen jetzt nicht mehr. Jetzt ist die Familie am Ziel. Gukesh spielt um die Weltmeisterschaft. Das ultimative Ziel ist nah.

Der bevorstehende WM Kampf in Singapur

Der Schach-Weltmeisterschaftskampf in Singapur wird mit klassischer Bedenkzeit ausgetragen und nicht nur in Indien herbeigesehnt. Für Gukesh ist dies seine erste Gelegenheit erneut echte Schachhistorie zu schreiben. Bei seinem Sieg im Kandidatenturnier in Toronto überzeugte der siebzehnjährige Inder bereits das Fachpublikum und bei der Schacholympiade in Budapest erzielte Gukesh eines der besten Einzelergebnisse der Schachgeschichte. Mit neun Punkten aus zehn Partien gewann Gukesh nicht nur ein individuelle Goldmedaille wie zwei Jahre zuvor am ersten Brett. Diesmal blieb der Youngster ungeschlagen und konnte mit dem Chinesen Wei Yi und dem US-Amerikaner Fabiano Caruana zwei schachliche Schwergewichte besiegen. Gukesh geht als die Nummer Fünf in der Welt ins Rennen um den WM-Titel.

Vorbereitung

In Vorbereitung auf den Kampf in Singapur absolviert Gukesh wie vor dem Kandidatenturnier in Toronto ein intensives Trainingsprogramm mit seinem Team. Er arbeitet mit einigen erfahrenen Spieler zusammen. Das Team ist im Vorfeld der Weltmeisterschaft natürlich nicht bekannt, man will dem gegnerischen Team keine wertvollen Informationen geben. Lediglich war sein Headcoach Grzegorz Gajewski gesetzt. In einem Interview im Vorfeld der Weltmeisterschaft sagte Gukesh: “Was mein Team betrifft, kann ich sagen, dass Gajewski mein Trainer für das Match sein wird, aber darüber hinaus kann ich nicht viel verraten.“ In solchen Trainingscamps wird nicht nur Schach gespielt und Eröffnungsvorbereitung betrieben. Von Gukesh ist bekannt, dass er mit Gajewski gerne und regelmäßig Tennis spielt.

Matchstrategie

Es ist nicht zu erwarten, dass Gukesh seine sehr geduldige Spielstrategie ändert und übermäßig aggressiv zu Werke geht. Das würde auch nicht zu seiner Person passen. Gukesh ist für sein Alter bereits ein sehr reflektierter junger Mann, der in Interviews seine Worte mit Bedacht wählt. Gukesh liest gerne Sportlerbiographien und sucht so bei anderen erfolgreichen Sportlern Inspirationen. Im Vorfeld wurde jetzt bekannt, dass Gukesh mit einem Mental-Coach zusammengearbeitet hat, der vor allem indische Cricketsportler gecoacht hat. In einem Interview mit Sagar Shah für Chessbase India erfährt man mehr über den geborenen Südafrikaner Paddy Upton. Er erläutert seinen Zugang zu einem Spiel, das neu für ihn war. Schach unterscheidet sich laut Upton aus seiner Sicht von den anderen 19 Sportarten in denen er vorher Leistungssportler gecoacht hat. Schach findet nur im Gehirn statt, anders als bei anderen Sportarten bei denen es letztlich um körperliche Fähigkeiten geht. Homepage Paddy Upton

Favoritenrolle für den Herausforderer

Dommaraju Gukesh überzeugte nicht nur beim Kandidatenturnier in Toronto, sondern ebenfalls im September 2024 am ersten Brett des indischen Teams bei der Schacholympiade in Budapest. Seine herausragende Leistung unterstrich seine gute Form im Vorfeld des bevorstehenden WM-Kampfes in Singapur. Gukesh gewann nicht nur individuelles Gold am ersten Brett, sondern die indische Mannschaft gewann souverän das wichtigste Teamevent im Schach. Aber Gukesh hat bereits mehrfach in Interviews erwähnt, dass er sich nicht auf einen Gegner außer Form vorbereitet, sondern einen starken Gegner erwartet.

Es wird ein Massaker.

Arjun Erigaisi, indischer Schachgroßmeister.

Es gibt nur zwei vernünftige Vorhersagen. Es wird knapp oder Gukesh wird mit deutlichem Vorsprung gewinnen. Die meisten haben auf beide Möglichkeiten gesetzt. Ich werde nicht feige sein und sage einen klaren Sieg mit +2 oder +3 für Gukesh voraus, der sich nie wie ein Wettkampf anfühlt. Ich erwarte auch, dass Ding nach dem Spiel zurücktritt, falls er verliert. Es ist traurig zu sehen, wie ein Mann so sehr darum kämpft, dass seine Träume wahr werden.

Jacob Aagaard, dänischer Schachgroßmeister, Trainer und Verleger.

Wie groß ist der Druck, der auf dem Teenager lastet?

Gefragt nach dem Druck vor dem Wettkampf sagte Gukesh: Es ist immer ein Privileg, für Indien auf so hohem Niveau zu spielen, und ich genieße diese Erfahrung. Ich denke, dass ich mit Druck vor allem durch Erfahrung umgehen kann. Ich habe schon in vielen Situationen mit hohem Druck gespielt, wenn auch nicht bei einer Weltmeisterschaft, natürlich. Aber ich freue mich auf die neue Erfahrung.

Quelle: Take Take Take via Youtube.

Pressekonferenz vor dem Match

Gukesh zeigte sich glücklich in Singapur zu sein, zumal er einen WM-Kampf herbeisehne, seit er mit dem Schachspielen begonnen hat. Er habe alle Chancen der Welt, wenn er weiterhin gutes Schach spiele und in jeder Partie die beste Version seiner selbst zeige.

„Ich bin sicherlich etwas nervös, aber ich fühle mich gut dabei. Der einzige Gedanke, den ich habe, ist, mein Bestes zu geben und zu sehen, was passiert. Es ist eine Ehre und ein Privileg für mich, für Indien bei irgendeiner Veranstaltung zu spielen, besonders bei einer Veranstaltung wie der Olympiade oder der Weltmeisterschaft. Es ist ein so großes Ereignis, mein Land zu vertreten und die Hoffnungen der Inder zu tragen: Das ist eine Ehre für mich. Ich nehme das sehr ernst. Ich werde gegen Ding Liren antreten, der seit mehr als einem Jahrzehnt zu den besten Spielern der Welt gehört.

Die offizielle Homepage zum Weltmeisterschaftskampf

Interviewauszüge 10.11.2024 (FIDE)

Im Ecosystem des Schachsports erscheint immer wieder

Ex-Weltmeister Garry Kasparow (2024) Foto: John Brezina

Die Qualifikation zur Schachweltmeisterschaft ist ein hart umkämpfter Prozess, der die besten Talente der Schachwelt herausfordert. Durch die Kombination aus Ranglisten, kontinentalen Meisterschaften, Turnieren, dem FIDE-Circuit, dem FIDE-Weltcup und dem Kandidatenturnier wird sichergestellt, dass nur die bestvorbereiteten und stärksten Spieler die Möglichkeit erhalten, um den Titel des Schachweltmeisters zu kämpfen.

Historisch betrachtet gibt es im Schach nur einen Titel, der wirklich zählt. Es ist der Titel des Schachweltmeisters mit klassischer Bedenkzeit. Bereits bevor die Schachwelt durch eine internationale Organisation repräsentiert wurde gab es Weltmeister und Herausforderer. Nicht immer wurden die Herausforderer allerdings in einem sportlichen Wettkampf ermittelt. Gelegentlich hing es am Geld wer sein Glück versuchen durfte. Das ist jetzt anders.

Qualifikation zur Schachweltmeisterschaft

Die Qualifikation zur Schachweltmeisterschaft ist ein mehrstufiger Prozess, der sicherstellen soll, dass die besten Schachspieler der Welt die Möglichkeit haben, um den begehrten Titel des Schachweltmeisters zu kämpfen. Dieser Prozess wird von der Fédération Internationale des Échecs (FIDE), dem Weltschachbund, organisiert und unterliegt einem klar definierten Regelwerk. Dieses Regelwerk wurde jedoch in der Vergangenheit immer wieder geändert. Zurzeit wird der Herausforderer für den Weltmeisterschaftskampf alle zwei Jahre in einem Kandidatenturnier mit acht Spielern ermittelt. Vor allem in den Siebziger- und Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts gab es Wettkämpfe, um den Herausforderer zu ermitteln, diese wurden als Kandidatenkämpfe bezeichnet. Für diese K.o.-Wettkämpfe qualifizierten sich die Spieler über Zonen- und Interzonenturniere, die nach regionalen Kriterien zusammengestellt waren.

Kritik

Egal wie der Findungsprozess für den Herausforderer und zuvor die Auswahl der Kandidaten aussieht, in der Schachwelt gibt es immer Kritik. Manchmal berechtigt, manchmal interessengeleitet. Der Qualifikationsmodus für das Kandidatenturnier 2024 wurde stark kritisiert. Bis zum letzten Kandidatenturnier erhielt der in der Weltrangliste am besten positionierte Spieler einen Platz beim Kandidatenturnier. Das ist nicht mehr so. Im Dezember 2023 hatte der ehemalige iranische Großmeister Alireza Firouzja seinen Platz durch einige Lastminute-Auftritte in seiner neuen Heimat, Frankreich, erspielt. Das veranlasste die FIDE unter anderem dazu, bei Turnieren für das Ermitteln von Kandidaten striktere Vorgaben für auswertbare Turniere zu machen. Der Verlierer des Weltmeisterschaftskampfes erhielt bisher ebenfalls einen Platz im Kandidatenturnier. Die letzte Änderung im Qualifikationsprozess hat diesen automatischen Platz des Herausforderers abgeschafft. Vor allem 2014 war dieser Platz historisch relevant: Vishy Anand spielte wenige Monate nach seiner Niederlage im Weltmeisterschaftskampf 2013 gegen Magnus Carlsen das Kandidatenturnier in Chanty-Mansijsk mit, gewann und versuchte den Titel zurück zu holen.

Diese Änderungen wurden sorgfältig durchdacht, wobei alle wichtigen Faktoren berücksichtigt wurden, mit dem Ziel, den Qualifikationsprozess attraktiver und fairer zu gestalten. Dies spiegelt das Engagement der FIDE wider, den Qualifikationsprozess weiterzuentwickeln und zu verfeinern, um ein dynamisches und wettbewerbsfähiges Schachumfeld zu fördern.

(Arkady Dvorkovich, der Präsident der FIDE)

FIDE Weltcup

Der FIDE-Weltcup ist ein K.-o.-Turnier, das alle zwei Jahre stattfindet. Die besten drei Spieler dieses etwa einmonatigen Turniers qualifizieren sich direkt für das Kandidatenturnier. Die Teilnehmerzahl lag zuletzt in der offenen Klasse bei 256 Spielern. Für den Weltcup sind die stärksten Spieler laut Elozahlenliste zu einem bestimmten Stichtag automatisch qualifiziert. Die restlichen Plätze gehen an regionale Sieger von Kontinentalmeisterschaften. Indien, ohnehin so groß wie ein Kontinent, beispielsweise vergibt einige wenige Qualifikationsplätze via der eigenen Landesmeisterschaft. das gilt auch für die US-Meisterschaft. Der letzte FIDE Weltcup fand beginnend Ende Juli bis Ende August in Baku (Aserbaidschan) statt. Der Preisfonds betrug 1.834.000 US-Dollar. Der nächste Weltcup in der offenen Klasse findet 2025 statt.

FIDE Grand Swiss

Zwei Qualifikationsplätze für das Kandidatenturnier werden über das FIDE Grand Swiss 2025 vergeben. Das ist ein semioffenes (qualifizierte Spieler) Turnier für die stärksten Spieler der Welt. es werden elf Runden nach Schweizer System gespielt. Im letzten Zyklus fand das Turnier auf der Isle of Man beginnend Ende Oktober statt. Der Preisfonds in der offenen Klasse betrug 2023 insgesamt 460.000 US-Dollar. Sieger war der Inder Vidit Gujrathi. Es gab einen Doppelsieg für Indien. Vaishali gewann bei den Frauen. Der zweite Qualifikant für das Kandidatenturnier war Hikaru Nakamura.

FIDE Circuit

Im FIDE Circuit vergibt der Weltschachbund im Weltmeisterzyklus 2026 zwei Qualifikationsplätze. Für das Kandidatenturnier 2026 qualifizieren sich die Spieler mit den besten Einzelergebnissen 2024 und 2025. Diese Ergebnisse werden nach einem definierten Berechnungsprozess ermittelt. Für die Jahresendabrechnungen werden die sieben besten Turniere gewertet. Besonders starke Schnellschach- und Blitzturniere können ebenfalls in die Wertung einbezogen werden. Sie bieten aber weniger Wertungspunkte als Turniere nach klassischer Wertung und es gehen nur maximal zwei Turniere in die Wertung ein. Beispielsweise ist die Schnellschach- und Blitzweltmeisterschaft traditionell das letzte Großereignis des Jahres. Im Jahr 2025 könnte es einen weiteren Qualifikationsplatz im FIDE Circuit geben, falls der Ratingplatz nicht beansprucht oder der betreffende Spieler sich bereits anderweitig qualifiziert hat.

Wie die acht Plätze im Kandidatenturnier 2026 vergeben werden

QualifikationspfadWannAnzahl der Qualifikationsplätze
FIDE WeltcupAugust 20253
FIDE GRAND SWISSOktober/November 20252
FIDE CIRCUIT2024 und 2025 ganzjährig2 (2024 und 2025 jeweils einer)
RatingplatzDurchschnitt Juli bis Dezemberliste 20251*

Dieser Platz könnte an den Zweitplatzierten im FIDE CIRCUIT 2025 gehen, falls er nicht benötigt wird. Oder beispielsweise im Fall von Magnus Carlsen nicht beansprucht wird.

Kandidatenturnier

Das Kandidatenturnier ist das letzte und entscheidende Turnier der Qualifikationsphase. Es besteht aus einem Rundenturnier mit acht Teilnehmern, darunter die bestplatzierten Spieler des Weltcups, der Verlierer des letzten Weltmeisterschaftsduells* und einige der höchstbewerteten Spieler der FIDE-Weltrangliste, die sich nicht anderweitig qualifiziert haben. Der Sieger des Kandidatenturniers erhält das Recht, den amtierenden Weltmeister im Titelkampf herauszufordern.

Das letzte Kandidatenturnier fand 2024 in Toronto statt. Der Sieger war Gukesh aus Indien, der den chinesischen Titelverteidiger Ding Liren im November in Singapur herausfordert.

Weltmeisterschaftskampf

Der finale Kampf um die Schachweltmeisterschaft ist ein Match zwischen dem amtierenden Weltmeister und dem Sieger des Kandidatenturniers. Dieses Match besteht traditionell aus mehreren Partien, wobei der Spieler gewinnt, der als erster eine bestimmte Anzahl von Punkten erreicht. Der Weltmeisterschaftskampf zieht große mediale Aufmerksamkeit auf sich und gilt als das prestigeträchtigste Ereignis in der Schachwelt.

FIDE Circuit 2024 (offizielle Regeln)

TC

Ex-Weltmeister Garry Kasparow (2024) Foto: John Brezina Die

Es ist bemerkenswert, dass diese Frage innerhalb des organisierten Sports, bei den Sportverbänden selbst, gar keine Rolle mehr spielt. Schach ist ein anerkannter Sport. Aber: Schach ist keine olympische Sportart. Das bedeutet vor allem weniger öffentliche Förderung der Spitzenathleten. Unter Sportwissenschaftlern ist unstrittig, dass Schach ein mentaler Wettkampfsport ist, der sowohl am Brett als auch online ausgetragen werden kann.

Schach wird als Sportart vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) anerkannt. Willi Weyer Präsident des Deutschen Sportbunds gab 1977 an, dass Schach zumindest im Turnierbetrieb „unbestreitbar als Sport anzusehen“ sei.

Schach ist ein Denksport und erfordert strategisches Denken, Konzentration und mentale Ausdauer. Zumindest auf internationalem Spitzenlevel müssen die Spieler körperlich fit sein, um gute Leistungen in mehrtägigen Turnieren erbringen zu können. Schachturniere werden weltweit organisiert, und es gibt offizielle Schachverbände, die ähnlich wie in anderen Sportarten Regeln und Ranglisten festlegen. Wie in anderen, mehr körperlichen Sportarten müssen Schachspieler intensiv trainieren, um ihre spezifischen Fähigkeiten zu verbessern. Die Popularität von Schach ist während der Pandemie durch die Möglichkeit online Schach zu spielen und durch Videos Schachinhalte zu konsumieren enorm gestiegen. Einen speziellen Boom erfuhr das Schachspiel durch die erfolgreiche Netflix-Serie „The Queen’s Gambit“.

Zugänglichkeit für alle
Spielcharakter
Leistungsprinzip
Gebundenheit an Regeln
Wettkampfform
Organisationsstruktur
Internationalität
körperliche Betätigung

(Titelfoto: Hochleistungsschach Tata Steel India 2024. Foto: Lennart Ootes)

Turnierszene aus dem Netflix-Film The Queens Gambit via Twitter (externer Link)

Schach ist ein mentaler Sport, der in jedem Alter praktiziert werden kann. Zuletzt erstaunte ein dreijähriger Inder die Schachwelt, der eine respektable Einstiegselozahl erspielen konnte. Immer wieder spielen auch Hunderjährige Schachturniere. Unterschiedlich alte Sportler können in Schachturnieren sogar gegeneinander spielen. Das gilt genau so auch für unterschiedliche Geschlechter, anders als in vielen anderen, körperlichen Sportarten haben Frauen keinen physiologischen Nachteil im Schachsport.

Die bislang beste Schachspielerin der Welt ist Judit Polgar, die in der Zeit ihrer aktiven Karriere an Topturnieren teilnahm. Der Weltschachbund FIDE unterteilt die Welt in Jung, Alt, Frau und Mann, um spezielle Wettbewerbe unter möglichst fairen Bedingungen auszutragen. Dabei dürfen Frauen in der so genannten offenen Klasse meist gegen Männer antreten, wenn sie nicht mit Frauen konkurrieren wollen. Judit Polgar hat sich immer genau dafür entschieden.

Es ist bemerkenswert, dass diese Frage innerhalb